Nr. 225. Berlin, Dienstag den 19. December I.8EA. Diese Z�un��krschemt täglich OlgllN dts Wgememtn deutschen Arbtlttr-Btreins. Redaction�und Exp-dilioni der Sonn- und Festtage. Redigirt von I. V. v. Hofstetten und I. V. v. Schweitzer. Dr-sdn-rstraßeNr. 85.. Abonnements-Preis ftlr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärt» auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, natlich 6 Sgr», einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Spandauerbrllcke 5, sowie ämtern LS'/ü Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichrpreußischen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. land 18�/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. 1. 45. sfldd., st. 1. 50. ilsterr. Inserat« sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder:>lr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: 0. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Kue Brnlee; Paris, 2. Conr du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 18. Dez. sUeber ministerielle Verlegenheiten� im gegenwärtigen Augenblicke schreibt man von hier der„Rh. Ztg." und, wie der Correspondcnt versichert, nach zuverlässigen Angaben„einer mit den Stimmungen in ministerieUen Regionen wohl vertrauten Person":„die Regie- rung befinde sich dem Landtage gegenüber ohne Programm, jedenfalls ohne die zum Nachhauseschicken der Abgeordneten erforderlichen Rechtsnormen und mit ihrem schleswig-holsteinischen Progranini ge< genüber den Mächten Europas ohne die niindeste Aussicht auf Erfolg. Es fei als positiv anzu- nehmen, daß alle europäischen Kabinette sich ent« weder durch ihre hiesigen Vertreter oder zu den preußischen im Auslande rückhaltslos gegen die Eroberung«- Politik und die Gebietserweiterung Preußens im Norden Deutschlands ausgesprochen haben. Nach Außen und Innern ohne Alliirte, scheine man im Ministerium nicht mehr die Politik des WollenS, sondern nur noch die des Wllnschens zu treiben, die auf den Zufall und auf die Fehler der Gegner rechnet; Herr v. Bismarck erscheine verschlossen und in seiner nächsten Um- gebung spreche man nur mehr von der diplomati- schen Herrlichkeit vergangener Tage; der Gegenwart und nächsten Zukunft würde mit Achselzucken ge- dacht. Man gebe nun zu verstehen, daß man zwar noch gerade so wie früher zu Allem fähig sei und zum Alliirten auch den Teufel sammt Großmama rahmen würde, aber— staatsmännische Rücksichten für obwaltende Bedenklichkeiten n. f. w. riethen zur weiteren Verschleppung in der Lösung aller inne- ren und äußeren Fragen rc. Deni gegenüber werde indessen von Personen versichert, die der Umgebung des HofeS nahe stehen, daß in höheren Militärkreisen mit größter Bestimmtheil der Wunsch nach energischer Durchführung der Einverleibnngspolitik ausgedrückt worden sei, und daß Aeußerungen von einer hohen Person vorlägen, welche auf den Umfang der Opfer hindeuten, die Preußen der Annexion der Herzog- thümer bringen müßte. Daß bei dieser Gelegen- heit das Wort„Dictator" gefallen und daß mit anderweitigen Feldzugsplänen auch das Projekt für die parlamentarische Sistirungs-Canipagne angedeutet worden sei, das wolle der Eorrefpon- dent nur erwähnen, um auf die oberste Stufe der Wünschcleiter zu deuten, die man in jenem Theil des feudalen Lagers zu erklimmen hoffe, wo die Säbel-Optimisten das große Wort führen. So wie die Dinge jetzt lägen, zweifelten die Freunde des Herrn v. Bismarck, daß den Habsburgern und der Verfassung der Krieg erklärt würde. Oester- reichs unbewegliche Haltung in Holstein und der scheinbare Erfolg seiner Manöver in Ungarn habe der Politik des preußischen KabiuetS einen äugen- blicklicken Halt, geboten; die österreichische Regie- rung wisse jedoch, daß man nicht zum bloßen Spaß 6 Ätill. Thlr. für die Armirung der schlesischen Festungen und eine weit höhere Summe für den augenblicklichen Bedarf der in Schlesien und Sachsen zusammenzuziehenden Armee-Corps in die Kassen des Kriegsnilnisteriums habe fließen lassen. Wenn der Augenblick gekommen sein sollte, dem Wiener Hofe ein Ultimatum zu stellen, so werde nian sich nicht wie in Gastein und Salzburg durch persöuliche Rücksichten davon abhalten lassen."— Mögen nun diese Behauptungen mehr oder minder richtig sein, so viel ist gewiß, daß man kleinlauter geworden ist und sich vorläufig zuwartend verhält, aus Gründen, auf welche wir wiederholt hingewiesen haben. — fAus den Elbherzogthümern� erfährt man, daß von preußischer Seite Versuche gemacht werden, nunmehr auch den dem preußischen Gouver- nemenl gleichfalls sehr unbequemen österreichischen Statthalter v. Gab lenz das Schicksal seines Vorgängers ereilen zu lassen, d. h. ihn hinaus zu halbhnbern. Jedoch soll General Gablenz diesen Bestrebungen des preußischen Kabinets in sofern entgegenkommen, als es seit geraumer Zeit sein Wunsch sein soll, abberufen zu werden. Ueber den Unterschied, der zwischen beiden Gouvernements, dem preußischen in Schleswig und dem Lsterreichi- scheu in Holstein, that sächlich bestehen soll, schreibt übrigens die„Kieler Zeitung": „In Schleswig verbietet man überhaupt die Zeitnn- gen, die am Landesrecht festhalten; in Holstein belegt man jede einzelne Nummer mit Beschlag, in der die Rechtsüberzeugung de« Lande« etwas lebhafter oder stärker zum Ausdruck kommt, als man in Berlin wünschen mag. Man kann fragen, welche« System schlimmer ist. In Schleswig will man die Gewissen mit Kolben erschlagen; in Holstein will man sie mit einschläfernden Mitteln leise betäuben." Condominiöse Zustände! — fDie Oldenburgische Candidatur be- treffend� meldet der„Hamburger Correspondent" zur Berichtigung verschiedener Zeitungsnotizen, daß der Herzog von Oldenburg schon zur Zeit der Gasteiiier Verhandlungen sich erboten habe, sein Erbrecht aus die Herzogthümcr für 2 Millionen Thaler an Preußen abzutreten, daß Preußen hier- auf aber nicht eingegangen sei. —[Preußische Preßschicksale.j Das Resultat der gemeldeten Verhandlung gegen die eingegangene „Beri. Abdztg." wegen eines Artikel« über den Glo- gauer Skandal war, wie man hört, die Verurthei- lung de« Berfasser«, Splittgcrber, zu drei Wochen Gesängniß und des ehemaligen Redacteurs Professor Retsjag zu 35 Thlr. Geldbuße.— In Königsberg wurde am Donnerstag verhandelt gegen den Literaten Klein auS Danzig und den ehemaligen Redacteur der „König Sb. Hart. Ztg.," Hrn. v. Hasen kamp, und zwar wegen einer im letzteren Blatt erschienenen Eorrefpon- den; des Hr». Klein, delrcssend eine Versammlung de» liberalen Verein« im Schützenhause, in welcher der Abg.! Roepell Beritt erstattete. Keiner der Angeklagten war erschienen. Die Anklage findet in der Correspondenz eine Beleidigung der Königsberger Staatsanwaltschaft und � eine Ehrfurchtsverletzung gegen den König. Die Ver- Handlung geschah unter Ausschluß der Oessentlichkeit. Wie die„Königsb. H. Z." mittheill, ist Hr. Klein wegen dieser Vergehen zu zwei Monaten und Dr. v. Hasenkamp zu weiteren drei Monaten Gesängniß ver» r theil t.— In Düsseldorf stand am Freitag die Redaction der„Rhein. Ztg." vor Gericht und wurde vcrurtheilt: l) wegen eines Artikel« über eine„gesprungene Kanone" d. d. Berlin, II. August in Nr. 223 der Verfasser Hr. Kvrtmann und der verantwortliche Re- dacteur zu je 25 Thaler; 2) wegen d-S Neuen Persischen Briesessin Nr. 205 der„Rhein. Ztg." 2. Blatt, iu welchem vier Sätze die Grenzen der gegenwärtigen Preuß. Preß- sreiheit überschritten haben sollen, der verantwortliche Redacteur nochmals zu 25 Thlr. In der zweiten Sache war auch wieder Hr. Kaulen als Verleger der„Rhein. Ztg." mit angeschuldigt. Derselbe wurde aber sreige« sprochen. * Wien, 15. Dezbr.[Ungarische Hoff- nungen. Thronrede. Vom böhmischen Landtage. Der Handelsvertrag mit Eng- land.j Hier hängt natürlich gegenwärtig der Himmel voll Geigen. Man erwartet mit Bestimmt- heit einen Ausgleich mit Ungarn und findet für diese Hoffnung Nahrung injdem günstigen Eindruck, welchen die Thronrede des„Königs von Ungarn" gemacht hat. Wäre nur nicht der leidige Umstand, daß dabei jeder Theil sich das Seine denkt, und diese Gedanken dock sehr von einander abweichen, so würde sich die Sache ganz sicher zur Zufriedenheit beider machen. So sicher ist der Ausgleich noch keineswegs. Die Thron- rede wählt die Pragmatische Sanction als Ausgangs- punkt, aber nicht als unverrückbaren Punkt des Beharrens[wie die Ungarn wünschen), weil in den folgenden Absätzen wesentlich nur die Selbst- ständigkeit der inneren Rechtsgestaltung und Ver- waltung und die Wiederherstellung des König- reiches zugestanden wird. An der Großmacht- stellung der Monarchie müsse die durch die Sanction und späteren Gesetze verbürgte Selbst- ständigkeit des Landes ihre Schranke finden. Mehr noch! Von dem Diplome vom 20. October wird gesagt,„daß die gemeinsame, verfassungs- mäßige Behandlung der in demselben bezeichneten gemeinschaftlichen Angelegenheiten ein unabweiS- liches Erforderniß des einheitlichen Bestandes und der Machtstellung des Reiche« bilde, dem jede andere Rücksicht untergeordnet werden soll."— SBi� sich die Ungarn dem gegenüber verhalten werden, ist abzuwarten. Sind und bleiben sie widerhaari�, so bleibt der österreichischen Regie- rung thatsächlich nichts übrig, als eine vollständige Verlegung des Schwerpunktes nach Ofen und mit seiner Großmachtstclluna ist es vorbei.— Aus Prag vom Böhmischen Landtag wird telegraphirt: In der heutigen Sitzung des Landtages haben die Mitglieder des Herrenhauses Fürst Carl v. Audrsperg, Graf Hartwig, Altgraf Salm und Graf Althan ihre Mandate niedergelegt und diese» Entschluß damit motivirt, daß der RegierungSkommissar durch seine Er- klärung in der Adreßdebatte, der Reichsralh bestehe nicht zu Recht, die Mitglieder de« ststirten ReichSralhcS dem Hohne der den Reichsralh ablehnenden Landtag«- * Partei preisgegeben habe. Der Regierungskommissar Graf Lazansky wies den ihm gemachten Vorwurf zurück. Die General-Corresponbenz meldet, daß der engüsch-österreichische Handelsvertrag heute unterzeichnet worden sei. Die Dauer des Vertrags ist auf zehn Jahre festgestellt. * München, 16.®«. fDie Palastrevolution,� obwohl in derselben die bekannte Katastrophe eingetreten, scheint insofern noch nicht beendet, als jetzt ihre Folgen im Parteitreiben erst recht fühlbar werden. Von ultramontaner sowohl als von libe- raler Seite ist man mit„Enthüllungen" aufgetre- ten, wornach die einen von einem„Verschwvrunqs- plane" zu erzählen wissen, vermittelst dessen Bayern durch Richard Wagner und seine Partei revolutionirt und dann Preußen überliefert werden sollte, während die andern mit der Entdeckung eines beabsichtigten großartigen v. d. Pfvrdten— Pfistermeister'fchen„ReactionSplans" an's TageS- licht getreten sind. Die Sache hat jedenfalls das Gute, daß die guten Bayern wieder einmal aus ihrem Gemüthlichkeitsdusel zu einigem Leben aufge- weckt wurden. Von Nürnberg aus ist eine Agitation zur Beseitigung der Cabinetsregierung im Gange. Ausland. * Paris, 15. Dec. fTageSbcricht.j Die Botschaft Johnsons, besonders die Stelle über die Monroe- Doctrin soll in Compiegne schon in der telegraphischen Fassung das größte Aufsehen ge- macht haben; die auffallend knappe Fassung der Depesche(bei Havas) ist auch in Paris aufgefallen. Die französischen Blätter sind gespannt, welche Inspiration ihnen ans den officiellen Sphären zu- gehen wird.— Der Admiral Pareja hat, auf Ver- langen des dänischen Consuls in Santiago, die Ladung des chilenischen Fahrzeuges„Constancia", das er in Beschlag genommen, wieder ausgeliefert, da dasselbe nachweislich Eigenthum dänischer Kauf- leute in Valparaiso gewesen. Man fürchtet daS Bombardement nicht mehr und hofft in Santiago mit Bestimmtheit auf einen friedlichen Ausgleich. Dennoch ließ die chilenische Regierung in ihren Bemühungen nicht nach, mit den südamerikanischen Republiken Schutz- und Trutzbündnisse abzuschließen. Aus England traf heute die Nachricht ein, daß Herr Osma, ein spanischer diplomatischer Agent, mit dem letzten Dampfer sich zum Admiral Pareja begeben, um ihm in friedlichem Sinne gefaßte In- structionen zu überbringen.— Aus Spanien verlautet, daß die Gerüchte vom Ausbruche einer carlisti- schen Bewegung in Burgos sich nicht bewährt haben. — Der Kaiser hat in den letzten Tagen auffallend viel gearbeitet. Die Eingeweihten in Compiegne meinen nun, daß, indem man im Begriffe stehe, sich der römischen und der mexicanischen Schwierigkeiten zu entledigen, man auch Belgien dabei in Betracht ziehe.— Seinen Sohn hat der Kaiser übrigens unter dem Drange der Geschäfte nicht vergessen. Er führte ihn noch vor zwei Tagen auf die Jagd. Dieselbe fand im großen Park Statt, und der kaiserliche Prinz erlegte fünf zahme Kaninchen und vier nicht wilde Fasanen. Das Entzücken über die Geschick- lichkeit des Thronfolgers wollte im Compiegner Schlosse natürlich kein Ende nehmen. Ist ja auch der Mühe Werth I Fünf Kaninchen und vier Fasanen! Morgen wird Paris wieder so glücklich sein, den Kaiser in seinen Mauern zu haben.— Nach den neuesten Nachrichten aus Mexico(Vera- Cruz, 17. Nov.) hat Langlais, der von den Tuilerieen ernannte mcxicanische Finanz-Minister, jetzt endlich eine Conferenz mit dem Kaiser Maximilian gehabt und in Folge derselben beschlossen,„auf Basis des französischen Budgets ein mexicanisches Budget" anzufertigen. Dies Budget wird wohl, wenn es auch wirklich in Kraft treten sollte, von nicht mehr langer Dauer sein. — 16. December. Nach einer Depesche der „Agence Havas" findet in London Jedermann die Botschaft Johnson's„sehr befriedigend." Die�„France" schreibt:„Die englischen Capi- talisten haben Vertrauen in die finanzielle Zukunft der Vereinigten Staaten genug, um sechSprocentige Bons der Vereinigten Staaten zum Preise von 64 pCt. zu kaufen." Ist daS ein Trost für Napoleon? Wir bezweifeln es. Je näher für Frankreich die Gefahr eines Seekrieges tritt, desto I mehr verzieht sich für England die Gefahr eiyes ernstlichen Zerwürfnisses mit der Union, und je ärger der Kaiser Napoleon mit der Monroe-Doctrin in'S Gedränge geräth, desto kostbare.' muß ihm ein Einvernehmen mit England werden, desto theurer muß er die„Entente cordiale" bezahlen, und desto � zahmer wird er in europäischen Dingen auftreten, desto kleiner bei Lösungen beigeben müssen. Hat König Leopold wirklich geflissentlich und bewußt die Franzosen in den niexicanischen Projecten be- stärkt, so hat er für Belgien's Deckung einen Meisterzug gethan, obwohl ihm oder vielmehr sei- ner Tochter dadurch schwere Opfer auferlegt wur- den, daß die Prinzessin Charlotte den Traum von einer Kaiserkrone ernster nahm als ihr Vater, der bekanntlich, als es mit der Annahme Ernst wurde, lebhaft abrieth und sich auch zu keinen großen HülfSgeldern bereit finden ließ.— Drouyn de LhuyS will die Actenstücke, die zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten in der niexicanischen Frage ausgetauscht wurden und worauf die Bot- schaft Johnson'S Bezug nimmt, im gelben Bücke abdrucken lassen. Da in Washington die Ver- öffentlichung bereits erfolgt sein wird, so kostet diese französische Aufrichtigkeit keinen starken Ent- schluß mehr. Der Kaiser, welcher jetzt wieder in den Tuilerieen weilt, hat in Compiegne Tag für Tag von Morgens 8 bis 12 Uhr gearbeitet; seit Jahren sah man ihn nicht so angestrengt beschäftigt. — Den pariser Journalen ist die Weisung �zuge- gangen, die Botschaft des Präsidenten in friedlichem Sinne aufzufassen. Die Monroe-Doctrin sei in dersel- ben nur als Princip, nicht aber als eine Weisung für diese oder jene Macht aufgestellt.— Die„France" meldet die Ankunft des Fenier-Chefs Stephens in Paris; sie will die Nachricht aber nicht verbürgen. — Die officiösen Conferenzen zur Entwerfung der Grundbedingungen des Handelsvertrages zwischen Frankreich und Oesterreich haben in Paris am Donnerstag begonnen und nehmen einen so raschen Verlauf, daß schon in nächster Zeit die officiellen Verhandlungen in Wien eröffnet werden können. — Im Widerspruch mit allen bisherigen Nachrich- ten aus Florenz behauptet das heute erschienene „Memorial Diplomatique", daß der römische Hof wegen der Uebernahme eines TheileS der römischen Schuld durch Italien nicht direct mit der floren- tincr Regierung, sondern mit Frankreich unterhan- dcln werde. Die betreffenden Unterhandlungen werden ihm zufolge zwischen dem französischen Bot- schafter und dem Cardinal Antonelli geführt, und es soll alle Hoffnung vorhanden sein, daß dieselben ein günstiges Resultat liefern werden. In diesem Falle mußte aber der Papst mit dem Könige von Italien ein Arrangement eingehen wollen.— Die Nachricht der„Patrie", daß der Kaiser Maximilian bei der Wiener Regierung um die Ermächtigung ein- gekommen sei, die 10,000 Mann, die ihm Öester- reich in den nächsten fünf Jahren zu stellen hat, sofort anwerben zu dürfen, wird von dem„Memorial Diplomatique" dahin berichtigt, daß die mexi- kanische Regierung nur verlangt habe,„die Lücken, welche im österreichischen Corps in Mexiko ent- stehen, durch sofortige Anwerbungen unter den aus- gedienten österreichischen Soldaten ausfüllen zu dürfen." Dieses ist dem genannten Blatte zufolge bewilligt worden und man unterhandelt gegenwär- tig über dieAnzahl der„Lückenfüller."— DerBeicht- vater der Königin Jsabella, der sich sechs Wochen iu Rom aufgehalten, ist plötzlich nach Spanien zurückgekehrt. Er hat seitdem Reisen nach Sara- gossa und Barcelona gemacht. Seine schnelle Rück- kehr hat zu den verschiedenartigsten Gerüchten An- laß gegeben. �London, 16. Dec.(Fenierprozeß. Re- volution in BuenoS-Ayres. Revolution in Peru. Amerikanische Finanzen.! Der in Dublin zu lebenslänglicher Strafarbeit vorgestern verurtheilte John O'Donnovan(Rossa) war schon im Jahre 1859 wegen Theilnahme an der Phönix-Berschwörung, deren er sich schuldig be- kannte, angeklagt gewesen und damals gegen Bürg- schaft auf freien Fuß gesetzt worden. Das erklärt> wohl die ungewöhnliche Strenge des Strafurtheils. i Vor der Special- Commission in Cork, die gestern ihre Sitzungen eröffnet hat, erwarten zwanzig an- i geklagte Fenier ihr Gericht.— In Irland werden � Subscriptionen veranstaltet, um einen Unter- stützungs-Fonds für die Familien der Verhafteten und Verurtheilten zusainmen zu bringen. Nach der Dubliner„Evening Post", die durchaus nicht fenisch gesinnt ist, bestätigt es sich vollkommen, daß Stephens in Paris angekommen ist.- Von der britischen Re- gierung soll seine Auslieferung verlangt worden sein, weil er aus dem Gefängnisse ausgebrochen sei; iu Antwort auf diese Forderung aber soll die ' französische Regierung den britischen Gesandten auf das Verbrechen, dessen Stephens ursprünglich an- geklagt gewesen sei, hingewiesen und ihm bedeutet haben, daß die kleinere Gesetzesverletzung(das Aus- brechen aus dem Gefängnisse) sich in dem ihm zur Last gelegten höheren politischen Verbrechen verliere; daher der Flüchtling nicht ausgeliefert werden könne. Mit derselben Post, welche die Präsidenten- Botschaft gebracht hat, kam auch die Nachricht, daß der Fenier-Senat in New-Aork Sitzung hält, daß der Fenier-Präsident Bonds mit der Signatur der irischen Nepublik auszugeben gedenkt, darüber aber mit dem Senat in constitulionellen Zwist gerathen ist, und daß in Neu-Braunschweig ein Fenier- Einfall beabsichtigt wird. Die Times bemerken dazu: Wir erschrecken nicht mehr vor der Nachricht, daß amerikanische Bürger unter den Augen ihrer Regierung sich offen zu einer Invasion in da« Gebiet Ihrer Majestät rüsten. Hier handelt e« nicht um Neutralität; denn Neutralitätsrechte und Pflichten setzen durchaus einen Stand der Feindseligkeit voraus. Hier ist aber der ein« fache Fall eine« von einzelnen Menschen ohne Vorwand gegen eine freundliche Macht angefangenen Privat- kriegeS. Der Fenier-Prozeß in Cork hat vorgestern an- gesangen. John M'Cafferty kam zuerst an die Reihe; da er aber nicht weniger als 17 Geschwo- rene zurückwies, bestand die Jury schließlich zur Hälfte aus Ausländern. Im Zeugenverhör wurde gestern der Spion Nagle vernommen und die Jury dann über Nacht eingeschlossen. Sonst ist, wie den „Times" gemeldet wird, der Gang der Verhand- lungen gerade so, wie in Dublin. Den„Times" wird aus Dublin telegraphirt:„Gestern Nacht wa- ren alle Truppen in den Kasernen consignirt. In Cork werden während der Prozeß-Verhandlungen 4000 Mann die Stadt bewachen."— Ein Tele- gramm aus Lissabon bringt die übrigens bestäti- gungsbedürftigc Nachricht, daß in Buenos-Ayres eine Revolution gegen den Präsidenten der La- Plata-Staaten, Mitre, ausgebrochen sei.— Die Revolution in Peru hat durch Eroberung der Haupt- stadt Lima am 6. Nov. die Oberhand gewonnen. Der neue Präsident Canseco hatte das höchste Kom- mando übernommen und in Lima und Callao die Ordnung hergestellt. Der flüchtige Präsident Pezet hatte an Bord des britischen Kriegsschiffes Shear- water ein Asyl gefunden und wollte sich über Pa- nama nach England begeben.— Dem„Boston Journal" geht aus Washington eine Depesche zu, welche die Staatseinkünfte der Union für das jetzige Finanzjahr auf 275 Millionen Doll. in Pa- pier und 125 Millionen in Gold veranschlägt. Wenn der Präsident seinen Entschluß, die Aus- gaben unter 100 Millionen zu reduciren, durchfüh- ren könne, so sei nach Abtragung der Zinsen noch auf einen Ueberschuß von 100 Millionen zu rech- neu, welcher zur Tilgung der Nationalschuld oder zur Einziehung eines Theiles der ,Greenbacks zu verwenden sei. Doch würde im Congreß auch der Versuch gemacht werden, statt der Herstellung einer Metallwährung lieber die Steuern zu vermindern. — Wie verlautet, enthält die Schatzkammer gegen- wärtig 14� Millionen in Gold und 30 Millionen in Papier. Es standen noch aus 5,545,000 Doll. in alten Certifikaten, 50,316,000 Doll. in neuen Certisikaten und 51 Millionen in Goldcertifikaten. In den Kriegs- und Flottendepartements ergab sich eine Ausgabeverminderung von mebr als 11 Mil- lionen für November d. I. im Vergleich zu No- vember 1864. In hiesigen Geldmännerkreisen hegt man allgemeines Vertrauen zu den Finanzen der Union.— � Spanien.[Königin. A l l g e m e i n e S t i m- mu n g.j Die Königin soll sich gegenwärtig in sehr be- denklichen Gesundheitsumständen befinden, in einer Lage, die es äußerst zweifelhaft erscheinen läßt, ob sie ihre Entbindung überstehen wird. Die wunder- lichsten Gerüchte sind darüber im Umlauf. Man