Nr. 22. Berlin, Sonnabend den 27. Januar l8K6. Zweiter Jahrgang. -Demolimt. Diese Zeitung ersckeint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social-demolratischcn Partei. Redigirt von Z.». v. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements� Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition. natlich 6 Sgr.� ein, eine Nummern 1 Sgr.; bei den KBnigl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Spandaucrbriicke 3, sow« ämtern 22'/« Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rotheu Dieustmann" cutgege» genomnien. land 18!>/4Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. I. 45. südd., st. 1. 5l>. östcrr. Inserate(in der Expedition aus,»geben) werden pro dreigeipalceiie Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. 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Glau- den Sie, weil Ihr Meister Bastiat ein begeisterter Anhänger Carey's ist, darum sei dieser wirklich so epochemachend, daß Niemand ein ökpnomisches Werk schreiben dürfe, ohne durchaus auf die An- sichten des Herrn Carey Rücksicht zn nehmen? Wir kommen auf Herrn Carey zurück. Sie fahren fort: Da« letzt erschienene Careh'scke Werk saßt die Auf- gäbe in einer Größe und Tiefe, an welche vor ihm nicht gedacht wurde. Die Nationalökono- mie erscheint darin als Theil der Socialwifsen- schast, d. h. der Wissenschaft vom Menschen als Ge sellschaftSwesen Überhaupt, welche es mit allen seinen von der letztern Eigenschaft niemals trennbaren Lebensbe- Ziehungen zu thun hat, und daher alle anderen Wissen- schafien umfaßt, mittelst deren der Mensch zum Bewußt- fein der Gesetze seines eigenen Wesen« und der ihn um- gebenden Natur gelangt, namentlich die letztere zu beherrschen und seinen Daseinszwecken dienstbar zn machen in den Stand gesetzt wird. Aber Herr Schulze, Herr Schulze! Haben Sie denn ganz den Kopf verloren? Wissen Sie denn gar nicht mehr, was Sie thun und schreiben? Also Carey's letztes Werk„faßt die Ans- gäbe in einer Größe und Tiefe, an welche vor ihm nicht gedacht wurde." Also vor Herrn Carey erschien die Nationalökonomie nicht „als Theil der Social-Wissenschaft, d. h. der Wissen- schast vom Menschen als«ocial-Wesen überhaupt?" Wissen Sie, Herr Schulze, daß Sie einen Men- schen, der Etwas gelernt hat, zur Verzweiflung bringen können? Was glauben Sie wohl, Herr Schulze, daß einem Studenten der Nationalökonomie geschähe, der im Examen auch nur eine Secunde die Ant- wort schuldig bliebe auf die Frage nach der Stellung der Nationalökonomie im System der Wissenschaften? Wie? Erst Herr Carey ist dahinter gekommen, daß die Rationalökonomie nicht etwa ein Theil der Chemie oder der Mathematik, sondern ein Theil der Socialwissenschaften ist? Und die Denker der englischen, der französischen, der italienischen und unserer eigenen politischen Oekononiie— sie alle hätten wirklich keine Vorstellung hiervon gehabt? Kennen Sie, Herr Schulze, unser altehrwürdi- ges Lehrbuch von Professor Rau, welches betitelt ist:„Grundsätze der VolkSwirthschaft?" Dieses Werk ist in erster Auflage erschienen im Jahre 1826, also vor länger als einem Menschenalter, ! und nach diesem Werke sind seitdem Tausende von Studenten examinirt worden. Und unter diesen Tausenden von Studenten, Herr Schulze, sind Alle, die nicht wenigstens die Grundzüge dessen wüßten, � was in diesem Buche steht, als Faulenzer oder un- fähige Subjecte erkannt worden. Hören Sic, was in unserem Rau steht! §. 4 heißt es: „Um die Ausgaben, welche die politische Oeko- nomie zu lösen hat, deutlich zu erkennen, muß man auf die Zusammensetzung des Staates zurückgehen." §.21; „Die VolköwirthschaftSpflege und die Regie- rungswirthschaft sind Zweige der Regierungsthätig- keit oder der Staatsverwaltung im weiteren Sinne und stehen über den auf andere Staats- zwecke gerichteten Gebieten jener Thätigkeit, welche entweder, wie die Justiz, die Polizei und Bildungssorge das Gemeinwohl im Innern deö Staates pflegen, oder, wie die StaatSvertheidigung (Militärwesen), und die auswärtigen Verhandln»- gen das Verhältniß eines Staates gegen das Aus- land sicherstellen sollen, ihre Stellen ein. Welche Zwecke überhaupt die Staatsgewalt verfolgen, wie weit sie für dieselben wirken und was sie den Ein- zelnen überlassen solle, dies kann nicht auf geschickt- lichem Wege, sondern nur durch philosophische Betrachtung erkannt werden. Man muß auf die Vernunstbestimmnng des Menschenge- schlechts und des Staates zurückgehen und hieraus das System der Staatszwecke ab- leiten. Es erzieht sich auf diesem Wege, daß der Staat die Sicherheit der Gesammtheit und der Einzelnen gegen innere und äußere Strömungen erhalten, die allseilige Bildung befördern und ans die Versorgung mit Sachgütern hinwirken soll. Diese Entwickelung fällt in das Gebiet der Staatswissenschaft oder Politik und zwar in den philosophischen und idealen Theil derselben, welcher die höchsten praktischen Gesetze für das ganze Staatslcben aufstellt und mit der Wissen- schast der sittlichen Gesetzgebung für das Privatleben(Sitten- und Rechts lehre, Ethik) ans gleicher Quelle fließt." Sie sehen, Herr Schulze, daß man unserem Rau, mag man nun mit allem Einzelnen einver- standen fem oder nicht, zugeben muß, daß er ganz genau zu Werke geht: er erklärt die Volkswirth- schast für einen Theil der Staatswissenschaft; er hebt sodann hervor, daß der betreffende Theil der Staatswissenschaft in der Social-Philosophie wur- zele, und endlich erklärt er. daß dieser Theil mit der Ethik aus Einer Quelle fließe. Nicht zufrieden hiermit, beschäftigt er sich in den folgen- den Paragraphen bis§. 27 incl. damit, das Ver- hältniß der Volkswirthschaft zu den verwandten Zweigen allseitig klarzustellen. Wird Ihnen hier- nach verständlich, daß unser Lehrbuch von Rau, . obschon nirgens den Ausdruck„Social-Wissenschaft" gebrauchend, deutlichst und bestimmtest die Volks- - wirthschaft als einen Theil der gesammten Wissen- schast auffaßt, welche die möglichen Beziehungen der Menschen als„Gesellschaftswesen" behandelt. � Verstehen Sie jetzt, woher es kommt, daß Sie in obiger Stelle„Bildung" und„Versorgung mit Sachgütern" dicht nebeneinander lesen? Der griechische Philosoph Aristoteles, der Ihnen ohne Zweifel dem Namen nach bekannt ist und der seine Werke vor Carey's letztem Werk herausge- geben hat, theilt die Oekononiie ein in: Privat-, Stadt-, Provinzial-, und Gesammlstaats-Oekonomie. Glauben Sie, Herr Schulze, daß dieser Un- glückliche, der die Unvorsichtigkeit halte, seine Werke vor Carey's letztem Werke herauszugeben, glauben Sie, daß dieser Unglückliche, als er auf jene Ein- theilung kam, so gar nichts dabei gedacht habe über die Verbindung des wirthschaftlichen Zusammen- Hangs mit den menschlich-gesellschaftlichen Zusam- menhängen überhaupt?— er mit der antiken Staatsidee? Sehen Sie denn jetzt ein, Herr Sckulze, wie sehr Sie Ihren Freund Carey compromittirt ha- be»? Begreifen Sie denn jetzt, was Sie angestellt haben, als Sie behaupteten, Herrn Carey's Ver- dienst bestehe darin, daß bei ihm„die National- Oeconomie als Theil der Socialwissenschaft er- scheine" und vor ihm sei an solche„Tiefe" der Auffassung„nie gedacht" worden? Schämen Sie Sich jetzt, Herr Schulze, daß Sie als eine Ent- deckung Carey's proclamirt haben, was in jedem, jedem Universitätslehrbuche für„Studenten der National-Oeconomie steht und was jeder, jeder Student im Examen wissen muß. Jeder Student? Ach nein! Begreifen Sie denn nicht, daß wenn Sie einem Bauer auseinandergesetzt haben, was man unter Volkswirthschaft versteht, dieser Bauer, sobald er kein Blödsinniger ist, unmittelbar erkennt und begreift, daß diese Wissenschaft einen Theil der Beziehungen betrifft, in denen die Menschen als „Gesellschaftswesen" stehen und daß es daher auch die„Aufgabe" ist, sie demgemäß zn behandeln. Begreifen Sie nickt, daß dieser Sachverhalt auch den; Ungebildetsten, obschon er freilich keine technischen Ausdrücke gebrauchen wird, doch völlig klar sein muß. wenn nur seine Vernunft im nor- malen Zustande ist? Und trotz alledem ist es Carey's Verdienst, jenen Zusammenhang entdeckt zu haben? Doch nein! das glauben Sie ja selbst nicht! Diese stürmische Begeisterung für Carey sollte daher rühren, daß dieser die National-Oekonomie als einen Theil der Socialwissenschaft erkannt und behandelt hat? Sie Schäker! Thun Sie doch nicht so. Wir haben's längst heraus, woher bei Ihnen nach dem VorgangeJhresMeistersBastiat diese stürmische Begeisterung für Herrn Carey stammt. Erstens leugnet Herr Carey dieBoden- rente und zweitens behauptet er, eS werde mit den Arbeitern immer besser werden, wenn man nur die Dinge ruhig wie bisher! fortgehen lasse.*) Doch davon nachher! Hören wir Sie zunächst weiter. Sie fahren fort: Indem Carey davon ansgehl. die Identität, das Zu- j sammensallen der pdyfischen und socialen Gesetze nachzu- weisen, führt er die socialen Erscheinungen überall ans die großen Naturgesetze zurück, die in ihrer Einfachheit und Allgemeinheit die Bewegung des Stoffes eben so als(Was hat dieses„als" hier zu thun? Der Schul- junge. Herr Schulze, der Schuljunge!) wie den Cultur- Forlschritt der Menschheit. Und demgemäß zeigt er uns auch, daß. wie die Gesetzlichkeit der Natur in der voll' kommenen Harmonie der Weltordnung ihren Abschluß findet, die Entwickelung der gesellschaftlichen Berhältnisse unser« Geschlecht« dem Ziele steler Vervollkommnung vcr- möge derselben ewigen Gesetze entgegenschreilet. Als Mittel, diese Ziele zu erreichen, gelten ihm: 1) die höchste individuelle Ausbildung der Einzelnen zugleich als Bedingung der höchsten gesellschaftlichen Entwickelung und 2) als das notbwendiqe Element hierzu die größte Freiheit, Hand in Hand mit der größten Ber- antworllichkeit für deren Gebrauch. Von den Lehren des Ricardo und Malthus aber, welche die Natur bei Schaffung des Menschen und Rege- lnng seiner Bedürsnisse als im Widerspruch mit sich selbst darstellen und aller Vernunft und Erfahrung entgegen den Rückschritt der Civilisation, die allmälige Verschlech- terung aller menschlichen Zustände in Aussicht stellen, weist er nach: „daß sie die unvermeidliche Folge haben, den Arbeiter schließlich zum Sklaven zu machen!" Und solche Lehren sind es. von denen Lasialle bei seinen Vorschlägen, wie den Arbeitern geHolsen werden soll, ausgeht. Bei ter Stelle„weist er nach", machen Sic einen AnmerkungSstcrn und bemerken da»», Sie Vortrefflichster: Die einzige Abweichung Earey's ist, daß er, mit be- sonderer Rücksicht ans die amerikanischen Verhältnisie, Schutzzölle zur Entwicklung der heimischen Industrie als Durldgangspunkt zum Freihandel für nölhig hält. Die einzige Abweichung? Wovon, Herr Schulz«? Von der Lehre Ihres Meisters Bastiat? Ja, ist dieselbe denn so sehr schon die allein selig machende Lehre, die Lehre schlechthin, daß jede Abweichung von ihr eine Abweichung schlechthin ist? O Sie Köstlicher! Wieviele kranke Abweichende giebt es dann in der National- Oekonomie? Doch nun zu Ihrem Text: Was Sie da sagen und von Herrn Carcy an- führen, ist Iheils uralt, wie z. B. die Bemerkung von der blebereinstiminuiig in der Natur, theils ist cS so allgemein verschwommen und entbehren die Begriffe so sehr aller Formbestimmlhcit, wie z. B. im Satz unter 2, daß alles Mögliche unter dem Gesagten gedacht werden kann, zu cinci» Angriff darauf also so wenig wie zu einer Zustimmung Veranlassung ist. Aber deutlicher, Herr Schulze, drücken Sie Sich allerdings aus, wo Sie sagen:„Ricardo und Malthus stellen die Natur bei Schaffung des Mensche» und Regelung seiner Bedürfnisse als im Widerspruch mit sich selbst dar und stellen, aller Vernunft und Erfahrung entgegen, den Rückschritt der Civilisation, die allmälige Verschlechterung der menschlichen Zustände in Aussicht." Hier haben wir doch wenigstens einen faßbaren Gedanken. Fassen wir ihn. Es ist zum Verzweifeln, welche Behauptungen Sie in die Welt schicken, Herr Schulze! Wieso denn, wodurch und wo thun MalthnS und Ri- cardo was Sie ihnen vorwerfen? Sind Sie denn so wenig in der Welt der Wissenschaft zu Hause, daß Sie nicht wissen, daß inan solche Männer. nicht mit einfach hingeworfenen, sondern nur mit sorgsam belegten, mit bewiesenen Behauptungen angreift? Aber wir wissen schon, Herr Schulze, waS Ihnen im Kopfe herumgeht. Sie haben, Gott weiß wie, •) In Betreff des letzten Puukles lautet, so viel wir uns erinnern, die Ausstellung Earey's:„Es ist eine immer steigende Tendenz zur Verbesserung und Ausglei � chnng(!) der Lage Aller, Kapitalisten wie Arbeiter, Grund- � eigenihümer wie Pächter, vorhanden." Leider können wir den Wortlaut im Augenblicke nicht constaiire», jedenfalls ist Obiges der genaue Sinn, wahrscheinlich auch der Wortlaut der These. etwas gehört von jenem ökonomischen Gesetz:„daß, unter sonst gleichen Umständen, von einem bestimm- ten Stande der landwirthschaftlichen Betriebsweise an, eine Vermehrung des Bodenertrages durch eine mehr als verhältnißmäßige Vermehrung der an- gewandten Arbeit bedingt ist. Herr Schulze, Sie sind ein köstlicher Kauz! Sie ahnen gar nicht, welch' innige Freude Sie uns be- reiten. Sie sind nämlich in praktischen Dingen ein Schlaukopf und wissen daher instinctmäßig, daß Sie Herrn Carey, der gegen die englische» Oeko- nonien, insbesondere gegen Malthus und Ricardo, die Bodenrente läugnet, Beifall zu klatschen haben. Aber dabei bemerken Sie gar nicht, Sie Köstlich- ster, daß Sie in Ihrem Eifer gegen die englische Oekonomie eine Position aufgeben, die für Sie und die Sache, die Sie vertreten, die günstigste von allen ist. Sie zeigen, Sie Unglückseliger, daß Sie, der Sie den Socialismus stürzen sollen, gar nicht wissen, wo Sie uns am Besten fassen können. Den» Sie begreifen, Herr Schulze, eine Sache mag noch so gut sei», mag wie die unsere, auf noch so festen Fundamenten fußen— es ist doch immer ein großer Unterschied, wie und von wo aus man sie angreift; es giebt einerseits Positionen, die dem Augreifer viele, dem Vertheidiger wenig Mühe machen, es giebt andererseits solche, die dem Angreifer wenige, dem Vertheidiger viele Mühe verursachen. Und mag, in diesem Falle, letzterer auch immer den Platz behaupten— eS kann ihm doch schwere Arbeit gemacht werden. Sie aber, Sie Köstlicher, fast hätten wir gesagt Sic Unbezahlbarer, Sie geben, obuc nur das Ge- ringste dabei zu denken, die günstige Position, die Sie, insbesondere von Malthus gedeckt, einnehmen können, in aller Unschuld auf. Danken Sie es uns, Herr Schulze, daß wir Sie dieserhalb nicht bei Ihre» Auftraggebern denunciren, was Ihnen schlecht bekomiiien könnte, danken Sie es uns, daß wir Ihne» gesagt haben, wo Sie uns fassen müssen, und nehnien Sie es uns nicht übel, daß wir diesen Gegenstand, den Sic selbst weit von Sich gestoßen haben, nicht heute und nicht Ihnen gegenüber behandeln. Wir haben die Geißel über Sie zu schwingen, wo Sie uns angreifen— nicht, wo Sie diejenigen Errungenschaften der großen Meister Ihrer Wissenschast, die am beste» sich gegen uns kehren ließen, aus Denkunfähigkeit uns preis- geben. Und jetzt, nach diesem ernsten Worte eine kleine Bemerkung über Ihren Freund Carey und die Lehre von der Thatsache, daß die Wirksamkeit ge- wisser Naturkräfte nickt der Gesamnitbeit, sondern Einzelnen, einer einzelnen Klasse zu Gute kommt. Hätten wir es mit Herrn Carey zu thun, so würden wir ihm nachweisen, daß von den beiden Hauptargnmenten, auf welche er seine Theorie von der Bodenrente(d. h. Nicht-Bodenrente) gründet, das eine sich in ein Mißverständniß auflöst, das andere auf einer BegrissS- Verwechselung beruht; allein wir haben es nicht mit Herr» Carey, son- der» leider mit Ihnen zu thun und müssen eilen, mit Ihnen fertig zu werden. Ja, Ja, Sie haben Recht, die Bodenrente zu leugnen, Sie Schlaukopf! Hätten wir eine große Aristokratie mit stetigem Grundbesitz, wie in Eng- land, so hätten Ihre Auftraggeber vielleicht weniger dagegen, wenn Sie ein Anhänger der Lehre von der Bodenrente wären. Aber so steht die Sache nicht. Da bei uns zu Lande der„Kapitalge- winn", den Aaron Löb in Nachtjackeu und Schlafmützen gemacht hat, unter Umständen in Rittergüter vertauschwerthet wird, so muß die Bodenrente unbarmherzig abgemurkst werden. Hilft Ihnen nichts! Sie sind verloren mit oder ohne Bodenrente. Ihr Freund Carey hat aber, wie bereits er- wähnt, noch ei» weiteres Verdienst: er behauptet: man soll die Dinge nur gehen lassen, wie sie gehen, dann würde» sich die Arbeiter ebenso wie die Mit- glieder der andern Klassen immer besser befinden. Sie begreifen jedoch, daß diese weitere Carey'sche Behauptung des Reizes der Neuheit in so hohem Maße entbehrt, daß wir uns bei derselben nicht weiter aufzuhalten brauchen. Und nun, Sic Köstlicher— fast hätten wir ! wieder gesagt, Sie Unbezahlbarer!— zu Ihren Angriffen auf Lassalle! politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 26. Januar. sDie Elbherzvg- thümerfrage betreffend j will man wissen, daß Louis Napoleon seine Absicht, niit Oesterreich ein definitives Abkommen zu schließen, erst dann i aufgegeben habe, als Preußen die bestimmte Ber- [ sichcrung abgegeben hatte, es wolle nicht die Elb- herzogthümer in dasselbe Verhältniß zur preußischen Krone bringen, wie dies mit Lauenburg geschehen sei. — sUeber d en pr eu ß isch en V er fass u ug s- Conflictj enthält das neueste Heft der Cotta- scheu deutschen Bierteljahrsschrift eine interessante Arbeit, als deren Verfasser ein„Preuße von Geburt" und ein„Mann, welcher in der Geschichte des all- gemeinen Staatsrechts und der Politik eine Epoche begründete"(weshalb nennt er sich nicht?) bezeichnet wird. Nach der Auffassung des Verfassers bildet der Conflict zwischen Volk und Regierung einen „nach strengem Recht"„unlösbaren" Knoten. � Der Grund davon liegt in der eigenthllmlich man- gelhaften Gestaltung der preußischen Verfassungs- Urkunde und besteht darin, daß sie das Budget als ein Produkt der gesetzgebenden Gewalt betrachtet und behandelt, so daß eS, wie jedes andere Gesetz, � den, Nichtzustandekommen ausgesetzt ist. Die Auf- stellung deö Etats ist aber kein Gesetz. Sie ist kein Gesetz, sondern ein Verlrag. Es handelt sich nicht um ein Gehorchen, sondern um ein Gewähren ! der Staatsbürger. Erst wenn die Steuern, An- leihen, Ausgaben bewilligt sind, werden sie gesetz- lich anfgelegt, vollzogen und veranlagt. Noch auf- fallender werden die Bestimmungen der Verfassung, wenn man das Budgetrecht»ach den Forderungen des Repräsentativ-Syslems mißt, da es das einzige � Mittel ist, wodurch die Volksvertretung eine in- ! dirccte Einwirkung auf den Gang der Regie- rung auszuüben vermag, während ihre directe Ein- : Wirkung beschränkt bleibe» soll. Das Budgetrecht soll dazu dienen, die Regierung zur Einschlagung einer solchen Richtung zu nölhigen, daß das ! Volk sich dabei befriedigt fühlt. Es ist klar, daß die Budgelbewilligung ein reiner Akt der Volks- Vertretung ist, und die Zustimmung der Regierung nur durch eine Begriffsverwirrung hineingezogen werde» kann. Die Regierung fordert, die Volks- Vertretung schlägt ab oder bewilligt, das ist das vernünftige. Verhältniß. Die Regierung mag for- der» was sie will, sie mag zu überzeugen suchen, daß ihre Forderung eine zweckmäßige ist; das nicht Bewilligte einzutreiben ist kein freies Verhältniß. Aber freilich, ist hinzu gu setzen, gehört zum Zu- slandekommeu eine gewisse Uebereinstinimung der Bestrebungen und Ueberzeugungcn. Wo diese Ueber- einstiminnng fehlt, enistchl mehr alö bloßer Zwie- spalt. Die von der schlauen Reaction octroyirte 1850er Verfaffung enthält aber den Artikel 109, wonach die Steuern fortcrhoben werden, so lange keine gesetzliche Aenderung vorgenommen ist. Die Verfassung stellt also kein Gleichgewicht der Gewalten her, sondern das Ueb ergewicht der Re- gierung.— Hier liegt der Hase im Pfeffer! — sPreußische Preß-S ch i cksa lc.) Gegen den Abg. Hoppe sollte gester» ein Prcstprozest beim Ober- tribunal verhandelt werden, der noch von der Thätigkeit de? Herrn Hoppe an der„Magd. Ztg." herrührt. In erster Instanz erfolgte eine geringe Geldbuße; der Staats- anwalt appellirte, weil nicht zugleich auf Vernichtung der inlrimiuirten Nummer erkannt war, und das Appells- tionsgericht vernrtheilte den Angeschuldigten in contumaciam zu viermonatlicher Gesängnißstrafe. Der gestrige Terini» wurde wegen Erkrankung des General- staatSanwalts verschoben. Der Redacteur der„Reuen Slettiner Ztg." stand am 23. in zweiler Instanz vor Gericht, angellagt au« s- kOl wegen eine» mehrerwähn- len Artikels(vom 3. August v. I.) über die Preußische Politik in der Schleswig-Holsteinischen Sache. In erster Instanz war aus Freisprechung erkannt worden und das Appellationsgericht bestätigte das Erkenntniß, indem es ansfiihrte, daß der Artikel nicht geeignet sei, Berach- tung zu erregen, wohl aber Haß, zu diesem aber als wesentliches Requisit eine Schmähung und Verhöhnung gehöre, diese aber als in dem Artikel nicht vorhanden von dem Kollegium angenommen sei.— In Bromberg