Nr. Berlin, Sonnabend den 6. Januar 1866. Zweiter Iahrgan.q. Zocial-Demokrat. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hosstetten und I. B. v. Tchweitzcr. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraste Nr. 85. Abonnements- Preis fiir Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen irerden auswärts auf allen Postämtern, in Berli n aus der Expedition, natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Spandauerbriicke 3, sowie ämtern'22 Vs Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmanu" entgegen genommen. land 18� Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. 1. 45. südd., st. 1. 50. österr. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Arbeirer-Annonccn mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mir 8 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Linie Xew-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Kue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saiut-Andrd-des-Arts. Bestellungen fiir das erste Quartal 1806 werden fortwährend(auswärts auf den Post- ämtern) angenommen. politischer Thcil. Berlin, 5. Januar. Die deutsche Presse und den„Social- Demokrat" betreffend, haben, wie vorauszu sehen war, fast sämmtliche deutsche Blätter, ob fortschritllich oder rcactiouär, mit wenigen ehren- vollen Ausnahmen, die Veranlassung zu der be- kannten, principiell völlig bedeutungslosen Aen- derung in unseren; Titel zu tendenziösen Darstelltin- gen benutzt, wohl wissend, daß, wenn eine wirk- liche Spaltung zwischen dem Parteiorgan und dem Allgemeinen deutschen Arbeiter- Verein ein- treten oder gar erstereö eingehen würde, die Agita- tionen des letzteren einen die Bourgeoisie und Kreuzzeitungsmänner wenig niehr beunruhigenden Charakter annehmen müßten, da man dann seine Zu- flucht wieder zum Todtschweigen nehmen könnte, waS der, noch dazu in Berlin erscheinende,„Social- Demokrat" unmöglich niacht. Ohne unS hier auf nähere Erörterungen einzulassen, weßhalb wir jener Aufforderung des Vereins-Vicepräsidenten Foige leisten zu müssen geglaubt haben, obwohl wir von seiner Jncompetenz dazu ebenso überzeugt waren, wie wir eS in diesem Augenblicke noch sind, wollen wir vielmehr der deutschen liberalen und conser- vativen Presse, die uns stets in dergleichen Fällen, in bewunderungswürdiger Harmonie, so hohe Auf- merksamkeit zu Theil werden läßt, wiederholt Ge- legenheit geben, dies zu thun, indem wir sie hier- mit auffordern, auch von der uns betreffenden Kundgebung des von den Mitgliedern des Vereins einstimmig erwählten neuen Präsidenten, Herrn C. W. Tölcke, Notiz nehmen zu wollen. Derselbe macht nämlich in einer, in der dies- jährigen Nr. 1 unseres Blattes veröffentlichten, An- spräche an die Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.- Vereins Nachstehendes darüber bekannt: Nach einem Beschlüsse der letzten General- Versa in mlnng in Betreff des mit der Redaction des „Social-Demokrat" anderweit abzuschließenden Vertrage« hat der Vorstand darüber zu entscheiden, ob das seitherige Verein«- Organ durch seine Haltung das An- recht aus den Titel„Organ des Allgem. deutsch. Arb.« Vereins" verwirkt hat, nicht aber der zeitweilige Präsident, oder gar einzelne Gemeinden. Da zudem nach§. 5 des Statuts über die innere Organisation, den Geschäftsgang, die Förderun gs mittel u. s. w. der Vorstand zu befinde» hat und der Prästdent nur in dringlichen Fällen Anordnungen Vorbehalt- lich der einzuholenden Genehmigung des Vorstandes treffen kann;— da ferner der Vertrag des Hrn. Becker mit der Redaction durch den Rücktritt des Ersteren nicht erloschen ist, weil er von Seiten des Herrn Becker Namen« und für den Verein abgeschlossen worden, die General-Versammlung über die Frage, ob der Ver- trag durch den Rücktritt des Herrn Becker erloschen sei - und der„Social-Demokrat" dadurch aufgehört habe, , Vereins-Organ zu sein, einen Beschluß gar nicht gesaßt hat;— aus diesen Gründen werde ich bis zur inäheren Entscheidung de« Vorstandes und in Ermangelung eines andern Vereins-Organs —— alle allgemeinen amtlichen Erlasse durch den „Social-Demokrat" zur Veröffentlichung bringen, besondere Mittheilungen in geeigneter Weise. Den Vorstand werbe ich zur Entscheidung dar« über veranlassen, ob ich nach dem letzten Vorgehen des Herrn Vice-Präsidenten noch den Versuch machen soll, den von der General-Versam mlnng beschlösse nen neuen Vertrag des Präsidenten mit der Redaction; des„Social-Demokrat" zu Stande zu bringen.— Von der Entscheidung setze ich den Berein sofort in Kenntniß. Wir sind sehr begierig, zu sehe», wie viele Blätter die Ehrenhaftigkeit haben werden, dieser Kundgebung der jetzigen Vereinöleilung die gleiche oder nur ähnliche Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen.____ Deutschland. * Berlin, 5. Januar. sZur H a b s b u r g- H o h e n z o l l e r n' s ch e n A l l i a n z�j wird der„Rhein. Ztg." aus Wien vom 31. v. über das angeb- lich österreichisch-französische Bllndniß geschrieben: Fürst Metternich hat die sriedlichen Dispositionen Louis Napoleon'« besser zu benützen gewußt, al« seiner Zeit Herr v. Bismarck in Biarritz und in den Tuilerien. Sie können als gewiß annehmen, daß die Ausgleichungs- Vorschläge des französischen Kaisers für Oesterreich und Italien so festen Boden gesunden haben, daß der Abzug der rothen Hosen aus der ewigen Stadt nur ein weite- � res Glied des in Aussicht stehenden Abkommens zwischen hier und Florenz ist. Unsere Diplomatie hat wohj ge- fühlt, daß die Interessen des heiligen Vaters sich vor den Forderungen zur Erhaltung des europäischen Frie- den« beugen müssen. Herr v. Hllbner war in Rom nicht in der Lage, den Forderungen de« Papstes die Unter- stützung Oesterreichs zu sichern, obwohl die Ultramonta« nen am hiesigen Hofe mit allem Eiser diese« Ziel ver« folgt haben. Sie werden dies begreiflich finden, wenn Sie Folgendes hören: Da« österreichisch-italienische Abkommen soll, nach un- seren Erkundigungen, zwischen den gegenwärtigen vier Besitzern des italienischen Territoriums(Victor Emanuel, Pius IX., Franz Joseph und Lonis Napoleon) durch einen Qnadrupelvertrag so abgeschlossen werden, daß der gegenwärtige Besitzstand als Basis desselben zu gelten hätte. Kommt dieses Arrangement zwischen Frankreich, Oesterreich und Italien zu Stande, so wird sich der Papst demselben anschließen müssen, ohne jene Begünsti- gung zu finden, um derentwillen er schon so lange in Unterhandlung mit der italienischen Regierung steht. Das hiesige Cabinet hatte keine Wahl, als Fürst Metternich jene Proposition zuerst aus dem Munde ves Herrn Drouin de L'huqs erfuhr. Allerdings gehen un- sere Staatsmänner nur deshalb aus die Verhandtungen ein, um Frankreich während derselben für die östreichische Auffassung der Herzogthümerfrage aus seiner Seite zu haben. Sie können sich überzeugt halten, daß dieselben Diplomaten, welche den Berlragsentwurs mit Italien begünstigen, den geschlossenen Traktat init eben solcher Leichtigkeit brechen werden, wie Louis Napoleon den Zü« richer Vertrag gebrochen hat. Man kann in ihren hie- sigen Kreisen die Aeußernng hören, daß die« projektirte Abkommen nur als eine vorübergehende Erscheinung zu betrachtet, sei und daß Oesterreich ein so bindendes Ver- hältniß lösen werde, sobald der richtige Moment gekom- me». Vorläufig halte man in erster Linie an der Roth- wendigkeit fest, den Prätensionen Preußens auf die Elb- herzoglhümer ein Paroli mit der französisch-italienischen Allianz zu bieten. Mit diesem Conp seien die Bemühnn« gen Bismarcks vereitelt, die er mit dem Handelsvertrage in Italien und mit seiner Person in Frankreich zu er- streben hoffte. Loui« Napoleon werde nicht verfehlen, da« Eabinet von St. James mit in den Kreis der neuen Coalition zu ziehen. In wie weit diese Nachrichten �uverläßig sind, vermögen wir nicht mit Bestimmtheit zu bezeichnen. Daß aber Fürst) Metternich in seinen Bestrebungen, ein besseres Einvernehmen zwischen der Hofburg und den Tuilerieen herzustellen, nicht unglücklich war, liegt aus verschiedenen Gründen klar zu Tage, sowie, daß die Habsburg-Hohenzollern'sche Allianz sich bald zu Ende geneigt haben wird. —[Zur Elbher zogthü m erfrages stellen die preußischen Ofsiciösen' und in ihrer neuesten Nummer auch die„Köln. Ztg.", welche bereits schwankend geworden war, entschieden in Abrede, daß die bekannten Behauptungen, bezüglich der oppositionellen Haltung Rußlands irgend welchen Grund hätten. —[Aus den Elbherzogthllmern�, aus Rensburg, wird vom 4. Januar telegraphirt, daß die dortigen Besatzungsverhältnisse nach Art der Bnndesfestungen dahin geordnet sein sollen, daß FML. v. Gablenz den Posten eines Ober-Gou- verneurs von Rendsburg übernimmt, während der preußische Generalmajor von Kaphengst Festungs- Commandant bleibt. — sDie Bundes- Liquidations- Com- missions zur Feststellung der Entschädigung für die schleswig-holsteinischen Exekutionskosten Hau- noverö und Sachsens hat, wie die„Sp. Ztg." meldet, ihre Aufgabe gelöst. Die Eommission be- willigte aus politischen Rücksichten eine Mehr- kostenforderung Sachsens von 6G,(X>G Thlrn. für die Umwege, welche seine Truppen auf dem Rück- marsche einschlugen. —[Die„Kölnische Zeitung"f schreibt neuestens wieder:„Wir sind vollkommen cinver- standen mit der Opposition gegen die innere Politik des Ministeriums Bismarck"(einverstanden wohl, doch überlassen wir es Anderen, sie zu machen); „aber in der auswärtigen Politik kennen wir nur Ein Interesse: das preußische," was so viel heißen soll, als: dem„Auslände" gegenüber kennen wir nur ein preußisches In- teresse. Für das preußische Interesse, und daher auch für das der„Köln. Ztg.," gehört aber be- kanntlich auch das übrige Deutschland zum„Aus- land." Und dtfse Leute, wie die„Kölnische" und ihr Anhang, nennen sich„Nationale" und sprechen von einer„deutschen Nation," mit der doch der preußische Staat eben so viel oder eben so wenig zu thun hat, wie der Württembergische oder Hessen- Homburgische oder sonst ein Bruchlheil des zer- �'isenen deutschen Vaterlandes. *'* Wien, 3. Jan. sDie Stimmung. Fi- nanzmisere. Graf Larisch. Klagen über die Presse. Polizeimastregeln gegen die- selbe. Siebenbürgisches.� Die Stimmung ist hier fortwährend nichts weniger als eine er- freuliche, wozu das noch am Jahresschlüsse ver- öffentlichie Finanzgesetz nicht wenig beitrug. Das- selbe enthält zwar einen Nachlast von drei Zwölf- teln des Grundsteuer-Zuschlages�, von dem der Herr Finanzminister wohl eine moralische Ein- Wirkung gewärtigt, die selbstverständlich auf den Grundbesitz berechnet ist. Dagegen weist der Vor- anschlag für das laufende Jahr abermals eine De- sicit von 40 Millionen Fl. aus. Man fragt sich daher, wie die Regierung eS für geeignet erachtet, eine Klasse der Steuerträger ausschließlich zu er- leichtern, anstatt den' ungedeckten Mehrertrag des Ausgabe-Budget« herabzusetzen. Der für eine im Herbst eventuell in Aussicht ge- stellte Reichsralhs-Session in Rechnung gebrachte Betrag von 486,000 Fl. giebt zu verschiedentlicken Bemerkungen Anlast. Einen nachhaltigern Eindruck rief jedoch die am Schluß des Vortrags an den Kaiser von dem Grafen Larisch erhobene Anklage hervor über die gegen seine Finanzverwaltung an- geblich gerichteten maßlosen Angriffe. Viele sind geneigt, darin die Andeutung von gegen die Presse beabsichtigten Beschränknngsmastregeln zu erblicken. — Sämmtlichen Journaldruckereien ist durch die Polizei der Druck an Feiertagen verboten worden. DaS schon auf de» NeujahrSIag angekündigte Erscheinen mehrerer Blätter ist deshalb unter- blieben.— Von hier wird telegraphirt, daß die Abgeordneten Siebenbürgens durch Kaiserliches Rescript nach Pest berufen wurden, um daselbst die Unionsverhältnisse definitiv zu regeln. Die Sanction der Union durch den Kaiser ist bis zur erfolgten Lösung der staatsrechtlichen Frage vor- behalten. Der Siebenbllrgische Landtag wird in- zwischen vertagt._ Ausland. * Paris, 3. Jan. jTagcsbericht.f In einer Partciversammlung der Oppositionsmitglieder bei Hrn. Biarie wurde beschlossen, die Mexikanische Frage zum Hauptgcgenslande ihrer Anstrengungen zu machen, um die Regierung ans bessere Wege zu bringen.— I» der offiziösen Presse scheint man die fruchtlosen Bemühungen, das Publikum über die Lage der mexicanische» Angelegenheiten im Un- klaren zu halten, allmählich aufgeben zu wollen. So fragt der„Eonstitutionnel" heute am Schlüte seiner staatsrechtlichen ilkote über die jetzige Stel- lung Juarez' und sein Verhältnist zu Ortega, ob Feuilleton. FmhcitsK ämpfrr. Frei sei mein deutsches Vaterland Vom Weichselstrome bis zum Rheine, Von Meeresstrand zu Mecresstrand, Frei sei mein Vaterland, daS Eine! So ruft er laut, mit Donnerton, Daß nicht sein Volk in Ruh' sich belle— Was war des Freiheitsredners Lohn? Der Kerker und die Eiseukelte. Frei sei mein Volk von Angst und Roth, Die es so lange fest umwanden; Frei von der Fürsten Machtgebot, Bon allen Kelten, allen Banden. So schreibt er hin trotz finst'rem Droh'n, Daß er sein theures Volk errette— Was war des Freiheitsschreibers Loh»? Der Kerker und die Eisenkette. Dir deutsches Volt, dir Vaterland, Euch gelten alle meine L'eder. Frei sollt ihr sein, und Hand in Hand, So will ich sehen meine Brüder; Der Freiheit bau' ich einen Thron, Und jedes Herz sei ihre Stätte— Was war des Freiheitssängers Lohn? Der Kerker und die Eisenkelle. „Die Freiheit hoch!" Wie Wetterschlag Zermalmt sein Schwert die feilen Knechte; die Vereinigten Staaten auch noch ferner dem Ex- Präsidenten, der jetzt offenbar die republikanische Constitution Mexico'S verletze, ihre Sympathie und Unterstützung zuwenden wollten? Bis zu diesem Augenblicke gehen also die Bereinigten Staaten wirklich mit ihrer Zuneigung noch in der Irre, und die Belehrung des„Eonstitutionnel", daß nicht Juarez, sondern Ortega jetzt das constilulionelle Staatsoberhaupt von Mexico sei, wird sie schwer- lich von der Meinung abbringen, daß der Kaiser Maximilian in keinem Falle in der ehemaligen Republik etwas zu suchen habe. Uebrigens sorgt man.»och imnier dafür, daß die hier einlaufenden Nachrichten dem Publikum nicht mehr sagen, als man für gut hält. Wenn daher eine Depesche meldet, daß nach dem„Commercial Advertiser" die Fran- zosen in zwei Monaten Mexico verlassen würden, so unterdrückt nian sie, obwohl die Börse und auch das ganze Land sie mit Freuden begrüßt haben würde.— Ein Brief des Fürsten Cuja an Fuad Pascha er- regte wegen des im höchsten Grade anmaßenden und rücksichtslosen Tones allgemeines Aufsehen, sowie er begreiflicher Weise bei alleu in den ro- manischen Staaten lebenden Griechen hohe Billi- gung fand. Dieselben haben in Folge dessen eine Adresse an den Fürsten aufgesetzt, in welcher sie ihm Glück wünschen zu dem entschlossenen Vor- gehe», das er begonnen. Ihrer Ansicht nach ist Fürst Cusa„bestimmt, in der bevorstehenden Neu- belebung des Orients noch eine große Rolle zu spielen." Auf diese Adresse erließ Cusa eine Ant- wort, die man Sorge trug, in's Griechische über- setzen und gratis rertheilen zu lassen. Die Politik, welche das Antwortschreiben und die Adresse selbst durchblicken lassen, entspricht ganz einer vor etwa drei Monaten bei Dentu erschienenen Broschüre i „Die Gefahren der orientalischen Frage," welche damals die politische Welt so lebhaft interesfirte, daß die Türkei es für nöthiz hielt, durch zwei ähn- lick betitelte Flugschriften zu antworten. Die Be- völkerunzen jener unter der Suzerainetät der Pforte stehenden Länder werden nun, so scheint es, in dem Sinne bearbeitet, sich für ein Schutz- und Trutz- bündniß zwischen Griechenland, Serbien, Monte- negro und den Donau-Fürstenthümern auszusprechen, um auf diese Weise eine vom Sultan unabhängige Vereinigung bilden zu können. Die Stellung, welche die westeuropäische Diploniatie zu dieser neuen Eon- stellation cinnchnicn dürfte, läßt sich zur Zeit noch nicht genau erkennen. Fürst Cusa scheint eben nicht allzu viel Sympathieen in London und Wien zu besitzen. Wenn es aber wahr ist, wie die hie- � sigen Officiösen behaupten, daß die gegenwärtige Intimität zwischen Oesterreich und Frankreich zu- nächst dadurch angebahnt worden sei, daß Fürst � Metternich mit„glücklicher Offenheit" Drouyn de � Verwundet sank er in den Hag Nach heißem, blutigem Gefechte: „Freiheit! ich lasse nicht davon Und wenn ich tausend Leben hätte"— Wa« war des Frei Heils hel d en Lohn? Der Kerker und die Eisenkette. Nicht lockend ist der Lohn fürwahr, Den jene Kämpfer sich gewonnen; Die Freiheitsliebe birgt Gefahr, Der selten Jemand noch entronnen. Und dennoch! Der Gefahr zum Hohn, DaS Leben gilt's in dieser Wette: Die Freiheit wird uns doch zum Lohn, TrotzKerker und trotz Eisenkette! W. Hasenclever. Lilder aus dem ZUbciterleben. Von Hutiao K. III. Kampf zwischen Arbeit und Kapital. 2. Das Wei b. (Fortsetzung.) Da erscheinen denn jene thränenreichen Stunden, die jedem fühlenden Menschen wohl oder übel die Thränen in's Auge rufen, in denen�sich das Kind mit blutendem Hersen aus den Umarmungen liebender Eltern reißt, und dieser Schmerz wäre wohl noch bis zu einer gewissen Grenze zu dulden, wenn sich eben nicht zu dem Weh der Trennung noch das bittere Gefühl gesellte, für Geld, nur für Geld die heiligsten Güter zu opfern. Lhuys um seine Meinung in Bezug auf die Her- zoglhümer-Fragc angegangen und hinzugefügt habe, daß das Wiener Kabinel bereit sei, die Audeutun- gen besonders in Betracht zu ziehen, welche ihm darüber aus den Tuilerieen zugehen würden,— wenn dies wahr ist, so könnte wohl auch Frank- reich einmal aus gleicher„Höflichkeit" die Ansichten Oesterreichs über die Donau-Fürstenthümer anneh- nien und zu de» seinen machen.— Der gesetzgebende Körper wird definitiv am 29. Januar zusammentreten. Graf Walewski wird die Eröff- nungsrede halten, dann aber den Borsitz Herrn Leroux übergeben, bis seine eigene Wahl bestätigt ist. Wahrscheinlich wird er einige Angriffe zu ge- wärtigcn haben, bei welcher Gelegenheit überhaupt das Princip zur Erörterung komnien dürfte, nach welchem man einen Präsidenten ernennt, der noch nicht vollgültiger Deputirter war. Rouher wird an diesem Tage die Vertheidigung der Regierung übernehmen. * Italien.[Der neue Finauzmi nister. Die Regierung und der Zollvereins vertrag. j Scialoja, soll, wie verschiedene Blätter behaupten, da« Fmanzprojekt seines Vorgängers Sella im Wesentlichen aufreckt erhalten, nur im Kriegs- und Marine-Budget größere Ersparnisse eintreten lassen wollen.— Die Regierung weigert sich, den mit dem Zollvereine geschlossenen Vertrag vor der Ratification desselben seitens aller zum Zollvereine gehörigen Staaten dem Parlamente vorzulegen. * Spanien.[Militäraufstand. j Aus Madrid wird vom 4. d. M. telegraphirt: Am 3. d. M., Morgens, haben sich die beiden, in Aranjue; und Ocanna kantonirendcn unvollzählige» Ca- vallerie-Regimenier empört, die Anführer und die Mehr- zahl der Offiziere aber an der Empörung nicht Theil genommen. Der Marineminister General Zabala ist mit einer starken Trnppenkolonne sofort zur llnterdrückung des Ausstandes ausgebrochen. Er verfolgt die in Unord- nung sich zurückziehenden Insurgenten, welche anschei- nend die Absicht haben, die Berge von Gnenza zu ge- Winnen. An der Spitze der Insurgenten steht General Prim. Man schreibt diesem Ausstände wenig Bedeutung zu; derselbe findet in der Bevölkerung keinen Anklang und keine Sympathieen. In der Provinz herrscht voll- kommene Ruhe. * Amerika.[Congreß Nachrichten. Die Neger. j Vom Senate ist an den Präsidenten Johnson die Anfrage gerichtet worden, auf Grund welcher Beschuldigungen Jefferson Davis in Fort Monroe gefangen gehalten sei und weshalb der Prozeß gegen ihn nicht ini Senate geführt werde. Der„New-Aorker Heralb" befürwortet jetzt mit Eiser die Freilassung des weiland Präsidenten der Conföderalion; denn er vertrete Millionen von Männern, die sich unterdrückt geglaubt und sich zur Erkämpfung der Freiheit erhoben hätten.— Hr. Und daheim härmt sich vielleicht die liebende Mutter, die so gern, so gern bis zur nahen Todesstunde ihre scheidende Tochter an ihrem Krankenlager gesehen hätte, aber,»nd das ist es, was dem Trennnngsschmerze den eigentlichen Stachel verleiht, der Luxus, das Kapital, sie bedürfen der Kräfte de« Mädchens, und wiegt dies nicht da« Leben eines armen, alten, elenden WeibeS vollkom- men auf? Wenn nur des Reichen Wunsch--- Wie können sie dich auch lieben, dich achten, armes Wesen, das mit dem Fluche der Arbeit schon in den frühesten Kinderjahren belastet war! Ihr fragt- Mit dem Fluche der Arbeit? Freilich verstehen wir darunter nur die Arbeit in ihrer jetzigen Organisation, Arbeit, die, verflucht von Millionen, nicht segenbringend sei» kann, Arbeit, wie sie sich unter der Krpitalherrschasl nicht an- ders entwickeln konnte, Arbeit, bei deren Betrachtung sich uns immer von Neuem die Nothwendigkeit ausdringt, die Herrschaft des Kapitals mit wuchtigen Schlägen zu zer- malmen, Arbeit, wie sie dem Weibe zu Theil wird, das schütz- und hilflos der Kapitalherrschaft gegenübersteht, Arbeit, die, wir können es nicht genug wiederholen, die Erziehung, dies Fundament menschlichen Glückes, hemmt und das Laster begllnstlgt. „Denn die Eltern müssen leben nud können ihre Kinder nicht zur Schule schicken, wer wollte ihnen Zeit und ArbcitSverlust ersetzen?!—— Also spricht man im Eldorado unserer Fortschrittler, in England.")(Authen- tisch!—) *) Wer übrigens Ohren zum Hören hat, kann eS auch hier, selbst in der Stadl der Intelligenz, zu hören bekommen. Der Verf.