Nr. 216. Berlin, Freitag den 8. December 1863. Zocial-Pemokrat. ®ieft �riuinatme' tafln* Organ M Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins. R-d°-.i�und Expedition- d-r Ton», und Festläge. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und Z.». v. Schweitzer. DreSdnerstr-st-Nr. 85. Abonnements-Preis illr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Kiinigl. preußischen Postämtern 22>/i Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land I8�/< Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. südd., st. 1. 50. Ssterr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. I, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienftmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr.«wechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder- blr. Loniler, 8. L.ittls New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Kue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saiut-Andre-des-Arts. 1 Politischer Tlicil. Deutschland. * Berlin, 7. Dcc.[Sin internationaler ßoufliit], der bereits, wen» auch noch undemerkt, am politischen Horizonte als drohende Gewitter- wolle gestanden, ist, Dank der diScreten diploina- tischen Behandlung von beiden Seiten, glücklich gelöst worden, ohne baß auch nur im Geringsten die in dergleichen Fällen so cmpsindsanien euro- päischc» Börsen davon berührt worden wären. Ed betras einen Handel zwischen Preußen einer- und den Niederlanden andererseilS. Hören wir, wie sich die diplomatisch gewandte Feder eines damit beanf- kragten Korrespondenten der„Köln. Ztg." darüber ausläßt. Er schreibt.- Während die Zeitungen mit der Frage der Herzog- lhüincr, dem Depeschenwechsel wegen der Frankfurter Angelegenheit, dem Spanisch- Ebilenischen Handel und ähnlichen Siaats-Actionen beschäftigt sind, hat zwischen Preuße» und den Niederlanden ganz im Stillen ein diplomalischer Gedanken-Austausch(!) stattgesunden, der zwar keine großen Dimensionen angenommen, aber die Beibeiligte» doch eine Zeit lang lebbaft interelsirt hat. Seil einigen Wochen ist nämlich ein neuer Holländischer Gesandter, Graf Bylandt, am Preußischen Hose beglau bigt Bor der Uebersiedelnng nach Berlin hatte sich der Gras mit seiner Familie einige Zeit im Haag aufgehallen. Als diese ans der Reise nach der Hanptstadl Preußens an der Grenze angelangt war, wurde sie Seitens der Preußischen Zollbehörden mit der ihrem Stande gebilh renden Zuvorkommenheit behandelt. Da« Gepäck wurde gemäß dem diplomatischen Branche ohne Hinberniß zoll- frei eingelassen. Nur wegen eine« Hündchens, da« derGräfin, B. sebr lieb zu sein schien(!), erbeb sich eine unerwar. tele Schwierigkeit. Die Bcamlen glaubten Angesichts der strengen, wegen der Viehseuche getroffenen Maßregel,- oen llebertriit des kleinen Hnndc« ans Preußische« Gebiet beanstande» zu sollen. Vergebens betheuerte die lieben«- osirdige Besitzerin, daß da« Schooßhündchen stets in, .)ause gehalten worden sei, fern von der Rachbarschast rgendwie verdächtiger Thiere. Die Beamten beriefen- ich auf ihre Pflichten, und da« Hündchen wurde voierst . wenigstens(!) einer vorsorglichen Quarantaine unter- oorsen. Die Angelegenheit veranlaßte daraus eine diplo- -atische Intervention, in Folge deren die Quarantaine nsgeboben und das Schooßhündchen der Besitzerin wieder igesührt wurde. Die Beziehungen zwischen den eiden Regierungen sind, nach Allem, wa« tan hört, durch diesen Zwischenfall nicht ge- übt worden,»nd diese unbefangene Darstellung wird llen etwaigen übertriebenen Gerüchten am besten zuvor- i.-nnnen. Europa, Du kannst ruhig schlafen.— Die Eon- ctural-Politik der ZeiiungSschrelber aber ist um ,nen Stoff ärmer geworben. — sUeber den Einfluß des Abgeordne- tnhauses auf die Staats- Au Sgaben� ingt, unter dieser Ueberschrift, die neueste„P ro v. orr." eine» Artikel, in welchem es u. A. heißt: Die Abgeordneten sollen nach der Vcrfaffung einen nfluß ans die SlaalSauSgaben üben, indem sie dazu 'fen, daß ei» Gesetz über den Staatshaushalt zu Stande komme.— die« kann nur geschehen durch llebercinstimmnng init dem Könige und dem Herren Hause: diese U e b e r e i n st i ni in u n g zu er- zielen und möglich zu machen, darauf muß also das Bestreben de« Abgeordnetenhauses ebenso, wie der beiden anderen Theile gerich- tel sein. Ferner wird vom preußischen Volke gesagt, daß es sich vornehmlich fragen müsse,„ob die Abgeord- nelen ihren Einfluß etwa selber aufgegeben oder verscherzt haben." Der Artikel schließt: Durch redliches patriotische« Znsammen- wirken mit der Regierung wieder einen wirk- lichen vcr s ass n n g«mäßigen Einfluß aus die StaatSauSgaben zu üben, darauf müßte das Streben de« Abgeordnetenhauses gerichtet sein, und darin würde dasselbe seitens der Re- giernng jetzt wie früher bereitwillige Förde- rnng finden. Kurz, niau möchte um jeden Preis— Frieden machen mit dem Volke. Wir glauben es gern, aber— — sDie österreichisch-preußischen Verhandlungen in der Herzogthllmerfrage� betreffend, versichert die„Prov.-Corresp.", dieselben hätten seil dem Gasteiner Bertrage vollständig gc- ruht. Die Zcitungsangaben in Betreff von Vor« schlägen Preußens und Erklärungen Oesterreichs seien erfunden; weder schriftlich noch mündlich habe ein Austausch über eine Erledigung der Angelegen- heit staltgefunten. Ebenso seien alle Mittheilungen über eine beabsichtigle außerordentliche Sendung nach Wien durchaus grundlos. — f Betreffend die Wiedererstattung der Grundsteuer- Vera n lagiingskosten.s meint die ,, Prov.-Corresp.. sei die preußische Staats- Regierung berechtigt, nicht aber genöthigt, die Wiedererstat- tung durch einen mäßigen Grundsteuer- Zuschlag zu be- wirken; sie könne vielmehr sehr wohl zunächst die Pro- vincialstände über die zweckmäßigste Ausbringungsart, vorbehaltlich der Allerhöchsten Genehmigung, beschließen lassen. — sÄus den Elbherzogthümern�j wird berichtet, daß die schlcSwig'sche Postdirection in ihrem neuesten Circulare den Postbehörden zur Pflicht niacht, solche Postpackete, welche an- s cheineud(!) verboleiieZeituugen enthalten, im Bei- sein der Adressaten zu öffnen lind den Polizeibehör- den darüber Bericht zu erstatten. Auch nicht schleckt. —(Gras Bismarcks speiste vorgestern bei dem Bankier Bleichröder, dem Berliner Ver- treter Nothschild's. Für die offiziellen Finanz- kreise Oesterreichs gewiß nicht ohne Interesse! —(Zur Finanzlage OesterreickSs führt ein Artikel der amtlichen„Wiener Ztg." auS, daß zur Deckung des 50 Millionen betragenden Nestbedarfs für das Jahr 1866 eine neue Anleihe erforderlich sein werde. Unter Zugrundelegung deö Uebernahme-Courses der neuesten Anleihe würde die neue Finanzoperation Oesterreich etwa in Höhe von 83 Millionen belasten müssen. —(In der Graf Eulenburg-Ott'schen Angelegenhcits erhält die„Bonner-Ztg." nach- stehende„Berichtigung" zur Verösienllichnng zu- gesandt: In der„Bonner Ztg." vom 2. Dez. d. I. Nr. 279 befindet sich eine Mitlheiliing d. d. Bonn, I. Dez., nach welcher da« vielbesprochene Ercigniß, in Folge dessen der Koch Ott daS Leben einbüßte, dahin erledigt sein soll, daß der einjährige Freiwillige, Graf zu Eulenburg, durch Erlenntniß des Militärgerichts zu neunmonatlicher FestungSbaft verurtheilt sei. Das unterzeichnete Com- mando erklärt hiermit, daß, da ein Spruch in beugter Angelegenheit noch nicht gefällt worden, obige Nachricht ein nach allen Seiten leere« Gerücht ist. Bonn, 4. Dez. 1865. Das Kommando des Königs-Husaren- Regiment«. Die Redaclion der„Bonner Ztg." bemerkt dazu: Hierzu haben wir zu bemerken, daß der Artikel von einer Seite mitgetheilt war, welche für uns jeden Zweifel an der Zuverlässigkeit der Nachricht ausschloß. —(Da» Ober trib una ls pnblicirte das Erkcnntniß in der Nichtigkeitsbeschwerde de« vr. Grävell. Dasselbe lautete dahin, daß die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklag- len ziirückzuweisen sei. Auf die Nichtigkeitsbeschwerde des Ober- Staatsanwalls ist da« zweite Urtheil ver- nichtet in so weit, al« der Angeklagt? nicht auch der öffentlichen Beleidigung für schuldig erachtet worden. E« ist deshalb das erste Urtheil dahin abgeändert, daß der Angeklagte nicht blo« der schriftlichen, sondern auch der öffentliche» Beleidigung schuldig, deshalb mit Gesang n iß von 9 Wochen zu bestrasen sei.(In den ersten beiden Instanzen war bekauullich angenommen worden, daß die Bertheilung der Petition au die Mitglieder des Abgeordnetenhauses nicht als Veröffentlichung anzusehen sei, und lautete das Urtheil ans vier Wochen Gefängniß).— —(Preußische Preß-Schicksale.) Nach der „Eckernsörder Zeitung" wurde der Herausgeber der(anti- angustenburgischen)„Angler Zeitung" wegen eines Pa«- quill«, enthaltend Andichtung von Verbrechen und groben Schmähungen gegen(n°rdschleswigsche)Regierung«beamtk, in 100 Mark Brüche und die UntersuchungSkosten ver- urtheilt.(Die„Angler Ztg." enthielt diese Angriffe zur Zeit der Mission de« Prinzen Hohenlohe.)— In Iüler- bogt wurde» am 4. d. M. zwei Preßprozesse gegen die Redakteure der Wochenblätter von Luckenwalde und Treuenbrietzen, so wie gegen den als Verfasser der„liberalen Korrefpondeiij" geiiaiinlen I. Süßmann, wegen Mitthei- lungen an Redaktionen, verhandelt. Beide Blätter halten jenen Mittheilungen eine die Berurtheilung des Dr. Joh. Jacoby betreffende Notiz cutnommeu, welche nach der Anklage Handluugtii, welche in den Gesetzen als Ver- brechen oder Vergehen bezeichnet sind, durch öffentliche Rechtfertigung anpreisen sollen. Der Staatsanwalt bean- tragte gegen zedeu der Redacteure eine Geldstrafe von 25 Thlr., gegen Süßmann eine achtwöchentliche Gefäng- nißbaft. Der Gerichtshof spradi alle Angeklagten frei, weil er in dem inkriminirten Artikel keine Anpreisung gesetzwidriger Handlungen entdecken konnte.— In Trier wurde am 2. d. M. ein Preßprozeß gegen den Verleger der Trierschen Zeitung, Fr. Lintz, und den Redactcur derselben, Dr. Lintz, verhandelt, wegen einer Biographie de« Dr. Joh. Jacoby, welche die Gerichte beleidigt und Handluugtii, die im Gesetze als Vergeben bezeichnet sind, durch öffentliche Rechtfertigung angepriesen haben soll. Die Angeklagten wurden sreigesprocheu.— In Schleswig hat am 5. d. M. die Landesregierung die Beschlagnahm« der„Jtzehöer Nachrichten" wegen eines mit einer ,.VlIp> llberschriebenen Gedicht« angeordnet.— Die am 22. Nov. wegen de« der„Augsb. Allg. Ztg." tulnonimeuen Ar- likels g>?gen die Anuexion confi«cirte Nr 324 der„Rhein. Ztg." ist in Folge richlerlicher Eiilschcidung wieder frei« gegeben.— —[Ucber daS Befinden des belgische» KönigSs laulcl das neueste Telegrainin: Sicheren Privalnachrichlen zufolge befindet sich der ÄBnig noch immer in demselben bedenklichen Znstande. Die letzte Rocht war unruhig; die Schwäche ist im Zunebmen. Die Difienteiie sowie der Appetitmangel dauern fort. * TLien, 6. Der. e r r Waser. Abend- Post über LandtagSniandale für Beaintc. Der n i ed e r ö st crr. L an r lag. Dementi. Vom Landtag in Klausen bürg. Vom mährische» Landtags Der Ober-Slaatsanwalt Waser ist seines AmleS enthoben und in das oberlandesge- richtliche Richter- Kollegium versetzt worden. Ein Arttkel der Wiener Äbentpost" über die Unver- träglichkeit richterlicher Funktionen niil den, Landtags Mandate spricht die Ausicht aus, dast, wenn der Richter selbst wenigstens noch geltend niachen könne, daß er nur an das Gesetz gebunden sei, der Staatsanwalt, insbesondere der Ober- Staatsanwalt, abgesehen von seinem amtlichen Berufe, auck noch das Organ des Justizministers und diesem für die ihm erthcilten Instruktionen verantwortlich sei. Die Regierung könne nnmög- Uch dulden, daß sich denjenigen, welche in, Septem- berpatenle eine vom Mimsteriuni ansgegangenc Rechtsverletzung erblicken, auch Männer beigesellen, die berufen sind, die politischen Grundsätze eben dieses Ministerimns zu vertreten.— Der nieder- österreichische Landtag hat die von der Majorität des Ausschusses beantragte Adresse an den Kaiser en bloc angenommen. Die namentliche Abstim- mung ergab 46 Stimmen für, 10 gegen.— Die „General- Correfpondenz" meldet i Das Gerücht, Graf Belcredt beabsichtige die Leitung des Po- lizeiministeriumS abzugeben, entbehrt samml allen daran geknüpften Kombinationen jeder Begründung. — Der Landtag in Klausenburg hat in seiner Heuligen Sitzung beschlossen, dem Kaiser in einer Adresse für die Wiederherstellung der Rechls-Conlinnitäl(!) zu danken uud darin auszusprechen, daß der Umons- artikel vollkommenes Gefetz sei, dessen Revision nur in Pesth möglich. Der Kaiser wirb in der Adresse gebeten, die Vertreter Siebenbürgens nach Pesth eui- zuberufen. Hin Passus wegen Wahrung der Rechte der sächsischen Ration soll in die Adresse mit ans- genonimen werden.— Die Sachsen und Rumänen haben einen besonderen Entwuif angemeldet.— Der niäh tische Landtag lehnte in heutiger Sitzung den Antrag GiSkra'S auf Fassung einer Rcsolu- lion bezüglich des Septemberpatentcs mit 51 gegen 43 Stimmen ab. Ausland. � Paris, 5. Dezbr. jTagesbericht.j Hier reichte das bloße Gerücht, der Kaiser werde in Be lreff Mexieo'S ein Seitenstück zum italienischen September-Vertrage machen, hin, um die Börse in rosige Stimmung zu versetzen. Der„Köln. Ztg." wird von ihren, pariser— Corrcspondenten darüber berichtet, „Die heutige Börse war in der heitersten Laune. Alle Werthpapiere stiegen bedeutend, die 3procentigen um bei- nabe Vz pCt. An diesem starken Steigen waren tbeil- weise Zwangsankäufe schuld und theilweise daS Gerllcht, Frankreich stehe auf dem Punkte, seine Truppen au« Mexico zurllckzuzieben, da es dem Drängen de« Washing« touer(Sabines nachgegeben und sich dazu verstanden habe, unter gewissen Bedingungen, über welche General Schvfield zu verhandeln habe, das neue Kaiserreich z» räumen. Ob Wahres an diesem Gerüchte ist, war noch nicht zu erfahren. Sicher scheint es jedoch zu sein, daß diese Angelegenheit in eine sehr kritische Phase tritt, da der Präsident Johnson gern mit einem von den Fran« zosen befreiten oder wenigsten« bald besreileu Mexico vor den amerikanischen Eongrejj treten möchte." Also: die Börse, die Presse, die Salons wünschen, kurz, überall, und vielleicht in de» Tuilerieen am »leistcu, wünscht ma», daß die französischen Truppen, je cber desto besser, abberufen werden und Maxi- iiiilian seinen eigenen Mitteln überlassen bleibe. Jnteß die Diplomatie würde leichtsinnig zu versah- ren meinen, wenn sie ohne ein Dutzend halber Dementis ans Werk schritte. Selbstverständlich wird sich Schofield wohl hüten, mit der Thür ins Haus zu fallen, im Gegenthcil liegt es im Interesse der Sache, daß, je fester man zu Washington in rein Haupipnnkie ist, man um so gelinder in der Form und um so vorsichtiger gegen ciuc» Gegner. wie'Rapolcon ist, auftritt. Gleich dem Pendel in Intervallen, die unablässig auf die Monroe-Doclrin hinweisen, ist Jobnson'ö und Seward'S Taktik bisher gewesen und wird sie es bleiben, bis die Stunde gekommen ist, wo es voll schlägt. Schofield hat sich auf dem auswärtigen Amte noch nicht ein- gestellt; dieser Uiitstand ist dem„Constilutionnel" genug, um zu erklären:„Wir können versichern, daß die französische Regierung über eine Mission des Generals Schofield noch keinerlei Mittheilung erhallen, und wir hallen diese Nachricht für un- begrüntet." Die„France", welche auch in Mitleiden- schaft versetzt worden, drückt sich ungleich vorsichtiger als ihr Freund Constitutionuel aus, indem sie ihr Dementi so einkleidet:„Wir glauben, in der Lage zu sein, versicher» zn dürfen, daß bis jetzt noch keine officielle Anzeige das Vorhandensei» dieser Mission osfen herausgestellt habe." Diese Fassung macht der Aormgelvantlhelt dieses geriebenen Blattes alle Ehre, obwohl i» der Sache selbst durch diese Spiegelfechterei gar nichts verändert wird. Genug, Schofield ist in Paris, und sollte er sich etwa über- zeugen, daß für ihn im Ministerium des Auswar- tigen nichts mehr zu lhun fei, daß Liapoleon III. im Gegenthcil entschlossen wäre, den Zuaven, die ans Martinique so unangenehm wurden durch die Mißstimmung, mit der sie»ach Mexiko geschickt wurden, neue Regimenter nachzuschieben, so wäre das sicherlich für Napoleon sehr verhängnißvoll. Uebrigens handelt es sich, so viel sich aus amerikanischen ofsiciöseu Andeulungen schließen läßt, zu- nächst noch gar nicht um den sofortigen Abzug der Franzosen ans Mexiko, sondern um ein Zurückgehen auf Erörterungen, welche vor zwei Jahren der da- malige amerikanische Gesandle in Paris, Herr Dayton, mit Drouyn de Lhuys hatte. Damals ließ Sewarb der französischen Regierung erklären,„nach derAnsichl der Bereinigten Staaten sei die permanente Errich- lung einer monarchische» und ausländischen Regierung in Mexico weder möglich, noch w ü n s ch e n S>v e r l h, indcß könnten, ihren Prinzipien gemäß, die Bereinig- ten Staaten Mexico's Geschicke einzig und allein der Obhut des mexicanischcn Volkes überlassen, und sie würden die Souveränetäl und Unabhängigkeit dieses Volkes anerkennen, gleichviel unter weicher Form es dieselben zu manifestiren für gut bcsinden würde." Unterdtssen halte heule Herr Schofield eine längere Conserenz mit Herrn Bigelow und speiste auf der amerikatitscheii Gesandtschaft. Er wünschl, eine Audienz i» Compiegne zu erhalten, und soll bereits Gelegenheit zu einem Jdcen-Anslausche mit Herrn Drouyn de Lhuys gefunden haben. Mor- gen wird also der„Constilulioiinel" nicht mehr be- hauplen können, die Regierung wisse nichts über die Gründe, welche den amerikanischeii General hie- her gefühn hätten.— Die Assaire des Luxembourg- Gartens ist immer noch im Gange. Die Pariser strömen zu Tausenden»ach dem genannte» Gar- ten, um sich denselben nochmals vor seiner Zer- ftörung anzusehen. Viele glauben, daß derselbe er- hallen bleiben werde, da angenommen wird, daß der Kaiser sich die öffentliche Meinung wegen der Nichtausführung einer einzigen strategischen Linie nicht verfeinden werde. — 6. Dez. jNeuestes.) Aus offiziöser Quelle verlautet, daß der amerikanisch General Scho- fielt nicht in einer besonderen Mission, sondern nur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Europa gekommen sei, wo er sich lange anfzuhal- ten gedenke. rck. London, 4. Dec.[Ein Schreiben hiesiger Ar b.-Vereint an den Allg. deutsch. Arb.-Verein.„Ilee-hivc". Die Kohlen- Bcrgwerker von Barnsley. Reformfrage.j In den letzten Tagen ist folgende Zuschrift an de» Allg. deutsch. Arb.-Verein von Seiten der Arbeiter- GejeUschaflen, Teutonia" und„deutsche Eintracht" nach Frankfurt a. M. gesendet worden: Brüder uitd Parteigenosse»! Mil'eriieuter und verstärkter Krast wird am heutigen Tage, an welchem der„Allg. deutsch. Arb.-Bereiu" in Frankfurt a. M. tagt, der Gedanke in uns rege, daß die Zeit des Kampfe« zur Verwirklichung unserer Prin- cipien immer näher heranrückt und auch wir haben uns bier versaminelt und wohnen im Geiste Eurer Bersamm- lung bei. Wenn auch bis jetzt im Großen lind Ganzen nur wenig geleistet worden, so habt Ihr doch die uns feind- lich gegenübersteheiiden Parteien, Bourgeoisie nnd Aristo- ' kralie, gezwungen, uns Arbeiter als Partei anzuerkennen lind sie werden uns als solcher bald gleiche Rechte ein- räumen müssen. So klein auch zn Anfang unsere Partei bier war, so wächst sie doch von Tag zn Tag,»nd wir rufen Euch an« vollem Herzen zu, oen betretenen Weg unbeirrt vor- wärt« zu schreiten, denn nur dann werden wir das- jenige erlangen, wa« uns von Natur und Rechtswegen zusteht, un« aber durch die jetzigen einseitigen Jnftitn- tionen vorenthalten wird. Setzt also, wenn es die große sociale Frage gilt, alle Parleirücksirbten bei Seite schaart Euch unter Eine Fahne, und seid versichert, daß wir Euch nicht bloß durch Worte, sondern auch durch Tbalen unterstützen werden. Mit briiberlicheni Gruß die Vereine: „Deutsche Eintracht"»nd„Teutonia". Sccrclär: Theoder Wähner uild Peter Heile«. Die englische» Arbeiter- Gesellschaften sammeln noch fleißig Beiträge zu eiiiem Testimonial für Hrn. George Potler, Manager des„Lee- Iiivv". ES sind bereits bis zuni Ende Oclober£. 165 zu diesem Zwecke eingegangen, nnd da seitdem eine lange Liste von ferneren Beiträgen erschien, steht zu erwarten, daß eine schöne Summe zusammen kommt und baß dem Hrn. George Polter auf diese Art auf ächt englische Weise der beste Beweis der aUgeineinen Achtung geliefert wird. Seine Feinde scheinen jedoch gerade darum desto geschäftiger, denn wie aus dem letzten„Bse-Iiive" zu ersehen, haben die Herren Cremer, trotz der erhaltenen Peitschen- hiebe, ihr schmähliches BerleuindnngS- Handwerk wieder begonnen.— Die Kohlen- Bergwerker zu Barnsley haben bei ihren Arbeitgebern um eine geineiiischaftliche Besprechung der Lohnstreitfrage nackgesncht. Die Arbeiter beanspruchen das Recht einer Lohnregulirung durch daS Steigen und Fal- len des KohlcnpreiseS, und haben, uni einen Strike zu verhüten, durch ihre Association die Association der Meister zur gütlichen Beilegung des Streites etiigeladen. Die Antwort der Association der Mei- ster lautet:„Beschlossen, daß die Bergwerksbesitzer, welche immer geneigt sind, ihre eigenen Arbeiter bei Streitfragen zu hören, eine Unterredung mit einer Arbeiter-Association abschlagen." Die Bergwerks- besitzer-Associalion hat auf diese Art verkündet, daß nur Meistern daS Recht der Association zustehe, weil sie weiß, daß mit der Arbeiter-Association im Großen ei» Sieg für das Kapital nicht leicht er- ruiigen werten kann. Die Arbeiter, wohl wissend, wie leicht es den Arbeitgeber» wird, sie einzeln zu bezwingen, habe» daher beschlossen, fest zusammen- zuhalten,»nd da dieser Kampf zu Barnsley als ein Kampf aller Bergwerker Englands zu belrach- ten ist, so wird es an einer kräftigen Unterstützung nicht fehlen.— Durch den Tod Lord Palmerston's ist die Reformfrage lebhafter geworden. Die Re- former theilcn sich in drei Parteien, die am Wci-, testgehende verlangt„allgemeines Wahlrecht", die, Andern wollen, daß ein niederer Steuersatz zur Wahlbefähigung dekrclirt werde und die Letzterer thun alles, was in ihrer Macht liegt, Ulli eine wahrhaft gute Reform unmöglich zu ma, che»,»nd arbeiten somit für die Conscrvativen, Die Antwort Earl Russell'S zu der Bradfor' Reform-Deputation:„Falls die Regierung eine Rc form-Bill i» das Haus bringt, wird es eine reiflic überlegte, auf wohlbegrllndete» Thalsachen st«> stützende Vorlage sein," hat in der englischen, einc� Reform günstigen Presse, einen üblen Eindruck g. macht, denn mit Recht muß man die Ausrichtigke dieses Premiers, welcher nur zu gut wissen sollt was Roth thut, in Zweifel ziehen, wenn er dur unbestimmte Antworten derart den Feinden der R form in die Hände spielt; wenn man serner b denkt, daß Herr Gladstone, auf welchen die neue Reformer so viel Vertrauen setzen, mit sei» glatten Zunge den Garibaldi, als er dem engl scheu Ministerium lästig geworden war, glaub niachen wollte, daß seine geschwächte Constltut» daS englische Klima nicht weiter verlragen köni und als dies nicht zog, kräftigere Mittel z Entfernung desselben anwandte, so weiß m, nicht, ob man die Leichtgläubigkeit und Unerfahre heil dieser Reformer, oder die Geschicklichkeit ein Gladstone mehr bewundern soll. Was es mit eii