Nr. 2Sa. Berlin, Mittwoch den 31. Januar 1866. ZWkittr Jahrgang. Diese Zeimng erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festlage. Organ der social- demokratischen Partei. Redigin von Z. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Dresdnerstraste Nr. 85. AbonnementS-PreiS für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern I Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- ämlern iBN/s Sgr., bei den vreußiichen Postämtern im nichchreußischen Deutsch- land 183/« Sgr., gbrigen Deutschland 1 Thlr. sfl. 1. 45. slldd., st. I. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts aus allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Exprest-Lompaznie, Spatidauerbriicke 3, sowie auch uneiitgelilich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltenc Petit-Zeile bei Arbeiler-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. b-rechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder:»kr. Lender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich:(1. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brulte; Paris, 2. Conr du Commerce Saint-Andrä-des-Arts. Der tobte Schulze gegen den lebenden Lassalle. IV. „Das ökonomische Gebiet"— so sagt Lassalle —„unterscheidet sich von dem juristischen dadurch, daß während auf diesem, dem Rechtsgebiete, Jeder verantwortlich ist für da«, was er ge'lhan hat, auf Lkonomischem Gebiete umgekehrt heutzutage Jeder verantwortlich ist für das, was er nicht gethan hat." Diese Wahrheit, Herr Schulze, oder vielmehr der Umstand, daß man diese Wahrheit offen aus- gesprochen, hat Sie in große Entrüstung versetzt. Hören wir, was Sie sagen! �„So ist der Mensch beschaffen"— bemerken Sie—,.mic so sind die Umstände, unter denen er in die Welt gesetzt ist, daß von zwei Seilen her sein Dasein bestimmt wird. Einmal durch ihn selbst, seine inneren Eigenschaften, die eigenen Fähig- keitcn und Kräfte, deren Ausbildung und Gebranch, kurz sein Wollen und Können. Sodann durch die Außenwelt, wie sie einerseits als RaUirmacht, andererseits als die Summe der gesellschaftlichen Einrichtungen und Zustände, sowie de« Civilisations- grades der Zeilen und Kreise, in denen er sich be- -wegt, auf ihn einwirkt." Sie unterscheiden also ganz richtig, wo Sie von der„Außenwelt" sprechen, zwischen der„Natur- maibt" und den„geiellschaftlichen Einrichtungen und Zuständen." Aber hat denn die menschliche Gesellschast nickt die Macht, ihre Grundeinrichtun- gen zu ändern, so daß sie also für die Art und Weise, wie die„Summe der gescllschaften Einrich- tungen und Zustände" auf den Einzelnen einwirkt, verantwortlich bleibt? Aus dieser vorläusigen Einrichtung mögen Sie ersehen, baß mit der Berufung aus dieses Stück „Außenwelt", de» thatsächlichen Zustand der Ge- sellschafl, nichts gethan ist; denn dieser thatsäch- licke Zustand ist ein von der Gesammtheit selbst aufrechterhaltener. Was Lassalle behauptet, ist dies: das Wesent- liche der ökonomischen Lage eines Menschen wird bestimmt durch Factoren, die außer ihm, nicht in ihm liegen. Sie behaupten das Gegentheil. Untersuchen wir! Sie beginnen Ihre Polemik mit der Versicherung, daß es nicht einerlei sei für einen Menschen, ob er z. B. spare oder verschwende, faul oder fleißig sei. Kennen Sic die Geschichte von der Frau, die versicherte, die Kuhpockenimpfung schütze die Kinder durchaus nicht vor dem Tode, ihr Kind sei, obwohl geimpft, vom vierten Stockwerke zum Fenster hinaus gefallen und auf der Stelle todt gewesen? Wer in aller Welt, wird denn behaupten wollen, daß nicht Jedermann durch Faulheit, Verschwcn- dung oder irgend welche Excesse sich zurückbringen kann? Wir zweifeln keinen Augenblick, daß Ihr Freund Reichenheim, wenn er es darauf anlegt, binnen Jahresfrist sein ganzes Vermögen los wer- den kann. Aber was gehört das hierher? Wir haben unö einfach zu fragen: Wird, der Regel nach, abgesehen von Narren und liederlichen Subjecten, in ökonomischen Dingen die Lage des Menschen entschei- dend bestimmt durch Factoren, die in ihm, oder durch solche, die außer ihni liegen? Sie bezeichnen oben, in der zu Anfang citirlen Stelle, als bestimmend: des Menschen„eigene Fähig- keilen und Kräfte, deren Ausbildung und Gebrauch, kurz sein Wollen und Können." Wieso, Herr Schulze? Freilich giebl uns die Natur bestimmte Fähigkeiten mit, wenn wir in die Welt treten; allein die Art und Weise, wie diese Fähigkeiten ausgebildet werden, die Kenntnisse, die Fertigkeiten, die wir erwerbe», sind Sache der Erziehung. Wen» der Mensch zurechnungsfähig wird, findet er i» sich diese Ausbildung in hohem, minder hohem oder geringem Maße oder auch gar nicht vor. Welcher dieser Fälle aber eintritt, hing nicht von ihm ab, sondern von denen, welche seine Erziehung zu besorgen halte»; das Verhalten dieser aber wird in erster Linie bestimmt von dem größere» und gerin-' geren Vermögen, das ihnen zu Gebote steht. Wir sind also auf die Frage zurückgeführt: wodurch denn die wirthschaftliche Lage der Familie überhaupt be- stinimt wurde. Freilich, Herr Schulze, so tief und unausrolt- bar steckt in Ihnen der Bourgeois, der unter den anscheinend stolz ermunternden, in Wahrheit selbst- süchtig- heuchlerischen Worten der„Selbsthülfe und Selbstständigkeit" die wirkiche Eigenschaft des Men- schen als Gesellschastswefen, als Wesen, bei welchem die lebensvolle Entfaltung der in ihm liegenden Keime, die Verwirklichung der ihm möglichen Eigen- art, ohne die Mitwirkung Anderer gar nickt gedacht werden kann, schlechthin zu läugnen sucht— so tief steckt in Ihnen der Bourgeois, daß Sie Seite 7 Ihrer Schrift zu äußern wagen:„Und wie wir den Einzelnen aus der hlllflosen(!!) Kindheit sich allmälich zur Selbstständigkeit durchringen sehen" u. s. w., während doch in Wahrheit das Kind we- niger sich durchringt als vielmehr durchgerungen wird. Sogar das Kind also wird hier auf die !„Selbsthülfe" reducirt, damit n»r ja nicht die j„Selbsthülfe" Ihrer Auftraggeber ange- tastet werde, d. h. die„Selbsthülfe" derer, die durck Hülfe ihrer Tbaler die Hülse der Thaler- losen„nach Naturgesetzen" sich erzwingen. Doch zurück zu unserer Untersuchung! Wir sind stehen geblieben bei der Frage: Woher das Vermögen der Familie fwenn man noch von einer solchen in den Tiefen der heutigen Gesellschaft sprechen kunn)? Und sehen Sie nicht, daß wir hier wieder vvn vorn beginnen müssen? Auch der Vater und die � ' Mutter jenes Kindes, von dem wir ausgingen, ! waren einmal Kinder und traten, als sie in die Welt kamen, in bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse ein. Sie wurden geboren in einer Klasse, deren Verhältnisse nicht von dem Willen des Einzelnen abhängen. Und nickt nur die per- sönliche Ausbildung hängt ab von den äußeren Verhältnissen der Klasse, in welcher Einer geboren wirb— eö hängen nicht minder davon ab die äußeren Hülfsmittel, mit denen ausze- rüstet oder n i ä�l a u s g e r ü st e t e r in den all- gemeinen Welt kämpf eintritt. Und nun begreifen Sie sehr wohl, Herr Schulze, daß wenn wir zwei Söhne eines Lohnarbeiters aus einer Fabrik Ihres Freundes Reichenheim habe», und andererseits zwei Söhne dieses Jhr� Freundes selbst, der größere oder geringere Elser, die größere oder geringere uatürlicke Befähigung des einen und des anderen jener Söhne zwar einen Unterschied in ökonomische» Dingen begründen kön- »cn; daß aber diese, in der Person wurzelnden Unterschiede praktisch völlig verschwinden vor dem Unterschiede, den die gesellschaftlichen Ein- ricktungen, also etwas außerhalb der Person Be- findliches, gesetzt haben; so daß also jene persön- licken Unterschiede nur in Betracht komiueu im Innern eines jede» dieser beiden Kreise von je zwei Personen, aber nicht von dem einen Kreise in den andern hinüber. Mit anderen Worten: Es macht innerhalb der von den gesellschaftlichen Einrichruugeti gezogenen Grenze sicherlich einigen Unterschied, ob der eine Sohn des Fabrikarbeiters talentvoller ober fleißiger ist als der andere; ebenso ob jeder der jungen Herren Reichenheim mehr oder weniger vom Genie des Vaters geerbt hat; aber die hierdurch bewirkten Unterschiebe sind ganz und gar gleichgültig, sind praktisch gleich null gegen- über dem ungeheuren Unterschiede, der von vorn herein, unabhängig von persönlichen Eigenschaften, durch die gesellschaftlichen Einrichtungen zwisch.� den beiderseitigen Söhnen gesetzt ist. Allgemein ausgedrückt: Bei der modernen Pro- ductionsweise stehen einander gegenüber eine kleine capitalbesitzende Klaffe und eine ungeheure capital- lose Klasse; die Unterschiede, welche durch persön- liche Eigenschaften und persönliche Thäligkeit be- gründet werden, verschwinden vor der Wirkung, welche durch die von vorn herein bestimmte gesell- schaftlichc Stellung ausgeübt wird. Was ist denn das Schlimmste, was einem Mit- gliede der ersten Klasse durch„Faulheit und Ver- schwendnng", selbst des äußersten Grades, durch eine geradezu g e f l i s s e n I l i ch e s ch l e ch t e Auf- führung passiren kann? Nichts weiter, HerrSchulze, — und dieses„nichts weiter" ist vernichtend— als daß es in die zweite Klasse hinabsinkt— also dahin, wo, ohne ihr Verschulden, Millionen v o n M e n s ch e n bereits stehen. Und koinmen Sie hier ja nicht uiil dem al- kernen Einwanh, daß da und dort, aus Millionen von Lohnarbeitern, einmal einer sich in die Klasse der Unternehmer aufschwingt. Denn, Hr. Schulze, begreifen Sie wohl, e« ist dies genau dasselbe, wie wenn zur Zeit, da der Adel das Bürgerlhum be- drückte, einer behauptet hätte, das sei ganz gleich- gültig, denn ab und zu werde irgend ein Bürger- licher um besonderer Verrienste willen in den Avels- stand erhoben. Wir ssnd also zu dem Ergebnisse gelangt- daß einer schon von vorn herein, ohne Alles persönliche Zulhun, durch dl? gesellschaftliche» Einrichtungen— diese gesellschaftlichen Einrichtungen, für welche die Gesellschaft verantwortlich bleibt— in 1 eine ihrem Grundvermögen nach bestimmte ökono- mische Lage gebracht ist. Aber weiter! Innerhalb dieser Lage nun- ist es denn da wenigstens der„Wille" des Einzelnen, was den . Ausschlag gibt? Nein, Herr Schulze, auch da nicht! Um zunächst von dem Unternehnier zu spre- ! wen, sollten Sie doch wissen, daß das Mehr oder Minder des Gedeihens, oft auch das Gedeihen selbst, von Uniständen abhängt, die zu beherrschen l nicht möglich ist— gerate darauf, Herr Schulze, wird ja die Berechtigung der Risico-Prämie, j eines Theiles des beliebten„Unternehmergewinnes", I gegründet; wäre dem nicht so, so wären ja alle i Berlusle nur die naturgemäße Folge von Unfähig- keil des Unternehmers, nicht also ein Ausfluß des Rificos, d. h. der nicht berechenbaren Gefahr.�) I Lassalle hat es Ihnen auseinandergesetzt, wo er i darauf hinweist, daß, bei reichlichen Rosinen- oder � Getreideernte» in Eorinth, Smyrna, im Missi- ! sippithal, den Donauländern u. f. w., die Eorinthen- und Getreidehändler in Berlin und Köln, welche große Borräthe zu den früheren Preisen auf Lager haben, in Verluste kämen und umgekehrt; und so ist - es in allen Zweigen; von einer ganzen Reihe uu- absehbarer Zusammenhänge werden die„Tausch- werthe" in der Hand des Unternehniers, insdeson- l dcre des Großproducenten und des Großhändlers, hin- und hergeworfen. Beareifen Sie denn nicht, .�err Schulze, daß wenn Sie dies läugnen, Sie serbst der Rlssco- Prämie, d. h. dem wichtigsten Theile des UiilernchiiiergewinneS, dessen Apostel Sie sind, die Grundlage entziehen? Wir kom- men hierauf zurück. Und nicht minder wie in Betreff der Klasse der Unternehmer gilt jene Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Zusammenhängen in Betreff der Klasse der Arbeiter, ja hier, wegen der engen Gränzen, innerhalb der diese sich bewegen können, in vergleichsweise noch weit höherem Grade. Was bestimmt die Höhe des Arbeitslohnes? Angebot und Nachfrage" Wodurch wird diese Nachfrage bestimmt? Ein unendliches Felo eröffnet sich vor unseren Blicke»— und dieses ganze Feld wird nicht von den Arbeitern beherrscht. Was konnten z. B. die englischen Baumwollenarbeiter zu dem amerikanischen Bürgerkriege, der sie aus den Fa- briten hinaus dem Hunger und dem Elend in die Arme trieb? Was z. B.— um noch einen anders- artigen Fall heran zu ziehen— haben die Arbeiter verschuldet, wenn, wie so häufig der Fall ist, ihr ohnehin schon kaum zureichender Geldlohn derselbe bleibt, aber dieLebenSmittel plötzlich im Preise steigen? -"ild— beiläufig gesagt— es wäre köstlich, wenn es nicht so traurig wäre, wie die elende Ansckau- ungsweise der Schacherer dieses Schacherjahrhun- dertS auS jedem Worte ihrer Apostel spricht. Um den nichtssagenden Satz zu beweisen, daß bei obi- gem Rosinen- je. Fall doch auch einer der Händler keinen Verlust erleiden könne(nemlich dadurch, daß er ihn auf die andern abwälzt! den Verlust, den diese so wie so schon haben, ihnen, als Carey'scheS „GefellfchaftSwesen", noch vergrößert!!) schreiben Sie(S. 9)- Am besten schlagen ihn die von ihm selbst zum Er- wei« vorgebrachte» Beispiele, namentlich die von reich- lichen oder schlechte» Ernten, von Hemmungen der Zu- fuhr und de» Absätze« durch politische oder sonstige Er. eignisse in gewissen Artikeln oder im Allgemeinen. Sicher läßt sich durch gehörige Einziehung von Nach- richten darüber Manche« erckunden und die neueste Zeit hat eben durch ihre gewaltigen Fortschritte in Benutzung der Naturkräste Mittel der schnellsten Communicaiion •) Nickt zu verwechseln mit dem Risico bei Darlehen ohne reale Sicherheit. den Geschäftsleuten zur Verfügung gestellt, an welche noch vor Jahrzehnten nicht zu deuten war. So mag der elektrische Telegraph in der Erkundung der Umstände, die Eisenbahn und das Dampfschiff in augenblicklicher Beziehung oder Versendung e« recht wohl ermöglichen, sich durch Verstärkung oder Beschränkung seiner Pro- duclion und Einkätife, mit Zurückhalten oder Losschlagen seiner Waare» darnach einzurichten. Also alle Errungenschaften des menschlichen Denkens, die Triumphe der Wissenschast, die unser Stolz und unsere Ehre sind, Eisenbahnen und Tele- graphen werben in's Feld geführt, um zu zeigen, wie doch Einer die Andern überlisten könne, wie die Hauptschacherer durch einen Erzhauptschacherer „gein acht" werden können I Doch genug! Sie haben behauptet, das Erste, das Ausschlag- gebende sei der in dem Menschen befindliche Factor — wir haben Ihnen nachgewiesen, daß das Ge- gentheil der Fall ist und daß die ökonomische Lage eines Jeden abhängig ist einmal von den ge- sellschaftliche» Einrichtungen im Ganzen und ferner von den gesellschaftlichen Zusaminenhängen im Ein- zelnen, wogegen— immer abgesehen jedoch, Herr Schulze, von Narren und liederlichen Subjecten— im geraden Gegensätze zu Ihrer Behauptung die persönliche Thätigkeit sich im Vergleich zur Wir- knng jener Factoren als ein nur in zweiter Linie wirkendes Element darstellt. Damit genug für heute,— das nächste Mal kommen wir an den Kern der Streitfrage. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 30. Jan. fJn der Elbherzogthü- m er frag es bestätigt sich, daß Graf Apponyi in Lon- don und Fürst Metternich in Paris in fast überein- stimmenden Wendungen erklärt haben, daß der Gasteiner Vertrag, indem er eine Lösung der Frage „mit oder gegen Preußen" offen lasse, Oesterreich doch niemals zu dem Glauben veranlaßt habe, wie die beiden deutschen Großmächte durch den Wiener- Frieden vom Oct. 18K4 bereits das unzweifelhafte Recht erlangt hätten, sich in die dem Königreiche Dänemark abgenommenen Beutestücke zu theilen. Das Wiener Kabinet, dessen Interessen weder, noch dessen Ehre bei der Lösung der Herzogthllmerfrage in Betracht kämen, würde nach wie vor in seiner abwartenden Stellung verharren, so lange wenig- stenS, bis es ihm gelungen, die Lösung der Ange- legenheit in Genieinschaft»lit Preußen der Eni- scheidung der„allein zuständigen Behörde", verdeutschen Bundesversammlung zu unterbreiten. — fAns den Elbherzoglhümern.) DaS „SchlcSwig'sche Verordnungsblatt" enthält eine Be- kannlmachung des Gouverneurs Frhrn. v. Man- teuffel vom 27. Januar, in welcher identische- Be- schwerdeschreiben von Römer-OldenSworth, Haucken- Tönning, Epsen- Wippeudorf. Thomien- Kiel und Roderich Graf Baudissin-Pyrmonl über den Mangel einer LanteSvertretung beantwortet werden. Der Herr Gouverneur übergeht den Ton der Motivi- ruiig und die in dem Schreiben gegen die Regie- runz enthaltene» Anschuldigungen und verweist auf seuie Rede an die Beamten vom 25. Seplbr. v. I. Die damaligen Verhältnisse, welche das einstweilige Ruhen der Landesvertretung und die doppelte Ver- pflichtung der vollsten Amtöcrfllllung für die Zeil dieses Ruhens der Landesvertretung nothwendig machen, wallen für den Gonverneur und die Beam- ten noch jetzt ob.„Wir werden ihr mit Gottes Beistand nachkommen. Dies meine öffentliche Ant- wort auf die gegenwärtigen und alle etwaigen zu- künftigen Schreiben ähnlichen Inhaltes." — fGegcn den Redacteur May) stand gestern Termin an bei der ersten Abtheilung de« Eriminalsenat« de««ammergericht« wegen Majestät«beleidigung. Der Lberstaatsanwalt Adlung sungirte selbst, für den nicht tischieneneu Angeklagten war der Rechtsanwalt Ho Ith off anwesend. Oberstaatsanwalt Adlung stellte ten Antrag, den Angeklagten, der unter der Verwarnung der Sistirung vorgeladen war, durch Vermittlung de» Oesterreichischen Statthalter» zu einem neue» Termine ststiren zu lassen. Der Gerichtshof berielh sehr lange und beschloß, den heutigen Termin aufzuheben und den Angeklagten zu dem neu anzuberaumenden Termin ver- hasten und hierher trauSportiren zu lassen. — jPreußische Preßschicksale.) Der Redakteur der Posener„Ostd. Ztg.", Dr. Waldstein, hat am 26. d. eine ihm seitens des dortigen Appellationsgerichts wegen Preßvergehens zuerkannte dreimonatliche Gefängniß- strafe angetreten.— Die Nr. 216 der„Rhein. Ztg," vom vor. Jahre(5. August) war wegen eines Artikels über das Abgeordnelenfest confiScirt worden; sie ist jetzt wieder sreigegebeu. Ausland. * Paris, 28. Jan. fDaS Gelbbuch und die mexikanischen Depeschen. Mexikanisches Anlchen. Neuigkeiten auf dem Bücher- markt. Prinz Napoleon. Eine angenehme Ueb errasch ung.f Das Gelbbuch mit den auf die Mexikanische Angelegenheit bezüglichen Depeschen ist soeben erschienen.— In einer vom 9. Jan. d. I. datirten Depesche spricht Drouhn den Wunsch aus, daß die Amerikanische Regierung sich ebenfalls dem Prinzip der Nichtinterventlon anschließe, sowie das Versprechen gebe, auch nach dem Rückzüge der französischen Truppen, über welchen man jetzt mit dem Kaiser Maximilian in Unterhandlungen stehe, Mexico gegenüber eine strikte Neutralität einzu- hallen. Die„Patrie" macht darauf aufmerksam, daß die von New-Norker Blättern gebrachte Nach- richt, Juarez sei am 9. Dezbr. nach Chihuahua zurückgekehrt, in den über die Havannah einge- lroffenen Nachrichten vom 28. v. M. nicht erwähnt wird. Ans Mexico hört man, daß die Hauptstadt des Landes für eigene Rechnung ein neues An- lehen zu negociiren im Begriffe ist, das die Regte- rung in den Stand setzen soll, die projectirten Verschönerungen ins Leben zu rufen.— Von Emil Ollivier wird eine„politische Studie über die moderne Gesellschaft" angekündigt.— Morgen soll bei Dentu eine Broschüre unter dem Titel:„Napoleon III. et In b'russe�(Napoleon III. und Preußen) erscheinen. Es heißt, sie werde Sen- sation machen.— Am 10. Febr. soll Prinz Rapo- leon seine neue wissenschaftliche Reise antreten; wo- hin, ist»och unbekannt; ob nach Senegambien, wie fo oft angekündigt, bleibe dahin gestellt. Vorläufig ist dorthin Hr. Marli», Eapitän im Gcneralstabc, abgegangen, um im Auftrage der Regierung eine zuverlässige geographische Karte jener Besitzung an- zufertigen.— Gestern war großer Ball auf der preußischen Gesandtschaft. Die Fürstin zu Hohen- zollern machte die Honneurs, da Graf v. d. Goltz bekanntlich nicht verheiralhel ist. Der Kaiser sah abgespannt und finster auS, jedoch fühlte er sich offenbar angenehm überrascht, als um 1 Uhr ein Telegra»»» des Königs von Preuße» einlief, welche« den Botschafter beauftragte, der Kaiserin im Namen VeS König« ein Bouquct zu überreichen. So we- nigstenS berichtet ein Correipondent der„Köln. Ztg." Die Welt kann also ruhig schlafen;„der Kaiser fühlte sich offenbar angenehin überrascht." i * London, 27. Jan. sDas Parlament. Die„Times" wieder über den FcnianiS- inus. R e f o r m b e w e g u n g.) Weder die franzö- fische Thronrede, noch die italienischen Finanzen, noch die mexicanische Frage vermöge» das Interesse i» den Hinlergrund zu drängen, welches im Pu- blikum der bevorstehende Zusammentritt des Par- lamentS hervorruft. Man spricht nur von diesem. Und in der Thal hat nian diesmal Stoff genug zu Betrachtungen aller Art; denn die Versammlung wird zum vierten Theil aus Mitglieder» bestehen, welche noch»i keinem Parlamente gesessen haben, von Parteigliederung schattenhafte Vorstellungen niitbringen, von ihren eigenen Fähigkeiten zum Theil ganz gewiß übertriebene Begriffe haben und durch keine älteren Bande an die bisherigen Führer geknüpft sind. Bon diesen selber fehlt der Eine, vor dessen Ansehen und Erfahrung in den letzten Jahren seines Ledens alle Anderen bei Seite ge- wiesen waren; Lord Palmcrston fehlt und init ihm die einzige Persönlichkeit, die das Unterhaus ohne Widerspruch als seinen legitinien Führer anerkannte. Vor Zeiten war es Lord Russell, heute wäre er es nicht, selbst wenn er nicht durch seinen Uebertritt inS Oberhaus den alten Bänken fremd geworden wäre. Heute kennt man im Unterhause nur mehr seinen Namen und seine ehrenvolle Vergangenheit; sein persönlicher Einfluß unter den älteren Mitgliedern