Nr. 2IO. Berlin, Freitag den 1. December 1865. Sonal-Demoliritt. Dies- täglich Organ des Allgemeinen deutschen Nrbeiter-Vercins. bei Sonn- und F-fitagc. Redigin von I. v. v. Hosstette» und I. v. v. Schweitzer. Rcdaction und Expedition- Berlin, DreSdnerstraße Nr. 85. Abonnement?-Preis iitr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr.� einzelne Nummern 1 Sgr.; dei den Kvnigl. preußischen Post- ämtern Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichipreußischen Deutsch- land l8�/< Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. sildd., fl. 1. 50. österr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenstr. l, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreizcspaltcne Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr. berechnet. Agentur sür England, die Eolonieen und die überseeischerl Länder: Mr. Bender, 8. Little Kew-Port-Street, Leicester-Square W, C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. Mit der hentilM Nummer beginnt fnr Berlin ein nenes Älionats-Abonnemeilt zum Preise von 6 Sgr. incl. Bringerlohn. Man abonnirt bei allen Zcitungsspeditcuren, bei dex Expreßconipagnie, Scharrenstraße Nr. 2, und in der Expedition, Tresdenerstr. 85. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 30. Nov. sZur Drohnotenge- schichte und Habsburg-Hohenz ollern' schen Allianzs, die nun einmal zum stehenden Artikel zu werden bestimmt scheint, theilt jetzt auch die officiöse Wiener„Debatte" mit, daß die österreichische Ant- wort auf die letzte Depesche(vom 14.) in der Frankfurter Angelegenheit unter dem 23. No- vember von Wien nach Berlin abgegangen ist. Ueber den Inhalt derselben schreibt sie:„Die öfter- reichische Regierung erklärt darin im Wesentlichen — übrigens nicht ohne ironisch auf die Pflege hin- zuweise», deren sich der in Frankfurt zu verpönende Nationalverein in Preußen selbst zu erfreuen habe, — daß sie Preußen auf der Bah» der Einzelmaß- regclungen außerhalb deö Bundeswcgcs nicht folgen könne und werde, daß sie aber nach wie vor bereit sei, zu der bundesmäßigen Revision einer Gesetz- gebung, die auch sie nicht in allen Stücken genügend erachte, die Hand zu bieten." Außerdem macht hie„Debatte" kein Hehl von ihrem Unmuth über die ganze Bismarckische Politik seit dem Betreten der i Herzogthümer, sondern sie gießt auch die volle Schaale ihres Zorns darüber aus. So gestaltet sich die bekannte„Intimität zwischen beiden Kabinetten" in der Wirklichkeit. Die„Debatte" führt aus: Bon Anfang an sei versucht worden, Oesterreichs Ein- treten für deutsches Recht nur zum Boxtheil Preu- . ßens auszubeuten; in Wien habe man endlich ge- glaubt, mit der Gasteiner Convention Ruhe zu ge- Winnen, aber das selbstsüchtige Andrängen habe von Neuem begonnen. In Paris sei nichts zu er- langen gewesen, statt sich nun aber ganz an den alten Alliirten anzuschließen, sei man lief verstimmt über das Gelingen der neuen Anleihe, und greife l den neu erstehenden Kaiserstaat bitterer als je an. Auch in der Frankfurter Sache solle Oesterreich nur von seiner allen BundeStreue abgezogen und in preußische JnterventionSgclüste verwickelt : werden. Wahrhaft tragikoniiscb ist aber bei all' den; Lamento das seltsame Bemühen dieser„bun- ■ bestreuen" Uhu«, die„verstockte Demokratie" von dem Nutzen überzeugen zu wollen, den Oesterreich dadurch Deutschland leiste. Was es damit auf sich hat, geht am deutlichsten aus einem anderen großen Wiener Blatte hervor, welches in Betreff des von Oesterreich vorgeschlagenen neuen Bundesvcreins- gesetzes bemerkt, daß, wenn Preußen darauf ein- gehen wollte,„mit diesem allgemeinen Gesetze dem Bereinswesen in Deutschland gründlich daS Lebens- licht ausgeblasen werden würde." Doch es ist glück- licher Weise dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel hinein wachsen. —(Zur Elbherzogthümerfrage) will die „Köln. Ztg." aus zuverläßiger Quelle wissen, daß in neuester Zeit von österreichischer Seite Erklärun- gen abgegeben worden seien, die keinen Zweifel daran aufkommen lasten, daß daS Wiener Cabinet unter keinen Umständen in eine Abtretung seiner Rechte gegen eine Geldentschädigung willi- gen werde, und daß dabei ebenso bestimmt die Februarbedingungen als unannehmbar be- zeichnet worden seien. —(Den budgetloseu Zustand betref- fendf, sagt die neueste„Prov. Cm.": Die Regierung wird e« an ihrem Dheile gewiß auch fernerhin an redlichem und ernstem Streben zur Be'ei- tigung de« Zwiespalt« nicht fehlen lassen; sie kann die« Ziel aber nur erreichen, wenn dasselbe Streben im Abgcordnetenhause obwaltet. So weit sich an« den vorläufigen Kundgebungen der Parteiführer ein Ur- theil über die nächste Session fällen läßt, dürste die Re- gierung wohl schon o jetzt darüber im Klaren sein, daß leider auch die bevorstehende Landtag«-Session jenen Er- folg noch nicht bringen, daß der dringende Wunsch de« König« auf Berständigung auch jetzt schwerlich in Erfüllung gehe» wird, daß vielmehr da« Beharren des Abgeordnetenhause« ausi seinem verhängnißvollen Wege(!) auch diesmal nur fruchtlose Verhandlungen in Aussicht nehmen läßt. Die Aufgabe der Regierung wird deshalb. wie schon am Schlüsse der vorigen Session angedeutet wurde, vermuthlich nur darauf gerichtet sein können, den Gefahren einer leidenschaftlich erregten und unfruchtbaren Session bei Zeiten Einhalt zu lhun. Man sieht, die„Zeidl. Corr." und die„Kreuz- zeitung" waren gut informirt. — sKeine Wandelung in der preußi- scheu Politik) heißt die Ueberschrift eines Arti- kels der„Prov. Corr.", in welchem es wohl mit Bezugnahme auf die aus jüngster Zeit stammende Aeußerung der„Kreuzztg." über die Annexion heißt: E« beruht theil« aus Jrrthum, theil« wohl aus bös- williger Absicht, wenn der Regierung die Berantwortung sür alle und jede Wendung von Zeitungen aufgebürdet wird, welche vermöge ihrer Stellung durchaus unab- hängig sind, und einen eigenen politischen Standpnn'l vertreten. Wenn solche Blätter auch im Allgemeinen die Regierung unterstützen und gelegentlich, wie viele Zeitungen, Mittheilungen von derselben empfangen, so sind dieselben doch keineswegs als Organe der Regierung anzusehen und man ist nicht berechtigt, au« ihren selbst- ständigen Aussätzen, namentlich au« ihren Leitartikeln, irgendwie aus die Absichten der Regierung zu schließen oder die Ihatsächlichen Unterlagen lhrcr Betrachtungen ohne Weitere« als beglaubigt zu erachten. Vielmehr ist bei jenen selbstständigen und individuellen Erörterungen ein zeitweiser Jrrthnm über den thatsächlichen Stand und den zu erwartenden weiteren Verlaus der Regie- rungspolitik ebensowohl möglich, wie bei allen übrigen unabhängigen Organen. Und ferner: Alle Vermuthungen und Behauptungen von einer Aenderung der Politik Preußens, sei es in der Schleswig- Holstein'schen Angelegenheit, sei es in anderen Fragen, sind jedoch lediglich müßige Erfindungen. E« liegt zu einer solchen Wandelung weder in den Auf- fassungen der Regierung, noch in der thatsächlichen Lage der politischen Verhältnisse, zumal in den Beziehungen Preußen« zu Oesterreich und zu den übrigen Mächten, auch nur der mindeste Anlaß vor. — jAus den Elbher zogthümern) meldet die„Schleswig-Holsteinische Zeitung": Zur Grenz- regulirung hatte Frhr. v. Gablenz mit der Stadt Hamburg eine Bereinbarung wegen Umtausches von 61 Onadralfuß Land getroffen.' Diese Abmachung wird jetzt von Preußen mit dem Bemerken bean- standet, Oesterreich dürfe einseitig nicht das geringste Stück holsteinischer Erde abtreten oder vertauschen. — Dieselbe Zeitung meldet aus Tönning, daß der dortige Bürgerverein geschlossen sei. weil er sich den schleswig-holsteinischen Bereinen ange- schlössen habe. —(Die„Nordd. Allg. Ztg.") hat, ohne Zweifel in höberem Auftrage, der„Kreuzztg." in äußerst maliciöser Form einen Verweis crtheilt, weil sie es„widersinnig" genannt, zu glauben,„daß der Kaiser Napoleon die Enlwickelung Europa'S und Deutschlands von nun an ruhig ihren Gang gehen lassen werde, weil er sich nur noch mit der Befestigung seiner Dynastie beschäftige." Die „Nordd. Allg. Ztg." meint, dergleichen sei man sonst nur von Demokraten zu hören gewohnt und empfiehlt der conservativen Preffe„Vertrauen zum Kaiser und zum Kaiserreiche." Der Artikel enthält die plumpeste» Schmeicheleien gegen LouiS Napoleon. Der Rabe an der Seine wird sich indeß schwerlich von dem Fuchse an der Spree fangen lassen. Ganz im Gegentheile füttert er den hungrigen Aar an der Donau, der nicht des Fuchses Freund sein soll. � fZur Freilassung Schweitzer'«) aus der Untersuchungshaft wollen verschiedene Berliner Blätter wissen, daß Aussicht dazu vorhanden sei. Die„StaatSb. Ztg." setzt hinzu: Ob mit oder ohne Cautivn wurde unS nicht gesagt. Die übrigen Blätter sprechen von einer Cantion von 5000 Thlrn. Beantragt aber wurde von dem Verhafteten selbst eine Cantion von 1000 Thlrn. UnS ist vorläufig noch nichts Bestimmtes darüber bekannt geworden, als, daß daS Richtercollegium(in erster Instanz) den Antrag auf Freilassung abgelehnt hat und dieser jetzt den Instanzenweg durchlaufen wird. — sUeber preußische Preßfreuden) berichtet die heutige„Berk. Reform": Freigesprochen ist in zweiter Instanz Redacteur und Verleger der„sttord Häuser Ztg.", die wegen eine« Artikel« in der May'schen Sache mit einer Geld- büße von 20 resp. 10 Thlr. belegt worden waren.— Freigegeben ist die letzt confiScirte Nummer der Gninbinner„Preuß.-Litth. Ztg.", durch Spruch de« Kreisgericht». Zur Beschlagnahme hatte ein Bericht über «inen geschichtlichen Bortrag Anlaß gegeben, der in einem dortigen Vereine gehalten worden und in dem von dem „verhaßten Mixisterium Eichhorn" die Rede gewesen war. Selbst der dortige Staatsanwalt schien der u. A. von den Berliner Preßrichtern in dem neuesten Procesie gegen Jacoby ausgestellte» Ansicht von der Solidarität aller je existirt habenden Ministerien in Preußen nicht folgen zu können, er hat gegen den freigebenden Bcfchlust des Gninbinner Kreisgerichi« keinen Emsprnch erhoben. — Constdcirt würbe in Posen die Montagsnummer des„Dziennik poznanski" wegen eines Gedichtes von Merzbach.— D-S Stettin er ApptllationSgericht hat in der„A.nklamer Ztg." eine nicht m, wichtige Eni» fcheidnng gefällt. Da« Blatt war angeklagt, weil es in der Veröffentlichung eines verurtheilenden Presterkennl- nisseS die inkriminirten Stellen noch einmal abgedruckt halte, die Gerichte erster und nun auch zweiter Instanz haben jedoch erkannt, daß diese Reprodnction, in Ver- bindnng mit der Mittbeilung des Urtheil«, nicht strafbar sei, da die Absicht, den Frieden zu stören(darauf lautete die neue Anklage) daraus nicht hervorgehe. * TLicn, 28. Nov.[SBom croatischen Landtag. Die Preßfreiheit. Auch Erspa- rungen. Betheiligung an der Anleihe.� Auf dem croatischen Landtag ist zwischen der fufionistifchen Linken(der Linken der ungarischen Partei) und dem Präsidium des Landtags ein neuer Conflict entstände». Während, wie wir gestern ge- meldet haben, die Fusionisten gegen die ohne Weiteres beschlossene Zulassung von Depulirten zweifelhaften Mandat« protestirlen, haben sie jetzt den Präsidenten zur Constituirung des Landtags aufgefordert, da Wahlen von zwei Dritttheilen seiner Mitglieder als ordnungsmäßig erfunden und bestätigt worden seien. Der Präsident glaubte dieser Ausforderung nicht entsprechen zu sollen. Es kam zu hitziger Debatte und das Präsidium beharrte auf seiner Weigerung. Darauf machte die fusionistische Linke durch ihr Ausbleiben aus der letzten Sitzung den Landlag beschlußunfähig. Die Linke beschließt, sich in einer Vorstellung an den Kaiser zu wenden und Man rechnet mit Zuversicht darauf, eine geeignete Form zur Beilegung auch dieses neuen Eonflictö zu finden.— Die Paßfreiheit hat bereits ihre hier un- vermeidlichen Einschränkungen erfahren; das Polizei- Ministerium hat einen Commentar erlassen, durch den das Ganze fraglich wird, insbesondere soll den betreffenden Beamten die gewissenhafteste lieber- wachnug ded Personen von zweideutiger poli- tischer Haltung an's Herz gelegt worden sein. Die Art der Ueberwachung ohne Paßrevision scheint demnach dem subjectiven Ermessen der Beamten vorbehalten zu bleiben.(!)— Das KriegSm iniste- rium hat eine Ersparungsordre erlassen, welche auch anderweitig gerechte Aufmerksamkeit erregen wird: Die Beamten sollen fortan nur auf die amt- liche„Wiener Zeitung" abonniren, außerdem sollen, nicht ohne Nebenabsichten, die den Fuß der Höflinge bildenden gebohnten Parquet's künftighin nur in den Zimmern der obersten EhefS zulässig sei». Die Zeichnungen auf die Anleihe waren in ganz Oesterreich höchst geringfügig. Man zählte auf Frankreich. In Wien sollen im Ganzen kaum 8 Millionen gezeichnet sein. In Prag war die Summe so gering, daß man sich schämt, sie zu ver- öffentlichen. Eine gewiß lehrreiche Erscheinung, und ein Beweis dafür, wie das Vertraue» zu der Zu- kunft des Habsburger Staates in Oesterreich ge- funken ist. * M iinchen, 28. Nov.[Zum italienischen Handelsvertrags, wird von hier telegraphirt, daß ein Telegramm der Wiener„Presse", welches Meldet, Würtemburg und Hannover hätten Noten hiehergescndet, des Inhalts, daß beide Regierungen die wirlhschafiliche Dringlichkeit eines Handelsvertrages mit Italien nicht anerkennen, vollkommen grundlos ist._ Ausland. * Paris, 28. Nov.[Tagesbericht.] Die j ,, France" hält von der geheimnisvollen Zurückhal- I tung, in Betreff des Resultates der politischen Sendung des nun aus Oesterreich zurückgekehrten Mac Mahon, daß es mit seiner„politischen Mis- � slon", von der Wiener Blätter sprechen, nichts sei. I Die Zuavenrebellion auf Martinique kann jetzt selbst von den amtlichen Blättern nicht länger todtgeschwiegen werden und macht großes Aufsehen. Es ist das erste Beispiel der Art in der französi- Ichen Armee, und kommt den Plänen des Kaisers, der bekanntlich an Ausdehnung des Zliaventhums, »ls des zuverlässigsten und rücksichtslosesten im . Heere denkt, nicht gerade gelegen. Auch macht der „Moniteur" schon Miene, die Zuaven zu entsckuil- digen, indem er ihre Empörung aus einer„strengen und streng ausgeführten" Ordnungsmaßregel herleitet. Außerdem ist es sehr unangenehm, dag die heim- lichen Truppen-Transporle nach Mexiko, welche trotz aller friedliebenden Versicherungen an das Kabinet des Präsib. Johnson in erhöhtem Maße fortdaucr- ten, auf diese Weise an daö Tageslicht treten, zu- gleich aber auck ein so beredtes Zeichen der llnlnst gegeben wird, mit welcher die Französischen Trup. Pen nach dem„AcclimatisationSgarten"— so nennt der Französische Soldat die Mexikanischen Kirch- Höfe— spazierten. Der„Wiener neuen freien Presse" schreibt man darüber: Ein Militairkrawall in den großartigsten Dimensionen hat sich auf der Insel Martinique zugetragen. Zuaven, Marinesoldaten und Gensd'armcn haben sich aus den Wällen und GlaciS des Forts Desaix in regelrechter Weise bekämpft, und es kostete der brudermörderische Streit beinahe so viel Opser, wie ein formgerechler Zu- sammenstoß mit dem Feind im offenen Feld. Die Nach- richt bat hier den übelsten Eindruck hervorgebracht, die peinlichsten Betrachtungen erweckt. Der Zuave ist nun einmal der Liebling der großen Menge, der nniformirle Typus de« militairischen Ruhmes, und gleichsam so recht aus dem Eingeweide der Seiuestadl hervorgegangen. Der Zonzon wird in den Casös Chantanls und den Ateliers durch Lied und Wort gefeiert, und die Beni- Mouffeiard, wie man scherzweise die ersten, meistens aus dem Abhub der Pariser Bevölkerung gebildeten Ba- taillonc dieses SpezialcorpS nannte, sind auf ihre Hei- malh in den Lumpenböhlen hinter dem Paulheon so stolz, wie die rechlgläubigen MoSlimS auf Mekka und Medina. Der arme Zouzon ist»un in Martinique jämmerlich heimgeschickt worden; er halte Durst und wollte trinken, und der Gouverneur ließ ihn, der ll>93 Exemplare stark in einem Transportschiff wie in einer H-riugStonne eingepackt, nach dem keineswegs gelobten Lande Mexico lpedirt wurde, nicht aus dem Fort heraus, in dem unfreiwillige Rast gehalten werden sollte. Die Einwohner von Fort-de-France, die schon bei früheren Gelegenheiten die Liebenswürdigkeit dieser Elite-Truppen in allzu reichlichem Maaße genossen hatten, ersuchten die Behörden, die tapferen Gäste möglichst von ihren Straßen fern zu halten. Wie Privatbriefc aus Fort-de-France melden, hatte der Gouverneur Recht, die Verbindung des Forts und seiner Gäste mit der Stadt möglichst zn beschränken, allein er war dagegen auch gehalten, de» armen Kerls, die»ach einer langen und äußerst beschwer-- lichen Seefahrt sich körperlich u»d geistig erholten sollten, alle mögliche» Erleichterungen z„ gewähren. Dies geschah! aber nicht. Der Wein, der im Fort verkaust wurde, war schlecht und sehr theuerz was war also natürlicher, als daß die verwegenen Gesellen, die, beisäufig gesagt, erst inj Mexica in ihr« betreffenden Regimenter eingereiht wer- 1 den sollten und nahe an lltzll Mann an der Zahl und von nur siinf Osficiercn kommandirt wurden, anderwärts zu trinken begehrten. Es kam zum Streit mit der Woche, und so entspann sich die blutige Balzerei, die über 2ll Todle und über bO Verwundete kostete. Wenn aber der Gyuvernenr anfangs eine zu kleinliche Strenge entfaltete, so hat er, natürlich vom strammen militärischen Standpunke au« bcurtheilt, beim Ende eine bedenkliche Schwäche ge-, zeigt. Er mußte mit eiserner Hand eingreifen und die meuterische Rotte nach aller Strenge des Kriegsrechte» behandeln, nicht aber sie an Marschall Bazaine zur be- beliebigen Abstrafung spediren. Anstatt gegen die Maffe j einzuschreiten, ließ er die einzelnen Zuaven, die ohne Waffe» in den Straßen umheriaumelten, von den Gen-> barme» wie wilde Tbiere Hetzen und niederschlagen. Daher soll, nach dem Bericht von Augenzeugen, die ver- hältinßmäßig große Zahl von Tvdlen und Verwundeten � aus seile der Zuaven Herrühren.— Es verlautet jetzt hier, daß der Gouverneur von Martinique seiner Stelle entsetzt werden soll. Man l findet, daß er zu streng gegen die Zuaven auftrat und so die erste Ursache zu den traurigen Scenen' war, die in Fort de France stattfanden und einen � so blutigen Ausgang hatten.— Zur Cholera-Eon- i ferenz haben nun auch die griechische und die j dänische Regierung ihre Zustimmung erklärt.— j Die Nachricht, es sei eine polnische National-Ne- gierung in Paris unter Mieroslawski's Vorsitz ge- bildet, wird von MieroslawSki selbst für grundlos erklärt.— Die spanisch-chilenische Streit- i frage scheint in ein neues Stadium trete» zu j wollen und die neuesten spanischen Depeschen be- weisen zur Genüge, daß der spanische Nationalstolz � doch noch nicht ganz zu den verjährten Dingen ge- zählt werden darf. Gestern gegen Abend stattete j Herr Bermudez de Castro bei Drouyn de LhuyS � einen längeren Besuch ab, in welchem er ihm die Note vorlas, welche sein Minisleriuni an die spa- nischen Agenten im Auslande gerichtet. Spanien ist danach weit entfernt, so ohne Weiteres den chilenischen Ansprüchen nachzugeben, wie man soeben noch glauben gemacht. Noch, mehr, Hr. Bermudez de Castro soll sich im Verlaufe deS Gespräches iivch über die Haltung der englischen und franzö- fischen beeinflußten wie unabhängigen Presse sehr bitter geäussert und entschieden daraus bingewiefen haben, wie unreä'l es sei, auf diese Weise dem „liberalen spanischen Ministerium" von Seiten der „liberalen Westmächte" verniehrte Schwierigkeilen geschaffen zu sehen, während es doch den conser- vativen Staaten Europa's gegenüber schon der Natur der Sache nach eine durchaus isolirte Stel- lung einnehme. Auch die Börse zeigt sich von dieser Verfinsterung der Situation etwas angegriffen.— Die„Debats" enthalten heute Briefe aus Rom, denen zufolge voni Cardinal Antouelli, in so fern eS eine Versöhnung Roms mit Italien betrifft, nichts zu hoffen ist:„Derselbe mache zwar gewisse Versprechungen, habe es auch fertig gebracht, daß die Römer an das Zustandekommen einer An- Näherung an Italien glaubten, auch sei es ihm gelungen, in Europa die Meinung zu verbreiten, daß der römische Hof von den friedlichsten Ge- sinnungen beeselt sei, dieses alles fei aber nicht ernstlich gemeint, sonder» nur darauf berechnet, Italien anscheinend i» Unrecht zu versetzen, die Diploniatie einzuschläfern, um Zeit zu gewinnen, und nicht das Geringste zu thun, um ein Ab- komnien zu Stande zu bringen." Wenn man den Correspoudenten des Temps Glauben schenken darf, so steht Oesterreich aber auch immer noch auf einem Standpunkte, der die September-Convention voll- ständig ignorirt und als nicht bestehend ansieht. Herr v. Hübner habe desshalb, wie auch zur Zeit Herr v. Bach, die Instruction erhalten, den ge- ' ff« nannN» Verlrag vollständig außer Acht zu lassen und ihn als eine Sache zu betrachten, welche nicht existire. Diese Haltung Oesterreichs ist nicht ohne Einfluß auf die weiteren Beschlüsse des römischen Hofes geblieben, und ganz geeignet, die durch den Abfall des bisher so getreuen Baierns erschütterte Stimmung der Clericale» i» Rom wieder zu heben. Zugleich rechnet man in Rom wieder auf eine plötzliche Aenderung der französischen Politik, an der die Anhänger des Papstes in Frankreich mit großem Eifer arbeilen. Man hofft namentlich, daß irgend ein revolutionäres Factum es denselben er- möglicht, mit Ungestüm die Fortdauer der Occu- pation zu verlangen.— Es ist als auffallend bemerkt worden, daß kein einziger Russe nach Com- piegne eingeladen worden. * London, 28. Novbr.[Fenierproceß. Stephens. Der„kranke Mann" und die Times.) Gestern hat in Dublin vor der Special- Commission die Verhandlung des Prvcesses gegen die Fenier begonnen. Wie der„Times" telegraphisch gemeldet wird, wurden mir die Geschworenen, die Zeugen und die von Amts wegen berechtigten Avvocaten in's GerichtSgebäude zugelassen und dieses von der Polizei und einer stiilitärifche» Re« fervemannfchaft streng überwacht. Die große Jury erklärte die gegen Luby erhobene Anklage für recht- lich begründet, desgleiche» die anderen Anklagen. Luby's Anwalt verlangte Abschrift der Anklage- Acte, die ihm auch bewilligt ward, worauf er ver« schiedene Einwendungen machte, die der Gerichtshof aber zurückwies.. Das Richmond-Gefängniß steht unter strenger Bewachung.— Von Stephens hat man noch nichts weiter erfahren. Der Flucht dieses Fenier-Führers legt die„Morning Post" übrigens nicht die mindeste Wichtigkeit bei, da die Haupt- leitung der Conspiration ja nickt in Irland, son- dern in America sei. Die„Timeö" sagen auch, das Publicuni habe ein nur sehr geringes Interesse an Stephens' Schicksal, aber sie findet eö doch recht unerbaulich, daß die Fenier bis in's Gefängniß hinein ihre Verzweigungen haben; wenn man Fenier zu Wächtern über Verrälher und Rebellen machen könne; wie werde eS dann in den Arsenalen und Dock- yardS aussehen.— Einem Wiener Telegramm zufolge habe England den Oesterreichcrn gewünschte Conces- sionen gemacht und sei der Abschluß des HandelS-Ver-