Nr. lOO, Berlin, Mittwoch den 30. Mai i8K6. Zweiter Jahrgang. =leiinrlunf. Diese ZeiMng erscheint drei Mal wöchenilich und zwar- Dienstag«, Donnerstags und Sonnabend« Abend«. Organ der social- demokratischen Partei. Redigin von Z. V. n. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraste Nr. 67. AtvancinentS- Preis sür Berlin incl. Bringerlobn: vierieljiibrlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., eintelne Nummern 1 Sgr.; bei den tiönigl. preußischen Post« Ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtprenßischen Deutsch- land iL'/z Sgr., im übrigen Deutschland 25 Sgr.(fl. 1. ZV. südd., st. 1. öfterr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin aul der Expedition. von jevem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition anjzugeben) werden vro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die Überseeischen Länder: btr. tii-näer, 8. luttle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur sür Frankreich: 0. A. AleiHndre, Strassbonrg, 5. Rue ßrulee; Paris, 2. Cour da Cornrnarce Saint-Andrd-des-Arts. politischer Theil. N u n d sch a u. Berlin, 29. Mai. In Deutschland keine wesentliche Verände- rnng der Lage. DieCongreß- oder Conferenz- Einladungen— denn ncch immer ist nicht con- stalirt, od man es mit einem Congreß oder mit einer Eonferenz zn Ibun haben wird— sind, allem Anscheine nach, gestern in Gestalt dreier einzel- ner aber gleichlautender Schreiben, also nicht in einer einzigen Collectiv-?kote, den betreffenden Re- gierungen zugegangen und zwar sollen sie in Wien, Berlin, Florenz und Frankfurt a. M.(am Bunde«- tags überreicht worden sein. Nach einem Pariser Telegramm können als Bevollniächtigte„auch" die Gesandten sungiren,„doch erscheinen von England, Nußland und Preußen wahrscheinlich die dirigiren- den Minister." In die deutsche Reformfrage, so- weit sie die BundeS-Berfassnng betrifft, wird keine Einmiffhung beabsichtigt. Die Zuziehung des Bnn- de« ist aber für erforderlich erachtet, weil durch die venetianische, die Elbherzogthümer- und die Lim- burger Frage Compensationsvorschläge. also Terri« torialverändernngen discniirt werden, die den Bund berühren. Die Bertretung de« Bunde« wird durch Bayern erwartet, da die deutschen Großmächte im Confllkt sind. Die Eröffnung der Conferenz soll durch verzögertes Erscheinen des BnndcSbevoll- n'äcktigten nicht ausgeschoben werden.— Ueber das Programm deS Congresseö und die Stellung Frank- reichs zn demselben verbreitet sich ein angeblich aus den« Ministerium des Innern stammender Artikel des officiösen„PayS", indem da« Blatt Folgendes vertritt: l) Seitens Oesterreichs Abtretung Bene- tiens an Italien; 2) für Oesterreich Territorial- enti'chävigung am Adriatischen Meere(wo? Bos- nien?); 3) Einverleibung SchleSwig-Holsteins in Preußen; 4) dagegen Rückgabe NordschleSwigs an Dänemark; 5) zwar keine Einmischung l» die deutschen Angelegenheiten, aber Berathung über Neu- sormation der deutschen Machtstellung; K) natür- lich dabei Revision der Verträge, zu deren Complex auch der Vertrag gehört, darauf heute der deutsche Bund sich sundirt; 7) Frankreich will nichts für sich in Anspruch nehmen, aber„könnte es nicht hoffen, daß, während der deutsche Bund sich in aller Freiheit reorganisirt, um bei sich selbst unan- genehme Erinnerungen zu tilge», er(der deutsche Bund) den gegenwärtige» Stand der Dinge in der Weise modificirte, daß der feindselige Characier, den die innere Eintheilung seiner(deS Bunte«) Länder an uiiseren(Frankreichs) Grenzen von An- fang an in sich trug, geliiildert würde?" Die mi- nisterielle„Rordd. Allg. Ztg." sagt über die de- regte Territorial-Entschädigung Oesterreick«: Mit dieser„Entschädignng am Adriatischen Meere" können wohl nur die dortigen türkischen Besitzungen � gemeint sein, und so würden wir mit volle» Segeln den Klippen dea orientalischen Frage entgegensteuern, fall« Oesterreich die Entschädigung annehme», die Türkei aber nicht gewillt sein sollte, die in Rede stehenden Pro- vinzen gutwillig abzutreten. Legt man übrigen« bei dem Begriff der territorialen Entschädigung den sttachdruck aus da« Wort„territorial", so ist da« vorgeschlagene Object für Oesterreich sehr günstig. Bosnien, Albanien, Serbien und Montenegro würde» dem Kaiserstaat ein Gebiet 3289 Quadrat-Meilen sür da« Ausgeben von 456 Quadratmeilen in Benetien verschaffen, und auch die PopulationSverhällnisse iener Länder stud dem Tausche nicht ungünstig, da Oesterreich iu ihnen den Zu- wach« von etwa einer Million erhallen �wllrde. Aller- ding« würde hierdurch der Schwerpuukt Oesterreichs sehr bedeutend nach dem Osten hin verlegt und seine Ber- bindung mil Deutschland derartig gelockert werden, daß die deutschen Provinzen Oesterreich« sich eiwa iu der gleichen Weise, wie gegenwärtig Elsaß und Lothringen, z» Deutschland verhalten würde»; aber wenn e« dem Kaiscrstaate nach einigen Generationen gelingen sollte, jene„territorialen Eompenfationeti" dichter zu bevölkern und sie zu kultiviren, so würde Oesterreich wieder ein sehr mächtiger Skaat werden können. Die Wiener„Ostdeutsche Post"»cruimmt, daß alle Gerüd'te, nach welchen bei den bevorstehenden Pariser Eonferenzen von Seite» der betreffenden Staate» die Minister der auswärtigen Angelegen- heile» persönlich erscheinen würden, auf bloßen Bcrniulhnngen beruhen; es würden im Gegentheil die in Pari« accredilirten ständigen Botschafter und Gesandten als Bevollmächtigte amliren.— Nach einem Franksurtcr Telegranit» soll die Einladung des deutschen Bundes zur Beschickung des Pariser Eongrcffes wegen der zu behandelnden Bundes- reformfrage erfolgt sein, mehrere Regierungen sollen sich jedoch gegen eine solche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Deutschlands ausgesprochen vaben. Die Frage soll schon in der nächsten Sitzung des Bundestags zur Erörterung konimeu.— In Bayern wie in Sachsen ist der Landtag von den betreffenden Monarchen in Person eröffnet worden. Die in München gehaltene Thronrede sagt unter Anderem: Zwischen zwei mächtigen Glieder» de« Deutschen Bunde« sind Zerwürfnisse ausgebrochen. Kampfgerllstet stehen die Heere einander gegenüber. Ich war eifrig bemüht, auf Erhaltung de« Frieden« im Bunde hinzuwirken, dessen Wahrung eben so sehr die Pflicht jeden einzelnen Bundesmitgliede«, wie der Ge- sammtheit ist. Noch will ich die Hoffnung nicht ausgeben, daß da« Verderben eine« Bürgerkriege« von Deutschland abge- wendet werde, daß die Lösung der Schleswig-Holsteinscheu Frage ans dem Wege de« Rechts und eine zeilgemäße Reform des Deutschen Bunde« unter Mitwirkung einer nationalen Vertretung nnscrem großen Vaterlande neuer- ding« einen dauernde» Frieden gebe. Für alle Fälle muß Bayern in der Lage sein, treu dem Gebote der Pflicht und der Ehre, einznsteben für da« Recht des Bunde«, sür da« Interesse der Deutschen Nation und sür seine eigene Selbstständigkeit. Darum habe ich die Modilisirung der Armee angeordnet und den Landtag berufen, um mil dessen Beiralh und Zustimmung gesetzlich zu ordne», wa« zur Ersüllunz jener Ausgabe» ersorderlich ist. Die sächsische Thronrede lautet nach telegraphi- schein AuSzuge: In einer verhängnißvollen Zeit habe ich Sie heute »in mich versammelt, wo Perwickelungen zwischen de» Deutsche» Großmächten, Deutschland mit einem blutigen inner» Kampfe bedrohen. E« konnte nicht die Ausgabe der dabei unbetheiligteu Staaten Deutschlands sein, für einen der streitenden Theile Partei zn nehmen und mit demselben Verbin- düngen einzugehen, sondern nur auf Erhaltung de« bu»be«vcrsaffung«mäßigcn Landfrieden» hinzuwirken und die Streitsragen auf dundeSrechtlichem Wege der Eut- scheidnng zuzuführen. Dieser Ausgabe, die noch jetzt da« Ziel meine« Streben« bleibt, habe ich mich, in Ber- einigung mit mehreren ineiner Deutschen Mitverbünde- ten, Bayern an der Spitze, nach Kräften z» unterziehen gesucht. Dazu war e« aber unerläßlich, einige Borkeh- rungen zn treffen, um nnsere Wehrkrast unversehrt dem Bunde znr Berfügung stellen zu rönnen. Wegen dieser Vorkehrungen mit militärische» Maß- regeln bedroht, habe ich den Bund in versöhnlichem und jriedlichem Sinne um seine Veruiittelung augegangen; aber nunmehr auch zugleich mein Heer unter die'Waffen gerufen, um von keinem unvorhergejeheneii Angriffe überrascht werden zu können. Denn auch der Minder« mächtige würde sich entehren, wenn er unberechtigten Drohungen nicht mit männlichem Mnthe eutaegeniräie. (Beiiall.) Mit rühmlicher Bereitwilligkeit sind Beurlaubte und KriegSreservisteii auf meinen Ruf zu den F-dnen geeilt und mit voller Zuverficht erwarte ich von Ihnen, meine Herren Stände, von Ihrem bewährten patriotischen Sinne, daß Sie den»nausfchieblichen Verwendungen Ihre Billigung und meiner Regierung diejenigen finanzielle» Ermächtigungen ertheiken werden, welche die Lage der Dinge und vor Allem der bedrohte Zustand unsere« Handel«- und Gewerbefleiße« erheischt. Noch ist indeß die Hoffnung einer friedlichen Lösung nicht aufzugeben und meine Bemühungen werden unaus- gesetzt auf Erreichung eine« so heilsaineu Ziele» gerichtet sein. Meiner oft bethäligten Ueberzeugung gemäß, werde ich auch mil Freuden bereit sein, zu einer den wahren Bedürfnissen Deutschlands entsprechenden, auf dem Wege de« Recht« und unter Theilnahme von Vertretern der Nation in'« Leben zu rufenden Reform der Bunde«- Verfassung die Hand zu bieten.(Beifall.) Das Zustandekommen eines soldien Werkes, für da« auch gegenseitige Opfer nicht zn scheuen sind, wird un« am Besten gegen die Rückkehr so trauriger Verhältnisse schützen. Stark durch die Liebe und Treue nieineS Volke«, in dem Bewußtsein, durch keine feindliche Gesinnung ber« ausgeforderl zu haben, sondern nur mit Beharrlichkeil sür das Recht eines Deutschen PolkSstamme« und Für« stenbause« eingetreten zu sein, gehe ich getrost den Wech- selsällen deS Schicksal« entgegen und vertraue auf den Schutz de« Allerhöchsten in einer gerechten Sache. Iu Bayern sollen Veränderungen im Ministe» rium bevorstehen. Der Kriegsminisler, der Handels« minister und der des Auswärtigen(v. d. Pfordse») sollen um Entlassung eingekommeu sein. Ebtus» Herr v. Pfistermcister, der Chef des Kabinelssecre- lariats. In Frankreich bat der Senat den Gesetzent» Wurf wegen Einberufung des Centingents von 100,000 Mann ebne DiScussion und einstimmig angenommen, nachdem �uvor die Herren Rouber und Troplong darauf yingewirkt ballen, bafi eine Wiederbvlung der im gesetzgebenden Körper über diesen Gesetzentwurf statlgebablen stürmischen Debatten mit Rücksicht auf die gegenwärtige diplo- maiischr Action vkrtnieden werben niüßte.— Der „Monileur" vom 27. d. MtS. schreibt:„Mehrere ausländische Journale tzaben behauptet, es existire ein geheimer Verlrag zwischen Frankreich, Preußen und Italien, durch welchen Preußen sich im Falle eineS Krieges verpflichte die Nheinprovinzen, und Italien die Insel Sardinien an Frankreich abzu- treten. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß dtese Bebanpiungen in allen Punkten falsch sind. Die Französische Negierttng hat keinerlei Verab. redungen mit auswärtigen Mächten getroffen." Bezüglich der Dvnaufürstenthümcr-Angele- gritheit gi-mbt«ne..Patrie" zu wissen, daß-Prinz Carl von Hohenzollern» ehe er sich nach Bucharcst begab, ein vertrauliches Schreiben an den Kaiser Napoleon gerichtet chat.— Atts.der Variier Börke war am 28. daö Gerücht verbreitet, Garibaldi sei an der adrialischen Küste gelandet und ferner wollte man wissen, daß türkische Troppen in die Donau- sürstenthümer eingerückt seien.— Die Donausür- stenthümcr- Conferenz hat in der Sitzung vom 25. Mat ihren früheren Beschluß wegen AuSschlie- ßttng eines fremden Fürsten vom Hospooarate im Prinzipe aufrecht erhalten. Der türkische Bot- schafler, Safvet Pascha hat gegen alles, was in den Donaufürstenthümern vorgefallen. Pro- lest eingelegt und von der Conferenz dar- über Bescheinigung erhallen. Die diploma- tischen Agenten der Schutzmächte in Bukarest sind angewiesen, zu der neuen Regierung nicht in amt- lichen, sondern nur in officiösen Verkehr zu treten. Ferner ist eS nicht für zweckdienlich erachtet wor- den, dem Antrage Folge zu geben, daß den tür- tischen Truppen die Erlaubniß zur bewaffneten In- tcrvention erlheilt werde.— Nach einem anderen Pariser Telegramm hat sich die Conferenz darauf beschränkt, von dem Proteste Act zu nehmen, und nach einer Wiener Depesche vom gestrigen Tage beauftragte die Pforte, in Folge des Resultates der Conferenz, ihre bei den Großmächten beglaubigten Gesandten, die Note bezüglich der Occupation der Fürstcnihümer nicht zu überreichen, eventuell die- selbe zurückzuziehen.— Laut telegraphischer Nach- richt aus Bucharest ist Fürst Demeter Ghika ant 26. d. M. mit einem Schreiben des Fürsten Carl von Rumänien an den Kaiser von Oesterreich nach Wien abgereist. Die Kammer votirte dem neuen Fürsten eine Civilliste von 100,000 Dukaten z der- selbe erklärte, nur das zur Unterhaltung des Fürst- lichen Haushaltes Nothwendigc annehmen zu wollen. Morgen tritt Fürst Carl die Reife nach der Mol- dau an. Gerüchte über Verhandlungen zwischen dem Prinzen Karl zu Hohenzolleru mit dem Pe- tcrSburger Hofe wegen der Vermählung desselben mit der Prinzessin von Leuchtenberg bestätigen sich. Ueber die in Sprrnien entdeckte Verschwörung in Catalonieu liest man in der„Epoca", daß sie weit verzweigter gewesen, als man Anfangs geglaubt hatte und daß sie sich selbst nach Altcastilien und Arragonicn erstreckte. In Italien fehlt es vollständig an Vertrauen zur bevorstehenden Conferenz. Der„Gazetta di Tnrino" wird auS Florenz geschrieben:„Man glaubt allgemein, der Beginn der Feindseligkeiten könne nicht mehr als 8 bis 10 Tage auf sich warten lassen. Man behauptet sogar, daß bereits daS Ulli- matum für Oesterreich bereit ist, sowie eine Pro- � clamation des Königs an die Italiener."— Die Freiwilligen-Bataillone sind bereits complet und nach einer Bekanntmachung des MinisteriuinS weitere Einschretbungen vorerst eingestellt.— In Neapel ist ein reactionäres Coiiiite entdeckt worden, welche- der Desertion von Soldaten Vorschub leistete. Es haben Verhaftungen stattgefunden. In den??iedcrlandc» ist das nette Kabinet folgendermaßen gebildet: Graf van Zuhlen, aus- j wältige Angelegenheiten; Heemskerk, Inneres; Baron Schtmnielpenttingk, Finanzen; Myer, � Kolonien; Borret, Justiz; Andreae, Marine. Das Portefeuille des Krieges ist noch unbesetzt. I» Rußland haben die Truppen, welche als dort jetzt entbehrlich aus dem Kaukasus nach Oren- bürg beordert waren, Befehl erhalten, augeublick- lich ztirPruth-Armee zu stoßen, die bereits an 80,000 Mann stark sein soll. Die Vorgänge in der Mol« rau und Walachei nebmen augenblicklich die Auf- samkeit unserer Politiker sehr in Anspruch. Wie es heißt, soll der General Bariatinski den Be- fehl über die in der Moldau concenlrirten Truppen übernehmen. In Polen wird der Generaladjutant Baron von Korfs wahrscheinlich den Oberbefehl erhalten. Nachrichten aus Amerika zufolge, heißt es in Washington, daß Unterhandlungen zwischen bedeu- tenden amerikanischen Capitalisten und der Jnarez- schen Regierung im Gange seien, wornach ersteren fast ganz Uüler-Calisornien, zum Zweck der Ausbeutung seiner reichen tu inera tischen Hilfsquellen, gegen eine große Summe überlassen werden soll. ?er luezik.iuijche Gesandte soll schon über citte Million als Abschlagszahlung erhalten haben. Der Kamps Brasiliens und feiner Verbünde- ie» gegen Pa rag NAch tftTtr eine enifchievttere Phase getreten. Nachrichten auS Rio de Janeiro wenigstens melden:„Ant 16. April wurden 10,000 Mann brasilianischer Truppen auf das linke Ufer des Paraguay übergesetzt. Am folgende Tagen fand etn Kamps statt, in welchem die Paraguyiten ge- schlagen wurden. Dieselben verließen daraus Jta- pirn und die Batterien des Parana. Die Alliirten vollendeten den Uebergang über den Fluß am 17. und 18. April. Lopez hat fem Lager angezündet und den Rückzug angetreten. Glauchau. 26. Mai. fVolksversamm- lung.f In einer heute stattgehabten von Arbeiter- vereinen berufenen großen Volksversammlung wurde erklärt:„Das Zusammengehen mit Preußen ist ein Lebensintercsse der Sächsischen Jttdnstrie. Es ist wünschenswerth, daß ein Deutsches Parlament zu- samnientritt."...... Vereins-Theil. (Schluß de» Artikels i» Angelegenheiten des Allg. deutsch. ArK-Vcrein«.) Wenn wir die Unordnungen und Zerwürfnisse, welche seit etwa anderthalb Jahren im Allgemeinen deutschen Arbeiter-Verein vorgekommen sind, ins Auge fassen, fällt uns ein auf den ersten Blick sehr betrübender Umstand auf: die Characternnzuverläs- sigkcit vieler Arbeiter, welche gerade von ihren Gc- nossen mit besonderem Vertrauen beehrt wurden. Wir haben während der Zeit, in welcher die Hätz- seld'schen Jniriguen dem jedesmaligen Präsidiutn Schwierigkeiten bereiteten, wiederholt die Erschei- uung hervortreten sehen, daß Bevollmächtigte oder Vorstandsmitglieder, also Leute, welche ein besott- deres Vertrauen genossen, am einen Tage noch eis- rige Anhänger des Präsidiums waren, am nächsten Tage schon in das Hayfeld'sche Lager übergingen. Wir haben es auch in der allerletzten Zeit erlebt — und eS ist durch veröffentlichte Briefe constatirt worden— daß Leute von heute auf morgen ihre Haltung geändert haben. Was auch immer die Beweggründe solchen plötzlichen Umschlagens in der Haltung sein mögen— auf die Bezeichnung als zuverlässige Charactere haben Leute solcher Art kei- neu Anspruch. Wir sagten: Diese Erscheinung ist auf den ersten Blick sehr betrübend. Sicherlich! Aber auch nur auf den ersten Blick! Man könnte nämlich im ersten Augenblick ge- neigt sein, aus jener Erschetuung zu folgern, daß der Arbeiterstanv nicht die zu einer große» und nachhaltigen Bewegung erforderlichen zuverläßigen Charactere in seinem Schooße habe. Allein diese Folgerung würde eine entschieden falsche sein und es freut uns, hervorheben zu können, woraus eigentlich jene Erscheinung sich erklärt, warum sie eine verzeihliche, ja fast eine nothwendige war. Die Arbeiterbewegung in Deutschland ist eine vcrgletchungSweise junge; die erforderliche Uebung im po.itiiche» Leben mußte daher den Arbeitern vielfach fehlen. So kam es, dag sie ein allzu- großes Gewicht auf die Fähigkeit des öffentlichen RedenS, ein allzugerin ges Ge- wicht auf die Zuverlässigkeit des C'harac- ters legten. Ja. man muß sageß, daß für die Zuverlässigkeit deS Character'S überhaupt ein 1> ch eres Merkmal von vornherein nicht d» iv a r; erst im Verlaus der Agitation s e l b sp konnte sich erweisen, wer unter allen Umstäudetc fest und sicher in der einmal ergriffenen Haltung ausharre. Dafür liegen jetzt genug Anhaltspunkte? vor und wir sind überzeugt, daß die Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.-Vereins in Zukunft, wenn sie Bevollmächtigte, Vorstandsmitglieder, Delegirtc oder sonstige Vertränensmänner zu wühlen haben, l nicht mehr, wie bisher vielfach geschehen ist. vor- t zugsweise aus die allerdings schäyenSwerthc Befäh,-| gung zum ösfentlicheu Reden Gewicht legen, son- der« vor Allem die Art und Weise deS Characterg eines ManneS berücksichtigen. Was nun für uns noth thut, läßt ßch tu»ach- 1 stehende drei Puullc kurz zujammeitfassen: 1) Es muß auf der bevorstehenden General- versaiuuiluug gelingen, ein- für, allemal de» he-< ständigen Unordnungen, Jntrtguen und gegenjeiti- gen Berketzerunge» und Beschimpfungen ein Ende zu machen. Wen» der Allg. deutsch. Arb.-Berein nicht erkannt hat, daß er durch die rücksichtslosen,! beständig in der Oeffentlichkeit geführte« Streitig- keiten und Zänkereien sich in der Achtung der po-, litische» Welt selbst herabgesetzt hat und daß daher diesem Zustand um jeden Preis ein E«de gemacht werden muß— wenn dies nicht alle Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.-VereinS, die eS ehrlich mei- 1 neu, eingesehen haben, so ist nicht zu helfen. Hat man eS aber allgemein eingesehen, so muß man durchgreifend dem Unwesen ein- für allemal ein Ende machen. 2) Das Präsidium muß in kräftige und zuver- lässige Hände gelegt werden. Wir haben zu diesem Zweck Herrn Perl vorgeschlagen. Hat die Majo-, rität für ihn entschieden, so hat jeder sich zu fügen,. beziehungsweise, wenn er sich nicht fügen will, seine Beschwerden aus dem ordnungsmäßigen, durch die Statuten vorgeschriebenen Wege anzubringen. Oes- i seniliche Streitigkeiten dürfen in der bisherigen Weise nicht fortgeführt werden. Wir sind von dem gesunden Stnne der Arbeiter überzeugt, daß sie hiermit einverstanden sind. Allein angenommen. sie seien, wider Erwarten, hiermit nicht einverstan- den, so würde dennoch die Redaction dieses Blat-?'! teö unter keinen Umständen mehr dasselbe zu un- � würdigen Zänkereien hergeben. Wir haben dieses Blatt gegründet, um die Prinzipien unserer Sache zu versechten und dieser Sache nach besten Kräften zu nützen, nicht aber, um Schimpfereien und wider- i liehe Streitigkeiten darin breitzntrelen. Wir haben eS gegründet, um die Sache der Arbeiter in wür- diger Weise zu vertreten, nicht aber um diese Sache und damit uns selbst lächerlich und verächtlich zu machen. 3) Es muß eine Kassenverwaltung und Kassen-. controlle eingeführt werden, welche durch strengste und gewissenhafteste Handhabung sich das allge-■ meine Vertrauen erwerben. Ist dieses Vertrauen hergestellt, so hat jeder der Ceutralkasse gegenüber auf'S Pünktlichste feinen Verbindlichkeiten nachzu-, kommen, wenn er nicht für ein schlechtes Parteimil- glicd gelten will. Ist das Präsidium in kräftiger Hand, ge-< nießt die Kassenverwaltung Vertrauen und sind die Streitigkeiten zu Ende, so werden wir wieder vor- i wärts kommen— anders nicht. Von der kommenden Generalversammlung hängt Alles ab. Gehen wir hin in dem Bewußtsein, daß wohl letitet von uns ohne Fehler ist, und denken wir weniger daran, uns begangene Fehler vorzu- werfen, als vielmehr daran, wie wir zur Ehre und zum Heil unserer Sache die Dinge bessern können. Denken wir an unsere politische und sociale Auf- gäbe, lassen wir unsere Herzen von dem Gedanken an sie erfüllt werden, raffen wir uns auf zu einer politischen That und mit allmächtiger Gewalt wird der Strom der Begeisterung über alle die kleinen Klippen gegenseitiger Zwistigkeiten stolz dahtugchett. Wir»tüssen uns wieder als etnheilltche social- politische Partei durch ganz Deutschland fühlen—