Nr. 1. Berün, Mittwoch den 3. Januar 1866. Zweiter Zahrgaag. -'Ätmolitii!. Diese Zeitun? e'-Ickeint täglich mit etu«. uhme der Sonn- und Festtage. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von Z. V. v. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin. Dresdnerstraße Nr. 85. AbonnemeniS«Preis für Berlin incl. Bringerlob»: vierteljährlich lö Sgr., mo- Bestcllungcn werden au« lvchrts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expeditio, natlich ö Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.t bei den Wnigl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Spandauerbriicke 8, sowi« ämtern 22'/» Sgr., rei den preußischen Postämtern im nichtpreußilcken D>.»t!ch- auch uneiitgelilich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen, land 183/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. südd./.fl, 1. 50. österr. Inserate(in der Expedition ans,»geben) werde» pro dreigespalreue Pem-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Arbeiter-Annoneen mit l Sgr., bei sonstigen Simvncen mit 3 Sgr. veeechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen linder'''Lenäer, 8. Dittls 5'ev-?ort.8treot, Doicester-Zquaro W. C. London. Agentur für Frankreich: G Ä. Alexandre, S trassb o v. g, ,.• Brulee; Paris, 2. Conr du Commerce Sa!nt-Andrd-des-Arts. An die deutschen Arbeiter und Mtglieoer der sacial- demokratischen Partei. Ein Jahr ist abgelaufen, seitdem uns die ehrenvolle Aufg'';u Theil geworden, die deutsche sorial-demokratische Partei in der Presse zu vertreten.' Wir glaube», diese Ehrenpflicht redst und nach besten o.« asten erfüllt zu haben. Weder Mühen und Opfer, noch M mst und VerWguug können uns jemals davon abhalten, so lange es uns nur immer möglich ist, auf unserem schweren P est auszuharren; wir werden, wie im vergangenen Jahre, so auch künftighin für die heilige Sache des enterbten Volkes kämpfen, mit Muth und Ausdauer. Immer hoher, immer mächtiger unb freier gehen die Wogen der deutschen Arbeiterbewegung. Voll und rein haben wir das Banner der Partei entfaltet und darum hoffen, darum glauben wir mit Zuversicht, daß Alle, Alle, denen die heilige Sache des Volkes am Herzen liegt, sich um dieses Banner schaaren, uns in dem schweren Kampfe unterstützen werden. Denn nur dann kann die Sache des Volkes, dessen einziges Besitzthum die Arbeit ist, kann die Arbeiter- fache, welche die Mächtigen und Reichen mit mißtrauischen und scheelen Augen betrachten, des endlichen Sieges gewiß sein wenn Diejenigen alle, welche, nebst einem fühlenden Herzen für die Arbeiter, Talent und Kenntnisse besitzen, in diesem Kampfe mitwirken, ihm ihre Unterstützung leihen.. ,. Vergessen also seien grundloser Hader>>! Zwist, vergessen jedes Mißverständniß, das uns momentin trennen konnte, und gemeinsam sei fortan gekämpft für die gere�, e Sache! Wir hoffen und wünschen dies als besten Neujahrswunsch für die Partei, für die Sache der SocialDemokratie. Mögen alle Arbeiter und wahren Arbeiterfreundc uns unterstützend entgegenkommen! Lasset uns vergessen alle kleinlichen Zwistigkeitcn, alle gleichgültigen Nebendinge, uns fest an eiiander schließen zu brüderlichem Bunde und uns geloben, nur dem Einen großen Gedanken, nur dem Einen großen Ziele leben zu wollen: dem d lich.n Si-g. unserer g-.-ch.-n S-»,I_ Sic R-bactw» dc-„Zvcml-Denokrat." Anter Programm. Drei große Gesichtspunkte sind es, welche das Streben und die Thätigkeit unserer Partei bestimmen: Wir bekämpfen jene Gestaltungen des europäischen Staatensystcms, welche, unnatürlich die Völker trennenlund verbindend,' aus dem feudalen Mittelalter in das neunzehnte Jahrhundert sich herübcrgeschleppt haben— wir wollen fördern de Solidarität der Völkerintcressen und der Volkösache durch die ganze civilisirte Welt. Wir wollen nicht ein ohnmächtiges und zerrissenes Vaterland, machtlos nach außen und voll Willkühr inJnnern— das ganze, gewaltige Deutschland wollen wir, den Einen, freien Volksstaat. Wir verwerfen die bisherige Beherrschung der Gesellschaft durch das Capital— wir hoffen zu erkäpfen, daß die Arbeit den Staat regiere. Diese drei großen, auf gemeinsamer Grundlage beruhenden Gesichtspunkte weisen uns in jeder möglten Frage mit zwingender Notbwendigkeit auf die Bahnen, die wir zu wandeln haben. Unsere Prinzipien sind einfach und klar— ihre Consequenzen zu ziehen werden wir uns niemals scheue Bestellungeu für das erste Quartal 1866 werden fortwährend(auswärts auf den Postämtern) angenommen. politischer Theil. Deutschland. * Berlio, 2. Jan. sZur Elbher, ogihü« m erfragej schreibt die„Nordd. Allg. Ztg.": Die preußische Politik in der Elbherzogihllmersraze ist keine Politik der Ueberraschungen, keine Politik eines, dreisten Handstreich«, sondern eine Politik der innerlich sie» Nothwendigkeit. Jede« Brülkiren der Frage würde! daher siir Preußen nur schädlich gewesen sein, denn trotz aüer Agitationen der Gegenparteien besestigt sich in den Gemülhern, langsam aber sicher, immer mehr der Ge- danke, daß die Su,erä»elät de« Norddeutschen Groß- slaal« in jenen deutschen Proviiizen die»aturgeinäße und daher einzig mögliche Lösung dieser Frage ist. Jeder weitere Tag in diesem Provisorium schafft für Preußen neue Anhänger und vermindert die Zahl unserer Gegner Da« ist das Geheinimß unserer Stärke in dieser Frage, und dieser Grund ist e«, welcher die Gasteiner Uebereminnst so vorthöast sstr Preußen macht. Man verlegt sich also aiif'>Warten. Ganz gut; man thut dies, weil man cht anders kann lind genöthizl ist, nur noch an die Fehler des getreue» AUiirten und Mitbesitz, zu speknliren. Daß es so koininen würde, war ach längst vor« auszusehen. Eine besondere Boieilhaftigkeit siit Preußen vermögen wir tarin uniil. dem(Aastei- »er Verlrag eben so wenig zu eicken als in der Habsburg-Hohenzvllern'jchen Alliz überhaupt. — jUeber das angeblich österreichisch« französische Bündnis schreibt man ver„Sp. Zlg� osficiös: Slimmen auS Wien in der„Kölnischen Zlg." und in süddeutschen Blättern versichern, daß ein Bündniß zwischen Frankreich und Oesterreich abgeschlossen oder dem Abschlüsse nabe sei Wir wisse» nicht, welche Ge- währ diese Stimmen siir ihre Aeußerungen besitzen; jedensalls aber würde die preußische Regierung einen lebhasten Wunsch erfüllt sehen, wenn die Beziehungen zwischen Oesterreich und Frankreich sich günstiger gestal- teten, als es in den letzten Jahren durchschnittlich der Fall gewesen ist. Es kann für Preußen nur erfreulich sein, wenn die Lage seiner Bundesgenossen in ihren aus- wärtigen und inner» Verhältnissen eine gesicherte und beruhigende Entwicklung nimmt. Die Annahme, daß ein Bündniß zwischen Oesterreich und Frankreich mit feindlichen Tendenzen gegen Preußen in Aussicht stände, kann nur bei Denjenigen Glauben finden, welche mit den politischen Verbältnissen nicht bekannt sind. — fAus den Elbherzogthümernf, aus Schleswig, wird genieldet: Das Verordnungsblatt bringt folgende Bekanntmachung des Herrn Gou verneurS v. Manteuffel: Um landeSgefährlichen Agitationen in mildester Form zu begegnen, habe ick de» Paragraph v der Verordnung vom 15. Februar IW4 in Erinnerung gebracht. Damit aber die Einwohner des Herzogthums Schleswig in ihrem Petitionsrechte dadurch sich nicht beeinträchtigt halten, werde ich vom l. Januar an, Mittwochs von l 1—3 Uhr, in meiner Wohnung Jeden zu sprechen dereit sein, der Wünsche und Anträge mir unmittelbar vortragen will. Wie patriarchalisch! — sDer italienische Handelsvertrags ist am 31. Decbr. Vormittags hier unterzeichnet worden. Preußen, Bayern, Sachsen und Baden unterzeichnen im eigenen Namen, sowie im Namen des Zollvereins. Außer dem Vertrage wird ein Schluß-Prolokoll unlerzeichnet, welches bestimmte Erstens, daß die Ratification des Vertrages die Anerkennung Italiens in sich schließt und dedingt; zweitens, daß weitere Verhandlungen zur Förderung beiderseitiger Berkehrs-Jnteresien je nach den Um- ständen vorbehalten werden. Dagegen enthält weder der Vertrag noch das Schluß- Protokoll die Clause!, daß die Ausführung des Vertrages statt- finden solle, wenn auch nur die meisten Zollvereins- Regierungen zuaesti»""' haben. Dies ist, gemäß den Wünschen Italiens, durch eine mündliche Er- klärung der Enlscheidung des italienischen Parla- ments vorbehalten worden. Der Vertrag selbst ist durchaus ein Principien-Vertrag und gewährt den conlrahircnden Theile« die Vortheile des am meisten FeRÜletoit. Michel Langvlllth. der Schuhmacher. Eine Allbeitergeschichte von � A l B. Dofftftten. III. ftaptel.(Fortsetzung.) Seine Geduld rar dadurch nahezu erschöpfe worden und seine Bsstiuimung über das Mißlingen nun schon fast zwjähriger istebeswerbungen war um so großer, alSir jetzt vergebens nach einem neuen Mittel sann auf eine» so eigenlhümlichen und ihm völlig uirklärlich scheinenden Mädchen- Charakter bestimmet einzuwirken. Was aber seine üble Laune noch wc höher stetgerle, war daS gleich- zeitige-Mißgeschick» Betreff seiner Absichten auf Martha, ui der er»>en Ersatz für Irma zu finden gehofft und die Bul eines Andern halte entdecken müssen. Zu allewledcrflusse endllch bcnnruhigieli ihn auch noch jcn.eidigen Geldangelegenheiten die ihn, wie wir gesch haben zu.» Verbucher machten und vorlausig al Klne sonstigen Pläne in den Hintergrund rräst"- Dennoch aber hielt er dabei wie sich meine südlichen Leser erinnern werden' no» l°.mer an n Gedanke» fest. Mar, ha auf irgendwelche Art f sich gewinnen zu können, wo- von er sich auch>ondere Vortheile in Beziehung aus Irma verspr-".'dem er eo für höchst wabr- scheinltch hielt. d�,e sobald sie nur Sl.uTin Erfahrung gebra halte, daß er einem anderen Mädchen Huldigf" tarbringe. Alles aufbieten würde, ihn wiel zu sich zurück z« ziehen und neuerdings an fU fesseln. begünstigten dritten Landes. Der Vertrag enthält acht Artikel: Artikel 1 über die Niederlastung und den GewerdSbetrieb der beiderseitigen Staatsangehörigen, ganz wie im belgischen Bertrage vom 22. Mai 1865. Artikel 2 über Ausfuhr und Ein- fuhr ebenso, jedoch mit Auslassung des zweiten Alinea. Art'kel 3 und 4 ganz wie im belgischen Bertrage. Artikel 5 ebenso, jedoch mit Weglastung des letzten Satzes in, dritten Alinea. Artikel 6 bestimmt, daß die Etiguetten und Fabrikmarken in den beiderseitigen Gebieten denselben Schutz wie die Landesangehörigen genießen. Nach Artikel 7 und 8 ist die Dauer des Vertrages auf zehn Jahre, bis Ende 1875, festgesetzt. Der Bertrag tritt acht Tage nach der Auswechslung der Ratificationen in Kraft, mit Ausnahme der Bestimnuingen über die Eliquetten und Fabrikmarken, welche erst vier Mo- nate nach der Auswechslung der Ratificationen in Kraft treten. Die Ratificationen sollen in Berlin, so bald als thunlich, ausgewechselt werden. — sPrenß. Preß- Schicksale.! Bernrtheill wurde die„Rhein. Ztg." in zwei Fällen zu je 2(1 Thlr. Geldbuße und zwar wegen der in Nr. 216, 2. Bl. ab- gedruckten Rede, welche Schulze-Delitzsch in Nürnberg gehalten, und wegen eines in Nr. 276 enthaltenen und der„Franks. Post-Ztg." eiitnommeuen Artikels„General v. Ptanleuffel und Schwarzrothgold." Zu gleicher Strafe wurde ebendaselbst die„Düsseld o rs er Ztg." ver- mtbeilt, welche durch einen Artikel„Znin Rücktritt des Justizministers" denselben beleidigt haben sollte.— Au« Görlitz schreibt man der„Voss. Ztg.":„Vor einigen Jahren verließ der damalige Redakteur der„Niederschl. Ztg.," I. Braun, Preußen, um dem vom hiesigen Kreisgerichte gegen ihn in Anwendung gebrachte» Zeu- genzwange, wobei ihm längere Hast in Aussicht stand, zu entgehen. Es handelte sich darum, zu erfahren, wer von den Beamten des hiesigen Kreisgerichts unter Ver- letzung der Amtsverschwiegenheit eine Miltheilung über ein Ministerial-Rescript gemacht hätte. Herr Braun be- gab sich nach Dresden, und das hiesige Gericht reqni- rirte umsonst das Dresdener Gericht, um die gegen Braun festgesetzte Hast vollstrecken zu lassen. In Folge dessen weigerten sich die preußischen Behörden, dem!c. Braun seine Papiere auszuhändigen, so daß seine dauernde Niederlassung in Dresden verhindert wurde. Mittler- weile ist nun der Grund für das Schweigen des Zeuge» weggefallen und Braun hat sich bereit erklärt, um seine Papiere zu erlangen, die verlangle Zeugenaussage zu machen. Zuerst wurde von ihm gefordert, daß er hier zur Vernehmung erscheinen müsse, doch hat das hiesige Gericht nunmehr das Dresdener Gericht ersucht, dort die Vernehmung vorzunehmen. Damit wird vermuth- lich diese Angelegenheit beendet sein, da ein Einschreiten Jene uns bereits bekannten Ereignisse aber ließen Alles anders kommen, als er erwartet hatte. Durch die Entwendung des Schmuckes und durch das Bekanntwerden mit Abigail ward er plötzlich aus seinen bisherigen Verhälinisseu herausgerissen. Theils hatte er jetzt mit der Sorge dafür, sich nicht zu verralhen oder verrathen zu werden, vollauf zu lhun, theils nahm ihn sein neues Verhältniß zu Abigail so sehr in Anspruch, daß dadurch sowohl Bkarlha als Irma einstweilen ganz aus seinem Gedächtnisse verdrängt wurden. Als aber seine Z'.isanimenkünfke mit Abigail durch die Krankheit ihres Baters eine längere Unterbrechung erleiden mußten und er, von dein Bewußtsein seiner Schuld und von der Angst, Poch noch entdeckt zu werden, fast unaufhörlich beunruhigt und gequält, der Zer- strenung mehr wie je bedurfte, da suchte er sich auch Irma wieder zu nähern und ward wider alle Er- Wartung gut von ihr ausgeuomme». Was ihm bisher stets mißlungen, jetzt war es ihni entschieden geglückt; endlich mußte er den Schlüssel zu diesem Herzen gefunden haben. So rälhselhaft nun ihm selbst dieser plötzliche Umschwung erschien, so natürlich und einfach war es dabei zugegangen: Irma fand ihn völlig ver- ändert und glaubte sich jetzt von ihm wahrhaft geliebt. Sein luehrwöchelstliches Wegbleiben war von ihr als höchst auffällig bemerkt worden»ud halte sie veranlaßt, bei seinen Freunden uiid Bekannten Erkundigung darüber einzuziehen. Diese jedoch hatten ihr fast einstimmig versichert, daß ihnen sonst keine Veränderungen in seiner Lebensweise aufge- fallen feien, als das er jetzt, wie er ihnen selbst niitgetheilt, täglich mehrere Stunden zu Hause zu- bringe, um seine Versäumnisse in der englischen and gegen den betreffenden Beamten durch dessen mittler- weile erfolgten Tod unmöglich gemacht ist."— Der zu Gumbinnen erscheinende„Bürger- und Bauernfreund" vom 2S. Der. ist confiscirt worden. Anlaß zur Eon- fiscation hat ein Artikel gegen die„Provinzial-Correspon- Venz" gegeben.— Die gleichfalls daselbst erscheinende „Prenß.-Litb. Ztg." wurde am 3. Dec. in Königs- berg aus Veranlassung der dortigen Staatsanwaltschaft confiscirt. Aus einer der R. daction insinuirlen Vor- ladung des Gumbinner Kreisgerichl» ist ersichtlich, daß diese Beschlagnahme wegen eines Artikels, betreffend den Austritt aus der Landeskirche, erfolgt ist.— Die wegen eines Berichts über die Stadlverordnetrnver- sammlung confisci'te„Jnsterbnrger Ztg." Nr. 127 ist jetzt auch vom k. Obertribunal freigegeben worden. — In Königsberg wird auch das neue Jahr mit einer langen Reihe von Preßprozessen beginnen, unter denen der viel besprochene Mohrunger Pr ozeß gegen die 11 ostpreußischen Abgeordneten wohl der interessanteste sein dürfte. Bekanntlich Halle» diese Abgeordnelen, zu denen n. A. auch die Herren Bender, Möller, Jacoby und Frentzel gehörten, eine Flugschrift unter dem Titel: „Schafft Euch eine bessere Kreisordnnng an," veröffent- licht und mit ihren Namen unterzeichnet. Die Staat«- anwaltschaft in Mohrnngen hatte da« Flugblatt kon- fiszirt, und auf Grund der bekannten Paragraphen An- klage gegen die Unterzeichner erhoben, das dortige Kreis- gericht jedoch auf Freisprechung erkannt. Aus die Appellaiion der Staatsauwaltschafl gegen da« sreispre- chende Erkenntniß wird iinnmehr diese Sache am 9. Ja- nuar vor dem Königsberger Tribunale verbandelt werden. Die noch in erster Instanz schwebenden Preßprozesse gegen Hasenkamp, Sack und Möller werden auch noch im Januar zur Verhandlung kommen; ebenso ein solcher gegen den vr. Falks on wegen eines Artikel« der Ber- liner„Volkszeilnng," in welchem er über einen hier verhandelten Preßprozeß gegen de» Vorstand des Königsb. Handwerkervereins wegen Beleidigung des Staatsanwalts Krätzig referirt hatte. Bemerkenswerth ist e«, daß das Königsb. Stadtgericht sich in diesem Falle für kompetent erachtet hat, obswon das zur Anklage gestellte Preßver- gehen in Berlin begangen ist.— Am 29. Dez. resoimirte da« ostpreußische Tribunal ein in erster Instanz ergan- gene« Urtheil des Kreisgerichl« Memel gegen den Re- dakleur de« dortigen„Dampfboots", A. Srobbe, der in eister Instanz auf Grund des I. 48 des Preßgesetzes zu 8 Tagen Gefängniß verurtheilt worden, weil er vor dem Beginne der Schwurgericht«- Verbandlnngen die Namen der Gcschworeiie» veröffentlicht babe. Da« Tribunal erkannte am Frei sprech u ng, weil jene« Verbot sich nur aus die 12 Urtbcilsgeschworenen beziehe. — sEine Rede des Herrn Schulze-De- l i tz s ch �, welche derselbe gelegentlich des dritte» Slif- lungsfefles des Berliner Ardeilervereins gehalten, beweist, daß Herr Schulze seine BeschwindelungS- französischen Sprache nachzuholen, wodurch er leider genöthigl sei, den ihm so angenehmen Gesellschafts- kreis in Jrma'S Elternhause zu vermeiden. Nur einer der von ihr Befragten halte, in Hugo einen zu verdrängenden gefährlichen Nebenbuhler in Jrma'S Gunst verinnlhend, bei dieser Gelegenheit die Be- nierkung hingeworfen, daß sich Hugv's Sprach- st n dien, wie man wissen wollte, sogar auf das He- bräische erstrecken sollen, worin er bei einer schönen Jüdin Unterricht nebme. Als nun Hugo nach mehreren Wochen wicbcr den ersten Besuch bei Irma machte, haue sie chn in scherzhafter Weise gefragt, ob es denn wahr sei, daß ihn, wie man behaupte, die Augen einer schönen Jubln zum Studium de? Hebräischen begeistert und veranlaßt hätten, alle Freunde darüber so lange zu vernach- lässigen, woraus er ihr zur Antwort gegeben, daß eS ihm nunmehr, nachdem man ihr vermnihlich Jrrthümtiches über ihn berichtet, nnwiderstchlich dränge, ihr die volle Wahrheit zu sagen, und ihr ein offenes Bekenntniß abzulegen. Allerdings habe er eine Art von Verhältniß mit einem Judenmädchen angeknüpft,»der»ich! aus Liebe, sondern auS Ver« zweiflung, und dabei sei es auch geblieben, von Liebe könne dabei nicht die Rede sein. Durch ihre, Jrma'S, Kälte und Gleichgülligkeit gegen ihn fast zur Verzweiflung getrieben, habe er zuletzt, ohne in Raserei zu geralhen, ihre Nähe nicht mehr cr- irage» könne» und so schrecklich ihm auch dieser Gedanke gewesen sei, den Entschluß gefaßt, sie zu fliehe»»nv zu versuchen, ob es il>i» nicht, ferne von ihr, vielleicht eher möglich werde, seine glühende Leidenschaft zu beherrschen und ihr verlockendes Bild gewaltsam aus seinem Herzen zu verdrängen. Aber immer furchtbarer, immer vergeblicher seien alle Anstrengungen in diesem Kampfe gegen ein