Nr. 206. Berlin, Sonntag den 26. November 1863. Social-DruililinU. Diese Zeilung erscheint täglich mit Äutnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgememen dentschen Arbeiter-Bcrcms. Redigin von I. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, DreSdnerstraste Nr. 85. Abonnement?- Preis fltr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern I Sgr.; bei den Königl. preiistischen Postämtern 22�/2 Sgr., bei den preustilchen Postämtern im nichtpreußischen Deutschland 183/. Sgr., im übrigen Deutschland I Tdlr. sfl. 1. 45. südd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spevireur, von ber Expirst-Compagnie, Scharrenstr. 1, sowi« auch uneiilzeltlich von iedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro drcizespaltenc Petit-Zeile bei Arbcilcr-Attnouceu mir l Sgr., bei sonstigen Annonce» mit 3 Sgr.«wechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: blr. koostor, 8. 1,ittl« d>e«--k'ort-8tr«et, L,eice»ter-!3gu»ro W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brulee; Bari», 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arte. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 25. Nov. sZu der vormäcstt- licken Drohnotengeschichtes verlautel nach Berichten ans Wien über die in Betreff dieses Ge» genstandcs gewechselten Depeschen zwischen Wien und Berlin, daß Preußen gegen Frankfurt al- lein und ohne den Bund vorgehen wolle, weil dieses als Sitz des Bundestages besondere, bisher nicht erfüllte Verpflichtungen habe. Oesterreich bestreite dagegen, dag Frankfurt als Sitz des Bundestages eine Ausnahmestellung einnehme. Ferner werfe es Preußen sein Verhallen gegen den Nationalverein vor und verlange vor Allem, daß der einzig recht- mäßige und corrette Weg, der der BundeSbeschlüffe, eingeschlagen werde, sei aber gern bereit, dem Ver- einswesen in ganz Deutschland daS Lebenslicht aus- zublasen. Nun, wir meinen, daß es wohl auch hier nach dem Sprüchwort gehen werde,„keine Suppe wird so heiß gegessen, als sie gekocht wird". So lange die„Vormächte" selbst noch nicht einmal über den einzuschlagenden Weg unter sich einig sind und die sonstigen fchr beträchtlichen Differenzen in der Her- zogthümerfrage fortbestehen, dürfte die Gefahr nicht drohend werden. — sAus den Herzogthümer� wird, einer Mittbeilung der„Flensburger Nachrichten" zufolge von einer neuen Maßregel gegen die Presse be- richtet, daß nämlich auch der„Hamburger Cor- respondent" für das Hcrzoglhuni Schleswig ver- boten worden ist.— In Flensburg ist die „Norddeutsche Zeltung" mit Beschlag belegt worden, und zwax wegen ihrer Mittheilung über die in Sonderburg vom Gouverneur v. Manteussel ge- fprochenen Worte. Die„Kieler Ztg." veröffentlicht folgende Auf- sordernng: An unsere Mitbürger! Es ist eine Ehrenpflicht des Landes, nach Möglichkeit die Männer schadlos zu halten, welche im Kampfe für das Landesrecht materielle Nach- theile zu erleiden haben. Auf mehrfach an uns ergan- gene Aufforderung haben wir uns als Comilce consti- tuirt, um der in dieser Richtung erforderlichen Thäliz- keil einen Mittelpunkt zu bieten. Indem wir demnach unsere Mitbürger auffordern, sich mit regelmäßigen Bei- trägen zu betbeiligen, hoffen wir, daß jeder nach seinen Kräften das Seinige thun werde, einer uns allen oblie- genden Ehrenpflicht zu genügen und ersuchen, die in den einzelnen Districten zu diesem Zweck bereit« gesammel- teil und fernerhin eingeheuoen Gelder an den mitunter- zeichneten Kansmann Ed. Lorentzen in Altona einzusen- den. Kiel, Altona und Schleswig im November 1865. Ehrist. Kruse. L. Schräder. M. Schlichting. Ed. Lorentzen. Dr. Heid erg. —[Weitere Anklagen gegen den„To- ci al- Teniokrat".� Aus Iserlohn erhalten wir die Nachricht, daß sowohl Herr C. W. Tvlcke als die beiden Redacteure des„Social-Demvkrat", letztere der Theilnahme, angeklagt sind, wegen Be- leidigung eines Beamten(des Bürgermeisters Hüls- mann) in Beziehung aus seinen Beruf, und— durch öffentliche Schmähung die Einrichtungen des Staates der Verachtung ausgesetzt zu haben. —[ConfiScationen.f Die heutige Nummer (277) der„Berliner Reform" ist ohne Angabe des Grundes polizeilich mit Beschlag belegt worden. Ebenso das humoristisch-fatyrische Beiblatt zur heutigen„Tribüne". Ferner Nr. 47 der„Ver- fassung" vvnl 25. Nov. wegen deS Artikels:„Schafft uns eine gute Volksschule", und die„Düsseldorfer Ztg." vom 21sten, Gründe unbekannt. —[Verurthei lt� wurde die„ElberfelderZtg." zu 10 Thlr. Geldbuße deS Verlegers. — f Freigege'- en) wurde die letzt confiSeirte Nummer der„Preuß.-Litt. Zig." � mit Vorbehalt der Appellation des Staatsanwalts. * Wien, 23. Nov.[Eröffnung der außerungarlschen Landtage. Adressen.) Heute fand die Eröffnung der Landtage aller außerungarischen Kronländer statt. Sämmtlichen Landtagen wurde von den betreffenden Statthaltern und Landeschefs das kaiserliche Manifest, das Patent vom 20. September und das kaiserliche Handschreiben vom 7. November, welches eine Mit- theilung des Septemberpatents an die Landtage an- ordnet, mitgeiheilt. In Wien, Gratz, Klagenfurt, Linz und Salzburg wurde der Antrag gestellt, eine» Ausschuß einzusetzen, welcher die besonderen Rück- Wirkungen deS Septemberpatenls auf das Wohl des Landes zu erwägen, darüber zu berichten und geeignete Anträge zu stelle» habe. Dieser Antrag wurde in Wien und Salzburg sofort angenommen. Die Motivirung des Antrages in Wien enthält einen scharfen Protest gegen den Erlaß des Sep- lemberpatents. Dem Ausschüsse in Wien ist auch die Mittheilung der Statthalierei über das Sep- temberpatent zugewiesen.— Der Landtag in Lem- berg hat Dankadressen für den Erlaß der Amnestie und für das Septembermanifest beantragt und an- genommen.— Ebenso sind in Prag, Laibach, Czer- »owitz und Brünn von den betreffenden Landtagen Adressen beantragt worden.. Hannover.[DieAnerkennung Italiens) wird, nach neuesten Mittheilungen, von der tieß- seitigen Regierung noch immer beharrlich verweigert. * Leipzig, 24. Nov.[Im Prozeß gegen L. Würkerl) wurde hier am 21. d. M. der Angeklagte zu 12 Thlr. und% der Kosleu verurtheilt. Derselbe halte bekanntlich die seiner Zeit in ganz Deutschland gebrandmarkre Wirthschaft im hiesigen Pestalozzislift, in einem poetischen Werkchen, das schnell 7 starke Auflagen erlebte, gegeißelt; die Vorsteher des Stifts waren nun auf Verleumdung und Beleidigung klagbar geworren, und Würkeri zu 20 Thalern und in die Kosten verurtheilt worden. Advoeat Ilr. Joseph verlheidigte den Angeklagten in der öffentlichen Verhandlung glänzend, aber trotz seines entschiedenen Hinweises daraus, daß die be- züglichen Thatsachen sich auch als solche auS- gewiesen, wurde vom Gerichtshof die Beleidigung anerkannt. Hiernach können also, trotz erwiesener Thatsachen durch öffentliche Besprechung derselben (nicht der Personen) damit in Verbindung stehende Personen beleidigt werden. In der Thal eine merkwürdige Rechlsanschauung! � Nassau, Ende Nov.[Unsere Arbeiter. Winzerverhältnisse und Fortschrittspar« tei.) Unser Land hat jetzt, und zwar zu Wie«« baren selbst, auch einen ArbeiterbildungSverein er« hallen, i» welchem sich ein regeS Streben kund giebt. Wir haben überhaupt in Wiesbaden einen tüchtigen Arbeiterstand, der aber bis jetzt sich von der Fortschrittspartei leiten ließ. Der neue Ver- ein hat jedoch von vorn herein die„Advokaten", (welche eben die Haupisührer jener Partei sind) grundsätzlich ausgeschloffen. Daß die Fortschritts« Partei von Allem, was über den Horizont von Schultze-Deliysch hinausgeht, nichts wissen will, da« zeigt sich bei uns auf das augenfälligste. Wir haben eme ziemliche große Anzahl von Vor« schuß- und Kreditvereinen, welche meisten« von Fortschrittlern gegründet oder geleitet sind; aber an die Gründung von Produktiv- Associa« tionen denkt keiner. Und doch liegen diese für Nassau, als Weinbau treibendes Land, so nahe, daß wir gleichsam mit der Nase darauf gestoßen wer- den, wenn wir auch nicht schon in andern Ländern, z. B. in Württeniberg an den dortigen sogenannte» Winzer-Associationen das Vorbild hätten. Es ist ein Jammer, wie unsere kleinen Weinbauern ihr edles Produkt verschleudern müssen und überhaupt in jeder Beziehung gegen die großen Weinproducen- ten im Nachtheil sind! Da schreibt z. B. die „Nassauische Landesztg." Nr. 260, unterm 2. Nov.- „Der Mensch versuche die Götter nicht! Wäre strenge Kälte oder Schnee eingetreten, welch' ein bedeutender Schaden wäre dann ans dem Hinaus- schieben der Weinlese erwachsen, besonders dem gering begüterten Winzer, zumal da es ihm nach der jetzt bestehenden Einrichtung nicht frei steht, vor dem allgemeinen Herbste seine Trauben einzu- thun. Dem geringen Mittelmann erwächst in kei- nem Jahr ein Gewinn, wenn der Herbst lange hinausgeschoben wird, da seine 2 oder 3 Ohm nur ganz denselben Preis haben, ob sie 14 Tage früher oder später gelesen sind. Den Gewinn aber hgl nur der Käufer. Ganz anders freilich liegt die Sache bei größeren Weingutsbesitzern. Diese können und müssen etwas riökiren in guten Wein- jähren, und was sie a» Quantität verliere», ersetzt doppelt die vorzügliche Qualität; darum wer- den diese stelS für das Hinausschieben res Herbstes sein." Das genannte Blatt, welches zwar kelU FortschrittSblatt ist, aber darin ganz mit unserer fortschrittlichen Presse übereinstimnit, weiß»u» keine» andern Rath, als daß man de» kleinen Winzern einige Zeit vor rem allgemeinen Herbll) das Lesen aus ein oder zwei Tage erlauben solle- Rat er l Möx zum Dieser weise Rath ist aber fürs Erste unausfllhr- bar; fürs Zweite würde durch die Ausführung desielben, wen» sie auch möglich wäre, der Nach- tbeil, in welcbem sich der kleine Winzer dem grcsten gegenüber befindet, nur dem allerkleinsten Theile nach und nicht einmal in jedem Jahre aufgehoben. Denn die Hauptuachtheile, nänilick, daß der kleine Mqnn wegen der geringen Luantilät seines Wein- baneo keine Auslese halte» kann, nnd daß er wegen des Mangels an Räumlichkeiten ic. fein Produkt sogleich absetzen muß,— diese Nactitheile bleiben so wie so, und so lange der geringe Winzer in seiner Vereinzelung bleibt. Doch daß den kleinen Wein- dauern nur dnräi die Produktiv- Asiociationen ge- Holsen werden kann, das ist eine bekannte nnd hundcrlmal besprochene Sache. Aber weshalb unsere „Liberalen", die doch den„Fortschritt" vor unser» Eonservativen voraus haben wollen, diesen darin vollkommen gleichen, daß sie von rem wahren Fortschriit mänschenstill sind nnd unsere armen Winzer im Dunkeln tappen lasten, das wird nicht besprochen und ist doch sehr leicht zu ergründen. Man darf nur fragen, welche Leute im Rheingau die Fortschrittler, oder doch die Führer der Fort- schriltsparlei sind? Man wird dann finden, daß es gerade die großen WeiubergSbesitzer und Wein- Händler, oder, wie die„Raff. Ldszlg." sagt, die „Käufer" sind, die von den jetzigen Zuständen „allein den Gewinn haben." Denn dicse sind es eben, welche den kleinen Winzern ihr Produkt so- gleich von der Kelter weg zu geringem Preise ab- kaufen, um den Profil, den diese haben könnten, in ihre Taschen zu stecken. Es zeigt sich in diesem Falle wieder sehr klar, daß man, um de» wahren Fortschritt zu fördern(der immer auch aus dem so- cialen Gebiele liegen muß), ebenso über die sog. Fortschrittspartei, wie über die conservative hin- auszuschreiten hat. In dieser Beziehung herrscht aber in unserm Lande leider noch dicke Finslerniß. Wer die„Fortschrittspartei" anzutasten wagt, der ist in den Augen des getäuschten Volkes ein„Reactio- när", und wer in irgend einer össentlichc» Frage mit der conservative» Partei geht, muß dieS stets nur aus eigennützigen Absichten gethan haben. Kassel, 22. Nor. j Kriegsgerichtliche Frei- sprcchuiig.j Zu Anfang dieses JahreS brachte die„Wehr- Zeitung" einen Artikel über dießseitige Mililärberhältniste, welcher so übel vermerkt ward, daß man eine Untersuchung einleitete, nni den Ver- fasser desselben, welchen man im Kurhessischen Offiziercorps vcrniuthete, zu ermitteln. Die Art und Weise, wie diese betrieben ward, erregte ge- rechte Entrüstung, indcni auf Anrathen von ge- wister Seite her nian des Alientäters dadurch Hab- Haft werden wollte, daß man die Officiere auf Ehrenwort befrage, bez. sich dastelbe von jedem Einzelnen geben lasse, daß er den fraglichen Artikel nickt verfaßt habe. Die Aufregung, welche ein solches Ansinnen erregte, war groß, und die meisten Regiments-Eommandeure suchten taktvoll i» irgend einer Weise die ihnen gestellte Aufgabe zu umgehen. Der Oberst und Eommandeur des 2. Husaren- Regiments, v. Biedenfeld, faßte die Lösung dieser Aufgabe buchstäblich ans, stieß aber ans die ent- schiedene Verweigerung der abzugebenden Erklärung und dieserhalb wurden die Premier-Lieulenants v. Slamsord und Nebelthau in Anklage versetzt. In diesen Tagen hat, wie die„Weserztg." berichtet, die Aburtheilung derselben durch ein Kriegsgericht stattgefunden und Beide wurden freigesprochen. Ausland. * PariS, 23. Nov. jTageSbericht.j »»»WWW�W»» Adoption des Prinzen Jlurbice durch den mexikanischen Kaiser wird dem„Eonstitutionnel" auS Mexiko geschrieben, es handle sich dabei durchaus um keine Adoption. Indem der Kaiser von Mexiko den Nachkommen Jturbide's den Prinzeniitel zuer- kannte, sei nur seine Absicht gewesen, ihnen einen Ehrentitel zu aeben. Er habe ihnen dadurch nur eine Stellung schassen wollen, die mehr mit ihrer Abkunft harmonire, und sie ihnen namentlich in einer Weise geben wollen, die nicht wie ein Wohl- thätigkeitSwerk, sondern wie eine nationale Auer- kennung zu betrachten sei.— Bezüglich eines Eon- fliktS mit dein Kabinet von Washington ist man hier mit der äußersten Sorgfalt daraus be- dacht, alles aus dem Wege zu räumen, was durch nahe liegende Ideen-Verbindungen die Monroege- danken rer Washingtoner Regierung unterhalten könnte. Was jüngst Herr v. Mcntholon von Seward zu hören bekam, ist noch nicht bekannt, aber Frankreich hat sich nach Kräften bemüht, alle Gegenstände unliebsanier Erörterungen zu beseitigen. So hatte z. B. Brasilien mehrere Kriegsschiffe auf französischen Werften bauen lassen und»och andere bestelli. Die ersteren aber dursten nicht auslaufen und die Bestellungen mußten an englische Häuser übergehen. Die Schisfsbauer haben sich vergebens beim Handclsminister beklagt und darauf hinge- wiesen, daß England ans ihrem Schaden Nutze» ziehe, ohne daß Brasilien an der Erreichung seines Zweckes verhindert werte. Die Regierung lehnte alle Vorstellungen ab, ossenbar lediglich den Prin- cipien der Bereinigten Staaten zu Gefallen, da sie auf Paraguay gewiß wenig Rücksicht nehmen würde.— Manche hiesige kleine Blätter haben Einzelheiten über das Hoslebc» in Compibgne gebracht, die dort übel vermerkt wurden. Man trägt daher jetzt Sorge, daß die„profane Mensch- heil" möglichst wenig von dem erfahre, waS sich „aus der Höhe" ereignet.— In Betreff der spa- n i s ch- ila lienisch en Verwickelungen hat das auswärtige spanische Ann ein Rundschreiben ange- kündigt, welches an die Kanzleien der verschiedenen europäischen Mächte gerichtet, eine vollständige Dar- stellung des Streites enthalte» soll, der sick' schon so lange Zeit hingeschleppt hat. Die Interessen übrigens, welche die Mehrzahl der handeltreibenden Mächte zu wahren haben und welche durch die Blocadcverhängung des Atmirals Pareja so arg ' gefährdet erscheinen, ergeben sich aus der nachsol- genden Uebersicht von Ein- und Ausfuhr dieser jüdamerikauischen Republik. Dieselbe beläust sich für England auf 13.060, 000 Dollars, für Frankreich auf 6,850.927 T>., für die verschiedenen dent- schen Staaten auf 9,940,381 D., für die Bereinig- len Staaten Nordamerikas auf 2,518,690 D., für Spanien selbst aus 653,417 D. nnd für andere Länder noch ans 6,644,180 D., so daß im Ganzen eine Summe von 32,670,895 Dollars in Frage konimt, während sich die streitige Forderung Spa- niens auf nur 15 Mill. Fr. beläuft. England allein soll in diesem Augenblick für 25 Mill. (1 Mill. Pfd. St.) an Waaren für Chili unter- wegS haben. Die chilenische Flotte besteht übrigens aus fünf Dampfern zu je 36 Kanonen, einer Räder- schaluppe von 3 Kanonen und zwei Kanonenbooten mit je 2 Geschützen. Eigenlhiimlich erscheint diesem kriegerischen Vorgehen Spaniens gegenüber die eben vollzogene Armce-Reducrion um 10%. die sicherlich weit einschneidender ist, als die französische gleich- iiamige Maßregel, weil in Frankreich bei gleicher ' Höhe der Retucirung die Verminderung sich auf 35 bis 40,000 Mann belaufen haben müßte. So wie sie jetzt ist, kann die französische Armee- Reduclion nimmermehr für anderes, denn als eine Schein-Concession angesehen werden, über die so viel Aufhebens zu machen, wie geschehen, nickt der Mühe werth war.— Marschall Mac Mahon wird am 4. Decbr. aus Oesterreich zurückerwartet, um der für diesen Tag angesetztenMarfchalls-Conferen z unter dem Vorsitze Baraguay d'Hillier's beizuwohnen.— Nach � dem jüngst erfolgten Tode des Testamentsvollstreckers des alten Talleyrand, Herrn de Bacourt, soll man in Bälde dem Erscheinen der iuhalireichen Me- moiren dieses Diplomaten entgegensehen dürfen.— Die Finanzlage Oesterreichs erscheint so kläg- lich als irgend möglich. Nach hier auS Süddeutsch- land eingelrofseuen Nachrichten haben sich die Bankiers von Frankfurt, Augsburg, Stuttgart ic. außer Stande erklärt, das neue österreichische An- lchcn dort zu placiren. Das Publikum betrachte, und mit Recht, dieses Unternehmeiz mit dem aller- größten Mißtralien. Ä London, 23. Nov.[Adresse wegen Chili. Untersuchung wegen Jamaica. Co- mite für ein Palm erst on-Den km al. Ar- beiter-Meeting Die Revuen: Ueber Pal- m erst on.) Eine Anzahl angesehener hiesiger Kauf- leute hat dem Eurl of Clarendon wegen der , Maßregeln der spanischen Regierung gegen Chili eine Adresse übcrsandt, in welcher sie denselben um seine Verwendung bittet, damit den Zwangsmaßregeln, deren Fortdauer die schwersten Folgen nach sich ziehen müßte, ein Ende gemacht werde.— Bezüglich der Vorgänge auf Jamaica steht es ziemlich fest, daß die Regierung balcigst eine Unter- suchung einleiten werde. Dagegen weiß man zur Stunde noch nicht sicher, ob nicht mittlerweile auch auf anderen Punkten der Insel Unruhen auSge- brachen sind, wie neuerdings wieder bekauplet wird. Leider führen aber tcrariige Untersuchungen nur sehr selten zu eineni Resultate, denn mit den Re- Visionen von Kriegsgerichten, die aus dem Marscke errichtet worden sind, und in der größten Hast ihre Urlheile vollstrecken, wird es zu allen Zeiten und unter allen Verbältnissen eine mißlicke Sache sei».— In aller Stille bildet sich ein Counle um Lord Palmersto» ein Denkmai zu setzen. Ob i» der Westminstcr-Ablei oder auf einem der öffeut- lichen Plätze der Hauptstadt, wird als csseue Frage behandelt. In Southampton ist der größte Tbeil der zu gleichem Zwecke zu sammelnden Summe rasch gezeichnet worden, und gestern Abend fand hier ein Meeting von Arbeiter» statt, die dem Ver- storbenen ebenfalls ein Denkmal setzen, seine» Na- men durch irgend eine gemeinnützige Stiftung ver- ewigen wollen. Gladstsue, den das betreffende Coniitee zuni Vorsitzenden erwählt hatte, rieih, einen Arbeiter aus ihrer Mitte an die Spitze zu stellen; andere ParlamentS-Psitglieder, wie Grosvenor und Stansfeld, haben dem Coniitee versprochen, ihm mit Rath und That au die Hand zu gehen. Unter- dessen bringen die Revuen und Bierteljahröschriften fortwährend biographische Artikel und Notizen über Palmcrston. Solch glänzende Nachrufe sind»och nie einem Slaalsmannc zu Theil geworden, der über ein halbes Jahrhundert lang in der Oessent- lichkeit gelebt und somit der Kritik Anhaltspunkte genug geliefert hat. Ueberschwäuglich lobende Ar- tikel über ihn sind eine Unmasse verösseutlicht wor- den, tadeliid sehr wenige, geradezu feindselige gar nicht. —-24. Nov.[Neuestes f Zufolge„Lloyds List" sind 50 Kaperbriefe der Chilenischen Regie- rung in Newyork eingelrosseu und 2 Kaper- schiffe Chilenischer Flagge bereits ausgelaufen.— Weitere pr.„Java" eingetroffene Berichte aus Newyork vom 15. t. Mittags melden: Die Legislatur von Süd-Carolina hat das die Abschasfuug der Sclaverei aussprechende VerfasiuugS-Amente- meiit angcnvuimcn. Dasselbe bildet nunmehr einen Artikel der Bundesverfassung. Die Legislaturen von Minnesola und Wisconsin haben sich gegen das Stimmrecht der Neger erklärt. Zur Ausreckt- Haltung der Neutralität gegenüber Mexiko hat die Uiiionsregiernng den Ueberiritt von bewaffneten Schaaren, so wie die Ausführung von Munition über die Mexikanische Grenze untersagt. General Loga» ist zum Minister der Vereinigten Staate» bei der Republik Mexiko, und(ssteneral Kilpatrick in gleicher Eigenschaft bei der Republik Chile er- nannl worden. Der Letztere begiebt sich, ehe er auf seinen Posten abgeht, in besonderer Mission nach Spanien.— Die letzte Levantcpost mit Nach- rickchen aus Konstantinopcl vom 18. t. M. meldet aus Teheran, daß alle fremden Gesandten wegen Beleidigungen von Seilen des Persischen Ministers des Auswärtigen ihre Beziehungen zur Persischen Regierung abgebrochen haben. * Italien.[Kammer- Präsidentur. Kirchengüter. Handelsvertrag ni i l dem Zollverein. Der Senat.j Raitazzi, der sich schon seit Wochen wie der unzweifelhafte Kammer- Präsident benahm, wird mit diesem Amte wahr- scheinlich dieselben Ersahrungen wie mit seiner Can- didalur zur Minister-Präsidenlenstelle machen. Die meisten wirklichen Aussichten hat Tecchio, ra das Gewicht, daS die Linke in Folge der Wahlen er- halten, einen Mann erheischt, der dieser Seite näher steht und mehr persönliches Ansehen besitzt, als der zwar geriebene, doch sonst sehr wenig an- gesehene Rattazzi.— Der der Kammer vorgelegte Gesetz- Entwurf über die Reorganisation der Kirchengüter enthält, wie die Razione meldet, folgende Punkte: Tie Kirchengüter werden verkauft; der Erlös wird in Renten umgewandelt; die Erz-