Nr 218» Berlin, Sonntag den lO. December Diese Z�'ung�erschtwt täglich Organ M MgCHtCtttttt bCUtffJCIl TOCÜCr�CrCin�. R-d-ctio�und� Expedition: der Sonn- und F-fltage. R-digirt»°n I. B. v. Hosstetten und I. B. v. Schweitzer. DresdnerstraßeNr. 85. Abonnements-Preis iiir Berlin incl. Bringerlvhn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärt« aus allen Postämtern, in Berlin aiif der Expedition, � natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenstr, I, sow» ämtern Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußiicken Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. land 18b/ Einmal interessirt sie uns ganz besonders, weil auch in und an ihr sich die Macht der zukunfls- reichsten Idee des neunzehnten Jahrhunderts be- währen soll, die Macht der Idee:„Alles durch und für das Volk", der ehrlichen Volksherr- schaft gegenüber der Lügenhaftigkeit des Cäsaris- mus, die Macht einer politischen Idee, für deren Wahrheit und Lebensfähigkeit der jüngste Riesen- kämpf der nordamerikanischen Union gegen die Re- bellion der Sclavenhalter den glänzendsten Beweis erbracht hat, gegenüber einem im Hinsterben be- griffenen Trugsysteme, welches man in Europa als politische Religion verkündet. Dann aber nimmt die mexikanische Frage unsere volle Aufmerksamkeit deshalb in Anspruch, weil es sich in ihr neuerdings um eine Anwendung der hochwichtigen Monroe-Doctrin handelt: Ame- rika den Amerikanern.— Zur Beurtheilung des Standpunktes, welchen das Kabinet von Washington in dieser Frage ein- nimmt, liegen verschiedene Thatsachen und ossiciöse Kundgebungen vor, die sehr beachtenswerth sind. Es sind folgende: Zunächst Logan's Ernennung zum Gesandten der mexikanischen Republik, zu einer Zeit, wo von Paris aus das Gerücht in Umlauf gesetzt wurde, daß eine Anerkennung des Kaiserthums M-xiso Sei- tens der Vereinigten Staaten bevorstehe, zu einer Zeit ferner, wo sich das unbestrittene Gebiet der Republikaner auf nicht viel mehr alö auf das Weichbild der Stadt El Paso am Rio Grande erstreckte. Sodann der Umstand, dast die Wahl gerade auf eine Persönlichkeit, wie General Legan siel, der zehn Tage vorher,— es war vor den dies- jährigen Herbstwahlen,— auf großen Voltsver- samnilungen mit rücksichtslosem Eifer und leiden- schaftlichem Ungestüm von der„brennenden Schmach" gesprochen, welche die bloße Anwesenheit Maximilians in Mexiko für die Vereinigten Staaten sei, von der „infamen Schandthat", die Louis Rapoleon an der mexikanischen Republik verübt habe, von seinem „Attentat" auf Mexiko,„dessen Boden die fremden ' Gewalthaber beschmutzend", welches Attentat unver- kennbar eine aus der Sclavenhalter-Rebellion her- vorgegangene Erscheinung sei, mit deren Bcseiti- gung erst, und nicht früher, jene Rebellion als beendet und die Wiederherstellung des früheren An- sehens der Vereinigten Staaten als vollständig be- trachtet werden könnten. > Ferner die Erklärung, mit welcher, unmittelbar nach der Ernennung des Generals, das Organ ! Sewaro's, die„New-Norker Times", dieselbe be- gleitete, indem es schrieb: Lozans Ernennung ist eine neue Ankündigung an Maximilian, daß seine Kaiserlichkeit nicht anerkannt ward, i noch werden wird. Sie hat gerade um so mehr Bedeu- tung, als sie in einem Augenblicke erfolgt, wo die Re- publikaner kaum noch einen letzten Anhaltspunkt besitzen. Sie heißt nun: daß kein durch Waffengewalt erlangter ! Erfolg die Vereinigten Staaten mit der Usurpation aus» söhnen kann... Alle Belhenerungen, daß die kaiserliche Herrschast dem mexikanischen Volke genehm sei, werden zur Abgeschmacktheit durdz die Thatsache, daß Maximi- lian der sremden Hülfe nicht entralhen kann. Wenn der äußere Zwang, welcher der Republik aujerlegt wurde, in seinem ersten Stadium unrecht war, ist er es auch in jedem folgenden. Gelangte da« mexikanische Volk zu der Ueberzeugniig, daß Maximilians Herrschaft eine heil- same und wünschenswerthe sei, und acceptirte es dieselbe ungezwungen, so würden unsere nationalen Pflichten in eine andere Phase treten. Außerdem noch jene bekannte Anrede des Prä- sidenten Johnson an den Gesandten von Brasilien, deren Grundgedanke vielfach, und mit Recht, als das Ziel der Seward'schen Politik bezeichnet wurde, die sich kurz in die Worte zusammenfassen läßt: „Fort mit den Franzosen, Oesterreichern und Bel- giern, welche Mexiko eine Regierung aufdringen wollen; hingegen auch von Seiten der Vereinigten Staaten kein Eingreifen in das freie Selbstbestim- niungörecht des mexikanischen Voikes." Und endlich die Reise Schofield's a» den Hof der Tuilerien. Aus all' dem geht unzweideutig hervor, daß das Kabinel von Washington fest gewillt ist, auf eine Räumung Mexiko's von den Franzosen und fremden Soldlruppen zu dringen, und eine, unter möglichst allgemeiner freiwilliger Zustimmung des Volkes erwählte und befestigte, Regierung auch seinerseits anzuerkennen, also die Frage der RegiernngSform in Mexiko als eine innere Angelegenheit zu betrachten. Was aber noch weiter daraus�hervorgeht, ist: Eine bloße Räumung zum Schein, wie die von Rom, ist unmöglicb, »nd: man würde sich in Paris einer verhängnißvollen Täuschung hingeben, wollte man glauben, mit einer solchen Comödie Herrn Seward oder den Congreß befriedigen zu können. Die Frage ist also offenbar eine sehr ernste und, unter Umständen, von unabsehbaren Berwicke- lungen begleitete. Was der Mann des zweiten Dezembers dem Bürger der großen transatlantischen Republik ant« Worten wird,— wer mag das wissen? Wahrscheinlich ist nur, daß er nicht sogleich das Feld räumen und durch sofortige Zurückziehung sei- ner Truppen seine Schwäche documentiren wollen, vielmehr durch diplomatische Winkelzllge und ver- kindliche Zusicherungen suchen wird, vor Allem, Zeit zu gewinnen und das uengebackene Kaiserreich wenig- stens für die nächste Zukunft vor amerikanischen Angriffen sicher zu stelleu. Einen ernsten Kampf, glauben wir, wird Napoleon um dieser seiner gefährdeten Schöpfung willen, nicht wagen wollen. Denn für's Erste stürzt er, der nur die Erhal- tung seiner Dynastie im Auge hat, sich nicht mehr leichtsinnig in einen Krieg; sodann war die mexi- kanische Expedition in Frankreich eigentlich niemals populär und würde es ein Krieg mit Amerika noch weit weniger sein; endlich aber ist, was wohl die Hauptsache, durch den Sieg der Amerikanischen Nordstaaten und die Wiederherstellung der Union, das mexikanische Kaiser-Project, hinsichtlich der ihm zu Grunde liegenden lieferen und eigentlichen Be- weggrllnde, gescheitert und daher das Interesse Napoleons für dasselbe wesentlich abgeschwächt, nunmehr nur noch ein solches, wie man eS einer einmal begonnenen Sache zuwendet, deren plötzliches Aufgeben gefahrvoll sein könnte. Wir also bezweifeln die Wahrscheinlichkeit eines Krieges, dessen Folgen von ungeheurer Trag- weite sein würden. Unzweifelhaft dagegen ist uns der Sieg des demokratischen Princips auch in dieser Sache, der Sieg des Princips der vollen Freiheit und des vollen Rechts. Deutschland. * Berlin, 9. Dez. f In der hohen Politikj scheint jetzt, so weit dabei die Elbherzogthümerfrage und die berüchtigte Drohnoten-Angelegenheit in Berührung kommen, bis auf Weiteres vollkommene ! Windstille eingetreten zu sein. Es dürfte dieses besonders darin seinen Grund habe», daß man hier sowohl als in Wien erst abwarten will, wie sich etwa die Stellung der europäischen Kabinette i durch die Entwickelung der verschiedenen obschwe- i benden Fragen verändern möchte, als da im Augen- blicke sind: der spanisch- chilenische Handel, das Hinscheiten deS belgischen Königs, die mexikanische Frage u. s. w. Unleugbar sind auch jetzt wieder Aller Augen auf de» cäsarischen Macchiavellisten an der Seine gerichtet. Eine traurige Wahrheit, der nur das Erwachen der Völker ein Ende machen kann.— —[Zur Habsburg-Hohen z ollern' s che» Allianz) wird dem„N. C." von hier geschrieben: Wie sehr es von osficiöser Seite auch in Abrede ge- . stellt wurde, wird es doch keinem Zweifel unterliegen tön- neu, daß diesseits in der Thai beabsichtigt war, der öfter- reichischen Regierung Vorschläge Über ein neue« Prodi- forium in den Herzogthümern zu machen. Bleibt diese Absicht jetzt gleichwohl unausgefiihrt, so ist die« ledig- lich aus die veränderte Sachlage zurückzusllhren. Es ist mit Oesterreich gegenwärtig nicht vorwärts zu kom- men, in keinem Punkte und in keiner Weise— so lautet der Seuszer, den man jetzt in unser» Regierung«- kreisen ausstoßen hört. Der diesseitige Gesandte am österreichischen Hofe, v. Werther, welcher, nachdem er hierher bernse» war nnd nunmehr schon seit etwa 14 Tagen hier anwesend ist, ehestens»ach Wien zurück- kehrt, wird daher auch keinerlei positive Vorschläge,. son< dern nur allgemeine Instructionen mitnehmen, wie sie dem Augenblicke eben entsprechend sind. In Betreff des Weilern wartet man auf eine günstigere Zeit. Die Franksurler Angelegenheit erlahmt uiiler dem Einflüsse dieser Situation ebenfalls, und man hört bereits da« Wort: Lieber gar nicht, als zu wollen, wie Oesler- reich will! — sDaS Rendezvous des Grafen v. Bismarck mit Herrn v. Mantenffel� wird, m- muthlich wegen der Anwesenheit deS Kriegsministers Herrn v. Roon auf eine bevorstehende Rekru- tirung in Schleswig gedeutet.— Andere Gc- rückte in dieser Beziehung bewegen sich vornehmlich nach zwei Richlungen. Räch der Meinung der einen hätte es sich darum gehandelt, dem Gouverneur von Schleswig ein etwas weniger entschieden annexionistisches' Auftreten anzuempfehlen und ihn auf die Rvthwendigkeit hinzuweisen, so zu agiren, daß der preußischen Politik nicht alle anderen Thü- ren und Ausgänge abgeschnitten werden. Nach der anderen Ansicht sollen gerade unigekehrt neue Maß- regeln im Sinne des durch die Verbote holsteinischer Zeitungen und die Beschwerden in Wien schon er- öffneten Feldzugö gegen Oesterreich verabredet wor- den sein. — fAns den Elbherzo gth üme ruf erfährt der„Alt. Mercur", daß demnächst ein preußi- scher Schulrath an Stelle des bisherigen Direc- tors der Gelehrten-Schule in Schleswig, Or. L udker, berufen werden soll. — fZur ministeriellen Behandlung der Arbeiterfrage� berichten die Zeitungen, daß der Geh. Reg.-Rath Iacobi, welcher in bekannter disciplinarischer Weise aus dem Ministerium des Innern an die Regierung zu Liegnitz versetzt wor- den war, jetzt„zur Bearbeitung der Arbeiterfrage" wieder, einstweilen commissarisch, in das Ministe- rium zurückberufen worden sein soll. — fEine Anklage wegen PreßvergehenS ans Berläumdnng und Beleidigung des Kaisers Napoleons, wurde gestern dahier vor der 7. Deputation de« KriminalgerichtS verhandelt, unsere« Wissens, der erste Fall eines SlrasantrageS der sranzöfifchen Regierung. Die Anklage war gerichtet gegen den Buchhändler AbelSdorf dahier und gründete sich auf das in dessen CommissionS- Verlage erschienene Bück: „Das Leben deS neuen Cäsar von P. Ksinier." 46 Stellen diese« Buche« waren inkrimiuirt. Der Z. 79 Str.-G.-B. bedroht die Beleidigung des Oberhauptes eines aus- wärtigen Staates mit Gesängniß von 1 Monat bis zu 2 Jahren, wenn nach pnblicirten Verträgen oder Ge- setzen in diesem Staate die Gegenseitigkeit verbürgt ist und der Z. 81 macht die Bestrafung von einem Antrage der betr. Regierung abhängig. Die Anklage behauptete uun, daß in Frankreich nach dem Gesetz vom 17. Mai 1819 die Beleidigung srenider Monarchen mit Gefäng- niß von 2 Monate» bis zu 3 Jahren und mit Geldbuße von 109 bis 5000 Frc«. bedroht sei und in Betress des erforderlichen Strasantrages berief sich die Anklage auf zwei, bei den Akten befindliche Schreiben des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten an den Justizminister, worin dem letzteren mitgetheilt wurde, daß der Frau- zösische Botschafter einen solchen Antrag gestellt habe. In der gestrigen Audienz-Verhandlung behaupieie der Verlheidiger des Angeklagten, Rechts-Anwalt Lewalb, einmal, daß da« von der Anklage angezogene Gesetz vom 17. Mai 1819 gar nicht mehr existire, denn dasselbe, vor 46 Jahren erlassen, sei durch die dar- über hingegangenen Revolutionen, die Republik und das Kaiserreich längst aufgehoben, au« welchem Grunde auch ein, im Jahre 1856 gegen die„ National-Zei- tung" eingeleitetes Verfahren eingestellt fei. Der Ver- theidiger berief sich zum Beweise seiner Behanp- tnng auf das sachverständige Gutachten de« Advokaten DeSmaretS und des historischen Schriftsteller« Garnier- Pagö« in Paris. Ferner behauptete der Verlheidiger, daß c« au einem Strasantrage der sranzösischen Regie- rung mangele. Das Achreiben des Ministers genüge nicht, um den nach§. 81 erforderlichen Strafantrag zu ersetzen; dieser müsse dem Gerichtshöfe zur Prüfung vor- liegen. Eine Jnconsequenz ergebe sich schon daraus, daß da« Schreiben de« Ministers nur von einer Beleidigung des Kaisers spreche, während die Anklage wegen Belei- digung und Verleumdung erheben sei. Hiernach glaubte der Vertheidiger berechtigt zu sein, den Antrag auf Frei« sprechniig des Angeklagten zu stellen. Der Staatsanwalt Zöllner behauptete die Giltigkeit des sranzösischen Straf- gesetzes und führte ferner ans, daß der§.81 des St.- G.-B. Über die Form, wie der Slrafantrag zu stellen sei, keine Bestimmung enthalte, daß der Gerichtshof sich nur zu überzeugen brauche, ob ein solcher Antrag ge- stellt sei und daß hierzu die Erktärniig des Ministers genüge. Der Gerichtshof beschloß, die Verhandlung zu vertagen und zunächst im diplomatischen Wege festzu- stellen, ob zur Zeil, wo das Werk erschien und auch beute die Bestimmung im französischen Recht in Anwen- dung komme, wonach Beleidigunzen der Monarchen aus- Wärtiger Staate» mit Strafe bedroht sind. Eine weitere Resolution hat der Gerichtshof nicht für nölhig erachtet. — f Preußische Preß-Schicksale.j Eonsis- c i r t-. Die zu heute fällige Nummer des kathol.„Märk. Kirchenbl." Ferner consiscirt ist nachträglich eine Nummer des„West pH. Merkur" wegen eines die Münster'schc UniversitätSfrage betreffenden Artikels.— Verurt heilt wurde am Dienstag in zweiter Instanz zu Justerburg der R.'dacteur der„Preuß.-Litt. Ztg." Es lagen zwei Fälle vor. Der eine betraf den bekannten Ziegler'fchen Brief, welchen er bei Gelegenheit seiner Kandidalnr für das Abgeordnetenhaus geschrieben.— Der Gerichtshof fand darin das bekannte Vergehen der bekaunleu Paragraphen de« Strafrechis und erkannte unter Annahme mildernder Umstände auf eine Geldstrafe von 10 Thlrn. Auf eine gleiche Strafe erkannte der Gerichtshof auch im zweiten Falle, wo es sich um eine amtliche Beleidigung der Brvmberger Regierung handelte. Hier wurde nur noch der Regierung zu Bromberg das Recht zuerkannt, das Erkennlniß aus Kosten des Ange- klagten in der„Preuß.-Litt. Ztg." zu veröffentlichen. Da« Kreisgerichl Gumbinnen halte in beiden Fällen ans Freisprechung erkannt. Der Ziegler'sche Brief ist unseres Wissens in fast sämmtlichen Preußischen Zeitungen»übe- anstandet veröffentlicht worden. — jDie Paßkarten für 1866� haben eine bräunlich-gelbe Farbe. Für den ganzen Teutschen Paßkartenverein, zu welchem ja auch die Oesler- reichischeu Staaten gehören, ist die Farbe eine und dieselbe. Auch ein Stück deutscher Einheit! — slleber das Befinden des belgischen Königss lautet das neueste Bulletin des„Moni- tcur belgc" vom 8. d. M.:„Der König besindct sich heute in demselben Zustande wie gestern. Laeken, 7. Dezbr.(gez.) Wimm er, de Roubaix." Nach neuesten„Privatnachrichten" soll der König seit heute Morgens im Todeskampfe liegen. * München, 7. Dec.[Zu den bekannten H o f- I n t r i g u e n s gegen Richard Wagner wird aus glaubwürdiger Quelle versichert, und ist auch offenbar nicht zu verkeiliien, daß Wagner wohl mehr dlos von der Reaktion vorgeschoben wird, um ihren seit lange gesponnenen Jntriguen einen populären Schild vorzuhalten. Sparsamkeitseifer wird vorgeschützt. Haß gegen die Gewerbefreiheit und jeglichen Fortschritt ist der wahre Kern. * Hamburg, 8. Dec. jEntscheidung des schleSwigschen Appellativ usgerichtS. West- indiendampfer. Insurrektion in Cap Haitien. Schleswig'scheS Comitee zur Pariser Ausstellung. s Eine Flensburger Cor- respondenz der„Hamburger Nachrichten" meldet, das S l c s w i g f ch e Appellativ nsgcricht habe das vor einiger Zeit vom Fleusburgcr Magistralsgericht gegen die Verbreiter der aus Nordschleswig bezüglichen Adresse an den Kaiser der Franzosen gefällte Erkennlniß, das theilweise auf Feslungs- Haft lautete, in lcr Hauptsache aufgehoben, die In- culpateu jedoch in die durch ihr Gebahren veran- laßteu UntersuchungSkosteu verurlheitl.— Der „Börsenhalle" wirb in einem Telegrauii» aus St. Na zaire die Ankunft des fälligen französischen Westinriendainpfers mil 600,000 Fr. Baarfracht gemeldet.— Die Insurrektion in Cap Haitien ist unterdrückt, der Hafen wieder frei.— Durch Be- kannlmachnng im„Schleswigschen Verordnungs- blatt" zeigt Freiherr v. Zedlitz an, daß das für die Pariser Ausstellung im Jahre 1867 in Kiel zusammengetretene Comitee bereit und ermächtigt ist. auch die Interessen Schleswigs bei der Ausstellung zu vertrete»�_ Ausland. H. Paris, 7 Dec. sErwartete Aufschlü sse über Mexiko in der Botschaft deS Präsi- denien Johnson. Der Kaiserschnitt des Finanz-Ministers Fould. Die„Morale Jndependante" und der Pater Hyacinth. Renan und der jüdische Historiker Grätz über Ursprung des Christenthums. Spa- nien und' Portugal. Italien und der Papst.s Man siebt mit großer Spannung der Botschaft des Präsidenten Johnson entgegen, welche gegen Ende der künftige» Woche hier ein- treffen wird. Eö ist nicht nur das allgemeine Ver- halten zu den Parteien im Innern oder auch die auswärtige Politik des Präsidenten, welche bei den Vermittelunaen niit Spanien, England und Mexiko das größte Interesse erregen muß; man hofft vor allen Dingen endlich etwas Bestimmteres über die Beziehungen zu Frankreich zu erfahren, worüber noch immer dag dichteste Dunkel schwebt. Wen» es wahr wäre, daß General Schosield zu dem Zwecke mit einer geheimen Mission hierher ge- sendet worden, um die auf die fraiizösisch-mcxika- nische Angelegenheit bezüglichen Passagen der Bot- schaft in. Voraus in einem freundschaftlichen Sinne zu erklären, so wäre allerdings auch das ganze Räthscl schon im Voraus gelöst. Es fragt sich nur, ob die republikanische Partei sich mit einer solchen Spiegelfechterei befriedigen würde. Auch glaubt man hier keiueswegs, daß jene Deutung der geheimen Mission Schofield's, welche man hier ab- sichtlich aussprengt, die richtige sei. Man schließt vielmehr aus der verlegenen Hallung der offiziösen Presse in Betreff dieses amerikanischen Agenten, daß er mit bestimmten Borschlägen wegen der franzö- fischen Intervention in Mexiko hierher gesendet worden, und daß es von dem Eingehen der fran- zösischen Regierung auf diese amerikanischen Vor- schlüge abhängt, welche Haltung man in Amerika gegenüber Frankreich in Zukunst annehmen wird. Der Präsident Johnson würde demnach in seiner Botschaft das Ultimatum mittheilen, welches er in den mexikanischen Angelegenheiten an Frankreich gestellt hat. Es ist daher begreiflich, daß ma» bei solcher Ansicht, welche dem Charakter der amerika- Nischen Politik entspricht, auf die Mittheilungen der Botschaft gespannt ist.— Ein ebenso großes Interesse nimint die Finanzvorlage deS Mi- nisters Fould in Anspruch, welche, wie man glaubt, nächstens veröffentlicht wird. Wie ich aus guter Quelle vernehme, werden darin die Ressourcen, die man aus der Veräußerstng eines Theiles deS Luxembourger Gartens zu gewinnen hofft, auf dreißig Millionen Franken veranschlagt werden. Sie ersehen daraus, daß bis jetzt wenig- stens das unpopnläre Projekt noch nicht aufgegeben ist. Desto schlimmer für die Regierung! Die Zeit scheint eben herangekoinme» zn sei», wo die Schä- den einer schlechten Finanzwirtbschaft zum Ausbruch kommen. Man ist in die Alternative versetzt, ent- weder a» diesen Schäden sich ökonomisch zu ruini- ren, was natürlich den politischen Ruin nach sich ziehen würde, oder der Stadt Paris, dem fran- zösischen Publikum, der Armee nnd dem Beamten- Heer ins Fleisch zu schneiden, eine ebenso g. wagte Operation, wie der Kaiserschnitt, der oft nur das Kind ans Kosten der Mutter rettet. Das Kind wäre aber in unserm Falle nicht der Kaiser, wohlverstanden.— Ich habe Ihnen schon im Sommer, zur Zeit der Gründung der Zeitschrift „Morale indvpendante", über die Tendcnz"verselben Bericht abgestattet. Die sranzösischen Studenten beim Lütticker Cvngreß haben offen ausgesprochen, was diese Zeitschrift und andere, bereits unter- drückte, mehr oder weniger verhüllt zu verstehen gegeben. Wenn einmal die Franzosen zu philo- sophire» ansangen, so spaßen sie nicht. Die Frei- denk« sind hier iniin er revolutionär. Die Gegen- sähe, die nickt schroff einander gegenüber stehen, finden hier keine Beachtung. Die französische Jugend ist heute entweder blind gläubig und con- servatir, oder atheiistisch und revolultonär. Um die Erster» zu einer Partei zu organisiren, tritt der Pater Hyancinlh in Noire-Dame mit Predigten gegen die„Morale iadspendante" auf, welche ihm ebenso viele Zuhörer, als der genannten Zeilschrift Abonnenten verschaffen. Die Letztere wird das be- kannte hon mot*) Renan's bald auf sich anwenden können. Als man diesem sagte, sein nächstens er- *) Witzw-n. A»in. d. Red.