Nr. 118. Berlin, Sonntag den 8. Juli 1866. Zweiter Zchrgaag. Zocial-Dtmokwt. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar- Dienstag«, Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social-demokratischcn Partei. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 15 Sgr., tno» natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- ämtcrn 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land I2t/s Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Exprcß-Eompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Wüßten wir nickt aus son- stigen Berichten, daß die Armee de« Kaiserstaats mit äußerster Hartnäckigkeit in der Schlacht bei Königgrätz sich gegen das siegende Preußen ge- wehrt— jene eine Thatsache würde genügen, uns diese Hartnäckigkeit erkennen zu lassen. Und wie sollt es auch anders sein! In den Herrschern und ihren Armeen lebt der dynastische Geist, der Geist dynastischer Tradition. Und was könnte demüthigender, im innersten Nerv verletzen- der sein für das alte Kaiserhaus, als unter Preu- ßen gebeugt zu werden— unter Preußen, den Parvenü in Deutschland. Die Schlacht von Königgrätz hat schnell ge- wirkt: das Haus Habsburg hat nicht gezaudert, eine Jahrhunderte alte Tradition in Italien dem Na- poleoniden zu Füßen zu legen, nur um Preußen, das über Alles verhaßte Preußen mit allen Mit- teln niederzuhalten. Mit allen Mitteln: selbst mit dem Mittel des Berrathes an Deutschland. Benetien ist an den Kaiser von Frankreich ab- getreten— wer möchte zweifeln, daß dies das erste Anzeichen eines Einverständnisses zwischen Oesterreich und Frankreich ist? Man ist in Preußen über diese Jntrizue des geschlagenen Oesterreichs vielfach erschrocken, aber hoffentlich mit Unrecht. Von dem Augenblicke an, wo Oesterreich mit Frankreich Hand in Hand geht, von diesem Augen- blicke an ist kein Unterschied mehr zwischen der Sache Preußens und der SacheDeutsch- lands. Der mittel- und kleinstaatliche ParticularismuS, diese kläglichste aller Erscheinungen, hat sich bisher verdeckt und verhüllt unter dem Scheine eines schwarzrothgoldenen Patriotismus. Viele, ohne Zweifel, haben in ehrlicher Verblendung in das particularistische Geschrei mit eingestimmt. Aber nahe ist vielleicht die Zeit, wo es sich un- zweideutig vor aller Welt erproben muß, wo Par- ticularismuS und wo Patriotismus ist. Wenn Preußen von Frankreich bedroht wird, so muß eine Volksbewegung durch ganz Deutschland gegen die Alliirten Frank- reickS, gegen Habsburg und seinen An- hang sich erheben— eine Volksbewegung von unwiderstehlicher Gewalt, oder das deutsche Volk ist nicht werth, eine selbstständige Nation zu sei«. Aber verzweifeln wir nicht am Geiste und an der Kraft der Nation! Krüppel müßten wir sein von der Nordsee bis zur Adria, wenn wir Ange- sichts einer drohenden französischen Invasion den Habsburgischen Schlichen und der mittel- und kleinstaatlichen Pygmäenwirthschaft kein Ende zu machen wüßten. Eine entscheidende Volksbewegung bei einer Be- drohung deutschen Landes durch Frankreick, eine entscheidende Volksbewegung gegen die Verrälher an der Nation wird kommen, muß kommen. Aber freilich, eine Volksbewegung, die vor Allem von der preußischen Regierung eine Sicherstcllung der ewigen und unveräußerlichen Rechte des Vol- kes, insbesondere die Einführung des allgemeinen Stimmrechts verlangt. Will die preußische Re- gierung in einem gereckten Kampfe gegen das ver- einte Oesterreich und Frankreich die Hülfe des deutschen Volkes, so erkenne sie auch, was sie die- fem deutschen Volke schuldet. Lassen wir inzwischen die Erzherzöge Oesterreichs um die verlorene Ehre des Hauses Habsburg bluten — die Zeit, wo österreichische Erzherzöge für Deutsch- land bluteten, ist vorüber.— politischer Theil. Rundschau. Berlin, 5. Juli. Mit der Scklackt bei Königgrätz ist ein ent- s ch e i d e n d e r W e n d e p u n k t des österreichijch-preu- ßischcn Krieges eingetreten. Der Kaiser von Oe- sterreick hat' die Vermittelung Louis Napoleons auf Grundlage des Briefes des Letzteren an Drouyn de Lhuys in Anspruch genommen und zum Pfände dessen sofort Venetien an den Kaiser der Fran- zosen abgetreten. Napoleon hat die Bermitte- lung natürlich sofort übernommen und bemüht sich vorerst einen Waffenstillstand zu Stande zu bringen. Zu gleichem Zwecke hat sich bereits General v. Gablenz in das preußische Hauptquartier be- geben. Damit wären denn die politischen Ver- Hältnisse Deutschlands wieder einmal reif, um, worauf wir schon nach einer Notiz der ofsiciösen „Russischen Correspondenz" hindeuteten, durch die Intervention deS europäischen Imperators enlschie- den zu werden. Die bezeichnete Stelle jenes Brie- fes aber lautet: Wir hätten, was un« betrifft, für die Nebenstaaten be» deutschen Bundes eine engere Vereinigung, eine mächligere Organisirung, eine bedeutsamere Rolle ge- wünscht; für Preußen mehr Homogencität und Kraft im Norden, für Oesterreich die Ausrechlhaltung sei- ner einflußreichen Stellung in Deutschland. Hr. v. Bismarck hat in seiner bisherigen Po- litik unleugbare Erfolge erzielt. Oesterreich ist ge- schlagen und die Fortschrittspartei hat in der letzten Wahlschlacht eine Niederlage erlitten, von deren Größe sie sich nicht hatte träumen lassen. Jetzt naht sich aber auch für ihn die Entscheidung, in der es gilt, aus den sick> durchkreuzenden Interessen der deutschen Dynastieen und Völker sowie der übri- gen europäischen Mächte die Früchte der vergösse- neu Ströme Blutes zu erndten. Vorerst bemerkt die„Nordd. Allg. Ztg." zu den österreichischen VermittelungSanträgen Folgendes: Daß wir nicht den Krieg nur zu dem Zweck führen konnten, um für Italien Venelten zu erobern, wird uns selbst diejenige Nation zugestehen müssen, welche so groß- herzig war, einen Krieg für die Idee de« einheitlichen Jtalisus zu führen, als dieses noch zu schwach war, diese Idee selbst auszusühren. Wir aber haben den Krieg zu- erst gegen die Bedrohungen Oesterreichs und dann für die deutsche Einheit geführt. Al« da« Ziel un- sereS Kampfe« blieb un« für den ersten Fall: Die Ga- rantie, daß Oesterreich nicht wieder in die Lage komme, den Frieden Deutschlands und den Frieden Europa'« nach Belieben zu erschüttern. Für den zweiten Fall: Die Einheit Deutschand« im Gegensatz zu dem blShe- rigen Dualismus, und diese Einheit natürlich unter Führung desjenigen Staate«, der von den beiden beut- schen Mächten im Stande ist, dieser Einheit vorzustehen. Die Schlachtfelder in Böhmen geben Zeugniß davon, welches dieser Staat ist. Die„Köln. Ztg." läßt sich von ihrem Com- spondenten aus Paris hierzu schreiben, daß Hinsicht- lich der Haltung des Florentiner Kabinets zu den VermittlungSvorschlägen zu großer Beruhigung ge- reichen muß, daß Italien kurz vor Ausbruch des Krieges Venetien schon hätte erlangen können, wenn eS seiner Zusagen gegen Preußen hätte untren werden wollen. Bis zur Stunde scheint weder der König von Preußen noch Victor Emanuel auf den französischen Waffen- slillstandsvorschlag geantwortet zu haben. Da- gegen ist der vom österreichischen Befehls- Hader als Parlamentair zur Unterhand- lung über einen Waffenstillstand in das preußische Lager gesandte Feldmarschall- Lieutenant v. Gablenz abgewiesen worden. Ueber die Schlackt bei Königgrätz liegen bis jetzt nachstehende Nachrichten vor: Nach amtlichen Ermittelungen ist bisher festgestellt, daß 13- bis 20,000 Gefangene, 120 Geschütze und 3 t ahnen erbeutet sind. Es war vorher bestimmt, den ruppen, die in ununlerbrocheuer Folge an Märschen und Kämpfen so viel geleistet hatten, endlich eine kurze Rast zu gönnen. Erst am 2. Abends, als die von ver« schiedenen Seilen bestätigte Nachricht eintraf, daß iw Laufe des Tage« bedeutende feindliche Massen sich zw»- schen Josephstadt und Königgrätz, aber diesseits der Elbe bewegt hätten, wurde der Entschluß gefaßt, dem Feinde sofort die Schlacht anzubieten. Die letzten An- ordnungen konnten erst um Mitternacht getroffen sei»/ und doch begannen die beiden preußischen Armeen schnN um 2 Uhr Nachts ihre Bewegungen, und zwischen' und 8 Uhr wurde in Gegenwart des König« bereits der erste Schuß abgefeuert, und zwar vom 2. Armee-Korp*- Volle fünf Stunden hindurch kämpfte die Armee de« Prinzen Friedrich Karl bei Sadowa, gegen den in einer starken Stellung und mit äußerster Hartnäckigkeit st� wehrenden Feind. Al« endlich aus die beiden seindltche Flanken, durch die Armee de« Kronprinzen link« von der Elbe, durch die Truppen des Generals v. Herwm� rechts, ein entscheideuder Angriff erfolgte, mit welchem gleichzeilig ein neuer Stoß im Seutvun: bei«adowa� unlerstlltzl burcb bic unter den Klängen des„Heil Tir im Siegerlranz" vorrückende Brigade de« Leib- und 48. Regiments, nachdrücklich auSgestlbrt wurde, da mußte der Feind sich zum Rückzüge entschließen. Da« Artille- tiefeuet wurde schwächer; bic Kavallerie begann ihr Tagewerk. E« war die« gegen 2 Uhr. Da« Garde- Korp«, von der Armee de« Kronprinzen, stieß vorwärts Sadpwa mit den Truppen der ersten Armee auf dem Schlachtselde zusammen. Die Vertreibung des Feinde« von Position zu Position und die energische Verfolgung desselben durch die Kavallerie, unter Führung Sr. Majestät des Königs, machte den errungenen Sieg voll- ständig. Unter den Gefallenen befindet sich der prenß. General Hiller v. Gärtringen. In Wien traf am 4. Juli, Nachmittags, folgendes Telegramm an den Kaiser ein: Hoheninanth, 4. Juli, 3 Uhr Morgens. Nach mehr als sllnsstündigem, brillantem Kampfe der ganzen Armee und der Sachsen in theilweise verschanzter Stellung von Königgrätz, mit dem Eentrum in peipa, gelang es den Feinden, sich unbemerkt in Ehlnrn(Chlom) festzusetzen. Das Regenwetter hielt den Pnlverdampf am Boden, so daß er eine bestimmte Aussicht nuniög- lieb ma-ble. Hierdurch gelang es dem Gegner, bei Ghlum in unsere Stellung vorzudringen. Plötzlich und nnver- muthet in Flanke und Rücken hestig beschossen, wankten die nächsten Truppen, und ungeachtet aller Anstrengungen konnte es nicht gelingen, dem Rückzüge Einhalt zu thnn. Derselbe ging Anfangs langsam vor sich, nahm jedoch an Eile zu, je mebr der Feind drängle, bis sich Alles über die Kriegsbrllcken der Elbe, sowie»ach Pardubitz zurückzog; der Verlust ist noch nicht zu übersehen, ist aber gewiß sehr bedeutend. In Wien selbst scheint man die Ursache der Nieder- läge großentheils einer mangelhaften Leitung zuzuschreiben, denn die„Wiener Abendpost" spricht bereit« von 'Bestrafung derjenigen Personen, denen ein specielleS Verschulden zur Last fällt. Schon am 4. Juli wurde der„Köln. Ztg." ans Wie» geschrieben, daß es dort als eine feststehende Thatsache gelte, daß der General der Kavallerie und Geh. Rath Graf Elam-Gallas, so wie Barou Henifstein, Chef de« Generalstabes, ferner Major KriSmanig, Ehef der Operations-Kanzlei, vor das Kriegs- gericht gestellt werden sollen. Der„St.-A." bringt folgende Skizze der Er- eignissc auf dem böhmischen KriegStbeater während der Zeit vom 26. Juni bis zum 4. Juli: Am 26. Juni trafen die Spitzen der ersten Armee unter dem Cftetbefehl Sr. königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl an der Jser ein, vertrieben nach kurzem Gefecht bei Sichrow die feindliche Arriöregarde und Überschritten bei Turnan die Jser. Abends 8 Uhr entspann sich ein hartnäckiges Gefecht um den Besitz de« Dotses Podol an der Jser. Räch vierstündigem Gefecht wurden die Oesterreicher(Brigade Poschacher) geworfen, ließen Über 500 Gefangene in unseren Händen und verloren eine mindesten« gleiche Zahl Tobte und Verwundete. Am 27. bestand General Herwarth von Bittenseld mit seiner, Avantgarde ein glückliches Gefecht bei Hühner- Wasser. Am 28. gingen die erste Armee und General Hetwarth gegen Mllnchengrätz vor. Gegenüber stand das l. österreichische Korps(Elant Galla«), die Brigade Kalik und die sächsische Armee. Der Feind wurde ge- werfen und ließ 1400 Gefangene in unseren Händen. Am 29. rückte die Armee gegen Gitschin(Jisin) vor. In den Nachmittagsstnnden gegen 5 und 6 Uhr stießen die auf verschiedenen Straßen marschiteendeu Divisionen Tümpling und Werder auf den Feind, welcher in starken Stellungen gegenüberstand. Er wurde sofort angegriffen, war mit anbrechender Nacht geschlagen und zog sich unter dem Schutze der Nacht in � Unordnung durch Gitschin zurück, welches um 11 Uhr Abend« unsere Truppen de- setzten. An diesem Tage hatte den preußischen Truppen das ganze erste Korps, außerdem die Brigade Kalik und die sächsische Armee gegenüber gestanden. Die österrei- chischen Verluste an Gefangenen waren sehr bedeutend, eben so an Tobten und Blessirten. Auf preußischer Seite befindet sich unter den Blessirten General v. Tümp- ling. Der Kamps war heiß; wiederholt schlugen Theile des Leih-Regiments Kavallerie- Attaquen ab, und zwar in Linie deplvyirt, ohne KarrS zu formiren. Die Zahl der Gefangenen betrug in diesen letzten Tagen Über öOOO. Das Hauptquartier der 1. Armee wurde daraus über Gitschin hinansverlegt. Die Verbindung mit der 2. Armee war seit dem 1. Juli vollständig hergestellt. Die 2. Armee irtter dem Oberbefehl Sr. königl. Hoheit des Kronprinzen hat während derselben Tage ebenfalls siegreiche Gefechte geliefert. Am 27. v. M. schlug das fünfte preußische Armee-Korps bei Nachod da« öfter- reichische Korps Ramming, nahm 2 Standarte», 1 Fabne, "Kanonen und 5000 Gefangene; am 28. Juni griff General Steinmetz mit seinem Korps wiederum an und lchlug bei Skalitz das Korps Erzherzog Leopold nebst drei Brigaden des Korps Festetic« völlig, wobei et 2 ö'hntn, 8 Geschütze und 3000 Gefangene erbeutete. Am, 29. Juni schlug dasselbe 5. Armeekorps ans dem Marsche nach Könizinhoj ein frisches ihm gegenübergestelltes öfter- reichisches Korps, welche« die Vereinigung des 5. und des Gardekorps verhindern wollte. Van den übrigen Kolonnen der 2. Armee schlug am 28. auch daS Garde- korps, gleichzeitig mit dem erwäbnten Gefecht de« Generals von Steinmetz, das Korps des Generals von Gab- lenz bei Trantenau nach hartem Kampfe in die Flucht, wobei 2 Fahnen und 8 Geschütze erbeutet und 5000 Ge- fangene gemacht wurden. Dadurch wurde dem 1. Armee- korps(Boitin), welches am Tage vorher ans seinem Vor- Marsche gegen Trantenau nicht ohne erhebliche Verluste durch da« Gablenz'sche Korps aufgehalten worden war, der weitere Vormarsch ermöglicht. Am 29. wurde die feindliche Arriöregarde an« Königshof vertrieben und daS Hauptquartier Sr. Königlichen Hoheit de« Krön- Prinzen am 1 Juli nach PranSnitz verlegt. In den Kämpfen dieser Tage fanden wiederholt glückliche Ka- vallerie-Gefechte statt, wobei sich besonder« da« 8. Dra- goner und I. Ulanen- Regiment aiiSzeichiieten und den Beweis der Ueberlegenheit der preußischen Kavallerie Über die österreichische lieferten. Durch die Bewegungen beider Armeen war am 29. Jnni die Vereinigung der gesamm- ten preußischen Streitkräfte in Böhmen bewirkt, und war iiiiii bei der Nähe der österreichischen Armee, die nach den für sie unglücklichen Gefechten der letzten Tage unter Heranziehung der gegen Prag hin gestandenen Theile des 1. Korps und der Sachsen sich bei Königgrätz kon- zentrirte, ein entscheidender Zusainmenstoß der Haupt- kräste jeden Tag zu vermuthen. Nachdem am 30. Abends noch von einer Brigade des Gardekorps(1. Garde-Re- giment und Garde> Füsiliere) eine österreichische Brigade überfallen»nd derselbe» eine Fahne und 250 Gefangene abgenommen worden, erfolgte am 3. Juli der Zusammeu- stoß der beiden Armeen� bei Königgrätz. Die österei- chische Armee halte eine Stellung hinter der Bistritz ein- genommen, ans der sie von den Preußen nach einem Kampfe von 6 Uhr früh bis gegen 2 Uhr hinausgewor- fen wurde. Die Verfolgung dauerte bis in die Nacht und da« Resultat des Tages war ein vollkommener Sieg, dessen Resultate bis heute nicht in ihrer Vollständigkeit zn übersehen sind. Für den Augenblick sind 120 Ge- schütze, 18,000 unverwnndete Gefangene und viele Tro- phäen die Früchte des blutige» Sieges. In Süddeutsch Und fängt, nach dem„Frkf. Jonrn."' die bisherige Haltung Bayerns in dem deut'cheu Bundes- kriege nach und naeb an, ernstliche Besorgnisse in den Gemüthern wachzurufen. Besonders findet man e« geradezu räthsclhast, wie die bayerischen Truppen, die sich wenigstens eine Woche lang in fast- unmittelbarer Nähe der hannoverschen Armee befanden, nicht Alles daran setzten, diese tapfere Schaar vor schmählichem Untergang zu retten. Auch der Stillstand der Operationen der bayerischeil Armeen an der böhmischen Grenze erscheint dem in die Geheimnisse der Strategie nicht eingeweihten Laien»iibegreislich. Das Publikum beginnt, sich gewisser Unterhandlungen wieder zu erinnern, die vsr Ausbruch des Kriege«, als Bayern noch eine Art Vermittlerrolle spielte, zwischen Preußen und Bayern im Gange waren und bei denen auf die Neutralität Bayerns ein hoher Preis gesetzt war. Dagegen bemerkt die„A. A. Z." zur Eulschul- digung, das; das achte Bundescorps in vollständiger Nichlbereilschaft zum Krieg von den Ereignissen überrascht wurde, was lähmend auf die Aciiou des bayrischen Heeres zurückwirkt. Gleichwohl wild das Zaudersystem des Prinzen Alexander v. Hessen, dessen Armee mit Zurechnung von etwa 12,000 Oesterreichern und einer Anzahl fturhessen auf 65- bis 75,000 Mann geschätzt wird und bei Wetterau steht, fortwährend bespöttelt und getadelt. Bald hört man, es fehle an Schuhen, bald wird gesagt, die schwarz-roth-goldeuen Armbinden, um deren All- fertigung Prinz Alexander die Frankfurter Damen- weit gebeten, seien noch nicht vollständig geliefert. Doch scheint die preußische Armee diesem Zander- system jetzt energisch ein Ende machen zu wollen. AuS Eisenach wird vom 5. Juli gemeldet: Nach hier eingetroffenen Meldungen sehr heftige« Gefecht bei Dermbach zwischen Preu- ßen»nd Bayern. Dermbach von preußischen. Truppen stark besetzt. Die Bayern sind zurückgewichen. Kampf sehr lebhaft, viele Berwnn- bete. Ebenso geht aus Kassel vom 6. Juli die Nach- richt ein: Die Division Goeben hat ein siegreich e s Gefecht gegen dieBayern bei Geysa(im Gro ß- herzogthnme Weimar, Kreis Eisenach) bestan- den und acht Positionen derselben genommen. DieBrigade Wrangel hat stark gelitten. Oberst- Lieutenant v. Gontard undMajorRüstow sind lodt. 500 Verwundete liegen in Salznngen.! Die Preußen dringen Überall siegreich vor. j Es steht jeyt auch eine Kriegserklärung gegen Würtemberg bevor, weil würtembergische Truppen die hohen zollernschen Herzoglhümer besetzt und die preußischen Beamten vertrieben haben. Senat nnd Bürgerschaft von Bremen, Lübeck und jetzt anck von Hamburg haben den uttbe- dingten Anschluß an Preußen beschlossen. Ihre Contingente werden der preußischen Regierung auf eigene Kosten zur Verfügung gestellt. In Oldenburg ist der Landtag nach längerer Debatte einstimmig der von der StaatSregieruug mit Preußen vereinbarten Uebereinkuuft beigetreten. Am Rumpf-BundeStage zu Frankfurt a. M. hat der Gesandte der sächsischen Häuser die Er- klärung abgegeben, daß er für S ach seit- Coburg- Gotha seine Thäiizkeit in der BundeSversamm- lung einzustellen bade. Dieselbe Erklärung erfolgte für Reuß j. L. und Mecklenburg. Der Ge- sandte der 16..Stimme zeigte ferner an, baß Liechtenstein sein Contingent zur Lertheibigung von Tyrol als deutschem Bundesgebiet zur DiS- Position gestellt habe. In Frankreich fängt sich die Eifersucht auf das siegreiche Preußen recht vernehmlich an zu regen. Die„France" findet den jetzigen Stand der Dinge sehr bedenklich und ruft im Interesse Frank- reich S den Franzosen zu, nun sei der Augenblick da, um Preußen in den Arm zu fallen und ihm den Lewenantheil abzujagen.„Jetzt, wo Preußen Sachsen, Hessen, Hannover, Böhmen in Händen hat, sagt sie, kann es im Siegesrausche den Traum des deutschen Reiches, der eine Chimäre schien, verwirklichen wollen, und jetzt nimmt die Sache eine andere Wendung für Frankreich an und seine Pflicht beginnt." Noch wilder läßt sich der ultra- montane„Monde" aus. England und besonders Rußland dürfe Oesterreich nicht untergehen lassen, weil die zu Stande kommende deutsche Einheit sei- neu Planen zuwiderlaufe und die Sache der all- gemeinen Revolution involvire. lind Frankreich garl„Eine Berichtigung unserer Ostgränze", sagt der„Monde", ist kein so wesentliches Ding, und wir können sie gewiß von Oesterreich eben so gut und vielleicht noch besser erlangen, als von Preu- ßen. Nach dem Streiche, den Preußen eben erst Oesterreich gespielt hat, würde es Oesterreich we- niger schwer fallen, uns die Rheinprovinzcn abzutreten." Oh � Oho! sagt darauf der„Publicist", den der„Monde" gar nicht zu kennen scheint, und dem die Zündnadelgewehre den Kamm ganz ge? waltig baden schwellen lassen.„Nur nicht verzagt", ruft er aus,„und nur nicht kleinmüthig! Wenn der dritte Napoleon etwa vergessen möchte, daß er eine Nation— daS preußische Bolk, die deutsche Nation— nicht ungestraft beleidigen darf, so wird Preußen die Aufforderung haben, seine»! Gedächt- niß zu Hilfe zu kommen." Freilich folgt diesen hochgemutheten Worten die bis an'S Herz, und bis an'S Herz des„Publicisten"— was etwas sagen will— kühle Ueberlegung:„Wenn nur das heute verösterreicherte Deutschland einig mit Preu- ßen im nationalen Streben wäre, dann wäre uns um Deutschland auch gegen Frankreich nicht bange!" Ja, da liegt's, das eben zwingt nuS still zu stehen! Vorläufig ist die i�ache indeß so schlimm noch nicht. DaS Publikum vergnügt sich vorerst noch darin, das ganze Verdienst des preußischen Sieges den Zündnadelgewehren zuzuschreiben. Hierzu sagt eine Pariser Correspondenz der„Köln. Ztg.": Man kann darauf allenfalls antworten, daß das Ur- theil der preußischen Militairbehörden sich also besser be- währt bat, al« da« der höchsten sranzösischen, österreichischen und sonstige» Autoritäten, deren Einsprüche und Achselzucken den Preußen den Mnth nicht genommen, die gefährliche Probe der Praxis zu wagen. Bald nach der Erstürmnng Düppels wurde eine Commission unter General Guzanne mit der nochmaligen Prüfung de« preußischen Zlindnadelgewehres beanstragt, und dieselbe glaubte schließlich feststellen zu dürfen, daß die materiellen Vortheile und Nachtheile dieser Waffe sich so ziemlich aushöben und daß höchsten» der moralilche Gewinn be« erhöhten Vertrauen» der Truppen ans ihre Waffe übrig bleibe. Jetzt wird man die Acten wahrscheinlich noch einmal revidiren, und e« heißt sogar, daß bereit« 70,000 Zündnadelgewehre angekauft seien. Der„Abend-Moniteur" vom 4. Juli hält die Aussichten der Souveräne von Sachsen, Hannover und Hessen-Kassel noch keineswegs für schlecht. Die