Rr. 28. Berlin, Sonnabend den 3. Februar 1866. Zweiter Jahrgang. -Demolirnt. Diese Zeitung ersckeint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social-demolratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hosfietten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, Dresdnerstraßc Nr. 85. Abonnement?- Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- amtcrn 22�/2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischcn Deutsch- land 183/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr. ist. 1. 45. südd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Spandauerbrücke 3, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmanu" entgegen genommen. 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Gestatten Sie mir zu constatiren, daß nicht nur im gegenwärtigen Augenblick absolut gar kein Grund vorliegt, diesen Punkt in Erwägung zu ziehen, sondern, daß auch die bisherige Hallung Oesterreichs nicht berechtigt, bei ihm die Neigung vorauszusetzen, gegen irgend ein Aeqnivalent seine im Wiener Frieden erworbeneu CondominatSrechte an Preußen zu überlassen. Heber ein solche« Aeqnivalent ist vom österreichischen Kabinct nicht verhandelt worden, noch wird darüber verhandelt. Ich möchte noch weiter gehen und auf die Thalsache hin-| weise», daß Oesterreich die am 28. Mai 1864 in London gemeinschaftlich abgegebene Erklärung bis zur Stunde nicht zurückgenommen hat, daß aljo dieselbe für Oester- reich noch in voller Gültigkeit besteht, gleich wie Oester- reich im Laufe der ganzen bisherigen Verhandlung mit Preußen in Sachen der Herzogthümer keine Eoncessio» gemacht oder in Aussicht gestellt hat, die geeignet wäre, dem Princip eines unabhängigen Bundesstaates Schles- wig-Holstein Eintrag zu thu». Das ist und bleibt das Ziel der österreichischen Politik in dieser Frage, und weder die Gasteiner Eonvenliou, noch die Abtretung Lauenburgs präjudicirt dieser Politik. Gegenüber der heftigen Opposition, mit welcher seinerzeit die preußischen Ofsiciöse» gegen die Behauptung auftraten, es sei von einer Wiederauf- nähme der Londoner Conferenzen die Rede, ist eS sehr bezeichnend für die gegenwärtige Situation, dag sich sogar die feudale„Zeidl. Corr." genölhigt sieht, zuzugestehen, daß für den Fall eines neuerlichen Conflictes zwischen Oesterreich und Preußen europäische Conferenzen in Aussicht gekommen seien. Bon wem, sagt sie einstweilen noch nicht. Der Fall, welchen sie voraussetzt, könnte leicht recht bald eintreten. — sAus den Elbhtzrzog thümern,� aus Kiel, wird vom 31. Jan. den„Hamburger Nach- richten" telegraphisch gemeldet, daß eine Bersamm- lung von 25 Ständemitgliedern den Beschluß ge- faßt Jjabe, eine Eingabe wegen Einberufung der Ständeversamnilung an den Statthalter zu richten. —[Gegen das bestehende Feudalsystems herrscht große Aufregung im Lande— Japan, so berichtet von dort„Reuters Office." —[lieber die Unzweckmäßigkeit des Föderalismus,� die Entwickelung der amerika- nischen Staats-Verhältnisse im Hinblick auf die� Deutschen, schreibt ein deutscher Landsmann in Amerika an die„Rhein. Ztg.", welche denselben j „den bedeutendsten Politiker" unter den dort wei- lenden Deutschen nennt, sehr richtig- Die interessante Seite der hiesigen Entwickelung ist die des täglich bewußter werdenden Uebergangs zum strammen Bundesstaat, der im Laufe der Zeit sich immer mehr dem Einheitsstaat nähern wird. Der Krieg hörte gerade aus, als sich der gänzliche Bankerott der hiesigen Verfassung, soweit sie das Berhältniß de« Bun- des zu den Einzelstaaten betrifft, zur Evidenz heraus- stellte; man wird jetzt die alten Löcher zustopfen und sich mit Palliativen helfen, so lange es geht. Aber hinter diesen Abschlagszahlungen an da« Prinzip läuft eine tiefe Strömung, die auf den Ausbau des Einheitsstaates und Reducirung der Einzelstaaten ans bloße lokale Autonomien hinarbeitet. Der Kamps des nächsten Jahr zehntS wird sich hier um diese Fragen drehe» und ich glaube, man könnte auch in Deutschland Manches von ihm lernen, wenn man sich die Mühe gibt, ihn in seineu einzelnen Stadien zu verfolgen. Ich bin durch die Beob achlung der hiesigen Entwickelung dahin gelangt, daß ich nur in einem Einheitsstaat das Heil für Deutschland erblicke und daß mir die Föderation, an welche der Nationalverein immer als an einen Fortschritt apellirt, das größte Unglück scheint, welches uns betreffen könnte. � Der monarchische Föderativstaat ist ein Unsinn und wird sich nie realisiren; ein demokratischer Föderativstaat aber wird hoffentlich von der Entwickelung überholt, wenigstens sollte man dahin arbeiten. Mit dem Nationalverein ist e« jetzt ans; wird die Agitation für einen demokratischen Einheitsstaat an feineStelle treten? Diese Agitation haben wir bereits, es ist die unsrige, und die Zeit wird kommen, wo unsere Idee das llebergewicht erlangt. —[Die„Kreuz;eitung"f bezeichnet die Angabe mehrerer Blätter, daß die Regierung mit neuen Gesetzcsvorlagen oder Octroyirungsabsichten in Bezug auf die Presse umgehe, als völlig grundlos. —[Der Preßprozeß gegen L. Wales- rodej vor preußischen Gerichten ist soeben bei Otto Wiegand in Leipzig erschienen. —[Redacteur Mays soll, einem am 31. Jan. in Hamburg allgemein verbreiteten Gerüchte zu- folge, nach England abgereist sein. Der„Rat.- Ztg." schreibt man unterm 31. Jan.:„Herr May hat in der Nacht zum 26. Altona verlassen und ist »ach England abgereist. Der vom berliner Kam- mergericht anberaumte Stellungstermin war gestern abgelaufen und die Behörde suchte heute Herrn May in. seiner früheren Altonaer Wohnung. Auf das preußische Staatsbürgerrecht hatte derselbe zwar vor einigen Monaten in einer Eingabe verzichtet, aber es war ihm die Entlassung aus dem preu- ßischen Staatsverbande nicht bewilligt worden, so daß er auf die Anerkennung der von ihm seitdem erworbenen Eigenschaft als Altonaer Bürger nicht rechnen konnte." Ein Wolss'sches Telegramm aus Hamburg, 1. Febr., lautet dagegen: Die Nach- richt, daß May nach England abgereist sei, ist unrichtig. Herr May befindet sich, sicherem Ber- nehmen nach, in Altona. — sPreußische Preßschicksale.j Das„Königsb. Schulblatt" vom 28. v. M. berichtet über die Polizei- niaßregeln gegen den Heransgeber Sack in Betreff der ihm erstinstanzlich aberkannten Befugniß zur Heraus- gäbe des Blattes Folgendes: Auf die Beschwerde des K. Polizeipräsidii ging am 19. v. M. eine Antwort ein, dahin lautend: daß es bei der ersten Verfügung be- wenden solle,'bis der-Herausgeber des Schnlblattes nach- gewiesen, daß er die Appellation eingelegt. Das Schul- blatt wurde am 19. v. M. in gewöhnlicher Weise her- ausgegeben und vertrieben. Am 29. v. M. erschien ein Polizeibeamter in der Wohnung de? Herausgebers und fragte diesen, ob das„Schulblatt" am 19. v. M. herausgegeben und vertriebe» worden sei, was natürlich mit „Ja!" beantwortet wurde. Spät Abends an demselben Tage erhielt der Herausgeber vom K. Polizeipräsidio die Anzeige, daß gegen ihn so eben die Einziehung einer Strafe von 15 Thlrn. verfügt worden sei, weil er das „Schulblatt" trotz der beiden ersten Verfügungen ver- trieben habe. Der Herausgeber hat darauf unterni 21. v. M. Beschwerde über da« K- Polizeipräsidium bei der K. Regierung geführt und um Abhülfe gebeten. Ein Bescheid ans diese Beschwerde ist bis jetzt noch nicht erfolgt. * München, 30. Jan.[ Deputation. Professor Bluntschli.f Einer Deputation aus verschiedenen Städten der Provinz, welche dem Könige die Stimomug der Bevölkerung in Betreff der Ereignisse der jüngsten Zeit schildern sollte, wurde die erbetene Audienz nicht bewilligt, da- gegen bemerkt, daß sie ihre Anliegen durch das Ministerium des Innern in Vorlage bringen könne. Sämmtliche Mitglieder der Deputation sind wieder abgereist.— Man erzählt, der König habe die Deputation annehmen wollen, worauf der Minister- Präsident v. d. Pfordten mit seinem Rücktritt ge- droht habe. Es erfolgte dann abschlägiger Be- scheid an die Deputation.— Eine Angabe, daß Prof. Bluntschli als Minister hierher berufen werden solle, findet keinen Glanben. Z Nassau, 31. Jan.[Dr. Braun für den Geschäfts-Gewinnantheil. Berichtig ung.j Dr. Braun, der einzige Mann von hervorragen- dem Geist und Talent unter unserer liberalen Kammermajorität, hat unlängst in einer Gewerbe- vereins-Versammlung zu Bad Schwalbach unter Andern; übxr die gegenwärtige Bewegung unter dem Arbeiterstande gesprochen, namentlich auch hin- � sichtlich des„immer bestimmter auftretenden Verlangens der Fabrikarbeiter, an dem GeschäftSge- winn des Fabrikanten Theil zu nehmen." Er findet dieses Verlangen nicht ungerechtfertigt, wenn man bedenke, daß der Arbeiter die Geschäfts nach- theile des Fabrikanten, welche bei Geschäfts- stockungen, Handelskrisen ic. eintreten, doch auch mit zu tragen habe. Er glaubt deshalb, daß die Theilnahme des Arbeiters am Geschäftsgewinn bis zu einem gewissen Grade nur noch eine Frage der Zeit sei; denn nur auf diese Weise könne die Versöhnung zwischen Kapital und Arbeit zu Stande kommen. So„spricht" jetzt Hr. Braun „ein großes Wort gelassen aus", während man noch im Jahr 1848, wenn man von so Etwas zu reden wagte, für einen„Communisten" und„Mordbren- ner" verschrieen wurde! Und die kleinen Hand- werker, aus welchen die Versammlung zumeist be- stand, staunten zwar einigermasten über diesen Theil der gehörten Rede, aber der Redner wurde doch nicht gesteinigt, sondern die Zuhörer erhoben sich sogar zum Zeichen der Anerkennung von ihren Sitzen!— Wie sich doch die Zeilen ändern und wie die socialistischen Ideen seit Lassalle's Auftre- ten unvermerkt sich Bahn brechen! Freilich wußte auch jene Versammlung wohl, daß Dr. Braun nicht zu denen gehört, die„zu weit gehen." Hatte der- selbe doch erst kurz vorher.in der Kammer bei Ge- legenheit der Discussion über unsere Medicinalvcr- fasiung, nach welcher der Staat und die Geniein- de» einen großen Theil der Besoldungen der Aerztc tragen, so daß die Medicinaltazen sehr gering sind, diese Einrichtung für„Lassalle'schen Communismus" erklärt, und damit die Gemeinschaft mit ten s'asial- leanern von sich gewiesen, wiewohl gerade hier, in der Fürsorge der Gesammtheit für vermögenlose Kranken, nach unserer Meinung der„Communis- nius" sehr am Platze ist.— Bei dieser Gelegen- heit muß ich einen Jrrthum in meiner früheren Correfpcndenz(Nr. 206 von 1865) berichtigen. Nämlich der Arbeiterbildungs-Verein zu Wiesbaden hat die Advokaten nicht wirklich ausgeschlossen, sondern der darauf gerichtete Antrag fiel durch, was auch das einzig Vernünftige war. Denn die Arbeiter können die Mithülfe der höheren Stände bei dem Werke ihrer Bildung, wie ihrer Befreiung. von der Herrschaft des Kapitals nicht entbehren. Unabhängige Geister aber, die ihr Leben der Wahr- heit weihen, giebt es in allen Ständen, und sie gehören der Menschheit, nicht einem einzelnen Stande, nicht einer Klasse an. Ausland. * Paris, 31. Jan.(Mexiko. Auflösung einer Arbeiter-Gesellschaft. Der Carnc- val. Verbrechen und Unglücksfälle.) Die mexikanischen Nachrichten des„Moniteur" fließen von„Sieg",„Ruhe" und„Zufriedenheit" über. Der Kaiser Max will nicht mit den Franzosen davongehen; wenigstens meldet die„France" unter Berufung auf den„International", daß der Kaiser nach Wien zu wissen gethan habe, er gedenke seine Hauptstadt zu befestigen. Ob Franz Joseph rie Millionen dazu vorschießen soll, wird nicht gesagt; wunderlich bleibt es auch, daß die einem auswar- tigen Feinde so schwer zugängliche oder doch so leicht zu verlegende Hauptstadt befestigt werden soll. Die Nachricht von dem Flibustierzuge über den Rio Grande und die Plünderung von Bagdad soll laut einer Depesche des Generals Sheridan nicht wahr sein. Dagegen meldet die„Patrie", und dies ist wichtig, daß das 6. Bataillon des Fremden- Regiments nach Mexiko abgegangen ist, was die Feuilleton. Eine historisch-politische Individnalität. Die Kreuz-Zeitung und ähnliche Blätter haben vor einiger Zeit von einer in Hinlerpommern zu suchende» bistorisch-pvlitischen Individualität gesprochen und von einer neuen Bewegung, die sich in derselben im gegen- Wärligen Augenblicke vorbereite, kurz� von den Kaffuben oder Kaschuben. die nichts Geringeres sein sollen als eine der vielen unterdrückte» Nationalitäten, deren Ursprung bis in die Zeit der Völkerwanderung zurückreicht. Aber wer sind denn nur die Kassnben, wird da ein Jeder fragen, wie steht es denn eigentlich mit dieser historisch Politischen Individualität? Ein Feuilletonist der Wiener„Presse" kann uns diese Frage beantworten. Er erzählt nämlich: In einem Leipziger Gasthofe sahen fünf oder sechs Fremde, aus den verschiedensten Gegenden zusammen- geweht, nach dem Abendessen noch bei einer Flasche Wein, die sie„ins Plaudern gebracht" hatte. Der Eine erzählte vom Orient, von dem er kürzlich zurückgekommen war, lauter Wunderdinge— e« war vor der Erfindung der„VergnllgungSzüge mir ga»ze>�.Berpflegung"—, ein Anderer fand staunende Zuhörer für seine Schilderunzen des Lebens und Treibens in London, ein Beweis, dasi es auch noch vor der Erfindung der Well-Jndnstrie- Ausstellungen war, und lo wnfjte Jeder etwas von fremden Ländern und deren Bewohnern zu berichten. „Und ich habe doch noch Merkwürdigeres gesehen", rief> endlich ein sächsischer Gutsbesitzer;„ich komme direct| Effectivstärke des Fremden- Regiments in Mexiko auf 7000 Mann bringt. Die„France" giebt heute wieder zu verstehen, es könnte sich leicht noch so schicken, daß England mit Frankreich gemeinschaft- lich gegen die Vereinigten Staaten angehen würde; alsdann würden die Amerikaner schon die Hörner einziehen; jedenfalls werde Frankreich in Mexiko bleiben, so lange es seine Ehre und sein Bortheil erheische. Diese letzte Bemerkung gilt der„Opin. Nationale", welche„nnpatriotisch genug" war, der Regierung nach Lesung des gelben Buches zu rathen i „Was wollen, was verlangen wir? Räumung Mexiko'S ohne Verzug, ja, sofortige Räumung, die das Land allein feinen Sorgen entheben kann; wenn Herr Dronyn de Lhuys dagegen von Ab- bernfuug spricht, so läßt er uns stets in derselben Unsicherheit über die Zeit, wo diese Abberufung zur Ausführung komme» soll, und wir erfahren nicht, ob unsere tapscren Soldaten in einem halbe» Jahre, in einem Jahre oder gar noch später heimkehren werden. Genau dasselbe sagt man in Amerika und überall.— Eine Illustration zur Stellung der„arbeiterfreund- lichcn" Regierung gegenüber der Arbeiterbewegung bildet die SnSpendirung(einstweilige Aufhebung) der auf den Prinzipien der Gegenseitigkeit beruhen- den Hülfsgescllichaft der Buchbindergesellen von Paris. Diese höchst merkwürdige Maßregel wurde in Folge von Zwistigkeiten ergrisse», die zwischen dem von der Regierung ernannten Prä- sidcnten und dem von der Gesellschaft ge- wählten Co mite ausgebrochen waren. Diese Angelegenheit macht viel böses Blut.— So sehr auch die mexikanische Frage und die Depeschen ans den, Gelbbnche die Geinlllher beschäftigen mögen, — zum Lesen jener Actenstücke haben jetzt— mitten im Carneval— doch die Wenigsten Zeit. Man interessirt sich viel mehr für die Mast-Ochsen, welche am Fastnachts-Dicnstage ihren Triuiuphzug über die Boulevards der Hauptstadt halten werden. Zur höchsten Befriedigung vieler Gemütber hat die be- treffende Jury, nun zum vierten Male schon, auch in diesem Jahre den Ochsen des Nisvrc-DepartemcntS den Vorzug vor den hochbeinige» Ochsen der Nor- mandie gegeben, deren hünenhaftem Wüchse sonst stets die SiegeSpalme zu Theil wurde. Die Ochse» der Normandie hatten seil undenklichen Zeiten fast ein Besitzrecht auf die Krone des Fastnachts-Dienstag erworben, und noch heute haben sie eine starke Partei für sich, welche nicht ohne Unwillen den unlersetz- tc» Nievre-Ochsen über den Riesen der Normandie siegen sieht. Uebrigcns werden dieses Mal nicht weniger als fünf Ochsen den Umzug halten. Die Ochsenfrage macht als eine brennende ganz cnt- schieden der inexikanischeu Concurrenz. stieben dein Strom von Nachrichten und Anzeigen von Bällen, Maskeufestcu und Vergnügungen aller Art läuft auch mit gleicher Stärke der Strom von Verbre- aus der verkehrten Welt. Sie glauben mir nicht? So hören Sie: Vor einem Vierteljahr starb ein Onkel meiner Frau und diese erbte ei» Landgut, etwa achtzig Meilen von hier. Beim Eintritt der guten Jahreszeit machte ich mich auf, um die neue Besitzung in Augen- schein zu nehme». Der bisherige Verwalter, Müller heisit der tllchlige Mann, empfing mich, legte mir die Bücher vor nnd bat, mir am nächsten Morgen„die Leute" vorstellen zu dürfe». Und da« Ihat er denn mit folgenden Worten: Hier ist der Knischer, Herr v. A.; hier der Stallknecht, Herr V. B.; hier der Schweinhirl, Herr v. C.; der Kuhhirt, Herr v. D.; nnd so ging cS fort durch das halbe Alphabel. Ich wnfjte nicht, was ich davon denken sollte; der Verwalter machte ein ganz ernsthaftes Gesicht dabei, die Vorgestellten auch, so daß es nicht so aussah, als erlaube er sich einen schlechten Witz. Als die Leute an ihre Verrichtungen gegangen waren, fragte ich meinen Mann:„Sind Sie denn ein Oesterrcichcr, daß Sie einen Jeden adeln?"—„Keineswegs, ich bin ans Mecklenburg, und ich habe den Leuten nur gegeben, was ihnen gebührt; sie sind sämml- lich von Adel."—„Da ninß ich Sie auch wohl„Herr von Müller" nennen?"—„Mich? Bewahre, die Wirth- schaslerin, der Schreiber nnd ich sind die einzigen Biir- gerlichen im Dorfe, Sic selbst wohnen ja»ich: hier."— Und der Mann hatte die volle Wahrheit gesprochen. Habe ich daher nicht Recht, wenn ich aus der verkehrten Welt zu kommen behaupte?" „Und wo liegt denn dieser merkwürdige Ort?" frag- ten mehrere von den Zuhörern gleichzeitig.—„Im blauen Ländchen" war die Antwort.—„Blaues Länd- che»? So weit reichen unsere geographischen Kenntnisse chen und Unglücksfällen her— Vergiftungen un i Selbstmorde wechseln mit Raubanfällen und Be. lrügereien, Material für die Verbrecherstatistik. M. ächl französischer stiaivelät wird ruhig von M. E erzählt, welche die Maitresse deö Herrn Ferdinan< D. war, oder von Herrn C. P., welcher die jung, R. D. zur Maitresse halte; die Letztere vergiftet; sich, weil er an der Börse den größten Theil seine: Vermögens verspielt hatte und nicht mehr mit ge wohnter„Freigebigkeit" für ihre„Bedürfnisse" sorge,> konnte. Als dieser Edle nun seine Maitresse vergif> tet sah, fühlte er Gewissensbisse und verwundete sick> mit einem Dolchmesser. Die Franzosen nennen dat' „sentimental", bewundern es auch wohl ein wenig' Glücklicherweise hoffen die Aerzte sowohl die jung R. D. als auch Hrn. E. P. zu retten; Beide sind zu, fammen noch nicht 40 Jahre alt. Eine allerding,. nicht ganz neue, aber doch bisher nur vereinzel j vorkommende Art von Verbrechen scheint in de, � letzte» Zeil sehr häufig zu werden und fordert na. mentlich Damen, welche allein reisen, zur Vorsich' aus, nämlich die Anfälle auf Personen weiblicher � Geschlechts in den Eisenbahn-Eoupees; es sind dai[ theils Angriffe auf die Schamhaftigkeit, theils An-, griffe auf den Geldbeutel, zuweilen erscheinen beid, � mit einander verbunden. Drei Fälle, welche ir � der letzten Woche verübt wurde», mahnen sehr zu, Vorsicht; in zwei Fällen gelang es den Verbrechen j zu entspringen, in, dritte» wurde, weil das Ge- schrei der Angegriffenen zeitig gehört wurde, de,, Verbrecher ergriffen, bevor er sein Attentat ausge- � führt hatte. Auch von Leickenberaubungen hör t man wieder häufiger, vermuthlich weil es wiede, mehr Sitte geworden ist, Frauen mit ihren Schmuck- fachen und namentlich in kostbaren Gewändern z, begraben. Man erzählt sich da eine schauerlich, Geschichte von eine». Manne, welcher cinc Dam, in der ihm an gewissen Merkmalen kenntlichen Rob, seiner vor Jahresfrist verstorbenen Gemahlin au eine», Balle sah. Er wußte genau, daß sie ir dieser Robe begraben worden mar, ließ das Gral öffne» und fand die Leiche beraubt. Es wird alsr Handel mit den Gewändern der Tobten getrieben Es sind das kleine Züge aus dem mehr verborge- neu Leben der Französischen Hauptstadt. Im Ein- zelne» mag Solches oder Aehnliches überall vor- koiiinicn; cS ist aber charakteristisch für Paris, daß dergleichen hier sofort, wie eine Mode, zahlreich, Nachahmung findet nnd grassirl, bis es einer an- der» Platz macht. * London, 30. Jan.(Die Fenicr. Die „Times" über den FenianiSmus. D i e R e- fornr-Bewegung und der„Herald". Die Stürme.) In Irland habe» die Behörden alle Hände voll zu lhu», um den immer wieder kräfti- ger sich regenden Fknianismus zu ersticken. Die Anwerbung neuer Bundeöbrüder soll durchaus nicht nicht."—„Nun, in der Kaschubei, wen» Ihnen das besser gefällt."— Kaschubei— da kannten wir beinahe „och eher da« blaue Ländchen, nnd mit etwa? ungläu« bigem Lächeln hörten wir die seltsamen Dinge, welche er dort gesehen und ersahrc» haben wollte. Später sind mir aber seine Erzählniige» bestätigt worden, und die Erwähnung der Kassuben in der„Presse", welche sich angeblich als Nationalität etabliren wollen, brachte mir alles das wieder in Erinnerung. Und da man nicht wissen kann, welchen Fortgang die Kaffubische Bewegung nimmt, ob nicht eines schönen Morgens im blaue» Länd- chen eine Fenische Brüderschaft entdeckt oder ans einem Europäische» Congresse ein Schmerzensschrei der unter- drückten Völkerschaft erhoben wird, scheint es wohlgethan, sich bei Zeiten um jene historisch-politische Jndividuajität zu bckninmer». Vernehmen Sie also, wa« ich davon weiß. Die meisten Leser dieses Blattes würde» wohl eben so, wie wir damals in Leipzig, in große Verlegenheit gerathen, wenn sie das Land der Kassuben aus der Land- karte zeigen sollte». Nehmen Sie eine Karle des Königreichs Preußen, dessen Herrscher sich im große» Titel: „Herzog der Kassuben nnd Wenden" nennen, suchen Sie den östlichsten oder„hintersten" Theil von Hinlerpom mcr», der von Westpreuße» und der Ostsee begrenzt wird, und Sie befinden sich aus dem classischen Boden, welcher mit eben so gutem Recht, wie jenes Feld in Thüringen, welches der Eiserne Landgras mit Junkerge spannen Pstllgle, der Acker der Edlen geheißen werden könnte. Das Wendenthnm soll sich i» jenem Winkel keineswegs rein erhalte», sondern stark mit Polnischen, wen,