Nr. 2. Berlin, Donnerstag den 4. Januar 1866. Bweiter Jahrgang. Social- Demokrat. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirt von J. B. v. Hofstetten und J. B. v. Schweiter. Abonnements Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 221/2 Sgr., bei den preußischen Bostämtern im nichtpreußischen Deutschland 183/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.( fl. 1. 45. füidd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Bestellungen werden auswärts auf allen Bostämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß- Compagnie, Spandauerbrücke 3, sowie auch unentgeltlich von jedem rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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V Wenn Bestellungen für das erste Quartal 1866 Correspondenten schreiben, der Neujahrswunsch in so indiscreter Weise auf den offenen Markt werfen des französischen Kaisers für Desterreich würde tann, wie Herr Schmidt- Weißenfels es zu thun beliebt. werden fortwährend( auswärts auf den Post- vielleicht einigen Eindruck gemacht haben, wenn man fann über raffalle's Agitation allerdings sehr verämtern) angenommen. man ihn nicht von Wien aus gar zu sehr im voraus schiedener Ansicht sein, aber selbst dem Gegner gegenüber escomptirt hätte, sowie daß ein Bündniß weder sellschaftliche Ton der civilifirten Welt zum Gesetz erdarf man nie die Rücksichten vergessen, welche der geabgeschlossen sei, noch bevorstehe. hoben hat. Für den der Verhältnisse und Personen [ Preußische Preß- Schicksale.] Aus Trier Kundigen hat jedoch die Sache noch einen böchst eigen wird der ,, Nh. 3tg." eine für die Presse nicht uner- thümlichen Beigeschmack. Laut dem Testament Lassalle's bebliche Verfügung des Justizministers mitgetheilt, welche nämlich sind seine sämmtlichen Manuscripte und Papiere vor etwa 6-8 Wochen den Mitgliedern der Staats- Eigenthum einer, dem Schreiber dieser Zeilen wohlbe * Berlin, 3. Januar.[ 3ur Elbherzog anwaltschaft zugegangen ist. Hiernach werden dieselben kannten Person, die zu viel Pietät besitzt, um jemals thümerfrage] schreibt man von hier, bezüglich zur schärfsten leberwachung der Zeitungen und auch nur einen Feßen Papier des Berstorbenen zum des schon erwähnten und von verschiedenen Seiten zwar in der Weise aufgefordert, daß auch die außer Tröbler wandern zu lassen und die bis jetzt auch thatbehaupteten Widerstandes Rußlands gegen die balb ihres eigentlichen Amtsbezirkes erscheinenden Blätter sächlich noch nicht einmal in den Besitz aller ihr testapreußischen Pläne, der„ Rh. Ztg." Nachstehendes: zum Gegenstande der Kontrole gemacht werden sollen. mentarisch vermachten Papiere gelangen konnte. Das Verhältniß Rußlands zu Preußen beschäftigt im Werden in diesen Artikel gefunden, welche nach ihrer Wiei- nun wirklich Herr Schmidt- Weißenfels Lassalle's Privat Momente unsere diplomatischen Kreise mehr denn je. nung eine Gesegesverlegung darstellen, so sind sie gehal- Notizenbuch bei einem Trödler kaufte, so ist die Frage Zwar sind die intimen Beziehungen der beiden Höfe durch ten, die zuständige Behörde darauf aufmerksam zu machen; natürlich, wie gelangte Jener in Besitz dieses Buches? nichts unterbrochen worden; die hoben russischen Gäste glaubt dieſe keine Veranlassung zum Einschreiten zu haben, Doch offenbar auf eine unrechtmäßige Weise, an unserem Hofe werden mit vieler Cordialität empfan- so ist der Generalprokurator in Köln um die Entschei zu der nur von einer, Lassalle verwandtschaftlich nahegen, selbst die conventionellen Formen des diplomati- bung anzugehen, und falls auch dieser sich für die Nicht gestandenen Seite die Hand geboten werden konnte. schen Verkehrs haben nicht den mindesten Abbruch er verfolgung aussprechen sollte, in letzter Instanz der Justiz- Es handelt sich also ganz einfach um eine Beruntreuung. litten und dennoch ist ein fühlbarer Wechsel eingetreten, minister zu befragen. Oder aber sollen wir vielleicht die Sache von einer ander von beiden Seiten nicht verläugnet werden kann. [ Johann Jacoby's sechsmonatliche deren Seite betrachten, sollen wir wohl bezweifeln. daß Die Freunde des Herrn v. Bismarck lassen es nicht an Haft] endet erst mit dem 26. Februar, während irgend ein Tröbler existirt, der ein geschriebenes NotizAndeutungen feblen, die darauf hinauslaufen, daß der die Eröffnung des Landtages_am 15. Januar er- buch, welches doch offenbar für den Trödelmarkt nicht entschiedene Widerwille der russischen Regierung gegen die folgt. Jacoby wird also erst ca. 6 bis 7 Wochen den geringsten materiellen Werth besitzt, ankauft? Dann sache des gegenwärtigen Stillstandes der Frage sei. Es wird im Abgeordnetenhause einnehmen können, wenn das falls werden die Freunde Lassalle's und die in ihrem schleswig- Holsteinſche Politik Preußens die vornehmste Ur- nach dem Beginne der Verhandlungen seinen Sitz ist der Kanal, durch den Herr Schmidt- Weißenfels in den Besitz des Buches gelangte, noch ersichtlicher. Jedenferner nicht verhehlt, daß der Hof von Petersburg loya Abgeordnetenhaus nicht beschließen würde, Jacoby's Eigenthum gekränkten Erben weitere Schritte nicht unterlere Mittel zur Bekämpfung der Pläne zur Incorporirung einstweilige Entlassung aus der Strafhaft zu fordern. laffen und die daraus sich ergebenden Resultate dürften der Herzogthümer hätte wählen können, und daß man es unbillig finde, mit Umgebung des Ministerpräsidenten Das Recht des Hauses hierzu scheint uns unzweifelhaft. pikanter werden, als des Herrn Schmidt- Weißenfels Einflüsse zu üben, denen gegenüber nicht anderes als der Der Art. 84 der Verfassungs- Urkunde bestimmt:" Enthüllungen," aus denen politisches Kapital zu ma.hen Rückzug übrig bleibe. Graf Bismarck habe sich zwar Jedes Strafverfahren gegen ein Mitglied des gewiffe Leute nicht unterlassen werden, die den ihnen von während der Anwesenheit des Großfürsten Constantin Landtages und eine jede Untersuchungs- oder Civil- der Natur und Aesop auferlegten Beruf, dem todten entschließen müſſen, das Zimmer zu hüten, um einer haft wird für die Dauer der Sigungsperiode auf- Löwen einen Tritt zu geben, so gern erfüllen.*) Begegnung zu entgehen, die der russische Prinz lebhaft zu gehoben, wenn das betreffende Haus es verlangt." Es verdient alle Anerkennung, daß man sich wünschen schien, aber bei den Hoffestlichkeiten, wo der erste Die Entscheidung dreht sich hierbei um die Frage, auch von einer sonst Lassalle und seiner Richtung Würdenträger der preußischen Krone nicht bloß erscheinen, sondern auch am Fackeltanz Theil nehmen mußte, fand nicht besonders geneigten Seite gegen solchen Unob eine„ Strafhaft" als„ Strafverfahren" anzudiese Begegnung statt. Ueber deren Resultat circuliren in sehen ist, welche Frage nach unserer Ansicht un- fug und solche Gemeinheit erhebt. unsern Hofkreisen und diplomatischen Regionen nur wenig bedingt bejaht werden muß. Nichts desto weniger von einander abweichende Versionen. Der Großfürst soll dürfte sich in diesem Falle an entscheidender Stelle sich hiernach in entschlossenem Tone gegen die in Preußen eine entgegengesezte Ansicht geltend machen. vorwaltende Ansicht ausgesprochen haben, als ob die zu[ Der Graf von Bismard] hat, der sehende und die Reserve beobachtende Politik Rußlands in der Herzogthümerfrage mit einer Zustimmung für die grundbefiz als Neujahrsgeschenk angebotenes und in der Herzogthümerfrage mit einer Zustimmung für die" Sp. Ztg." zufolge, ein ihm vom preußischen GroßAnnexion verwechselt werden dürfte. Der Großfürst äußerte sich bestimmt dahin, daß die russischen Erbrechte in der Nähe von Potsdam gelegenes Rittergut im auf einen Theil Holsteins an den Großherzog von Werthe von über 200,000 Thaler mit dem BeOldenburg abgetreten worden seien und daß es eine beleidigende Zumuthung für den Czar wäre, die cedirten Erbrechte durch eine anderweitige Prätension vor den Augen Europa's negiren laffen zu wollen. Sollte trotz dem ein fait accompli erfolgen, welches dieser Intereffen Politik Rußlands entgegenstände, so sei als gewiß an zunehmen, daß der Kaiser es mit allen Mitteln bekämpfen werde..... Bei diesen Worten, jügt unser Gewährsmann hinzu, soll der Großfürst eine Handbewegung ge macht haben, deren Bedeutung nicht zu verkennen war. Etwas Wahres wird wohl an allen diesen Dingen, und vielleicht gerade deshalb, sein, weil sie von den Officiösen mit solchem Eifer dementirt werden. merken dankend abgelehnt, daß er, so lange er preußischer Staatsbeamter sei, von keiner Partei irgend etn Geschenk annehmen werde. * Wien, 2. Jan.[ Orden für Holstein. Die Elbherzogthümerfrage." Naplo" über Ungarn.] Der nach den Herzogthümern zurückgefehrte Civiladlatus Geh. Rath v. Hoffmann überrere Persönlichkeiten in Holſtein, u. A. an Reimers, bringt das Ritterkreuz der eisernen Krone an mebden vortragenden Rath des Generals v. Gablenz. Die Elbherzogthümerfrage bleibt so lange unberührt, bis die inneren Fragen, namentlich die ungarische, gelöst sein werden.„ Naplo" dementirt die Behauptung der„ Ostdeutschen Post", daß die Stimmung in Best und mit ihr die Ausgleichungsboffnungen bedeutend abgenommen haben. fann sein, sagt„ Naplo", raß philosophische Geister, die das Gras wachsen hören, eine Aenderung tenlaube" Auszüge aus einem Copirbuche F. Laffalle's, selbst einigermaßen an der allgemeinen Stimmung Herr Schmidt- Weißenfels veröffentlicht in der„ Gar- der Stimmung wahrnehmen, aber wir, die wir welches er bei einem Trödler gekauft haben will. Ohne participiren, haben eine solche nicht bemerkt. gehen, müssen wir unser Erstaunen darüber aussprechen, auf den materiellen Inhalt der Veröffentlichung einzu[ Die Veröffentlichung des Copir bu des Laffalle's betreffend] schreibt man den Coburger Fl. Bl. f. d. deutsch. Arb." ans Zürich: " E8 *) Ist bekanntlich bereits von der Berfiner., Volks-[ Ueber die österr.-französ. Allianz] stand macht, unzusammenhängende, flüchtig bingeworfene, wie ein Schriftsteller, der Anspruch auf Takt und An- zeitung" und ähnlichem Gelichter geschehen. Anm. d. Red. d. ,, Soc. Dem." läßt sich die ,, töln. 3tg." aus Berlin von ihrem nur für den Gebrauch des Verfaffers bestimmte Notizen Ausland. " ber den Italienern zum Fingerzeig dienen: ja, auch| fischen Truppen, die offenbar zugleich als VorbeRußland, denn die aufrichtige Freundschaft" für reitung zur Räumung des Landes dient. Der * Paris, 1. Jan.[ Tagesbericht.] ,, Sin- Desterreich gibt den Hoffnungen der Polen einen„ Constitutionnel" spricht zwar zunächst von strate= cère amitié"( aufrichtige Freundschaft) heißt die neuen Anhaltspunkt, und bei dieser aufrichtigen gischen Gründen, macht aber doch auch die Bewohueueste Parole unter der die Napoleoniden und Freundschaft" des Kaisers von Oesterreich hört die ner der geräumten Ortschaften darauf aufmerksam, Habsburger Arm in Arm ihr Jahrhundert in die Entschuldigung auf, Frankreich fönne für Bolen daß sie jetzt im Stande wären, sich selbst gegen Schranken fordern zu wollen scheinen, diesseits und nichts thun, weil Truppen dahin zu bringen nicht die Bandenreste zu vertheidigen, und feines fremjenseits des Oceans. Was heißt das? Hören wir, möglich sei, so lange Desterreich, Preußen und Ruß den Schußzes mehr bedürften. Die Gerüchte, was die Blätter darüber berichten. Der großen land in der polnischen Frage Hand in Hand gingen. welche über die revolutionairen Absichten des FürHaupt- und Staats- Action des Neujahrs- Empfan- Nach der Aussöhnung mit den Magyaren wird die sten Alexander Cusa in Umlauf gefeßt find, finges in den Tuilerien ging nämlich in diesem Jahre Auseinandersetzung mit den Polen wieder näher den eine Begründung in einer Adresse, welche die ein kleines, aber vielleicht bedeutungsvolles Vor- gerückt; gelingt es daneben auch noch, die aufrich in Rumänien wohnenden Griechen an den Fürspiel voraus: die Ueberreichung der von Sr. t. t. tige- Freundschaft" zur Lösung der venetianischen ſten- gerichtet haben. Sie fordern in derselben apostolischen Majestät, dem Kaiser von Desterreich, Frage zu verwerthen, so hat der Kaiser Napoleon Cusa direct auf, das rumänische Volk und die Seiner Hoheit Monseigneur dem Kronprinzen von in der That ein brillantes diplomatisches Geschäft griechische Kirche von der türkischen Oberhoheit zu Frankreich verliehenen Insignien des bl. Stephan gemacht. Und die deutschen Fragen? Die Träume befreien. Eusa soll in entgegenkommendem Sinne durch Sr. Excellenz dem Fürsten von Metternich vom frankfurter Fürstentage, die dem Kaiser Na- geantwortet haben. Winneburg. Derselbe richtete dabei folgende Worte poleon gar nicht behagten, find längst dahin, und 2. Jan.[ Neuestes.] Der heutige Abendan den Kaiser Louis Napoleon: Sire! Um Euer das alte Sprüchwort: Wessen Brod ich esse, dessen Moniteur" bringt die Rede des Kaisers beim gestriMajestät einen neuen Beweis seiner Gefühle von Lied ich finge" bat sich wieder einmal trefflich be- gen Empfange des diplomatischen Corps:„ In jeFreundschaft zu ertheilen, hat mein erhabener Herr- währt. Bei dem Neujahrsempfang in den dem Jahre zur selben Zeit wenden wir uns zurück scher mir aufgetragen, in seinem Namen dem kaiser- Tuilerien hielt der Kaiser diesmal, wie die Presse" in die Vergangenheit und werfen unseren Blick in lichen Prinzen die Insiguien seines Ordens vom meldet, das diplomatische Corps längere Zeit als die Zukunft. Schäßen wir uns glücklich, wenn heiligen Stephan zu überreichen. Se. Majestät gewöhnlich zurück, und richtete an einen jeden der wir, wie heute, vermögen, uns gegenseitig zu behält darauf, daß der Thronerbe Frankreichs früh Vertreter der auswärtigen Mächte einige Worte. glückwünschen, Gefahren vermieden, Befürchgungen das aufrichtige Interesse kennen lerne, das Diesel- Bei Empfang des Präsidenten Walewski und der ein Ende gemacht und die Bande enger gezogen zu ben für ihn hegen und das ihm niemals fehlen Deputirten äußerte der Kaiser: Er nehme mit Ver- haben, welche Völker und Könige verbinden. Schäßen wird." Der Kaiser hat, laut dem ,, Moniteur", in gnügen diese Glückwünsche entgegen als einen Be- wir uns besonders glücklich, wenn die aus den hinseiner Antwort geäußert ,,, daß er selber, und zwar weis für die Eintracht, welche zwischen den gro- ter uns liegenden Ereignissen geschöpften Erfahburch ein Schreiben, dem Kaiser von Desterreich ßen Staatsförpern bestehen müsse und welche das rungen uns gestatten, eine lange Reihe von Tagen für den Beweis von Interesse danken werde, den Glück des Vaterlandes ausmache. Man ver- des Friedens und des Gedeihens anzukündigen." er seinem Sohne ertheilt habe, ein Schritt, der ihn sichert, daß der gefeßgebende Körper am Der Kaifer dankte dem diplomatischen Corps für tief gerührt habe." Der Kaiser setzte hinzu, der 22. ober 29. Januar zusammentreten wird. feine Glückwünsche. kaiserliche Prinz werde stets dieser hohen Kundge- Die neuesten Nachrichten aus Mexico, wie sie ,, Mo- Italien.[ Die Taktik der Linken. bung von Fürsorge von Seiten eines Herrschers, niteur" und" Constitutionnel" geben, wiffen über die Römische Truppenwerbungen. Der Neudem sein Vater eine aufrichtige Freundschaft geweiht fortschreitende Pacification und die Unterwerfung jahrsempfang beim Papste.] Die parlamenhabe, eingedenk bleiben." Sincère amitié? Wer der juaristischen Führer nur die alten allgemeinen tarische Linke hat am 28. Dec. im Diritto ein mir zu einer Anleihe verhilft, der hat mich, dessen Rebensarten zu wiederholen. Das martialische Programm ihrer auswärtigen Politik veröffentlicht, ,, aufrichtige Freundschaft" ist mein Leitstern in fin- October- Decret scheint in seiner Strenge doch nicht worin sie die alte Politif der europäischen Revosterer Nacht. Vorläufig jedoch dürfte dieselbe über zur Ausführung zu kommen, da von der Auswechs- lution vollständig fallen läßt, von der activen Soliben Charakter einer bloßen Demonstration faum lung faiserlicher und juaristischer Gefangener die darität der Demofratie des Festlandes nichts mehr hinausgehen und höchstens Engländern und Ame- Rede ist. Beachtung verdient die bereits in der wissen und die internationalen Rechte und Rückrikanern, besonders aber den Russen und nicht min- Ausführung begriffene Concentration der französ fichten als Regel befolgt sehen und nur, wenn das Feuilleton. Bilder aus dem Arbeiterleben. Von Gustav K. III. Kampf zwischen Arbeit und Kapital. 2. Das Weib. Den deutschen Arbeiterinnen gewidmet. ( Fortsetzung.) Des anderen Tages erschien Kugler mit seinem Onkel bei mir, ersterer, um seine Danksagungen zu wiederholen, letzterer, um mir die Summe zu übergeben, die als Preis auf Rettung seiner Großnichte gesetzt war. Lange schwankte ich, ob ich diesen Geldbetrag annehmen follte; als mir jedoch Herr Kugler sen. seine Vermögensverhältnisse mittheilte, bielt ich es für ein falsches Ehrgefühl, noch länger auf meiner Weigerung zu bestehen. Daß mir die Freundschaft jener wackeren Männer noch willkommener war als jene Geldsumme, bedarf wohl feiner Versicherung. In der That kann ich nie ohne innere Befriedigung auf jenen Theil meines Lebens zurüdblicken. Kugler sen. war nicht allein ein gereifter, sondern auch vielseitig gebildeter Mann. Er wählte daher zum Gegenstande seiner Unterhaltung fast niemals Dinge von Alltäglichkeit, sondern es erhob sich dieselbe stets über das Niveau des Gewöhnlichen und war überhaupt für Geist und Herz gleich anregend. Sein Neffe war durchaus nicht mehr der ehemalige leichtsinnige Brausekopf. Die berben Erfahrungen im Auslande hatten seinem Character endlich einmal feste Form verliehen und seine Vorliebe für Alles Kühne, Wagebälsige, war nach und nach erloschen. Durch die Reichthümer seines Onfels war er aller Sorgen enthoben und benutzte seine sorgenfreie Lage nun dazu, sich in behaglicher Ruhe von den Strapazen seines bewegten Lebens zu erholen. Doch noch ein harter Schlag sollte ihn treffen. Seine Tochter, die ich damals mit Lebensgefahr aus den Flammen gerettet, fränkelte seit jener Zeit fortwährend. Die Aerzte erklärten dies als Folge jener unheilvollen Nacht, riethen und verschrieben so lange, bis das unglückliche Kind endlich bleibend an's Krankenlager gefesselt wurde, von dem es nicht wieder erstehen sollte. Nie werde ich die Zärtlichkeit vergessen, mit der Kugler seine Tochter pflegte und was diese um so rüh" " render machte, das war der tiefe Schmerz der sich dann und wann in seinen Zügen zeichnete, dessen Ursache jedenfalls ein schreckliches Unglück aus den Tagen seiner bewegten Vergangenheit sein mußte. Er opferte seinen Schlaf und seine Ruhe, um Tag und Nacht an dem Bette seines Kindes zu weilen, seine Wünsche noch im Reime zu befriedigen, seine Schmerzen zu lindern. Umsonst, umsonst, der Tod ließ sich seine Beute nicht entreißen, eines Tages stand Kugler an der Leiche seines Kindes. Der starke Mann schwankte wie ein vom Sturm bewegtes Rohr. Ich habe es verdient, rief er in wilder Verzweiflung, ich war die erste Tochter nicht werth, nur deshalb verliere ich die andere. Erschrocken hielt er jedoch inne, als er meine Gegenwart bemerkte und war seit jener Zeit bei Weitem vorsichtiger. Die Zeit verging und ihr, der Allmächtigen, gelang das anscheinend Unmögliche, nämlich den Schmerz Kuglers um seine todte Tochter zu mäßigen. Freilich konnte er ihr Andenken nie bleibend aus feinem Herzen tilgen und von Zeit zu Zeit sandte er der Entschlafenen die rührendsten Klagen nach. Weit gefaßter ertrug er den Tod seiner Frau, der einige Monate nach dem Tode seiner Tochter erfolgte, ja sein ganzes Verhalten grenzte dergestalt an Gleichgültig keit, daß ich mich nicht enthalten konnte, einige Bemerkungen darüber zu machen. Einige Augenblicke sah mich Kugler forschend an, mit so seltsamem Blick, daß ich sofort abnte, heut werde er mir die Auflösung geben all des Räthselhaften, das in seinem Benehmen lag, und in der That war unser beiderfeitiges Verhältniß ein so inniges geworden, eine obwohl kurze, so doch bewegte Zeit hatte uns zu so innigen Freunden gemacht, daß ich zu jener Hoffnung wohl be rechtigt war. Ich täuschte mich nicht, denn nach einer Weile hob Kugler, indem er meine Rechte ergriff und sie feft zwischen beiden Händen preßte, mit nachdrucksvoller Stimme an: Eduard, ich wollte eigentlich mit meinen Eröffnungen zögern, indeß Ihre Worte beschleunigen dieselben und ich sehe keinen Grund, noch länger vor Ihnen zu verbergen, was sie doch unbedingt erfahren müssen, es sei frith oder spät. Hören Sie zu: Einst war ich glücklich. Einst war ich im Besitz eines colossalen Vermögens und was diesen Mammon vollkommen aufwog, im Besitz zweier Töchter. Und jetzt sind beide verloren, die eine verkauft, die andere todt. * Hier hielt Kugler inne, eine Thräne drängte sich aus seinem Auge und seine Bewegung ließ ihn seine Rede nicht fortsetzen. Er bot einen erschütternden Anblick, dieser Mann, der in rastlosem Fleiße mit todesverachtender Kühnheit seinen Fuß fast über alle Welttheile gesetzt und doch bei der bloßen Erinnerung die Schwäche eines Kindes zeigte. Denn, Leser, sie sind fest, die Bande, die das Familienleben um unsere Herzen schlingt und ihre Trennung verursacht Wunden, die oft schmerzen bis zum Abend unseres Lebens, welche bei der geringsten Bewegung, kaum verbarrscht, wieder aufbrechen, die Trennung werde nun durch die Hand des Todes oder durch eine grausame Nothwendigkeit vollzogen. Und diese Schmerzen ste werden gleichmäßig empfunden, in der Hütte der Armen wie in den Palästen der Reichen, aber der Arme, der Arbeiter ist ihnen öfter ausgesetzt und von seiner Lippe tönt täglich der Fluch über die Kapitalherrschaft, die ihn hinaustreibt in die weite, weite Welt, um nicht zu verhungern, dort wo ihn Kameradschaft und Liebe, Freundschaft und Vaterland fast unauflöslich fesselt. Das ist eine traurige Wahrheit und wer sie bestätigt haben will, der betrachte die Schaaren unserer Auswanderer, die durch Noth und Elend aus ihrer Heimath vertrieben, fremde Welttheile aufsuchen, um ihr tägliches Brot zu erwerben, und doch wäre hier Raum genug für Alle, wenn nicht gewisse Klassen besondere Privilegien in Anspruch nähmen, die, fie tragen Namen welche sie wollen, doch nur auf Ausbeutung des Schwächeren, des Aermeren hinauslaufen. Wir erwähnen dies nicht, um es speziell auf die Lage Kuglers anzuwenden, nein, weshalb er seine Heimath verließ, geschah allerdings in Folge der jetzigen Organi sation der Kapitalherrschaft, aber ihn trieb, wie dem unglücklicheren Arbeiter nicht die Geißel des Elends, sondern sein Materialismus, der sich damals bei ihm zu einem so bohen Grade entfaltet hatte. Theuer mußte er seinen Leichtsinn bezahlen, sein Schmerz zeugte dafür. rungen, fuhr er fort: Ich habe es verkauft, verkauft für Nachdem er sich mühsam wieder einige Fassung erelendes Geld mein einziges Kind, aber glauben Sie, es war die Nothwendigkeit, die mich dazu trieb, glauben Sie, ich habe meinen Frevel theuer bezahlen müssen. Das Andenken daran vergiftet meine Freuden, stört meinen Schlaf, raubt mir Tag und Nacht meine Kräfte und meine Rube. Sie kennen meine Reise nach Californien. Sie wissen, daß mich meine Familie begleitete und daß r= er [= e J