Nr. III- Berlin, Freitag den 22. Juni 18K6. Zweiter Iahrgsig, MrialMmMM- Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar- Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabends Abend«. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirt von Z. 8. v. Hofstetten und Z. 8. V. Schweitzer. Redaktion und Expedition- Berlin, Alte Jakobstraße Rr. 67. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Ggr., monatlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Ggr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutschland 12'/, Sgr,, im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition. von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Zimmerstraße 48»,'sow»« auch unentgeltlich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate Contreordre, waren und in Hesten wie in Sachsen den preußischen Truppen sich nirgeuvs gewachsen zeigten." Aus Hessen erfährt das genannte Blait, angeblich „aus guter Quelle", daß es sämmtlichen kurhejsischen Truppen gelungen ist ihren Rückzug über Bebra und Fulda nach Hanau zu bewerkstelligen, ehe die preußischen Truppen dies bindern konnten, falls dies in der Absicht gelegen. Der Thronfolger, Prinz Friedrich(ein Sohn des Landgrafen Wilhelm und entfernter Vetter des Kurfürsten; die Großväter beider waren Brüder), befand sich fortwährend bei den Truppen. Es bestätigt dies die Mittheslung, daß derselbe mir den Maßregeln der Regierung einverstanden ist. Der Kurfürst selbst ist am 19. Juni gleichfalls in Hanau eingelrosten, das jetzt der Sitz der Regierung werden soll. Die Zahl der kur- hessischen Truppen, welche auf diese Weise jetzt iu und um Hanau concenlriri sind, wirb auf 15,(XX) Mann angegeben— eine jedenfalls zu hohe Zahl, da Kurhesten bekanntlich noch nicht mobilisirt halte. Es werden in Wirklichkeit nicht mehr als 7—8000 Mann fein. Ueber die fernere Bestimmung, ob Anschluß an das 8. Bundes-Armeecorps oder was sonst, verlautet noch nichts. Zur Vervollständiguiza des letzteren Corps fehlen noch die bgdischcn Truppen, da Baden bisher fast noch völlig apf dem Friedens« stände gewesen. Bayern erwartet man dort nicht; deren Action wird wohl in anderer Richtung erfolgen. — Den Stand der Dinge in Sachsen beireffend, wurde Dresden am 18teii, Leipzig am 19tea von preußischen Truppen besetzt.— In Schlesien ist noch kein entscheidendes Ereigniß erfolgt. Ans N cnst ab t in Oberschl., 18. Juni,, Abends 9 Uhr erhält die„Br. Ztg." folgendes Telegramm.: Da« Telegrapheu-Aint ist geschlossen! Soeben kommt eine Husaren- Patrouille von der Grenze»nd meldet,: 80.000 Oeslerreicher sind im Anmarsch und dürften heute Nacht schon hier einrücken. Die Aufregung ist groß. (Die Ausregung hat wahrscheinlich zu Uebeitreibungen veranlaßt) Die Fürsten der thüringischem Staatcngruppr sollen gewillt sein, in Napster Zeit eine Declara- tion zu erlassen, in welcher sie erklären, zu Gun- sten einer Centralgewalt und eines Parlaments auf diejenigen Souveränetalsrechte verzichten zu wollen, ohne welche die Constiturung einer Central- gemalt, sowie eines Parlaments nicht möglich iß. Die seit Redactionssckluß unserer am Dienstckg erschienenen Nummer eingetroffenen telegraphischen Depeschen sind folgende: Eisenach, 20. Juni. Au« Karlsruhe vom geftri- gen Tage wird gemeldet: Oesterreich und seine Bex- bündeten verlangen von Baden unbedingte Heere«solge gegen Preußen und drohen bei Verweigerung derselben mit Zerstückelung des Großherzogthurn«. Bremen, 20. Juni. Die Summe, welche au« dem Hannoverschen Staatsschätze von hier nach London ge- schafft worden ist, beträgt nahezu eine Million Thaler. Da das Schiff die Breinische Flagge führte, so haben die preußischen Kriegsschiffe von der AnHaltung de« Fahr- zeuge« Abstand genommen. Bremerbasen, 19. Juni. Die Hannoverauer haben am gestrigen Tage da« Fort Wilhelm freiwillig geräumt. Aus der Rhede haben die preußischen Kriegsschiffe „Arminius",„Loreley" und„Jahde" Anker geworfen. Detmold, 20. Juni, Morgen«. Das preußische Ka« binet hat die deutschen Regierungen, welche in Frankfurt am 14. d. M. gegen den Antrag auf Mobilisirung der Kontingenie der deutschen Staaten gegen Preußeu stimmten, durch besondere Nolificalioi, darauf aufmerksam gemacht, daß die fernerweile Theilnahme dieser Regierungen an Berathungen solcher Staaten, welche sich im Kriege mit Preußen befinden, Kollisionen mit ihren friedlichen Beziehungen zu Preußen herbeiführen müßte. Hannover, 19. Juni, Abends. Die Königin und die Prinzessinnen sind noch hier. Der größte Theil der d i :t Ktm Sonntag» einjerütftcn Preußischen Truppen ist weiter südlich nwrschiru Die öeschlohaber und Truppe» machen church leutselige? Betragen den berubigendsteu Eindruck. Der Magistrat hatte sür Einquartierung so großer Trup- peumasseu nicht hinreichende Borsorge ireffeu könne». Die Zeitungen constaliren die Geduld der durch sorcirte Märsche, ermüdeten«oldateu. Eisenach. 20. Ziuii. ES heißt, daß die Kurhefsischen Truppen bei Fulda concenlrirt werden. Prinz Wilhelm von Hanau ist, glaubhafter Meldung nach, von den Preußen gefangen genommen. '-Kaden verweigert fortgesetzt jede Betheiligung an einer Action gegen Preußen. Paderborn, 1ö. Juni. Die Eisenbahnbrücke zwischen Wardurg und Kastel ist wieder fahrbar. Hannover, 13. Juni, Abends. Aus dem Götlingl- scheu eingelauiene Berichte melden, daß die Hannover- schen Truppen noch in der Umgegend von Göttingen stehen. Haag, 19. Juni. In Veranlassung de? neulichcn BefchlusteS der Oesterreichischen Coalitton vom löten d., daß Oesterreich und Baperu in Sachsen einrücke» sollten, hat der Gesandte sür Luxemburg und Limburg die Er- ilärung abgegeben, daß die Niederländische Regierung fich bei keinem Akte sernerhin dethciligen werde, welcher die Anerkennung de? Forlbestandes de« Bundes in sich schließe. Eisenach, 20. Juni. An« Darmstadt wird gemel. det: Der König von Württemberg hat den Prinzen chtlexander von Hessen, seit lange sür dies« Stell« designirt, nunmehr offiziell zum Befehlshaber des von Württemberg, Kaden und Darmstatt gebildeten 8. Armeecorps ernannt, obwohl dtc Ausstellung desselben noch' nicht erfolgt ist. Altona, 23. Juni. Dem„Altonaer Merkur" ist Iv'eßeu seiner Haltung gegenüber der jetzigen Regierung tjuic offizielle Verwaraung ertheilt worden.— Die ,,Al> "tonaer Nachrichten" melden: Das Gerücht des bevor- stehenden Abrücken» de« Hamburgischen Militair-Kontin- genta nach den Hertvgthümern wird nns von kompeten- -tev-Seit« bestätigt. Die Marschbereitschas,«ordre datirl von Soiuiabeud. 16. d. M. Hamburg erhält ein kleine- res preußisches Besatzungscorps unter einem preußischen Kommandanten. Eisenach, 23. Juni. Ans Frankfurt wird über den bereit« am Ib. gemeldeten Protestakt, der im Namen der preußischen Regierung bei dem Hause Rothschild vor- genommen wurde, folgende« Nähere berichtet. Aus Requisition de« preußischen Minister-Residenten hierseldst hat ein hiesiger Notar am Ib. d. Namens und im Auftrage der königl. preußischen Regierung bei dem Bankhause M. A. v. Rothschild u. Söhne in, Geschäft? hause, Fahrgaste Nr. 146, vor Zeuge» Protest eingelegt, „gegen jede Disposition über Gelder de« bisherigen deutschen Bunde?, zu welcher die Zustimmung der prenßi- schen Regierung fehlt, indem letztere eine solche Zahlung als nicht geschehen behandeln würde." Dresden, Montag 18. Juni, Abend«. Die ersten preußischen Truppen, eine Husaren-Abtheilnng, trafen heule um II1/« Uhr ein und passirten die Stadt. Am Nachmittage rückte ein größeres preußische» Truppencorps � ein. Die Avantgarde ist auf der Straße nach Pirna! Neisse, 19. Juni. Laut amtlicher Meldung haben weiter vorgegangen. Die Verbindung mit den unter! die Oesterreicher die Feindseligkeiten am 18. Abends er- dem Commandv de? Prinzen Friedrich Earl stehenden öffnet, indem eine österreichische Pairvnille bei Guhrau Truppen ist durch einzelne Abtheilungen hergestellt. die Grenze überschritt und aus die dort stehende preu- Die Sachsen sind seil dem 16. d. M. bereits nach � ßische Patrouille Fener gab. 4333 Oesterreicher stehen Böhmen marschirt. � z auf der Grenze in Eolonnen ausmarschirt.(Guhrau Homburg, Dienstag 19. Juni. Die hiesige preu-! liegt an der galizischen Grenze bei Pleg.) ßische Telegrapbenstation ist vorgestern gegen A'-cnd von Nach der„Prov-Z. s. Schl." ist da« Gro« der öster- 86 darinstädtischen Soldaten unter Führung eine« baye-! reichischen Nordannee nach Oderberg hin dirigirl und tischen Telegrapben-Jnspector« au« Frankfurt a. M. be setzt worden. Kiel, 19. Juni. Nach dem Verordnungsblatt ist mittelst königl. KabinetSordre vom löten d. dem General- major v. Kaphengst während der Abwesenheit de« Gene- � rallieutenant v. Manteuffel aus den Herzogtbllmern der � Befehl über die BesatzungStruppen übertragen worden. Dastelbe Blatt enthält eine die Vereinigung de« Hol- steinischen mit dem SchleSwigschen Postwcsen betreffende Bekanntmachung. Eisenach, 19. Juni, Mittag«. Nach hier ringe- gangeue» Nachrichten aus Frankfurt a. M. läßt das dor> lige Bayerische Militair-Oberkommando dort ankommende i Briefe eröffnen und Reisende durchsuchen. München, 18. Juni. Die Kammer der Abgeord- netcn hat in ihrer heutigen Sitzung den Gesetzentwiirf, bezüglich der Ereditsordernng für die Armee nach kurzer ihren Standpunkt wahrende Erklärung abgegeben halten einstimmig mit 135 Stimmen angeuommen,»nd zwar nach der Fassung des Ausschüsse«.(Layer. Ztg.) München, 18. Juni. Der K. v. n. s. D. schreibt: „Se. Majestät der König ist diesen Nachmittag hier ein- getroffen und wird in Anbetracht des Ernste« der Zeit nicht nach Berg zurückkehren, vielmehr bis aus Weiteres sin der Residenzstadt verweilen." dort im Aufmarsch begriffen, nachdem dasselbe die Gegend von Tranienau, Reichenberg und Olmütz geräumt und eine utibedeuiende Truppenjahl an der sächsischen Grenze aufgestellt hat. Hannover, 13. Juni, Abends 13 Uhr. Die Corps der Generale v. Falckenslein und v. Manteuffel haben sich vereinigt. Haiinöversche Truppen stehen in ansehu- lieber Stärke bei Göltingen. Hannover, 19. Juni. Das Corp» de? General v. Beyer ist nach sehr anstrengendem Marsche in Kassel eingerückt. Ratibor, 19. Juni, früh» Oesterreichische Truppen haben bei Guhrau die Grenze überschritten, und auf preußische Ulanen- Patrouillen Fener gegeben.— Auch dei Klingelbeutel wurde ein zur RecognoScirung vorge- schicktet Ulanen-Offizier auf preußischem Gebiet durch Debaite und nachdem 37 Mitglieder der Linken eine österreichische Hnsaren umzingelt und mit Karabiner Schüssen begrüßt. Der preußische Offizier wurde durch seine herbeieilenden Mannschasten schnell befreit. Starke österreichische Kolonnen nähern sich der Grenze. Dresden, 23 Juni, Mittags 12 Uhr. Die von dem preußischen Handelsministerium nach Sachsen abge- schickte Koniiiiission höherer Eisenbahn-Beamten hat heut den �Betrieb der sächsischen Staat«- Eisenbahnen, so wie die Kontrolle der Leipzig- Dresoener Privatdabn übet- München, 19. Juni. Die Königin von Sachsen! nommen. Die Auschlüsse nach Berlin, Erfurt sind wie »�1�.. r:«i.[ x Cl t rt*\ � i e i. i... i„... l, k• /. w... f. n.. 1 1«-««•* 1 1 s*...• � Ii»■ v. f.-»>». iind die königlich sächsische Familie beziehen heute die { Villa bei Regensburg Die Königin-Wittwe blieb in i Dresden. Prinz Karl wird sich morgen oder übermor- i gen ins Hauptquartier Bamberg begebe». (Tel. D. d. Karlsr. Ztg.) Stuttgart, 19. Juni, Nachmittag«. Würicmberg ruft seinei, Gesandten von Berlin zurück; der hiesige preußische Gesandte erhielt seine Pässe.(KarlSr. Z.) Die gestern Nachmittags 2 Uhr hier ausgegebe- »en„Amtlichen Nachrichten vom Kriegsschauplätze" sind folgende: der hergestellt.— Der früher« Fahrplan wird, soweit«» die militärischen Operationen gestatten, fortbestehen. Die Brücke bei Riesa wird in wenige» Tagen wieder fahrbar sein. Uebrigcn« haben auch die nicht ver- brannten Bogen der Brück- durch da« Feuer sehr gelit- ten»nd bedürsen sorgfältiger Ausbesserung»nd Unter- stüllnng. Vorläufig findet bei Riese der Trajekt per Kahn statt. Die Feldcisknbahn-Abtbeilnng der Armee des Gene« ral« v. Herwarth befindet sich ebenfalls in Dresden; die der Armee de« Prinzen Friedrich Karl war gestern bei ! Bautzen angekommen»nd halte die gestörte Strecke von Die Armeen des Prinzen Friedrich Carl und de« Görlitz an wieder fahrbar gemacht. Die Feldeiseubahn- Generals v. Herwarth haben sich am 18. bei Dresden; Abiheilung der Hauptarmee ist nach Kosel abgegangen. vereinigt und sind von dort nach der böhmischen Grenze Bis Abend« 8 Uhr, 23. Juni, sind vom Kriegsschau- weiter marschirt. Die sächsische Armee ist in Böhmen, platz keine neueren amtlichen Nachrichten eingetroffen. Auch in Hannover,»urhessen u. s. w. vereinigen sich« anaek,ind!.,t- v!Z.,!,t die preußischen Truppen, um in Süddeutschland einz». ven �.Lg rücke». Wie e« beißt, wollen sie Baden von dem Drucke an das p r e n ß 1 1 ch e Üolf ist noch am befreien, den die süddeutschen Regierungen auf diese« des 13 ten erschlenen und lautet wie folgt: üben, frei machen und von dort aus gegen Bayern ope- 1 An Mein Volk! riren. De» Bayern wird wohl die Lust vergehen, ihre In dem Augenblicke, wo Preußen« Heer zu einem ! Armee nach Böhiiien zu schicken. I» Oberschlesicn sind> entscheidenden Kampfe auszieht, drängt e« Mich, zu Mei- j die Oesterreicher am 18. eingerückt. i nein Volke, zu den Söhnen und Enkeln der tapsern Väter Feuilleton. Socialistisches aus China. China ringsum I Ein Raitenkönig verschlungener Zöpfe in der Diplomatie und Justiz, im Heerwesen wie in den Parlamenten, neunmal die Stirn ans den Boden schlagende Siyillbungen in Form von Adressen und Zei- tungsartikeln, Ehrenstieseln und DiSeiplinirungen, Mant- schu und Taiping«!„Nur da« Ehiiiesische führt zum Heil", rief eine Stimme in mir,„also chinesire dich bei Zeiten!" Und flug« griff ich zu des Missionar? Huc Reisen in China und las und las mit immer steigendem Erstaunen. Zwar, daß die Chinesen da« Pulver»nd das Porzellan, das Papier und den Compaß erfunden haben, war mir noch au« der Schule erinnerlich, aber daß sie seit Jahrhunderten die vollste Gcwerbesreiheit und Freizügigkeit besitzen, die unbeschränkteste Preß- und Asso- ciationssreihcit�), daß sie von keinem GenSd'armen nach einem Passe gefragt werden— das waren mir über- raschende, sehr bedenkliche Neuigkeiten. Ich sollte aber bald»och mehr in Staunen gerathen. „Im 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, erzählt Huc(Lmpi--o edinois, Vol. II., 68 ff.),„unter der Dynastie Song, bot da« chinesische Voll ein ganz ähnliche« Schauspiel, wie in den letzten Jahren Frankreich(und Europa überhaupt). Die großen und schwierigen Fragen der politischen und socialen Oeconomie beschäftigten alle Geister und spalteten alle Klassen der Gesellschaft. Eine ungeheure sociale Revolution wurde angestrebt, man ver- •) Ist in ei nein Lande, in welchem, wie in China, nur die geringe Zahl der Schriftgelehrteu, da« Volk i aber nickt, lesen kann, keine merkwürdige Erscheinung. Anm. o. Red.> nachlässtgle Industrie»nd Handel und trieb neue Polemik. Pamphlete, Libelle, Schristen aller Art wurden täglich unter das Volk geworfen und von diesem mit Heißhunger verschlungen, und die Maueranschläge, in deren Absassnng die Chinesen nn« Abendländern weit überlegen sind, spielten eine große Rolle. Da« Haupt der socialistischen oder Resormpartei war der berühmte Wang-ngnan-che, ein Mann von außer- ordentlichem Talent, der mehrere Regierungen durch da« Volt in Atbem hielt. Die Geschichlschrciber erzählen von ihm, daß er von der stkatur einen ungewöhnlichen Geist besaß, den er durch Studieu vervollständigte. Diese be- trieb er in seiner Jugend mit solchem Fleiß, daß er mit großer Auszeichnung nnter feinen Competenten den Doc« tvrgrad erhielt. Er sprach beredt und anmuthig und besaß da« Talent, wa« er vortrug, zur Geltung zu bringen und den»»bedeutendsten Dingen eine Wichtigkeit beizu- legen, wenn er diese in seinem Interesse anfgesaßt sehen wollte. Seine Sitten waren geregelt, seine äußere Er- scheinung die eine« Weisen. Da« waren seine gute» Eigenschaften. Im Uebrigen galt er al« ehrgeizig und verschmitzt, al« ein Mann, dem alle Mittel zum Zwecke recht waren, als ein verbissener Trotzkopf, wenn es daraus ankam, ein System oder eine Ansicht zu veriheidigen, die er angenommen wissen wollte, al« eitel aus sein eige- nes Verdienst; al« ein Mann, der nur da« achtete, was seinen Ideen und seiner Auffassung der Politik entsprach, als ein Mann endlich, der es sich zum Lebenszweck ge- macht Halle, die alten Institutionen von Grund aus zu zerstören und sie durch neue von seiner eigenen Ersindung zu ersetzen. Um diese? Ziel zu erreichen, hatte er sich der langen und peinlichen Arbeit unterzogen, die heiligen und klassischen Schriften zu erläutern im Geiste seiner Principien und ei» allgemeine« Wörterbuch adzusassen, in welchem er den verschiedenen Schristzeichen willkürlich einen Sinn beilegte, wie er ihn gerade brauchte. Die Geschichtsschreiber fügen zn dieser Skizze weiter hinzu, daß er unfähig gewesen fei, die Staatsangelegenheiten richtig zu behandeln, weil er nur allgemeine Legriffe vom Wesen der Regierung hatte und wohl au sich guten Maxime» folgte, diese aber ver Zeit und den Um- stäiiden anzupassen entweder nicht verstand oder verschmähte. Der Standpunkt unserer heutigen Realpolitiker datirt also au? alter Zeit. Wang-ngnan-che Halle verschiedene Perioden de» Triumpbe« und der Niederlage, während deren er alle seine Kraft einsetzte, um da« Reich zu organisiren oder vielmehr, wie der Missionar sagt, zu„revolutioniren". Unter dem Kaiser Chen Asiing, der ihm sein volle» Ber- trauen schenkte, war seine Macht fast nnbeschränkt, und Gerichtshöfe wie Verwaltung bald mit seineii Anhängern besetzt. Jetzt schien ihm der rechte Zeitpunkt gekommen zu sein, die alte Ordnung der Dinge über den Hansen zu werfen und sei» Syst™ eiuznfllbren, das von seineu Anhänger» ebenso enihnsiastisch gepriesen, wie von seinen Gegnern scha s und giftig angesochten wurde. Der surchtbarfte nnter diesen war Sse-ma-kwang, ein beiübmter Staatsmann und religiöser Beobachter der alten Gebräuche, für deren Erhallnng er„Gut und Blut einzusetzen" bereit war. Die Vorurlheil« de« Volkes kamen auch ihm dabei zu Hülse. Das Jahr 1369 war bezeichnet durch eine Reihe nationaler Unglücksfälle, durch Dürre, Erdbeben, Seuchen, und einer alten(sehr»nlo- gischen) Sitte geiiiäß, crsiichten die Eensoreu den Kaiser. sich zu prüfen, ob seiet Lebenswandel vvrwursssrei, in der Berwaltnng kein Mißbrauch abzustellen sei. Solche Mahnungen werden auch wobl htuizntaqe von den vom Volke gewählten Censoren gestellt, aber e? ist nicht ge- bränchlich, sie zu beachten. Kaiser Cben-tsung dagegen that da« und verzichtete auf Festlichkeiten in seinem Pa- laste, Musik, Promenaden und vielleicht sogar Paraden