Nr. 18 Berlin, Dienstag den 22. Januar 1866. Zweiter Jahrgang. Social-Dtmokmt Diese Zeitung erscheint täglich niit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin aus der Expedition, natlich K Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Kiimgl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Spandauerbrucke 3, sown ämtern WVs Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. land I8»/4Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr. sfl. 1. 45. südd., st. 1. 50. österr. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Z-ile bei Währ.) pro Quartal. Arbeitsr-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr.«wechiiet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: �lr. Leoäer, 8. Linie New-Port-Street, Leicester- Square W. C. London. Agentur für Frankreich- 6. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. Die reine Demokratie und die Zocial- Demokratie. in. Die nichlbesitzende Klasse ist sich, sobald sie zum Klassenbewußtsein gekommen, sobald sie ihr Klasseninteresse erkannt hat� darüber vollkommen klar, daß die Erfüllung ihrer persönlichen Eni- Wickelung und thatsächlichen Gleichstellung mit der besitzenden Klasse nicht erwartet werden kann von der bloß abstracten Anerkennung des Princips der Gleichheit und der Volkssouveränetät, von der Idee! der reinen Demokratie. Sie begreift vielmehr, daß sie suchen muß, sich einen überwiegenden Einfluß auf die Staatsgewalt i zu verschaffen, um dieselbe im Sinne ihres Klassen-! interesses in Thätigkeit zu setzen, d. h. sie zur Her- j beifübrung der Möglichkeit zu veranlassen, in glei- � cher Weise wie die besitzende Klasse von der Güter- erzeügung, vom industriellen Erwerbe, Nutzen zu ziehen, oder mit anderen Worten, den vollen Er- trag der Arbeit zu genießen, kurz, aus dem Nicht- besitz zu Besitz zu gelangen und damit die Klassen- gegensätze verschwinden zu machen. Danach gestalten sich denn auch, wie schon früher hervorgehoben worden, ihre Anforderungen an die Verfassung und an die Verwaltung des Staa- tes sehr verschieden von den Forderungen der be- sitzenden Klasse an dieselben. Zunächst für die Verfassung- Uebereinstimmend mit dem Priucip der reinen Demokratie(nickt zu verwechseln mit dem Streben der besitzenden Klasse, welche, wie wir gesehen haben, das reindemokratische Princip nicht gelten läßt) er- kennt auch die Social-Demokralie, erkennt auch die nichtbesitzcnde Klasse als alleinige Grundlage der Theilnahme am Staatswillen die reine Persön- lichkeit, unabhängig von jedem Maße des Be- sitzes, an. Ihre erste Anforderung an die Verfassung ist daher das allgemeine, gleiche und directe Wahlrecht mit geheimer Abstimmung, in seiner Anwendung nicht etwa bloß auf die Volks- Vertretung, sondern in allen Gebieten des Staats- lebens. Die zweite Forderung dieser Klasse in Beziehung auf die Verfassung besteht in der unmittelbaren Beherrschung der höchsten Organe der Staatsgewalt. Es ist dies eine Forderung, die sich sofort er- klärt, wenn man beachtet, daß die nichtbesitzende Klasse die Staatsgewalt nur als Mittel zum Zweck der Benutzung zur socialen Gleichstellung mit der besitzenden Klasse auffassen muß und daß ferner, je selbstständiger die höchste Staatsgewalt ist, sie, in Folge des conservaliven Charakters jeder Art von Regierung, desto mehr die Tendenz haben wird, die Erhallung des Besitzes über die Erhebung des Nichtbesitzes zu stellen. Das Interesse der nichtbesitzenden Klasse verlangt daher möglichste Unselbstständigkeit der höchsten Staatsgewalt, indem diese so wenig wie möglich in Einer Person vereinigt sein und so wenig wie mög- lich von persönlicher Selbstthätigkeit bestimmt wer- den soll. Die nichtbesitzende Klasse wird daher für ge- wöhnlich keinen Präsidenten, und am aller- wenigsten einen unverantwortlichen Präsiden- ten an der Spitze der Regierung haben wollen, sondern weit lieber einen wählbaren und zugleich verantwortlichen Ausschuß zur Leitung der höchsten Staatsgeschäfte, d. h. lediglich zur Aus- führung der Beschlüsse, welche allein von der Volks- Vertretung gefaßt werden. Als dritte und letzte Anforderung der nickt- besitzenden Klasse an die. Verfassung erheischt das Interesse derselben die' Ernennung verant- wortlicher Minister durch die Volksver- tretung, nicht durch die Staatsgewalt, womit diese gänzlich wieder in das Volk zurückfällt und dieses den Staat vollständig beherrscht, Staat und Gesellschaft sich gegenseitig decken. � Schroff also und gegensätzlich stehen, wie wir gesehen haben, die Anforderungen des Nichtbesitzes an die Verfassung denen des Besitzes gegenüber, noch schroffer und gegensätzlicher die gegenseitigen Forderungen an die Verwaltung. Hierüber im nächstfolgenden Artikel. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 22. Jan.(In der Elbherzog- thümerfragej stehen nach„Daily News" Eon- ferenzen bevor,„bei denen England sich zu bethei- j ligen kaum ablehnen würde." —■[Ucber die wahre Stimmung des Volkes gegenüber der parlamentarischen Fortschrittscomödie) schreibt ein hiesiger Cor- respondent dem radical-demokratischen Mannheimer deutschen Wochenblatte Worte, die uns aus der Seele gesprochen sind. Sie lauten- Es gab eine traumschöne, kindliche Zeit, wo da« Boll an die fortschrittliche Mythologie glaubte, den Ber- j sassungs-Konflikt für ein„Mißverständniß" hielt und jeder Kammereröffnung mit hoffendem Herzklopsen ent- gegensah, weil es der Ueberzengunz lebte, der König würde die Thronrede benutzen, um die durch den dämoni- scheu Einfluß der Minister bisher zurückgedrängte Sehn« sucht nach„Frieden mit seinem Volk" endlich znm Durch- bruch kommen zu lassen und dem Abgeordnetenhan« den Oekzweig z» reichen. Sogar im vorigen Jahr entdeckten wir noch verschiedene Leutchen mit kräftigem Glaubens- und schwachem Denkvermögen. die sich in ähnlichen > Hoffnungen wiegten. Jndeß Alles hat seine Gränzen, selbst deutscher Vertrauensdusel. Diese traumschöne kind- i jiche Zeit liegt hinter uns; Niemand erwartete bei Er- � öffnung der neuen Session einen angenehm überraschenden 'Theatercoup, zumal man durch die offiziöse Presse er- fahren hatte, daß der König-s nicht der Mühe werth erachte, die Thronrede eigenmündig zu verlesen. Es gab auch eine traumschöne, kindliche Zeit, wo da« Volk aii die Allmacht des Worts und der Worthelden glaubte, wo es den VersassungSparagraphen T V Z t"ne geheimnißvoll unwiderstehliche Gewalt beimaß und der „felsenfesten Ueberzcugung" lebte, falls der dämonische Einfluß der Minister nicht durch den König selbst ge- brochen werden könne, brauchten die Abgeordneten nur besagte Paragraphen T V Z recht oft und mit recht lauter Stimme herzudeklamircn— und da« Bismarck'Iche Jericho werde in Trümmer sinke», und der von dem bösen Bann befreite König seinem Volk selig an dke Brust sinken. Ach! Alles hat seine Gränzen,— gleich dem deutschen Vertrauensdusel auch der deutsche Glaube an die Allmacht de» Worts und der Worthelden. Dies« traumschöne kindliche Zeit liegt hinter uns: Niemand cd- wartete von der neuen Session ein Wortmirakel. Es gab ferner eine traumschöne kindliche Zeit, die der soeben beschriebenen unmittelbar folgte, wo das Volk in seinen Worthelden Männer erblickte, Männer, die, wenn es noththue, wenn das Wort sich nicht allmächtig be- währe, fortschrittlich vom Wort zur Thal fortschreiten und, muthig vorgehend, den Weg zum Sieg zeigen wür- den. Ach! den fruchtlosen Worten sind keine Thaten nachgekommen, und Alles hat seine Gränze,— gleich . dem deutschen Vertrauensdusel und dem deutschen Glau- ben an die Allmacht des Worts, auch der deutsche Per- sonenkultu«. Freuen wir uns darüber und schöpfen wir dar- aus die Ueberzeugung, daß noch so Manches em Ende nehmen wird und schließlich Wahrheit und Recht triumphiren werden über Humbug und Gewalt. — sUeber die erste Scheidung der Par- teien im preuß. Abgeordneteuhause) schreibt sehr treffend„der Bote vom Nicderrhein": Die Parteien haben sich gemessen; die Frage der Bud- getberathnng ist entsckieden und es hat sich gezeigt, daß weitaus die Mehrheit des Abgeordnetenhauses aus Gothaern besteht. Graf Schwerin will keine Ueber- stürznng, Gneist wittert einen extremen Schritt in dem Antrag auf Vorberalhung, und Waldeck— nun, we«- halb sollen wir Waldeck nicht in dieser Gesellschaft nen« nen? Waldeck meint, es sei Alle« in Ordnung, c« stehe vortrefflich, und sei gar kein Grund, anders zu verfahren als früher. Man muß dem Alten lassen, daß er conse- qnent ist. Er hat immer gewünscht, daß der Eonflirt „chronisch"(andauernd) würde, und er hat stets die An- ficht vertreten, daß nur durch eiucn jahrnangen Kamps um die Verfassung das Bewußtsein der Volksrechte tief genug in das Volk dringen könnte. Waldeck>st e>n un« verbesser.icher Doctrinär: er sieht und Hort nicht« von dem, was im Lande vorgeht— Beweis: seine Rede in der Coalitionssrage und sein Verhalten in der schleswlg- holsteinischen Angelegenheit. Da hat er gut consequelit bleiben. Mit all seiner Conseqnenz war er eben doch früher Demokrat und ist jetzt Gothaer. weil die Anwen- dung desselben politischen Lehrsatzes auf verschieden- Ber- Hältnisse eine ganz verschiedene Bedeutung hat.— Löwe hat die Lage de« Landes am richtigsten bezeichnet, aber man begreift nicht, wie ein Mann bei so klarer Einsicht immer noch hoffen kann, mit der b iir ger li che n Aristo- kratie ans Ziel zu kommen. Löwe hat das�roße Wort gesprochen, daß die Abgeordneten jetzt„ihr Testament machen"/ die Herren haben aber vergessen, für einen Executor zu sorgen.' '„Lasset die Tobten ihre Tobten begraben!' —[Die„Norddeutsche Allgemeine Zei- tung'� beginnt ihren Leitartikel mit den Worten- „In der Fortschrittspartei circulirt nackstehenber Aufruf- Nun folgt die Aufforderung Prim'S zur Re- voluticn, mit Hinweglassung des Namens und Vcr- drehung einiger Ausdrücke. Diese Proclamation schiebt sie dem Präsitenten Grabow unter und bringt erst am Schlüsse des Artikels die Enthüllung, daß Prim das Actenstück verfaßt habe! Abgesehen davon, daß das Denunciatorische dieses BersahrenS sich selbst ver- urtheilt,(wenn nämlich wirklich Etwas zu denun- ciren wäre) können wir nicht begreifen, wie die „Nordd. Allg. Ztg." sich darin gefallen kann, Fort- schrittler wie den Präsidenten Grabow zu Revo- lutionären zu stempeln. Fällt ihnen ja gar nicht ein. Im Gegentheile fürchtet die Mehrzahl derselben, mit nur wenigen Ausnahmen, nichts mehr, als eine Revolution. —[Verhaftung deS Herrn R. Schling- mann.) Wie gemeldet wird, ist der hiesige Ver- lagSbuchhändler Herr R. Schlingmann behufs Antrittes einer zweimonatlichen Strafhaft am 19. d. M. verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte unmittelbar auf den Eintritt der Rechtskraft des Urtheils und bevor noch der Verurtheilte davon Kenntniß erhalten hatte. Nach einer uns eben zu- gehenden Nachricht wäre derselbe bereits gestern wieder auf freien Fuß gesetzt worden. —[Preußische Preß. Schicksales. I» Elber- selb ist der veramwortliche Redacteur des zu Langenberg erscheinenden„Zeilungsboten," Herr Julius Joost, vom Zuchtpolizeigerichl wegen des Aufsatzes in Nr. 85. „Lassalle und Schulze-Delitzsch," zu einer Geldbuße von 5 Thlrn. vernrlheilt, auf eingelegte Berufung hin, am 12. d. M. von der Appellkammer freigesprochen worden. Gegen den Redakteur May ist eine neue Untersuchung in Perleberg angestrengt. Der Termin zur Verhandlung steht aus den 26. d. M. an; im Falle May nicht erscheinen werde, ist demselben zwangsweise Gestellung angedroht. Der Oberstaatsanwalt hat gegen die frühere Freisprechung May's Seitens de« Perlebcrger Kreisgerichts appellirt und ist die zweitinstanzliche Ver- Handlung wegen Majestätsbeleidigung vor dem Berliner Kammergericht aus den 23. d. M. angesetzt worden. * Cfsen, 21. Ja»[Zur Agitation gegen den Eensus bei Gemeindewahlenj enthält die letzte Sonnlagsnummer des von I)r. Lange redigirlen„Boten vom Niederrhein" nachstehenden Aufruf„an die Arbeiter von Esten und Um- gegend": In ganz Europa beginnt sich der Arbeiterstand zu regen, um durch vereinte Kraft auf dem Wege des Ge- setze« ei» bessere« materielle« Loos und volle bürgerliche Gleichberechtigung mit allen andern Berussklafsen zu er- langen. In England, wo diellebermacht des Kapitals lange Zeit am drückendsten war, wird das Coalitions- recht in immer größerem Maßstabe zum Vortheil der arbeitenden Klasse angewandt und in zahlreichen Volks- Versammlungen wird da« allgemeine Wahlrecht verlangt. Selbst in dem so schwer unterdrückten Frank- reich habe» die Arbeiter bereits eine Befserung der Gesetzgebung zu ihren Gunsten erlangt und harren des Tages, der ihnen ein vollere« Maß der Freiheit bringe» wird. Jenseits des Oceans kämpfen die Arbeiter unter dem Schutz der freien Gesetzgebung der Vereinigten Staaten jetzt für die Beschränkung der Arbeitszeit aus acht Stunden. Leider sind wir von einem solchen Fortschritt in Deutschland noch weit; aber doch ist in allen Theilen unsere« großen Vaterlandes wenigsten« der unerläßlichste Anfang zu einer Besserung gemacht, indem die Arbeiter begonnen haben, über ihre Lage nach- zudenken, die ihnen fehlenden Rechte zu fordern und sich durch Vereine und Genossenschasten so weit selbst zu helfen, als es die engen Schranke» unserer bestehenden Gesetzgebung zulassen. Arbeiter von Essen und Umge- geud! Duldet nicht länger, daß man von eurer weitbe- rühmten Industriestadt sage, daß sie allein in dieser großen, gemeinsamen Sache zurückstehe. Belheiligt euch schaareuweise an der bevorstehenden Versammlung und unterstützt jedes zweckmäßige Mittel, da« Euch zur Besserung Eurer Lage vorgeschlagen wird. Laßt Euch nicht dadurch abschrecken, daß der Erfolg noch in weiter Ferne steht. Einmal muß angefangen werden und wenn auch Generationen vergehen sollten, bevor sich der Ar- beiterstand in der ganzen civilisirten Welt eine wahrhast menschenwürdige Stellung errungen hat, so wird doch kein wackerer Mann bei dieser Arbeit zurückstehen wollen. Noch stet« hatten solche Bestrebungen, die ohne alle Verabredung in den verschiedensten Länder» mächtig und immer mächtiger austraten, einen großen geschicht- lichen Berus. So ist es jetzt mir der allgemeinen Ar- beiter-Bewegung und darin liegt die Bllrgschast für einen schönen, wenn auch schwer zu erringenden Erfolg. Ausland. * Paris, 20. Jan.[Tagesbericht- Mi- nisterrath. Preßverfolguna. Gutachten über das Genossenschafts-Wesen.) Heute Nachmittag wurde in einem außerordentlichen Mi- nisterrath, welchem der Kaiser präsidirte, die Rede beschlossen, welcbe dieser nächsten Montag halten wird. Es soll ihr die Bewunderung aller Anwe- senden zu Theil geworden sein. Doch ist es nicht unmöglich, daß, wie es schon oft vorgekommen, der Kaiser übermorgen ganz andere Dinge sagt, als seine Minister heute zu hören bekamen.— Die hiesigen Behörden treten fortwährend äußerst streng gegen die Presse auf, und überhaupt gegen Alles, was zu ihr gehört. So fand das Projeet, dem- zufolge eine gewisse Anzahl von Schriftstellern einen Verein oder Clnb bilden wollten, keine Gnade vor ihren Augen, und, um die Sache kurz zu machen, verweigerte die Polizei die Ermächtigung zu einer Vorversanimlung, worin über daS Project becathen werden sollte.— Die Einziehung der Gutachten über das Genossenschaftswesen ist been» digt und man sieht jetzt der Veröffentlichung dieser Actenstücke— etwa 60 an der Zahl— und des Referats des von der Commisston zum Bericht- erstatter ernannten Hrn. Duvergier entgegen. Jedoch kann man bereits im Allgemeinen die Rich- tung angeben, welche dem neuen Gesetzentwürfe durch die Ergebnisse der Untersuchung vorgezeichnet wird. Dieselbe erstreckt sich der Natur der Sache nach nicht nur auf die eigentlichen Cooperativ-Genossen- schaften, sondern mußte auch die den Aktien- und Handels-Gesellschaften überhaupt zu Grunde liegen- den Principien berühren. Die Nothwendigkeit eines Specialgesetzes für die Genossenschaften wurde all- gemein abgewiesen und die Vereinsfreiheit für in- dustrielle und commercielle Zwecke eben so einhellig gefordert. Man sah in den Beschränkungen dieses Rechts den Hauptgrund, weßhalb das AssociationS- princip in Frankreich noch nicht die Früchte ge- tragen, wie in England und Deutschland. Der einfachste und radicalste Vorschlag wäre daher, wie Ollivier verlangte, den jetzt geltenden Titel über die Gesellschaften durch einen Artikel zu er- setzen, welcher die vollständige Freiheit der ökono- mischen Association feststellt. Andere jedoch, nament- lich I. Simon, schlugen das weniger durchgreifende Mittel vor, in das bestehende Gesetz noch als be- sondere neue Form die Gesellschaft mit veränder- lichem Kapital und veränderlichen« Personal einzu- führen. Eine dritte Ansicht endlich will nur eine liberalere Modification der bereits bestehenden Be- stiinmungen, durch welche der Bildung der Gefell- schaffen und Genossenschaften ein größerer Spiel- räum eröffnet würde. * London, 19. Jan.[Die„Times" aber- mals über das Fenierthum und Irland.) Welche tiefgehende Bedeutung im Grunde die fenische Bewegung haben muß, scheint uns ain deutlichsten daraus hervorzugehen, daß die„Times" nicht müde werden, immer wieder und wieder in großen Leitartikeln darauf zurückzukommen. Sie bringen neuerdings einen solchen Artikel, in wel- chen« auszuführen gesucht wird, daß das Fenier- thum nichts weiter als der roheste CommunismuS sei, der sich gegen alle politischen Fragen durchaus theilnahinlos verhalte und alle Personen, die nicht zu seiner Fahne schwören, ganz gleich behandele. Das Blatt schreibt- Das Fenierthum in Irland ist, da« liegt klar zu Tage, nichts weiter al« der roheste Eommunis- inus, der sich gegen alle politischen Fragen durchaus theilnahmlos verhält und alle Personen, die nicht z» seiner Fahne gehören, ganz gleich behandelt. Der Edel- mann auf seinem Schlosse, der Händler in seinem Laden, der Pachter in seinem Meierhos, der Priester in seiner Capelle werden alle als gemeinsame Feinde angesehen, die alle umgebracht, ausgeplündert und ausgerottet wer- den müssen durch die Apostel diese« neuen und unduld- samen Glaubens. Das Fenierthum scheint nur Ein Per- brechen zu kennen, und diese« Verbrechen ist der Besitz von Eigenthum. Man sollte doch meinen, daß einer sol- chen Gefahr gegenüber alle Klassen zusannnenstehen müß- ten. Die unteren Stände in Irland haben mit den höheren gebrochen: der«virkliche Conflill geht nicht, wie so oft dargestellt worden ist, zwischen Irland und England, auch nicht zwischen zwei althergebrachten irischen Parteien, sondern zwi- schen denen, die nichts haben, und denen, die etwas zu verlie- ren haben. Würde das Menschengeschlecht durch Vernunft, statt durch Vorurtheil und Leidenschaft regiert, so müßte die jetzige Zwietracht Irlands zur Heilung führen und die Fenier würden ihrem Lande wider Willen eine fast eben so große Wohlthat erweisen, als sie jetzt Unheil über dasselbe zu bringen trachte». Die so lange den verschiedenen Klassen Irland« immer vergebens gepre- digle Eintracht wird jetzt durch die gemeinsame Roth befürwortet und durch die gemeinsame Furcht begründet. Eine Klaffe in Irland giebt es, die durch den Äufstand der Fenier in eine ganz besonder« peinliche Lage gekom- men ist. In den letzten drei Jahrhunderten ist es die Politik der Regierung von Irland gewesen, die römisch- katholischen Priester von den freiwilligen Gaben ihrer Heerde leben zu lassen. Die Folge davon war, daß Priester und Volk zu einander in je»- nähere Beziehung traten, die ans dem Austausch von Wohlthaten entsteht. Aber es geschah mehr. Die Priester mußten, um sich eine an- ständige Existenz zu sichern, sich den Vorurtheilen und Anschauungen ihrer Heelden anbequemen. Statt zu leiten, mußten sie sich leiten lassen. Hierauf wird, nach einer weiteren Auseinander- setzung dieses Verhältnisses, der Rath ertheilt, die „ffhl so günstige Gelegenheit" zu benutzen und den „römisch-katholischen Elerus auf Staatskosten zu besolden." Die halbe Million, die dazu erforder- lich wäre, könnte gar nicht besser angelegt sein. „Friede und Eintracht, Gehorsam gegen das Gesetz und Sicherheil des EigenthuniS sind mehr werth, als Flotten und Armeen. Wenn die Geistlichen in ihrem Lebensunterhalt nicht mehr von der Volks- gunst abhangen, werden sie mit mehr Muth und Ansehen gegen das Fenierthum auftreten können." * Spaiile».[Der Aufstau d.)„Prim hat Berlanga verlassen und ist nach Segura gerückt." So wirb aus Madrid, 19. Jan., telegraphirt. Die Bewegung nach Andalusien auf der Straße, die nördlich von der Sierra de Constantina durch den Süden von Estremadura zieht, bestätigt sich�also. Segura de Leon liegt hart an der andalusischen Gränze. Die Nacht vorher hatte dieses Corps in Bienvenida zugebracht. Der Vortrab, der bereits am 18. in Andalusien eingerückt«var, traf in Frejenel de la Sierra Abends 6 Uhr ein. Der dortige„Alcalde" meldete laut einer madrider De- pesche voin 20. an die Regierung-„Die Jnsur- genten verlangten, als sie um 6 Uhr hier einrückten, Rationen, mit dem Vorhaben, Nachtquartier zu machen; da sie aber erfahren hatten, daß Truppen anrückten, so eilten sie uin 8 Uhr kopfüber in der Richtung nach der Gränze fort, und Alles spricht für den Glauben, daß sie in Portugal eintreten werden." Ohne den„Glauben" an das Einrücken in Portugal und ohne das„kopfüber" der Flucht thut es keine madrider Depesche mehr. Der„Moni- teur" dagegen meldet:„Laut den jüngsten spanischen Nachrichten hat Prim die Gränze noch nicht passirt." Madrid ist noch immer ruhig; in Catalonien da- gegen steigt die Bewegung. Der Befehlshaber der Provinz Tarragona, General Pelacz, hat sein Haupt- quartier nach Reus verlegt, wo Priin zu Hause ist und von wo er 1843 init Narvaez zuin Sturze des Regenten Espartero auszog, um diesen Ort im Zaume zu halten. Reus liegt im Kreise Balls und Montblanch, wo der Aufstand sich organisirt und eine Bande von 800 Bewaffneten signalisirt wurde. Pelacz hat am 15. Januar auf der Eisenbahn Ver- stärkungen nach Reus und Villafranca und zu Schiffe nach Tarragona gezogen. Der„Moniteur" meldet nun:„Zlvölf Bataillone Infanterie und eine Schwadron LancierS wurden dem Comman- direnden der Provinz Tarragona zur Verfügung gestellt, um die Banden zu zersprengen." Die In- surgenten scheinen«vieder die alte Taktik zu beob- achten, sich in den Bergen zu organisiren, die Com- mandirenden zu zwingen, mehr und«nehr Barcelona und Valencia zu entblößen, so die Erhebung der großen Städte zu erleichtern und dann Colon- nen zum Zuge aus die Hauptstadt zu formiren. Jndeß sind die seil den letzten großen Aufständen von Narvaez und O'Donnell gebauten Eisenbah- nen und Telegraphen-Linien bedeutend in Rechnung zu ziehen.(Köln. Ztg.) * Seffweiz.[Internationaler Wein- bauern-Eongreß. General-Versammlung der internationalen Arbeiter- Association.) Der internationale Weinbauern-Coltgreß wird im