Nr. 8. Berlin, Donnerstag den 11. Januar 1866. Zweiter Jahrgang. Diese Zeilimg erscheint täglich mir Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirl von Z. B. v. Hosstetten und I. B. v. Schweiher. Rcdactivn und Expedition- Berlin, Dresdnerstrage Nr. 85. Abonnements-Preis sltr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Köuigl. preußischen Post- ämtern 22 Vs Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deuiich- land 183/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. siidd., st. 1. 50. Lsterr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen iverden auswärts ans allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Spandauerbrücke 3, sowik auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmanu" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Ärbeilcr Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieeu und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Linie New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Eue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrö-des-Arts. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 10. Jan. jZur Elbherzogthümer- frage� halten die alte und die neue Wiener„Presse" gegenüber dem Dementi der„Nordd. Allg. �tg." ihre Nachricht von dvm Bestehen des Projektes einer allenfallsigen Candidatur des Angustenburgers Christian aufrecht. — fDer„liberale" sächsische Minister Frhr. v. Beust� hat wegen des kürzlich in der zu London erscheinenden politischen Pkonatsschrifl- „Der deutsche Eidgenosse", veröffentlichten Auf- satzes:„Der letzte politische Gefangene des Zucht- hauseö in Waldheim von Gustav Rasch", in dem Hr. v. Beiist als intellektueller Urheber resp. Mit- wisser aller in Waldheim gegen politische Gefangene verüblen Grausamkeiten genannt wird, in Berlin die Einleitung einer Untersuchung von Amtswegen gegen den Verfasser verlangt. Die preußische Re- gierung hat indeß, wie die Blätter melden, diesem Verlangen nickt stattgegeben, so daß es Hrn. v. Beust nun überlassen ist, selbst als Kläger gegen den Verfasser im Privalwege aufzutreten. [Zur Wahrung des Vereins- und Versammlungsrechts� in Preußen soll in Köln eine Volksversammlung statlsinden, in welcher eine in diesem Sinne abgefaßte Petition an das Ab- geordnetenhauS bezweckt werden soll. — sDas Eingehen der Geheim rath Engel'schen„Statistischen Zeitschrift",� die bekanntlich monatlich als Beiblatt des pr.„Staats- Anzeigers" erschien, und ein sehr verdienstvolles Unternehmen war, erklärt das„N. A. Volksbl." dadurch, daß„die Regierung den liberalisirenden Tendenzen, die in dieser Zeilschrist oft sehr beut- lich erkennbar waren, nicht ferner Vorschub leisten wolle." Ein Berliner Correspondent der„D. R. Z." berichtet darüber Folgendes: Dem unerwartet und plötzlich eingelreteucn Vorfalle liegt ein Eonflict jenes eminente» Statistiker«, als Re- dactenr, mit dem Ministerium zu Grunde. Den ersten Anlaß gab die Feier des 80. Geburtslage« des Professor Boeckb. An die bewundernswürdigen Forschungen des- selben über den Staatshaushalt der Athener anknüpfend, beglückwünschte das mit dem gleichnamigen Bllreau ver- bundene statistische Seminar in einer von der Mehrzahl der Lehrer und Schüler unterzeichneten Adresse den Ve- teranen, welche der Letztere sofort in einem Dankschreiben beantwortete. Beides, Adresse und Autwort, die sich selbstredend lediglich um wissenschaftliche Leistungen und Verdienste Boeckh's bewegten, kamen in dem gerade bereit- liegenden Monalshefie der„Statistischen Zeitschrift" zum Abdruck. Der Abdruck beider Schriftstücke rief von Sei- ren des betreffenden Ministeriums ein Schreiben an den Redacteur der„Statistischen Zeilschrift" hervor, worin die Benutzung des Journals zu„Persönlichkeiten" ge- rügt und gedroht wird, die Verbindung mit dem„Staats- Anzeiger auszulöseu, sosern nicht eine zweckmäßigere Lei- tung an die Stelle der bisherigen trete. In seiner An»- wort erklärte Geh. Rath Engel, seines Erachten« sei die Censur einer wissenschaftlichen Zeilschrift gegen alle Würde, er sei es müde, sich fortwährend dieser Gefahr auszu- setzen und entschlossen, sofort die Redaktion niederzulegen. Eine unzertrennliche Folge davon ist da« Eingehen des Journals selbst. — sPrcußische Preß-Schicksale.j Confiscirl wurde- die Provinzansgabe der gestrigen„Votkszei- tung" wegen des Leitartikel«.— In deni Preßprozeß der„Rheinischen Ztg." wegen eines die Leihba-ik- affaire in Minden betr. Artikels ist das Urtheil erster Instanz(auf 20 Thlr. für den Verfasser des den Stadl- secretair Hartmann angeblich beleidigenden Artikels, Hrn. Aug. Hölscher, und für den Redakteur der„Rhein. Ztg." aus 10 Thlr. Geldbuße lautend) von dem Appellations- gericht zu Paderborn best äti gl worden.— Der„Bote vom Niederrhein", ein in Duisburg erscheiiiendeS, von dem tüchtigen Dr. A. Lange redigirtes Blatt, be- klagt siib in der ersten Nummer diese« Jahrganges über die Hindernisse, die seiner Verbreitung enlgegengestellt werden. Nicht nur, daß die Königliche Poit ihm die Versendung von Proben ummerii nicktgestattel hat- sondern auch das Herumtragen von Abonnements- einladungen durch Dienstleute in de» Häusern ist in Düsseldorf von der Polizei als Verstoß gegen§. 10 des Preßgesetzes(der nur die Verbreitung an öffentlichen Orten betrifft) untersagt worden. Schließlich erzählt das Blatt noch, daß ein Postbeamter einem Abonnenten gegenüber die Existenz de« Blattes in Abrede gestellt und erst nach wiederholter Bemühung im Zeitungskataloge zu finde» gewußt habe. Diese Erscheinungen sind um so beachtenswerther, als btsher die Post in solcher Bezichnng keinen Anlaß zu Klagen gab.— Gegen die„Rhein. Ztg." stand am 8. d. M. vor der Appellkammer des Zuchtpolizeigerichts in drei Sachen Termin an- I) wegen des in Nr. 209 enthaltenen Artikels„Ein Rückblick", 2) wegen des Artikels in Nr. 228„Ein neue« Olmütz", 3) wegen des Artikels„Preußische« Abgeordnetensest" in Nr. 216. Das Urtheil erster Instanz lautete ad 1 auf eine Geldbuße von je 25 Thlr. für den Redakteur und für den Autor; ad 2 auf eine Geldbuße von je 50 Thlr. für den Redakteur und für den Autor und ad 3 frei- sprechend. Die Appellkammer bestätigte in den beiden letzten Fällen das Urtheil erster Instanz, im ersten Falle aber reformirte dieselbe da« erstinstanzliche Urlheil und sprach den Autor und den Redakteur von Strafe und Kosten frei. Ausland. * Paris.[Tagesbericht.] Zwischen Napoleon, dem habsdurgischeil und mexikanischen Kaiser finden persönliche Verhandlungen über einen Vertrag statt, der den Franzosen gestallen soll, dem i Kabinet von Washington bestimmte Erklärungen über Kon Termin zu ertheilen, wann die bewaffnete ! Intervention in Mexiko anfbören werde.— Die officiösen Blatter nnb der„Moniteur" stoßen be- harrlich in das Horn der spanischen officiellen � Depeschen, in welchen man den General Zabala wie in einer Tretmühle fortwährend marschiren»nd doch nicht von der Stelle kommen sieht. Eine Corresponden; des„Avenir National" glaubt sich jedoch zu der Ueberzeugung berechtigt, daß Prim seinen Zweck erreichen würde, wenn auch nickt . sofort, so doch in einigen Wochen. Wie leicht be- -greiflich, sind die Nachrichten aus Spanien fort- � während in tiefes Dunkel gehüllt. Man weiß über Prim nur so viel, daß er ungefähr 2V00 Mann um sich gesammelt hat. Madrid ist noch ruhig; die Regierung scheint aber nickt auf die Garnison zu zählen, und läßt deßhalb 5000 Mann Gensd'ar- men nach Madrid kommen. In Tarragona herrschen auch Unruhen; nähere Einzelheiten darüber fehlen. Man weiß nur, daß Truppen von Bar«- lona dorthin abgesandt wurden. Die Lage der Dinge muß dort also ernst sein, denn man würde sonst das so gefährliche Barcelona nicht von Truppen entblößt haben. «ch. London, 8. Jan. sUeber englische Arbeitervereine. Amerika.] Im November- j Heft der„Forineightlh Rewiew", giebt Frereric Harriion. Rechtsgelehrter, eine Rundschau über Ausdehnung und Bedeutung der„Trades-UnionS" (Arbeitervereine). Er schreibt- Erstens muß man die Ausdehnung und Wichtigkeit dieser Bewegung in Betracht ziehen. Ich habe ein Ver- zeichniß der Arbeitervereine für 1861 vor mir, welches b-s jetzt noch sehr unvollkommen ist. Dieser Rapport enthält eine Liste von 504, hauptsächlich englischen Städten, in welchen solche» Gesellschaften bestehen Die ganze Zahl dieser Gesellschaften beträgt beinahe 2000, in London allein sind nicht weniger als 200, in Man- (bester 97, in Liverpool 57, in Scheffield 60, in Bir- , ningham 42, in Glasgow 50 und in Dublin 45. Die ganze Zahl der Arbeiter, welche in den verschiedenen Associationen im ganzen Königreich mit einander ver- bundeu, beträgt wahrscheinlich eine halbe Million. DaS . jährliche Einkommen, das ihnen zur Verfügung steht, beträgt mehr als eine Million£ St.(63/zMill. Thlr. pr.), unv ihre Reserve- Kasse beträgt nicht viel weniger(eine einzige Gesellschaft allein besitzt beinahe den zehnten Theil dieser Summe), und die Vereine können in de» meisten Fällen ans die Unterstützung von einer großen Anzahl solcher Arbeiter, die nicbt zu den Vereinen gehören, rechnen. Man kann sagen, daß sie während eines Streites noch einmal so stark sind. Zu allen praktischen Zwecken bilden die Vereine die Stärke der geschickleren Arb eiterklaffe. Diese Vereine sind nicht neu entstanden, denn die meisten � sind seit 10 und 15 Jahren herangewachsen. D-e Ge- sellschasten, in welchen der hartnäckigste Streit vorge- kommen— die Maschinenbauer, die Birgwerter, die Baumwollspinner und die Bauarbeiter— sind seitdem ■ größer und blühender geworden als vorher. Wer sich die Mühe geben will, tle letzten Circulare zu»ntersnchen, kann sich von dem Fortschritt derselben überzeugen. Größere Fonds, ein weiterer Wiikungskrei« und eine größere Anzahl bilden sich von Jahr zu Jahr und überall hin erstreckt sich ihre Organisation. Diejenigen Engländer, welche sich selten in Bezug ans den Handel irren, müssen wahrnebmen, daß Leben und Thalkrast das Fundament bilden; und wer politische Kräste zu schätzen versteht, wird die Stärke dieser Institution an- erkennen, welche von keiner andern politischen Association aud> nur annäherungsweise erreich! wird. Angesichts dieser Tbatsachen ist es unerklärlich, daß ver« nünslige Leute und Arbeitgeber von diesen Gesellschasteu, als von Erzeugern von Elend, Narrheil und Ruin sprechen können. Leute, welche selbst mit diesen mächtigen Ge- sellschasten z» kämpfen haben, ereisern sich und heißen sie Krankheilen und Narrheit, die man kuriren müsse, und machen einen Vorschlag zu einem Gesetzentwurf, nach vzelchem das Parlament alle Associationen ohne Unier- schied unterdrücken soll. Hort sich das nicht an, wie das Rasen des Vatican gegen die Zeitungen und Eisenbahnen? Ein solcher Parlameiitsact wäre eine s o e i a l e R e v o l u t i o n. Man könnte eben so gut das Vereinsrecht, das Recht der öfsentlichen Meetings und die sreie Presse als eine„Krank- heit" vernichten wollen. Freilich beweist die Thatsache, daß die besten Arbeiter fest an ihren Vereinen hängen, noch nicht, daß sie auch wohlthätig sind; aber es wäre vernilnfiiger, wenn das Publikum und besonders die Arbeitgeber vorerst sie nicht für ganz so schlimm gelten lassen wollten, denn sie sind ihrer Wichtigkeit wegen zu Respekt berechtigt. Kein vernünftiger Mann wird wohl glauben, daß die Arbeiter sich von Jahr zu Jahr einem solchen SystetN mehr zuneigen würden, wenn sie eS nicht für besser hielte». Vereinigmig, ob mit Recht oder Unrecht, ist die große Bewegung, in welcher sich die arbeitenden Klassen mit Her,' und Geist befinden. Aufgeklärte Männer erkennen diese Thatsache an und richten ihre Maßregeln darnach. Durch die falsch- Beurtheilung werden die Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Ar- beitern so hartnäckig, und vielleicht darum auch werden sie so häufig. Es giebt aber noch eine schlimmere Art der Entstellung, welche sich bis zur persönlichen Ver- leumdung erstreckt. Es ist Mode, Vereine und Slrites, als die Arbeit interessirter Agitatoren hinzustellen. Wie die Phrase gebt, treiben diese Männer ihre verführten Opfer wie Schaje.--— Wenn überhaupt ein Um- stand bei diesen Vereinen schärfer hervortritt als jeder andere, so ist es die gewissenhafte Vorsicht, mit welcher die Principien einer demokratischen Geschäftsführung ans- recht erhalten werden. Es wäre schwer, in England eine einzige Arbeitergcsellschast zn finden, deren Vorstände, ohne die Stimme und den Willen der Mitglieder, irgend einen wichtigen Schritt thun, oder die Gelder verwen- den könnten. Diejenigen, welche über die Handlungen der Arbeitervereine wie über eine Abtheilung Zarbona« ri'S sprechen, befinden sich in Bezug ans die innere Ma- schinerie derselben in gänzlicher Unwissenheit. Ehe ein wichtiger Schritt gethan und ein allgemeiner Strike an- geordnet wird, werden zu allen Mitgliedern der Gesell- schaft Stimmzettel geschickt; die Angelegenheit wird an vielen Abenden in jeder einzelnen Gesellschaft diskutirt; im Rothfalle werden Delegirte erwählt, welche zu diesem Zwecke Conserenzen abhalten; die Berathungen dauern est sechs Monate lang und sind thatsächlich öffentlich; daS Resultat wird durch die Stimmzettel entschieden, über welche weder die Sekretaire noch die übrigen Vor- stände eine beeinflussende Eontrole haben.-- Wenn je ein System eine» Dictalor unmöglich gemacht hat, so ist es dieses,«ein größler Fehler ist Las Bedllrfniß der Eoncentration und folglich eine schwerjällige Arbeit. Aber vor jedem andern kann nach diesem Systeme die richtige Meinung eines jeden Mitgliedes ermittelt wer- den, und darum wird auch ein vorher beschlossener Strike so hartnäckig. Es giebt hier zn Lande keine politische Institution, in welcher die Selbstregierung in so hohem Maße erreicht wäre. Und was wir hauptsächlich nicht vergessen dürfen, ist die hohe Stufe Po- litischer Bildung, welche der arbeitenden Klasse dadurch zu Theil geworden ist. Ich werte in meinem nächsten Schreiben darauf zurückkommen.— Der Rapport des Major- Generais Schurz über die Lage der Südstaaten und des Volkes füllt sieben, ehn Columne» der „Rew-Nork-Tribune" und in diesem langen er- müdenden, schwerfälligen Berichte legt er seinen ! Glauben nieder, daß das Südener Volk jetzt noch! nicht geeignet sei, die Führung der eigenen Geschäfte zu übernehmen. Es darf uns auch nicht erheblich wundern, wenn einige Herren Major-Generals und General-Majors ihr Handwerk so lange als mög- lick nützlich machen wollen.— Die provisorische Regierung von Süd-Earolina ist abberufen und der vom Volke gewählte Gouverneur Perry an seine Stelle gesetzt worden. Man glaubt, daß die pro- visorischen Gouverneurs der übrigen Staaten eben- falls bald abberufen werden.— In dem Falle des Walter M'Coy, eines Negers, welcher von dem Eivilgericht zu Wilmington verurtheilt worden war, auf fünf Jahre in die Knechtschaft verkauft zu wer- den, hat der Militär-Coinmandcur des Distriklö, Major-General Crovk, den Urtheilsspruch als un- � gültig erklärt, weil ,,kein Gesetz in Kraft bestehen kann, welches einen Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen macht." Von dem befürchteten großen Negeranfstand hat man bis jetzt noch keine Spuren und es scheint den weiland Sklavenhaltern sehr unangenehm zu sein, daß ihre Prophezeiunzen sich so oft als falsch beweisen. Es sind jedoch in einem kleineren Maße an verschiedenen Orten Streitig- leiten zwischen den Weißen und Negern ausge- krochen, und es soll an verschiedenen Orten Ein- schreitung des Militärs stattgefunden haben. Wo die Gewohnheit einer Klasse, die andern als Skla- ven zu beherrschen, so lange existirt hat und wo der Verlust durch die Abschaffung der Sklaverei so beträchtlich ist, als wie bei den Südener Skla- venhaltern, wo auf der andern Seite die nach einem langen Sklavenjoche kaum errungene Freiheit in dem über seine Lage unklaren Begriffe des Negers sich kund giebt, ist kaum zu erwarten, daß ein ge- ordneter, gesetzlicher Zustand auf keine großen Hin- dernisse stoßen sollte. Jedenfalls wird die Aufklä- rung über die neue Lage der Dinge in Gemein- schaft mit dem eisernen Interesse, welches die heu- tigen Arbeitsgeber mit dem freien Neger gemein- schaftlich haben, bald den gewünschten Rechlszustand! herstellen, welcher sogar jetzt schon an vielen Orten als begründet betrachtet werden kann. Wenn man die kolossalen Ereignisse Amerika's überblickt, so er-. scheinen die Störungen, welche sich jetzt noch hier und da kund geben, ganz winzig klein, gegenüber dem Großen und Erhabenen, das durch die Republik erzielt worden ist. * London, 8. Jan. fDie„Times" über Preußen und über Spanien. Fenierprozeß.f Die heutigen„Times" bringen einen Artikel über die gegenwärtige Lage Preußens, worin der oppo- sitioneillen Haltung Rußlands in der Annexion«- frage zugeschrieben wird, daß der König nicht mehr geneigt sei, den Rathschlägen des Grafen Bismarck zu folgen. Die Annexion fei deshalb als aufge« geben zu betrachten, da der König auch keine Lust verspüre, den von Frankreich geforderten Preis dafür zu zahlen. Ueber Spanien schreibt das gleiche Blatt, daß, wenn auch die spanische Regierung in den letzten sechs Monaten sehr unklug gehandelt habe, doch kein eigentlicher Grund zu einer Revo- luiion vorhanden sei.(!) Der Artikel schließt: O'Donnell, der Premier-Minister des Königreiches, ist ein entschlossener Soldat, ei» guter Verwaltungsbeamter und kein illiberaler Staatsmann.(I) Er ist beliebt in der Armee, und so weit wir es beurtheilen können, sollte er im Lande nicht unpopulär sein. Wir in England dür- sen gewiß der Meinung sein, daß Spaniens auswärtige Politik eben so unklug wie willkürlich gewesen ist, und daß seine anmaßliche Einmischung in die südamerica- uischen Republiken ein schwerer Jrrthum war. Vielleicht sind einige Spanier derselben Ansicht, aber eS ist nicht vorauszusetzen, daß die Regierung aus diesen Gründen dem Volke verhaßt sein sollte. Dent friedliebenden Bourgeoisblatte ist begreif- licher Weise jeder Umsturz immer und überall ein Dorn im Auge.— Im Fenierprozeß zu Dublin ist der Angeklagte Kickham gestern zu 14 Jahren Strafarbeil verurtheilt worden. * Italien.[Neue Ministerkrisis. Rekrutenaushebung. Die Wahl Mazzini's.f Kaum glaubte man die Ministerkrisis mit der Er- nennung und Annahme Scialoja's als Finanzmini- nister beendet, so spricht man schon wieder von der Entlassung des neuen Ministers, dessen Ernennung in allen Theilen des Landes einen wahren Sturm des Unwillens hervorgerufen hat. Die Blätter- aller Farben rücken mit den peinlichsten Anklagen gegen den Mann hervor, welcher sich zu solchem Posten zu drängen wagte. Es stellt sich heraus, daß die Klagen über den Mißbrauch, welchen Se- natoren und Deputirte mit den Freikarten auf Eisen- bahnen und Dampfschiffen trieben, indem sie die- selben theils an Freunde und Bekannte ausliehen, theils sie auf ihre gesammle Familie und Diener- schaft ausdehnen wollten, sich hauptsächlich auf den Senator Scialoja beziehen, welcher sich deshalb mehrmaligen Weigerungen des Stationschefs von Turin aussetzen mußte. Es stellt sich ferner heraus, daß der neue Mlrnster, als er sich im Jahre 1863 während einiger Vkonate in Paris befand, um den in Italien so viel beklagten Handelsvertrag abzu- schließen, bei seiner Rückkunft seinem Freunde, dem damaligen Finanzminifker Minghetti, eine Rechnung von 60,000 Fr. einreichte, die dieser dem Herz- brnder ohne einen Pfennig Abzug auszahlte. Es stellte sich endlich heraus, daß derselbe Herr Scialoja als Mitglied der Oberrechnungskammer den Verkauf der großen Silawälder in Calabrien leitete. Als die betreffenden Papiere vor den Se- nat kamen, fehlten die dazu uölhigen Documente. Herr Scialoja, welcher in dieser Sache zugleich Berichterstatter im Senat war, erklärte, er werde nicht ermangeln, dieselben herbeizuschaffen; allein bis zur Stunde sind sie nicht beigebracht und der Senat soll gewillt sein, deshalb eine Interpellation an den Finanzminister zu stellen. Noch erzählt man sich mir Nennung aller Namen eine Menge von Diu- gen fast unglaublicher Art und doch sind die Ankläger zur Beweisführung bereit. Unter solchen Umständen Feuilleton. Sildcr aus dem Ärbeiterlelirn. Von Huflav K. III. Kampf zwischen Arbeit und Kapital. 2. D a s Wei b. (Forlsetzung.) Ohne Zweifel werden die Leute, welche die Unab- änderlichkeit der Schickungen predigen, dies Alles mir Spott und Geringschätzung vernehmen; sie werden sagen: Mein Gott!... was silr ein Geschrei wegen eini- ger Büschel Haare! Was kümmert das uns, ob diese Bauernmädchen abgeschoren werden, wie die Chor- knaden? Haben sie doch zwanzig Sons mehr in ihrer Tasche... Aber eine andere Folgerung, welche ans die Roth gegründet ist, wird Euch zum Mitleid stimmen... Hat sie doch so viele,... so viele traurige Folgen... die Roth!... Ja, Ihr werdet Mitleid fühlen... Ihr jungen Frauen, die Ihr lächelnd vor Eurem Spiegel l steht, und ein wonniges Vergnügen daran findet, Euer schönes Haar mit Blume» und Edelsteinen zu schmücken, ... oder auch,... ein Beweis noch größerer Gefall-! sucht, es frei und schmucklos zu lassen... Ihr werdet Mitleid fühlen, glückliche Mütter, die i Ihr so stolz seid aus die langen Flechten, welche das enzelgleiche Haupt des Kindes zieren, das Ihr jeden Abend mit Zärtlichkeit in Eure Arme schließt... Ihr werdet Mitleid sllblen... Ihr Liebenden, die Ihr das weiche, duftende Haar Eurer Geliebten an Eure j glühenden Lippen drückt... Auch Ihr endlich... auch Ihr werdet Mitleid süh- i len... die Ihr Gott in seinem Geschöpfe liebet, ver- � ehret, anbetet, und in denen es ein bitteres Gefühl er- weckt, wenn Ihr es hingewelkt, seines Schmucke« beraubt und entwürdigt seht. Wenn ich mir nun zum Schluß dieses Artikels erlau- ben will, einige die Emancipation des Weibes betreffende Vorschläge zu machen, dürste mir nicht mit Recht ent- gegengehalten werden, daß, da über diese Frage ein un- j endlich Langes und Breites zusammengeschwatzt worden, es am besten sei, von jetzt an lieber ganz den Mund zu halten und für unser» guten Willen allein die Thal sprechen zu lassen? Ich glaube, nein! Geschrieben ist über diese Frage allerdings mehr als zuviel, allein fast ausschließlich von den Wortführern der heutigen, so unendlich jämmerlichen Bourgeoisie und daß man e» hier natürjich bei dem bloßen Lesen und Schreiben, Schreiben und Lesen bewen- den ließ, dürfte wohl vorauszusetzen sein. Blicken wir z. B. auf die Sue'schen Werke, in denen zuerst der Vor- hang von dem gräßlichen Elende, in dem das Weib schmachtete, gezogen wurde, zuerst Vorschläge gemacht wurden, die aus einer genaue» Kenntniß der Lage des Weibes entsprangen— welches ist ihre Wirkung? Run Rührung, Thränen; aber was allein' helfen konnte, die Thal, blieb aus. Denn Site beging den unverzeihlichen Fehler, sich nicht, wie z. B. Laffalle, direct an die Arbeiter zu wenden, vielmehr waren seine Worte an„die Gesell- schaft" gerichtet, an die Gesellschaft, unter der man na- mentlich zn seiner Zeit die Bourgeoisie verstand. Run, wie sie seine Vorschläge erfüllt, zeigt die Grün- dung der Ratioualwerkstätlen, mit deren wahrer Geschichte kein Arbeiter unb-kannt sein dürfte. Ueberbanpt finden wir in dem ganzen Verhalten der Bourgeoisie jenes verächtliche, feige Zurückweichen vor der Tbal bei jeder ernstlichen Forderung. Rur iin Roth- falle erbebt sie sich zur That und auch im letzteren Falle sucht sie den Arbeiter in seinen gerechten Forderungen zu täuschen. Das ist nicht bloße Annahme, das ist erwiesene That- fache. Wir erinnern bloß an alle Vorgänge, die zur Grün- dung der Schulze'schen Sparkassenvereine führten. Erst leugnete man, daß der Arbeiter überhaupt der Hülfe be- dürfe; als dies nicht mehr gewagt werden durfte, half man sich mit— Kründung von Vereinen, die dem Ar- beiter auch den letzten Pfennig entziehen sollten, den er de» seiner schweren Arbeit erübrigte und, wenn nicht zum gewöhnlichen Lebensunterhalt, auf alle Fälle aber Erziehung seiner Kinder bedarf.