Rr. 88. Berlin, Sonntag den 29. April 1866. Zweiter Zahrgang. bin htii Ver flert wer « h ä ff oi «bei Halle tritt jufal der ande Diese Zeitung eriibeint drei Mal wöchentlich und zwar i Dienstags. Donnerstag« und SonnadendS Abends. Organ der sacial-dcmokratifchcn Parlci. Redigirt von J. v. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin. Alte Jakobstrase Nr. 67. Abonnement?- PreiK für Berlin incl. Brtngerlvhn: viertcliädrltch 15 Sgr., mo« natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Ggr.t bei den Königl. preustiichen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Pottämtern im niibtvreußischen Deutsch- land 121/3 Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. füdd., st. I. österr. Wahr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jevem soliven Spediteur, von der Expreß-Lompagnie, Zimmerstraße 48», sowie and unentgeltlich von jedem„rothen Dienftmann" entgegen genommen. Lnfernte merkung macht:„er sei ganz anderer Ansicht." Nack den wunderlichen Phasen, welche die poli- l i s ck e Haltung de«„Social-Demokrat" bereits onrchgk- macht hat, kann uns auch diese Absonderlichkeit inätl mehr Wunder nehmen. Ob die arbeitenden Klassen, deren Organ der„Social Demokrat" sein soll, und a»? denen bekanntlich die Armeen hervorgehen, die dytiastischk Zumnthung: sich gegenseitig niederzumetzeln, niit der gleichen Befriedigung ausnehmen werden, erscheint un? freilich mehr als zweifelhaft. Tie beiden Berlin-Frankfurter Politiker scheine« übrigen« gar nicht zu wissen, welchen Dienst sie mit ihren Ausfällen der Bolkspartei ge- leistet haben. Die DemaSkirung ist schneller ersolgt, al« wir hoffen dursten. A n dem Phon- tom der Volksvertretung mag die Publicistt� herumknabbern, aber in natura darf nicht? davon erscheinen- da würde die Sache zu ernst' hast! Schönen Dank für de» Wink. Nun weiß die Volkspartei um so besser, wa« sie zn Ihn? hat! u. s. w. Der Schluß der ganzen Curtositat lautet: Wir sehen mit Spannung der Antwort oder de>« majestätischen Schweigen entgegen, das— auch ei»k ZU> von von Las Sei eint Wil stell: nen nur mit mall hen „fr- weit Z fall. sehr ü. ll übet Frei Rev zur gan abci sei, Ma seit bin unl Hr gin i l'utl mir Bei den Sc Sie Vrrsdeiier„Nrform" und unsere „Srmaskirung.� DieDresdener„Reform"(Commnnal-Blalt) hat einen nicht minder einfältigen als perfiden Artikel gegen uns gebracht, der, daS muß man ihr lassen, in feiner Art einzig ist. Wenn wir der„Reform" darauf antworten, so Antwort ist. — wir antworten, und die„Reform" soü Gut ffzeschieht dies weder der Einfältigkeit nock rer Perfidie ihres Artikels halber, sondern lediglich der Dresdener Arbeiter wegen, von denen ' vielleicht der eine oder andere, dem das Blatt nicht > regelmäßig zu Gesicht kommt, die„Reform" bisher U-M-VVl.V«,<•"„JltlOllll keiner zweiten Antwort mehr mit„Spannung enl' gegensehen", vielmehr an unserer ersten„Deiuas' kirung"— ihres Blödsinns und ihrer Gemeinheit g?' mtg haben. Ohne uns hier ans eine eingehende Erörterung der Frage einlassen zu können, ob und warum eine, wie die„Reform" sich ausdrückt,„als Vorparl«' ment wieder zusanimentreiende National-VersamsU' tung" von 1848 zweckmäßig oder unzweckmäßig- kerl übe niei sich „A Der sitzt ja im lKesängiiisse; c« wird wohl se>« Eollege, der Lieutenant v. Hosstetten, gewesen sein.( Anmerkung d. Red. d.„Reform." Ar ver Ar lax dei vei hol I winisckensweNh cCet nicht wiinschenswerth wäre, Wellen wir der„Reform" nur auf einige ihrer dümmsten und verlogensten Bemerkungen antworten, im Uedrigen sie auf unsere Artikel über die deutsche Frage verweisend. ErstenS: hat das„Franks. Journal" keinen Schmähartikel gegen die Dresdener„Parlaments- leute" gebracht, sondern die Fassung ohnmäclniger Rescluttone» getadelt, deren Inhalt auszuführen man gar nictit die Absicht hat und haben kann. Zweitens: habe» wir uns nickt Igegen die BiUigkeit des„Lerlanzens nach Verhütung eines bruderniörderischen Krieges zwischen Oesterreich und Preußen" ausgesprochen, sondern lediglich dessen Unzweckmäßigkeil und Erfolglosigkeit betont, da wir und alle Vernünftigen der Ansicht sind, daß ina», um den Frieden zu erhalten, seinen Zweck weit sicherer erreicken würde, wenn man eininllthig den Kabinetten erklärte, wie man im Volke, in der Nation, einen solchen Krieg aufgefaßt wissen und wie man sick»ach Ausbruch und im Verlaufe des- selben verhalten wolle; und ferner, daß,— falls nickt europäische Ereignisse, das Eintreten einer europäi- scheu Revolution, den habsburg-hohenzollern'schen Dualismus beseitigt haben sollte, was schwer mit Sicherheit voraus z» bestimmen ist,— dieser Krieg zwischen den genannten beiden Blächlen früher oder später unvermeidlich ist. Drittens: steht es nicht in unserer Macht, und hätten wir, seibst, wenn dies der Fall wäre, gar kein Interesse daran, den organischen Fehler zu heilen, welcher die„Reform" an einem Ver- standniß unserer Parteistellung verhindert; da- her wir ihr oaS Vergnügen gönnen müssen, auch fernerhin„wunderliche Phasen" in unserer politi- schen Haltung zu entdecken. Viertens:— und dies ist eigentlich schon mit Punkt zwei abgelhan— haben wir den arbeitenden Klassen niemals die„dynastische Zumuthung" ge- stellt,„sich gegenseitig niederzumetzeln". Fünftens: Mit welcher„Befliedigung die arbeitenden Klassen unsere Zumuthungen aufneh- wen", kann die„Reform" am besten aus unserem Blatte selbst entnehmen und wird sie vielleicht schon i» den nächsten Tagen in ioco Dresden neuerdings erfahren. SechstenS: Kann es uns nur schmeichelhaft sein, der Volkspartei erst sagen zu müsssn,„was sie zu lhun hat." Falls aber die„Volksparlei", wie die„Reform" andeuten will, daS Gegentheil von dem thu» zu müssen glauben sollte, was wir anralhen, so hätten wir damit nur uns selbst einen Dienst geleistet, indem sie dann sicherlich auf dem besten Wege wäre, sich gründlich zu biamiren, und dem Volke über sie die Augen zu öffnen. Uebrigens wird sich die„Volkspartei" bei dem enfanl terrible ihrer Partei-Presse, bei der„Reform", für solche Ofienherzigkeit schönstens bedanken. Zu ihrem Glück aber ist die Partei nicht durchweg so pfiffig vertreten und werden in ihrer Presse Stimmen laut, die unsere Meinung Iheilen. Wir empfehlen bei dieser Gelegenheil der„Reform" den Leitartikel von L. B. im„Deutschen Wochenblatt" über die Kriegsfrage, welcher die ohnmächtigen Resolutionen -der fortschrittlichen Rarren geißelt, und den wir gleichfalls„wohlgefällig" abgedruckt haben. Siebentens: Ist es nicht niehr wie billig, als daß wir die Hoffnung der„Reform" auf uusere »DemaSkirung", mehr als ihr lieb sei» kann, wirk- lich erfüllen und hiermit dcmaskiren, was sich hinter ihrer Parlamentslarve, hinter ihrer vorgeblichen Friedensliebe im Interesse der arbeiten- den Klassen verbirgt: Die„Reform" und die„Dresdener Parla- nientSleute" wollen durch Friedens- Resolutionen und durch„Sammlung der allen Parlaments-Ge- Nossen" zu einem„Vorparlament" verhindern, daß sich die arbeitenden Klassen„für dynastische Zwecke" gegenseitig niedermetzeln. Nu» möchten wir nur von der„Reform" erfahren, wie die Herren das zu Wege bringe»? Abgesehen davon, daß es frag- sich ist, ob den arbeitenden Klassen ein solches Parlament besonders nützlich und angenehm sei» kann sivir müssen eö entschieden bezweifeln), und abge- sihen davon, daß der Zusammentritt dieses Par- �menls den„bruderniörderischen Krieg" doch nicht verhindern könnte, wenn er überhaiipl zum Aus- bruch kommt, abgesehen also von alledem— glau- ben den» die„Reform" und ihre„Parlaments- leute," daß eine abermalige deutsche ReickS-Ber- fassung dieses Parlaments auf friedlichem Wege und mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden könnte? Glauben sie an eine erfolgreiche einmüthige Erhebung des gesammten deutschen Vol- kes gegen ihre, in solchen, Falle sofort einmü- thigen Regierungen? Die gegenseitige er- folglose Ricdermctzelung für dynastische Zwecke wäre gerade dadurch mit Unvermeidlichkeit herbeigeführt, und die Hofsnungen der Nation würden neuerdings vielleicht ans Jahrzehnte hinaus vernichtet und dies AlleS für ein Parlament doc- trinärer Bourgeois, die zum weitaus größten Theile sich noch in ihrem allen Jdecnkreise von 1848 bewegen. Wir bezweifeln, daß die arbeitenden Klassen dazu viel Lust verspüren werben. Und hiermit hat die„Reform" ihre von uns gehoffte DemaSkirung. Das Uebrige werden vielleicht unsere Dresdener Parteigenossen besorgen, wenn es ihnen»och der Mühe werth sein sollte. poiitil'cher Theii. Nnndscha«. Berlin, 28. April. Die Lage der Dinge in Deutschland hat sich ini Habsbnrg- Hohenzollern'schen Conflict nicht weiter beträchtlich verändert. Es kann als notorisch angenommen werden, daß die weiland„getreuen AUtirten" im.stalus quo der Kriegsbereitschaft verharren. Nach den Mittheiluugen deö Telegraphen hat sich als vollkommen richtig erwiesen, daß HabSburg die italienische Armee auf den Kriegs- fuß gesetzt und dies dem hohenzollern'schen Kabinet hat anzeigen lassen. Die ministerielle„Nordd. Allg." bricht eine Lanze für die hohenzollern'sckc Eni- schließung und meint, Preußen dürfe nicht gemülh- lich abwarten, ob ein Angriff Oesterreichs aus Italien erfolge. Der Artikel sagt unter Anderm: daß Oesterreich die Feindschaft gegen Preußen zu seinem obersten Staats- und Nationaliläts-Princip erhoben bahe, darüber sei kein Zweifel, und wenn Oesterreich wirklich nur Italien anzugreifen beab- sichtige, so dürfe Preußen nickt zugeben, daß die italienische Armee unschädlich gemacht werde. Es dürfe in Italien nicht die enininthigende Ueberzeu- gung entstehen, daß dieses Königreich bei einem Kriege mit Oesterreich der Jsolirung ausgesetzt sei. Und ferner:„Oesterreich muß entweder ernstlich Preußen und Italien gegenüber zum volle» fried- lichen 8latus quo ante zurückkehren oder gewärtigen, daß die preußischen Rüstungen sich nach Maß- gäbe des Fortschrittes der österreichischen Rüstun- gen verstärke». Die preußische Regierung würde zweifellos eine große Verantwortlichkeit auf sich laden, wollte sie nicht Angesichts der ununterbrochen forlgesetzten österreichischen KriegSrllstungen ihre volle Aufmerksanikeit der Sicherstellung des eigenen Landes zuwenden." Nach der Wiener„Neuen fr. Presse" hätte jedoch Italien an Frankreich und England osficiell erklären lassen: die Gerüchte über Truppen-Concentralionen i» Italien seien falsch, auch nicht ein Mann sei einberufen.— Die Mittel- und Kleinstaaten sollen in der Augsburger Diplomaten-Conferenz sich mit der Frage beschäs- tigt habe», ob ein wechselndes Bundespräsidiuin, mit Bayern an der Spitze der dritten Gruppe, und in Verbindung damit die militärische Neugestaltung des Buntes gut zu heißen sei. Sonack steht die T r i ä s e l e i wieder in voller Blüthe.— In der letzten Bundestagssitzung wurden, nachdem man sich in der vorletzten für einen besonderen Ausschuß zur Vorbera- lhung des preußischen BundeSresorm-Antrages entschieden halte, in denselben gewählt die neun Reprä- sentanten: von Oesterreich, Preußen, Bayern, Sachsen, Hannover, Württemberg, Baden, Großherzogthum Hessen und ben sächsischen Häusern; als Stelloer- treler: Kurhessen und Mecklenburg. Viel kann da- bei unmöglich herauskommen, denn jede Bundes- reform durch die souveränen Fürsten, mit oder ohne„Nationalparlament", ist und ! bleibt ein Stückwerk, das nimmermehr Deutschlands l Einheit herbeiführen kann. Die souveränen Fürsten werden und können sich nicht selbst das Todesur- iheil sprechen, was sie thälen, wenn sie ihre Sou» vcränelät ans den Altar des Vaterlandes legten. Wozu sie dann überhaupt noch da wären, würde schwerlich Jemand begreifen. Aus Frankreich wird telegraphisck gemeldet, daß das vom Fürsten Metternich inspirirte'„Memo- rial Diplomatique" die Nachricht bestätige, das Wiener Kabinet acceplire die Gegenvorschläge �Preußens bezüglich der Abrüstungsfrage; nur be- stehe eS aus der Festsetzung eines Endtermins bis zu welchem die beiden Mächte ihre kriegerische Vor- bereitung rückgängig zu machen hätten. Dasselbe Journal glaubt auck die Gerüchte, nach welchen Oesterreich imposante Streilkiäste in Venetieu koncentrire, als übertrieben bezeichnen zu könne».— Der heutige„Constilutiounel" enthält einen von Bonisace gezeichneten Artikel, in welchem eS unter Anderm heißt: Die Gefahr eines Krieges zwischen Oesterreich und Preußen scheine beseitigt zu sein. Oesterreich sollte seine Rüstungen in Venetieu nickt aufrecht erhallen, da es nicht wahrscheinlich sei, daß Italien Oesterreich allein angreifen werde. Im Uebrigen mahnt der„Constitutionel" Oesterreich dringend zum Frieden.— In der Donaufürstenthümer- Frage ist ein Telegramm auö Constantinopel zu erwähnen, wonach die Pforte ihren Gesandten in Paris beauftragt haben soll, gegen die Wahl des Prinzen Carl zu Protestiren, weil dieselbe eine Verletzung der Suze- rainetäisrechtc der türkischen Regierung sei. Aus Italien lauten die Nachrichten immer kriegerischer, wenn auck, nach der„Italic," die Regierung erklärt habe, daß sie nicht rüste. Die „Italic" will auch aus guter Quelle wissen, daß es durchaus nicht wahr sei, daß die Flotte Italiens sich anschicke, im atrialischcn Meere sick zu concentriren. Die italienische Seemacht sei in diesem Augenblicke, wie gewöhnlich, zwischen Spezia, Tarent und den gewöhnlichen See- staiionen im Mittelmeere verlheilt.— Desto eifriger ventilirt die gesammle Presse die Kriegs- frage. Krieg um jeden Preis! ist ihre Grund- stimmung; Preuße» zögert ihr zu lauge und läßt noch immer besürchlen, daß es ini letzten Augenblick das halbgezogene Schwert wieder in die Scheide stecken werde; man hofft, daß, wen» Jta- lien gegen Oesterreich ins Feld rückt, die preußi- schen Bedenklichkeireii ei» Ende haben n»d Preußen zum Losschlagen hingerissen werden würde. Mit Garibaldi, der noch in Caprera weilt, sollen in Betreff einer allenfallsigen Theilnahme am Kriege Verhandlungen angeknüpft worden sei». Alan bot ihm zuerst ein hohes Commando über reguläre Truppen au, was er begreiflicherweise zurückwies. Hierauf versuchte inan es, ihn zu bewegen, wie im Feldzuge v?n 1859 ein Corps königlicher Freiwilli- ger anzuführen, und zwar im SnbordinationSver- hältniß zu dem militärischen Obercommando. Auch dieser Vorschlag wurde in Caprera zurückgewiesen; ein neuerer gehl nun dahin, Garibaldi die Anwer- bung einer gewisse» Anzahl Freiwilliger zu ge- stalten, deren Ausrüstung und Unterhalt die Regierung übernehme, und bezüglich deren Verwendung dem Ge- ueral so zu sagen absolut freie Hand gelassen wer- den soll. Aus seinen Wunsch würden ihm sogar Transportschiffe zur Bersllgung gestellt werden, al- lein er hätte die Verpflichtung einzugehen, die ur- sprünglich festgestellle Zahl der Freiwilligen nicht durch nachträgliche Werbungen zu vergrößern. Es scheint, daß Garibaldi sich auch auf dieses Pro- ject nicht einlassen wird, sowie es andererseits außer Zweffel steht, daß die Regierung fest entschlossen ist, das Freischaaren-Element so wenig als möglich zum Kriege heranzuziehen. I» Lissabon steht abermals eine Ministerkrisis auf der Tagesordnung. Die Bildung eines neuen Kabineis soll dem Herzog Loulö übertragen worden sein. Ueber die Gründe der KrisiS erfährt man noch nichts. Die Schlußsitzung der Corles ist auf den 8. Mai festgesetzt. In Athen wurde Skoufsos,. ei» eifriger An- Hänger des Ezkönigs Otto, zuni Bürgermeister ge- wählt. Die Regierung ist in großer Geldverlc- genheit. 1