Nr. 116. Berlin, Mittwoch den 4. Juli l866. Zweiter Jahrgang. �Icmalunt. Diese Zeitung erickeinl drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabend« Abends. Organ der social- demokratischen Partei. Redizirt von Z. S. D. Hosstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnement?- Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich l5 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den tiönigl. preußischen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nirbtpreußischen Deutsch- land I2V« Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., fl. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auk der Expedition. von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genommen. Jnscrule sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstige» Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder:>ir. Lroster, 8. b-ittl« Xsvf-l'ort-Strest, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich:<1. Ä. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. politischer Cheil. Rundschau. Berlin, 3. Juli. Als das wiäuigste Ereignist auf dem Kriegs- sckauplatze in Böhmen ist die Bereinigung der beiden Armeen des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl in Folge des glücklichen Sturmes der preustischen Truppen auf Gllschin, zwischen Jo- sephstadl und Milnchengräy liegend, zu betrachten. Tie„Amti.'Nachr. v. Kriegsschauplatze" lauten wie folgt: Reichenberg, 1. Juli früh. Die Armee in Böb- men ist im siegreichen Fortschreiten. Die 5. und 3. Dr Vision haben am 29. Juni Gitschin inil Sturm genom- men.— Unsere Verluste sind nicht»»erheblich, da die Position de? Feindes eine sehr starke war. Ter rster- reichische Verlust wirb aus 4000 Mann geschätzt; noch immer treffen Züge von Gefangenen sein. Gitschin, 2. Juli. Heute Mittag ist der König b'erselbst anzekontmen und von dem Prinzen Friedrich Earl empfangen worden. Längo der Straße bis hier- her zeigen sich überall Spuren heißen Kampfes, der bis in die Stadt fortgesetzt worden ist. Der Feind ist in Unordnung unter dem Schutze der Nacht geflohen. Die Bravour der Truppen war unübertrefflich. Theile des Leibregiments schlugen wiederholte Eavallerieangriffe ab, ohne Earre zn sormiren. Da» Hauptquartier des Prinzen Friedrich Earl ist über Gitschin hinaus verlegt, die Verbindung der ersten und zweiten Armee ist vollständig hergestellt. Noch immer werden Gefangene eingebracht, deren Zahl schon über 5000 beträgt. Die Lesterreidnschen Regimenter Hannover, Ramming und Martini sind fast ganz, da« 18. Jägerbataillon bis zum letzten Maun auf- zeriebeii. Berlin, 2. Juli, Abends 8 Uhr. Verläßliche An- zeichen, die au« Böhmen berichtet werde», weisen daraus bin, daß der OberbesehlShaber der österreichischen Armee, General Benedek, in Folge der Auflösung de« Gablenz- schen Korps, wie de« Rückzuges der österreichischen und sächsischen Truppen sich genölbigl gesehen hat, die beab- sichtigteu Operation bei Gitschin aufzugeben, um sich i» einer weit er zurückgelegenen Stellung zu concentriren. In Betreff der Erbitterung, mit welcher der Krieg geführt wird, schreibt die„Rordd. Allg. Ztg.": Die amtlichen Nachrichten vom Kriegsschauplatz brach- ten mi« gestern, neben der frohen Siegesbotschaft au« Gitschin, eine ernste Kunde, der vielleicht maiichcr unse- rer Leser im Augenblick der freudigen Aufregung die Wichtigleit nicht geschenkt hat, welche sie verdient. Wir meinen die Nachricht, nach welcher die Ortschaften, durch welche die preußischen Truppen marschirten. von den Einw vbnern verlassen waren, wonach sogar in München- grätz, einer Stadl von 4000 Seelen mit bedeutendem industrielle» Verkehr nur noch 50 Bewohner vorgefunden wurden, während die Flüchtenden die Brunnen ver- schüttet und unbrauchbar gemacht hatten. Wer unsere preußischen Soldaten kennt— und wer sollte sie in Preußen nicht kennen— wird sein berechtigtes Erstaunen darüber nicht unterdrücken können, daß ihr Herrannahen bei den friedlichen Einwohnein, selbst der feindlichen Lande, eine solche Wirkung hervorbringen konnte. Dies wird hierauf näher ausgeführt, indem darauf hingewiesen wird, die preußische Armee sei � von allen Armeen am wenigsten zur Mißhandlung wehrloser Bevölkerungen geneigt, worauf der Ar- likel fortfährt: Wenn wir aber dennoch jene Vorkommnisse in Böh- men sehen, wenn wir nn« der Vorgänge in Traulena» erinnern, wo die Bewohner, wie es sich wirklich zu be- Wahrheiten scheint, die Waffen gegen die preußischen Truppen geführt haben, so können wir Jene« kaum auf eine unbegründete Furcht vor den preußischen Soldaten, Diese« nicht auf die Aufhetzereien der Wiener Zeitungen zurückführen; sondern wir müsse» un« sagen, daß die österreichische Regierung dielen Fanalismus bei ihrer Bevölkerung anfacht und nährt, und diesen Krieg, den sie durch ihre Kabincisvolttik provozirt und den wir preußischer Seil« mit unserer Armee auszusechlcn ge- dachte», in einen Volks- und einen Racenkrieg zu verwandeln sucht, bei dem man sich gegeuseilig erwürgt ohne einen Laut, ohne ein Wimpernzucken— zusrieden, zn sterben, wen« mau nur seiiiem Feinde da« gleiche Schicksal bereitet hat. Einem solchen Kriege scheinen wir entgegen zu gehen; jedenfalls haben wir uns darauf gefaßt zu mache». Weiter finden wir folgende Nachrichten: Berlin, l. Juli. Nach neueren hier eingetroffene» Berichten aus Lübau vom heuiigeu Tage sind die Er- gebnisse der dreitägigen Schlacht des 5. Korps noch be- rentend erhebsicher als bisher bekannt geworden. Am 27. stand bekanntlich das bezeichnete preußische Korp« im Kampfe gegen das 6. österreichische Korps Ramming. Ter Oberbefehlshaber des letzteren hat in einem aus- gefangenen Briefe, welcher nad, Josephstadt gerichtet irar, an den General Feldzengmeister Benedek die Bitte gerichtet, ibin zwei frische Brigaden zu schicken, unter deren Schutze er bivouakircn könne, und das Geständniß hinzugefügt, ani folgenden Tage nicht schlagen zu können. Die Kämpfe des 5. Korps am 28. und 29. gegen die Korps 8. Erzherzog Leopold und 4. Festetics sind von noch viel größerer Bedeutung. Das 10. öflerreichische Korps Gahlen; ist in den Waffengängen mit der preu- ßischen Garde völlig aufgelöst worden. Der Gesammt- Verlust des Feinde« ist auf 20 bis 28,000 Mann zu veranschlagen. Erbeutet wurden von den preußischen Truppen 20 Geschütze, fünf Fahnen und zwei Standarten. Au« dem Hauptquartier Mlln che»grätz, 28. Juni, Abends 10 Uhr, liegt folgender Bericht vor: „Die Aufgabe der Ärmce bestand sür heute darin, die Jserlinie zu überschreiten und in der Richtung auf Münchengrätz vorzudringen, eine Ausgabe, welche trotz der schwülen Hitze deS Tages, die den Truppen das Marschiren unendlich erschwerte, glücklich gelöst worden iü. Die Kaiserlichen suchlen das Vordringen der Armee zu hindern, wurden indeß überall zurückgewiesen. Um Münchengrätz, bei welchem Orte die Oesterreicher die Brücke verbrannt hatten, eiitspann sich gegen 9 Uhr ein heftiges Gefecht, an dem Infanterie und Artillerie Theil nahm. Die Wirkung unserer gezogenen Geschütze war eine sehr gute. Ein feindlicher Munitionskarren flog in die Lust, und unter dem Schutze de» Geschüyseuers gelang c«, bi« gegen Mittag eine neue Brücke zu schlagen. Die Oester- reicher benutzten auch heut das Terrain geschickt. So fuhren sie gegen 10 Uhr Vormittags aus einem steil zum Jserthale abfallenden Felsenplatcau unerwartet eine Bat- terie auf, die da« Vorbringen der Division Horn er- schwerte. Indem gelang es der Division Fransecky, sich diese« Plateau'« zu bemächtigen und nach einem Gefecht daS ! Dorf Bossiii zu nehmen. Auch heut haben die Oester- reicher ungleich größere Verluste gehabt al« wir. Die mistigen werden 150 Mann im Ganzen nicht Ubersteigen, wogeglii bis jetzt allein 1200 gefangene Oesterrei- cher eingebracht sind. Alle Ortschaften, die unsere Trup- pen Passiren, sind von den Einwohnern verlassen. In Münchengrätz, einer Stadt von vielleicht 4000 Einwohuern haben wir nicht 50 Personen votgesunde». Noch während unsere Truppen einrückten, flohen Fami- l:en mit aller Habe. Die Brunnen sind fast überall verschüttet imb verdorben. Unsere Truppen habe» über- all den besten Geist gezeigt. Die Truppemhei!■. die uns gegenüber standen, gehörten dem 1. österreichischen Koips, der Brigade Kalik und der Kavallerie- Division v. Edelsheim an. Auch Sachsen wurden uns gegenüber wahrgenommen." Um unseren Lesern auch eine Blumenlesc der österreichisch gefärbten Nachrichten und Depeschen zu geben, lassen wir naäislehende Sainmliing auS östcrretckischen resp. Frankfurter Zeitungen folgen. Krakau meldet am 27. Juni: Oswieczin, mit großer Uebermacht aiigegriffen, ist von unseren braven Truppen tapfer rerlheidigl und der Bahnhof wieder besetzt worden. Verluste sehr groß. Fünf Offiziere tobt. Josephstadt, 27. Juni, 8 Uhr Abend«.*) FZM. v. Benedek an se. Excellenz den Herrn Kriegsminister: Das am 26. zum Marsche von Opocno»ach Skalitz beorderte 6. Armeekorps wurde heute um 8>/s Morgens von de» auf den Höhen von Wisokowo und Wenzelsderg entwickelten Preuße» angegriffen. Nach J'/v ständigem hitzige» Kampfe erstürmte das 6. EorpS die genannten Höhen und war auf allen Punkten Sieger. Um Mittag erueuerlen die Preußen mit frischen über- legenen Kräften den Angriff, wurden jedoch durch das Feuer der Eorps-Geschützreserve zurückgewiesen und konnte da« 6. Armeecorvs unbehelligt vom Feinde seine ursprünglich beabsichtigte Aufstellung bei Skalitz erreichen. Krakau, 27. Juni, Abends. Die Preußen sind über die Weichsel zurück. Der Angriff auf Oswieczin wurde von ihnen unternommen mit 8 Fllsilier-Eompagnien, 3 Bataillonen Landwehr, einem Linien-Uhlanen Regimente und einer halben Batterie. Rittmeister Lehmann von Graf Grünne-Ublanen hat mit fünf Zügen Uhlanen das feindliche Regiment, welches den Rückzug bedrohcte, geworfen, und starb als Held; mit ihm fiele» Oberlieutenant Graf Lippe und Lientenant v. Schönberg. Die Haltung der Truppen war vortreff- lich, Artillerie bewnndernswerth. Der Verlust des Feindes sehr groß, der unsere 80 Mann, tarunter fünf Offiziere. Josephstadt, 28. Juni. sTelegr. d.„Presse".) Das gestrige Gefecht unseres 10. Armeecorps(FML. Baron Gablenz) bei Trautenau gegen da» preußische Corps de« GL. Boni» war vom besten Erfolg ge- krönt. Gablenz bat Trautenan gcnomnien und besetzt. Biel Verlust. Heule entwickelte sich ein großer Artillerie- kämpf vor Skalitz, welche« angezündet wurde. Beider- seilig wurde Entscheidendes vermieden. Gestern kämpsie bei Skalitz das 6.»nd eine Division nebst einer Eavallerie-Division de« 5. preußischen Ärmeecorps(FM?. Baro» Ramig). DaS preußische Gardecorps scheint aus Braunan vorzurücken. Prag, 28. Juni.(Telegr. d.„Presse") fAuigege- ben 9 Uhr 40 Min. Abends. s Ein Extrablatt der„P«' litik" meldet: Die Preußen rückte» von Turna», da» die > Oesterreicher geräumt hallen, nach Großskal vor.— Bei � Dauba wird seit Mittags gekämpft; beiderseitige Kano- iiate.— Im Kampf bei Münchengrätz sind die Preuße» an Zahl überlegen! Augenzeugen faden große Haufen lodler und verwundeter Preußen. Bei Aferbrücken wi< dersiefien die Oesterreicher Helden mllthigst. Endresultat unbekannt. Der Vormarsch der Preuße» bei Großskal wurde plötzlich abgebrochen. Prag, 28. Juni. den die Preußen, als sie Jicic besetzt halten, von der Kavallerie-Divisiou des Generals Ebelsheim angegrifsen. aus Jieie KinanSgewvrsen und gegen Turnan zurück- getrieben. In Folge dessen räumten die Preußen in der vergangenen Nacht Melnik, Dauba»nd Leipa. indem sie sich eiligst nach NiemeS zurückzogen. Der Verlust der Preußen durch den Angriff EdelöheimS ist enorm. Die strategische Operation der österreichischen Armee ist vollständig eriolgretch. Die beabsichtigte Vereinigung der Armee des Prinzen Friedrich Karl mit der schlesischen Armee ist hintertrieben. Der Verlust der Oesterreicher in den Kämpfen der letzten drei Tage wird annähernd auf 2000 Tobte und Verwundete geschätzt; der der Pren- ßen beträgt mindestens ebensoviel. Asch. 29. Juni. Die Bapern rücken nach Sachsen vor. Fra itksurt, 30. Juni. Man sah gestern den ganzen Tag mit fieberhafter Ungeduld dem offiziellen Bulletin BenedekS entgegen, au« welchem man endlich Näheres über die Treffen bei Miinchengiätz, Neustadt-Skalitz und Auschwitz zn erfahren hoffte. Da um Mittag ein etwas undeutliches und beunruhigendes Telegranim der„Post- Zeitung' eintraf, so stieg die Besorgniß und die Unklar- heil der Situation. Endlich kam den Abend das ojfi- zielle Bulletin Benedeks an den Kriegsminister, aus wel- cheni hervorging, daß die Treffen in der Gegend von Josephstadt und Skalitz, sowie das bei Auschwitz an der galizischen Kränze zwar für die österreichischen Waffen siegreich ausgefallen, dagegen da« Treffen bei München- grätz unentschieden geblieben sei. Zugleich war ans dem Lüllelin zu erfahren, daß die bisher gemeldeten Waffen- erfolge der Oesterreicher nur Vorbereitungen zn einem i großen Schlage gewesen sind, der ans den 28. oder 22. � erfolgen sollte. Ein heute morgen von Wien eingetroffe- ueS Telegramm meldet nun, daß dieser Schlag in der Thal am 28. geführt worden, und daß er mit gewalu ger Wucht aus da« Haupt der beklagenswerthen Werk- zeuge einer verblendeten, den Bestand der deutschen Na- lion gefahrdrobenden Politik geführt worden. Es scheint aus einer großen ifinie gekämpft worden und die Entscheidung da erfolgt zu sein, wo sich die Armeen des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl vereinigen sollten, um Böhmen in geschloffeneu Reihen zn überziehen. Diese Reihen sind durchbrochen, die Vereinigung der beiden Korps ist hintertrieben»nd der Operations plan Benedeks bat sich vollständig bewährt. Der Krön- plinz ist mit seiner Armee, von Gablenz vollständig ge- schlagen, ganz aus Böhmen hinausgeworfen und hat sich nach der schlesischen Festung Glatz bin zurückgezogen. Auch Prinz Friedrich Karl und sein Korps sind, wenn auch noch nicht ganz ans Böhmen geworfen, doch bis nach Nienies(nicht sehr weit von der böhmischen Kränze, südlich unterhalb Zittau) zurückgedrängt Die Einzeln- beiten dieser großen Kämpfe lassen sich noch nicht über- sehen, doch steht das Eine fest, daß mit surchlbarer Er- bitternng ans beiden Seiten gekämpft worden ist und daß die Verluste ganz enorm sind. Ueber das zweite Gefecht bei stfackov(Skalitz) ; am 28. Juni eutnehinen wir der ,.N. Pr. Z." noch folgenden Bericht: Skalitz, 30. Juni. Das 5. und eine Brigade des 0. Armeekorps hatten vorgestern hier blutige Arbeit. Der Feind, am 27. von den Höhen von Wisoky hierher ver- trieben, wurde kllb» angegriffen. Die Helden des vo- rigen Tages, die Westfalen vom 37. Regiment, hatten die Ebre des Anfangs; es war ein schwere« Werk, der , Feind war stark und brav und stundenlang stockte das inevr»nd mehr sich erweiternde Gefecht, es wurde zur Schlacht. Der österreichische General v. Ramming fübrte 3 Brigaden und 3 Jäger Bataillone nebst 2 Ka- vallerie-Regimentern und etwa 24 Geschütze in« Fener; es fochten unter Andenn die Regimenter: Gras Gondrecourt, Saloator. Prinz von Preußen, Erzher- zog Carl von Toskana, Ritter v. Frank(Kriegsmi- nister) und Den schmeister, ferner die Jäger-Bataillone 6, 17, 28»nd die Windischgrätz- Dragoner nebst den Ferdinand Kürassieren. Unsererseits halten das 37, 58., 7. lKönigs-Grenadiere) und 38. Regiment, so wie die 5. Jäger die ineiste Arbeit, das 6., 46. und 51. Regiment, so wie Dragoner und Ulanen nicht minder. Das Dorf Skalitz gerieth in Brand nnd wurde erobert. Bis dahin war der ganze Kamps ein Siegesmarsch für uns, aber ein langsamer nnd blutiger, namentlich am Eisenbahndamm und ans der Chaussee stauten sich die Massen und es kam zum wüthendsten Handgemenge. Der Feind versuchte zweinial sich durch Barrikadirungen daselbst zu hallen, aber vergeblich, eben so vergeblich sandle er seine Kavallerie gegen die preußischen Ba- tailloue und ebenso vergeblich griff er!flim Bajonnet; | ganze Rotten, so wie Generale, Stabs-Offiziere und Subaltern- Offiziere sanken nieder und die führerlosen Massen machten Kehrt oder wurden gefangen. Da« I Zllnonadelgewehr bewährte seine stannenswerrbe Ueber- l logenheit. Die österreichischen Batterien donnerten per- über; sie trafen schlecht, indeß selbst die wenigeu Treffer erzeugten große Verluste; unsere Geschütze blieben ihnen keine Antwort schnldig und wirkten verheerend; , nach Aussage der Gefangenen übrigens guizen auch viele niiserer Geschosse z» weit; am meisten Furcht hat- i ten sie vor den doch in der Luft playende» Granaten, die nur aus de» glatten 12pfündern kommen konnten. E-st gegen Abend war der Sieg glänzend errungen. Wohl au 4000 Gefangene sind gemacht, 8 Kanonen, 3 Äunitionswagen, 3 Fahnen erbeutet worden. An Tobten ließ der Feind nahe an 500, an Verwundeten wohl 7— 800 zurück. Allein theuer war der Preis; die Ge'angenen uud die Trophäen abgerechnet, wird unser Verlust nur wenig geringer sein, noch liegen Todte und Verwundete auf dem Schlachiselde. In Nachod ist bei- nahe jedes Haus ein Lazareth, dessen traurige Bestim- niiliig an einer weißen Fahne kenntlich ist. Der ziem- lich große Markt ist vollständig gefüllt mit Proviant- wagen und Pferden; rings uin die Kirche lagern auf Stroh Hunderle von verwundeten und gesunden Gefan- genen, an deren Fortschaffung man noch nicht hat denken können. In der Kirche und dem sehr hoch belegene», dem Fürsten von Schaumburg-tzippe gehörigen Schlosse liegen andere Hnnderle verwundeter Oeslerreicher. Die blessirten Feinde reden alle in Oesterreich existirenden ; Sprachen. Die preiißischeu Berwnndeien liegen meist in Wisokh und Nachod, doch auch noch einige in Skalitz, während die Leichtverwundeten bereits nach Reinerz uud Glatz dirigirt worden sind. Leider hat die Schlacht auch unsere Reiben gelichtet. Hunderte schlummern schon unter der Erde oder leiden in den Lazareihen. Einige Regimenter haben schwer gelitten, einzelne Kompaguieen haben bis zu 80 und 85 Mann eingebüßt, so z. B. i», 7. und 37. Regiment. Eine Meile weil rechts und links der Chanssee liegen gefallene Pferde und einzelne Men- scheu, überall zerstörtes Material und Vorrälhe. Die Zäune und die Gehöfte, die Bäume am Wege, die Hän- ser der verlassenen Dörfer selbst haben tüchtig gelitten, ein Kirchwäldchen vor Skalitz trägt noch die Spuren des verheerenden Kartälschseiiers, das durch feine Bäume dabingesabre» ist. Die Trümmer des halben Skalitz rauchen»och. General von Steinmetz setzt seine» SiegeSzng fort. Gestern ist er ans Gradlitz vorgerückt, uni sich daselbst mit den bei Traulenau vorgebrochenen Korps zu ver- einigen, während ihm beute da« 6. Korps folgt. Dabei hat sich vor Jaromierz das dritte Gefecht enlspoiinen; der Feind versuchte den Vormarsch des Generals vergeblich zzu verhindern und verlor abermals nach einem dreistündigen Gefechte, wobei in der Gegend von Josephstadt ein großer Brand entstand, 800 Gesangene, worunter auch einige Haller-Husaren.(Gradlitz liegt nordwestlich von Feuilleton. Zocitüc Lrirfr. in. Der weltumgestaltende Begriff; die Arbeit zu ihrem eigenen Unlernehinen zu machen, die Production mit der Consumtion zu einem einheitlich ge- gliederten Ganzen zn verbinden, erfordert ein Gesetz, welches, in seinen Grnndzllgen ausgestellt, dem Arbeiter nicht allein sein persönliche« Interesse dabei klar vor Auge» stellt— sondern ihm eben so die volle Ileberzen- gung giebt, daß ein solche« Gesetz nur durch Erlau- gnng des allgemeinen nnd directen Wahlrechts Zu Stande kommen kann. Auf diesem noch wenig betrelenen Psade aber weiter zu gehen— sich den Augen von Freunde» und Feinden gleich sehr auszusetzen, von den einen mißverstanden, von den anderen mißdeutet zu werden— das erfordert: sich selbst sehr klar darüber zu werten, ob der zu machende Schritt auch durch alle Umstände vollständig gerechtfer- tigt ist und zum Ziele führen wird. Angesichts der heutigen Zustände in der menschliche» Gesellschaft, in politischer, religiöser, in finanzieller Be< ziehung— bei dem fast sinnverwirrenden Kampf der Einzel- und Klaffen-Jnteressen unter einander, kann nur eine große welterschiitlernde Bewegung de« Ganzen den Moment herbeiführen, in welchem sich die Mensch- heir von jahrtausendlangem Druck und Gewohnheiten losmacht und neue Bahnen einschlägt, die aus dem Be- dürfniß ihres innerste» Wesens ruhen müssen, um zum Ziele zu führen. Damit aber der einmal gewiß eintretende große Mo- üienl nicht ein kleines Geschlecht finde, dürfte e« nicht °hne Nutzen sein, die Grundgedanken zu dem Entwurf! tines Gesetzes für die Arbeit— eines Gesetzes zur Be-; Handlung der Materie— mitzutheilen; es versteht sich von selbst, daß ein Einzelner nie dazu fähig sein wird, ein Gesetz zu versassen, welches von so ungeheurer Wich- tigkeit ist, als ein Gesetz für die Arbeit ein solches ist — doch kann der Gedanke eines Einzelnen oft zündend wirken und den großen Masse» da« Ziel klarer inachen, als jahrelange Dednetionen.— Hier sind wir an dem Punkte angelangt, wo die Frage brennt, wo der Kamps besteht. Die Wahrheit tritt immer gespenstisch in die Welt— jede Entdeckung in dem Gebiete des Zusammenhanges nnd Zusammenwirkens aller Dinge wurde nur von dem in ihrer ganzen Größe»nd Folgen erkannt, der sie machte, sie erfüllte ihn mit jenem hohen Bewußtsein der SiegeSgewißheit, über alle Bedenken nnd Hindernisse seiner Zeitgenossen, welche nicht fähig waren, sie zu be- greisen, hinweg zu schreiten, wenn auch Alle sie für ver- derblich erklärten, deren Interessen sie störte. IV. Die Form zu finden, wenn auch das Wesen erkannt ist, das ist die Schwierigkeit. Betrachten wir die heu- tigen auf Einzel-Erwerb und Besitz und dadurch auf gegenseitige Ausbeutung beruhenden gesellschaftlichen Zustände, so gewabren wir, wie sie sich vom Begriffe de? Ganzen bis in'e kleinste nach diesem Gesetz geord- nel haben und für die Heiligkeit dieser bestehenden Ord- nung Alles in Anspruch nehme».— Es ist wirklich oft lächerlich und zuweilen auch sehr betrübend z» gewahren, daß selbst Geister, die sich mit der joeialen Frage befassen, welche säbig sind, ihr aus deni Gebiete, welches sie bis heute erobert haben— und das ist das Ge- biet der verbundenen Wissenschaften— zu sol- gen— alSdano, wo das Licht in der Dunkelbeit aushört zu leuchte»— sich nicht mehr zurechl finden können und endlich nur die stkamen der historisch bekannt gewordenen Größen in der Frage, als Fourier, Proudhon, St. Si- mon, Lassalle, Schulze u. s. w., bunt durch einander werfen, um zu beweise», daß Alles bisher zu Nichts j geführt hat und deßhalb auch zu Nichts führen wird. „Und doch bewegt sie sich," sagte Galilei, uud auch die soeiale Lehre wächst und klärt sich.— Es hat der Dampf in der Welt so lange existirt, als das Feuer zum Kochen des Wassers benutzt wird'. Salomon de Canx, als er die ihm auffallende Kraft de« Dampfes beobachtet hatte und sie pracllsch verwenden wollte, al« er behauptete, dadurch Maschinen herstelle» zu können, welche Schiffe und Lasten bewegen sollten, wurde er al« wahnsinnig in ei» Irrenhaus gesperrt. Und j erst, als nach ihm James Wall die Dampsmaschine er- fand und Stephensou seine Dainpswage» aus eiserne Schienen stellte— da erst wurde die Entdeckung der Kraft des Dampfes für die menschliche Thätigkeu nutz- und dienstbar, und von den Millionen Menschen, die i heule in allen ihu» Verhältnissen dadurch berührt und bestimmt werde», haben nur wenige eine Ahnung davon, daß die allen Revolutionen und Leistungen des Dam'. pses zu Grunde liegende Idee im Ansang auch nur die Bemerkung eine« Einzelnen, die Entdeckung eines Naturgesetze« war. So wird auch einst der praktische Grundgedanke Lassalle's— das humanistische Grundgesetz für die mensch- liche Thätigkeit; die Arbeit zu ihrem eigenen Un- t er nehmen zu machen— in der menschlichen Ge- seUseöast wirken und durch diese Wahrheil, dieses Gesetz, dieses von ihm zuerst erkannte und aufgestellte Axiom für die weiten Bestrebungen unserer Zeit unterscheidet sich Lassalle von allen Anderen, die vor und mit ihm I über die Ärbeitersrage gedacht und geschrieben haben. Ausgehend von diesem großen Gesetze wollen wir im nächsten Briese die Grundgedanken zu einem Gesetze für die Arbeit mittheilen, wie sie sich folgerecht von selbst ergeben und selbst mit unseren heutigen politischen Zu- stände» bestehen können.— (Fortsetzung folgt.)