Rr. 113. Berlin, Mittwoch den 27. Juni 1866. Zweiter Zahrgank,. SociaUDtmoKmt. Diese Zeimng krsckeint drei Mal wöchenilich �16611 llltllli" Redaction und Expedition- und zwar: Dienstags, Donnerstags und � O'''" Berlin, S-nn-dendS Abends. z�igirt von I. B. v. Hofstetten r..d Z. B. Schweitzer. Alte Jakobstraste Nr. 67. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich lb Sgr., mo- Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition» natlich 5 Sgr.» einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie.Zimmerstraßc 48», sowie ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- auck unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. land 12'/» Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. lüdd., st. 1. Ssterr. Jnser-ite(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespalten« Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Ärbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strasabonrg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Conr du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. Vortrag „Der Socialismus und das privateigenthum am Grund und Loden." (Fortsetzung.) Der Bebauer des ersten BodenS hat, ebenso wie der Bebauer des zweiten BodenS, durch Vcr- kauf von 50 Scheffeln zu 2 Thalern die erforder- lichen 100 Thalern eingenommen. Allein er hat überdies, da ja sein Acker jährlich 100 Scheffel trägt, 50 Scheffel übrig. Diese 50 Scheffel sind für ihn ein Reinertrag, welche er vor dem Bebauer des zweiten Bodens voraus hat, wobei sein Bortheil sich aus einem doppelten Ele- mentc zusammensetzt: indem er einmal, abgesehen von demjenigen, was er zu Markte bringen muß, um die Rückerstattung seiner Auslagen nebst den üblichen Kapitalgewinn zu finden, noch 50 weitere Scheffel zur Verfügung hat, und indem er ferner diese 50 weitere Scheffel nicht wie früher zu 1 Tha- ler den Scheffel, sondern zu 2 Thalern den Scheffel verkaufen kann. Gehen wir aber jetzt einen weiteren Schritt vorwärts! Unterstellen wir, die Bevölkerung habe abermals zugenommen, wiederuni seien weitere\!f bensmittel durchaus erforderlich und es müsse daher nochmals neuer Boden in Anbau genommen wer- den. Aller Boden von bester Ertragsfähigkeit, ebenso der Boden zweiter Klasse, wie man sich auS- drücken kann, ist bereits in Anbau genommen; man muß zum Boden dritter Klasse übergehen. Von dem Boden erster Klasse nahmen wir an, daß derselbe bei einer bestimmten BeHandlungsweise jährlich 100 Scheffel liefere; vom Boden zweiter Klasse, daß er bei derselben Behandlunzsweise jähr- lich 50 Scheffel trage; nehmen wir nunmehr an, daß der Boden dritter Klasse unter den gedachten Umständen jährlich 25 Scheffel abwerfe; denn ich wiederhole, es erleichtert das Verstänvniß, wenn man den Sachverhalt in runden, übersichtlichen Zahlen zur Darstellung bringt. Wir sagen also: von dem Boden dritter Klasse trägt ein Acker 25 Scheffel jährlich. Nun müssen aber 100 Thaler einkommen; denn wir haben an- genommen, daß bei der gedachten Bebauungsart gerade 100 Thaler nöthig sind, damit Einer bei dem üblichen Kapitalgewinn seine Rechnung finde. Die Bevölkerung ist also genöthigt, wenn sie wei- teres Getreide braucht, den Scheffel, statt wie bis- her mlt 2 Thalern, mit 4 Thalern zu bezahlen; denn nur wenn der Bebauer des dritten Bodens seine 25 Scheffel zu je 4 Thalern verkaufen kann, nimmt er die erforderlichen 100 Thaler ein, und nur, wenn diese 100 Thaler zu lösen sind, finden sich Leute, welche den Boden dritter Klasse in An- bau nehmen. Der Preis des Scheffels stellt sich also nunmehr, nachdem der Boden dritter Klasse in Anbau genommen ist, auf 4 Thaler. Wie ergeht es aber nun dem Bebauer des Bo- dens zweiter Klasse? Er hatte bisher für 50 Schef- fel 100 Thaler eingenommen; er nimmt jetzt, wo der Preis des Scheffels 4 Th. steht, diese 100 Tha- ler schon für 25 Scheffel ein; es verbleiben ihm also 25 Scheffel, wobei er den weiteren Vortheil hat, daß jeder dieser Scheffel noch einmal so viel Werth ist als früher; niit andern Worten: da er jeden dieser 25 Scheffel mit 4 Thalern verkaufen kann, so hat er einen Reingewinn von 100 Tha- lern vor dem Bebauer des Bodens dritter Klasse voraus. Wie nun aber steht es gar mit dem Bebauer des Bodens erster Klasse? Für ihn fiel schon ein Reingewinn ab, als der Boden zweiter Klasse in, Anbau genommen wurde; sein Gewinn wird sich ungemein erhöhen, jetzt, wo selbst der Boden dritter Klasse in Angriff genom- men werden mußte. Mit 25 Scheffeln, die er verkauft, sind die er- forderlichen 100 Thaler gedeckt; eS verbleiben ihm 75 Scheffel, welche, jeder zu 4 Thalern verkauft, ihm 300 Thaler Reingewinn bringen. M. H.! Was ich Ihnen eben auseinandergesetzt habe, war die Grundlage der Lehre von der Boden» rente, einer Lehre, welche durchaus nicht etwa eine focialistifche Erfindung ist, sondern welche im Ge- gentheil von den großen Meistern der politischen (Bcurgeois-)Oekonomie ergründet und aufgestellt wurde. Wenn wir den Boden in bestimmte Klassen ein- getheilt haben, so entspricht dies allerdings nicht genau der Wirklichkeit, sondern ist nur ein Mittel, sich den Sachverhalt in großen Zügen klar zu machen; aber dies ändert nickt das geringste an dem, worauf es ankommt. Es gilt nämlich nur, zu er- kennen, daß der Grund uud Boden eines Landes von verschiedener natürlicher Ertragsfähigkeit ist. Diese Unterschiedlichkeit der Ertragsfähigkeit be- steht darin, daß von einer bestimmten Anzahl von Aeckern, auf die man in ganz gleicher Weise Kapi- tal und Arbeit verwendet, kurz, die man in ganz gleicher Weise anbaut, der eine Acker so und so viel Ertrag liefert, der andere Acker weit mehr, wieder ein anderer weit weniger, ein dritter noch weniger wie dieser letztere u. dgl. m. Je-schlich- terer Boden nun in Anbau genommen werden muß, ein desto größerer Ueber- schuß an Naturalerzeugnissen fällt den Besitzern der besseren Bodenarten zu, ohne daß sie hierauf Auslagen oder Kapital zu vcrwen- den hätten, da ja alles verausgabte Kapital sammt dem üblichen Kapitalgewinn durch denjenigen Theil des Ertrages gedeckt wird, der dem Ertrage des schlechtesten, in Anbau befindlichen BodenS ent- spricht. Und jener Uebcrsckuß an Bodenproduction ist um so größer, je schlechterer Boden in Anbau genommen werden mußte. Hierzu tritt der weitere Vortheil für die Grundbesitzer, daß jene über- schüssigen Bodcnproducte auch noch mehr werth sind, als früher; daß sie immer um so mehr werth, je schlechterer Boden in Anbau genom- men werden mußte. Jener Gewinn für die Grundeigenlhümer nun, m. H.— diese„Bodenrente", welche größer oder geringer für alle Besitzer desjenigen Bodens ab- fällt, welcher besser ist, als der schlechteste in Anbau befindliche Boden— diese Bodenrente ist ein na- türliches Ergebniß des Privateigenthums am Grund und Bode» in Verbindung mit der freien Eon« currenz. Betrachten wir uns die Sache näher! (Fortsetzung folgt.) politischer Theil. Rundschau. Berlin, 25. Juni. Unter den„Nachrichten vom Kriegs schau» platze" in Deutschland ist wohl die interessan- teste: die auf preußische Veranlassung erfolgte Ent- fernung des Kurfürsten von Hessen aus seiner Residenz und dessen Escortirung nach Stettin. Vollkommen authentisch ist, daß der genannte Herr am Sonntag �z6 Uhr Abends hier eingetroffen und darauf, die Verbindungsbahn entlang, nach Stettin weiter gegangen. In seiner Begleitung befanden sich zwei preußische Offiziere. Das hes- fische Gefolge bestand aus drei Flügeladjutanten, dem Leibarzt, einem Hofbeamten und der entspre- chenden Dienerschaft. Was mit dem in Kassel ebenfalls in Beschlag genommenen Staats- und und dem kurfürstlichen Privatschatz, beides zufam- men gerücktSweise auf 17'/, Millionen angegeben, geschehen ist oder geschehen wird, darüber verlautet noch nichts. Ueber die Friedcnsbetingungen, die ihm auf Befehl des Königs von Preußen gestellt worden sein sollen, erfährt man Folgendes: ES wurden vier Forderungen gestellt: 1) Allianz mit Preußen; 2) Beitritt zur deutschen Vundesreform; 3) Entlassung des Ministeriums; 4) wirkliche AuS- führung der kurhessischen 1831er Verfassung.— WaS den König von Hannover betrifft, so weiß man noch nicht, was mit seiner Person be- gönnen werden wird. Die Capitulation der hau- noverschen Truppen ist aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem Augenblicke bereits vollzogen. Die drei Millionen, welche König Georg bei sich führen soll, dürften, falls sie sich wirklich vorfinden, wohl schwerlich freie Passage behalten.— Der künftige Norddeutsche Bund ist wohl als gesichert zu betrachten, denn die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Von den norddeutschen Staaten haben bereit« die beiden Mecklenburg, Oldenburg, Anhalt, die beiden Schwarzburg, Koburg-Golha, Altenburg, Reuß ältere Linie, Waldeck und Lippe flch vollständig, sowohl politisch wie militärisch, an Preußen angeschlossen. Braunschweig ist den politischen Resorm-Borschlägen Preußen« beige- treten und will die nöthigen Vorbereitungen für den Zu- sammentritt eine« deutschen Parlament« treffen, nur in militärischer Hinsicht wünscht es neutral zu bleiben, und hat dabei ausdrücklich versprochen, sich an keiner Aktion flepen Preußen zu betheiligen. Weimar, Meiningcn. Rcuß jüngere Linie»nd Schaumburzt-Lippe baben sich noch nicht entschieden. Bei Weimar wird schließlich wohl die Hinneigung zu Preuße» überwiegen. Meiningen hat es seit längerer Zeit schon mit Oesterreich gehalten, dort wird also der Entschluß schwer sein. WaS Reuß jüngerer Linie betriff!, so steht dies bekanntlich unter der Pcrmmidschast einer Fürstin, welche ihre eigenthllmlicken Wege zu gehen liebt. Die Hansestädte endlich können alS Welthandelsplätze ivohl eine gewisse Ausnahmsstellung beanspruchen: sür militärische Leistungen sind ihre Einrichtungen auch nicht sehr weil reichend, dagegen ist aber zu erwarten, daß sie sür die Herstellung einer deutschen Marine thatkrästigen Beistand gewähren werden. Für Sachsen, Hannover und Kurhessen, bereu Bevölkerung allein zu Rathe gezogen werden kann, sind an die Preuß. Cioilkoinniissarrien die Befehle er- gangen, die vorbereitenden Wahlen zum Parlamente in Angriff zu nehmen.— Bon den Hansestädten verlangt Preußen nickt die Mobilisirung der betref- sende» Kontingente als Borbedingung, sondern eine Betheiligung an der Herstellung einer Kriegsmarine. — Ein für die Bundeswirlhschafl characteristisches Factum, welches sich bei der Abstimmung über den jüngsten österreichische» Antrag zugetragens. meldete der„Preust. Slaatsanzeiger." Die„Köln.-Ztg." berichtet hierüber wie folgt: In der verhängnißvollen Sitzung des Bundestages vom 14. Juni hat sich das wahrhaft Unerhörte ereignet, daß die Abstimmung gefälscht wurde, da der lippe-schaum- burg'schc CabinclSrath v. Strauß für Oesterreich stimmte. obgleich er ander« instruirl war. Bon den sechs kleinen Staate», die er vertrat, hatten sich nur zwei für de» österreichischen Antrag ausgesprochen! Es ist von 1849 und 1850 im Gedächtnisse, daß Herr v. Strauß von Preußenhaß glüht, aber daß politischer Fanatismus einen sonst ehrenwerthe» Mann zu einem so surchlbare» Fre- del verleitete, ist ties zu beklagen. Der preußische„Staats- Anzeiger" schreibt:„Ueber die Abstimmung vom 14. d. in Frankfurt wegen Mobilisirung der Contingente der deutschen Staaten gegen Preußen, welche sür den Friede» Deutschlands s» unheilvoll qewordeu ist, geben wir noch Folgendes zur Charakteristik der bisherigen BundcSver. Hältnisse. Die 18. Stimme wurde in dem'bisherigen engeren Rathe de« Bundestage« von Schaninburg-Lippe, Lippe, den beide» Reuß. Waldeck und Liechtenstein ge- führt. Die Stimme dieser Curie wurde bekanntlich bei der enlsch-idenden Abstimmung sür den österreichischen Antrag am 14. d. abgegeben, indem der stimmsührende Gesandte, der sürstlich schaumburg-lippe'sche CabinetSratb Herr Victor v. Strauß, erklärte, daß zwar Lippe, Wal- deck und Reuß j. L. dem österreichischen Antrage nicht beistimmten, daß er aber die Stimme der Gesammt- Curie,*) wenngleich er nicht vollständig instruirl sei, sür den Autrag Oesterreichs abgeben müsse. Diese Erklärung läßt schon die ganze Unsicherheit im Bewußtsein de« Be- vollmächtigten der 16. Stimme über die Berechtigung zu dem von ihm abgegebenen Votum erkennen. Aber c» konnte die Annahme Platz greifen, daß die drei nicht genannten Glieder der Curie, nämlich Liechtenstein, Reuß älterer Linie und Schaumbnrg- Lippe, nach irgend welchem Abkommen sich gegen die drei an- deren Stimmen der Curie, also für den österreichischen Antrag bestimmt hätte». Nun geht aber dem königlichen Cabinel von der schaumburg-lippe'schen Regierung eine aintliche Note zu, in welcher die Erklärung sich befindet; „Ich beeile mich nunmehr, nachdem der BundcSbcschluß vom 14. d. M. gesaßr worden ist, Ew. Exellenz(Präst- den! de« StaatS-Ministeriums Graf v. BiSmack) ganz -rgebenst zu erwidern, �>aß sich die fürstliche Regierung bei diesem Beschlüsse rn keiner Weise betheiligt hat." Die angegebene Note ist von dem fürstlich schaumbnrg lippe'schen RegierungS-Präsidenten Hrn. v. Lauer unter- zeichnet. Da nun die Stimme der 16. Curie nicht bloß' ausschließlich von Lichtenstein»nd Reuß ä. L. geführt werden kann, so liegt hier, wie es scheint, eine Mandat- 1 fälschnng de« Herrn Victor v. Strauß vor. Die so ver- hängnißvolle Entscheidung der deutschen Regierungen am 14. d. M. hat von der 16. Curie abgehangen. Ohne jene Fälschnng wäre eine Stimmengleichheit vorhanden getoesen. Werden Braunschwcig und Nassau, welche gegen einander stimmten, nicht gezählt, so erklärte sich die Majorität der Regierungen gegen den Antrag Oester- reich«. und der Friede wäre noch heute in Deutschland ungestört. Jedenfalls zeigen diese Borgänge, mit welchen Mtitel» man die Politik am vormaligen Bundestage trieb, und dieser sich zu unterwerfen, wurde Preußen zu- gemuthet. Wir hege» die Zuversicht, daß Herr Victor v. Strauß, falls er überhaupt noch aus Frankfurt a. M. nach Bückeburg zurückkehrt, den fürstlichen Gerichten Rechenschaft über sein Verhalten bei der Abstimmung am 14. d. M. zu geben haben wird." Und die„?kordd. Allg. Ztg." schreibt- Bei der Abstimmung in Frankfurt a. M. am 14. d. M über die Mobilisirung der Truppen der deutschen Staaten gegen Preußen kam, wie bekanul, die Majorität durch eine Fälschung in der Stimmführung der 16. Kurie zu Stande. Jene Majorität, welche zur Sprengung des Bundes führte, ist also in illegaler Weise gewonnen, so *) Glieder der Curie sind- Lichtenstein Waldeck Reuß,»«n. Reuß, zun. Schaumbnrg Detmold Hesseu-HvmbuLg □ Meilen Einwohner 2,90 20,36 6.8 15 8,05 26,6 5 7,150 59,149 gegen 43,924 86,472 gegen 31,382 gegen 111,336 gegen 27,374 Oesterreich. Oesterreich. Oesterreich. Oesterreich. daß Oesterreich und seinen Verbündeten zur Rechtfertigung ihrer feindlichen Schritte gegen Preußen nicht einmal eine rechtsgültige Form de« gefaßten Beschlüsse« zur Seile steht. Daß ein durch Fälschung zu Stande gekommener Beschluß de« vormaligen Bundestages sür kein Mitglied desselben verbindlich sein kann, bedarf keines Beweises. Diejenigen deutschen Regierungen, welche zwar gegen jene» Beschluß stimmten, seitdem sich aber dennoch au Beralhungen der Feinde Preußens über kriegerische Maß- nahmen gegen den preußischen Staat betheiligen, werden sich nicht verhehlen können, daß ihre friedlichen Be- ziehnngen zu Preußen mit der Theilnahme an Verhandlungen zum Kriege gegen dasselbe im Widerspruch stehen. Nachstehend folgen die neuesten lelegraphischen Depeschen: Weiinar, 24. Juni. Sicherem Vernehme» nach hat das Berliner Kadinet in einer Depesche die preußischen Gesandten davon in Kenulniß gesetzt, daß von den uvrd- deutschen Staate» Oldenburg, Anhalt, Mecklenburg. Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzbnrg- Soudershausen, Sachsen- Loburg- Gotba, Altenburg, Waldeck und Lippe-Deimold aus dem frühe- ren deutschen Bunde ausgeschieden sind. Von anderen nvrddeulschen Regierungen stehe eine gleiche Entschließung demnächst bevor. Kassel, 24. Juni, Abend». General v. Beyer macht durch öffentlichen Anschlag bekannt, daß die hier verbrei- tele Nachricht, wonach die Kurhessen zum preußischen Militairdienst herangezogen werden sollen, auf böswilliger Erfindung beruhe. Durch einen anderen öffentlichen An- schlag wird bekannt gemacht, daß die durch den Krieg«. zustand verursachten Lasten durch Heranziehung der kur- sürstlichen Revenüen ausgeglichen werden sollen.— Gestern wurden hier 50 gefangene Hannoveraner ein- gebracht. Frankfurt a. M., 24. Juni, Abend«.(Aus>ndi- reclem Wege.) Hier eingegangene Nachrichte» melden, daß die Ueberschreitung des Mincio von Seiten der Italiener am 23. d. M. Morgens südlich von Roverbella bei Goito erfolgt ist. Hamburg, 24. Juni, Abends. Nach Berichren an» Kopenhagen ist am vergangenen Freitag die Verlobung des russischen Thronfolger« mit der Prinzessin Dagmar im Familienkreise gefeiert worden. Hannover, 24. Juni. Eine amtlich vorgenommene Aufnahme des den Preußen hiersclbst in die Hände ge- sallenen KriegSinvenlar« ergiebt: 60 Geschütze, 800 Wa- gen aller Art, 10-12,000 zum Theil neue Gewehre und Büchsen, 2000 Cenlner Pulver, PferdeauSrüstungen und ein vollständiger Birago'scher Brllckentrain. München, 25. Juni, Morgens. Der König ist heule Morgen ins Hauptquartier abgereist. Kassel, 24. Juni. Nachdem der letzte Versuch, den Kurfürsten zur Nachgiebigkeit zu bewegen, mißglückt ist, begab sich derselbe gestern Abend 8 Uhr unter preußischer Feuilleton. Arbeiter-Schule. Bon Hukav K. 3. Bilder au« dem Kapitalisteuleben. Bekanntlich hat Schulze in keine», Kapitel seine« fa- »ose»„Arbeiter". Katechismus so vielen Unsinn angebäust, >der, da die« sür Herrn Schulze ganz dasselbe ist,„gespart", >1« in demjenigen, worin er„daS Kapital" abhandelt. Zast auf jeder Seite giebt er dort andere Definitionen iesselben, von denen immer eine die andere aufhebt, eine »it ver andern im grellsten Widerspruche steht, die aber ämmtlich darauf hiuanszehen, durch Worlverdrehungen, Fälschungen ic. uns Alle, zur schnelleren und bequemsten üösung der socialen Frage, zu Capi, allsten umzugestalten. Zu diesem Zweck haust er den» Kaffee, Gewürz, »ei«. Zucker, Lohnfond, K-n»tnisse. Ersahrungen. Wil- enstrafl, Unternehmungsgeist k., Alle« bunt durchein- lnder auf. um diesen Dingen..unter Umständen" den Kamen Kapital beizulegen, unter Umständen, denn sast lberall sügt er zu seinen Erklärungen hinzu:„Für den Einen ist es Kapital- für den Andern nicht, aus den »weck... aus die Bestimmung kommt es an."„Die nigeführien Sätze, sagt Lassalle, sind nur ein s°rla-s-tz--S Wimmern und Heulen von Widersprüchen, ein Geheul ivie von hundert geprügelten Hunden.' Wo bleibt die Scham, Herr Schulze? Fühle» Sie nicht, sie unklarer Man», daß, wer vor dem Volke, vor den Arbeitern, als Volkslehrer austreten will, mindestens die dürftigste Lo- g-k*) sich zu eigen gemacht haben muß. Ich sage, die dürftigste Logik, weil Ihnen auch diese sehli. Genau dieselbe Entrüstung Ipricht sich in Lassall- S ») Logik- Denklehre. Wie Grammatik richtig sprechen, lehrt Logik richtig denken Worten bei Kritisirung der Schulze'schen Behauptung: „Kenntnisse und Erfahrungen, geistige Vorzüge und Au- lagen könnten gleichfalls den Kapitalien beigezählt wer- den," aus. „Es ist Ihnen die Achtung bekannt", ruft er bei dieser Gelegenheit dem„socialen König" zu,„welche der deutsche Arbeiter vor Geist und Kenntnissen hegt. Flug« müssen diese zu den Kapitalien gezählt werden." „Auch„eine große Entdeckung und Erfindung" kann von einem Kapitalisten vortheilhaft ausgebeutet werden, aber sie selbst ist— vielleicht erinnern Sie Sich z. B. des Schicksals Foulton's, de« großen Erfinders der Dampf- schifffahrt, der an seiner Erfindung zu Grunde ging— ebenso wenig ein„Kapital", als eine philosophische Idee Hegel« oder das Genie Göthe's." Lassalle bezieht sich also in seiner Widerlegung aus den Erfinder der Dampsfchifffahrt, auf Foulton. E« wird dem Leser gewiß willkomme» sein, von die- sei» Manne etwa» Nähere« zu erfahren, um jedoch auch zu zeigen, wie geistige Vorzüge, Talente, ebenso wenig Kapitalien genannt werden dürfen, al« Erfindungen, wollen wir zur Leidensgeschichte Foulton's noch die eine» anderen Manne« fügen, dem GeisteSvorzllge durchaus nicht abgesprochen werden können und der dennoch in Elend und Roth verkümmerte. FoultonS Bedeutung be- ginnt 1803, in welcher Zeit er mit einem Amerikaner Livingstone sich zur Erbauung eine« Dampfschiffes ver- band. Wiewohl ein solches wirklich vollendet wurde, blieben dennoch die Früchte dieser kostsp>el>gen Unternehmung au«, da alle Welt sich damals niil andern Dingen und der Einzige, dessen Einfluß de» beiden Unternehmern einige Erfolge hätte sichern können, Napoleon, sich zu sehr mit Erlangung der Kaiserkrone beschäftigte, um dieser Erfindung einige Aufmerksamkeit z» widme». Kurz, Foulion sab sich genöthigt, sür seine Unterneh- mungen ein neues Feld z» suchen. Er wählte dasselbe in Anierika, woselbst er in New-Uork mit Ausführung seiner Pläne begann. Da« Mißtraue», mit welchem man sein Beginnen betrachtete und zu dem sich oft genug Spott und Scha- denfrcude gesellte, war nicht.im Staude, den beharr- lichen Manu nieverzubeugeu. Trotz der Gleichgültigkeit, ja Verachtung de« Publi. kiiin«, trotz der Unglänbigkeit seiner Freunde, trotz der Spötteleien Unwissender, führte er sein Werk glücklich zu Ende. Eiiiige Freunde sollten die erste Probefahrt durch ihre Gegenwart verherrlichen. Sie thaten es ungern, den» keiner hoffte aus ein glückliches Gelingen diese« Ver- suche«, alle fürchteten, nicht Zeugen seine» Triumphe«. sondern seiner Beschämung zu werden. E« hatte Anfang« in der That ganz den Anschein, al« ob ihre trübe» Bermulhungeu in Erfüllung gehen sollten, denn nach einer kurze» Fahrt blieb das Dampf- bool zur Verzweiflung Foutlons und seiner Freunde uu beweglich stehen. Mau denke sich namentlich da« Mißvergnügen der Letzteren, deren Furcht vor dem Spott der Zuschauer bei weitem ihre sreundschastlichen Gefühle für Foultou überwog. Glücklicher Weise fand und be- seitigte indeß Foulton bald die Ursache jener Stockung und nun setzte das Boot ohne Verzug mit großer Schnelligkeit seine Fahrt fort. Schlag auf Schlag entivickelteu sich aus dieser Er- findung die wohlthäligsten Folgen für Amerika. „Die entlegensten Anfiedlungen der Vereinigten Staa- teu," erzählt Zimmermann,..wurden durch sie in nach- darliche Verbindung gebracht. Die Größe de« Miffis- sippi, Missouri, Ohio, des Arkansas, de« Red River und die hundert von den kleinen Nebeuflüffeu der mächtigen Canadifchen Seen und ihre Speifekauäle wurde» nach allen Richtungen hin befahren und hierdurch die Au- siedlung auf unglaubliche Weise erleichtert und beschleu- nigt. Ueber alle menschliche Berechnung hinaus, ge- wannen Zeit und Kapital an Werth, und dieielbeu wohlthätigeu Folgen lheilteu sich außer Amerika auch Europa und der ganzen civilisirlen Welt mit." Inmitten aber dieser großartigen Entwickelung