Nr. 221. Berlin, Donnerstag den l4. December 18«S. Social-Demolttat. Diese Zeitung ersckieiut täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtag«. Organ des Allgemeinen deutschen Ardeitcr-Vereins. Redigirt von I. L. v. Hofstetten und Z. V. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, DreSVnerstraße Nr. 8b. Abonnements-Preis fllr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- ämtern W'/s Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 18� Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. 1. 45. südd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt» auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenftr. l, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Wie viel dies bedeute, mögen Andere bemcsien; unsererseits fügen wir hin- zu, daß Leopold ein sehr kluger und ein sehr fester Mann war, daß er aber„weise" gewesen sei, ver- mögen wir aus der Richtung seines Handelns nicht zu entnehmen. Ihm fehlte jene Richtung auf das Hohe, welche die Bedingung wahrer Größe ist. Der ideale Sinn ist dem heutigen Geschlecht zum Gespötle geworden; wer jedoch von den konimenden und gehenden Erscheinungen des Tages den Blick auf die gesammte Entwickelung des Menschenge- schlechts richtet, der erkennt wohl seine durchgrei- sende Bedeutung und wird inne, daß ohne ihn nur für die Vergänglichkeit gebaut wird. Belgien ist ein blühendes Land, eines der freiesten in Europa, gleichwohl drängt sich uns die Ueber- zeugung auf, daß in Belgien Vieles Schein ist und daß Belgien daher nicht zu derjenigen Festigkeit ge- bieben ist, die es bedürfen wild, wenn ein Sturm über das Land kommen sollte. Welches Ziel verfolgte Leopold in seiner Re- gierung? Sein oberster Gedanke, welchem sich alles unterordnete, war, Belgien(wenn wir diesen AuS- druck gebrauchen dürfen) zu verköniglichen. I» ein Land, das so glücklich war, von angestammter LandeSväterlichkeit nicht das Geringste zu wissen, als ein deutscher Prinz, mit den an den deutschen Fürstenhöfen gepflegten Vorstellungen kommend, hielt *) Der nachstehende Artikel, sowie mehrere sich daran reihende über Belgien» Verhältuisie und Zukunft sind uns von dem uns befreundeten Berfaffer derselben z» beliebiger Benutzung mit dem Bemerken zugegangen,„daß sie bereit« zu Ende des Oktober und Ansang dcS No- vember(mit einigen Milderungen) in der„Leipz. Abend- Post" veröffentlicht worden, aber in Anbetracht de« Um- standeS, daß sie eigentlich zn zeitig erschienen seien und der Leserkreis des genannten Blattes sich mehr nur aus Leipzig und Sachsen überhaupt beschränke, ein Wieder- abdruit mit den etwa nöthig werdenden Abänderungen wohl am Platze sein dürste." Da wir gleichfalls dieser Ansicht waren, glaubten wir im Interesse der Leser»n- seres Blattes und der Sache wegen selbst von diesen Aufsätzen Gebrauch machen zu sollen und werden wir sie in einer un» nöthig scheinenden veränderten Auf-! einanderfolge und mit einigen vom Verfasser uns gestatteten anderen Abänderungen um so mehr ver-! öffentlichen, als sie in Erwägung der erwähnten Um- stände für unser Blatt so gut wie neu sind. er für das Nothwendigste, monarchische Gesinnun- gen hervorzurufen. Vorhanden waren sie nicht, konnten sie ja nicht sein. Sie mußten also einge- pflanzt werden. Keine leichte Aufgabe war dies! Mit Geschick und Beharrlichkeit auf ihre Lösung bedacht, ihr alle anderen Rücksichten unterordnend und doch zugleich leise und vorsichtig auftretend, hat er ein Vierteljahrhundert in der nämlichen Richtung gewaltet, und es ist ihm wirklich gelun- gen, in Belgien eine königliche Partei und eine starke Regierungsgewalt zu schaffen. Aber den Staat hat er darüber nicht gefestigt. Ein Schreiben an Louis Philipp, welches nach dessen Flucht auS Paris in die Oesfentlichkeit kam, beweist, daß unsere aus seinen Maßnahmen gefol- gerte Voraussetzung durchaus nicht fälschlich ange- nommcn wird. Um zu erreichen, was er beabsich- tigte, mußte er in manchem Bezüge den Eigenwillen im Volke abschwächen, die Selbstständigkeit unter- graben, und die Einrichtungen derartig gestalten, daß sie ihm weder Schwierigkeiten noch Hindernisse verursachen konnten. Mit allem diesem aber schwächte er die innere Widerstandskraft fllr den Fall der Nothzeit ab. Die demokratische Richtung wurde folgerecht unterdrückt. Hier würde es zu weit ab führen, sollte die schlaue Klugheit dargelegt werden, mit welcher dies geschah. Seine Stütze suchte er in dem reichen geldmächtigcn Bürgerthum, im Patriziat oder in der Bourgeoisie, wie man es nennen will, gleich seinem Schwiegervater Ludwig Philipp, und glücflidier als dieser entging er 1848 dem Sturze, obschon er mit ihm daS gleiche System befolgte. Er begünstigte stets die großen industriellen Ge- sellschaften, die eine die Volkskraft entwickelnde Regierung im Zaume halten muß. Auf das Zei- tungswesen, auf die Vereine wurde maßgebender Einfluß gewonnen, Widerstrebendes zu Grunde ge- richtet, die geheime Polizei vortrefflich organisirt. Den vorhandenen politischen Parteien gegenüber befolgte er ein Schaukelsystem, suchte er jede zu benutzen, keine recht aufkommen zu lassen. Da er keine ohnmächtig werden ließ, so wurde eine vor- übergehende Abstumpfung der Spitzen erreicht, die Parteiung selbst blieb jedoch unverändert, folglich gefahrdrohend. Obgleich deutscher Abkunft,— hob er die Vlaminger keineswegs, beließ vielmehr das Französische in seiner ungerechten Herrschaft, wovon die»othwendige Folge ist, daß es von Jahr zu Jahr weiter fortschreitet und Belgien zum Auf- gehen in Frankreich reifer macht. Seine Minister machte er ganz von sich abhängig und brachte sie völlig in seine Richtung. Sie waren von seinem Willen abhängiger, als man gemein hin glaubt. Die Wirkungen eines solchen Systems haben sich bereits fühlbar gemacht. DaS Kokettiren hat AUcS überwuchert, nichts Besseres aufkommen lassen und dieses in seinen Anfängen unterdrückt. Daher wird Alles mittelmäßiger und das Ganze sinkt langsam. Die Lebensfähigkeit Belgiens werden wir in einem nächstfolgenden Artikel zum Gegenstände unserer Untersuchungen machen. Deutschland. � Berlin, 13. Dez. fEin Stückch en Main- liniej, wir meinen das dem Grafen Bismarck wohl nicht irrthllmlich zugeschriebene Projekt einer Zweithcilung Deutschlands durch die Main- linie soll, nach einer Berliner Correspondenz der Wiener„Debatte", noch in jüngster Zeil Gegenstand diplomatischer Erörterungen zwischen dem preußischen und österreichischen Kabinette ge- wesen sein. Veranlassung dazu soll die Absicht des preußischen Kabinelles gegeben haben, in Sachen des in Spanien augeblich auf mysteriöse Weise um'S Leben gekommenen Professors H o f f m a n n aus Nürn- berg in Gemeinschaft mit dem österreichischen Kabi- nette diplomatisch zu intcrveniren. Diese Absicht soll zu gegenseitigem Meinungsaustausch über eine d ip l o- ma tische Vertretüng Gesammtdeutschlands überhaupt geführt haben, wonach der„Jedem das Seinige" gebende und lassende Adler seine Schwin- gen über das nordwärts der Mainlinic gelegene, der„Mit vereinten Kräften" segelnde Doppelaar aber dieselben über das südwärts von der Main- linie gelegene Deutschland schützend ausbreiten sollte. Was dabei herauskäme läßt sich wohl nach der gegen- wärtigen„Habsburg-Hodenzollern'schen Allianz" am besten beurtheilen. Und wie, so fragen wir, sollte das überhaupt gemacht werden? Im besten Ein- Verständnisse mir den Kabinetten und LandeSvcr- tretungen der Mittel- und Kleinstaaten oder etwa gar„mit Blut und Eisen?" Denn stark bezweifeln wir, daß sich die Betreffenden, dem Grafen BiS- marck zum Gefallen, beeilen werden, zu singen: „Einst spielt' ich mit Scepter, Mit Krone und Stern". — fAbermals Stoff zu einem interna- tionalen Conflict�j, der hoffentlich glücklich ver- mieden werden wird! Die Frankfurter„Europe" telegraphirt nämlich: Die Botschafter Frankreichs und Englands, welche gelegentlich der Permählungsfeier der Prinzessin Alexan- drine nicht eingeladen waren, an der Königlichen Tafel das Souper einzunehmen, haben mit ihrem gesammien Gesandtschaftspersonal unmittelbar nach der religiösen Eeremonie das Königl. Schloß verlassen. Tröstlich dagegen ist und giebt zu gegründeter Hoffnung auf eine glückliche Lösung Anlaß, was das hiesige„Fremdenblatt" meldet: Die Gemahlin des englischen Botschafters war sogar eine der ersten unter den am Spieltische zur Tour Vor- beidefilirenden. Nur die Gemahlin des französischen Botschafters war nicht anwesend. Gedulden wir uns also bis uns der verdienstvolle Correfpondent der„K. Z.", der dergleichen Staats- affairen fo gewaudt zu behandeln weiß, aufklären wird. —[Aus den Elbherzogihümernj wird telegraphifch gemeldet: Die heutige„Kieler Ztg." ist vor ihrer Ausgabe,! Morgens S Uhr, durch zwei Polizeidiener im Expedition«- Locol konfiScirt. — �Zur Drohnotengeschichle� besteht die heulige„Köln. Ztg." auf der Richtigkeil ihrer Nach- richt in Betreff de« AufgebenS der Verhandlungen zwischen dem österreichischen und preußischen Kabi- nette, gegenüber dem Dementi der„Nordd.Allg.Ztg." * Wien, 12. Dec. sUngarisirung. Englisch- österreichischer Handels- Verlrag. Zolltarif. Dout eoinme ckesi nous. Der österreichische Wartensleben. Die gewe- senen Minister. Neuestes aus Pesth.� Der Schwerpunkt der Monarchie ist schon jetzt nach Osen-Pesth geschoben, das wird selbst vom Aus- lande anerkannt.— Die englische Regierung hat dem bereits für Athen ernannten Botschafisralh Morier die Weisung zukommen lasten, nicht nach Griechen- land zu gehen, sondern während der Dauer des ungarischen Landtag« den Aufenthalt in Pesth zu nehmen. Morier, einer der Unterhändler des engl.- österreichischen Vertrages, wird sich in der künfli- gen Woche nach Pesth begeben, nachdem der Prä- liminar-Vertrag mit England bereits in den nächsten Tagen zum Abschlüsse kommen dürfte. Auch Mallet wird Wien verlaste» und nach England zurückkehren, indem die Commission zur Festellung des neuen Zolltarifs erst im Monat März 1866 zusammen treten soll.— Ebenso entsendet die französische Botschaft in Wien einen ihrer AttackeS nach Pesth. Der Kaiser rüstet sich gleichfalls zur Abreise und von anderen Berühmtheiten wimmelt sckon jetzt die Ungarische Zwillingshauptstadt. Den großen Impresario Ullmann, den Veranstalter der Patti-Concerte, und den von Venedig zurück- gekehrten, in den Ungarischen Schnürrock, den Kalpak mit hoher Reiherfeder und Sporenstiefel gefahrenen Dumas abgerechnet, sind die Zauberer Kratky Baschik, Epstein und ProhaSka, die Kunst- reiter Suhr, Hüttemann und Schlecht«, die Riesen Janos und Murphy II., diverse Zwerge, Mißge- Kurten, Hellseherinnen, Seiltänzer, Panoramen, Toldi Janos und der unüberwindliche Preußische Samson, ein Kalb mit zwei Köpfen, ei»£j Cenlncr schweres Schwein, die dressirten Flöhe und der gelehrte Hund„Lellie" und dergl. mehr dort an- gelangt. Alle diese Künstler hoffen die besten Ge- schäflc zu machen.— Die Maßregelung der Beamten, welche für die Verfassung sind, wird in großartigem Maßstabe betrieben. Die„Oesterreich. Ztg.", das Organ des StaatSministerS, nennt diese Haltung„die Zllgellosigkeit des Skandals." Tout cornrne chez nous.(Ganz wie bei uns.) Davon aber, daß die gegenwärtigen Minister sei- ner Zeit ebenfalls das Gelöbniß auf die Verfassung abgelegt haben und theils im Ober-, theils im Unterhause saßen, Irotzdem aber gegen diese Ver- sassung agitirten und sie jetzt begraben, schwiegen die Officiösen. Obwohl der Gras Sprinzen- stein, der österreichische Wartensleben, im Nie- derösterreichischen Landtage selbst enthüllt hat, daß die Sisttrung der Verfassung bereits be- schlösse» war, ehe noch die„neue Aera" des Hrn. v. Schmerling zu Ende ging, so hindert daS die Minister nicht, persönlich den Beamten vorzu- schreiben, welche Haltung sie auf dem Landtage zu beobachten haben. So hat Graf Larisch dem Baron Sommaruga, der Mitglied des Niederösterreich. Landtages und Sectionsralh im Finanzministerium ist, erklärt, daß er, falls er in der Adreßfrage gegen die Regierung stimmen würde, am nächsten Tage seine Entlassung zu gewärtigen habe. Der Baron erklärte nun bei der Abstimmung, daß er gar nicht stimmen wolle.— Bei den gewesenen Mi n istern hat man solche Drohungen nicht erst nöthig gehabt; sie sind, wie es heißt, einmülhig zu dem ihrer Gothaischcn Gemüther so würdigen Bcscblusie gelangt,„der Regierung Sr. Majestät keine Ver- legeuheiten bereiten zu wollen"— natürlich sich selber auch nicht.— Aus Pesth wird heute tele- graphirt: Der Kaiser, welcher heute Nachmittag 2 Uhr eintraf, wurde von dem Bürger- Ausschuß, der Körperschaft der Advokaten und den Honoratioren, unter welchen sich Deal befand, am Bahnhos erwartet. Auf die Ansprache de« Bürgermeisters von Pesth drückte der Kaiser seine Befriedigung über die Treue und Anhänglichkeit aus, die ihm auch bei dieser Gelegenheit entgegentrete...B er- trauensvoll bin ich gekommen(enthusiastische Eljei>), Vertrauen gewärtige ich, und weil mich der feste Glaul'e beseelt, dasselbe hier zu finden, seien Sie meiner König- lichen Gnade versichert." Auf die Ansprache des Bürger meisterS von Ofen am Ofener Brückenkopf erwiderte der Kaiser:„So herzlich Ihre Huldigung ist, ebenso ange- nehm berührt nehme ich den Ausdruck derselben entgegen.! Ofen, der Wohnsitz meiner Ahnen, ist auch mir stets ein angenehmer Aufenthalt; inil Freude» verweile ich in seinen Mauern. Versichern Sie Ihre Sendner, meiner Königlichen Gnade, ich werde stet« Ihrer treuen Anhäng- lichkeit entsprechen." Begeisterter Jubel begleitete den Kaiser vom Bahnhof bis nach der Königsburg durch ge- schmückte, dicht gesüllte Straßen. Der hohe Adel und der Klerus, sowie viele Deputirtcn erwarteteten den Kaiser bei der Burg. Am Abend wird die Stadt glänzend er- leuchtet sein. In der heutigen, wegen Eröffnung de« Landtage« einberufenen Konferenz waren 366 Deputirte anwesend. Alterspräsident war Graf Albin Csaky. Deal forderte die Deputirten aus, de» Kaiser in der Königs- bürg zu Ose» festlich zu empfangen. Dieser Antrag wurde angenommen. Bei der Eröffnung des Landtage«, welche in Ofen stattfindet, wird der Landtag als solcher erscheiuen. Dem Einwände eine« Deputirten, da« Gesetz bestimme Pesth al« Sitz de« Landtage«, wurde die Er- � klärung entgegengestellt, die Hauptstadt de« Königreichs sei Osen-Pesth. Alle Deputirte wurden zur Theilnahme an den Klubs aufgefordert und haben dem Alterspräsi- denten ihr Mandat einzureichen. Aus Agram wird teiegraphirt: Gestern Abend hatten die beiden Parteien de« Land« tags eine gemeinsame Conferenz. Es ist den Führern gelungen, einen Ausgleich der obschwebenden Differenzen herbeizuführen. Aus Prag wird teiegraphirt: In der gestrigen Abendsitzung hat der Landtag de» Adreßentwurs angenommen. * Älkünciicn, 11. Dezbr. sUeber die Pa- lastrevolutionj sendet man uns Notizen zu, mit deren Inhalt wir uns mit gutem Grunde nicht recht einverstanden erklären können. Dennoch wollen wir, der Unparteilichkeit halber, denselben' Einiges entnehmen. Man schreibt uns unter An- derem: Was der„Social-Demokrat" über die Entfernung R. Wagner'« brachte, beruht auf Entstellung von Seile der Fortschrittler oder Nationalvereinler. Die Wahrheit enthält der„'Nürnberger Eorrespondenl v.». s. Deutschland."— R. Wagner Uberlras die berllch- tigte Lola.— R. Wagner's Entfernung erregte allge- meine Freude. Für den Fall, daß Sie den„N. Eorresp." i nicht zur Hand haben, setze ich dessen betr. Correspon- denzartikel bei, er lautet wie folgt: „München, 7. Dzbr. Nach dem Verlaufe, welchen der Streit über Richard Wagner in den letzten Tage». genommen, und der Entschiedenheit der Stim- mung, die allmälig die Oberhand gewonnen, konnte e« keinem Zweifel unterliegen, daß in nächster Zeit von maßgebender Seite eine die Situation völlig verändernde Bestimmung in Form einer Königlichen � Entschließung erfolgen würde. Diese Bestimmung in Form einer Königs. Entschließung ist da, und Niemand, kann durch sie überrascht sein, selbst die entschiedensten, Freunde de« von ihr Betroffenen nicht. Da« Schwei- gen de« versammelten Publikums, al« gestern der. König mit der Königin Mutter im Thealer erschien, und! ein andere« ausfallendes Zeichen von derthal- sächlichen V v l k« stim mit»g, so wie der Umstaud, daß beim ersten öffentlichen Erscheinen de« Königs der Adel der Hauptstadt durch bedeutsame Abwesenheit glänzte (wir glauben e« gern), bestätigte da«, was gänzlich nn- betheiligte Personen, die der König zur Jnformatjou über die dem zur Oeffentlichkeit gelaugten Eonstict zu Grunde liegenden, thatsächlichen Verbältnisse befragt, eröffnet haben konnten. Auf Grund der so erhaltenen Erklärung ließ Se. Majestät noch gestern Abend durch die Person des LberappellationSrathes Lutz Herrn R. Wagner den Wunsch ausdrücken, derselbe möge auf einige Monate aus Bayern verreise». Durch die Entfernung Wagner« wird der leidige Eonstict sein Ende erreicht habe». Einst- weilen können wir constatiren, daß dieser Akt, welcher dem kunst- und inusikliebendcu Könige wohl eine große Ueberwindung gekostet haben mag, überall und in allen Kreisen die unzweide u- ligste Befriedigung hervorgerusen hat u. s. w." lieber die eigentliche politische Bedeutung des ganzen Streites spricht sich sehr treffend das „Franks. Journ." aus, wenn es schreibt: Ein Beweis für die großmächtliche Natur de« Staates ist es gewiß nicht, und ein Beweis für gesunde gesellschaftliche und politische Zustände ist es ebenso wenig, daß in Baiern alle wichtigen politischen Fragen regelmäßig sich in persönliche verwandeln und als solche debattirt und entschieden werden. Die Münchener Revolution deS Jahre« 1818 ist untrennbar von der �Person der Lola Montez; der constitutionelle Ringkampf mit dem Ministerium ReigerSberg gipfelte in der Frage, ob Bürgermeister Weis von Würzburg die Bestätigung als Kammerpräsident erhalten sollte; die augenblicklichen politischen Zustände werden nicht unter dem Gesicht«- ! punkte, ob Reaction oder nicht, aufgefaßt, sonder» e» wird die Frage gestellt, weshalb die liberalen Minister Mulzer und Neumayr abgetreten seien; und für den neuesten Streit über vie Znlässigkeit de« geheimen Ca- binelS haben sich alsbald wieder die LoosungSworte: hie Richard Wagner, hie Pfistermeister, eingestellt. Dieser unleugbare persönliche Zug in dem öffentlichen Leben in Baieru, der sich noch an manchem andern Beispiele illustrirea ließe— wir erinnern»»r au den Kampf Liebig's gegen den landwirthschaftlicheir Eentral- Verein, — spricht, wie gesagt, glicht eben für die großmächtliche Natur de« Bairischen Staates. Schlromer jedoch, weit schlimmer ist die Perspective, welche eine derartige Be- Handlung öffentlicher Fragen in die geselbschastkichen und politischen Zustände eines Staatswesens eröffnet. Die Leitung der Staatsangelegenheiten muß srit langer Zeit und noch fortwährend in allen Instanzen»ach Vorzugs- weise persönlichen Motiven erfolgt sein, man muß sich gewöhnt haben, in den Slaatsämtern vor allem, wenn nicht ausschließlich, ein sichere« Stück Brod für die per- sönlichen Inhaber, nicht aber im Gesammtinlereffe tbätige und nothwendige Organe zu erblicken, wenn die Frage, ob eine öffentliche Einrichtung beibehatleu, umgestaltet oder abgeschafft werden soll, immer wieder nur so auf- gefaßt wird, ob dieser oder jener diese oder jene Stelle behalten, dies oder jenes durchsetzen soll oder nicht. Wem fallen da nicht die Worte des Dichters ein: „Untröstlich sand ich'L allerwärl«, Doch sah ich manche« Auge flammen, Und pochen hört' ich manche« Herz." lU Stuttgart, 10. Dec. jNenegatenthum der„Schwab. Voiksztg." Partei- und Preßverhältnise.j Die in Stuttgart erschci- nende„Schwöb. Bolksztg.", welche bisher da« Interesse des Allgemeinen deutsche» Arbeiter-Ver- eins entschieden vertreten hat, ist von unserer Sache abgefallen, wie aus einem in Nr. 283 dieser Zeitung erschienenen,„die Volkspartei und die sociale Umwälzung" überschriebenen Artikel sonnenklar her- vorgeht. In diesem Artikel wird den Führern der deutschenVolkspartei der Vorwurf gemacht:„sie haben sich' nicht entschließen können, ihre Agitation auf daS rein politische Gebiet zu beschränken, sie haben angefangen, Streifzllge höchst gefährlicher Art auf ein anderes Gebiet zu unternehmen, nämlich auf das Gebiet der socialen, der Arbeiterfrage, denn, „welchen wahren Werth kann politischeFreiheit haben, wenn sich mit derselben die Gesellschaft unwohl fühlt? wenn die entsetzlichen socialen Gegensätze, welche jedes menschliche Gefühl schaudern machen, dabei ungebrochen und unversöhnt fortbestehen?" so fragt Herr Büchner auS Darmstadt" ic. ic.— Uns kann cs nur freuen, wenn die Führer der deut- fcben Volkspartei, welche übrigens mehr oder weniger offen sich zum Föderalismus bekennen, einsehen, daß ihre Ideen von einer deutschen Föderativrepublik nur dann realisirbar sind, wenn sie sich auf eine durch straffe Centralisalion erstarkte Basis stützen können, und baß sie als solche einzige Basis den Allg. deutsch. Arb.-Verein erkannt und erwählt haben, macht ihrem Verstände wie ihrem Herzen mehr Ehre, als den Herren vom Nationalverein, speciell der„aus den Gebildeten und Besitzenden" bestehenden württembergischen Fortschrittspartei, welche um jeden Preis die preußische Spitze will. Der Allg. deutsch. Arb.-Verein aber wird, sowohl der deutschen Volks- als Fortschrittspartei gegen- über, consequent seine bisherige Taktik befolgen d. h. er wird sie„in solchen Punkten und Fragen unter- stütze», in welchen daS Interesse ein gemeinschaftliches ist, ihnen entschieden den Rücken kehren, und gegen sie auftreten, so oft sie sich von demselben entfernen, die Fortschrittspartei(selbstverständlich auch die deutsche Volkspartei), eben dadurch zwingen, entweder sich vorwärts zu entwickeln und daS Fortschrittsniveau zu übersteigen, oder aber immer tiefer in dem Sumpf zu versinken, in welchem sie bereits knielief angelangt ist". Wie praktisch diese einfache Taktik des Allg. deutsch. Arb.-Vereins ist, beweist eben die Anlehnung der jungen deutschen Volksparlei an uns, daß aber die„Schwäbische Volkszeitung" Verrath an der Sache Ferdinand Lassalle's geübt, nimmt uns insofern nicht Wunder, weil sie nach ihrer Erwerbung durch Adolf Kröner,