Nr. 97, Berlin, Mittwoch den 23. Mai 1866. Zllieiter Jahrgang. Zocial-Dtiuollrat. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchemlich und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von I. L. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Nedaction und Expedition: Berlin, Alle Jakobstrage Nr. 67. AtonneincntS- Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.z bei den Königl. preußischen Post« ämtern 15 Sgr., bei den preußische» Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 12'/, Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr. sfl. 1. 10. slldd., st. I. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß.Compagnie, Zimmerstraße 4«», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Ärbeiter-Annouce» mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: dir. 8. leittl« Nev-Port-Lexesl, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassboarg', 5. Kae Brulee; Paris, 2. Cour da Commerce Saint-Andre-des-Ärts. politischer Theil. Rundschan. Berlin, 22. Mai. Neue Nahrung gewinnen in Deutschland die Frictenshossnungen durch die Meldung des ofsi- ciellcn„Dresdener Journals":„Der Pariser Con- greß ist allseilig angenommen; die Erössnung findet am nächste» Freitag statt." So überraschend auch aus den ersten Augenblick diese Nachrich: klingt, nichts desto weniger ist damit noch keine Garantie für die Erhaltung des Friedens verknüpft; sondern nur eine Perschiebung der Eröffnung der Feindse- ligkciten erreicht. Möglich, ja sehr wahrscheinlich ist, daß auch dieser Ccngrcß, ähnlich wie der jüngste Londoner vor dem deutsch-dänischen Kriege, nach kurzer Zeit mit dem Ausdrucke des Bedauerns,� nichts zn Slande bringen zu können, wieder ans- einander geht. Merkwürdig ist nur, daß das Habs- burgische Kabinet trotz seiner Abneigung gegen den Congreß, diesem doch noch beigestimmt hat, sei es in Folge der in jüngster Zeit angenommene» zwei- felhaflen Haltung der Mittel- und Kleinstaaten oder aus Mißtrauen gegen den Herrscher in der Seine- stadt und seinen„Haß gegen die Verträge von 1815." Hinsichtlich des Eongresses ist noch hervorzuheben, daß von betheiligter Seite Anstrengungen gemacht werden, daß auch der deutsche Bund wegen Holsteins dazu eingeladen werte.— Aus zuverlässiger Quelle wird versichert, daß ein preußisch- italienischer Bertrag am verflossenen Sonnabend die Unterschrift des Königs von Preußen erhalten hat.— Die Politik der Mittel- und Kleinstaaten betreffend lief in der BundeStagssitzung vom 19. Mai von den in Bamberg versammelt gewesenen Regierungen ausschließlich Sachsens folgender Antrag ein:„Hohe Versammlung wolle an alle diejenigen BunbeSgliedcr, welche niilitairische über den Friedensstand hinausgehende Maßnahmen oder Rüstungen vorgenommen haben, das Ersuchen rich- ten, in der nächsten Sitzung der Bundesoersamm- lung zu erklären, ob und unter welchen Voraus- setzungen sie bereit seien, gleichmäßig, und zwar von einem in der Bundes- Versanimlung zu vereinbarenden Tage an, die Zurückführung ihrer Streitkräfte auf den Friedensstand anzuordnen." Anläßlich dieses Antrages nahm Oesterreich zu einer Erklärung das Wort, worin es die an» geblich bundeswidrigen Verhandlungen zwischen Preußen und den norddeutschen Staaten in die Diskussion zu ziehen suchte. Preußen und Hanno- ver seien auf ihre Bundespflichten aufmerksam zu machen.— Preußen und Hannover säumten nicht, sofort gegen diese österreichische Erklärung ihrerseits Verwahrung einzulegen.— Nachdem Sachsen seine Bereitwilligkeit versichert halte, seine Armee cven- tuell auf ten Friedenszustand zurückzuführen, ward von der Versammlung beschlossen, die Abstimmung über den obigen Antrag ani nächsten Donnerstag stattsinde» z» lasse».— Unzweifelhaft wird nun das hohenzollern'schc Kabinet seine schon mehrmals abge- gebenc Erklärung wiederholen,„daß es zu allen Zeiten bereit sei, seine Rüstungen einzustellen, be« ziehuugsweise rückgängig zu machen, sobald ihm durch die übrigen Staaten dazu Gelegenheit ge- boten und die Bürgschaft gegeben werde, daß es nicht angegriffen werden würde." Der obige Antrag ist ersichtlich eine wesentliche Abschwächung dcö früheren sächsischen, der einseilig nur von Preu« ßen eine Erklärung verlangte, statt dieselbe Forte- rung auch a» Oesterreich zu richten.— In derselben Bundestagssitzung kam auch ein Antrag des Ge- sandten für Luxemburg und Lim bürg vor, dahin lautend: daß es dem durchlauchtigsten deutschen Bunde gesallen möge, den die Aufnahme des Hcrzogthums Limburg betreffenden Bundesbeschluß vom 5. September 1839 wieder aufzuheben und somit den Austritt desselben aus dem Bun- deS-Verhältniß zu genebmigen. Tie Motive reuten auf die Verhältnisse hin, welche eS dem König Wilhelm I. der Niederlande zur Nothwcndigkeit machten, im Jahre 1839 auch für das jetzige Herzogthnm Limburg mit Ausnahme der niederländischen Festungen Älkastricht und Benlo dem teulschen Bunte beizutreten(Bundesbeschluß vom 5. September 1839). Der damalige Vorbc- halt, da'ß Limburg unter dieselbe Verfassung und Verwaliung mit den ilkiedeilanden gestellt würde, habe zwar zu keinerlei Unzuträglichkeitcn mit dem Bunde geführt, aber eben so wenig eine Annähe- rung Limburgs an Deutschland bewirkt. Der An- schluß an dieses sei unfreiwillig und im Gegensatz zu den beiderseitigen Sprache», Bildung, Sitten und Verhältnissen geschehen, daher werte die Lösung so- wohl von den: Hcrzrgthum, wie von den Bewoh- nern der Niederlande, auf welche schließlich doch die Lasten des BundeSvcrbältnisses zurückfielen, ge- wünscht. Die geographische Lage der Festungen Mastricht und Venlo, rings vom deutschen Buntes- gebiet umschlossen, provocirc Conflikte zwischen Niedcrland und Denischland. In dem ersteren, nicht in dem letzteren, liege der Schwerpunkt aller Interessen Limburgs, welches nicht einmal, gleich Luxemburg, eine eigene, vom Hauptland gesonderte Verfassung und Verwaltung habe. Diese Gleich- artigkeit aller Zustände mit dem Hauptland irntire die Stellung zum Bunde. Die freiwillige Lösung des unfreiwilligen Bandes sei mithin für beide Theile zweckmäßig und ehrenvoll. Zumal in einer Zeit, wo der Bund deutsche Provinzen von der Verbindung mit dem dänischen Staat befreit habe, werde er umgekehrt sein Ohr nicht dem Wunsch einer Entlassung des nickideutschen Herzoglhums aus dem BundeSverhältniß verschließen. Ver- trauenSvoll stelle daher die niederländische Regie- rung den(obigen) AnoscheidungSantrag.— In Ungarn verbreitet ein Gerückt große Aufregung, Koffuth habe sich nach Caprera zu Unterhand- lungen mit Garibaldi begeben, welche den Ein- fall des letzteren in Dalmatien und eine Schilder- Hebung Ungarns gegen den Kaiser zum Gegen- stand hätten. AuS Frankreich, aus Paris, wird tclegra- phisch eine Wiener Depesche des Metternich'schen „Mvm. Dipl." gemeldet, wonach das Wiener Ka- binet sich den Mittelstaaten gegenüber formell ver- pflickiei hätte, mit Preußen in der Angelegenheit der Elbherzogthümer kein besonderes Abkommen zu treffen; jede weitere Verhandlung in dieser Frage zwischen den Höfen von Wien und Berlin sei von »un a» ausgeschlossen.— Napoleon empfing am 20. Mai den mexikanischen Gesandten, General Älinonte, welcher sein Beglaubigungsschreiben überreichte.— Täglich erhält man neue Nachrich- ten über die große Rührigkeit, die augenblicklich im gesainmten französischen Kricgsdcpartemeut herrscht. Das Kriegs> Ministerium hat einem Lieferanten 200,(XX) Jnfantcricschuhe und 55,000 Kavallcrie- sliesel, binnen 3— 4 Woche» zu liefern in Austrag gegeben. Zugleich empfing Marschall Randon die Besitzer der großen Schneiderwerkstätten, die Herren Dusantey und Renard, um mit ihnen Verträge über sofortige Lieferung bestimmter Kleidungsstücke abzuschließen, während in der Geschützgießerei von Douai man Tag und Zkacht mit der Anfertigung von Stahlgeschossen beschäftigt ist. Ferner hat der Kriegsminister Marschall Rando» bei drei Gewehr- fabriken in Metz Bestellungen im Betrage voll zwei Millionen Francs gemacht. Die bestellten Objecto wären binnen sechs Wochen zu liefern.— Man erwartet eine neue Manifestation des Kaisers bei seinem nahe bevorstehenden Erscheinen im Lager von Ehalcns. In der Donaufllrstcntbümer-Angelegenheit ist die Annahme der Krone von Seiten des' Prin- zen von Hohenzcllern erfolgt und derselbe bereits an der serbisch-walachischen Grenze angekommen, wo ihn eine Deputation empfangen hat. Heute soll er seinen Ei»,ug in Bukarest halten. Man wird abwarten müsse», ob hiermit das Signal zum Einmarsch der Türken in die Fürstenlhümer gegeben ist und wie sich die Dinge dort entwickeln, tliach allen aus den Donauländern eingebenden diplo- m«tischen Nachrichten würde ein Auflehnen der Moldau- Walachen zunächst Serbien, welches das SuzeränetätSverhältniß jnr Pforte auch von Her- ze» gern lösen möchte, in Mitleidenschaft ziehen; die christlichen Bevölkerungen in den andern Pro- vinzen der europäischen Türkei würden dem Rufe ihrer griechisch-katholischen Brüder folgen und ihr Papst, der Kaiser von Rußland, könnte nicht ruhig zusehen, wenn Christenblut auf's Neue durch Türken vergossen würde.— Anderweitige Nachrichten aus angeblich zuverlässiger Quelle melden, daß an der Grenze der Fürstenlhümer 200,000 Russen bereit stehen, und 160,000 Russen, in Polen concentrirt, aus Arbeit warten. Generale und höhere Militärs treffen bereits in Warschau ein, wo Alles für die bevorstehende Ankunft des 5!aiscrs Alexander in Bereitschaft gesetzt wird. In Italien ist durch CucuUr-Verfügung die Errichtung von 21 Freiwilligen. Regimentern ange- ordnet worden. Man versichert, tajz 20 Bataillone Freiwilliger bereits vollzählig sind und die Annahme, daß die Bildung weiterer Bataillone bevorstehe, verursacht eilte große Anzahl von Anmeltimgen.— Aus A n c o u a ist die Nachricht eingetroffen, baß für die Ankunft einer 40 Schiffe zählenden Flotte Borbereitungen getrrffeu werden. Die spaniscfio Regierung scheint, trotz der allgenieine» liefen Mißbilligung, welche das Boin- bartemcnl von Valparaiso in der civilisirten Welt gefunden, zu anderen ähnlichen Acten weilerschrei- den zu wollen. Die„Correspondencia" vom 15. d. M. eiiinimnit einetn Telegramm, welches ihr über Southailipion zugeht, die Nachricht, daß das spanische Geschwader nach dem Bombardement von Balparaiso entschlossen ist, die andern Häfen von Chile und Peru in ähnlicher Weise zu behandeln. Die„Eöperanza" zeigt sich jedoch niit diesem Plane nicht einverstanden und besteht vielmehr darauf, daß das spanische Geschwader, nachdem es Balparaiso bombardirt, nun nichts Anderes zu thun habe, als die Chinchas Inseln in Besitz zu nehmen. Seien die Spanier einmal Herren dieser Inseln, dann könnten sie Peru und Chile ihre Friedensbedingungen dictirew— Bon all der Aufregung aber, welche die Beschießung der chilenischen Stadt hervorgern- fen hat, scheint die Deputirtenkammer der CorteS nicht berührt worden zu sein; denn am 16. d.M. konnte keine Sitzung slailfinden, weil die Abgeord- neten nicht in besästnßsähiger Anzahl erschienen waren.— Die Coinmission für die neue Bank zog ihren Bericht zurück, um ihn zu modificiren.— lieber London wird ans Chile gemeldet: Die neutralen Schiffe haben dem Spanischen Geschwader «Dlittheilung gemacht, daß sie fernere Angriffe auf Chilenische Häfen nicht gestalten werden. Das Geschwader ist in Folge dessen nach der Nordkllste abgesegelt, um die dortigen mit Chile verbündeten Häfen, Callao eingeschlossen, zu bombardiren.— Die letzte Ueberlandpost meldet aus B o m b a i, 28, April, daß in Afghanistan Anarchie herrsche. Die Russen haben die Truppen des Emirs von Bokhara in zahlreichen Gefechten geschlagen. Der Russische Gesandle ist in Samarkand ein- gekerkert. Aus Belgion, aus Brüssel, verlautet: der Kaiser der Franzosen habe dem Könige Leopold einen„für alle Eventualitäten" sehr beruhigenden Brief geschrieben, und auch aus England sollen Versicherungen eingetroffen sein, welche der Ansicht, daß Englai't einem etwaigen Angriff auf Belgiens Unabhängigkeit auS allen Kräften sich widersetzen werde, neuen Rückhalt verleihen. Feuilleton. Arbeiter-Schule. Von Hustaii K. 3. Geschichte der coiistitiurendeii, französischen Nationalversaniiiilnng. c) von dem Tode Mirabcau'Z liij zum Schloß der vational-versammlong. Durch den Tod MirabeauS war der Fall des Königs entschieden.— ES hatte dieser nach und nach selbst die Gunst der- jenigcn Parteien verscherzt, die grundsätzlich dem König- thum nicht abgeneigt waren, sondern es gern zn er- halten wünschten, aber sich aus den stets wankelmilthigen und iineiilschlostenen, ja oft bis zum Wortbruch unzu- verlässigen Fürsten nicht im Geringsten verlassen durften. Dies lebrte besonders ein Fluchtversuib des Königs, der indeß mißlang und ihm den letzten Rest von Achtung und Atilleid raubte, den inan ihm schon wegen seines trauriqen Schicksals noch zollen mochte. Einige Monate später, den 3. September 1791 war die Constitution*) vollendet und als sie vom Könige •) Eine ausführliche Besprechung(zu der hier der Raum fehlt) findet man sowohl im Arbeiterprogramm von Lassalle, als auch im vorigen Jahrgange des i „Social-Deniokrat". Aus den Niederlande», Haag, 19. Mai, wird gemeldet: Sämmtliche Minister haben ihre De- Mission eingereicht! der König hat vergebens davon abzurathen gesucht. Aus Rußland sind verschiedene Dementi's des „Journals de St. Petersbourg ," vom 20. Mai, benierkenswerth. Dasselbe sagt: Es sei unwahr, daß der Kaiser von Rußland in Wien den Rath er- theilt habe, Venelien aufzugeben; eben so uube- gründet sei die Angabe, der Kaiser habe Oesterreich eine materielle Unlerstützung gegen Preußen vcr- sprochen. Dirccte Interessen Rußlands seien äugen- blicklich nickt im Spiel, doch fei das kaiserliche Kabinet sich der Solidarität bewußt, welche die civilisirten Nationen verbinde. Es dürfe aller- Vings den streitenden Mächten nicht den Weg vorschreiben, welchen sie zu gehen hätten, doch die Beziehungen der Freundschaft rnid des Vertrauens, in denen das kaiserliche Kabinet zu ven meisten anderen Kabinetcu stehe, gestatteten ihm, seine Interessen an der Aufrechter- Haltung des Friedens eindringlich zur Geltung zu bringen. Die Bemühungen der kaiserlichen Regie- rung bezweckten Beschwichtigung und Versöhnung; auch seien sie den Verheißungen nicht fremd, die vor etwa vierzehn Tagen in Betreff einer Abrüstung ausgetauscht wären. Das russische Kabinet habe i» dem Congrcßprojekt eine günstige Chance für einen friedlichen Verlauf erblickt. Die Thätigkeit seiner Bemühungen steigere sich mit dem Ernst der Situation; es werde bis zuletzt die Pstichten der Humanität erfüllen. Doch würde es ein völliger Jrrthum sein, der russischen Regierung eine andere Sprache beizulege», als die freundschaftlicher lieber- rednng, und eine andere Haltung als eine völlige Unparteilichkeit, die nur von dem festen Entschluß begrenzt sei, über die Vertheidigung der nationalen Interessen Rußlands zu wachen. Aus Anicrika, New-Bork, 10. Mai, meldet „ Reuter's Office":„Das Repräsentantenhaus hat das von dem Recoustrnctions-Comits eingebrachte Amendement angenommen."— Die Fenier haben eine Kriegsthat vollbracht. Eine Abtheilung derselben verließ am 1. Mai Eastport auf dem Schoo- ner„Friend", angeblich um nach Portland zurück- zukehren. Am folgenden Morgen hißten sie plötzlich die Flagge der„Irischen Republik" auf und be- mächtiglen sich des britischen Schooncrs„Went- Worth", worauf sie ihren Schooner versenkten und sich an Bord des erbeutete» begaben. Von East- port wurde ein Unionsdampfer zur Verfolgung ab- geschickt, welcher jedoch, durch Namen und Erschei- nung des eingeholten Schiffes getäuscht, die Piraten unbehindert ziehen ließ. Dieselben haben darauf, wie gerüchtweise vnlaulet, eine feindliche Landung auf der Insel Grand Meuan gemacht.— Der Fenier- Senat tagt gegenwärtig in New-Iork. Die Mittel selbstverständlich in allen Punkten angenommen war, er< klärte sich die Nationalversammlung am 21. September sür geschlossen. Noch heut blickt uuscr Auge staunend auf das, wa» sie in dem kurzen Zeiträume von 2t/z Jahren leistete, und fast unbegreiflich erscheinen die Erfolge, die sie, gegen ungeheure Schwierigkeilen kämpfend, glücklich errang. Die Zeit, in der sie die Geschicke Frankreich'«, ja der Welt, leitete und für die kommende» Jahrhunderte den Keim der wahren Freiheit legte, diese Zeit bildet— und dies giebt uns den Schlüssel zn zahllosen Wider- sprüchen, die unser Urtheil verwirren könnten— den liebergang zweier großer Gesellschaftsperioden, von denen die erstcre den Grundbesitz, die andere das Kapital zum herrschenden Prineip zu erheben suchte. Letzteres driickh sich deutlich in der von der National- Versammlung entworfenen Constitution(namentlich in der Einführung des Wahlcensus) ans. Aber wir dürfen es nicht vergessen, daß wir,»m richtig zu urtheileu, auch die damals bestehenden Z»< stände scharf in's Auge fassen müssen. Da finden wir denn, daß derjenige Theil des Volkes, den wir heut unter dem Namen„vierler Stand" zusammenfassen könnten, durch die zahllosen Mißbräuche der verflossenen GesellschaftS- Periode depravirt, sich in einem Zustande befindet, der jeder Beschreibung spottet und zum Theil in hohem Grade verderbt war, so daß die Uebergabe so wichtiger politischer Rechte, wie die Wahl der Repräsentanten in die Hände dieser Klasse, ein Schritt war, der die be- denklichsten Folgen nach sich ziehen, dessen Gefahr aber freilich nimmer dadurch beseitigt werde» konnte, daß man i beider Factivne» sind, wie es heißt, nahezu er- schöpft und die Zuflüsse haben gänzlich aufgehört. Bon Mahoni, den, das Mißlingen des Zuges gegen Neu-Braunfchweig zugemessen wird, sind viele Fenier abgefallen, ohne darum zu Roberts über- zugehen. Deutschland. * Berlin, 22. Mai.[Der deutsche Ab- geordnetentag.j von etwa 200 Abgeordneten be- sucht,(Deutsch-Oesterreicher waren nicht erschienen), hat die nachstehenden Ausschußanträge augenomiuen: „Der Sieg der Waffen hat uns unsere Nordmarken zurückgegeben. Ein solcher Sieg würde in jedem wohl- geordneten Reiche zur Erhöhung des Nationalgefühls gedient haben. In Deutschland führte er durch die Mißachtung de« Rechtes der wiedergewonucnen Länder, durch das Streben der preußischen Regierung nach ge- waltsainer Annexion und in Folge der ilnheitvollen Eisersuchi der beiden Großmächte zn einem Zwiespalt, dessen Dimensionen weit über den ursprünglichen Gegen- stand de« Streites hinansreichen. Wir verdammen den drohenden Krieg als einen»ur dynastischen Zwecken drohenden KabinetSkrieg. Er ist einer civilisirten Ration»»würdig,'gefährdet alle Güter, welche wir in 50 Jahre» des Friedens errungen haben', j und nährt die Gelüste des Auslandes. Fürsten und Minister, welche diesen nnnatütlichen Krieg verschiilden, oder auS Sonberinleresseii die Gefahren desselben erweitern, machen.sich eines schweren Ber-' breche»« an der Nation schuldig. Mit ihrem Fluche und der Strafe des LandeSver- rathcs wird die Nation Diejenigen iressen, welche in! Verhandlungen mit auswärtigen Mächten deutsches Ge- biet preisgeben. Sollte es nicht gelingen, den Krieg selbst durch den, einmüthig ausgesprochenen Willen be« Volkes noch in der letzten Stunde zu verhindern, so ist wenigstens dahin zu trachten, daß er nicht ganz Deutschland in zwei große Lager theile, sonder» aus den engsten Raum beschränkt werde. Wir erblicken hierin das wirksamste Mittel, um die Wiederherstellung des Friedens zu beschleunigen, die: Einmischung des Auslandes abzuhalten, durch die Heeres- macht der nicht betheiligien Staaten die Gränzen zu zu decken uiid, im Falle der Krieg einen europäischen Character annehmen sollte, mit noch frischen Kräften dem. äußeren Feinde ciitgegenzutrete». Diese Staaten haben also die Pflicht, so lange ihre Stellung geachtet wird, nicht ohne Noih in den Krieg der beiden Großmächte sich zn stürzen. Insbesondere liegt es den Staaten der süt-westdeutschen Gruppe ob, ihre Kraft»ngeschwächt zu erhalten,»m gegebenen Falls für die Integrität des deutschen Gebiets einzustehen. Es wird Sache der LandeSvertretunge» sein, wenn sie über Ansorderungen zu militairischen Zwecken zu rnischeiden haben, diejenigen Garantieen von ihren Re- gierungen zu fordern, welche die Berwendung in der oben ausgesprochene» Richtung und im wahren Interesse de« Vaterlandes sichern. Nur hierdurch wird sich die Gefahr abwenden lassen, ans den jetzigen Verwickelungen die Betressenden einfach von allen politischen Rechten ausschloß nnd dieselben einer Klasse vorbehielt, die, sich freilich durch ködere Vildung auszeichnend, in der Folge dennoch den schlechtesten Gebrauch von dem übrigens von ihr nur zum kleinsten Theil verdienten Geschenke machen mußte. Schwerlich ahnte die National-Versammliiiig indeß, zu welch unerhörten Ausschreitungen*) die Bourgeoisie sich in Folge der Errungenschafteii des 4. Anglist hin» reißen lassen würde, nnd— man denke, eben erst hatte sie mit fast übermenschlicher Kraft die alten, Jahrhunderte hindurch bestandenen Mißbrauche gestürzt, hatte sich selbst an den Königsthron gewagt und nur an ihr lag es, wenn sie ihn nicht vollends in den Staub trat— konnte man von ihr nun verlangen, daß sie die zügellose Menge, die ihr bei ihrem gigantischen Werk behülslich gewesen, zn organisiren, all' diese verworrenen, noch nicht im Lause der Zeit geläuterten Wünsche zu regeln verstehe? Rein, diese Ausgabe überstieg menschliche Kräfte, wenn man hierbei bedenkt, daß die Früchte des eben erst er- rungenen Siege« noch sehr der Pflege bedurften!— Hierzu gehörte» Männer wie Lassalle und Mirabeau— und solcher giebt e» nicht viel in einem Jahrhnndert. Die eigentliche Ausgabe der Nationalversammlung ist von dieser glänzend gelöst worden nnd dies sichert ihr die Achtung und Bewunderung aller Zeilen!—-- *) Man sehe darüber»ach im Arbeiterprogramm von Lassalle, Seite 22. (Nr. 4 folgt.)