Nr. 8�. Berlin, Freitag den 20. April i866. Zweiter Jahrgang. Zocial-Dcinolirat. Diese Zeiwnz erscheint drei Mal wSchentlich und zwar- Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabend« Abends. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von Z. v. v. Hofstetten und Z. 8. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin. Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnement«-Preis flir Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., monatlich B Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Kiwigl. preußischen Post- Lmiern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichrpreußischen Deutsch- land I2l/i Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(fl. 1. 10. südd., st. L österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie.Zimmerstraße 48a, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zeilc bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mir 3 Sgr. berechnet. hett samw haben sich s Refci sich l Parte Verb> flespn reich riistul I Fortg besohl 2)jcni hübscl wie ii Kraft Spio in tt unifoi Terra tairisl der* in bei Die 1 dcrhe! Wahl Marck Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich- G. A. Aleaandre, Strassbonrg, 5. Rae Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-AndnS-des-Arts. Bestellungen für das zweite Quartal 1866 werden fortwährend(auswärts auf den Post- ämtern) angenommen. Politischer Theil. Rundschau. Berlin, 19. April. Auch bis heute ist in Deutschland in der HabSburg.Hohcnzollern'schen Situation keine erheb- liche Veränderung cingetrelen. Hinsichtlich der bi> plvmaiischen Verhandlungen zwischen den beiden Kabinetten steht jetzt fest, dag nur Eine HabS- burgische Note, die vom 7. April, welche in der „Cob. Ztg." veröffentlicht wurde, existirt. Aus die- ser Note aber geht deutlich hervor, wie weit die Spannung zwischen dem Wiener und Berliner Ka- binet gediehen ist. An ein Nachlassen dieser Spannung in Folge einer am 15. d. von hier abgegan- gene Hohenzollern'scken Note, welche die HabS- burgische vom 7. d. beantwortet, ist selbstverständ- lich nicht zu denken. Die„Nat.-Ztg." ist aber- mal« dazu auSerfeheu worden, den Wortlaut jener neuesten Note zu veröffentlichen. Dieselbe hebt namentlich die zugestandenen DiSlocationen österreichischer Truppen in der Nähe der preußischen Grenze her- vor, wodurch die Hohenzollern'fchen Defensivmaß- rcgeln veranlaßt worden seien. Wenn Graf Mens- dorff, nachdem daS Wort de« Kaisers bekräftigt habe, daß kein Angriffskrieg seitens Oesterreichs beabsichtigt werde, die getroffenen Militairmaßregeln aufrecht erhalte, so sei Preußen nicht zuzuniuthcn, daß nach dem eben so klaren Wort seines Königs diejenigen Anordnungen zurückgezogen werden, welche durch die Maßregeln Oesterreichs hervorgerufen wurden. Daher, heißt es am Schlüsse, ist es an der Regierung des Kaisers, die Initiative für die Herstellung deS Status czuo nute zu ergreifen, wenn sie die Gegenseitigkeit abgegebener Erklärungen auf die thatfächlichen Verhältnisse angewendet zu sehen wünscht. Außerdem bemerkt die Note, über die Form der Depesche vom 7. April hinweggehen zu wollen, welche von HabSburgs friedlichen Absichten keinen Beweis gebe. Was die Habsburgische De- pesche von den persönlichen Aeußerungen des Mi- nisterpräsidenten sagt, wird nachdrücklich bestritten. DaS Hohenzollern'fche Kabinet weist die Verantwort- lichkcit zurück, welche das Habsburgische durch eine Zusammenstellung von Gerüchten und Bermuthun- gen gegen dasselbe erheben wolle. Solche Gerüchte und Behauptungen sollten HabSburgs milttairffche Vorkehrungen rechtfertigen. Wenn Habsburg diese bestreite, so geschehe es in so unbestimmter und elastischer Form, daß die Situation keineswegs in Sräciser Weise bezeichnet werde. Angesicht« dieser Imstände und des den österreichischen Zeitungen offieiell befohlenen Geheimnisses halte sich das Hohenzollern'fche Kabinet an den DiSlocationen der Truppen in Böhmen, welche die Depesche vom 7. April zugebe. Dies habe Hohenzollern'fche de- sensive Vorkehrungen veranlaßt. Die Depesche er- wähne nichts von einer Rücknahme der Maßregeln. Die Mobilisirungsordre Preußens sei nirgends er- schienen, kurz, das Hohenzollern'sch« Kabinet könne seine Maßregeln nicht zurücknehmen, so lange die Gründe, welche sie hervorgerufen, fortbestehen.- Der officiöse Eorrespondent der„Hamb. Nachr." bringt folgende Enthüllung: Alle Actenstücke, welche den Gang der preußisch- österreichischen Verhandlungen seit der preußischen Note vom 26. Januar bezeichnen, sind aus Oesterreich« Veran- lassung veröffentlicht worden, nur da« allerwichtigste nicht: die österreichische Eircularde pesche vom 16. März, jene Depesche, in welcher Oesterreich die beul- scheu Bundesregierungen mit Ausnahme Preußen« auf-> fordert, Preußen in den Schranken de« Art. 11 der Bundesaktc z» halten und zu diesem Zweck die vier Lundesarniee-Eorp», welche nicht den beiden Großmächten im Bunde angehören, aus den Kriegsfuß zu stellen. Diese Depesche vom 16. März, verbunden mit den starken gleich- zeitigen Truppenvorschiebungen nach Böhmen, bezeichnet nämlich den Uebertritt der prcußisch-österreichischcn Diffe- renz au« dem diplomatischen in das militairisch-demon- strative Stadium. Warum auch will man zu Wien mit jener Depesche hinter dem Berge halten? Glaubt man, sie sei der preußischen Regierung unbekannt ge- blieben? Dies wäre eine allzu undiplomatische Borau«- setzung. Die öffentliche Meinung aber hat von jenem Actenstücke bereit« so viel vernommen, daß da« Ber- schweigen desselben über seinen Eharacter nur ungünstige Bermutbungen auskommen lassen kann. Also im Jnter- esse der österreichischen Politik- an'« Licht! Daß unter solchem Notenwechsel der Diplo- matie der Ton, welchen die dies- und jenseitigen Officiösen gegen einander anstimmen, den Grad der Glühhitze erreichen muß, wie dies wirklich der Fall, ist nicht sehr zu verwundern, und die neueste hiesige„Prov. Corr." steht darin hinter den öfter- reichischen Blättern nicht in. Geringsten zurück, sondern nimmt den Mund voller als lenials. Und nichtsdestoweniger wünscht man auf beiden Seiten nichts sehnlicher, als die Erhaltung des Friedens, da man recht wohl weiß, daß es sich bei dem Kriege um„Sein oder Nichtsein" handeln würde. Daß Habsburg im Grunde seiner finanzzcrrlltteten Seele recht friedlich gestimmt ist, scheint schon aus seiner Stellung zum Bismarck'schen Bundesreformantrag hervorzugehen. Im Princip ist es nämlich bc- kanntlich vollständig mit dem Hohenzollern'fchen Kabinele einig; doch besteht es darauf, in keine Verhandlungen einzugehen, bevor nicht die gegen- seitigen Rüstungen eingestellt seien, und eine Be- rufung des Parlaments erst zugeben zu können, wenn eine vollständige Einigung erzielt sei. Da- gegen dürfte eS an nicht unerheblichen Differenzen, wenn man erst nur so weit wäre, selbstverständlich nicht fehlen. DaS Schwierige bei der ganzen Geschichte ist vorläufig eben nur die Frage, wer Lust zu vcrspüreu scheint.— Ucber die Haltung der Mitdelstaaten wird der„Magdeb. Ztg." angedeutet, daß dieselben zwar nichr im Auftrage, aber doch unter der vorherigen Zustimmung HabS' burgS und HohenzollernS gehandelt hätten, als sie den' Eintritt in die Beralhung der Bundesreform- Vorschläge von der' vorhergegangenen Einstellung aller Kriegsrüstungen abhängig machten.— Der Herzog von Coburg soll seine FriedensvermittelungS' versuche noch immer betreiben unp, nachdem et neuestens in München hauptsächlich mit Herr» v. Varnbühler(dem würtlembergischen Minister) verkehrt, demnächst nach Berlin kommen, waS nu» ein wenig unwahrscheinlich klingt.— Dem vo» Herrn v. Bismarck einzuberufenden deutsche» Parlamente soll auch ein Vorschlag, beireffend die Gründung einer deutschen Flotte unter Hohen- zollcrn'scher Führung, vorgelegt werden. Diesem Plane liegt" die Erkenntuiß zu Grunde, daß selbst zur Gründung einer Flotte zweiten Ranges, wie sie in der Vorlage an das preußische Abgeordneten''' haus vom Jahre 1865 scizzirt ist, die preußische» Finanzen allein nicht hinreichen. In competenten Kreisen erklärt man nämlich die in jenem Gründung«- plan enthaltenen Kostenanschläge für durchaus u»' zulänglich und selbst dem Minimum sowohl der einmaligen wie der dauernden Ausgaben nicht ent' sprechend.— Die„Kreuzztg." fährt fort, ihre» „eminent conscrvativen" Lesern die revolutionär scheinenden Pläne deS preußiscken Staatsmannes plausibel zu machen. Ihre gestrige Nummer ent' hält einen höchst interessanten Artikel, als dessen Verfasser der in jüngster Zeit zum. vortragenden Geheimen Rath im StaatSministerium ernannte Führer der conscrvativen Partei, Herr Wagener, genannt wird, einen Artikel, welcher sich eingehend über den vorgeschlagenen WahlmoduS verbreitet. Wir heben daraus die nachstehenden, besonder« bemerkenswcrthen Stellen hervor: Gewiß ist das allgemein« direcie Wahlrecht nicht die vollkommenste Form, um daran« eine Volksverlretung entstehen zu lassen. Insbesondere wir können denjenigen nur beitreten, welche eine, der natürlichen Gliederung de« Volkslebens entsprechende ständische Grundlage der Wahlen begehren. Leider aber wissen wir unsererseits zur Zeit keine befriedigende Antwort auf die Frage, wo und welche« ru „Stände" sind, die man einer Wahtgcsetzgebung zum Grunde legen könnte und sollte, oder woher man sonst in der Kürze eine derartige Organisation zu beschaffe» gedenkt. Außerdem wird darüber kein Streit obwalten, daß Nichts weiter ab von einer„ständischen Vertretung" liegt, als da« gegenwärtige Censu« Wahlsystem mit Wahlw»»' nern. Die« Wahlsystem ist nicht« Andere«, als die Re- Präsentation de« Geld- Tapital« mit dem lügnerische» Ner ss legen Möge; Furch Natio Pochen A> beutu, natürl hervoi den T Hit d« Fürst den S dicht c Ju ein m Co unsere Sitzur ütion des S tdelche: gesetzg der S sich ni »cta z den B der dil »bglei« gen d; tition �r„( des K feinen licht t> Milte Schein, daß es eine Vertretung de« gaozen.V°lkeS wäre. ES ist die Herstellung einer modernen Geld- Aristokratie, welche alle« Höhere und Edlere mit den„Abrüstungen" den Anfang wird machen I wollen, w&z« daS Hohenzollern'fche Käbinet keine> nach oben wie nach unten je länger desto mehr in Pen Staub des gemeinsten Materialismus herunterzieht und, o yne d i e w a h r e n u n d r« a l e»! Interessen des Volke» auch nur mit einem F>_� anzurühren, sich lediglich niil den Macht- �agen deS'„coustitu.lionellen Ratten-KönigS" "dninschlägt.——'--' Wir wollen hierbei kein entscheidende« Gewicht dar- «uf leqen� daß gegenüber der allgemeinen Militärpflicht allgemeine Stimmrecht als ein schwer abzilweisendes Witischcs Correlat erfchei�L und daß jedenfalls— um bekannten AuSdrlltt».z>�viederholen— die Alutsteiier ibeti fo schwer wiegen sollte als die Gewerbesteuer. Der Artikel schließt: Außerdem aber kau» man.nach den Erfahrungen der ?!lchtchte kaum zweifelhaft sein, daß das allgemeine itflninrecht bei inchllLer Handhabung wesentlich confer- �liver und monarchischer ist, als das privilegirte Wahl- �t einer bevorzugten Minorität. Die Masse der Bevölkerung kann eb.en einer starken Central. Lew a l t niemals entbehren und beansprucht auch eine solche— während es die„glücklich situir- 'enMinderheite»" sind, welche in jeder StaatS- !°rm der Versuchung»nterliegen, die Gewalt e» ihre Hände zu bringen. Was unS anbetrifft, so müssen wir die erstrebte .Natürliche(!) ständische Gliederung" nur als einen lronimen Wunsch der Conservaliven bezeichnen, der schwerlich jemals AuSjtcht auf Verwirklichung haben, «lidste, kennen unS" aber nur darüber freue», daß Nlan in jenen Regionen, wenn auch mit anderen Öffnungen und Absichten als die unsrigen, eine Bahn zw fchaffew-nm- rdätiz ist, auf welcher die Anforderungen der Zeit sich geltend machen könneu -nd das Voll in Iben.Stand gesetzt wird, allmäh-- sich seine natürlichen Rechte zu reclamiren. Wie �'e Kreuzzeitungs-Padlei das Bismarck'sche Parla- ?>entSproject und das allgemeine Stimmrecht auf- schßt und auffassest zu können glaubt, geht aus stnem, dem Anscheine nach von anderer Seite her- führenden Artikel ihrer heutigen Nummer hervor, 'n welchem eS u, A. heißt: Indessen, was die directe Wahl anbetrifft, so ist »nächst zu bemersen, daß die preußische Regierung we« ! Mens nicht gemeint ist, hiermit den demokraitschen stbeen eine Concesfioy zu machen, im Gegentheil, wie sie i'" den Motiven es selbst betont, diese Form der WagP oswegen Vorschläge! weil sie dieselbe für das conser- �ative Prinzip förderlicher erachtet, als irgend einen Ederen, auf künstlichou Combinaiionen beruhenden Wahl- j wodus. Es fragt sich also, ob die preußische Regierung dwrin etwa irrt. Nun denn, wenn wir nach den Ersol-. ___--------------------------- gen uno der Wirkung des in Preußen seit 1849 inj Hebung stehenden Wahlmodus zum Abgevrdnetenhaiise| mit gebrochenen(indirecten) Wahlen— derart, daß! die stimmberechtigten Staatsbürger in ihren Urwahlbe- I zirken erst Wahlmänner, und diese Wahlmänner dann die Abgeordneten des Landtag« wählen,— zu urtheilen haben, so werden wir nn« des Eingesländnissc« nicht er- wehren können, daß es dieser Wahlmodns und gerade dieser gebrochene Wahlmodu« ist, der, in Verbindung mit der demokratischeu Agitation und Einwirkung der Presse, dem Abgeordneteiihause, seit den letzten 8 Jahren we- nigstens, eine immer zahlreicher und intensiv entschiede- ner auftretende, alle anderen politischen Parteien zurück- drängende Majorität der demokratischen Partei zugeführt hat. So daß von einer Nützlichkeit der ge- brochenen jindirceleu) Wahl für da« c o n f e r v a l i v e! Prinzip bei uns längst nicht mehr die Rede ist.— Die„streuzztg" denkt und der Zeilgeist lenkt. Dies ist der Unterschied.— CuriosilätShalber wol- len wir noch der Electrisirungöversuche an einein Leichname, dem ultraconservativen großdeutschen Re- formverein, Erwähnung thuu, der seinen gewohnlen| Winterschlaf gehalten und eben angefangen hat, zu gähnen. Auch wir gähnen bei Lesung seines Flug- dlaUeS vom 9. April, in welchem es über die augenblickliche politische Lage heißt i„Kein Krieg zwischen Bundesgenossen: treue Beachtung und Uebung von Bundesrecht und Äundespflicht im Streite Oesterreichs und Preußens sowohl, als in dem der Herzvglhumcr, keine bundesverrälherische und Deutschland verderbende, lahme und feige Neutralität, Bundeöreferiii, wäre es vorerst auch nur Volksvertretung am Bunde,— das ist das Losungswort jedes deutschen Mannes u. s. w." Da wir eben bei Leichnamen sind, sei auch gemeldet, daß die nächste Sitzung des Bundestages aus. Sonnabend verschoben wurde und inuthmaßlich die Ernennung eines besonderen Ausschusses siir den preußischen Antrag in derselben erfolgen wird.' Auch dürfen wir nicht vergessen, daß der„bis an i das Ende aller Tage" fortbestehende Welfenstaat Hannover in dem Organ seines Ministeriums, in der„Nordsee-Ztg.", in der Bundesrcform zwar ein gutes Mittel zur Ausgleichung des Streites zwischen Habsburg und Hohenzollern erkennen will, aber! vor der Zumuthung sich entsetzt, das directe Wahl- � system mit allgemeinem Stimmrecht billigen zu sollen, das ihm sehr unconservativ und revolutionär vorkommt. Die Forderung directer Wahlen mit allgeineinem Stimmrecht ist ein Postulat der De- mokratie, ein Appell an die Revolution, es ist die Forderung deS Prinzips von 1789. Ist es con- servativ gedacht, den Trubel der Verwirrung zum Chaos zu gestalten und von diesem Chaos die Neuconstitnirung der Nation auf ein unbestimmtes Etwas hin, auf eine erst noch zu formulirende Bundesreforiii zu erwarten? Der Antrom ist vor- läufig zur Mittheilung an die einzelnen Regierun- gen vom Bundestag bestimmt. Hoffen wir, daß die Bundes-Regierungen diese Appellation richtig verstehen werden; und wir unsermheils könne» uns bei dem guten Glauben, den wir von Preußens bundesfreundlichen und rechtlichen Absichten hegen, nicht der Ansicht entschlagen, daß Preußen durch diesen Antrag nur den übrigen Bundes» staaten Gelegenheit geben will zur bun- desfreundlichen Vermittelung zwischen ihm und Oesterreich." Da ist doch die„Kreuz- zeitung" vernünftiger, welche gesagt hat:„Bundes- reform oder Revotulion."— Zinn Schlüsse wollen wir noch einige Friedenstauben fliegen lassen, welche in der ossiciellen mittelslaatlichen Presse aufsteigen. Mit Bezug auf eine Dresdener Correspondenz der Frankfurter„Postzeitung", in welcher behauptet wurde, das säckffische Kabinet gehe mit dem dayeri- scheu in der denischen Frage Hand in Hand, und sei bereits ein Programm zwischen den beiden Re- gierungen vereinbart worden, das in Wien bekannt und gebilligt werde, bemerkl nämlich der„Staats- anzeiger für Württemberg": Wir erareife» gern die Gelegenheit z» der Erklärung, daß auch wir allen Grund haben, die obige Darstellung der Sachlage für vollkommen begründet zu halte». Ferner ist der„StaatSanzciger" für Württcm- berg„ans zuverlässiger Quelle" in den Stand ge- setzt, die Antwort des HabSburgischen Kabinets auf die unlängst auch von uns erwähnte, zum Frie- den ralhende englische Depesche Russel'S in ihrem Wortlaute zu veröffentlichen. In derselben heißt es u. A.: Oeslerreich hat ebenso wenig de» Wunsch, den Frie- den Europa's zu brechen, wie England; es beschränkt Feuilleton. Äii fjnmaiin Scmmig i q. Orleans.*) Dem Vaterlande hast Du keck gesungen, Dem eiwgen Vaterland, dem freie», großen, Und was Du Poll in Liedesform gegossen, Ist wiederhallend in mir nachgeklungeu. Doch ach, viel Heldenblut ist schon geflossen �°» unfern Vätern, die das Schwert geschwiiugcu Fiir's Vaterland, und dennoch nicht errungen Ein Stückchen Vaterland für ihre Sprossen! Wo giebt e« Vaterland für uns Heloten? Was würde uns sitr solchen Kamps geboten, Die wir die Haut zu Markte tragen müßten? Kein Fleckchen! Erde eigen unsern Todtenl Will's uns nach ei g' nein Vaterland gelüsten, Nennt man uns.hirnverbranule Comninnisten! Hamburg, im April.—f. OM6 drm Wiciitr Lrbcn. ..Wir theilen in Nachstehendem unseren Lesern eine Liener Correspondenz der AugSbnrger„Allg. Ztg." mit, Welche die angeblich in Wien herrschende antipreußische bümniung sehr drastisch characterisirt und auch sonst ei» wr sprechende« Spiegelbild der Atmosphäre ist, welche .� gegenwärtigen Augenblicke über der Habsburgischen �iserstadt liegt. Der betreffende Correspondent schreibt: . Die Sünden oer Diplomaten sollen heimgesucht wer- p» an ihren Nachfolgern! Niemand empfindet die Wahrheit diese« Satze« lieser als Graf MenSdorff-Pouilly, f'i ein höherer Wille von seiner friedfertigen Feldmar- Fall-Lieutenants-Stelle abrief und auf den unruhigen Wachtposten der auswärtigen Politik commandirte. Da "cht er nun, und muß ernten, was Graf Rechberg einst Pssäet. Die Folgen der österreichisch preußischen Allianz, Lossagung Oesterreich« vom Bunde, der Convention *) Siehe in Nr. 82 des„Social-Demokrat" da« Ge- 1„Deutsche Ostern". | von Kastei», sind nun da. Es gab schon vor zwei Jahren Leute genug i» Oesterreich, die genau vorhersag- len, daß es so kommen werde; aber sie waren weder hochgeboren, noch in Aemlern grau geworden, sie waren nur Volksvertreter und Journalisten; man achtele daher ! wenig auf ihre Meinung. Im seligen„Bolschaster" [ waren Tag für Tag die eindringlichsten Warnungen zu lesen; aber die hohe Weisheit des Grafen Rechberg kllm- merle sich nicht um das Mcne Tekel, welche» ihm aus jedem Artikel entgegenflammte. Er stürzte, aber zu spät, und sein System überlebte ihn um Monate. Schöne i Seelen finden sich,»nd darum schlugen auch die Herzen' de« Herrn v. Bismarck und de« Grase» Rechberg stet« � für einander. Sie wollten beide die Reactiou; der Herr ans Schönhansen die grobe, der Herr von Rothenlöwe» � die schleichende: der eine wollte die Freiheit zertreten, der andere sie zernagen. Und so gründeten sie da« famose! Compagnie-Geschäit, in welchem Graf Rechberg die Rolle des stillen Gesellschafters spielte. Die Insolvenz der � Firma stellte sich bald heraus, und um das Deficit zu verheimlichen, will mau mm seine Bücher verbiennen, und zündet zu diesem Zweck das Hau« an, worin man wohnt. Wir stehen am Vorabend des deutschen Bürgerkriegs.' Da« blutige Gespenst, da« preußischeiseits schon 1883 1 heransbeschworen ward, steht mitten unter uns, und streckt bie langen dürren Arme nach seinen Opfern aus. Es l wird kostbare« Blut in diesem Kampfe fließen, u»d über jede Schlacht, gleichviel wer Sieger bleiben mag, wird man weinen müssen. Aber ehe wieder ein faule« lieber- � einkvmmen, wie jenes von Gastein, deutsche Volksrechle j , preisgiebt, und die tiefe Kluft zwischen Oesterreich und' Preuße» mit einem morschen Steg überbrückt, der keinen � Halt für die Gegenwart, kein Vertrauen in die Zukunft gewährt, eher mag das Schwert entscheiden. E« ist i namenlos traurig, daß'e« so weit kommen»uißte,»nd 1 die es verschuldet haben, werden in Wahnsinn und Ver- zweiflnng euben, wenn es eine Vergeltung giebt. Aber der Augenblick will Männer, und Männer müssen Partei . nehmen.„Hie Well, hie Waibling"— in einem Lager ! muß man stehen. Oesterreich hat e« in seiner Hand, die Besten de« denischen Volks auf seine Seite zu ziehen, wenn die blutige Entscheidung sich nicht mehr vermeiden läßt. Der Krieg gegen Preußen muß in einen Bundes-, einen Volkskrieg verwandelt werden; da« deutsche Par- lament, mit dessen Einberufung Graf Bismarck cokeltirt, muß Oesterreich auf sein Banner schreiben, und dann, wenn mau es iu Berlin durchaus nicht anders haben will, in Gottes Namen drauf mit fliegenden Fahnen! Mit wem das deutsche Volk m den Kampf geht, der wird siegen. Da« deutsche Natioiialdewußlsein mag es tief beklagen, daß ein tüchtiger, kernhafter Theil der Nativu in Feindschaft gegen die eigene Mutter wüthet, aber Deutschlands schlimmster Gegner ist nun einmal da« osficielle Preußenthum. Seit einem Jahrhundert bohrt und frißt diese« osficielle Preußentbum im deutschen Vollskörper; es rebellirte gegen Kaiser und Reich, es verrielb beide im BaSler Separatsrieden, liebäugelte aus dem Wiener Kongreß mit dem Anoland, gebar Herrn v. Kamptz, belohnte den deutschen Patriotismus in Köpenick und vernichtete zweimal die Hoffnungen auf eine Einigung Deutschlands.*) Die alte» Welsenlradi- lionen sind auf da« Hans Hohenzollern übergegangeu, und nun schlägt man in Berlin an das Schwert und fordert den alten lange begrabenen Haß au« seiner Gruft. Nehmt euch in Acht, ihr Herren an der Spree, daß er nicht wirklich aussteht in seiner ganzen riesigen Größe; ihr könntet vor ihm einknicken wie Faust vor dem Erd- geist, trotz eurer Zündnadelgewehre und der„eleganten" Eroberung von Düppel! Es giebt gute Ghibelline» im Süden, und wir möchten euch, wenn ihr kommt, um un« den knappen preußischen Soldatenrock als alleinselig- machende Tracht anszudrängen, Gewehr im Arm enl- gegenrusen:„Lieber kaiserlich sterben, als preußisch ver- derben!" So denkt man in Wien, in Oesterreich; so ist die Stimmung der Bevölkerung. Es herrscht Eiiimülhigkeit und Entschlossenheit wie niemals. Wir wissen, daß die Ungesthicklichkeit unserer Diplomaten ein großer Tbeil der Schuld trifft, wir wissen, daß wir kein Geld haben, aber wir sehen der Entwicklung der Dinge ruhig ent« gegen. Niemand ist verzagt, Niemand wünscht den Krieg, aber nicht eine Stimme wird laut, welche Oesterreich Nachgiebigkeit iiiid die Ersüllimg der preußischen For- derungen anzurathei, wagte. Nicht eine? Doch ja, eine sang in dieser Tonart; sie gehörte Herrn Keipp vom *) Wir bringen Obiges als einen Beleg für die jetzige gereizte Stimmung in Oesterreich, ohne mit der histo- rischen Ansicht des Herrn Correspondenten über Preußen unsererseits übereinzustimmen. Anm. d. Red. d.„Allg. Ztg."