Nr. S Berlin, Sonntag den 7. Januar 1866. Zweiter Jahrgang. Social-Dtinollrnt. Diese Zeitung erickeint taglich mit Ausnahme der Soun« und Festlage. Organ der social-dcmokratischen Partei. Redignt von A. B. v. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements- Preis silr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo< Bestellungen werden auswärts aus allen Postämtern, in Berlin aus der Expedition, natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Spandauerbrücke 3, sowie änitern 22'/z Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. land 18�4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr. ist. 1. 45, slldd., st. 1. 50. ijsterr. � Inserate sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Arbeiler-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: blr. Lencker, 8. lüttle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rne Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-AndriS-des-Arts. Bestellungen für das erste Quartal 1866 werden fortwährend(auswärts auf den Post- ämtern) angenommen. politischer Theil. Deutschland. � Berlln, 5. Januar.[3ur Elbher zog- thünierfroge] bezeichnet der Wiener„Wanderer" eine Mittheilung mehrerer Zeitungen, daß sich in der Herzogthümerfrage eine bedeutungsvolle Wendung vorbereite, und die Westmächte eine Wiederaufnah- me der Londoner Confcrenz anregen wollen, als Erfindung. — sÄus den Elbherzogtbümern� verlautet, nach einem Berichte des„Alt. Merk." ans Rends- bürg, bezüglich derTruppenvcrhältnisse, daßdas Gvu- vernemeni von Schleswig demnächst als Ersatz für die abziehenden preußischen Regimenter eine Re- krutirung unter der Bevölkerung Schleswigs im Maßstabe von Eins vom Tausend vornehmen und die ausgehobenen Infanterie- Rekruten unter die dort verbleibenden preußischen Regimenter einreihen, theilweise aber auch für die Marine rekrutiren werde. — fPreußische Preßschicksal e.f Perurtheilt wurde die„Staats bürg er-Zeitung" in ihren Re« daeteuren je zu acht und drei Wochen Gesängniß; consiscirt in Berlin die zu Mannheim erschienene Broschüre von E. Homburg-„1813—1848, Rückblick auf Deutschland und Frankreich."— Aus Königsberg schreibt man: Dumas, der gewesene Redakteur des ge- wesenen„Verfassungsfreund", hat nunmehr ein Jahr Preßgefängnisses überstanden, er wird dieser Tage das Gesängniß ans vier Wochen verlassen, Um nach dieser Pause noch ein Jahr Gefängnißstrafe wegen Preßver- gehens zu erleiden.— Freigesprochen ist die„Elber- selber Ztg." auch in zweiter Instanz wegen eine« der ,,N. Frks. Ztg." entnommenen, angeblich den Herrn v. Bismarck beleidigenden Artikels. — sS tatist ik derWienerPreßprozess es wegen politischer Verbrechen und Vergehen. Im Jahre 1865 fanden, nach einer amtlichen von der„Wiener-Zeitung" veröffentlichten Zusammenstellung folgende Hanplver- Handlungen in Preßsachen wegen Verbrechen und politischer Vergehen statt: 1) Gegen die Zeitschrift„Ost und West" wegen des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe, strafbar nach s- 65 Ilt. a St. G., worüber der Angeklagte zu Kerker von 4 Monaten ver- urlheilt, welche Strafe jedoch in Folge der Begnadigung nicht vollstreckt worden ist; 2) gegen die„Morgen-Post" wegen des nneigentlich politischen Vergehens des Ar- tikel VIII. der Strafgesetz-Novelle(Erörternng der Be- weiskraft vor der Urtheilssällung), worüber aus Geld- strafen erkannt worden ist; 3) gegen die„Neue Freie Presse" wegen des Vergehens der Gutheißung einer strafbaren Handlung, strafbar nach Z. 365 St.-G., worüber auf acht Tage Hansarrest erkannt worden ist; und 4) gegen die„Debatte und Wiener Lloyd" wegen Aufwiegelung und Gutheißung einer strafbaren Hand- lung, strasbar nach den ss- MV und 305 St.-G., worüber aus Arrest von 14 Tagen erkannt, welche» Urtheil jedoch bisher nur bezüglich des Vergehens des Z. 305 und der ! Strafe rechtskräftig geworden ist. Am Schlüsse des Iah- res blieb nur eine Untersuchung(gegen die„Ost-Dentsche Post") wegen de« Verbrechens der MajestätS-Beleidignng anhängig. Alle übrigen Preßprozesse beirasen das Per- � gehen der Privat- Ehrcnbeleidigung, das Vergehen gegen die öffentliche Sittlichkeit und Vergehen und Uebertre- ! tungen gegen die Ordnung in Preßsachen nach dem zweiten Abschnitte des Preßgesetzes. Nur eine Verur- theilung erfolgte noch wegen des Vergehens des Art. VII. Strafgesetz-Novelle(vorzeitige Veröffentlichung der An- klageschrift, das nicht politischer Natur war. Zwei Zeit- schristen wurden ans je 3 Monate sistirt, jedoch nicht wegen politischer Vergehen. * ÄKüncben, 4. Januar. fDas Kabinets- referatf soll, deni„Nürnb. Anz." zufolge, dem Herrn von Psistermeister, den man persönlicher Be- günstigungen beschuldigte, abgenommen nnd dem Oberappellationsrathe Lutz übrrlragen worden sein. * Mecklenburg.[Tie in Schwerin erfolgten Verbote von Prcß-Erzeugnissens betreffen den gesammten Verlag von Hoffniann und Campe in Hamburg seit 1852; den Verlag von F. Streit in Coburg; ferner die Hamburger Zeitschriften„Freischütz",„Wespen" und„Reform", die„BerlinerNatonal-Zeitung" und„Volkszeilung", die„Magdeburger Presse" und das„Wochenblatt des Nationalvereins". Ausland. * Paris, 4. Jan. sTagesbericht.f Der Streit Spaniens mit Chili droht, wie wir bereits angedeutet haben, einen ähnlichen mit Peru herauf zu beschwören. Die neueste Post aus Peru meldet, daß nämlich Canseco durch den revolutionären General Prado gestürzt, dieser niit der Dictatur vom Volke bekleidet ward und man als einen seiner ' ersten Schritte ein Schutz- und Trutzbündniß mit Chili und die Nichtigerklärung des mit Pinzon und Pareja abgeschlossenen Friedensvertrages erwartete. Für Frankreichs freie Bewegung in diesen Ange- legenheiten ist aber Mexiko ein mächtiger Hemm- schuh und der Umstand, daß die spanische Regie- rung sich geneigt zeigt, Englands und Frankreichs ! Vermittelung anzunehmen, hat unter solchen Ver- Hältnissen eine nur sehr beschränkte Bedeutung, denn die Chilenen werden, auf Peru gestützt und die nordamerikanische Union im Rücken, schwerlich nach- geben, wenn sie vernehmen, daß die zun; Auslaufen fertige Fregatte Almanza in Cadix plötzlich Gegen- befehl erhalten, und die Nachricht der Epoca, Spa- nien wolle ein LandungScorps von SVOV Mann nach Südamerika werfen, als grundlos bezeichnet wird. Die„Debats", welche bekanntlich zuweilen inspirirt sind, widmen heute der französisch-österreichischen Allianz einige Worte. Dieselben glauben gern, daß eine solche Allianz große Vortheile für Oester- reich darbieten würde, sie sehen aber nicht ein, was ein solches Einverständliß Frankreich nützen soll. Sie schreiben: In Italien gehen die Ansichten der beiden Regierungen vollständig auseinander und es ist höchstens in Deutsch- land, wo wir einiges Interesse hätten, um unsere Be- ! mühnngen mit denen des Wiener Hofes zu vereinen und ' dadurch die ehrgeizige Politik des Herrn v. Bismarck zum Falle zu bringen. Wenn man den verbreiteten Gerüchten also einige Wichtigkeit beilegen darf, so können wir darin nur eine indirekte Drohung gegen Preußen sehen, oder besser gesagt, eine Art offiziöser Verwarnung, und wir können kaum glauben, daß diese angebliche Allianz die Umstände überleben wird, welche die Idee dazu in gewissen Geistern hervorgerufen haben. Die„Debats" niögen insofern Recht haben, als eine österreichisch- französische Allianz eben so sehr wie eine preußisch-französische nur dazu dienen soll, Frankreichs mitteleuropäische Gelüste zu be- friedigen und Oesterreich eben so wenig als Preu- ßen die Hand dazu bieten kann, wohl wissend, daß dann endlich die schlummernde deutsche Nation auf den Kampfplatz treten und— kurzen Proceß machen würde.— Haußmann's oder richtiger die kaiserliche Bauwuth läßt jetzt in der Nähe der Centralhallen wieder 340 Häuser abbrechen; 10,000 Familien, ungefähr 40,000 Personen, werden dadurch obdach- loS; freilich brauchen sie nicht geradezu auf der Straße zu campiren. Dieses fortwährende Massen- hafte Niederreißen der Häuser, abgesehen davon, daß dadurch Arbeiten, die Millionen gekostet haben, fast ohne allen Nutzen vernichtet werden, übt auf den Geschäftsgang in Paris einen höchst nachthei- ligen Einfluß aus und eS dauert immer Jahre, bis ein solches Quartier sich wieder von den ihm geschlagenen Wunden erholt. Dazu kommt dann noch, daß das neu gebaute Viertel eleganter wird, die Bewohner dadurch zu größereu Ausgaben ge- zwungen werden, ohne daß sie durch größere Ge- schäfte entschädigt würden. So geschieht eS, daß Paris, obgleich es äußerlich reicher aussieht, doch innerlich verarmt.— Der erste Ball in den Tuilerieen findet am 10. Januar statt. Die Zahl der Eingeladenen soll sehr bedentend sein, besonders sind viele Osficiere der Nationalgarde mit ihren Frauen dazu geladen. Man will die düstere Stim- mung, welche in der letzten Zeit entstanden ist, be- seitigen. — 5. Jan.[Neuestes.] Man versichert, daß General Grant sich demnächst nach dem Rio grande begeben wird.— Es circulire» zweifelhafte Gerüchte vvn einer Revolution gegen den Kaiser Maximilian, sowie von einer Verzichtleistung Juarez auf die Präsidentschaft. * London, 3. Jan.[Spanisch-Chileni- sches. Feuersbrünste. Fenier. Brasilia- nisches.l Lord Clarendon hegt die Zuversicht- liche Hoffnung, den spanisch- chilenischen Eon- flict baldigst vollständig beigelegt zu sehen. So sagt wenigstens Herr Bright in einem Briefe an den Verein der Kupfermeister, indem er sich auf eine ihm zugegangene Mittheilung des Mi- nisters des Auswärtigen beruft. Die von der eng- tischen und der französischen Regierung gemachten VergleichS-Vorschläge, gleich ehrenvoll für beide streitende Theile, hätten in Madrid ein gutes Ge- hör gefunden und seien nun auf dem Wege nach Chili; komme die chilenische Regierung ihnen im rechten Geiste der Versöhnlichkeit entgegen, so wllr- den die ärgerlichen Händel bald geschlichtet sein. Nach dem letzten Rundschreiben der chilenischen Re- gierung zu schließen, ist man jevoch in Santiago zur Nachgiebigkeit nicht geneigt, und der Um- chwung der Dinge in Peru kann nur dazu bei- tragen, Chili zu beharrlicherem Widerstande auf- zumunlern. � Eine große Feuersbrunst in den St. jialharinen-Docks, oder richtiger, eine Reihe von FeuerSbrunsten, ist heute kaum für ganz bezwungen zu halten. Bis gegen Mitternacht loderten die Flammen noch hell auf, trotz der 14 Dampfspriyen, der unzähligen Menge Pumpspritzen und rer vom Flusse aus operirenden Floßspritze, welche»nablässig ihre Wassermasien in die bren- »enden Gebäude hineinschleuderten. Den Schaden schätze» Einige auf 300,000 L. Es wird eine strenge Untersuchung eingeleitet werden, denn es herrscht starker Verdacht, paß Brandstifter thätig gewesen sind.— Mit der Vernrtheilung Kennealy's zu zehnjähriger Zwangsarbeit hat die Special- Commisston den Fenierproceß in Cork einstweilen abgebrochen. Die übrigen Verhafteten sollen vor die Frühjahrsasstsen gestellt werden; neun derselben sind gegen Bürgschaft und das Gelöbniß, sich jever- zeit, wenn aufgefordert, den Behörden zu stellen, auf freien Fuß gesetzt worden. Dem amerikani- schen Capitän Mac Afferly ist gestattet worden, das Land zu verlassen.— Aus Brasilien melden die neuesten Berichte:„Man versichert, daß die brasilianische Regierung dem vom General Lopez, Präsidenten der Republik Paraguay, vorgeschlage- nen Wassenstillstande zugestimmt und ihre desfall- sige Antwort ani 12. December nach dem La Plata häl abgehen lasse». Wenn Buenos-Ayres und Montevideo den Waffenstillstand ebenfalls anneh- men, so wird derselbe bis zum 28. Februar dauern. Die Feindseligkeiten würden im März, also zur Zeit der besseren Schisfbarkeit der Flüsse, von Neuem beginnen. Die Argentincr halten Corrientes besetzt, während die Brasilianer sieben Kilometer davon entfernt Lager bezogen hatten. Spanien.!Der Aufstand.� Die längst vorausgesagten Erhebung der Progressisten-Parlei gegen das Regiment der Moderados und der Ca- marilla hat begonnen; doch läßt sich über Größe und Erfolg noch durchaus kein Urtheil fällen, da die Vorgänge� wie dies in Frankreich telegraphenüblich ist, so lange abgeschwächt zu werden pflegen, bis sie nicht mehr zu entstellen sind. Bis zur Stunde ist nur bekannt, daß die Sache ganz genau den Anfang nahm, den spanische Pronunciamientos zu nehmen pflegen: einige Regimenter brechen los, ein namhafter General stellt sich an die Spitze, sie suchen Anhang zu gewinnen und ziehen sich deß- halb vorläufig in die Berge zurück; gelingt dies Feuilleton. Lilder aus dem Ärbciterlebcn. Von Gustav K. III. Kamps zwischen Arbeit und Kapital. 2. Das Weib. (Fortsetzung.) Aber die Hände der erzgebirzischen Beirohner durste» nicht rasten, sie dürfen noch heute nicht rasten. Aoch fliegen in Tausenden von Hänsern und Hütte» die Klöppel hin und her, jedoch der Segen ist von ihnen genom- men. Bleich und abgezehrt sitzen die armen Klöpplerin- nen, von der siechen Greisin bis herab zum Kinde i» krankhaft gekrümmter Stellung bei emsiger Arbeit. Kaum dämmert der Morgen, so beginnen sich ihre mageren Hände zu regen, um nicht eher zu ruhen, bis die sinkende Nacht ihren ljcübe» Augen und ermatteten Gliedern Halt ge- bietet. Sic sind so arm, so blutarm! Kaum können sie ihre Leiber dürstig bekleiden, kaum die kärglichste Nah- rusig sich erschwingen. Kartoffeln, nur in der einfachsten Bereitungsiveise, oft nur in der Asche gebraten, sind ihre Werktagsspeisen, ein Rostkuche» von geriebenen Kartoffeln mit Salz ihre Feiertagskost. Die Kartoffeln erträgt noch der magere Boden des Gebirge« und darum sind sie billiger als das Brod. ES ist so weit gekoinmen, daß selbst die fleißigste Klöpplerin, wenn sie den ganzen Tag bis zum Umsinken arbeilet, kaum wöchentlich 10— 12 Groschen verdient. Schwache Hände bringen nicht, so suchen sie sich in's Ausland zureiten; ge- lingt es, so kommt es zu einem Zuge auf Madrid. Auf diesem Wege ist Narvaez, ist Prim, ist so man- cher andere Spanier, General und Minister, Herr der Situation geworden, um durch Palast- und ParlamentS-Umtriebe wieder gestürzt zu werden. Dieses Mal ist eS Prim, der Graf von Reus, der an der Spitze steht. Die Bewegung begann in den Garnisonen von Aranjucz und Oconna, welche nahe bei einander liegen und wo in der Regel die zuverlässigsten Truppen zum Schutze des Hofes während der Sommerfrische stationirt sind. Die Gebirge von Cuenpa, das Quellgebiet des-tucar auf der Ostseile von Lieu-Castilien, bilden eine treffliche Operationsbasis zum Ansamnieln von Zu- zügen aus Neu-Castilien, Murcia, Valencia, Ära- gonien'und Catalonien. Die Aufständischen„zogen sich," wie es in der ersten uns zugegangenen De- pesche heißt,„in Unordnung zurück; in Madrid und in den Provinzen herrscht Ruhe." Nach Briefen, welche am 4. Jan. aus Madrid vom 3. in Bayonne eintrafen, ist„von Militär-Pronunciamientos in mehreren Provincialstädten" die Rede; in Madrid waren die Truppen in ihren Casernen consignirt, was eben sowohl bedeuten kann, daß man ihnen nicht traute, wie daß man in der Hauptstadt einen Ausstand befürchtete und dranf zu schlagen sich fertig machte. O'Donnell hat in jüngster Zeit sich wieder- holt berühmt, er habe überreichlich Material zur Hand, uln jede Schilderhebung niederzuschmettern. Dagegen haben seine Gegner von der Camarilla sich laut und leise der Idee nicht zu entschlagen vermocht, daß dieser alte General eben so' gut, wie seine College» dutzendweise, ein Spitzbube sei, der auf den Sturz der Königin so gut, wenn auch zu etwas anderem Zwecke, als der„notorische Um- triebler" Prim oder der eigensinnige Narvaez, speculire. Eben so bekannt ist es, daß der Hof mit Grauen die portugiesischen Majestäten durch, Madrid reisen sah und Demonstrationen zu Gun- sten des pyrenäischen Einheitsstaates unter einem Coburger fürchtete.(»Köln. Ztg.") Vereins-Theil. Hagen, 5. Januar.(A llg. deutsch. Arb.-Ver- ein. Eriisie Betrachtungen.) Worin liegt der größte Fehler sehr vieler Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeiler-Bereins?— Antwort: Sie machen das Kleinste zum Größten und da« Größte zum Kleinsten. Um diesen Ausspruch näher vorführen und erläutern zu können, muß ich scheinbar etwa« weit ausholen. Schon die Philosophen des Allerthums, schon Jesus von Nazareth, ja fast alle großen Männer aller Zeilen zeig- ten auf diese oder jene Weise, in dieser oder jener An- schauung auf die Gleichberechtigung aller Menschen hin. Sie wiesen ferner nach, daß dieselbe nicht epistice und zeigten auch einzelne Wege, die meistens zwar nicht passirbar waren, um die Gleichberechtigung zu erlangen. es wohl nur bis zu 5 oder 6 Groschen wöchentlich. Nur dadurch, daß alle arbeitsfähigen Glieder einer Fa- milie klöppeln, wird es möglich, die aus das geringste Maaß eingeschränkten Lebensbedürfnisse zu bestreiten und dazu noch die Staatsabgabe» zu erschwingen.*) Wie wenige von den reichen Damen, welche sich in feine Spitzen kleiden, denken daran, init wie viel Roth und Entbehrung sieche Hände an ihrem Schmucke arbei- teten, wie viel Kunimerthränen auf da« Gewebe fielen, ehe es dazu gelangte, in Ball- und Gesellschaftssäleu oder am Nacken der Braut zu prangen. Da» zarte Gespiunst, welche« die Klöppel kunstvoll verschlingen, ist der Faden, an welchem sich das Leben der armen Klöpplerinnen traurig abspinnt. O Männer mit Schwestern lieb, Mit Mutter und Gattin gut! Ihr meint, ihr nutzet Linnen ab? Nein, es ist Lebensgluth!-- Dasselbe Schicksal wie die Erzgebirgerinne» erlitten auch die Spitzenklöpplerinnen der Haute-Loire. Auch dort begann unter dem wuchtigen Tritte des Fortschritt« der Technik die Klöppelei ihr unendliches Siechthum, die wundervollen Maschinen stießen mit ihrem Rädergetriebe das mühevolle Werk der Menschenhand vom Arbeitsselde, beschränkten wenigstens bedeutend besten Spielraum und drückten die Preise des Fabrikats jählings herab. *) Der Verfasser kann hierbei nicht unterlassen, an diejenigen Gesinnungsgenoffen Sachsens, die da« oben beschriebene Land kennen und vielleicht gar die erwähnten Distrikte bewohnen, die Bitte zu richten, diese Schilderung durch paffende Einsendungen zu bestätigen. So ist die Idee der Gleichberechtigung und das Sehnen und Arbeiten, in dieselbe zu gelangen, ein Grundzug der ringenden Menschheit geworden. Das längst erkannte Recht der Menschheit ist auch die Triebfeder für Lassalle gewesen, seine ganze große Kraft einzusetzen, der Mensch- heil zu ihrem Rechte zu verhelfen. Es ist aber auch nicht zu verkennen, daß die National-Oekonomen der liberalen Schule eben durch dieselbe Triebfeder empor- gehoben, und ganz denselben Zweck, wie Laffalle verfol- gen. Ihre Wege aber, zum Ziele zu gelangen, sind Irr- wege, sie sind, meiner Ansicht nach, nicht passirbar. Lassalle standen bekanntlich von früheren National-Oeko- nonien bedeutende Vorarbeiten zn Gebote, er baute sein System aus gewichtigen Grundpfeilern und seine Lehre ist eigentlich nur neu in der praktischen Durchführbarkeit derselben, gegenüber den wiffeiischastlichen Theorien seiner Vorgänger. Deshalb ist Lassalle aber nicht minder groß; er war es, der das Ei in dieser Frage auf die Spitze zu stellen wohl allein vermochte, und getrost können wir nach wie vor zu der Fahne dieses Heroen der Wissen- schaft und der männlichen That schwören. Die Laffalle'fche Lehre, wenn wir oieselbe so nennen wollen, ist also aus längst erkannter Wahrheit entstanden, sie vermochte aber durch ihre praktische Durchführbarkeit eine Partei ins Leben zn rufen, die social-dcmokratische. Dieser Partei ist die Aufgabe gestellt, jene Lehreu immer weiter au«- zuarbeiten und zn realisiren. Diese Partei ist berufen, das ErlösungSwerk der Menschheit, an welchem so viele einzelne große Männer gescheitert, zu vollbringen. Daß sie es vollbringt, ist klar, weil ihr Fundament eine alte, anerkannte, ganz besonders noch durch Jesus von lltazareth geheiligte Wahrheil ist; eine solche Partei muß sich nach und nach ansbreiten und wachsen, bis sie überhaupt die Menschheit bildet, und dann erst ist da« Er- lösungswerk vollständig vollbracht. Dieses Ansbreiten der Partei nun zu beschleunigen, gründete Laffalle den Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein, der, so zu sagen, das Eentrum der Partei bilden, der ganz besonders mit der Macht vollständiger Einigkeit kämpfen sollte,»m so die„Sache der Menschheit" schneller zum Siege zu bringen. Auch in der Errichtung und Organisation diese« Vereins hatte Lassalle den Nagel auf den Kopf getroffen, aber er fand unter den iiolhleidendcn Klassen selbst, unter dem Arbeiterstand selbst, nicht die Unterstiitzuiig, die sein wohl durchdachter Plan verdiente; es ging zu jeine» Lebzeiten schon langsamer, wie er sejbst gedacht— er halte keine Schuld daran, das Volk, die Arbeiter aber auch nicht so große, wie denselben durch einzelne Parteimit- glieder ausgebiirdel wird; die größte, ja fast alleinige Schuld hat unsere faule, versumpfte Zeil. Vor allen aber fällt sie auf.diejenigen, welche in politischer und socialer Beziehung durch Niederdrücknng allen Rechtes jedem für das Volk ersprießlichen Fortschritt entgegenstehen und auf dieienigeu„Erwählten de« V o lk e s", welche dem gegenüber mir ihren passiven Rücke», immerfort zu weiterem Empfang von geneigten Ruthenströlchen e»t- gegensetzen. Nur bei dem geringste» Wetterlenchten aber wird man das deutsche Arbeitsvolk sehen in richtiger Crkennlniß seiner Lage— deßhalb hat die Partei de» vollen Much ausrecht zu erhalten, sie wird ihre historische Aufgabe er« süllen. Die Ungunst der Zeit also steht dem großen Wirken der Partei, nnd noch mehr dem de« Cenlralpuiikte« der Partei, dem de« Allgemeinen dcutschen Arbeiter-Ver- Jetzt darben die fleißigen Klöppler und Klöpp- lerinnen in der oberen Loire ebenso wie die im Erz« gebirge, Die armen Frauen sitzen de» ganzen Tag vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne und verdienen täglich kaum 2— 3 Silb ergro scheii. Welch' eine Fülle des schrecklichsten Elends schließen diese vorstehenden Schilderungen nicht ein! Und doch ist damit das Maaß all' des Jammers nicht gefüllt, die grausame Tyrannei der Kapitalherrschast noch nicht er- schöpft, wenngleich es immerhin entsetzlich ist, daß Mil- lionen zu solch' grenzeulojem Elende geboren werden und ihr ganzes Leben hindurch unter den beschriebenen Verhält« nissen dahintchmachten. Wer die Laffalle'schen Schriften nur einigennaßen zum Gegenstande einer cingehenden Leclüre gemacht, wird leicht auf die Gründe schließen können, welche die Maaßlosig- keit der an das Weib, gestellten Forderunzen der Kapital- Herrschast herbeiführten, er wird, die eiserne Rothwendig- keit der vorstehenden Thatsachc einsehend, frage»: Sollte der Ertrag der Handarbeit Alles sein, was die Begierde oer Kapitalherrschaft reizen konnte, Alles was da« Weib zu vergeben hätte? Nicht dock, dem Weibe bleibt ja noch der Körper!— —— An diese schreckliche» Worte knitpst sich die entwürdigendste Schmach der Menschheit, knüpft sich jenes abscheuliche Laster, an dem Glück uiid Blut von Millionen klebt, ohne daß eS verabscheut und aus der menschlichen Gesellschaft durch eiserne Gesetze verbannt wird! Warum? — Weil es durch die Kapitalherrschaft fast unüberwind- lich gemacht wird und nur mit dieser verschwinden kann. Denn wir behaupten und stützen uns dabei einzig und allein aus die ewigen Gesetze der Vernunft, wir t-e«