Nr. 102. Berlin, Sonntag den 3. Juni 1866. Zweiter Jahrgang. Sonal-DtuiolinU. t Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabend« Abends. Organ dcr social-dcmokrlitischcn Plirtci. Redigirt von Z. 8. B. Hosstetten und I. B. B. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraste Nr. 67. Abonnement«-Prei« für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post» ämtcrn 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichrpreußischen Deutsch- land l2Vs Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., fi. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« aus allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition. von jedem soliden Spediteur, von dcr Expreß-Tompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienftmann" entgegen genommen. 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Je näher dieser von der friedliebenden europäischen Geschäfts» welt so sehr herbeigesehnte Augenblick an uns her» anrückt, und je größer die Ansprüche werden, die man zum Zwecke der Verwirklichung eines defini» tiven europäischen Friedens mackt, desto mehr ent» fernt sich die Aussidil aus eine glückliche Lösung des Problems. Tie auswärtigen, d. h. interna- lionalen Conflcite bieten nur eine Seile, welche von ihrer Kehrseite, den innern Volksangelegen- heilen, gar nicht zu trennen ist. lind doch soll und kann sich die Conferenz der Minister der auswär- tigen Angelegenheiten nur ausschließlich mit diesen �letzteren befassen, da sie für die innern Angelegen- Heiken der Völker weder eine Vertretung' noch einen Berns hat. Aber auch abgesehen von solcher höheren Auffassung des europäischen Friedensproblems, welche doch die einzig richtige ist, aber nur von oen Völkern, nicht von den Diplomaten ihrer lie- benswllrdigen Herrscher begriffen werden kann, sind auch schon die internationalen Wirren an und für sich der Art, daß eine selbst nur halbe und pro- visorische Entscheidung schwerlich anders, als durch die rohe Waffengewalt herbeigeführt werden kann. — Wenn es wahr ist, daß nur ein gut aufge- stelltes Problem ein lösbares, so kann höchstens die italienische Frage conferenzlich gelöst werden; denn es ist immerhin denkbar, daß man Oesterreich für Venetien mit Provinzen der europäischen Türkei, und die Pforte mit italienischem Gelde entschädigen kann, obgleich auch diese Compensationen auf un- überwintliche Schwierigkeiten, nicht nur Seitens Oesterreichs und der Türkei, sondern auch Ruß- lands und Englands stoßen können. Wenigstens aber weiß man doch hier, um was es sich handelt, was man zu überwinden hat, und kann sich, wie gesagt, mit dem Sprichworte trösten: ein gut auf- gestelltes, ist schon ein zur Hälfte gelöstes Problem. Begnügt sich in der Thal Oesterreich nicht mit Einer Provinz der europäischen Türkei, so vielleicht mit zwei oder drei; und kann man die Pforte nicht mit einigen Hundert Millionen befriedigen, so läßt sie sich wohl mit einer oder auch einer halben Milliarde abfinden,— wenn, wie gesagt. Andre nichts dagegen haben.— Ganz anders stehen die Dinge in Bezug auf Deutschland. Hier handelt es sich nicht um eine gut desinirte Frage, sondern um mindestens vier, höchst verworrene Probleme: er- stens streiten sich hier zwei Großmächte um die Hegemonie; zweitens wollen die Einen eine Bun« desreform im centralistischen, die Andern eine im föderalistischen Sinne; drittens sind die Erste- ren einerseits für eine preußische Spitze, andrerseits für eine Centralmacht unter einem Volksparlament; viertens sind die Föderalisten nicht minder uneinig, da die Einen Anhänger einer den Kleinstaatlichen Jntcrcffen entsprechenden Triarchie, der sogenannten Triasidee sind, die Andern aber wiederum dabei eine republikanische Berfas- sung nach dem Musterbilde der Schweiz oder Ame- rikas im Auge haben. Dazu kommen noch Grenz- streiligkciten mit Italien und andern slavischen oder romanischen und skandinavischen Völkern, so wie die sociale Frage, welche den Kernpunkt aller heu- ligen politischen und nationalen Probleme bildet. Und diese größte und furchtbarste europäische Frage glaubt man lösen zu können durck das magere Pro- gramni:„Schlcswig-Holstcin an Preußen mit AuS- nähme Norvschleswigs", und„deutsche Bundesre- form, sofern sie eine europäische Angelegenheit ist?" � Wird man auch nur darüber sich verständigen kön- neu, wo die inneren Angelegenheiten Deutschlands aufhören und die europäischen ansangen?— Ge- wiß nicht! Schon an dieser Vorfrage werden die Herren Diplomaten scheitern. Und nun gar die Hegemonieansprllche Hohenzvllerns und Habsburgs, die reactionären Tendenzen beider, welche sich der Parlamentsfrage nur auö ähnlichen Gründen, wie ehenialS der schleswig- holstein'schen, bemächtigen wollen, die klcinstaatlichen Existenzfragen mit der obligaten Trias- und RheinstaatSidee!— Die fran- zösische Regierung will nämlich von ihrem neuesten LieblingSplane eines besonders zu gründenden Rhein- staates, als Surrogat der„natürlichen Grenzen", von welchen man deshalb vorläufig Abstand ge- nommen hat, unter keinen Umständen ablassen; sie läßt in dieser Woche ihre osficiösen Organe tag- täglich wiederholen, daß nur dann von einer fried- lichen Lösung die Rede sein könne, wenn alle in der Conferenz vertretenen europäischen Großmächte einstimmig sind, d. h. wetin auch ihr Lieblings- plan angenommen wird. Im andern Falle müßten die Waffen entscheiden.— Ja, die Waffen werde.» entscheiden, aber der Himmel weiß wie und wann. Was mich betrifft, so glaube ich, daß wir dem größten und blutigsten Kriege entgegen gehen, der jemals die Welt verwüstet hat. Möchte es wenig- stenS der letzte Krieg sein! Möchten endlich die Völker einsehen, daß sie auf keinen friedlichen Ge- nuß der Früchte ihrer Arbeil rechnen können, so lange dynastische Interessen stehende Heere, und privilegirte Klassen dynastische Interessen aufrecht halten müssen!—_ Berlin, 2. Juni. In unfern Artikeln„HabSburg, Hohen- zollern und die deutsche Demokratie" haben wir einen beurtheilenden Blick auf die gegenwärtige I Lage geworfen; wir hatten vor, im weiteren Ber- ! lauf dieser Artikel der social-demokratischen Partei zu zeigen, in welcher Weise sie, in Gemäßheit ihrer Principien und ihres Strebens, jetzt mit positiver social-politischer Thätigkeit aufzutreten habe. Wir sind jedoch leider nicht in der Lage, jene Artikel fortzusetzen. Der Allg. deutsch. Arb.-Verein, wel- cher den Grundstock der social-demokratischen Ar- ; beiterpartei Deutschlands bildet, befindet sich in die- sein Augenblick i» so traurigen Verhältnissen, hat so sehr seine Aufmerksamkeit von den großen so- cial-politischen Verhältnisse» hinweg seinen inneren Formfragen zugewandt, daß es lächerlich wäre, unter solchen Umständen von kräftigem social-poli- lischem Auftreten sprechen zu wollen. Wir mögen die Hoffnung noch nicht aufgeben, daß es bei Ge- legenheit der am 17. d. muthmaßlich stattfindenden Generalversammlung gelingen werde, den Allg. deutsch. Arb.-Verein wieder aus einem Spiel« und Zankverein zu einem ernsthaften und geachteten social-politischen Verein zu machen, und behalten uns daher vor, zu jener Zeit die social-politische Frage in Anregung zu bringen. Daß wir in einer Zeit, wo vierzehn Tage mehr sind als sonst vierzehn Wochen oder Monate, auf weitere vierzehn Tage ! zu politischer Unthätigkeit verdammt sind, ist trau- rig, aber nicht unsere Schuld. Einstweilen kann es dem Allg. deutsch. Arb.-Verein nicht schaden, wenn er erkennt, daß er bis auf Weiteres(bis zu einer kräftigen Wiedergeburt) in social- polltischer Beziehung unfähig ist, irgend etwas zu leisten.— Rundschau. Berlin, 2. Juni. Sämmllich« Nachrichten gehen übereinstimmend dahin, daß die Annahme der Einladungen zu den Conferenzen allseitig erfolgt ist. Der neneste Pariser„Abend-Moniteur" spricht überdies die Ver- muthung aus, daß die Minister des Auswärtigen der verschiedenen Mächte persönlich auf der Con- ferenz erscheinen würden, und der„Jndep." wird aus London geschrieben, daß diese Minister ihr Ein- treffen bereits zugesagt hätten, während die„Patrie" wissen will, daß der Zusammentritt der Conferenz schon gegen Mitte nächster Woche zu erwarten sei. Große Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens durch diese Conferenzen wird man wohl kaum hegen dürfen. Der Bedenken auf den Erfolg derselben sind nicht wenige. Und wenn man schon daö Zu- standekommen der Conferenzen als ein Wunder be- trachten kann, so muß das Auffinden geeigneter Mittel zur Beseitigung dieses europäischen Con- flicteS als ein noch weit größeres Wunder angc- i sehen werden. Anlangend die Haltung des Tuile- � rieen-KabinetS scheint es außer allem Zweifel zu sein, daß dasselbe mit gerechter Befriedigung auf die Verwirklichung des Projektes blickt und die An- nähme seiner zu machenden Vorschläge mit aller i Entschiedenheit durchzusetzen suchen wird. Der „3nbep." berichtet man in dieser Beziehung aus Paris:. Es ist nur zu wahrscheinlich, daß im Fall der Er- solglvsigkeit des Eongresses der Krieg sich unter einer ganz andern Physicgnomie darstellen wird, und daß die Neutralität Frankreichs, da die französische AclionS- freiheit sich m Gunsten einer der kriegführenden Mächte wird entscheiden müssen, nach dem Eongreß fast uninög- lich ist. Daher dürfen wir unS keine Illusion machen; sobald der Eongreß scheitert, bricht der Krieg sofort auf der ganzen Linie aus, und wir wer- den sehen, daß Frankreich als eine der ersten Mächte sich an dem Kampfe betheiligl. Diese Thatsache kann von den Mächleu, die an der Aufrechthallung de« Frie- dens interessirl sind, nicht genug in Erwägung gezogen werden, und es würde für Oesterreich und Preußen am besten sein, die Discussion de« Eongresies gar nicht anzunehmen, wenn diese beiden Mächte nicht im Voraus die Nolhwendigkeit eine« Opfers in« Auge sasien, das allerdings durch neue Erwerbungen ersetzt werden mag, aber eines für die dynastische Eigenliebe doch mehr oder weniger empfindlichen Opfers bedarf. Nach den Briefen, welche aus Berlin hier ankommen, zeigt Gras Bis- rnarck sich mit der Wendung der Angelegenheiten sehr wenig befriedigt und er soll de» Eongreß nur in der Hoffnung angenommen haben, den Vorschlag der neu- lralen Mächte von Oesterreich verworfen zu sehen. Wie es scheint, liegt es jedoch dem König am Herzen, Europa diesen Beweis seiner Friedensliebe zu geben. Bon den Regierungen und politischen Factoren Teutschlands soll die preußische Regierung die Einladung ohne Vorbehalt beantwortet und nur den Wunsch ausgesprochen haben, daß sich die Be- rathungen nicht zu lauge verzöger» möchten; ebenso. wird aus Wien gemeldet, ist die Antwort Oester- reich« ohne Borbehalt formulirt, aber das Wiener Kabinet soll dabei bleiben, daß eS für die Confe- renz kein im Voraus festgesetztes Programm zu- läßt und nur unter dieser Voraussetzung in dieselbe eintritt. Die Wiener„R. Fr. Pr." bezeichnet sibri- gens folgendes als das österreichische Conferenzpro- gramm:„Kategorische Ablehnung jedeS auf die Ab- tretung von Venedig bezüglichen Borschlags; Lö- sung der Holsteiner Frage durch Berufung der Stände(nicht VolkSbesragstng mit allgemeinem Stimmrecht); Ablehnung jeder Coiupeteuz der Kon- ferenz in Sachen der Bundesreform."— Der deutsche Bund hat in der gestrigen Bundestags- Sitzung über die Conferenzfrage berathen. Aus Frankfurt wird hierüber vom 1. d. M. telegraphirt: Die Einladung zur Eonsercnz wurde mit dem Vor- behalte angenommen, daß den Fragen bezüglich Holstein« und der Bnndesresorm ihr rein deutscher Charakter be- wahrt bleibe, soweit durch dieselben nicht internationale Beziehungen berührt werden, während ausgesprochen wurde, daß bei der italienischen Frage europäische sowie deutsche Jntcresien beiheiligt seien. Freiherr von der Psordten wurde fast einstimmig zum Bevollmächtigten des Bundes erwählt. Oesterreich erklärt, die Rüstungen gegen Preußen abstellen zn wollen, sobald weder ihm noch seinen Bundesgenosie» ein Angriff drohe und es Sicher- heit gegen eine Wiederkehr der Kriegsgefahr erlange. Die Achtung vor dem Bundesrechte und die Entlchei- düng der schleswig-holsteinischen Frage nach Bundes- und' Landesrecht sei sür Oesterreich wie für Deutschland gleich wichtig; die Bemühungen, gemeinschastlich mit � Preußen eine solche Entscheidung herbeiznsllhren, seien vergeblich gewesen; Oesterreich lege daher diese Ent- scheidung in die Hände des Bundes und ermächtige den Statthalter, die Stände einzuberufen, um den Wünschen res Lande« Ausdruck zu verschaffen. Die prcu- ßische Erklärung wies nochmals nachdrücklich auf den defensiven Charakter der preußischen Rüstungen hin und fügte hinzu, Preußen werde aus den Friedensfuß zurück- kehre», wenn der Bund die Regierungen Oesterreichs und Sachsens zur Abstellung ihrer den Frieden bedro- henden Rüstungen bewogen oder der königlichen Regie- rung Bürgschaften gegen die Wiederkehr derartiger Beein- trächtigungen des Bundesfriedens gewährt haben werde. Sollte das der Bund nicht zu thun im Stande sein, oder sollten die Bundesglieder der von Preußen empfohlenen Reform widerstreben, so müffe die preußische Regierung daraus folgern, daß der Bund in der gegenwärtigen Ge- stall seiner Aufgabe nicht gewachsen sei und ihren wei- tercn Entschließungen diese rechtliche Ueberzeugung zu Grunde legen. In: weiteren Verlaufe der Beraihungen legte Preußen gegen die lhatsächliche Darstellung der österreichischen Erklärung und die in derselben der preu- ßischtn Politik gemachten Unterstellungen Verwahrung ein. Preußen habe nie daran gedacht, seine Interessen in der schleswig-holsteinschen Frage mit Waffengewalt durchzusühren. Seine jetzigen Rüstungen entsprängen aus dem entsprechenden Vorgänge Oesterreichs. Ferner wird unter'm Gestrigen von Frankfurt a. M. telegraphirt: Die österreichische Erklärung in der holsteinischen Frage, welche dem holsteinischen Ausschüsse überwiesen wurde, betrachtet man als Einleitung de« politischen Exekntiousversahrens gegen Preußen. lieber die Beschickung der Conferenz durch den deutschen Bund(richtiger durch das„dritte Deutschland") im Zusammenhange mit dem preußischen BnndeSreformprojecte äußert sich die � ministerielle„Nordd. Allg. Ztg." i» einem Leit- artikel, dessen Grundgedanke am schärfsten am Schluß des Artikels hervortritt, wo es heißt: Aber selbst wenn man sich über diese Schwierigkeit*) hinwegsetzen wollte, so kann der Gesandte, weil in den politischen Anschauungen der von ihm repräsenlirten Staaten sich verschiedene Strömungen geltend machen, doch immer nur die Majorität repräsentiren, während es gleichzeitig dem Grundgedanken des Bundes zuwider- läuft, die Minorität in Bundesreform-Angelegenheiten zn lerrorisiren. In dem vorliegenden Falle wird aber die Sache noch schlimmer. Die Minorität wird nicht : nur majori ftrt, sondern sie hat nicht einmal ei» Organ, ihre Rechte zu vertheidigen und geltend zu machen. Sie wird einfach erstickt. Die preußische Regierung hat nun zwar Bedenken nicht erhoben, offenbar, nm nach keiner Seite hin auch nnr den leisesten Zweifel darüber auskommen zu lassen, daß sie nicht ausrichtig den Zwecken zustimme, welche die Crnserenz verfolgt. Wir aber können nicht umhin, zu der Conclusion zu kommen, daß wir uns in diesen Vorgängen der Sprengung des Bunde« viel näher gerückt sehen, und daß uns das einzige Mittel, dieselbe zu verhüten, in der schleunigsten ! Zusarnmenberusung der deutschen Volksvertretung zu lie- gen scheint. Von der preußischen Regierung ist ein Rund- schreiben an die neutralen großen Höfe gerichtet worden, in welchem die in Frankfurt gemachten Vorschläge zur Reform des deutschen Bundes mit- i getheilt werden. Diese seien so gehalten, um eine Erörterung über dieselben auf der Conferenz nicht hervorzurufen, sie wären nicht der Art, daß ■ das europäische Gleichgewicht berührt würde. Nichts liege dem Könige ferner, als durch die i Reform von den anderen deutschen Souveränen größere Opfer zu verlangen, als er selbst bringen wolle. Deshalb bewegten sich die Reformvorschläge in s» beengtem Nahmen. Gegen des alte» Rundschauers der„Kreuzztg." Apotheosen von Olmütz(„Olniütz, dieser Keim un- i serer Zukunft.") legt in der„Rordd. Allg. Ztg." ! abermals ein„Conservativer" Zeugniß ab, indem er dein verstorbenen Radowitz gegen den Rund- ischauer in's Feld schickt und die nachfolgende, im Jahre 1850 über Olmütz geschriebene Stelle aus I. v. Radowitz's„Neue Gespräche über Staat und Kirche" citirl, die sehr mittheilenSwerth ist. Die- j selbe lautet: Diese Sünde wird gebüßt werden müssen durch einen Waffenkamps aus Leben und Tod. Eben was man hat nm jeden Preis vermeide» wollen, was gerade in die jetzige klägliche Lage gelockt hat, da« wird zehnsach her- vorbrechcn: der Krieg gegen Oesterreich, bis Ein Theil völlig am Boden liegt. Wird aber Preußen nicht gerade dann durch die unwiderstehliche Gewalt der Umstände hinübcrgedrängt werden zur Verbindung mit dem revolutionären Geiste, den auch ich so bezeichne? Wird man dann, wenn e« um Sein oder Nichtsein gilt, noch peinlich abwägen dürfen, weß Geistes Kind die Verbündeten sind, die für Preu- ßen und gegen Oesterreich eintreten? Wird man dann noch die Kräfte als seindselig von sich stoßen können, die den gebrechlichen Kunstbau der österreichischen Monarchie von einander sprengen und an den treulosen Dynastieen in Deutschland das Vergelter-Amt üben werden? Daß e« je dahin komme, das war es, was wir hindern woll- ten, was auch die preußische Regierung zu wollen schien, indem sie sich an den bessern Geist der Nation wandte und Oesterreich gegenüber eine feste Selbstständigkeit be- hauptete. Beides ist im November zu Grunde gegangen,> das ist mein Schmer; für die Gegenwart, das ist mein Grauen vor der Zukunft! Die Prophezeiung ist eingetroffen. ES sieht � schlimm aus heutzutage mit der Solidarität der con- fcrvativen Interessen. *) Daß der„BundestagS-Gcsandte" nicht einmal die Mittel- und Kleinstaatengruppc vertreten könne, da diese kein völkerrechtlich anerkannter Körper sei. Anm. d. Red. d.„Soc.-Dern." Aus Paris wird den„Hamb. Nachr." tele- graphirt: Lamarmora wird hier in 7 bis 8 Tagen erwartet. Man versichert, daß die Eröffnung der Lonserenzen am 8. oder 9. Juni stallfinden werde. Gerüchtweise ver- lautet, der Kaiser werde an der ersten Sitzung der Eon- screnz theilnehmen. Die preußische zustimmende Antwort auf die Einladung zum Eongreß ist die erste, welche in Paris eingegangen ist. Man betrachtet diesen Umstand dort als ein Anzeichen der friedlichen Ab- sichten deS Berliner Kabinels, welches sich in seiner Erwiderung auch bereit erklärt, abzurüsten, sobald die militairische Bedrohung Preußens aufhöre.— Im Palais Royal(Prinz Napoleon) soll mau über das Zustandekommen der Conferenz sehr erfreut sein, weil man davon keinen Frieden und demnächst eine Unterstützung Italiens gegen Oesterreich er- wartet.— Frankreich und England sollen die Ab- ficht haben, den Conferenzmitgliedern beim Beginn der Berathungen den Vorschlag zu machen, die Sitzungsprotocolle zu veröffentlicken— Die Nack- richt der„Presse", Prinz Napoleon solle demnächst in besonderer Mission nach Berlin gehen, wird von 1 ver„Köln. Ztg." als unbegründet bezeichnet. In der Donauflirstenthümer-Angelegenheit i wird aus Paris telegraphirt, der Prinz Karl zu Hohenzollern an den Sultan ein zweites Schreiben gerichtet und darin gesagt habe, es sei ihm äugen- dlicktich nicht möglich, sofort nach Konstantinopel zr kommen, eS solle aber nächstens. geschehen. Dh Pforte habe darauf verzichtet, in den Donaufürsten- thllmern mit Truppenmacht zu iuterveniren, und verlasse sich darauf, daß die conferirenven Mächte eine die Rechte des Sultans wahrende Combination aussindig inachen werden. Dagegen wird der Frank- furter„Europe", gleichfalls von Paris, gemeldet, die Pforte bestehe in Depeschen an die Großmachte hartnäckig auf Besetzung der Donaufürstenthümer. Seitens der betreffenden Regierungen und nanienl- lich Frankreichs soll auf telegraphischem Wege er- widert worden sein, daß die beabsichtigte Occupa-! tio» der Türkei verhangnißvoll werden könne. Man hofft nun, daß der Divan dem Plane, die Fürsten- thümer militärisch zu besetzen, entsagen werde. Aus Italien wird wiederholt berichtet, es habe zu Paris unaufgefordert die Erklärung abgegeben, daß seinerseits, so lange die Conferenz versammelt sei, kein Angriff auf Oesterreich zu besorgen stehe. — Es stellt sich immer mehr heraus, daß ein wirk- ' licher Vertrag zwischen Preußen und Italien nicht ! zu Stande kam. Die Ministerien beider Staaten mögen einig sein, aber der König von Preußen weigert sich, wie eS heißt, irgend ein Abkommen definitiv zu unterzeichnen.— Vicior Emanuel muß entweder Veneiien befreien oder sich i» einen Kampk mit der Revolution stürzen. Das Armeekorp., Cialdini's macht bereits eine Bewegung, da es dem eventuellen Kriegsschauplatze naher rückt.— Der„Liberte" meldet ein Telegramm aus Florenz, das Ministerium habe eine Emiltirung von Bank- nolen im Betrage von 250 Millionen Francs be- schlössen. In London wurde am 29. v. M. im Unter- Hause eine lange Discussion über die Reformbill- frage gepflogen. Sir Grey erklärte bei dieser Ge- legenheit, daß die Regierung bereit sei, die Kammer entsckeiden zu lassen, ob die Verhandlungen über die Reform noch weiter sortgesetzt, oder ob das ganze Reforin-Projekl verworfen werden solle. Die weitere Debatte ward sodann vertagt. Die Eon- servativen haben darauf sofort ein Meeting beim Marquis von Salisbury abgehalten, um die zu be- folgende Politik gegen die Reformbill festzustellen. Gegen zweihundert Unterhausmitglieder waren ver- sammelt, und man einigte sich dahin, ein gegen die Bill gerichtetes Amendement des Capitains Hayter zu unterstützen. Das Interesse für die Reformbill ist übrigens augenblicklich in Großbritannien durch die Geldkrisis bedeutend abgeschwächt worden. Wie wir schon gemeldet*), hat abermals eine bedeutende Credt- Gesellschaft, die(ilonsolickntsä baiilc, ihreZah- lungen eingestellt. Diese Bank besaß em Grund. Capital von zwei Mill. Pfd. Sterling. Um aber diese Krisis auf dem Gildmarkte noch zu verschlim- *) S. London.«ob.-Correspondenz in Nr. 191.