Nr. 56. Berlin, Donnerstag den 8. März 1866. Zweiter Zahrgang. Social-Demlilirat. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von Z. B. V. Hofstetten und J. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraße Ztr. 85. Adonnemcnt?-Preis siir Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den tiönigl. preußischen Post- ämtern W'/s Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 18� Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. 1. 4b. südd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Ouartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berti» auf der Expedition von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenstraße 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zeilc bei Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Ännoncen mit 8 Sgr. v.rechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: blr. BeiuWr, 8. Liule New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich:(5. A. Alexandre, Strasebourg, 5. Kue Brulee; Paris, 2. Cour da Commerce Saint-Andre-des-Arts. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 7. März.[Z»r E l b h e r z o g- thiimerfragel bemerkt die„Constit. Oestcrr. Ztg," ! zu der von mehreren süddeutschen Zeitungen gemelde- ten?igchricht, es sei von den Mittelstaaten eine wieder- holte Anregung der Herzogthiimerfrage am Bunde in Aussicht genommen, daß Über einen solchen Schritt in Wien nicht die»lindesten Anzeichen vorliegen. — Die gestern mitgetheilte Nachricht des Wiener „Baterland"(bezüglich eines Vorschlag, wel6»en der preußische Gesandte in Wien machen solle) wird von der„Nordd. Allg. Ztg." als Erfindung de- zeichnet. Im Uebrigen äußert sich weder die„N. A. Z", noch eines der anderen Regierungsblätter über die gegenwärtige Lage. —(Die europäische Conferenz in der D o n a u f ü r st e n t h ü m e r f r a g e betreffend,) er- wartet man den Zusammentritt derselben zu Paris allgemein schon zu Ende der nächsten Woche. Die von verschiedenen Seiten ausgesprochene Hoffnung, daß bei der Uebereinstimniung, welche in Bezug auf diese Angelegenheit unter den Theilnehmern der Conferenz herrsche, die Frage ohne lange Debatten sehr bald zur Lösung gebracht werden dürfte, scheint sich jedoch nicht zu bestätigen. Wenigstens hört man, daß die Türkei die Aufhebung der admini- strativen Union der Fürstenlhümer, welche sie nur für die Zeit der Regierung Cusa'S zugestanden, fordere, und Rußland, wenn auch aus ganz andern Gründen, dieser Forderung beitreten werde, wäh- rend die Westmächte niit Berufung auf die Wünsche der Bevölkerung für die Union sind. Indessen ge- hört eine Ausgleichung dieser Differenzen nickt zu den Unmöglichkeiten. Die Conferenz soll nur eine solche ael lroe sein, d. h. keine anderen Fragen in ihr Bereich ziehen können. Die Zeitungsnachricht, daß die Mittelstaaten auch die Theilnahme des deutschen Bundes an dieser Conferenz beantragen wollten, kann daher wohl nur auf einem Mißver- ständniß beruhen. Mit den Angelegenheiten der Donaufllrstenthüniern haben sich bekanntlich nur die Unterzeichner deS Pariser Friedens-Vertrages von 1856 zu befassen. —(Die„Berliner Börsen-Zeitung") meldet, daß die preußische Regierung beabsichtige, die Saarbrücker Kohlen-Bergwerke an eine anonyme französische Gesellschaft für einen Pachtzins von 90,0 Thlrn. zu verpachten. —[Die Motiv irung des bekannten ObertribunalsbeschlusseS) vom 29. Februar ist nunmehr durch das Justizministerialblait ver» öffentlicht worden. In der Hauptsache hat sich der oberste Gerichtshof darin den Ausführungen des Generalstaatsanwalts angeschlossen, und, wie man längst schon sehr richtig vermuthete, unterscheidet das Obertribunal zwischen ausgesprocheneu Mei- nungen als Resultat des Denkvermögens und der Behauptung und Verbreitung von Thatsachen. Im Widerspruch mit den Erklärungen derjenigen Männer, welche bei der Entstehungsgeschichte des Art. 84 direcl betheiligt waren, folgert das Libertribunal— wiederum im Widerspruch mit einem frühereu Beschluß deS Plenums und der ersten Abtheilung des Criminal- Senats— daß dieser Artikel unter„Meinung" nur ven hervorgehobene» Begriff und»ickl auch die Behauptung oder Verbreitung von eigentlichen Thatsacbe» verslanden habe. Deshalb ist denn die Frentzel'scbe Sacke zur anderweilen Erwägung und Beschlußfassung an das Appellationsgericht zu Jnster- bürg zurückgewiesen worden. Jede Behauptung einer Thatsache ist und bleibt aber eine ausgesprochene „Meinung;" stellt sich die behauptete Thatsache als unrichtig heraus, so war die Behauptung erst reckt nur eine„Meinung"— denn dann wußte der Redner nicht, soudern meinte nur. Dies ist unsere Logik. - München, 5. März.[Ueber den Häuser- bau- Schwindel und die finanzielle Cor- ruption Bayerns) schreibt man von hier dem „Franks. Journal": Der Schwindel, der sich in tollkühnen Speculatio- neu kund Ihnt und dem München die Enistehnng ganzer Stadttbeilc verdankt, steigert sich hier mit jedem Tag in bedenklichster Weise. Die Gant des Lederfabrikanlen Streicher, der Selbstmord Schimons, der durch die Furcht vor der Einlösung eines großen Wechsels verursacht wurde, die Gant des Wechsetsenfals Dorn, des Hotelbe- siyer« Sauer u. A. sind traurige Beweis- für die leicht' sinnige Verwaltungsweise, die man hier in Geldangele- genheiten trifft. Aber man darf ja nicht glauben, daß niit diesen Ganterklärungen sich das Unheil erschöpft habe, im Gegentheil sind wir der Ansicht, daß diese Vor- fälle nur die Vorläufer einer hereinbrechende» allgemei- ne» Finanzkrisis sind. Wir wüßten noch viele große und kleine Geschäfte zu nennen, welche ihr Lebeii nur durch Schwindel von einem Tag zum andern noch fristen, und stündlich ihrem Geschick verfalle» können. Wo so leichtsinnig spckulirt wird, wo ein so unreelle« GeschästSleben eingerissen ist, wie hier, kann da« Verderben nicht ausbleiben. Halbe Straßen wurden von Leuten gebaut, die nur über einige hundert Gut« den eigenes Vermöge» zu verfügen hatte»; gegen Wncherzinsen nahmen sie Capitale ans von Leuten, die um jeden Preis möglichst schnell reich werden wollten, und meist sind Capital und Zinsen verloren. Und wer dann diese schnellgebauten und srllhbezogenen Häuser be- trachtet, der wundert sich über die Sorglosigkeit der Bau- behörde, welche nicht dagegen einschreitet. Wa« im ersten Stock gesprochen wird, hört man im zweiten; wer etwa ein Gespräch belauschen will, dem ist diese« Geschäft leicht gemacht. Trotzdem aber so viel gebaut wird, ver- langt man für Häuser und Wohnungen»nverschämle Preise; Hänser, die noch vor zehn Jahren um 22 oder 24,096 fl. gekauft wurden, werden jetzt um 49 oder 42,999 auSgeboten, und immer noch giebt e» Leute, welche sie kaufen. Ein allgemeiner Häuserbankerolt ist ein Ding, da« über Nacht kommen kann. Nun denke man sich zu dieser Finanznoth in der Stadt noch die lauten Klagen über die Geldverlegenheiten aus dem Lande, wo Güter- zertrümmerer und der eigene Unverstand der Bauern an dem Ruine der Landwirthschafl arbeiten, und man hat ein getreue« Bild der traurigen finanziellen Verhältnisse Bayerns. In Wien und Berlin ist es nickt anders. Eine allgemeine Krisis ist über kurz oder lang»naus- bleiblich und nur die natürliche Folge der heutigen Kapitalwirthschaft. Je früher aber diese Krisis her- einbricht, desto besser. —[Die Jesuiten.) Die königliche Bewilli- gung zu den beabsichtigten Jesuitenmissionen ist erfolgt. Ausland. II Paris, 5. März.[Brief Alexander Herzen'« an EdgarQuinet und eines fran- zösischen Arbeiters an Ledru Rollin. Der rumänische„Staatsstreich.") Die eben aus- gegebene letzte Nummer der Wochenschrift„Asso- ciation" enthält zwei Briefe, der eine von Alexan- derHerzen an EdgarQuinet über sein neuestes Werk, der andere von einem französischen Arbeiter, dem Schuster Pigot, an Ledru Rollin über die sociale Bewegung. Von dem Erstern will ich Ihnen j nur den Hauptinhalt mittheilen, und einige Bemer- . kungen daran knüpfen. Edgar Quinet hat die französische Revolution angeklagt, an den katho- tischen, d. h. centralistische» Tendenzen der Mon- � tagnards zu Grunde gegangen zu sein. Er ist � bereits in einer Reihe von Artikeln Pcyrat's im „Avenir" so gründlich auf's Haupt geschlagen, daß selbst die liberalen Bourgeois des„Temps," die Anfangs dieses Werk als echt protestantisch in den Himniel erhoben hatten, nicht mehr wage», mit ihren Diatriben gegen Robespierre, Saint Just und die übrigen Montagnards hervorzutreten. Der große � Anklang, den die Artikel des„Avenir," welche später als Broschüre veröffentlicht wurden, gefunden und dem Blatte Peyrai's eine große Abonnentenzahl � gewonnen haben, beweisen, daß die Franzosen cn raasse, trotz aller der Reaktionen, die auf die Re- oolution gefolgt sind, noch nicht aufgehört haben, ihre Revolution zu lieben und ihre Consequenzen ! bis zur äußersten Entschiedenheit zu verfolgen. . Alexander Herzen aber hat in dem Werke Quinet'S nur Einen Mangel gefunden, nämlich den, daß er als Ursache der angeblichen Fehler der ersten fran- � zösischen Revolution nur den Kalholicismus, und � nicht auch die Feudalität, d. h. die ganze Geschichte I der europäischen Civilisation, angegeben, und ein- gesehen habe, daß nur ein Volk, wie das russische, welches keine solche Geschichte, sondern noch seine primitiven Boden-Eigenthumsverhältnisse habe, im Stande sei, da Räthsel der heutigen Welt zu lösen. Herzen hat nämlich von jeher das Arkanum der socialen Frage in der Gemeindeorganisation der- jenigen slavischen Völker gefunden, welche einen ge- wissen Bodencommunismus haben, ohne alle In- dustrie, folglich ohne alle Beziehung zu den modernen social-ökonomischen Fragen. Der Redakteur der „Association" bemerkt mit Recht zu dem Herzen'schen Briefe:„Geographisch ist es nur die Breite der deutschen Länder, welche Rußland von Frankreich trennen; aber wer wollte die Entfernung auSmefsen, die dag ökonomische Prinzip der Slaven(nach Herzen) von der socialen Idee der Franzosen trennt!" In der That, diese Distanz ist keine andere, als jene, welche den geschichtSlvsen Urzustand vom geschichtlichen trennte Ebenso gut, wie die slavische Urgcmeindeverfasiung, könnte man die biblische Institution des Jubiläums als Lösung der heutigen socialen Frage empfehlen, und eS giebt in der$chat auch solche Ääuze! Doch lassen wir den russischen Socialisten, um uns mit einem uns näher stehenden zu befassen.— Ledru Rollin hat vor einigen Wochen eine Art Manifest an die franzö- fischen Associationen ertasten, in welchem er seine hohe Zustimmung zu der heutigen Cooperalivbc- wczung gibt, und bei dieser Gelegenheit seine Freute darüber ausspricht, daß die Arbeiter sich nicht mehr mit den socialistischen Utopien befassen. Dagegen tritt nun in der„Association" der oben genannte französische Arbeiter aus, der eben einer von jenen ist, die sich der Cooperativbewegung mit Leib und Seele widmen. Ich habe Ihnen schon lange ge- sagt, daß die hiesigen Freunde der Associationen keine Schulzeaner, sondern echte und rechte Socia- listen vom reinsten Wasser sind, welche die Asso- ciationen nur als einen UebergangS zustand und als ein Mittel zur Erlangung radikal-socialer Re- formen betrachten. Ich erlaube mir, Ihnen zum Belege dieser meiner Ansicht heute eine wortgetreue Ucbersetzung des von der„ Asso- ciation" veröffentlichten Briefes mitzutheilen.— „Sie haben", schreibt der Schuster Pigot unterm 15. Februar an die Redaktion des„Arbeiterorgans", „Sie haben in Nr. 18. Ihres Journals einen Brief publicirt, der alle Diejenigen, die sich mit der so- cialen Reorganisation beschäftige», lebhaft impres- sioniren mußte, denn Sie haben in denijelben ohne Zweifel, wie ich, die Entdeckung gemacht, daß sein Verfasser, Herr Ledru-Rollin, sich nicht im Gering- sten geändert hat, daß er ganz derselbe geblieben ist, der er vor zwanzig Jahren war, d. h.»ach seiner eigenen Definition seiner selbst:„Weder Socia- list, noch Conimunist, noch PhilosophI"— Was mich betrifft, so bin ich weniger erstaunt, als unangenehm berührt gewesen, ihn noch einmal die socialistischen Schulen angreifen zu sehen. Obschon selbst keiner dieser Schulen ausschließlich angehörend, werde ich doch nicht ohne Rüge jene Phrasen pas- stren lasse», in welchen Herr Ledru-Rollin ironisch ausruft:„Ist es der Communismus, den Ihr an- strebt, der gerühmte, von Ewigkeil her(?) durch glänzende Schnflsteller illuslrirte CommmliSmus, der darum nicht weniger, im Grunde»ichtS weiter ist, als die Absorption des Arbeiters durch de» Staat, der als allgemeiner Producent und LebenS- versorger errichtet werden soll?" Wenn ich die Geschichte des modernen Comniunismus, da wo er praktische Versuche gemacht hat, z. B. in der Cabet- schcn Eolonie in Naevo und Saint Louis(Amerika) richtig beobachtet habe, so glaube ich dort gesehen zu haben, daß die Gesetze, welche von Allen und für Alle gemacht wurden, in Wahrheit und Wirk- lichkeit eine direkte Regierung des Volkes durch das Volk ausdrückten. Jeder konnte frei seine Gedanken und Gesinnungen kundgeben. Was die allgemeine „LebensversorgutigS- Anstalt" betrifft, so wäre zu wünschen, daß wir eine solche hätten; dann würde man nicht mehr so viele Familien sehen, welche der unentbehrlichsten Dinge zum Leben entbehren.— Herr Ledru-Rollin ruft ferner aus:„Mein Gruß an die Todten, mein Gruß an die Verwundeten!" Ja wohl, unser Gruß den Männern, die sich zur Befreiung des Volkes dem Tode geweiht haben! Ja wohl, unser Gruß jenem Reformator, welcher sagte:„Mein System ist die Verbrüderung! Meine Doctrin, meine Theorie, meine Wissenschaft, meine Religion, sind die Verbrüderung!"..... Wenn heute die Association das einzige Mittel gegen das Uebel ist, welches unsere» gesellschaftlichen Körper anfrißt, so glaube ich darum nicht weniger, daß sie ein UebergangSregimc ist, welches uns in die neue Gesellschast führen wird.— Indem Herr Ledru- Rollin alle socialistischen Schulen angreift und sich dennoch für die Associationen erklärt, so scheint er gar nicht einmal daran zu denken, daß er dieselben Männer, denen er Weihrauch streuen möchte, auf's Tiefste verletzt, da er sie„in das Reich der Schat- ten" relegirt; denn ich darf eS hier aussprechen� ohne befürchten zu müssen, widerlegt zu werden, daß die meisten, den Arbeiter-Associationen angehören- den Männer es gerade ihrem Studium, der Schrif- ten und Lehren Eabct's, Fourier's, Louis Blanc'S und anderer Socialisten verdanke», wenn sie heute den Principicn der Association hnldigen. Es ist daher dem Ledru-Rollin nicht wohl anstehend, in dieser Zeit uns von diesen„Sekten und Schulen" als schlechten„Pastischcn" der Geschichte zu unter- hallen." Dieser Brief bedarf, denke ich, keines Com- mentareS.— Ich will aber den meinigen nicht schließen, ohne Ihnen meine Verwunderung darüber auszudrücken, daß Sie die rumänische Revolution einen„Staatsstreich" nennen. Ich glaube, daß sich die Völker in Europa gar nicht zu beklagen hätten, wenn»och in manche» anderen Ländern ähnliche „Staatsstreiche" ausgeführt werden könnten.") * Paris, 5. März.(Tagesbericht: Die Debatte über Algerien. Prim. Prinz Na- poleon und die österreichische Polizei. Der II. Band des„Leben Cäsar's." Kaiserlich- Ntexikanisches. Das Lager in ChalonS.) Eine der interssantesten Debatten im gesetzgebenden Körper war die über Algerien, wobei der Vicomle Lanjuinais ein klares Bild von der ächt fran- zösischen Colonialwirthschaft in Afrika zeichnete. Lanjuinais ist ohne Zweifel einer der besten Kenner Algeriens in Frankreich. Seine Rede war eine vernichtende Kritik der bekannten kaiserlichen Flug- schrift und des jüngsten SenatSbeschlusses über daS arabische Königreich. DeS Kaisers Plan geht, wenn man der Sache auf de» Grund sieht, daraus hinaus, aus unchristlichen, leicht zu fanatisirendcn afrikani- scheu Söldnern eine Prätorianerbande zn schaffen, die dem Kaiserreich im Nothfalle als blindes Werk- zeug dienen konnte. Die Abneigung der gebildc- leren Franzosen gegen den Kriegsdienst ist alt und nimmt immer mehr und mehr zu; man mochte darauf rechnen, daß diese Leute es mit Vergnügen sehen würden, wepn die militärische Leistung des französischen Volkes mehr und mehr in arabische Hände übergehen würde. Diejenigen Franzosen, welche noch Auge» haben, um weiter zu sehen, werden jetzt endlich merken, daß der Freiheit und Unabhängigkeit des französischen Elementes nie größere Gefahr drohte, als von dieser Seile. Die Probe mit inohaniedanischen Garnisonstheilen wurde in Paris gemacht; sie ist im Ganzen sehr übel ans- gefallen und hat weder die Bewunderung der Pa« riser noch die Gunst der Afrikaner selbst erlangt. Auch ist bereits öffentlich die Verpestung der Sitten im fran zösischen Heere durch mohamedanische Scheuß- lichkeiicn gerügt worden, obgleich die französische Presse im Ganzen diesen Planen und Vorgängen ge- genllber sich bisher sehr wenig einsichtig bewiesen hat. — Prim ist von Lissabon auf drei Monate nach Lon» don gegangen, wohin seine Schwiegermutter, Frau Aguero, vorausging. Prim bat eine Reise nach Deutschland vor.— Prinz Napoleon will seine „Kunststudien" vom Italienischen Festlande auch auf Oesterreichische Gebiete, die weiland zu Venelien gehörten, ausdehnen; natürlich reist der Prinz in- cognito; die Oesterreichischc Regierung hat jedoch auf die Anzeige, der Prinz wünsche die Römischen Alterthllmer in Dalmatien in Augenschein zu neh- men, mit der alten Oesterreichischen Spiyelschlau- heit geantwortet:„trotz seines Jncognilo werde er überall seinem Range gemäß empfangen werden." — Der Kaiser ist eifrig mit der Revision des zweiten Bandes seiner Geschichte Cäsar's beschäftigt, der Ende dieses Monats erscheinen wird. Der Kaiser macht»och bedeutende Verbesserungen. Die Hälfte des Bandes ist bereits gedruckt. Der AtlaS zum 2. Bande wird 30 Karten vom alten Gallien bringen, die der Kaiser sämmtlich selbst gezeichnet und revidirt hat.— Ein Decret des Kaisers von Mexico verleiht einer Gesellschaft niepicanischer Kapitalisten und Ingenieurs die Concession für eine Eisenbahn, welche das Stille mit dem Allan- tischen Meer verbinden soll. Dieselbe soll über Puebla geführt werden, von wo aus Zweigbahnen »> sehr einverstanden: jene Bezeichnung war selbst- verständlich ironisch gemeint. Ann,, d. Red.% nach der Hauptstadt Mexico und Veracruz führen. — Die Zusammensetzung eines LagcrS in ChstlvnS, welche das„PayS" bereits mittheilt, hat ein ganz friedliebendes AuSsehn. Es soll blos von der Kaiserlichen Garde bezogen werden. London, 5. März.(Haltung in der Donaufllrstenthümerfrage.j In der Sitzung des Unterhauses vom 5. März erwiderte G lädst o n e auf eine Interpellation von Griffilh in Betreff der Donaufürstenthllmer, England werde bei der bevorstehenden Confcrenz an den Principien dcö Pariser Tractats festhalten und auch die Wünsche der Bevölkerung gern berücksichtigen, wofern dieselben als allgeinein und stabil aner- kannt würden. " Italien.(Die Staatsschuldentilgung. Exkönig Bomda und die Briganten. Maz- zini. Prinz Huniberl.) Der Verein zur Til- gung der Staatsschulden hat einen wahrhaft patrio- tischen Aufschwung hervorgerufen. Namentlich scheint der Süden Italiens durch Opferbereitwillig- keit sich Hervorthun zu wollen. In Neapel hat die Bank eine Million gezeichnet. Die Präfectnral- Beamten haben den Gehalt eines Monats dem Berein überwiesen. Einzelne Regimenter haben Samnllungen veranstaltet und Suminen im Be- trage von 12,000 bis 18,000 FrcS. zusammengebracht. Die Stadt Castellamare hat 130,000 Frcs. unterschrieben; Catanea betheiligte sich bei der Subscription mit 100,000 Frcs. Aber auch im Worden zeigt sich patriotischer Eifer. Der Syndicus von Mailand gab aus eigenen Mitteln 10,000 Frcs., das Ofsiziercorps eines Bataillons Ber- saglicri in Bologna 1000 Frcs. Der„Allge- meinen Zeitung" wird ans Neapel geschrieben: „Die Polizei ist in großer Thätigkeit und scheint durch die Verfolgung der Aufwiegler bei dem Kulscher-Strike aus verschiedene Anstiftungen der bourbonistischen Reaction gekommen zu sein. Bei rem Pfarrer von San Liborio und bei zwei ande- ren Priestern wurde Hausdurchsuchung gehalten, und der ehemalige GenSd'armerie-Oberst Spano befindet sich in Haft. Man hat bei ihm auch den Schlüssel zu einer chifsrirten Correspondenz gefun- den. Auch wurde ein Original- Docuincnt von drei Jahren her aufgefunden, welches zum ersten Male die autographische Unterschrift des Königs Franz trägt und eine Anweisung zur Organisa- iion des Brigantenwesens enthält."— In Genua hat man Freudendenionstratione» über die Wahl Mazzini's polizeilich verboten. Im „constitutionellen" Italien!— Prinz H u m b e r t hat zum National-TilgnngSfond 100,000 Francs gezeichnet. Bukarest, 6. März.(Die provisorische Regierung. Licbrecht. Türkisches Armee- Corps.j Die provisorische Regierung beantragt die Einberufung von 4000 Mann unter die Fahnen, und vollständige Trennung der Kirche vom Staate, bei voller Unabhängigkeit der Kirche.— Ferner hat die Regierung das Gesetz, betreffend die Emission einer National-Anleihe im Betrage von 30Millionen, promulgirt und der Kammer einen Gesetzentwurf über die schleunige Errichtung einer Nationalgarde und die Orzanisirung eines 4000 Mann starken Freiwilligencorps vorgelegt. Der gewesene General- postdirector Liebrecht wird wegen großer Untcrschleife vor Gericht gestellt.— AnS Rustschuck wird gemeldet, daß dort ein türkisches Arnieecorps zusammenge- zogen wird. Rußland. sRussisch- Polnisches.) Die in mehreren Kreisstädten VolhynienS eingesetzten Kriegsgerichte haben ihre Geschäfte beendigt, und nach Absendung der letzten Transporte von Gefangenen auS Luck und andern Gefängnissen nach Sibirien den Befehl erhalten, von Stadt zu Stadt zu reisen, und unter Mitwirkung der Orts- Polizei diejenigen Personen zu ermitteln und zur Untersuchung zu ziehen, welche sich irgendwie politisch compromittirt haben. Vcreins-Lhtil. Leipzig, 5. März.(Allg. deutsch. Arb.-Berein. Den Vereinsgenossen.) Mit einer wahren Beklem- mnng, welche un» bei Lesung de» BereinStheile« der c. 52 de«„Soc.-Dem." überkam, greifen wir zur F-d er