Nr. 39. Berlin, Freitag den 16. Februar 1866. Zweiter Jahrgang. ZonaUDemolu'itt. Diese Zeitung ersileint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Crpn der social- dcmokralischcn Partei. Redigirt von I. B. v. Hosstctlen und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Dresdncrstraße Nr. Lb. AdanncincntS-Preis fiir Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den KiJnigl. preußischen Postämtern tS'/a Sgr.. bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land l&Vz Sgr., im übrigen Deutschland I Tblr. ist. 1. 45. sltdd., fl. 1.50. ssterr. Währ.) Pro Quartal. Bestestungrn werden auswärt« aus allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstraße 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" cuigegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbciter-Aiinoiiren mit l Sgr., bei sonstigen Ätiiionceu mit 3 Sgr. iwechnel. Agentur für England, die Colouieen und die überseeischen Länder: dir. ljondtw, 8. Little New-Porl-Street, Leieester-Square W. C. London. Agentur siir Frankreich: S. 1869 S. 237) und vom 24. Juli 1861(Ges.-S. 61 S. 446), ebenso der st 14 der Gemeindeordnung für die Rhein-Provinz vom 23. Jnli j 1845(Ges.-S. 1845, S. 223) uud der Artikel 6 de« l Gesetzes voni 15. Mai 1856, betreffend die Gemeinde- , Berfassuiig in der Rbein-Provinz(Ges.-Samml. 1856, , S. 435), sowie alle in besleheiidcn Statuten, Regulativen, Rezessen-c. der einzelnen Gemeinden getroffenen Anord- 1 ltungcn über die Entrichtung von Kommunal Abgaben � der im st. 1 bezeichneten Art außer Kraft. k. Hauiburg, 13. Febr.[Allgemeiner norddeutscher Arbeitertag. j Unter den hie- stzen Mitgliedern des Allgemeinen deutschen Ar- beiter- Vereins ist die Idee angeregt worden, zum Frühjahre hier, nach dem Beispiele Süd- und Mittel- deulschlands, ebenfalls einen allgemeinen Nord- deutschen Arbeitertag abzuhalten. ES wurden zu � diesem Zwecke 5 Personen als Comite beauftragt, j die ersten nölhigen Schritte einzuleiten. Dies Eoinite hat sich nun vorerst mit andern Corpora- lionen und Vereinen in Verbindung gesetzt»nd sind alle Aussichten auf günstigen Erfolg vorhanden. i In der gestrigen Sitzung, welcher Hr. Schaluieyer, Mitglied deS Allgenieinen deutschen Arbeiter-Vereins i und bekannt als Commandeur en effsf des vorjährigen großartigen Arbeiter- Verbrüderungsfestes, präsidirte, waren bereits 29 Corporationen und Vereine durch Delegirle vertreten. Unter sämmt- lichen Anwesenden herrschte die beste einmlllhigste Stimmung und wurde einstimmig beschloffen, auf das Programm des projectirten ArbeilertageS: Ob Staats-— ob Selbsthilfe? als alle« Andere in sich schließende Hauptfrage zu setze». Die Sache läßt etwas von sich erwarten. Das Nähere darüber zu seiner Zeit. Ausland. * Paris, 13. Februar.[Tagesbericht: Rouher'S Rede über Italien. Persigny. Berryer. Studenten-Zeitung. Italiener- Verhaftungen. Der„Soc.-Dem." Der Carneval.j Die Rede des Staats- Ministers Rouher in der gestrigen Senatssitzung befriedigt in ihrer unbestiinmlen Fassung Niemanden, weder die Römer und Italiener, noch die Anhänger der Welt- lichen Herrschaft deS Papstes. Man begreift inSbe- sondere einen Punkt nicht: Wenn der Kaiser die päpst- liche Regierung unter allen Umständen aufrecht halte» will, auch wenn die Römer in ihrem Widerstaude gegen dieselbe beharren, weßhalb blieben seine Mi- nister stumm, sobald man sie nach den Folgen der„in der Convention nicht vorgesehenen Eventualitäten" fragte? Mit der Ausrede, deren sich die Herren Rouher und Drouyn de Lhuys bedienen, wird man doch wohl nicht glauben, einen vernünftigen Men- scheu hinters Licht führe» zu können! Man sage doch gerade heraus: wir werden dem Papste bei- stehen, jede Erhebung seiner Römer, uud zwar jede, mit Gewalt zu Boden werfen. Wird die Regie- rung nicht noch durch eine gewisse Scham vor deni liberalen Europa nnd vor Italien von dem offenen Geständnisse ihrer Absicht abgehalten? Oder sollte das Kaiserreich sich fürchten, seine Thalen zu ver- treten? Sollte es sich fürchten, dem schwächeren Nachbar seine Willensmeinung rund herum zu sagen, wenn es entschlossen ist, dieselbe mit allen Mitteln thatsächlich zur Geltung zu bringen? Ist das ebenfalls unglaublich, so bleibt nichts übrig, als die Annahme, daß die Regierung die so- wohl von clericaler wie von liberaler Seite so oft verlangte Auskunft verweigert, weil sie entweder noch gar keinen Entschluß gefaßt oder im Geheimen den Ereignissen in Rom ihre» nalllr- lichen Lauf zu lassen entschlossen ist. In beiden Fällen stehen die Aussichten der Freunde Italiens besser, als es de» Herren Segur d'Aguesseau, Gemeau und ihren Freunden lieb ist, und dessen sind sich diese letzteren auch sehr wohl bewußt.— Morgen wird Herr v. Persigny sich im Senate vernehuien lassen. Er beabsichtigte ursprünglich, der gesammten Praxis des Ministers des Innern zu Leibe zu gehen; doch war man in jedem Falle höheren Orts mit dem Plane Persigny's nicht ein- verstanden und er hat daher einen geeigneten Wink verstanden und seine Ideen auf die allgemeine Politik gelenkt. Auch Herr Delangle wird morgen das Wort ergreifen.— Berryer hat heule mit großem BeifaÜe in seinem Bureau über das Amor- ttssements- Gesetz gesprochen.— Die Studenten haben eine neue Zeitung gegründet. Die erste Rümmer ist eben erschienen, die andern werden jeden Donnerstag folgen.— Es heißt, man habe in den letzten Tagen mehrere Italiener hier ver-