Nr. 202. Berlin, Mittwoch den 22. November Social-Deuwkrnt. Diese Zeitung erscheint täglich mit Aninabme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Arbciter-Vcreins. Redigirt von I. v. V. Hofstetten und Z. L. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnement?-Preis slir Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich l8 Sgr., mo- nallich v Egr., einzelne Nummern 1 Sgr.! bei den Königl. preußischen Post- ämtcrn!K'/z Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichipreußischen Deutsch- land IS»/« Sgr., im übrigen Deutschland 1 Tblr.(st. 1. 45. stldd., sl. 1. 50. ästerr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. l, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genomine». Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespallene Petil-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr.>>,r!chiiet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Liltle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrä-des-Arts. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 21. Nov.[Sn der hohen Politik� ist nichts Neues bekannt geworden. Die letzte Erklärung der deutschen Mittelstaaten am Bundestage und die Anerkennung Italiens Seitens derselben nehmen noch intiner die öffentliche Auf» merksainkcit in Anspruch. Mögen diejenigen, welche in dem letzteren Schritte der Mittelstaaten ein An- zeichen selbstständigerer Haltung derselben erkennen wollen, bedenken, daß dieselben durch ihre Erklärung am Bunde ihre Ohnmacht in aller Form selbst erklärt haben, verbunden mit der Anerkenntniß, daß das bestehende öffentliche Recht in Deutschland be- reits gänzlich vervormächtelt ist. jNach Sibirien.] In voriger Woche sind, wie der„BreSl. Ztg." aus Warschau ge- schrieben wird, 60 politische Jnhaftirte aus der Eitadelle nach Sibirien transportirt worden. Mehrere der Unglücklichen waren in Ketten ge- schmiedet, darunter ein achtzigjähriger Greis. —[In der Beschwerde des Herrn Elias Friedländerj, deren sich unsere Leser noch erinnern werden, ließen sich dieser Tage die Bromberger Zeitungen aus Pose» schreiben, in dieser Beschwerdesache gegen den Vertreter de« dortigen Polizeipräsidenten habe die Regie- rung eine Untersuchung verfügt und„auf Grund eines umfassenden Zeugenverhörs" in einem an Herrn Fried- länder erlasieneu Bescheid die in der Beschwerde ange- führten Thalsachen und Behauptungen in den graviren- den Punkten als unrichtig und entstellt bezeichnet und die Beschwerde als unbegründet erkannt. Eine recht notbwendige Ergänzung— die Nachrichten aus Pofener Polizeikreisen bedürfen deren bisweilen— giebt jetzt die in Pose» selbst erscheinende„Ostd. Ztg.", indem sie berichtet:„Das seitens der hiesigen Regierung ange- stellte„umfassende Zeuge»verhör" in der Fried- länder'schen Sache hat sich ausschließlich auf die Beamten der von Hrn. Friedländer angegris- fenen Polizeidirection beschränkt. Eivilzeugen sind noch nicht vernommen worden. Hr. Fried- länder hat sich jetzt an die Königl. Staatsanwaltschaft Hierselbst mit dem Ersuchen gewandt, auch Eivilzeugen zu vernehmen, und mit dem Anerbieten, den Beweis der Wahrheit für seine Behauptungen z» führen. * Wien, 20. Nov. sA mnestie. Der sieben- bllrgische Landtag. Wahlen in Ofen.] Der Kaiser hat gestern eine umfaffende Amnestie für das Königreich Galizicn erlassen.— AuS Klau- senburg wird heute telegraphirt: Der sieben- bllrgische Landtag wurde durch die Vorlesung eines kaiserlichen Reskripts eröffnet, welches den Landtag aufforderte, die Regelung des staatsrechtlichen Ver- hältnisses Siebenbürgens reiflich zu erwägen und diese Frage bei dem innigen Verbände, in welchem Siebenbürgen zur ungarischen Krone stehe, im richtig verstandenen Interesse beider Länder einer endgiltigen Lösung zuzuführen. Durch das Reskript wird dem Landtage als einziger Bcrathungsgegen- stand vorgelegt eine Revision des ersten Artikels ' des vom siebenbürgischen Landtage im Jahre 1848 berathenen Gesetzes, betreffend die Vereinigung Ungarns und Siebenbürgens, dessen Bestimmungen mit Rücksicht- auf die beiden Ländern gemeinsamen Interessen neuerdings„einer eingehenden Berathung zu unterziehen und der allerhöchsten Schlußfassung zu unterbreiten sind". In gleicher Weise wird der ungarische Landtag zu einer Revision des 7. Artikels des Gesetzes vom Jahre 1848 aufgefordert werden.— Aus Ofen läuft die Nachrickil ein, daß die Land- ' tags-Wahlen dortselbst beendigt sind. Baron Eöt- v ös und Peter Rath wurden durch Acclamation gewählt.____ Ausland. * Paris, 19. Nov.[Tagesbericht.] Der „Abend-Monjteur" constatirt heute mit großem Wohlbehagen den Beifall, welchen die ganze aus- ländische Presse den Moniteur-Decreten ge- zollt habe. Die Begeisterung, welche diese Decrete hervorgerufen, wird aber im Auslände abnehmen, wenn man auö der Heuligen Moniteur-Note ersehen hat, daß die französische Armee nur um 10,396 und nicht um 42,000 Mann verringert wird und die Ersparnisse sich nicht auf 40 bis 50 Millionen, sondern nur auf 12,645,000 Fr. belaufen. Im Grunde genommen, bleibt also Alles beim Alten. ! Die französische Armee würde gerade so stark da- stehen, wie früher, wenn eS zum Klappen käme, und was die Unzufriedenheit betrifft, welche durck» diese Maßregeln hervorgerufen würde, so wird dieselbe sich bald in Wohlbehagen auflösen, da man i jetzt weiß, daß man ihr nickt ernstlich an den ■ Kragen zu gehen wagt.— Die Reductionen im Marinebudget werden demnächst bekannt ge- macht werden, doch sich nur auf etwa 4 Millionen herausstellen.— Die Aufhebung des Octroi schwebt noch immer als liebgewordene Hoffnung im Gesichtskreise der landwirthschaftlichen Producenten sowohl wie der Stadtbewohner. Eine Petition um diese wichtige Reform dürfte eines der ersten Er- gebnisse des CongresseS der Weinbergbesitzer sein, welcher am 18. December zusammentritt.— Der Adjunct des Maire's von Tours, Herr Richard, der sich Wahlbetrügereien hat zu Schulden kommen lassen, ist zu einem Monat Gefängniß und 1000 Fr. Geldstrafe veruriheilt worden. Derselbe war bei den letzten Gemeiuderathswahlen beauf- tragt, den Wählern die Stimmzettel abzunehmen und sie in die Wahlurne zu werfen. Er benutzte dieses dazu, um sie zu verwechseln und von ihm fabricirte Stimmzettel unterzuschieben. Solche Dinge sind ohne Zweifel schon öfters vorgekom-! men, es ist das erste Mal, daß sie bestraft worden sind.— Der durch sein fanioses Buch der Wilden bei der gelehrten nnd auch der ungelehrten Welt so schmeichelhaft bekannte Abbe Domen eck, der bisher Feldprediger bei dem französischen Expedi- tionscorps in Mexico war, ist nun vom Kaiser Maximilian zum CabinetS-Attache und zum Direk- lor der Presse ernannt worden. In so civilisirter Umgebung wird er kaum noch in die Lage kommen, alte Schmutzhefte deutscher Schuljungen für in- dianische Texte zu halten, wie er dies bekanntlich vor etlichen Jahren zum Scandal der gelehrten Welt gethan hat. Waren ja dock besagte Schmutz- hefte abgedruckt und in Prachtausband herausge- geben worden!— Aus Toulon wird berichtet: Um weitere Ersparnisse im Kriegsbudget zu er- ziele», werden 1200 für die Flotte bestimmte Re- kruten nicht einberufen.— Aus Neapel kommen jetzt nähere Nachrichten über den Aufenthalt des Königs in dieser Stadt. Besonders bemerkens- wenh ist die Rede, welche Victor Emanuel an die Arbeitervereine richtete, als er am Sonntag nach dem Frühstück eine Stunde zu verschiddenen Audien- zen verwandte. Der König sagte, nachdem er jedem der Abgeordneten der Arbeiter die Hand gegeben hatte, buchstäblich folgende Worte:„Meine Freunde, ich nehme Ihre Wünsche entgegen. Was daS nationale Werk betrifft, so werde ich es selbst voll' enden(Bewegung) oder dabei meinen Namen ver- lieren. Wir sind auf dem Wege nach Rom. Für Venedig muß noch Geld und Blut geopfert werden. Sie so wie ich werden das eine wie das andere zu geben wissen." Diese wenigen Worte, welche mehr als zwanzig Personen gehört haben, haben großen Eindruck gemacht und wurden überall in der Stadt wiederholt.— * Londvn, 19. Nov.[Zum Streit Spa- niens mit Chile.] Die vom spanischen Admiral dem chilenischen Minister des Auswärtigen über- gebene Beschwerdeliste enthält folgende Punkte: 1) daß vor dem Hause des spanischen Gesandten beleidigende und aufrührische Worte gegen Spanien gefallen seien,� ohne daß Jemand dafür bestraft wurde; 2) daß das Blatt San Martin, welches die Politik Spaniens angegriffen hatte, nicht unter- drückt wurde, obgleich nach den Gesetzen der Repu- blik die Preßfreiheit nicht angetastet werden kann; 3) daß Chile in dem Zeiträume zwischen der Weg- nähme der Chinchas-Jnseln und der Kriegserklärung einem peruanischen Dampfer erlaubte, in einem chilenischen Hafen sich auszubessern und selbst Ma- trosen zu werben; und endlich 4) daß Chile nach der Kriegserklärung Steinkohlen zur KricgScontrc- bände machte und seinen Bürgern verbot, sie dem einen oder anderen Kriegführenden zu liefern. Und auf Grund dieser vier Beschwerden verlangte Ad- miral Pareja Genugthuung. Die„TimeS" bemerken hierüber:„Angesichts dieser Anmaßung Spaniens, das seine ehemaligen Colonien, die südamericanischen Republiken, so behandeln möchte, als gehörten sie nicht zur Familie der civilisirten Staaten, ist es Zeit, sich von der kläglichen Selbstsucht einer un- bedingten Nichteinmischung loszumachen. Wenn es ein Recht, wenn eS eine Polizei zur Aufrechthal- tung der Gerechtigkeit unter de» Nationen gibt, so ist es jetzt Zeit, daß sie sich rühre. Eine gemein- same Vorstellung der Großmächte könnte nicht ver- we! bri wa No tur b e� ma ZU �hlen, der spanischen Regierung die RechtSprincipien, � welche sie vergessen haben icheint, ins Gedächt- niß zurückzurufen und sie zu einem Ersätze für die voreilig verhängten Unbilden zu bewegen." Sehr schön gesprochen! Aber was man aus Jamaika hört, paßt äußerst schlecht dazu. —[3um Negeraufstand auf Jamaica] schreibt man, sehr lesenSwerth, der„Allg. Ztg.' von hier, 15. Nov.: Die Presse ber herrschenden Classe macht sich'» sehr leicht mir dem Äiegeraussiand aus Jamaica, indem sie ihn al« eine willlllrliche Laune der Nezcrwildheit, als einen unprovocirte» Ausbruch der grausainen und bar> barischen Instincte erklärt, die der afrikanischen Rare än>« geboren,»nd trotz aller philanthropischen Civilisations- versuche unauSlSschlich seien. Die„Times" hielt es nicht einmal sllr nöthig die Bestätigung und aussllhr. sichere Begründung der ersten Allarmnachricht abzuwarten, sondern hatte gleich eine erklärende Theorie fertig, die an frivoler Herzlosigkeit und an cvaischem Hohn selbst in diesem Blatt ihre« gleichen sucht-„Der Ausstand war die Folge eines parasitischen Lebens, es ging dem frei- gelassenen Neger zu gut, er war mit so viel Güte und, Menschenfreundlichkeit behandelt worden, dag er sich ver- sucht fühlte die Mörderhand gegen seinen Wohlthäter zu erheben; der Ausstand hatte kein andere» Motiv als die' menschliche Undankbarkeit die sich in dem durch und durch■ verderbten, allen besseren Reguiiaen unzugänglichen Neger- gemüth bis zur bardarischsten Grausamkeit steigerte. Die blutige Widervergeltung, die dann krast dieser Theorie aus die Häupter der Undankbaren herabgeruseu wurde, wird allerdings nicht ausbleiben. England wird entsetz- liche Rache nehmen sllr jede» Tropfen englischen Bluts der in den grauenhasten Metzeleien auf Jamaica ver- gössen worden ist, oder noch vergossen werden wird. Die ganze gebildete Welt schauderte vor der blutigen Energie, wvinit es sich siir die indischen Metzeleien an den iiiederaeworfenen Sipahis rächte; ähnliche haar- sträubende Scenen haben wir auf Jamaica zu gewärtigen." Diese« Rachegefühl, da« hier angesichts der von den aus- ständischen Negern verübten Gräuelthateu in der Presse aufschreit und im Publikuiu ein laute« Echo weckt, mag natürlich sein;-ber da« Geschrei darf un», die wir nicht unmittelbar unter seinem Einflust stehen, nicht beträuben. So sehr wir auch die Excesse der entfesselten Nezcrleiden- schaften verabscheuen und beklagen, so können wir doch bei unparteiischer Würdigung der Sachlage nicht«erkennen, daß hinreichende Motive vorhanden sind, um den Auf- stand zwar nicht zu rechtfertigen, doch vollauf zu erklären. Der Ausbruch kam in Jamaica selbst so wenig uuerwartet, daß vielmehr schon im Januar diese« Jahres mehrere angesehene, von der Pflanzeroligarchie unabhängige Ein- wvhner, flaufleute, Aerzte und Geistliche dem Gouverneur eine Denkschrift überreichten, in welcher sie blusige Katastrophen voraussagten, wenn die begründete Unzu- sriedenheit der farbigen Arbeiterbevölkerüng nicht durch Gerechtigkeit beschwichtigt werde. Da sich die Regierung der Colonie ganz in den Händen einer selbstsüchtigen Clique von Pflanzern befindet, so blieb die Warnung unberücksichtigt, und die Katastrophe ist da. Die Lage der farbigen Arbeiterbevölkerüng, deren Zahl sich ans llöll.tXX) beläuft, wird von delorwähnten Denkschrift in den düstersten Farben geschildert. Ohne Antheil au der Regierung und Gesetzgebung deS Landes, befindet sie sich ganz in den Händen einer gewissenlose» Pflanzer-Aristo- tratie, welche regiert, Gesetzt wacht, Recht spricht, de» Arbeitslohn bestimmt, und ihre concentrirte Macht be- nutzt/ um die Emanzipation zu einem Akt zu machen, der sie selbst von allen Verpflichtungen gegen die Eman- zipinen entbindet, während diese fortfahren müssen, Skla- veiidienste zn leisten. Die Lage der amerikanischen Skla- den war ein beneidenSwertheS LooS, verglichen mit dem der Freigelassenen von Jamaica. Die Behauptung der Pflanzer, dah die Neger nicht arbeiten wollen, und nur ihrer Trägheit ihre Roth zuzuschreiben haben, hat von jeder in der hiesigen Presse ein getreue« Echo gesunden. Die Freunde der Neger und die Gegner der Pflanzer- Aristokratie schreiben dagegen die herrschende Noth ganz anderen Ursachen zu. Gesteigert wurde dieselbe bis zur HungerSnoth durch die Migernten der letzten zwei Jahre, in Folge anhaltender Trockenheit. Die tiefer liegenden Gründe finden sie jedoch darin, daß 1) die Gesetzgebung de« Landes gänzlich in den Händen der Pflanzer niono- Volisirt ist, und die 150,000 männlichen Arbeiter der farbigen Bevölkerung keinen einzigen Wähler unter sich zählen, also ohne allen Einfluß auf die Leitung der össent- lichen Angelegenheiten sind; 2) daß die Pflanzer durch den gesetzgebenden Körper alle Stellen und alle finau- zwllen Hülfsquelleu unter sich theilen; 3) daß eine halbe Million Pfd. St. aus de» Einkünften der Colonie auf- gewandt worden ist. um Kulis*) aus den bereits überfüll-- ten Arbeitsmarkt einzuführen, und so den Arbeitslohn »och weiter herabzudrücken; 4) daß, da die Pflanzer die *) Scheiubar freie Arbeiter au» Ostindien, ihrer wirklichen Stellnng nach Sclaven. oberste Controlle über die Gerichtshöfe haben, die Neger keinen Glauben mchr an eine unparteiische Rechtspflege besitzen: 5) daß die Prügelstrafe(Whipping Act), welche mit der Sklaverei abgeschafft worden war, von neuem eingeführt worden ist und bei den unbedeutendsten Ver- gehen i» Anwendung kommt; 6) daß die Lokalbesteue- rung so eingerichtet worden ist, daß sie mit ihrem gan- zen Gewicht auf die ärmsten Klaffen fällt:»nd 7) daß die Löhne kaum hoch genug sind, um den Arbeiter vor dem Verhungern zu schützen. Wenn diese von achtung«- wertben europäischen Colonisten beglaubigten Beschwerden begründet sind— und ihre Glaubwürdigkeit wird von amerikanischen und englischen Reiseuden bestätigt— so fehlte es dcn Negern von Jamaica weder an einer Ur- lache, noch an einer Veranlassung zum Aufstand. Letzterer kam ohne Zweifel vom amerikanischen Festland, nicht in Form von; Emissären und Aufwieglern, wie gewisse hiesige Blätter zu verstehen geben, sondern al« natur- nothwendige Wirkung der Emancipationsideen, die in dem amerikanischen Bürgerkrieg einen so mächtigen Au»- druck fanden und die ganze Negerwelt in eine, wenn auch unklare, aber instinclive und gährende Bewegung ver- setzten. Die wichtigste Frage für England ist nnn nicht sowohl die Unterdrückung und Bestrafung de« Ausstan- de»— denn diese wird prompt und mitleidlos erfolgen, oder schon erfolgt sei»— als vielmehr: was zu thun, wenn die Rebellion unterdrückt und die Rebellen für ihre agrarische» Verbrechen bestrast wordeu sind? Durch bloßes Hänge» und Todtschießen lassen sich doch 400,000 Farbige, die sich niil Recht oder Unrecht al« unterdrückt betrachten, nicht zu arbeitsamen und zufriedenen Unter- thanen der Königin Victoria mache». Diese selbstver- ständliche Wahrheit scheint zum Glück für die farbige Bevölkerung dem Colonialminister, Hrn. Cardwell, viel klarer zu sein, als dem Gouverneur und der herrschenden Klasse von Jamaica. Herrn CardwellS Colonialpolitik hat sich vom Beginne seiner Amtsführung an durch Milde und Menschenfreiiudlichkeit ausgezeichnet. Nicht nur hat er die rühmlichsten Anstrengungen gemacht, um da« gransame Raubsystem der neuseeländischen Colonisten gegen die Maori zu mildern, sondern er scheint auch nicht gewillt zn sein, den Pflanzern in Jamaica freie Hand z» lassen, und ihren einseitigen Vorstellungen un- bedingten Glauben zu schenken. Daher hat er sich nicht daraus beschränkt, vom Marincmister Kriegsschiffe und vom Kriegsminister Militair zur Unterdrückung de» Ausstande« zu reqiiiriren. sonder» zugleich eine Com- ittission ernannt, welche an Ort und Stelle die Veschwer- den der farbigen Bevölkerung untersuchen und über die politische und gesellschaftliche Lage der Insel unmittelbar an ihn berichten soll. Mißverstandene Philanthropie, Lähmung der Colonialregierung im kritischen Augenblick, Ermunterung zur Metzelei I— schreien die Pflanzer- srennde, welche sich von dieser Untersuchunglcommisfion nicht« Gutes versprechen mögen. Aber die Freunde der Unterdrückten, die selbst die freigelassenenen Neger ge- recht»ud menschlich behandelt wissen wollen, zollen der Maßregel de« StaatSsecretair« sllr die Tolonien um. so wärmeren Beifall. . Die neueste Post aus Jamaica vom 28. Oct. meldet, daß der Neger- Aufstand vollständig unter- drückt sei. — f N e u e st e s. f Wie die„Times" meldet, hat die britische Regierung»ach Madrid eine De- pescke gesandt, welche energische Remonstratio- nen wegen Spaniens Vorgehe» gegen Chile enthält.— Der bisherige Unterstaatssekretär der Kolonieen, Mr. C h> ch e st e r ForteScue, ersetzt Sir Robert Peel im Sekretariat für Irland, an Stelle Mr. Hutt's tritt Goes che» als Viceprä- sident des HandelSamlö.— Mit dem letzten Dampfer eingelroffene Journale von Halifax enthalte» ein Telegramm aus Neh-Iork vom 8. d. M., nach welchem dort das Gerücht ging, der französische Gesandte in Washington habe plötzlich seine! Pässe verlangt und würde am folgenden Frei- tag(10. November) nach Frankreich abreisen. Dänemark. sZur Verfassungsfrage. Parlamentarisches.) AuS Kopenhagen, 20. d. M.. wird berichtet: Heute trat der Reichstag, der am 2. October in seiner ersten Sitzung bis auf heute vertagt war, wieder zusammen. Cs wurde demselben eröffnet, daß der König den Berfassungs- cnlwurf des Reichsraths bestätigt habe. Derselbe � wird morgen dem Lantsthinge des Reichstags vor-; gelegt werde». Der Finanzminister brachte einen Gesetzentwurf ein, betreffend eine Stempelabgabe aus auswärtige Obligationen und Werthpapiere. * Griechenland.[Das neue Ministerium.) Aus Athen, 18. Nov., wird telegraphirt: DaS neue Ministerium ist constituirt. Vulgaris hat den Vor- sitz und daS Portefeuille des Innern. Kalergis ist Kriegs-Minister. Die übrigen Mitglieder sind:� ! KristopuloS(Auswärtiges), KudriotaS(CultuS), ! DraffoS(Finanzen), PapanikolopukoS(Justiz), An« j tonopuloS(Marine)._ Vereins-Theil. Berlin, 21. November. Die Generalversammlung deS Allg. deutsch. Arb.-VereinS betreffend, ist unsere Hoffnung, daß wir nicht zu weiteren Auseinander« setzungen genöthigt sein würden, leider nicht in Er- füllung gegangen. Der Barrner Bevollmächtigte meldet uns: Barmen, 19. Nov. In der heutigen Mitglieder- Versammlung waren sämmtliche Anwesende mit der Ver- sügung de« Präsidenten, daß au« gewichtigen Gründen in Frankfurt die Generalversammlung stattfinden sollte, einverstanden. Zweiten« steht laut Statuten dem Prä- sidcnten da« Recht zu, Zeil und Ort zu bestimmen. Die Gründe werden den Delegirten laut Circular auf der Generalversammlung mitgetheilt werden. August Großenbach. AuS dieser Zuschrift ersehen wir zunächst mit großem Erstaunen, daß ein Circular des Präsidiums existirt. Dieses Circular ist gegen alle Orb- nung nicht nach Berlin gekommen. Und doch hätte dasselbe mehrfach hierher gelangen müssen. Darüber zwar, daß der Berliner Bevollmächtigte des Vereins kein Circular erhielt, wollen wir nicht rechten; denn bekanntlich hat der Berliner Polizei« Präsident den Verein dahier aufgelöst und ohne Zweifel hat die« auch dcn Präsidenten des Allg. deutsch. Arb.-VereinS bestimmt, den Berliner Be- vollmächtigtcn als außer Amt gesetzt zu betrachten. Dagegen also wäre nichts einzuwenden. Allein die hier wohnenden Vorstandsmitglieder, die als solche durch die polizeiliche Schließung deS Vereins am hiesigen Orte nicht berührt wurden, da sie mit dem hiesigen„Zweigverein", wie die Behörden sich ausdrücken, nichts zu schaffen haben— diese Vorstandsmitglieder mußten das Circular unbedingt erhalten. Endlich aber— und dies ist wohl die Hauptsache— mußte der Redaktion dieses Blattes dasselbe zugehen; denn wie sollen wir die Angele« genheiten des Vereins besprechen, wenn wir nicht einmal seine amtlichen Dokumente kennen. Unter solchen Umständen müssen wir das fragliche Circu- lar als ein solches bezeichnen, welches Berlin ge« genüber ein geheimes war; und hierin erkennen wir wiederum einen'traurigen Ausfluß der ganzen Art und Weise, wie die BereinSleitung gehandhabt wird. Wir finden uns für heute noch immer nicht veranlaßt, hieran die Kritik zu legen; aber eS liegt sehr im Parteiinteresse, daß man uns nicht dazu nölhige. Unfern Freunden in Barmen nur zwei Worte! Wir kennen die„gewichtigen Gründe", die für Frankfurt sprechen sollen, aus brieflicher Mit- theilunz und wir glauben dem Präsidium in ausführlichen Schreiben die Unstichhaltigkeit und Willkührlichkeit jener„gewichtige» Gründe" nachge- wiesen zu haben. Wir beharren daher bei unserer Anschauung. ES ist möglich, daß man auf Grund des for- mellen Rechts, welches in unserm Vereine gilt, auf den Wortlaut der Statuten hin, eine Versammlung in Frankfurt abhält. Aber wir wissen auch, daß diese Versammlung nur eine weitere Versammlung nöthig machen würde. Denn diese Frankfurter Versammlung würde nicht« weiter bewirken, als dcn Zwiespalt in unsere Reihen zu werfen. Man ver« gesse nie— es ist nur allzuviel vergessen worden!—: daß die von Lassalle geschaffene Parteiorganisation nur dann gedeihlich sein kann, wenn sie innerlich durch und durch gesund ist. Gestehe» wir eö offen und schrecke» wir nicht zurück vor dem traurigen aber wahren Worte: Diese Organisation ist im Augenblick in- n er(ich krank. Nur einer großen, einer sehr stark besuchten Versammlung, einer solchen, auf der alle Theile Deutschlands vertreten sind, und auf der es in jeder Beziehung offen und ehrlich, streng und gewissen- Haft hergeht, nur einer derartigen Versammlung, nicht einer Schein-General- Versammlung an einem Orte, der von allen Hauptgegendcn des Vereins weit ab liegt, kann es gelingen, wieder Gesundheit in die äußere Structur, die jetzige Form der Partei,