I Nr. SS. Berlin, Sonnabend den 3. März 1866. Zweiter Jahrgang» -Deiiiulinit. Diese Zeitung ersibeint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social- demokratischen Partei. R-digirt von I. B. v. Hosstetten und Z. B. t>. Schweitzer. �Redaction und Expedition! Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnement?-Preis fiir Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- nallich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.! bei den Königl. preußischen Post- ämtern ÜL'/s Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtvreußilchen Deutschland IN/a Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr. sfl. 1. 45. siidd., fl. 1. 50. österr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts aus alle» Postämtern, in Berlin auf der Expedition von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Lompagnie, Scharrenstraße 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmauu" entgegen genommen. Inserate sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigeipaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoucen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Cvlonieen und die überseeischen Länder: Ar.»ouäer, 8. Lattlo New-Port-Streec, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Eue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saiut-Audre-des-Arts. Der todte Schule gegen den lebenden Lassalle. XI. (Fortsetzung.) Ausschlaggebend, weil die ungeheuere Mehrzahl der Menschen betreffend, ist, als Beweggrund zur Arbeit, heutzutage: Die Aussicht, durch Arbeit sich des LebenS Unterhalt zu verschaffen. Es ist also bewiesen, aus dem heutigen Produclionszustande heraus bewiesen, daß diese Aussicht ein hin- reichender Sporn ist, die Menschen zur Arbeit zu veranlassen. Dieser Sporn aber, Herr Schulze, isi im so- cialen Staate ebenso gut bei jedem Einzelnen vor- handen, wie er jetzt bei der ungeheueren Mehrzahl der Menschen wirksam ist. Und Sie werden zu- gebe», daß der Sporn zur Arbeit um so mäch- liger werden muß, je mehr sich außer dem eben erwähnten Elemente, zusätzlich zu demselben, die weitere Aussicht eröffnet: durch Arbeit nicht nur res Lebens nothdürftigen Unterhalt, sondern auch des Lebens Annehmlichkeiten zu erlan- gen; und zwar dies, im Gegensatze zu heute, mit felsenfester Sicherheit und je nachdem sich einer mehr oder weniger anstrengt: Fassen wir das bisher Entwickelte zusammen: Die Frage war: Ob die einzelnen arbeitenden Gruppen ini socialen Staate ohne Concurrenz, hin- reichende Veranlassung zur Arbeit fänden? Wir haben diese Frage bejaht, weil jede Gruppe als Ganzes ein Interesse hat, sich zusanimenzuneh- men, und zwar darum, weil je weniger sie leistet, desto schlechter, je mehr sie leistet, desto besser sie als Ganzes und daher jedes ihrer Mitglieder sich steht.. Denn, einerlei, in welcher Form die Ver- theilung des Arbeitsertrages stattfände, immer be- stimmte sich die Werthmenge deö überhaupt zu Vertheilenden, somit auch mehr oder minder die Größe des in irgend welcher Form zu verab- folgenden Antheiles jedes Einzelnen, durch die Thätigkeit der Gruppe. Das in der Concur- renz liegendeElement, welches die persön- liche Thätigkeit anspornt, wäre beibehal- tcn, das in derselben enthaltene gehässige Element der Feindseligkeit gegen Andere wäre weggefallen. Wir haben, zur Vervollständigung der Darstel- lung und um zu zeigen, daß wirklich Jedem die Aussicht nicht nur auf des Lebens Unterhalt, son- dern auch auf dessen Annehmlichkeiten sich er- öffnen würde, nun noch nachzuweisen, daß und worin wirklich bei dem neuen Produclionszustande sowohl die Gesanimtheit als auch im Durchschnitt jeder Einzelne weit besser fahren würde, als heut- zutage. Und obwohl wir, wie wir am Schlüsse dieses Nachweises zeigen werden, zue Vereinfachung der Sache verschiedene wichtige Punkte außer Be- Iracht lassen werde», so werden Ihnen doch, Herr Schulze, die Gründe, warum der neue Zustand ein besserer sein wird, förmlich wie aus einem Füllhorn entgegensallen. Und wenn wir auch diesen letzten Nachweis erbracht haben werden, dann wird sich in raschem Ueberblicke zeigen lassen, wie erbärmlich dieser jetzige Zustand ist, und insbesondere, wie es mir der„Abschaffung des geschäftlichen Risico" steht. 'Wir werden also nunmehr nachweisen, daß der neue Zustand nicht nur darum ein besserer sein wird, weil die Werthgegcnstände sich gerechter und gleichmäßiger vcrthcilen, sondern auch darum, weil die Production selbst eine außerordentlich vergrößerte sein wird. Sie wird dieö nämlich sein: I. Aus ökonomischen Ursachen negativer Art, d. h. auS solchen, welche das Wegfallen jetziger Schäden bewirken. II. AuS ökonomischen Ursachen positiver Art, d. h. aus solchen, welche neuen Nutzen entstehen lassen. III. Ans pol-i tisch- ökonomischen Ur- fachen, d. h. aus Ursachen, welche, in dem auf der Grundlage des neuen Productionszustandes fußenden Staatswesen wurzelnd, auf die Production günstig zurückwirken. Die einzelnen Ursachen dieser drei Klassen wer- den wir nunmehr betrachten. XII. Die Gesanimtheit sowohl als auch durchschnitt- lich die Einzelnen— so sagten wir— werden sich bei dem neuen Productions-Zustande besser stehen als heutzutage. Und zwar wird dies der Fall sein: I. Aus ökonomischen Ursachen negativer Art d. h. aus solchen, welche den Wegfall jetziger Verluste in der Production bewirken. 1) Es ist früher gezeigt worden, worin aller- nächst das geschäftliche Risico seinen Ursprung hat. Tauschwerth setzen kann die Arbeit nur, insofern sie eine Gebrauchswerth schaffende ist; Tauschwerth ist jeder Gebrauchswerlh in so weit in ihm durch- schnittlichc, gesellschaftliche Arbeitszeit enthalten ist. Nun sind aber in einem bestimmten Productions- zweige alle Unternehmer von einander unabhängig, ja einander feindlich gegenüberstehend. Nicht vor- her, sondern erst nachher, im Austauschprozeß, stellt sich daher für den einzelnen Unternehmer heraus, ob und in wie weit die von seinem Kapital gezahlte Arbeit gesellschaftliche sei, von der Gesell- schaft anerkannt würde. Wird sie dies nicht, stellt sich vielmehr heraus, daß der Producent zwar für die Gesellschaft produciren wollte, aber nicht für sie producirt hat, so ist nicht, wie man glauben könnte, sein Kapital für die Gesellschaft verloren gegangen, wohl aber die von diesem Kapital be- zahlte Arbeit.*) *) Das Kapital ist für den betreffenden Unternehmer persönlich verloren gegangen; aber vom Standpunkte der Gesammtheit betrachtet, hat es seine Bestimmung voll- kommen erfüllt. Diese Bestimmung war: der Arbeit die Das, was der Austauschprozeß hier nachher vollzieht, geschieht unter der Organisation der Ar- beit vorher; oder vielmehr: es wird von vorn- herein unmöglich gemacht, daß Arbeit un- gesellschaftlich verwandt werde. Daß Arbeit verloren geht, kann allerdings auch da stattsinden, wo Organisation der Arbeit besteht. Allein es kann, unwesentliche Schwankungen abge- rechnet, hier nur in Folge fehlerhafter, der gewöhn- licken Einsicht und Umsicht ermangelnder Leitung geschehen; es ist nicht ein dem System wesent- lich anhangender Verlust. Heutzutage aber, wo jeder Einzelne nack seinem eigenen besonderen Gutdünken vorgeht, ist es umgekehrt ein Zufall, wenn die Summe dessen, was alle Einzelnen ge- than, gleich ist demjenigen, was das Bedürfniß der Gesestschaft erheischte; Hieristes wesentlich, daß Arbeit verloren geht, und eine Ausnahme, wenn dieses nicht der Fall ist. Allerdings findet unter der Herrschaft der Concurrenz und der freien Be- weglichlichkeit des Kapitals immer bald eine Aus- gleichung statt, aber es besteht diese Ausgleichung lediglich darin, daß das Kapital sich von gewissen ProductionSzweigen zurückzieht und anderen zu- wendet, welche Ausgleichung jedoch nie ohne em- pfangene Lehre geschieht, welche Lehre dadurch er- theili wird, daß angewandte Arbeit sich als unnütz angewandt herausstellt; auch bezieht sich diese Aus- glecchung nur auf die Fälle, wo in einem beson- deren Zweige mehr Arbeit verloren geht, als im Allgemeine»; daß aber überhaupt Arbeil verloren gehe, ist heute überall wesentlich(daher auch die Risicoprämie für den einzelnen Unternehmer uatur- gemäß). Der der Gesellschaft aus dieser Arbeits- Vergeudung erwachsende Schaden aber bleibt an der Gesellschaft ohne Ersatz hängen, während das Kapital seinen Ersatz auS dem Umstände zieht, daß die von ihm unterjochte Arbeit im Großen und Ganzen so ergiebig ist, daß das Kapital, trotz jenes Ausfalles, doch noch sich vermehren kann.*) Wir sind demnach berechtigt, zu sagen: daß während die jetzige Productionsweise wesentlich mit einem fortwährende» Verluste von Arbeit für die Gesellschaft verbunden ist, dieser Verlust bei einer Organisation der Arbeit der Regel nach wegfällt. Wir sind also berechtigt zu sagen: daß die ge- sammle in Folge der Planlosigkeit der jetzigen Production verloren gehende Ar- beit bei einer planmäßigen Production für die Gesammtheit nutzbar würde. 2) Machen Sie mit uns, Herr Schulze, einen Bedingungen ihrer Wirksamkeit zu liefern. Die« ist ge- schehen; die ermöglichte und verwirklichte Arbeit selbst aber ist in eine falsche Bahn gerathen und daher für die Strömung des Allgemeinen verloren gegangen. *) Man könnte diesen Sachverhalt mit dem Bezug einer Steuer vergleichen, deren Erhebung zwar mit wesentlichen großen Ausgaben verbunden ist, die aber trotzdem, vermöge der ihr innewohnenden Ergiebigkeit, dem Berechtigten einen großen Ueberfchuß zuführt. 1 kurzen Spaziergang durch die beiden größten Städte Deutschlands, durch Wien und Berlin. Es ist Abend und wir gehen durch die lärmenden Haupt- straßeu der inneren Stadttheile. Wir sind zunächst in Berlin und sehen da große, glänzende släden, hell erleuchtet und iveilhin strahlend; und wenn wir einen besonders hellen und anfsälligen Laden erblicken und sehen näher zu, so ist es gewiß ein Cigarrenladen. Wir" sind jetzt in Wien und es ist wieder Abend; auch da finden wir die lärmenden Straßen und die hell erleuchteten Läden; aber zwischen diesen glänzenden großen Läden entdecken wir vielfach auch kleine, unscheinbare, schwach erhellte Lädchen, und wenn wir näher zusehen, sind es gewiß „k. k. Tabaktraffiken", also wieder Cigarren- laden. Sicherlich merkwürdig und beachtenswerthl Dieser auffällige äußere Unterschied zwischen Berlin und Wien muß einen tiefgehenden inneren Grund in der Natur des betreffenden Produktionszweiges haben. Raucht man etwa nickt in Wien? Verabscheut man dort den Tabak? Durchaus nicht! Wenn wir in einen jener zahlreichen kleinen und unschein- baren Läden treten, so finde» wir sie mit Käufern gefüllt; auch ein Blick aus die Straße genügt, uns zu zeigen, daß der Wiener in Sachen des Tabaks durchaus kein Kostverächter ist. Der Grund jener Erscheinung liegt vielmehr wo ganz anders: in Preußen ist die Tabakindustrie Sacke der freien Eoncurrenz, in Oesterreich besteht ein Tabaksmonopol für den Staat, d. h. dieser betreibt, unter Ausschluß der Privaten, die Tabak- industrie. Eine Folge hiervon, in Oesterreich, ist: daß eine bestimmte Anzahl von Cigarrensorten fabricirt wird, das eine Mal möglichst gerade so, wie das andere Mal; diese Sorten und keine an- deren(oder doch nur ausnahmsweise) kommen in den Handel; Jedermann kennt die Eigen- sckaften einer bestimmten Sorte, z. B. der Zweikreuzercigarre, und weiß, daß er diese Sorte in der einen Traffik ebenso findet wie in der anderen; er weiß, daß wenn er zehn Kreuzer (ein„Zehnerl") daran wenden will, er die be- treffende Cigarre„in der Leinigruben" oder in der „Paniglgasten" nicht schlechter bekommt, wie in der Kärnthnerstraßc; nnd die Traffikinhaber ihrer- seits wissen, daß alle ihre Kunden dies wissen, und in Folge dessen keine Spiegelscheiben, keine zwanzigfachen Gaslichter, keine ellen- langen Annoncen, mit einem Wort keine Marklschreierei und kein Schwindel.�) Wir wünschen dringend, mit dieser Ausführung nicht dahin mißverstanden zu werden, als wollten wir die zukünftige Production mit dem österreichischen Tabakömonopol vergleichen, was allerdings stark wäre. Nicht nur hätte diese Vergleichung eines künftigen Geselljchaftszustandes mit einer einzelnen Erscheinung aus der heutigen Gesellschaft überhaupt keinen Sinn; sondern es ist auch leicht zu zeigen, daß nicht einmal eine äußere Aehnlichkeit da ist. So ist z. B. von der künftigen Production zu sagen, daß nicht sowohl der Staat sie be- treiben werde, als vielmehr die Gesell- schaft; wollte man aber durchaus daran festhalten, den Staat in den Vordergrund zu stellen, so wäre es doch wenigstens ein Staat, der sich mit der Gesellschaft deckte, während in Oester- reich Staat nnd Volk zwei sehr verschiedene Dinge sind; ferner betreibt ja in Oeslerreich der Staat die Tabakindustrie nicht nach socialistischen Principien, um der Arbeit zu ihrem Rechte zu ver- Helsen, sondern nach der jetzt herrschenden Weise, *) Mancher, der die Gaslichter und Spiegelscheiben liebt, könnte hier erschrecke» und in die Befürchtung ver- fallen, im zukünstigen Gesellschastszustande würden die großen Städte ein gar trauriges Aussehen bieten. Dies wäre irrig. Sicher ist allerdings, daß alsdann Glanz und Pracht nicht mehr als Werkzeuge des Schachers und des Humbngs erscheinen würden— aber nichts desto weniger würden sie vorbanden sein, entweder zur Ver- herrlichung der Gesammthcit(ihrer Bestrebungen und Erruiizenschaslens, wie in den Republiken der Alten, oder auch, in Folge de« herrschenden Ueberflusses, um ihrer selbst willen, besonders durch Bereine und Gesellschaften. zu dem Zwecke, sich eine Geldquelle zu er- öffnen, welche Geldquelle, beiläufig gesagt, sehr ergiebig ist. Was wir mil� obiger Ausführung klargestellt zu haben glauben, ist vielmehr nur dies: Wo Jeder mit Sicherheit weiß, daß das, was er kauft so und nicht anders beschaffen ist, da ist für den Schacher kein Feld mehr; und wo es keinen Schacher giebt, sind auch seine Hllfsmittel unnöthig, und wo seine Hülssmittel unnöthig sind, da kann die Arbeit, die sonst auf diese verwandt worden wäre, besser verwandt werden. Verallgemeinern Sie diese Erkenntniß, Herr Schulze, und Sie werden zu dem Ergebniß kom- men: daß mit der Eoncurrenz auch alle HülfS- mittel, die hundertfachen, auf Bethörung des Publi- kumS und auf Herabsetzung Andercr hinauslaufenden Piittel unöthig werden, und daß in Folge dessen eine ungeheure Arbeitsmcnge, die heutzu- tage nur dazu dient, denKrieg derHerren Unternehmer unter sich im Gang zu er« halten und das Publikum möglichst zu be- trügen, auf eine für die Gesellschaft nütz- liche Weise verwandt werden kann. politischer TheU. Deutschland. * Berlin, 2. März. jZur Elbherzog- lhümerfragef schreibt die Pariser„France" in Betreff einer bevorstehenden, einem Ultimatum vor» hergehenden diplomatischen Forderung des preu- ßischen Kabineis an das österreichische: Aus Wien wird gemeldet, daß Baron Werther, der preußische Gesandte, dem Grasen MenSdorff im vor- au« angezeigt habe, daß alsbald eine Note von Berlin eintreffen werde, worin Preußen den vollständigen und ausschließlichen Besitz von Schleswig-Holstein in Anspruch nehmen werde. Oesterreichs Ansprüche a»f eine Ent- schädigung würden anerkannt und die preußische Regierung erkläre sich bereit, aus ähnliche Bedingungen, wie die von der österreichischen' Regierung für die Abtretung Lauen- bürg« zugestandenen, zu unterhandeln. Niemand soll die Annahme solcher Anträge durch Oesterreich für möglich halten, und man erinnert sich, daß im vorigen Jahre in der Blülhezeit der österreichisch-preußischen Allianz Graf MenSdorff vom Ausgehen der Herzogthllmer durchaus nichts wissen wollte, es sei denn durch Wiederab- trctung der Greuzgrasschast Gl ah in Schlesien. Seit jener Zeit hat Oesterreichs Ehrgeiz nicht abgenommen. —[Aus den Elbherzogthümern) wird nun das Verbot der„Deutschen Reichszeitung" gemeldet, welche seit dem unfreiwilligen Verschwin- den der Holsteinischen Blätter in Schleswig die Sache des Selbstbestimmungsrechtes vertrat.— Wir haben unlängst gemeldet, daß sich der Oberst des 36. preußischen Regiments in Tönning an öffentlicher Tafel sehr schroff über die Schleswig- Holsteinische Armee geäußert habe» soll. Jetzt wird von den„Altonaer Nachr." erzählt, daß jene Acußerungen des Obersten auch mehreren früheren Offizieren der Schleswig-Holsteinischen Armee zu Ohren gekommen, und daß nun von diesen nach vorhergegangener Besprechung zunächst von dem dem Range»ach Höchsten eine Forderung bei dem Obersten eingesandt worden. —(In der Donaufürstenthümerfrage) sind noch keine weiteren Nachrichten eingegangen, welche eine Aenderung der Situation hervorrufen könnten. Rußland hat ebenso, wie die Pforte, die Absicht, den Zusammentritt der Garantiemächte zu beantragen, und diesen die Angelegenheit zur Entscheidung oder Regelung vorzulegen. Diese Ab- ficht stimmt mit der Englands und Frankreichs überein. Infolge dessen sind bereits zwischen den verschiedenen Kabineten Verhandlungen angeknüpft, damit die Conferenz, welche bereits zweimal im Jahre 1856 und 1858 das Schicksal der Donau- fürstenthümer entschieden hat, recht bald in Paris von neuem zusammentreten könne. — sZum innere» Conflict in Preußen,) resp. zum merkwürdigen Schicksal des Virchow'schen Vorberichts zur Budget- Berathung schreibt die „Rhein. Ztg.": Außer den siebenhundert und einigen Exemplaren, welche für die beiden Häuser des Landtages und die Be-, höroen gedruckt zu werden pflegen, hat der Buchdrucker j Moser noch eine Anzahl Exemplare im Auftrage und für Rechnung von Virchow abgezogen. Da auch diese au« der Buchbiuderwerlstäite, wo sie mit de» übrigen Exemplaren zusammen brochirt werden sollten, weggeholt, eingesiegelt»nd dann in die Obhnt des Kanzleidirektors Bleich gebracht sind, so richtete Virchow an Herrn Bleich die Aufforderung, ihm diese seine Abdrücke herauszu- gebe». Bleich antwortete, ihm sei nicht gestaltet, Unter- schiede zwischen den bei ihm hinlerlegten Drucksachen zu machen. Hieraus wandle Virchow sich am vorigen Sonn- abend an Herrn Geh. Rath v. Wolff, als den Regie- rungskonimissar in Sachen des Bureaus. Von diesem empfing er am 27. v. M. die kurze Antwort, daß der Minister de« Innern die Heransgabe des Vorbcrichte« überhaupt uicht gestalte. Daß das die Absicht des Herrn Minister« des Innern sei, wird man schon glauben, da auch der Abdruck dcS Berichts, den die„Rhein. Ztg." angesangen hatte, in Beschlag genommen ist. Die An- dculung der„Kreuzztg.", daß die»ngewöhiilichen Maßregeln, welche noch vor Schluß de« Landtages gegen den Präsidenten Grabow ergriffen wurden, vorzüglich den Zweck gehabt haben, die Veröffentlichung der Berichte der Budgetkommissioii zu verhindern, wird hierdurch voll- ständig bestätigt. Wenn die„Kreuzztg." dabei aber, um gewissermaßen dem Verfahren des Minister« eine patrio- tische Folie zu geben, dem Präsidenten Grabow die Ab- ficht beiniißl, nur deshalb die Präsidialgeschäfte in her- kömmlicher Weise haben abwickeln zu wollen, um die Berichte zur Vertheilung zu bringen, so widerlegt sich da» durch die Thatsache, daß Grabow— wir setzen hinzu leider— arglos genug war, die bei dem Buch- drucker und Buchbinder lagernden Drucksachen nicht weg- holen zu lassen. Rechtlich war er allein dazu befugt, so lange sein Präsidialaml noch nicht in Folge des Land- tagSschluffcS ruhte. Er hat die Verträge Uber die Druck- arbeiten mit dem Druckereibesitzer geschlossen, und war also allein zur Empfangnahme derselben legitimirt. Uebrigens soll bereits ein auswärtiger Buchhändler sich in den Stand geseht haben, einen Abdruck de« Virchow- schen Vorbcrichls in Gestalt einer Brochllre auszugeben. Derselbe würde dann ziemlich gleichzeitig mit der Ver- öffentlichung der finanziellrn„Verwaltungsnorm" er- scheine», welche statt eines Etats durch den„Staats- Anzeiger" in der kllnstigen Woche veröffentlicht wer- den soll. Dieser Umstand wird eben nur das Gewicht und die Wirksamkeit jenes Vorberichts nicht im Geringsten verstärken. Gewicht d. h. Wirksamkeit hat nur die„VerwaltungSnorm" des„Staals-An- zeigers." Aber trotzdem mußten jene Herren, die das recht gut wußten und wissen, bis zum letzten Augenblicke init der Regierung Parlamentchens spie- len.„Laßt ihnen doch das kindliche Vergnügen"! — sBörsengerüchte) beschäftigen sich mit Specialmissionen von Wien nach Berlin und um- gekehrt. Für eine Mission nach Wien wäre dar- »ach General v. Manteuffel bestimmt. Gleichzeitig ollen aber zwei Armeecorps marschbereit gehalten werden. Vivat Steuersäckel. * Hessen-Darmstadt.(Die Aufhebung der Zünfte betreffend), war die von uns gestern gemeldete Nachricht von Einführung der unbe- chränktcn Gewerbefreiheit durchaus irrig. Nicht einmal die Zünfte, sondern nur„die i» den Zunft- briefen enthaltenen Beschränkungen des freien Gewerbebetriebes" sind dadurch aufgehoben worden, also nur der Zunftzwang. Die Zünfte selbst bleiben da, wo sie sich nicht etwa in Folge der Aufhebung des Zunftzwanges freiwillig auflösen sollten, nach wie vor bestehen. Nur werden dieselben von jetzt an voraussichtlich keine neue» Mitglieder mehr er- halten, also nach und nach aussterben. Mit der Aushebung des Zunftzwanges sind aber ferner keineswegs alle„wesentlichen" Beschränkungen der Gewerbefreiheit beseitigt worden. Nach wie vor bleibt die Concesstonspflichtigkeit wie der Preßge- werbe, so auch aller übrigen Gewerbe, welche nur »ach vorher eingeholter Erlaubniß der Administrativ- behörde betrieben werden durften, bestehen. Und die Zahl derselben ist wahrlich leine geringe. Die dessallsige Verordnung von 1860 zählt nicht weniger als 37 verschiedene Gewerbe und Gewerbe- rubrikcn auf, bei welchen eine solche Concession eingeholt werden muß, darunter verschiedene Arten von Agenturen, sämmtliche Bauhandwerke, Frucht- Handel, Hausirhandel, sämmtliche auf die Produc- tion und den Vertrieb von Preßerzeugnissen be- züglichen Gewerbe, alle Schiffahrtsgewerbe, das Mäklergewerbe, Wirthschaften aller Art; selbst die Hufschmiede und die Ratten- und Mäusevertilger find nicht vergessen. Aus dieser großen Zahl con-