Nr. S7. Berlin, Freitag den 9. März 1866. Diese Zeitung erilbeint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von I. V. v. Hofstetten und Z. L.». Schweitzer. Zweiter Zahrglllll!. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstrastc Nr. 85. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post« ämiern 22'/» Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 18� Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr.(st. 1. 4b. slldd., st. 1. 50. österr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition von jedem soliden Spediteur, von der Exprcß-Eompagnie, Scharrenstraße 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Ebenso wird sie die Wiedertrennung der Moldau von der Walachei fordern, deren Per- einigung gegen die Pertragsgaranticen der Groß- määne verstößt. Rußland dagegen, dessen Einfluß aus die Donaufürsteulhümer und dessen Rachbar- schaft fern zu hallen im Interesse Oesterreichs liegen muß, wird die erwiesene UnHaltbarkeit der rumänischen Zustände und der großtürkischen Suze- ränctät als gewichtige Argumente für Garantieen anderer Art, mit Aussicht auf Erfolg, in's Feld schicken können und versäumt es schon jetzt nicht, seine eigenen Forderungen mit Hinweis auf die Waffen sehr unzweideutig zu unterstützen. So wird dem Wiener„Wanderer"„von der unteren Donau" gemeldet, daß der russische Uebergang über den Pruth bereits begonnen habe ober doch bevorstehe, sowie daß eine Allianz zwischen Preußen und Ruß- land abgeschlossen sei. Diese Nachricht bedarf jedoch sehr der Bestätigung. In Wien wird sie bereits bezweifelt und hier verlautet vorerst noch gar nichts darüber. �[3lir Habsburg-Hohenzollern'schen A l l i a n; j sckreibt die neueste„Prov.-Corr.": I» der Bevölkerung macht sich seit Kurzem die Heber- zeugung gellend, die öslerreichisch-preußische Gemeinschaft sei bereit« aufgegeben oder in der Lösung begrissen. Diese Ueberzeugung stützt sich wohl wesentlich auf da« Ver- halten der österreichischen Verwaltung in Holstein. Preu- ßen schloß da« österreichische Lündniß unter den schwie- rigsten Verhältnissen, gegen die Strömung der öffenl- lichen Meinung, zuversichtlich davon die Durchführung de« deutschen Rechte« in den Herzoglhümern erhoffend und die Wiederaufrichiung der deutsche» Macht und deut- schen Einflusses. Die unmittelbaren Erfolge bestätigten die preußische Auffassung. Die preußische Regierung durfte die Zuversicht hegen, daß Oesterreich die preußische Auffassung theile. Auch»ach der in Gastein stipulirten Trennung der Verwaltung der Herzogthllmer konnte Niemand erwarten, daß die österreichische Verwaltung in Holstein mehr und mehr dahin gelangen werde, den Gegensatz gegen Preußen und die Anhänger Preußen« zu ihrem leitenden Gesichtspunkte zu machen und in solcher Absicht die Umtriebe einer völlig unberechtigten Partei, im Widerspruch mit allen sonst österreichischer- seit« vertretenen politischen Grundsätzen, zu fördern. Noch jetzt ist zu hoffen, Oesterreich werde dem verhäng- nißvollen Gegensatze ein Ziel setzen uud den uncrläß» lichen Forderungen der preußischen Ehre und deS preußi- schen uud deutschen Interesse« endlich voll- Anerkennung und Unterstützung zu Theil werden lassen. E« wäre I kaum erklärbar, jedenfalls tief zu beklagen, wenn unge- lachtet der besseren Ucberzeugungen, welche bei der kaiser- glichen Regierung Boden gefaßt zu haben schienen, die alte Eifersucht schließlich die Oberhand behalten und die preußische Regierung nöthigen sollte, bei ihren weiteren Entschließungen nur die Rücksicht der eigenen Interessen zu Rathe zu ziehen. Wir glauben es, daß man sich ungern trennen würde; denn einzeln ist der Kampf gegen den ge- meinsamen Feind,„den Drachen der Demokratie", noch ungleich schwerer zu führen, als dieß jetzt, mit vereinten Kräften, schon der Fall ist. —[Zur Elbherzogthiimerfragej erklärt die.. Provinzial- Correspontcnz" alle Gerüchte, welche aus Veranlassung deS vorigen Mittwoch stattgehabten MinisterconseilS entstanden seien, an welchem der Kronprinz, die Generäle v. Man- leuffel und v. Moltkc und der preußische Ge- sandte in Paris, Graf v. d. Goltz, theilgenommen, für willkürliche Berniuthungen. Insbesondere bezeich- nel sie die Nachricht, daß die preußische Regierung an Oesterreich den Antrag zu stellen beschlossen habe, ihr auch Holstein, vorbehaltlich der Fort- dauer des Ccndominats, zur alleinigen Perwallung zu überlassen, für unbegründet, wie auch andererseits das Gerückt, daß die Regierung von jedem weiteren Vorgehen in der schleswig-holsteinischen Angelegen- heil Abstand genommen habe.— DaS Gerücht, be- zllglich einer Mission deS Fürsten Lichtenstein, soll sich nicht bestätigen. —[Ueber einen Krieg zwischen Habs- bürg und Hohenzollernj äussert sich ein öfter- � reichisches Blatt unter Anderem wie folgt: Die Politik des Handstreich« würde allerdings äugen- blicklich eine Preußen günstige Entscheidung herbeiführen. E« ist keine Frage, daß achttausend Oesterreichcr der dreifachen Anzahl Preußen im ersten Anlauf nicht Stand hallen könnten. Aber die Folgen! Die Preußische Krone täuscht sich darüber wohl nicht, welch' furchtbare Eonsequenzen dieser erste verhängnißvolle Schritt nach sich ziehen würde. In den Herzoglhümern wäre damit für Preußen gar nicht« gewonnen; den Rückzug au« Schleswig-Holstein, den Preußen mit Oesterreich ver- schmähte, müßte e« vor Europa antreten, und in dem Kriege, den Preußen in solcher Weise vom Zaune brach, würde e« schließlich den Kürzeren ziehen. Ein Straf- gericht würde über Preußen hereinbrechen, unberechenbar in seiner Ausdehnung. Da« gesammle nichlpreußische Deutschland würde sich nolhgedrungen um die öster- reichischen Fahnen schaaren, und eine gründliche Brach- legung aller grvßpreußischen Bestrebungen auf ein Jahr- hundert hinaus wäre da« Ende diese« srevelhast herauf- beschworenen Kriege«. Zur Niederschmtttcrung der preußi- schen Junkerherrschaft und Annexionspolitik würden sich Oesterreich innerhalb Teuischland« Allianzen darbieten, welche die Niederlage Preußen« rasch herbeiführen würden. ! Die Niederlage de« beuligen Preußen wäre aber der Sieg der liberalen Partei an allen Ecken und Enden Deutschland«. Gewiß schaudert da« Wiener Kabiner in diesem Augenblicke vor dem bloßen Gedanken an solche Bundesgenossen zurück; aber wenn Preußen alle Rück- I ficht vergäße und die österreichische Fahne in Holstein zu erniedrigen wagte, dann wäre eben auch Oesterreich ' gezwungen. Alle« an Alle« zu setzen. Haben jene ge- ! wissenlosen, der Handstreich- Politik Vorschub leistenden Publicisten selbst liberaler preußischer Blätter sich die Situation schon klar gemacht, in welche ein Attentat gegen die Stellung Oesterreichs in Holstein Deutschland versetzen würde? Nein, sie haben über die Folgen einer solchen Katastrophe keine Minute nachgedacht, sonst wäre diese leichtfertige und wahnsinnig« Renommisterei nicht möglich. Allerdings sprechen verschiedene liberale gross- preußische Bourgeois von dergleichen Dingen,' ohne auch nur zu ahnen, daß dieselben Ereignisse im Ge« folge hätten, die ihnen nichts weniger als lieb wären. Aber gerade solche Ereignisse sind es, die den Männern der That, den Männern der Aclions- Partei, am meisten erwünscht sein müssen. Matt braucht eben nicht davor zu zittern, wie daS par« ticularistisch-österreichische Blatt thul. Sehr richtig ist dagegen, was dasselbe über die Unwahrfchein- � lichkeit eines solchen Krieges sagt, indem c« schreibt: ' Der österreichisch-preußische Krieg aber ist deshalb höchst unwahrscheinlich, weil er in Deutschland die Elc- mcnie entfesseln und zur Herrschaft bringen würde, zu deren'Niederhaltung die Allianz der beiveu Großmächte geschlossen und der dänische Krieg geführt wurde. Die Heere Oesterreich« und Preußens gingen über die Eider, um der deutschen Demokratie in SchleSwig-Holstcin zu- vorzukommen; man beeilte den diplomatischen Krieg, da« mit über SchleSwig-Holsteiu kein Volkskrieg entbrenne. Diese sogenannten„conservaliven" Rücksichten ollrfieu auch heute den Ausschlag geben; sie sträuben sich gegen einen Conflikt, der die Revolutionirung Deutschlands un- vermeidlich nach sich ziehen würde. Hüben und drüben sind die den Verfassung«- Sistirungen entquellenden Spm- l pathien, stärker als der politische Ehrgeiz, und ist Preußen erst so weit gebracht, daß c« die Annexion ausgiebt, so wird man in Wien nicht« versäumen, ihm den Rückzug möglichst leicht zu machen. So erscheint un« die Situa« lion, und wir besorgen nicht, durch die weitere Ent« wickelung der schleSwig- holsteinischen Frage und de« östcrreichifch-preußischen Verhältnisse« dementirt zu werden. Ja, wenn die„conservaliven Rücksichten" nicht wären! —[Johann Jacob t� hat mit dem heutigen Tage seine Strafhaft erfüllt und ist aus der Haft entlassen worden. — jPreußische Preßschicksale.j Der Rcdactcur Slobbe hat bei der Oberstaatsauwaltschaft Beschwerde geführt über das Versahren de« Staatsanwalt« v. Bö- ninghausen gegen ihn. Zugleich soll aber auch v. Bö- uinghausen gegen den Beschluß der Triminaldepntatioll nach welchem die Verhaftung de« Slobbe für nicht ge« rechtfertigt worden ist, Recur« bei dem Obenribunal ein- gelegt haaen.— Das Obertribunal hat am 7. d. M. die Nichtigkeitsbeschwerde de« Redacteur« der„Volks-Ztz.", H. Holdheim, gegen ei» Urlheil, welche« ihn wegen de« Leitarlikel« in Nr. 114 der Zeitung vom vorigen Jahre verurtheilte, zurückgewiesen. Ausltutd. Paris, 7. März.[Donaufürstenlhümer- Angelegenheit. Das Palais Royal.j Der heutige„Abenrmoniteur" sagt bezüglich der Ange- legenheii der Donaufinstenthümer: Da die gegen- wältigen Umstände Fragen in den Portergrund stellen, welche die Grundlagen berühren, auf denen das von den europäischen Mächten gemcinswaftlich vereinbarte Werk beruht, so war eS natürlich, von Neuem eine Konferenz in Paris zusammentreten zu lassen. Die Bertreter der Mächte sind der Mehrzahl nach bereits mit den zur Theilnahme an den Bcratbungen erforderlichen Pollmachten ver- sehen.— Unter den Kaufleuten des Palais Royal �ircnlirt eine Petition an de» Senat, welche be- zweckt, das jetzt sehr verödete Gebäude durch geeig- neten Umbau und Beränderung der umliegenden Straßen wieder, wie sonst, zum Mittelpunkte für Bertehr und Handel zu macben. i-cli. London, 4. März. jDie Fenicr. Die Bergwerker von Devon und Devonshire. Reformbill.j Die Fenier wollen die Unabhän- gigkeit Irlands und den Besitz des Grundeigenthums, defsc.n sie durch die englische Herrschaft fast gänzlich beraubt wurden, durch Parcellirung der großen Güter erringen. Die Behandlung, welche Irland von Eng- land erlitt, ist so bekannt, daß ich darüber keine Zeile verlieren will, dagegen erlaube ich mir, über das Parcelliren des Grundeigenthums einige Be- trachlungen Die französische Revolution von 69 hat in Frankreich und in einigen Theilen Deutsch- länds den großen Grundbesitz größtentheils aufge- hoben und die Parcelliruug erwirkt. 3» England und Irland dagegen besteht der große Grundbesitz, und die nächsten socialen Umänderungen dürsten ebenfalls die Parcellirung desselben herbeiführen(?); ob aber dadurch ein dauernd besserer Zustand für die Ackerbauern erzielt würde, ist keineswegs so sicher als man anzunehmen geneigt ist, denn in den Ländern, in welchen die Parcellirung aufs Höchste ge- trieben ist, sind die Grundbesitzer nichts weniger als in einer glänzenden Lage. Sie waren ehedem die Sclaven der Besitzer großer Güter und sind heute die Heloten der Hypolheke, sie sind dem Kapitalisten ebenso dienstpflichtig, wie sie es früher dem Grund- Herrn waren. Jedoch wird die Art und Weise einer Parcellirung des Grundeigenthums in Eng- laud eine andere sein als die, welche der französi- schen Revolution folgte, und es wäre je nach gün- stigen Umständen wohl möglich, daß einer großen Zahl der zu Grundbesitz kommenden Landbauern für einige Generationen ein besseres Loos zu Theil würde. Unabwendbar würde sie jedoch dann das Schicksal ihrer Genossen am Continente ereilen, deren Lage beutlich zeigt, daß im Allgemeinen mit Feuilleton. parisrr Fastnacht. Die Pariser Fastnachtszeil schildert sehr drastisch ein Correspondent der Augsburger„Allgemeinen Zeitung." Er schreibt aus Paris, unterm 22. Februar: Carneval, der alte Hanswurst mit seinen abgedrosche- neu Spähen, mit seinen Sprüngen und Grimasse», ist begraben; die ivlle Wirthschaft, wenigstens in den höhe- ren Sphären, dauert fort, trotz der Fasten und trotz der Mahnungen des P. Felix, der, den P. Hyacinthe ablösend, seine religiös-politischen Unterhaltungen in dem ehrwürdigen Dome von Notre-Dame wieder aufgenom- wen. Die„fetten Ochsen" sind vom Eapitol deS Ruhme», zu welchem eine trunkene Menge sie empor- getragen, in den Untergang gkstnrzt worden,»m zum Uebcrfluß»och einmal zu zeigen, wie wandelbar das Erdengeschick. Di« Göttinnen de» Faschingsdienstags, ihres Olympischen Schmuckes entkleidet, sind wieder dem Getriebe der Sterblichen, der drückenden Sorge um Brot zurückgegeben. Von ihrer glänzenden Triumphsahrt haben sie Nichts übrig behalten, als einen Schnupsen und die Nachsicht der Polizei, von welcher sie für den frostigen Umzug gedungen worden.� Hier und da findet sich aller- ding« ein Thor, welcher, durch die EintagSberühmtheil und den stüchtigen Glanz der Fastnachtsbeldin angezogen, derselben seine kostbaren Huldigungen darbringt. Einer der Ochsen wurde durch eine glückliche Fügung am Leben erhalten. Hrn. v. Billeinessani verdankt er es. daß er nickt-nck, wie sein- unseligen G-nossen, außerhalb der Naturbestiniuiuiig der„iüßen lieblichen Gewohnheit des Daseins und Wirten«" grausam vor- schnell entrissen worden....,. Hr. v. Villeincssani ist da«-cht- Kind seiner Zeil, nicht etwa was die Grundsätze von 1789 oder andere Grundsätze beirisst. sondern in Ansehung der Entschlossen. heit, mit welcker er sein Thun ll»d Lassen von einer lästigen Moral frei macht, hinter der kein Gesetzpara- der Parcellirung unter der Herrschaft des Kapitals für die dritte Klasse wenig gewonnen wird. Mehrere Mißernten sind hinlänglich, einen. Theil der unver« schuldeten, kleinen Grundeigenthümer mit Schulten zu belasten, und diejenigen, welche nur mit Schulben Grundbesitz erwerben konnten, total zu ruini- ren. Die nächste Folge wäre, daß die Kapitalisten um einen Spottpreis die Güter an sich brächten, oder aber, baß die Bauern, welche dennoch im Be- sitze der über den Werth verschuldeten Güter ver- blieben, dem Scheine nach zur besitzenden Klasse gehörten, in der That aber noch übler daran wären, qls»er besitzlose Tagelöhner. Es ist gar viel von der Energie, iem Fleiße und dem glücklichen Zu- starzde des kleinen Pauern und Grundbesitzers ge- faselt worden, aber die statistischen Berichte über die Lage derselben in Frankreich haben jenen Jr- lhum gründlich widerlegt, und wenn wir die poli- tische Unfähigkeil dieser Klasse in Frankreich mit in Anschlag bringen, so sollte man doch meinen, baß endlich Jeder einsehen müßte, daß für Irland, England und verschiedene andere Länder ganz andere sociale Verbesserungen nothwendig sind. Das Ka- pital ist in Frankreich an die Stelle des großen Grnndbesitzes getreten und ras Kapital hat während einer mehr als 70jZhrigen Herrschaft die Lage der großen Masse der kleinen Grundbesitzer in Frank- reich nicht gehoben. Die 89er französische Revolu- tion hat das moderne bürgerliche Kapital zur Herr- sckast gebracht und eine neue Revolution kann für uns Arbeiter keinen andern Hauptzweck haben, als das in der jetzigen Form regierende Kapital, welches in zeder Be- ziehung seine Unfähigkeit(der Majorität der Staatsangehörigen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen) beurkundet hat, abzusetzen. Das wissen die Kapitalisten selbst und daher ihre Furcht und ihr geschmeidiges Fügen unter die Machthaber, mit deren Loos sie ihr LooS so enge verknüpft sehen; ja, das wissen die Macht- Haber noch besser, darum darf es uns kaum wun- dern, wenn sie bei jeder Gelegenheit denselben auf die Dicksäcke klopfen nnd über die erzwungene Ent- rüstung lieser Feiglinge noch spotten. Die Par- cellirnng des Grundbesitzes gleicht der Theilung der Arbeit in der Industrie, und im Ganzen und Großen betrachtet, erzielt sie unter der Herrschast des Kapitals für die große Masse des Volkes das- selbe traurige Resultat. Es scheint, als ob Amerika graph und kein Gensdarm Wache steht; er macht in Journalistik, wa« bei ihm mit Skandal gleichbedeutend ist; die Presse hält er für nickis weiter denn ein Werk- zeug der Erpressung, für ein Gewehr, da« mau aus de» Vorübergehenden anlegt, um Lösegeld zu erlangen, oder loszuschießen und irgend einen verwundbaren Fleck zu tressen. I-a bourse on la viel1) Ein solche« Gewerbe hat, besonders in Frankreich, wo das Blut rasch aufwallt und der Zorn schnell entflammt, seine ernsten Gefahren; allein Hr. v. Villemessanl ist nicht empfindlich und nicht wehleidig, sührt außerdem eine gute Klinge. Am Ende hat jede« Gewerbe seine Schwierigkeit, die man eben mit in den Kauf nehmen mnß. Zum Licht gehört der Schatten, zum Wegelagerer so oder so die Gefahr; und wozu diente die Uncrschrcckenheit, wenn alles immer glatt ginge, wenn man alle Wege geebnet fände? Hr. v. Villemessanl hat durch seinen„Figaro", bevor derselbe durch die „kleinen Blätter" in den Hintergrund gedrängt worden, viel Unheil angerichtet. Die Hetzereien in dem Blaue haben vor nickt gar lange einem ehrlichen Manne das Leben gekostet, und Hr. v. Villemessant bekam harte Dinge von dem Gericht zu hören, vor welches er als Zeuge kam, als über den Herzog v. Gramont-Caderousse, seligen Angedenkens, der den Redakteur des„Sport", Hrn. Dillon, im Zweikampf gelödter, richterlich geurtheilt wurde. Allein Hr. v. Villemessanl ist nicht der Mann, sich durch solche Geringfügigkeiten da« Gewissen benn- ruhigen, den Schlaf stören oder sonst sich quälen zu lassen. Er ist und bleibt guter Dinge, und ardeilet rüstig weiter. Nachdem er feine legitimistischen Neigunge», mit denen er seiner Zeil im„Corsaire"»nd anderen Blättern Un- fug getrieben, längst zu den Todlen geworfen, hat er als schlauer Kenner der vorhandenen Verhältnisse sich an«- schließlich aus die Spekulation verlegt, auf die Spekula- lion mit allem, da« sich eben bietet, ohne Rücksicht aus da« Ansehen, ans die Würdigkeit derselben. In Elretat hat er vor wenigen Jahren Grundstücke angekauft und die Vorzüge des Ort« so lange angesungen und ansingen >) Den Geldbeutel oder da« Leben. ' mit seiner unermeßlich großen Jnngfernerde nie in die Lage der civilisirten europäischen Länder kom- men sollte; denn vor dem Ablauf der zu einem ähnlichen Berhältniß führenden nöthigen Reihe von Jahren dürften sich die socialen Zustände derart verändert haben, daß der Grundbesitz in gemein- schaftliches StaatSeigeuthum verwandelt ist.— Die Bergwerker in Devonshire hielten gemeinschaft- lich mit den Bergwerkern von Devou-Eonsols am letzten Samstag nahe bei Tavistock ein großes Mee- ting. Man hatte in der Nachbarschaft große Furcht, , daß ein Aufruhr und Störung des öffentlichen ' Friedens entstehen könnte. Am Freilag früh wurden ! zweihundert außerordeutliche Polizeimänner ver- pflichtet und die Militairniacht zu Plyniouth erhielt Befehl in die Nachbarschaft zu marschiren. Der Präsident des Devon-Ccnsols-Bergwerks sprach mit Bezug auf die Streitfrage zu den Bergwerkern und die Anzeige der Wcrtführer, daß sie alle diejenigen Arbeiter, welche zu der Bergwerker-Arbeiler-Union- Gesellschaft gehörten, entlassen wollten, hat eine große Aufregung hervorgebracht, es wurden bei der Ausführung dieses Beschlusses eine große�Anzahl der Bergwerker in der Umgegend von Tavistock außer Arbeil gefetzt, und es herrschte in der Stadt, welche ein großes Interesse am Bergbau hat, eine starke Aufregung. DaS Meeting verlief jedoch in einer friedlichen Weise und das Militär kehrte am Abend nach Plymouth zurück. Ein ähnliches sehr zahlreich besuchtes Meeting wurde an demselben Tage zu Liskaard abgehalten, welches ebenfalls ruhig ablief. Auf dem Meeting der Bergwerker-Association sprach sich Mr. Cherhill, der Vorsitzende, dahln aus, daß nach seiner Meinung kein Mitglied der Association weniger als£ 4 per Monat erhalten sollte, und Mr. Th. Rowe, ein Bergwerker ver- sicherte das Meeting, daß durch ein treues Zusammenhalten das Geforderte erzielt würde, weil die Association es sich zur Ausgabe gemacht habe, ihr Interesse zu vertheidigcn und zu schützen. Er forderte zugleich zu einer gemäßigten, würdigen Haltung auf, welche am geeignetsten sei, das er- littene Unrecht wieder gut zu mach»».— Die Frage, ob eine Reformbill durch das Ministerium dem Parlament vorgelegt wird, ist entschieden und am 12. März wird unter dem Rollen des Donners der Berg sich össnen und die winzige MauS ge- boren werden, welcher von einer Seite die Auf- gäbe gestellt ist, das Netz zu zernagen, das den lasse», bis er wirklich von einem Theil der eleganten. nalllrlich auch zweideuligeu, Pariser Well zum Sommer- anseiithalt gewählt wurde, und bereits sich vermißt, Trou- vine und Dieppe zum Wettkamps herausznsordern. Warum hatte ein Mann wie Hr. v. Villemessanl, der seine Zeit»nd deren Bedürsnisse so richtig beurrheilt, die anßerordeniliche Popularität unbenutzt lassen sollen, deren die selten Ochsen, wen» auch nur während einer kurzen Dauer, sich zu erfreuen haben? Bekanntlich erhalten die Fastnachlochsen Namen von Dingen ocer Personen, die im Verlaus de« Jahr« ein besonderes Interesse in Anspruch genommen. Weil da« so herkömmlich ist, wird umgekehrt der Name, den der Ochse erhält, eine Reklame für die Sache oder Person, von denen sie überrragen worden. Um nun seiner neuen Zeilichrist„l'Evänemeni", welche mit dem„Petit Journal" iind andern dergleichen Blättern einen schwierigen Wellkampf zu bestehen hat, Vorschub zu leisten, war c« Hr». Villemessant darnm zu thun, daß einem der Ochsen der Name L'Evenemeni bei- gelegt werde. Da jedoch das Blalt, ob e« gleich für die kurze Zeit seines Bestehens eine große Verbreitung gewönne», bis zur Slnnde nickt so viel Ansiehen erregt, damit ihm die Ehre zu Theil werde, seinen Namen mit dem Fastnachtochsen zu lheilen, griss Hr. v. Villemessant zu einem noch unversuchlen Mittel; er kaufte für 3009 Fr. von dem Fleischer Flöchelles einen der vierbeinigen Helden des Faschingdienstags, und erwarb somit da« Recht, denselben nach seinem Belieben zu taufen. Und der Ochse l'Evönemcnl schritt geschmückt und geleiert von Göttern und Göttinnen im Triumph geführt und gefolgt durch die Straßen von Paris. Ein Geist von geriugerm Umfange, als der des Hrn. von Villemessant, wäre wohl in»em durch den glück- liche» Einfall erlangten Voriheil stehen geblieben; der große Spekulant aber ging weiter. Im Besitz des Ochsen, srug er sich, wa« wohl am zweckmäßigsten mit demselben anzufangen wäre, wenn er»einmal dem Blatt den gewünschten Dienst geleistet haben würde. Und es fielen ihm die jetzigen Thcalerzustände ein. Warum sollte eine Berühnitheil, wie ein FastuachlSochse, nicht sein Publikum in irgend einem Theater finden, wo man durch minder