Nr. 207. Berlin, Dienstag den 28. November tamalla 1865. उपय Social- Demokrat. Diese Zeitung erscheint täglich Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter- Vereins. mit Ausnahme is der Sonn- und Festtage. = Redigirt von J. B. v. Hofstetten und J. B. v. Schweiter. Abonnements Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 22/2 Sgr., bei den preußischen Bostämtern im nichtpreußischen Deutsch land 18% Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.( fl. 1. 45. südd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal.is Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Bestellungen werden auswärts auf allen Bostämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß- Compagnie, Scharrenftr. 1, sowie auch unentgeltlich von jedem rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate( in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit- Zeile bei Arbeiter- Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New- Port- Street, Leicester- Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brulée; Paris, 2. Cour du Commerce Saint- André- des- Arts. u dit dad Politischer Theil. 9 sia vili Berlin, 27. November. mi nam Die italienische Thronrede ist, abweichend von der gewöhnlichen Bedeutung derartiger officieller Kundgebungen in anderen Staaten, für uns schon deshalb von besonderem Interesse, weil die heutige italienische Regierung nur durch Betre tung der revolutionären Bahn zur Herrschaft gelangt ist und, wegen der nationalen und volks thümlichen Ziele, die sie mit zwingender Nothwendigkeit anstreben muß, noch fortwährend zu einer revolutionären Politik getrieben wird. sist plot in disor Indem wir so vorwärts gehen, werden weder die schlag gebracht. Das wiener Cabinet werde sich Fallſtride unserer Feinde, noch das Unglück unser Wert dieser Auffassung sehr wahrscheinlich anschließen, so vernichten können. Eine tiefe, unvermeidliche daß die Herbeiführung einer Aufforderung des Beränderung gebt bei den europäischen Böl- Bundestages an alle deutschen Regierungen, die fern vor sich. Die Zukunft ist in den Händen Gottes. Bundesnormen über das Preß- und Vereinswesen wenn die Erfüllung der Geschide Italiens neue Heimsuchungen herbeiführen sollte, so bin zur allgemeinen Geltung zu bringen, nicht beabich überzeugt, daß seine tapferen Söhne sich von sichtigt werde.(?) Also doch durch den Bund? Neuem um mich scharen werden. Sodann zum Schlusse der Rede: Wenn die moralische Kraft der Civilisation zur Geltung tommen wird, so wird der gerade und reife Geist der Nation nicht verfehlen, barans Nutzen zu ziehen. I Meine Herren Senatoren! Meine Herren Deputirten! un Damit unter allen Umständen die Ehre und das Recht [ Aus den Elbherzogthümern] wird zunt Verbote der Holsteinischen Zeitungen für Schleswig versichert, daß General v. Manteuffel dem Statthalter v. Gablenz, und zwar unter ausdrücklicher Angabe der Gründe, von seiner Verfügung directe Anzeige gemacht habe. Unzweideutig sollte baburch dem österreichischen Statthalter ein Mißtrauensvo Wir sagen mit zwingender Notwendig Italiens unverletzt bleiben, ist es nothwendig, auf dem tum ertheilt und angedeutet werden, wie er sein Regi teit: der Wille der italienischen Nation Wege der nationalen Politit offen vorzugehen. ment in Holstein einzurichten habe, um es mit dem in ist es, der, fraft des revolutionären Princips, dem Was mich betrifft, ficher Zbrer Unterstügung, vertrauend Schleswig in gewünschte llebereinstimmung zu bringen. gefrönten Erben der Revolution gebieterisch die auf die Zuneigung des Volkes und auf die Tapferkeit General v. Gablenz dagegen äußerte, gelegentlich Bahnen vorzeichnet, welche er zu wandeln hat. der Armee, so werde ich dem edlen Unternehmen nie einer in Wilster gehaltenen Ansprache, unter Anderm: Rom, Venetien und Befreiung von der fehlen, welches wir unseren Nachkommen vollendet" Ich werde die bestehenden Landesgesetze beachten, binterfaffen müssenast is g geistbedrückenden Herrschaft der römischen damit kein Holsteiner bei meinem eventuellen WegEndlich fagt er über das Verhältniß des gehen von hier sagen kann: Ich habe rechtlos Stirche sind zunächst die Hauptziele, deren Verfolgung Staates zur Kirche und über die Aufhebung regiert. Ich will hier im Lande nicht als Türdie Nation ihm übertragen hat, aber auch ebenso ber religiösen Körperschaften: ba fehr das wohlverstandene Interesse seiner Selbsterhaltung bei weiß er, die erhaltung erheischt. Denn sehr gut weiß er, daß die Nation seinen Thron bedrohen, vielleicht siegreich über denselben hinwegschreiten würde, wenn er, dessen Ursprunges uneingebenf, von jener Bahn abweichen wollte. Die jüngste Thronrede Victor Emanuels berechtigt wohl neuerdings zu der Annahme, daß er dies vollständig erkannt hat und immer mehr des Gedankens an eine Zauderpolitik sich zu entschlagen beginnt. lose Diese Rede ist bemerkenswerth durch die Entschiedenheit, mit der sie auf ,, eine Erfüllung der Geschicke Italiens" hinweist. Bezüglich der Stellung zu Rom läßt sie sich Bezüglich der Stellung zu Rom läßt sie sich folgendermaßen aus: ill resten der Bergangenheit lossagen, welche die volle sprechende luftration zur vormächtlichen Allianz" Das italienische Bolt muß sich von den leber, filcher Bascha regieren." In der That, eine Entwicklung seines neuen Lebens verhindern. Sie wer- und der in diesem Augenblicke herrschenden gegenben baber gleichfalls über die Trennung der Kirche seitigen Verstimmung! Aus Flensburg wird, vom 26sten, telegra vom Staat und über die Aufhebung der reli gidsen Körperschaften zu berathen haben. phirt. Die ,, Norddeutsche Zeitung" theilt mit, daß Wir denken, diese Sprache ist unzweideutig genug. dem Richard v. Neergard aus Kiel( einem HauptDazu wurde unlängst aus Neapel eine bisher führer der Augustenburger Partei) bei seinem Einnicht dementirte Aeußerung des Königs gegen eine treffen hierfelbst eine Mappe mit mehreren EremDeputation des dortigen Arbeitervereins berichtet, plaren der hier verbotenen Schleswig- Holsteiniwonach Victor Emanuel unter Anderem gesagt ha- fchen Zeitung“ und„ Izehoer Nachrichten" polizeiben foll: lich confiscirt und v. Neergard deshalb vom Polizeigericht in eine Strafe von 200 Mark und die Kosten des Verfahrens verurtheilt worden ist. Der Ministerialrath v. Hoffmann, Civilablatus des Statthalters von Holstein, ist hier eingetroffen und sofort vom Gouverneur v. Manteuffel empfangen 7171 Meine Freunde! Was das Nationalwert anbetrifft, so werde ich selbst es vollführen oder meinen Namen babel verlieren. Wir sind auf dem Wege nach Rom; in Betreff Venetiens ist Geld und Blut erforderlich; Ihr wie ich, wir werden das Eine wie das Andere bieten. Beim Schlusse der letzten Seffion nahm meine Re Wenn demnach nicht alle Zeichen trügen und gierung aus Achtung vor dem Oberhaupte der Kirche nicht etwa: salon is s mind aus dem Wunsche, die religiösen Jutereffen der Majorität des Landes zu befriedigen, Vorschläge zu Unter der Sinn dieser Kundgebungen war, so ist es Unter- Nur reben will ich, Dolche keine brauchen" handlungen mit dem heiligen Stuhle an. Sie mußte fie aber von dem Augenblicke an abbrechen, wo die Rechte nicht der Friede, worauf sich für das kommende meiner Krone und die der Nation fich verletzt finden Jahr aus dieser Thronrete schließen läßt. tonuten. Die Fülle der Zeiten und die Macht der Ereignisse werden aber die Frage zwischen dem Königreiche Italien und dem Bapstthum lösen. Uns fällt vor der Hand anheim, ber Convention vom 15. September getren zu bleiben, welche Frankreich in der festgesetzten Zeit vollständig ausführen wird. $ 193 * யம 2. Deutschland. worden. " Das Verordnungs- Blatt für Schles wig enthält das Verbot der Hamburger Zeitung" en Bereich des Herzogthums Schleswig. für den 1-3ur erstinstanziellen Verurtheilung Schweizer's] ist die Mittheilung derselben dahin zu ergänzen, daß gegen denselben, außer der VerurNodtheilung zu Einem Jahre Gefängniß, auch noch auf Berlin, 24. Nov.[ In der Drohnoten Entziehung der bürgerlichen Ehrenrechte auf angelegenheit] wird neuestens die Wiener ein Jahr erkannt wurde, und daß der Verurtheilte Nachricht, daß in den preußischen Depeschen, Appellation dagegen angemeldet, auch seine Freiwelche die frankfurter Angelegenheit betreffen, die laffung gegen Caution beantragt hat. Wir geben Ansicht vertreten jet, es müsse gegen das straf- uns der entschiedenen Hoffnung hin, daß das Richterfällige Frankfurt eingeschritten werden, und zwar collegium, welches zunächst darüber zu entscheiden Es ist mir äußerst schmerzlich, daß eine auf dem Wege der Machtentfaltung durch die beiden hat, den Antrag begutachten werde. Der Gefangene, bringende Nothwendigkeit mich zwingt neue Opfer von meinem Volfe zu verlangen. Gewiß Großmächte in Frankfurt selbst," als unbe- welcher sich in Untersuchungshaft in der wird sein Muth es nicht im Stiche laffen. Die Opfer, gründet bezeichnet. Breußen hätte in Wien in Stadtvoigtei befindet, hat jetzt Erlaubniß zur Privatwelche es bereits mit einer so bewunderungswürdigen seinen Depeschen das Borgehen gegen Frankfurt Verpflegung und ein eigenes Zimmer erhalten, Standhaftigkeit ertragen, bürgen mir dafür. von Seiten des Bundes, nicht aber durch ein be- während er in den ersten paar Tagen mit noch Und ferner: sonderes Auftreten der beiden Großmächte in Vor- Mehreren in Ein Lokal eingeschlossen war. Diefem gegenüber halte man jedoch, was der König über den nothwendigen Stand der Land und Seearmeen äußert: h 2 b 9 bi ic e h it FF al al 21 in na nu fr Di 90 da fa PARSEQESTAURA mi ha fo eir D R A1 fd I di stc A m un De fa E en A ein fei fl Die SonntagSnummer der„Staatsb.-Ztg.", welche einen„Die Untersuchungshaft" überschriebencn Leitartikel dringt, schreibt speciell über die Ver- Haftung Schweitzer'«! Da da« erflossene Crtenntniß, welche» überdies alle Merkmale eine» angreifbaren trägt, nicht rechtskräftig, eine Vollstreckung der Strafe also gesetzlich nicht gerecht- fertigt ist, so kann die über den Angeklagte» verhängte Hast nur in die Kategorie der Untersuchungshaft gehören.— In dieser Hinsicht aber giebt die Maßregel zu gerechten Bedenken Anlaß, und zwar in einer Weise, welche die Rechtssicherheit bezüglich der persönlichen Frei« heit wesentlich erschüttern und die öffentliche Meinung mit großer Besorgniß für dieß höchste aller Güter er- süllen muß.— In wie weit die Maßnahme des be- treffenden Gericht« mit den bestehenden gesetzlichen Be- stimmungen harmonirt oder divergirt, werden wir dieser Tage an dem geeigneten Orte unserer Zeitung sehen. — fDen Geburtstag Böckh'Sf feierte auch die Berliner Burschenschaft Brandenburgia durch Ueberreichung einer Adreffe. Pros. Böckh antwortete der mit Ueber- reichung der Adresse beauftragten Deputation.'„Meine Herren! Ich habe der burschenschastlichen Sache von ihren ersten Ansängen an stet» ein warme» Herz ent gegengetragen, da ich erkannte, daß die Burschenschaft eine gute und nöthige Reform de» Universität»- und Studentenleben« angestrebt. Zu meiner großen Freude haben sich auch günstige Erfolge gezeigt. Mein hohe» Alter hat e» mir leider unmöglich gemacht, Ihrer letzten werthen Einladung zu folgen: seien Sie aber versichert, daß ich nach wie vor gleiche» Interesse für Ihre Be- strebungen nehme, und indem ich Ihnen für die mir von Ihnen gewordene Ehrenbezeugung meinen herzlichsten Dank sage, wünsche ich Ihrem serneren Streben den besten Erfolg." Von studentischer Seite haben noch der akademische Gesangverein und da« philologische Seminar dem Jubilar Glückwünsche dargebracht; ersterer erfreute den Jubilar am Morgen durch den Vortrag einisier GesangSpiecen, letzteres übersandte demselben durch eine Deputation ein Ehrengeschenk. — fEonfiScationenundPreßprozesst.f Con- siScirt wurde die Samstag«- Morgennummer der „Magdeb. Presse." Verurtheilt wurde die„Rhein. Ztg." wegen zweier Artikel zu 25 und 50 Thlr. Geldbuße, sowohl für Redacteur al» für Verfasser.— Weiter verlautet, daß da« Verbot einer großen Wiener Zeitung für Preußen bevorstehen soll. *Wlen, 24. Nov. fNeueste Finanzopera- tion. Die kaiserliche Familie. Die Uugari- sirung.f Die„Wiener Ztg." bringt das Gesetz, be- treffend die Beschaffung der zur Erfüllung der Verpflichtungen des Staates für 1865 und 1866 nothwendigen Geldmittel. Dasselbe ermächtigt den Finanzminister, 90 Millionen Gulden Silber zu obigem Zwecke aufzubringen. In dem ge- nannten Blatte erscheint ferner die Kundmachung über die neue, auf Grund obigen Gesetzes aufge- legte Staatsanleihe. Der Emissionspreis ist auf 345 Francs oder 138 Gulden Silber für jede auf 500 Francs oder 200 Gulden lautende Obli- gation festgesetzt. Die Obligationen sind fünf- procentig und erfolgt die Rückzahlung innerhalb 37 Jahren, durch halbjährige Verloo'sungen, im vollen Nennwerthe. Die Subscription erfolgt am Montag den 27. d. und wird nach Erfordernis am Dienstag und Mittwoch den 28. und 29. d. fortgesetzt. Die Obligationen werden an den Börsen von Paris, Wien, London, Brüssel, Amsterdam, Hamburg und Frankfurt a. M. cotirt.— Die„General-Correfpondenz" und die „Wiener Abendpost" begleiten die Anlehensoperation durch eingehende, die volkswirthschaftlichc Tragweite derselben hervorhebende Erörterungen. Erstere hebt als Bortheile die Herabminderuug des Zinsfußes im Jnlande, die Gewinnung eines neuen Marktes für die Oesterreichischen Papiere und endlich die Besserung der Valuten hervor.— Durch die kaiserliche Familie geht ein tiefer Riß; sämmtliche Erz- Herzoge, mit einziger Ausnahme des Erzherzogs Stephan, der indeß für alle Zeiten unmöglich ge- worden, sind gegen die Ungarisirung und für die Aufreckthaltung der deutschen Hegemonie. Der Abfall der Mittelstaaten durch Anerkennung Italiens soll hier einen tieferen Eindruck hinterlassen haben, als man gestehen will. Der Kaiser aber denkt nur an die Krönung in Ofen. Ist erst dieser Form Ge- nüge geschehe», dann, so hofft er, werde man sich über das Wesen schon verständigen. Seine Hoff- »ungen stützen sich auf Deak's gemäßigtes Pro- gramm. Diese Hoffnungen dürften indessen auf Sand gebaut sein, da Deak und die Seinigen, so- bald sie sehen, daß sie nicht mehr die Majorität im Lande haben, sich eher der extremsten Richtung anschließen, als die Schleppe der Wiener Hofburg tragen würden. Die letztere nährt die Partei- gegcnsätze und befördert die extremsten Bestrebun- gen der Radicalen, weil sie daraus Capital schlagen und die Reaction hervorrufen zu können hofft. Nun ist eS aber sehr leicht möglich, sogar höchst! wahrscheinlich, daß sie sich dabei verrechnet, und daß die Extremen die Andern mitreißen. Es ist unbegreiflich, wie man sich noch über die Endziele der magyarischen Bewegung, zu der freilich wir uns nur beglückwünschen können, zu täuschen ver- mag. Das>I»riarnur pro roAe nostro(Laßt uns für unfern König sterben) ist in Ungarn längst zur lächerlichen Phrase geworden. Prag, 24. Nov. jCin Antrag von Herbst und 79 Genossen.) wird morgen nach voraus- geschickter Motivirung erfolgen und lautet: Der Landtag wolle sich dahin aussprechen, daß die baldige Wiederherstellung einer verfas- sungs mäßigen B e h a n d l u n g der der Mitwirkung der Reichsverwesung vorbehaltenen Angelegenheiten ein dringendes Bedürfniß sei, und daß die als nothwendig sich herausstellenden Abände- rungen der ununterbrochen zu Recht bestehenden, in ihrem Fortbestande durch das September-Patent selbst anerkannten Grundgesetze nur auf verfas- sungsmäßigem Wege vorzunehmen sind. � Dresden, 25. Nov.(Zum Handelsver- trag mit Italien) veröffentlicht das„Dresdener Journal" zwei Depeschen des Herrn v. Beust an die Sächsischen Gesandten zu Berlin und am Bundestage, welche auf den Handelsvertrag mit Italien Bezug haben. Die nach Frankfurt gesandte Depesche, vom 2!� d. M. datirt, setzt die Gründe auseinander, aus welchen Sachsen es unter- lassen, diese Frage an den Bund zu bringen. Eine längere Verzögerung sei mit den für Sachsen be- stimmend gewesenen Gründen unverträglich und von der geschäftlichen Behandlung am Bunde, welcher die Angelegenheit dem betreffenden Aus- schusse überwiesen hätte, ein Aufschub und ein Zeit- Verlust zu gewärtigen gewesen, den die Sächsische Regierung vor dem eigenen Lande nicht hätte ver- antworten können. Hamburg, 24. Nov. sDie holstein'schen Vereine) haben beschlossen, die in Schleswig ver- botcnen Blätter durch Abonnements zu ent- schädigen. Die Schleswig-Holstein'sche Zeitung bestätigt die patriotische Haltung der Südschleswiger. Mccklcnburg-Schwerin, 24. Nov.(Land- tags- Eröffnung.) Vorgestern ist der Landtag in üblicher mittelalterlicher. Weise in Sternberg eröffnet. Es habeu sich dorr bisher 68 adelige und 16 bürgerliche Ritter, außerdem 33 Bürger- meister eingemielhet. Ausland. * Paris, 24. November.(Tagesbericht.) Die„France" kündigt heute zur Armee- und Flotten-Reduction als erste Reform im Verwal- tungsfache die viel besprochene der General-Ein- nehmer an, der ähnliche Maßregeln in den andern Zweigen der Verwaltung folgen sollen. Friedliche Politik im Aeußern und weiser Fortschritt im Innern sei die Parole des Tages; daß das Mili- tärbudget nicht schärfer beschnitten wurde, schiebt die„France" dem Umstände zu, eine wirkliche Ent- waffnung sei eine große internationale Sache, die nur in Folge einer gemeinschaftlichen Verabredung mit den Hauptmächten Europa'« erfolgen könne; was jetzt geschehe, sei jedoch als Vorspiel dazu zu nehmen, als ein Beispiel, das Frankreich ertheile, ! und als ein ausdrückliches Zeugniß, daß Frankreich zur Erhaltung des Friedens Vertrauen habe.— Das gleiche Blatt meldet:„Das Gerücht hat . Glauben gefunden, daß diplomatische Verhandlun- gen zwischen Preußen und Rußland über die Elb- berzogthümer-Frage angeknüpft wurden und daß .Rußland die Personal- Union der Herzogthümer; | mit Dänemark beantragt hat. Herr v. Bismarck . hat, wie man wissen will, die Absicht, nächstens die russische Note, die diesen Vorschlag enthält, zu ver- � l öffentlichen, um die Bevölkerung der Herzoglhümer> einzuschüchtern, welche in Gefahr käme, Dänemark zurückgegeben zu werweii, wenn sie sich weigerte, an Preußen zu kommen."— Der officiöse Londoner „International", welcher soeben eintrifft, spricht auch schon von der russischen Note in Angelegen- heilen der Personal-Union.— Chili hat die französische Vermittlung angesprochen, Frankreich dieselbe unter Vorbehalt der englischen Mit- Wirkung zugesagt.— Der Gesandte von Chili hatte eine Besprechung mit Drouyn de LhuyS.— Prinz Napoleon und seine Gemahlin gehen nicht nach Compiegne, obgleich sie mit der Kaiserfamilie vollkommen ausgesöhnt sind.— Auf der seit dem 20. d. eröffneten, von Frankreich, Belgien, Schweiz und Italien beschickten Conferenz behufs Normirung der Münzsysteme dieser Länder, ist be- reits eine Verständigung über die Grundprincipien erreicht worden, so daß ein befriedigendes Rcsul- tat als gesichert betrachtet werden darf. Sobald die Conferenz ihre Arbeiten zum Abschlüsse gebracht bat, wird Frankreich bei Spanien, Portugal, Schweden und auch bei den Vereinigten Staaten Nordamerikas Schritte thun, uni diese genannten Länder'zu einer Annäherung ihres MllnzsystemS an das französische zu bestimmen. Man glaubt namentlich, daß die Vereinigten Staaten nicht allzu großes Bedenken tragen würden, den Dollar genau dem Fünffrankenstücke gleichzustellen.— Der Mi- nister des Auswärtigen macht im Auftrage des Kaisers officielle Propaganda für die Entwaffnung, da man im Auslände weder den officiösen Er- Mahnungen, noch selbst den Winken des„Moniteur" ein bereitwillige« Verständniß entgegengebracht hat. Drouyn de LhuyS hat daher nun durch eine Note alle Mächte von dem Entschlüsse Frankreichs in Kenntniß gesetzt und zugleich die Hoffnung ausge- drückt, dag das Beispiel Nachfolger finden werde. In Anbetracht des nichts sagenden Characters der Reduction eine lächerliche Komödie!— Fould arbeitet im Augenblicke mit großem Eifer an seinem finan- ziellen Berichte, welcher, wie es heißt, am 10. Dec. erscheinen soll.— Er will im Ganzen eine Erspar- niß von 40 Millionen erzielen, waS im Grunde genommen wenig ist, da man Anfangs versichert hatte, daß das Budget des Kriegs-Ministeriums allein schon um 40 bis 50 Millionen verkürzt wer- den würde.— Was dagegen Compisgne anbelangt, so bemerkt man dort nicht im geringsten, daß ge- spart werden soll. Die dortigen Feste sind so glän- zend, wie früher, und das Halsband, welches der Kaiser der Prinzessin Anna Murat zum HochzcitS- geschenke machte, hat einen Werth von mehr als einer halben Million. DaS Vergnügen, von einem Kaiser regiert zu werden, kostet Frankreich viel Geld.— — 25. Nov. Die Cholera ist wieder im Zu- nehmen begriffen; gestern starben 60 Personen.— Die Gefälligkeit des hiesigen CabinetS gegen Oester- reich, dem man Geld verschafft, um Italien in Schach zu halten und Bismarckischeti Plänen einen Dämpfer aufzusetzen, ist ein politischer Taschen- spielerstreich auf Kosten der kleinen Capitalisten. Sollte jedoch Fould in die Lage kommen, Geld zu brauchen, so könnte ihni der gegenwärtige Solida- ritätSschwindel mit Oesterreich theuer zu stehen kommen. Ueber die Reise Garibaldis nach Florenz wird hier Folgendes als zuverlässig behauptet: Einige Zeit vor Zusammentritt de» Parlament» war das Gerücht verbreitet worden, daß Victor Emanuel in seiner Thronrede die Kammern auffordern werde, die berühmte Tagesordnung vom Jahre 1861, welche Rom zur Hauptstadt des Reiches erklärte, zurückzunehmen. Es scheint, daß diese» Gerücht nicht ganz unbegründet gewesen sei, und Garibaldi, wie sonst Jedermann, somit von dem unterrichtet, was, wie er glaubte, sich ereignen würde, hielt es für seine Pflicht, gegen ein derartiges Aufgeben der Sache de« Volke» zu protestire». Er be- gab sich deshalb zunächst incognito nach Florenz. In- dessen heutzutage fällt es schwer, besonders einer Regie« rung gegenüber, ein solches Incognito aufrecht zu er- halten,»nd so blieb auch dem Könige die Ankunft des berühmten Patrioten nur für sehr kurze Zeit ein Ge« heimniß. Dieses Ereigniß, ohne vielleicht dem innersten Gedanken Victor EmanuelS Abbruch zu thun, hatte doch eine offenbare Aendernng in der Haltung der Regierung zur Folge, so zwar, daß der König, wohl erwägend, wie das Parlament eine Menge neuer Elemente enthalte, deren Tendenzen man noch wenig sicher sei und deren Temperament noch unerforscht geblieben, den Entschluß