Nr. 61. Berlin, Mittwoch den l4. März l8K6. Zweiter Zahrgang. Social-tlciiiolunf. Diese Zeitung ersöbeint täglich mir Ansnabme der Sonn- unv Festtage. Organ der social-dtmokratischcn Partei. Redigin von I. V. d. Hosstetten und Z. B. V. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Dresdnerstraße Nr. 85. Ubonnement?- Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo« natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den Känigl. preußischen Post- ämtern 22V? Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- lenv l8Ve Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(ft. 1. 45. südd.. st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt» auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstraße 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Wir haben diese Auffasiung durch eingehende Ausführungen als eine falsche nachgewiesen und stellen nunmehr unsere Ergebnisse zusammen. Das Risico— so führten wir aus— kann im jetzigen Gesellschaftszustande allerdings nicht abge- schasfl werden; denn dasselbe entwickelt sich mit innerer Nothwendigkeit aus dem Kapital im heuti- gen Sinne, d. h. ans deni der Arbeit als selbst- ständige Macht gegenüberssestelllen �Kapital. Die kapitalbesitzende Klasse in ihrer Gesammtheit trägt, wie aus dem steigenden„Nalionalreichthnm" her- vorgeht, kein Risico: allein jeder einzelne Unter- nehmer trägt ein solches. Für ihn ist also auch die Risicoprämie(der Kapitalgewinn) nothwendig und, wie man unter den Boraussetzungen des jetzigen Gesellschaftszustandes sogar zugeben kann (bedingungsweise), gerecht. Allein die Betrachtung der Sacke im Großen, weit entfernt, zu beweisen, was Sie aufstellen, führt im Gegentheil zur Erkenntniß, daß dieser jetzige Gesellschastsznstand weder ein gerechter noch ein nothwendiger ist. Wir haben Ihnen nämlich, was zunächst die Gerechtigkeit betrifft, nachgewiesen, daß dasjenige, wovon das Risico getragen wird, das Kapital selbst,»ach den Grundsätzen des natürlichen und selbstverständlichen Rechtes der Gesammtheit der Arbeitenden gehört, weil nur durch sie alle Werthe geschaffen werden; wonach sich der jetzige Zustand als eine Ausbeutung des arbeitenden Belkes durch wenige Kapitalbesitzende darstellt, welche Ausbeutung immer nur möglich ist durch selbstständiges Kapital, d. h. durch eine der jetzigen Ausbeutung schon vor- hergegangene andere Ausbeutung. Wir haben ferner gezeigt, daß durch das Risico, welches aus dem Schöße des der Arbeit selbststän- dig gegenübergestellten Kapitals herauswächst, der Gesellschaft ein Charakter ertheilt wird, in welchem die Freiheit des Einzelnen nahezu aufgehoben ist; und zugleich haben wir daS gehässige und schwin- delhafte Wesen der Concurrenz, welches nolhwen- dig mit diesem Zustande verbunden ist, bloßgelegt. Wir haben aber ferner auch gezeigt, dag diese jetzige Wirlhschaft durchaus nicht eine noth- wendige und unabschaffbare ist; wir haben Ihnen vielmehr eingehend nachgewiesen, wie man unter Aufhebung der Gegenst?llung von Kapital und Arbeit, mit Wegfall insbesondere der Eon- currenz, einen haltbaren Gesellschaftszustand her- stellen kann; und wir haben Ihnen weiter gezeigt, „daß in diesem Zustande die Production eine nn- endlich gesteigerte, die Durchschnittslage des Ein- zelnen eine weit beffere sein würde; sowie endlich auch, daß dann nur von Freiheit und wahrer „Selbstbestimmung" die Rede sein kann, nicht aber heute. Es stellt sich aus alledem für die Hauptstreit- frage das Ergebniß heraus: daß das Risico zwar allerdings nicht aus der jetzigen Gesellschaft heraus- gebracht werden kann; daß es aber dadurch aus der Welt zu schaffen ist, daß mit dem jetzigen Gesellschaftszustande auch die dem Risico z u Grunde liegend eUrsache hinweggeräumt wird. Im Gegensatze also zu Ihrer Anschauung:„das Risico kann nicht abgeschafft werden, also ist jener Gewinn ebenso nothwendig wie gerecht; folglich ist jede Bekämpfung depelbcn ebenso unsinnig wie un- gerecht"— im Gegensatze zu dieser Anschauung sind wir berechtigt zu sagen: „DaS Risico und mit ihm der Kapitalgewinn kann abgeschafft werden; der Kapitalgewinn ist eine Ausbeutung; folglich ist die Bekämpfung des Ka- pitalgewinnes wie überhaupt die Bekämpfung dieses ictzigeu Zustandes und seiner sämmtlichen wesent- lichen Ausflüsse ebenso vernünftig wie gerecht." Zugleich mit der Widerlegung Ihrer Haupt- sächlichen Aufstellungen haben wir die Nichtigkeit Ihrer sonstigen Behauptungen dargelegt; wir haben, um uns nicht beständig mit Ihren vereinzelt hin- geworfenen Behauptungen herumschleppen zu müssen, die Anschauung unserer Partei, so weit es ersor- derlich war, in zusammenhängender Weise darge- stellt, unv Jeder mag jetzt unsere Arbeit mit der Ihrigen vergleichen. Nichts destoweniger wollen wir jedoch einige Ihrer marguirtesten Behauptun- gen und Ausrufungen noch herausgreifen, um sie auf Grund der gegebenen Entwickelung, in ihrem wahren Werthe erscheinen zu lajjen. Auf Seite 4 orakeln Sie: Eine Selbstverantwortlichkeit Jemandem aufbürden wollen, dem man nicht die Freiheit gewährt, sein Geschick selbstthätig in die Hand zu nehmen, ist ein Unding." Wir haben Ihnen gezeigt, daß heutzutage Nie- mand sein Geschick in der Hand hat. Wenn die Gesellschaft z. B. durch ihre unberechenbaren Con- juncluren den Arbeitern die Arbeit entzogen hat, müssen diese einfach verhungern. Jene Selbstver- antwortlickkeit ohne Möglichkeit der Selbstbestim- mung, jenes„Unding" besteht also, besteht gerade heute in der bürgerlichen Gesellschaft. Sie orakeln weiter(S. 7): Je weniger die innern Eigenschaften des Menschen entwickelt sind, je weniger er selbst weiß und leistet, desto abhängiger ist er von der Außenwelt. Im Gegentheil, je energischer, je umsichtiger sich sein Wollen und seine Kraft bethätigen, jemehr seine Kenntnisse, seine Erfahrung sich erweitern, desto mehr macht er sich aus dieser Ab- hängigkeit los, desto mehr wird er Herr der Umstände. Wir haben Ihnen gezeigt, Herr Schulze, daß die„Entwickelung der inneren Eigenschaften des Menschen" selbst von den gesellschaftlichen Verhält- s nissen abhängt und daß heute diese Entwicklung bei Verschiedenen sehr verschieden vorgenomnien wird. Wir haben Ihnen serner gezeigt, daß es, um„Herr der Umstände" zu sein, weit weniger daraus ankommt, wie„energisch" und„umsichtig" das„Wollen" und die„Kraft" eines Einzelnen seien, ats vielmehr darauf, ob und wie viel Ka- pital ihm durch die gesellschaftlichen Zusammen- hänge zufällt. S. 8 wagen Sie zu behaupten: Abgesehen davon, daß der Eulturfortschritt selbst die Tendenz hat, die Wage zu Gunsten dieses Factors („eigenes Wollen und Können") mehr sinke» zu machen ic. Unwahr, Herr Schulze! Der Zug unserer heutigen Cultur geht dahin, das große Kapital immer mächtiger, somit den einzelnen kapitallosen Arbeiter immer abhängiger von äußeren, nicht seinem „Wollen und Können" unterworfenen Verhältnissen zu machen. S. 11 sagen Sie: Nicht das rechnet man dem Spieler zu, wenn man ihn sür seinen Ruin verantwortlich macht, daß er ver- liert, daß die Chancen des Spiels, die er allerdings nicht voraussehen konnte, gegen ihn sind, sondern: daß er llberhaupl spielt! Wirklich? Welche Weisheit! Das Unglück ist nur, daß heute jeder spielen muß, er mag wollen oder nicht. Freilich ist es für Viele ein gar ange- nehmcs Spiel, in welchem die Chance hauptsächlich darin besteht, ob sie weniger oder ob sie mehr ge- winnen werden; für Andere freilich ein trauriges Spiel; das traurigste aber für jene, deren Chance nur darin besteht, ob sie mit knapper Roth leben können oder verhungern müssen. S. 13 lügen Sie wie folgt: Fleiß und Faulheit, Solidität und Liederlichkeit, Tllch- tigkeit und Ungeschicklichkeit, Dummheit und Einsicht: das Alles sind ja dann ganz gleichgültige Dinge, aus die Nicht« ankommt, die den Leuten ebensowenig nützen wie schaden, wie e« die Lassalle'schen Sendboten täglich pre- digen, indem sie über die Bildungsstrebungen, über daS Sparen der Arbeiter spotten. Wo und wann haben die Mitglieder unserer Partei„gepredigt," daß Fleiß und Faulheit, Soli- dität und Liederlichkeit, Tüchtigkeit und Ungeschick- lichkeit, Dummheit und Einsicht gleichgültige Dinge seien? Wo und wann? Sie werden die Antwort schuldig bleiben, weil Ihre Behauptung auf einer wissentlichen Verdrehung beruht. Was unsere„Sendboten predigen," ist nicht, daß jene Dinge gleichgültig seien, sondern daß eS dem Arbeiter bei dem besten Fleiß, aller Solidität u. s. w. doch nie möglich sein werde, das Joch des ihn aussaugenden Kapitals zu brechen. Diese trau- rige Wahrheit allerdings predigen unsere Sendboten und sollen sie predigen auch sürderhin. Sie phantasiren weiter: Nattirlich! Keiner hat die Verantwortlichkeit sllr sei- neu Nahrnngsstand, Keiner also auch die Pflicht der Selbflsorge, daslir muß die Gesellschaft eintreten, d. h. alle Andern zusammen. Aber, mein Himmel, mit allen diesen Andern, welche die Gesellschaft au« machen, steht es ja um kein Haar breit anders, die sind ja ebenfalls ihrerseits ein Jeder dieser Selbstsorge und Verantwortlichkeit enthoben, aus wem bleibt denn nun schließlich da« Ganze sitzen, wer tritt denn nun eigentlich sllr den Andern ein? Es ist Ihnen auseinandergesetzt worden, daß im socialen Staate Jeder einen„Nahrungsstand" hat, in so weit er arbeitet, daß also Niemand„für einen einzutreten" braucht, während gerade heule, Herr Schulze, verschiedene Leute, welche nicht ar- beiten, sehr bedeutende„Nahrungsstände" haben. Die Schlußfolgerung hieraus mögen Sic selbst ziehen. Sie steigern Sich bis zu folgendem Ausruf: Da« ist doch eine verrückte Wirlhschast, und reizende Zustände, welche uns da in Ausficht ständen! Da rufen wir ja die unsinnigsten Ansprüche eines Jeden an einen Jeden hervor, nnd damit zugleich den Widerstand eines Jeden gegen einen Jeden. Umgekehrt, Herr Schulze! Ansprüche an Nie> man den werden geschaffen; so viel einer arbeitet, so viel kann er genießen, nicht mehr, nicht weniger. Wo ist da ein Anspruch gegen Andere? Und„Wider- stand eines Jeden gegen einen Jeden?" Wieso, Herr Schulze, wie können Sie es nur wagen, die Dinge so in ihr Gegenlheil zu verkehren? Heute ist„Widerstand eines Jeden gegen einen Jeden" und für die Zukunft wird dies gerade, iiiit der Eon- currenz, wegfallen. S. 21 sagen Sie: Das wäre so ein Stück Weges zu der vielgepriesenen Gleichheit Lasialle's, zu der Hülfe für Alle ohne Ausnahme, für den ganzen Arbeiterstanb, gleichviel wie sich die Einzelnen selbst dabei verhalten, wo sich Niemand besonders anzustrengen oder zusamnienzunehmen braucht: daß nänUich Alle ohne Ausnahme im NahrungS- und Wohlstände gleichmäßig zurück kämen. Umgekehrt, Herr Schulze! Es ist Ihnen gezeigt worden, daß im zukünftigen Gesellschaflszustand, auf Grund einer ganzen Reihe von Ursachen, sich Jeder besser stehen wird, als heute. S. 23 rufen Sie aus: Ja, höre und staune, o Welt: Da« Risico, der In- begriff aller Gefahren, welche gewerbliche llnlerliebmuugeii bedrohe», ist gänzlich und sllr immer beseitigt, wenn die Associationen i'assalle'S unter StaatSgaranlie erst, wie sie dies ja nach seinci» Plane solle» und werden, die herrschende Form in Produclion und Handel bilden. Herrliche Aussichten! Alle ungünstigen Ehance» im Ge fchäftsleben fallen fort, jede« gewerbliche llntcriichmen muß gelingen, gleichviel, wie cS begründet ist, gleichviel, wie man es dabei anfängt! Mau braucht nur zu diesen Associationen zu schreiten und der Welt ist ge- Holsen, es giebt kein Risico mehr! Allerdings, Herr Schulze, ist es so, obwohl Sie, die jetzige Wirthschafl für allein selig machend und ewig haltend, Sich nicht in den neuen Zustand hineinzudenken vermöge». Allerdings wird es kein Risico mehr geben, wenn jene Associationen die „herrschende f�orm im Produclion und Handel" geworden sind; es wird kein GeschäftSrisico mehr geben, schon darum, weil es keine Geschäfte im deutigen Sinne mehr geben wird. Und bliebe Etwas vom Risico übrig, es würde sich so gleich- mäßig auf Alle vertheilen, daß es unmerkbar würde. S. 24: Man kommt dem blinden Glück zu Hülfe, schafft die ungünstigen Möglichkeiten und damit das Risico ab,»nd behält blos die günstigen bei, dann muß man gewinnen. Nein, Herr Schulze!- Man schafft überhaupt alle Chancen ab. die„ungünstigen", wie die„gün- stigen"; man producirl nicht mehr, um zu specu- liren, sondern um zu consumiren. S. 25; Die höchst verschiedene Begabung»nd Ausbildung der Einzelnen, Unvollkommenheit und Schwäche der menschlichen Natur überhaupt, die Mängel de« gegen- wärtigen EultnrzustandeS müßten beseitigt, die schranken menschlicher Einsicht und Kraft durchbrochen, die Abhän- gigkeit des Menschen von der Außenwelt völlig aufgeho- ben werden— kurz es gälle die Menschlichkeit ab zu streife ii, und man müßte ein Gott sei», um dies alles zu bewirken, Menschen und Welt geradezu um- schaffen! Ei, ei, Herr Schulze! Müssen wir Ihnen wie- der die Begriffe zurechtsetzen?„Die höchst ver- schiedeae Ausbildung der Einzelnen und die Mängel des gegenwärtigen Culiurzustandes beseitigen", daS nennen Sie, indem Sit es zwischen verschiedenes Andere einstreuen, daS nennen Sie— es ist köst- lich!—„Die Menschlichkeit abstreifen?! Gut denn, Herr Schulze! Diese Menschlichkeit wird abgestreift werden: man wird allerdings be- strebt sein, die„höchst verschiedene" Ausbildung in eine möglichst gleichmäßige zu verwandeln; man wirb allerdings suchen, die„Mängel" des gegenwärtigen Culturzustandes aufzuheben. Aber man wird zugleich als Curiosum notiren, daß es im 19. Jahrhundert einen„BolkSfreund" gab, der dies Streben, die höchst verschiedene Aus- bildnng möglichst auszugleichen und die Mängel (Sie selbst, Herr Schulze, sagen Mängel) des gegenwärtigen Culturzustandes auszuheben, als beab- sichtigte„Abstreifung der Menschlichkeit" be- zeichnete. S. 29: Die stetige Zunahme ist unter der Herrschaft der bis- herigen Jndustrieform und zwar am raschesten Uberall da erfolgt, wo der Selbstveranlwortlichkeit und Freiheit, also der C o n c u r r e n z, der weiteste Spielraum gegeben wurde. Daß in dem auf da« Gegenlheil basirten System L.'S an ein solche« Wachsthum nicht weiter zu denken wäre, ist ausgemacht. Wiederum umgekehrt, Herr Schulze! Das heu- tige„Nationalkapital" ist vermöge der außerordent- lichen Ergiebigkeit der Arbeit, trotz großer Gebrechen im WirlhschaktSzustande und auf Kosten des arbei- tenden Volkes gestiegen; es wird in Zukunft, nach Wegfall jener Gebrechen, noch mehr steigen; es wird dies thun ohne Abmarterung des arbeilenden Volkes und es wird in Wahrheit ein„National- kapital" sein, nicht mehr, wie heutzutage, das Werk- zeug, womit eine kleine Klasse daS arbeitende Volk ausbeutet. S. 30: GesellschaftS-Systeme, welche der menschlichen Natur widerstreben, den angebornen Trieben und Anlagen der Menschen widerstreiten, können nur mittelst de« Zw an- gc« dnrchgesührt werden, wie wir noch heute bei allen Einrichtungen sehen, welche aus derlei Beschränkungen hinauslansen. Ganz recht! Aber nicht unser„Gesellschafts- system" ist ein solches. Wicht durch Zwang wird man es ausrecht zu erhalte» brauchen. So weit aber Zwang zur Aufrechthaltung desselben nöthig sein sollte, stehen ja dem socialen Staate die Tau- sende von Gefängnissen, Correciionö-, Zuchthäusern u. s. w. zur Verfügung, durch deren tägliche Anfüllnng allein die Hirgerliche Gesellschaft sich zu erhalten vermag, durch deren tägliche Aufüllung vor Alleni mit EigenthumS- Verbrechern sie allein bestehen kann. Und der sociale Staat könnte Diejenigen, die sich seiner Ordnung nicht fügen, mit weit größerem Rechte strafen, als der heutige Staat es ihut; denn dort könnte nur durch eigene Schuld einer sinken, wäh- rend hier Taufende die Opfer der Verhält- nisse sind. Ueberhanpt, Herr Schulze, nmß in Sachen des„Zwangs" die heutige Gesellschaft mit ihrer Scheinfreiheit für den Kapitallosen mäuS- chcnstill fein. Doch genug! Wir schreite» zur letzten Aufgabe, die uns geworden ist: in Kürze auseinanderzusetzen, wie die Dinge sich während eineS etwaigen UebergangsstadiumS gestalten würden. politischer Theil. Deutschland. * Verlin, 13. März.[Der Bruch der H ab S b u r g- H o h e n z o l l e r n' s ch e n A l l i a n zf wird nun auch von der„Kreuzztg." bestätigt, die mit weh- mnthiger Resignation vom„getreuen Alliirlen" Ab- schied ninimt. Sie meint: Preußen werde die öfter- reichische Depesche vom 7. Februar nicht bcanl- Worten, weil man in Wien keine Verständigung mit Preußen wolle. Seitdem Graf Mensdorff in das Ministerium getreten, hätten die preußenfeind- lichen Rälhe desselben die Oberhand. Von Wien auS setze man alle Hebel in Bewegung, um Preu- ßen zu schaden, aber— „wir sind nicht gemeint, auf die Daner den unglücklichen Freier zu spielen." Wenn die beiden deutschen Großmächte einig wären, meint die„Kreuzztg.", ließen sich die sckles- wig»holstcinische und die deutsche Frage lösen, aber— „Oesterreich will nicht mit uns gehen. Es er» achtel jeden Vortbeil Preußens sich für Schaden" ———„Wohlan denn, still stehen können wir doch nicht auf Wiener Commando. So gehen wir allein." Nach Olmütz? —(Zur Elbherzogthüm erfrag ej wird der „Morning Post", aus Wien, ohne Garantie sllr die Nachricht, gemeldet, daß der österreichische Mi- nistcrralh Vorschläge zu Gunsten einer friedlichen Lösung der zwischen Oesterreich und Preußen sckwe- benden Fragen aufgestellt habe und daß diese Bor- schläge am 10. d. nach Berlin abgegangen seien. Das gleiche Blatt widerlegt das der„Köln. Ztg." telegraphirte Gerücht, dah' Oesterreich Englands Dienste zur Ausgleichung der mit Preußen sckwe- benden Differenzen erbeten habe. Preußen habe kein Ultimatum nach Wien abgeschickt. —(Das Gespenst der BuudeSresorm- frage) scheint man allen Ernstes im Palais der Wilhelmestraße aus seiner Gruft, in der eS seit 1863 gelegen hat. auf das Schlachtfeld der zahl« reichen diplomatischen Verlegenheiten beschwören zu wollen. Die„Wordd. Allg. Ztg." kommt heute abermals auf diesen steinernen Gast zurück.„Lösen wir die Bundesresorm," meint sie,„und wir wer- den mil ihr die holsteinische Frage gelöst haben." Oesterreich werde Preußen„gern entgegenkommen und die Frage da aufnehmen,- wo sie 1863 stehen geblieben." Die Bereitwilligkeit zur„Wiederaus- nähme von 1863" zugegeben, wird es, wer zweifelt noch daran? mit dem„gern Entgegenkomme»" schon bei deni frommen Wunsche der„Nordd. Allg. Ztg." sein Bewenden haben müssen. Daß es dieser— die doch in einer solchen Frage schwerlich ein De- menti des„Staalsanzeigers" wird riskiren wollen — sehr Ernst ist niit ihren Betrachtungen, dies beweist, daß sie es für zeitgemäß hält, das preu- ßische Programm in dieser Frage abzudrucken, wel- cheS in dem vom 22. Okt. 1863 datirten Antwort- schreiben des Königs von Preußen auf das Collec- tivschreiben der deulschen Fürsten dargelegt ist. Die drei von Preußen aufgestellten Punkte lauten: I) DaS Veto Preußens und Oesterreichs mindesten« gegen jeden Biindeskrieg, welcher nicht zur Abwehr eine« Angriffe» aus da» BuiideSgebiel nnternoininen wird. 2) Die volle Gleichberechtigung Preußen« mit Oesterreich zun, Vorsitz und zur Leitung der BundeSan- gelegenheilen. 3) Eine Volksvertretung, welche nicht an« Dele- gation, sondern ans directen Wahlen nach Maßgabe der Bevölkerung der einzelnen Staaten hervorgeht, und deren Besuguisse zu belch ließen der Mitwirkung in BundeSan gelegenheilen Gegenstand der Verhandlung, aber jedenfalls ausgedehnter zu bemessen sein würden. als in dem vorliegenden Entwurf einer Resormakte der Fall ist. Interessant wäre wohl, zu erfahren, ob für solche Volksvertretung am Bunde ebenfalls der Ober- Iribunalsbeschluß vom 29. Januar maßgebend zu sein hätte? — jOesterreich und die Mittelstaaten) in ihrer Stellung gegenüber Preußen können nicht treffender charakterisirt werden, als dies durch einen Artikel der Wiener„Presse" geschieht, von welchem wir ein Pröbchen geben wollen: Fünfzig Friedensjahre haben die meisten deutschen Staaten reich nnd feig gemacht. Sie haben nur noch Sinn sitr ihre eigene Feltbildung, und sie mästen sich für den Appetit dessen, der sie zu verzehren trachtet. Es ist schwer, unter solchen Verhältnissen gerecht sein zu wollen. E« ist eine harte Aufgabe, denen zu Helsen, die spröde thun, wenn man ihnen Wohlthaten erweist, und die ihren Erretter au« einer TodeSnoth fast wie einen Ueberlästigen nnd Zudringlichen behandeln inöchlen... Geographische Gründe, die keiner auSsührlichen Darlegung bedürfen, machen eS Jedem klar, daß unser Verbleiben in Holstein ein zeitlich begrenztes ist. Wir erfüllen dort eine tem- poräre Mission, die mit Opfern verknüpst ist. Wir kön- neu uiitigeiinüyig sein, wen» Deutschland erkennt, welchen Nutzen ihm unsere Haltung bringt, und wenn e« sich bereit erklärt, von seiner Krasl Gebrauch zu machen, um neben nnS stehend ein Princip zu verlheidigcn, von dessen Aufrechthaltung die deutsche Föderation abhängig