Rr.«Ä. Berlin, Sonnabend den i7. März 1866. Zweiter Zahrgang. Zocial-Dtinolultt. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirt von Z. 8. v. Hosstetten und J. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnement?- Preis fitr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den SBnigl. preußischen Postämtern 221/» Sgr., bei de» preußischen Postämtern im nichlvreußilchen Deutsch- land 18� Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr. lfl. 1. 45. slldd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin ans der Expedition von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstraße 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Jnscralc(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mir 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Cvlonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: 0. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue ßrulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. An unsere Leser und Parteigenossen. Wir haben seinerzeit nur im Partei-Jnteresse lzu Handel» geglaubt, indem wir, mit erweiterten : Mitteln im geistigen Kampfe vorangehend, uns entschlossen, der an uns ergangenen Aufforderung Folge zu leisten, den„Social-Demokrat" täglich erscheinen zu lassen. Auch haben wir uns in der Erwartung, uu- sere Opferwilligkeit für die Parteisache von Sei- ten der Parteigenossen nach Kräfteu unterstützt �zu sehen, nicht getäuscht. Fortwährend hat sich bis auf den heutigen Tag die Theilnahme und das Interesse der Arbeitcrwelt an unfern Be- strebungen gesteigert und vor allen ließen es sich die Arbeiter unserer Partei, die Mitglieder des , Allgemeinen deutschen Arbeiter-BereinS, angelegen sein, so weit es unter dem Drucke der mit dem heutigen Productionszustande verbundenen Roth möglich war, uns fördernd und ermuthigend ent- � gegenzukommen. Da das tägliche Erscheinen unseres Blattes eine Preiserhöhung nothwendig bedingte, so wurde . schon damals, eben in Folge jenes Druckes der materiellen Verhältnisse, hier und dort ein Ein- spruch laut und der Wunsch geäußert, den Abon- nementSpreiS noch niedriger zu stellen, waS leider > nicht möglich war und ist. Es ließ sich in- l dessen, nach der Meinung Anderer, hoffen, daß sich allmählich die Schwierigkeiten heben wür- 'den. Aber neuerdings mehrten sich, besonders in der letzten Zeit, die Stimmen, welche eine Herabsetzung des Preises als dringend wün- fchenswerth bezeichnen. Es hat sich demnach wirklich herausgestellt, daß die Arbeiter den seit- herigen Abonnements-Preis nicht erschwingen können. Da aber eine Erniedrig ing desselben bei täglichem Erscheinen völlig unmöglich ist, so haben wir uns, wenn auch ungern, dazu ent- schloffen, das Blatt vom 1. April an wöchent- lich dreimal zu dem früheren, unten bezeichneten Preise auszugeben. Um so mehr dürfen wir erwarten, daß die deut- schen Arbeiter auch in Zukunft ihr Organ kräftig fördern werden, welches allezeit die Sache der Arbeit mit Entschiedenheit vertreten und auf dem Boden der ganzen und vollen Volkssache stehen wird. Redaction und Verlag dei„Social-Demokrat." Besttllllngcn auf den„Social-Demokrat" für das zweite Quartal 1866 bitten wir außerhalb bei den PostäiutclN, in Berlin bei den bekannten � Zeitungsspeditcure» bei Zeiten zu machen. Der Aboniiemeiits-Prels ist vom I.April an für Berlin ilicl.Briugerlohu: vierteljährlich 15 Sgr., mouat- lich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 15 Sgr.; bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Teutschland 12'/2 Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr. sfl. 1. 10. südd., fl. l. österr. Währ.) Der todteSchulze gegen den lebenden Lajsalle. XV. „Entfesseln Sie die Bestie nicht!"— ein treff- licher Wahlspruch in der That für einen Mann, der als Freund der Arbeiter gelten will. Wir haben seinerzeit, als Sie dies Wort in der preußischen Kammer sprachen, kein sonderliches Gewicht auf dasselbe gelegt— wir hielten für mög- lich, daß Ihnen dasselbe in der Hitze des Gefechts entfahren sei, und daß Sie es bei ruhiger Ueber- legung nicht aufrecht erhalten würden.— Allein Ihre neueste Brochüre, zu der Sie zwei Jahre Zeit halten und die daher wohl überlegt sein muß, be- weist, daß es Ihnen bitterer Ernst mit Ihrer „Bestie" ist. Bei Besprechung der von Lassalle vorgeschlage- neu Produktiv-Associationen gehen Sie nämlich be- ständig von der Ansicht aus, die Leiter und Mit- glieder dieser Associationen würden nichts Eiligeres zu thun haben, als die Gelder, von denen sie doch wüßten, daß sie zur Förderung der Arbeitersache überhaupt bestimmt wären, zu Faullenzerei, Schwin- del und Beeinträchtigung Anderer zu verwenden. Nun verlangen wir von Ihnen durchaus nicht, Herr Schulze, daß Sie die Arbeiter für besser halten sollen als andere Menschen. Zwar ließe sich behaupten, daß die Arbeiter, weil sie den de- moralisirenden Einflüssen der Concurrenz minder ausgesetzt sind(wir meinen hier die moralische, nicht die materielle Wirkung der Concurrenz), auch minder durch die Verhältnisse verschlechtert werden, als gewisse andere Leute. Aber wir wollen dies nicht behaupten. Wir wollen uns beschränken auf die sicherlich unbezweifelbare Wahrheit: daß die Arbeiter Menschen sind. Aus diesem Satze, Herr Schulze, den Sie hoffentlich zugeben, haben Sie zu folgern: daß Sic von den Arbeitern nicht schlechter denken dürfen, als Sie von den Men- schen überhaupt denken. Hieraus schon erhellt, wie stark es ist, zu sagen:„Entfesseln Sie die Bestie nicht!" Die Bourgeoisie ist doch„entfesselt" wor- den— was bei dieser gut gethan, warum sollte eS bei dem Volke nicht gut thun? Die Geschichte der französischen Arbeiterbewe- gung, insbesondere waS mit der Verwendung der bekannten 3 Millionen Francs(II) für Productiv- Associationen im Jahre 1848 zusammenhängt, zeigt uns, daß die französischen Arbeiter die sociale Idee unter den schwierigsten Verhältnissen, angefeindet von der Bourgeoisie und Staatsgewalt, mit einem Opsermuth und einer Ausdauer verfolgt und fest- gehalten haben, die in der That an's Unglaubliche grenzen. Die Geschickte der Productiv-Associationen ini Jahre 1848 gehört zum Merkwürdigsten und Erstaunlicksten in der Weltgesckickte. Das Interesse des Einzelnen ist damals so sehr zurückgetreten vor der Macht der Idee, daß man, Angesichts jener Thatsachen, nur staunen und bewundern kann. Wir könnten nun, Herr Schulze, von Ihnen verlangen, daß Sie mit uns hofften und erwar« teten, daß, wenn es deutschen Arbeitern ermöglicht würde, im Interesse der Arbeitersache thätia zu sein, sie nicht zurückstehen würden hinter den Arbeitern Frankreichs. Aber nicht dies sagen wir Ihnen— unsere Ansprüche an Sie sind weit geringer. Wir verlangen nur— dies aber verlangen wir mit aller Bestimmtheit— daß Sie nicht schlechter von den Arbeitern denken, als von anderen Menschen, daß Sie also auch, wenn es sich um die von Lassalle vorgeschlagenen Associationen handelt, Nicht von der Ansicht ausgehen, die Arbeiter würden diese Asso- ciationen geflissentlich zu Schwindel, Betrug und Ausbeutung mißbrauchen! DerartigeAbsichten mögen Sie für möglich halten bei Einzelnen, ja sogar bei vielen Einzelnen; allein Sie sind nicht be- rechtigt anzunehmen, daß eine Gesammtheit von Tausenden und Aber-Tausenden un- empfänglich sein werde für die Forderungen des Rechtes, der Ehre und der Vernunft. Es handelt sich darum, Menschen, nicht eine Bestie zu ent- fesseln. Genug hiervon! Wir haben in den früheren Artikeln gezeigt, einerseits wie es im heutigen Productionszustande steht, andererseits, wie es im zukünftigen sein wird. Die von Lassalle vorgeschlagenen Associationen nun sollen nichts anderes sein, als ein Versuch, den jetzigen Zustand auf friedliche und allmähliche Weise in den neuen überzuführen. Hieraus crgiebt sich, daß diese Associationen um so mehr die Nachtheile des jetzigen Zustandes zu tragen haben, je weniger sie noch um sich gegriffen haben; daß sie die Vortheile des künftigen Zustandes um so mehr ge- nießen, je mehr sie Wurzel gefaßt haben. Es liegt ein Uebergangsstadium vor, welches, je näher es nach seinem Ausgangspunkte steht, desto mehr noch vom heutigen Zustande an sich trägt; welches aber, je mehr es fortschreitet, und sich ent- wickelt, desto weniger vom heutigen und desto mehr vom künftigen an sich tragen wird. Nun kommen Sie, Herr Schulze, und setzen uns auseinander, daß die Mißstände der bürger- lichen Gesellschaft �z. B. was das Risico betrifft) auch auf diese Associationen einwirkten. Ganz gut! Aber sehen Sie denn nicht ein, daß Sie gegen Ihre Sacke, nicht qegen die unsere demonstriren. Alle Mißstände, welche Sie geltend machen können, beruhen darauf, daß das neue Element dem alten gegenüber nicht genugsam erstarkt ist. Und aus eben diesen Gründen werden jene Mißstände in dem Verhältniß geringer wer- den und abnehmen, in welchem das neue Element, die Prcduclion durch jene Associationen zunimmt. Alles, was Sie auf Ihrem Wege be- weisen könnten, würde immer nur, obschon dies nicht in Ihrer Absicht wäre, auf die Erkenntniß hinauslaufen i daß es für die Sache der Arbeiter zuträglicher wäre, wenn man das neue Princip sogleich in noch umfassenderer und allgemeinerer Weise zur Geltung bringe» könnte, als s'astalle es zunächst vorgeschlagen hat. Er hat den mild eilen Weg vorgeschlagen, um dem selbstsüchtigen Kasten- geist der' kapitalbesitzenden Klasse, jeden, auch den leisesten, scheinbaren Einwand unmöglich zu machen. Was er zunächst für die Agitation wollte, daö können Sie in seinem„Antwortschreiben" lesen; was er aber überhaupt, im Endzweck, wollte, sagt Ihnen der„Basliat-Schulze." WaS mm speciell das Risico betrifft, so ist zunächst festzustellen, daß Sie Sich thatsächliche Unrichtigkeit erlauben. Sie behaupten: jene Asso- ciationen sollten nicht miteinander in Verbindung stehen(außer für die Assecuranz); dies ist eine Un- richtigkeit; Sie werden angeblich aus den Schriften LassaUe's zu beweisen suchen, daß jene Verbindung nickt stattfinden solle; sie hat selbstverständlich natur- gemäß einzutreten; denn man darf nie vergessen, daß diese Associationen der„Keim" der zukünftigen Ordnung sind und daß sie daher, Schritt vor Schritt, so oft es passend erscheint, sich jener Ordnung allseitig anzunähern haben. Es ist richtig, daß jene Associationen als in die jetzige Ordnung hineingestellt, nicht ohne Risico wären. Allein dieses Risico würde ein ver- gleichsweise geringes sein, weil sie von Anfang an als im großartigen Maßstäbe errichtet gedacht werden müssen. Gute und umsichtige Leitung (nötbigenfalls selbst gegen hohes Honorar) wäre zu erzielen; eine solche Leitung aber vorausgesetzt, hätten jene Associationen nicht nur alle Bortheil c, welche heute schon das große Kapital, der Großbebetried bieten, sondern auch noch, z. B. vermöge größeren Antriebs zur Arbeil, jene Vorzüge, welche wir als dem zukünftigen Zustande eigen bezeichnet haben. Sollte aber, was freilich möglich ist, da und dort in Folge des Risicos ein Ausfall entstehen, so würde dieser Ausfall, in Folge des allgemeinen Assccuranzverbandes sich über Alle vertheilen; nach bestimmten Regeln in einfacheren Fällen über alle Mitglieder ein und desselben Pro- ductionszweiges, in schwereren Fällen über die Ge- sammlheit der Associationen.*) Ist es unrichtig, daß jene Associationen zu Anfang nicht ohne Risico sind, so ist doch ebenso ßewiß, daß dieses Risico um so mehr abnimmt, ze mehr man sich dem Punkte nähert, wo, wie Sie selbst sagen, diese Associationen„die herrschende Form der Produclion" sind. Je mehr nian sich diesem Punkte nähert, desto mehr nähert sich die Consumtionsfähigkeit der unteren Klassen der Eon- sumtionSfähigkeil der oberen; eine desto gleichartigere und gemeinnützigere Richtung nimmt also auch die Produclion selbst an; eine desto geringere Macht hat also ferner das der Arbeit selbststäntig gegen- *) Diesen Sinn hat es, wenn Lassalle sagt, daß zu- nächst die Mitglieder der Prodnctiv-Associationcn Eine« Zweige«, in zweiter Linie dann alle Zweige sich gegen- seitig zu affecuriren hätten, wornach also Ihr Baum- Wollenbeispiel, welches sich doch wohl aus einen der schwe- reren Fälle bezieht, sehr einfach erledigt würde, wenn es nicht überhaupt falsch wäre; denn worum es sich in die- fem Beispiele handelt ist nicht das Risico, daß angefer- tigte Maaren nicht absetzbar sein würden, sondern der Umstand, daß für eine gewisse Klasse von Arbeitern eine Arbeit vorhanden wäre. Sie haben auch hier wieder, wie Ihnen dies schon so häufig passirt, zwei verschiedene Begriffe mit einander verwechselt: Sie wollten ein Beispiel des GeschästSristcvS geben, ein Bei- spiel von der Gefahr des Unternehmers, das verwandte Kapital zu verlieren und nahmen in Wirklichkeit einen der Fälle, wo allgemeine Arbeitslosigkeit bei den Arbei- lern eines bestimmten Zweiges dadurch eintritt, daß die Unternehmer überhaupt nicht unternehmen. ; überstehende Kapital, desto mehr tritt das die Ar- j beit aussaugende Kapital gegen die mit Kapital be- waffnete Arbeit zurück; mit Einem Wort: je weiter man auf der Bahn voranschreitet, desto mehr nähert man sich dem Zustande, wie wir ihn als den zu- künftigen beschrieben haben. Aber selbst den sehr unwahrscheinlichen Fall an- genommen, durch eine Reibe ungünstiger Zufälle würde ein so großer Aussall in den ersten Jahren jener Producticn durch Associationen entstehen, daß er selbst nicht mehr durch die gegenseitige Assecu- ran; zu tragen wäre, was wäre cS denn anders, als eine schon hundertmal dagewesene Ausgabe von Staatsmitteln ohne den beabsichtigten Erfolg? Es werden von den Staate» Kriege geführt, die hun- dert und aber hundert von Millionen Thalern ver- schlingen, um schließlich mit einer Staalsniederlage zu enden. Was in unserm Falle selbst unter den schlinimsten Verhältnissen verloren gehen könnte, wäre nicht im Entferntesten nnt dem zu vergleichen, was ein einziger unnölhiger oder unglücklicher Krieg in einem einzigen Monat nutzlos aufzehrt.*) Sie sind freilich sehr entrüstet, Herr Schulze, daß der Krieg gegen die Kapitalmacht— und aller- dingö ist es ein solcher Krieg, der gerechteste Krieg, der je geführt worden, dieser Krieg der Arbeit ge- gen das Kapital!— daß dieser Krieg mit Gel- dem der Kapitalbesitzenden gegen das Kapital ge- führt werden soll.„Freilich"— so rufen Sie aus —„bleibt das kleine Bedenken dabei, daß daö Geld zu der geforderten Staatsanleihe(Wer hat gesagt, daß es durchaus eine Anleihe sein muß?) Niemand anders hergebe» kann, als die Inhaber derselben Privatkapitalien, gegen welche es als Kriegswaffe zu dienen bestimmt ist." Aber, Herr Sämlze, nachdem wir Ihne» so deutlich auseinandergesetzt, daß die kapitalbesitzende Klasse ihr Kapital überhaupt nur in Folge einer ständigen Beraubung und Ausbeutung der Arbeit erlangt hat, wird es Sie nickt mehr wun- der«, wenn diese Arbeit ein winziges Theilchen von diesem Kapital in ihrem Interesse, im Interesse der anzubahnenden Eniancipalion der Arbeit, ver- wendet sehen will. Die schreiende Ungerechtigkeit liegt nicht darin, daß jene„Kriegskasse" errichtet werden soll, sondern darin, daß sie nicht schon längst errichtet ist. Ihre Einwendungen, Herr Schulze, sind also nickt stichhaltig. Aber wir wollen Ihnen eine Schmie- rigkeit bezeichnen, mit welcher jene Associationen zu kämpfen haben würden nnd die allerdings nickt ge- ring wäre, von der sie aber weislich geschwiegen haben: Es wäre der bodenloseHaß und Aer- ger der Bourgeoisie gegen jede Veranstaltung. die auch nur im Entferntesten dazu angethan wäre, ihre Privilegien zu erschüttern: es ist dies derselbe Haß und Aerger, der im Jahre 1848 jenen französischen Arbeiter-Associationen so maßlos entgegentrat, mit allen Mitteln feiger Hinterlist und geheimer In- triguen sie zu ruiniren suchte. Aber auch damit würde man fertig zu werden wissen, vorausgesetzt, daß die neue Einrichtung in hinreichend großem Maßstabe in's Leben gerufen würde.— So viel zur Entgegnung auf Ihre Brochüre! Und nun noch einige Worte zum Schluß! *) Endlich machen wir noch darauf aufmerksam, daß Mißbränche im Schooße jener Associationen unmöglich gemacht würden, sowohl durch diejenige Ueberwachung,, welche eine von den Associationen selbst einzusetzende � Centralbehörde ausüben könnte, als auch durch das Auf sichtsrecht des demokratischen Staates, welcher die Eim richtung der Associationen ermöglicht hätte. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 16. März.[Zur E l b h e r z o g- thümerfragej schreibt der Wiener Correspon- dent der„Coburger Zeitung":„Die Herzog- lhümerfrage muß jetzt ausgetragen werden, und schwerlich wird es zu verhindern sein, daß sie als europäische Frage ausgetragen wird. Zwar halten die dem Fürsten Metternich behufs seiner Theil- nähme an der Pariser Conferenz ertheilten Jnstruc- tionen ohne Zweifel strenge an dem Gedanken fest, daß die Berathungen ausschließlich der Augelegen- heil der Donaufllrstenthllmer gelten, und Graf Goltz dürfte ähnlich instruirt sein. Aber falls von an- derer Seite ein Antrag gestellt werden sollte, auch die Angelegenheit der Elbherzogthümer der inter- nationalen Behandlung zur unterziehen, so würde weder Oesterreich noch auch Preußen dem erfolg- reichen Widerstand entgegensetzen können. Denn sie können sich nicht darauf berufen, daß die auSwär- tigcn Mächte dem Wiener Frieden und dem Gasteiner Vertrag vorbehaltlos zugestimnlt haben, und inüß- ten sogar gewärtig sein, daß ans dem Kreise der übrigen Bundes-Regierungen eine Kundgebung er- folge, die sich einverstanden damit erklärte, das in London unterbrochene Werk in Paris fortgesetzt zu sehen." Die Möglichkeit, daß diese Frage jetzt in Paris zum Austrage kommt, liegt allerdings vor. Ob sie dort zu Gunsten Preußens gelöst werde» würde, muß sehr dahin stehen. —[Zum Regiment in den Elbherzog- tbümcrns liefert beute die„Nordd. Allg. Ztg." den Commentar zu dem neuesten, gestern von uns mitgetheilten Strafgesetz für Schleswig. Das mi- nisterielle Organ schreibt: Es hat lauae gedauert, bis die Geduld der loyalen Autoritäten durch die immer dreister sich geberdende An- maßung des Partikularismus so weit gebracht ist, daß sie weiteren Ausschreilungen dieser Art in der ernstesten Weise ein Ziel setzt. Viele Monate lang sind in beiden Herzogthümern die Anhänger der rechtiuäßige» Gewalt der socialen Proscriplion, ja physischen Gewallthätigfeiten von Seilen jener Phantasten ausgesetzt gewesen, bis die preußische Verwaltung in Schleswig den Beweis lieferte, daß die strenge Handhabung der bestehenden Gesetze aus- reichte, den Agitationen gegen die beiden rechtmäßigen Souveraine ei» Ziel zu setzen. Wenn nichts desto weniger die obige Verordnung nöthig wurde, so haben wir mit Bedauern zu lonstatire». oaß die Ursachen dazu in Holstein gesucht werden mllsseu, wo alle diejeui- gen Fäden zusammenlausen, durch welche die Agitation für einen Prätendenten in Bewegung gesetzt wird, dessen vermeintliche Ansprüche durch den Wiener Friede» voll- ständig beseitigt worden sind, wie dies ja der Herr Statt- Halter von Holstein selbst ausdrücklich anerkannt hat, als er die Verfassung von 1854 als rechtsgiltig proklamirte. Die Königliche Verordnung ist daher keine einfache Re> prcssivmaßregel gegen die Augustenburgerei in Schles- wlg allein. Die Autorität de« königl. Gouvernements ist dort zu fest begründet, als daß sie durch Adressen und Phraseumachcrei erschüttert werden könnte und e« zu ihrer Sicherheit nothwendig wäre, ein paar vorlaute Schreier einsperren zu lassen. In der königl. Verord- nnng ist vielmehr ein Princip unter den Schutz der Strasgesetzgebung gestellt, das Princip, welche« zum Ab- schluß der Gasteincr Convention geführt hat und damals von der österreichischen Regierung ebenso als rechtskräf- tig anerkannt worden ist, ivie die« Seitens der prenßi- scheu Regierung geschehen ist. In der Verordnung vom 1l. März werden Angriffe nicht auf das Recht eines Einzelnen der Condomini, sonder» auf das eine« Jeden derselben für strafbar erklärt, und man wird in Kiel, sowie in Wien nicht umhin können, die volle Berechtigung dieses Aktes anzuerkennen und, wenn man es anders mit der Ehre des gegebenen Worte« ernst meint, Reciprocität zu üben. Eine sehr nahe- liegende Gelegenheit bietet sich der österreichischen Statt- Hallerschaft hierzu in der Angelegenheit des Redacteur« May, obwohl ihr in diesem Falle schon durch einen Bundesbeschluß eine bestimmte Verpflichtung auserlegt ist. Wir sind der Ansicht, daß die österreichische Regierung, um ihre Svuveränelätsrechte in Holstein aufrechtzuerhalten, nickt erst dieses Strafgesetzes für Schleswig bedurft hat, daher von„Rccipro- cität" nicht wohl die Rede sein kann. Auch wird dieses Strafgesetz die an dänisches Zwangsrcqiment gewöhnten Schleswig-Holsteiner an ihrem Selbst- bestinimungsrechle nickt irre machen. Was aber den Redacteur May betrifft, so muß sich die„Nordd. Allg. Ztg." vor Allem mindestens so lange gedul- den, bis das Urtheil rechtskräftig geworden ist. —(Ueberdas preußische Bundesreform- Project der„Nordd. Allg. Ztg." und der „Prov.-Corr."j schreibt man der„Coburg. Ztg." aus Wien: Soll dies aus den Gegencoup hinweisen, mit welchem vor einigen Tagen Oesterreich dedroht wurde, weil cS angeblich sich um die Allianz der Mittelstaaten bewerbe im Hinblick auf einen ernsten Conflict mit Preußen? Will man Oesterreich zuvorkommen und glaubt man es zu kreuzen etwa durch Erhebung der Fahne de« deutschen Parlaments? Aus diese Fragen weiß ich freilich keine