Rr. 12«. Berlin, Freitag den 13. Juli 1866. Zweiter Zchrgang. -Demokmt. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social-dcmokratischen Partei. Redigirt von Z. 8. v. Hofstetten und I. B.». Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. AtonnemrntS-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 15 Sgr., monatlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr., bei den Königl. preußischen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land ILVs Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Kue Brnlee; Paris, 2. Cour da Commerce Saint-Andre-des-Arts. Arbeiter! Das alte Deutschland geht in Trümmer— neue Staalsverhältnisse sind in der Bildung bc- griffen. Wollt Ihr unthalig zusehen, wie das Neue sich gestaltet oder wollt Ihr, thatkräftig eingreifend, Eure politische Reife bewahren? Ihr müßt endlich einmal zeigen, daß Ihr nicht fürdcr gesonnen seid. Euch bevormunden zu lassen, sondern daß Ihr mit selbstbewußter Thatkraft für Eure eigenen Interessen eintreten wollt. Nur Ein Mittel giebt eS für Euch, selbststän- digen Einfluß auf die Regierungen und dadurch auf die Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten zu gewinnen: das allgemeine, gleiche und directe Stimmrecht mit geheimer Abstimmung. Dieses allgemeine Stimmrecht also gilt es vor Allem zu erringen; eS ist die unerläßliche Voraus- seßung und Grundlage für jede Verwirklichung und Sicherstellung der Volksrechte und für alle weitere Förderung der VolkSsachc; eS ist das erste und vorzüglichste Mittel zur friedlichen Erreichung eines den Interessen des wirklichen Volkes entsprechenden Staatszustandes. Aus einem doppelten Grunde, Arbeiter, seid Ihr berechtigt, ja verpflichtet, mit äußerstem Nach- druck in diesem entscheidenden Augenblicke Eure Forderung nach dem allgemeinen Stimmrecht zu erheben. Ihr müßt es thnn im Interesse der Nation— Ihr müßt eS thun in Eurem eigenen Interesse. Warum im Interesse der Nation? In diesen letzten Jahrzehnten war es überall in Deutschland die besitzende Bürgerklasse, die Bourgeoisie, welche die agitatorische Tbätigkeit in der Hand hatte. Ihre Kammern, ihre Zeitungen, ihre Vereine, ihre Versammlungen waren es, die das große Wort führten und den Regierungen Op- positiv» machten. Und was haben sie geleistet mit all' ihrem Geld unv all' ihrem Schreien? In Sachen der Freiheit haben sie sich unter die absolutistische Willkühr der Regierungen beugen müssen— in Sachen der nationalen Einheit haben sie sich so ohnmächtig erwiesen, daß ein deutscher Bürgerkrieg möglich wurde. Die besitzende Klasse hat ihre Unfähigkeit, etwas zu leisten für die Nation, unzweideutig an den Tag gelegt; das Volk selbst muß den Schauplatz betrc- ten, wenn Hoffnung zum Besseren werden soll. Die besitzende Klasse fürchtet das Volk noch mehr als die Machthaber und kann darum den Kampf mit diesen niemals ernstlich aufnehmen; das Volk aber, das Vertrauen hat auf seine Kraft, wird die gerechten Ansprüche der Nation auf frei- heitlich-einheitliche Gestaltung zu verwirklichen wissen. Aber nicht nur im Interesse deS nationalen StrebenS, auch im eigenen Klasseninteresse müssen die Arbeiter sich einen entscheidenden Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheilen sichern. Je weiter die Industrie und der Handel sich entwickeln, desto mächtiger wird das Kapital, desto abhängiger vom Kapital wird die Arbeit. Die niedrigen Lohnsätze, die Beschränkung der Arbeiter- bevölkcrung selbst in sogenannten guten Zeiten auf daS Nothwendigste, was zum Lebensunterhalt er- forderlich ist, die gänzliche Arbeits- und Erwerbs- losigkeit in schlechten Zeiten— dies Alles sind deutliche Zeichen von dem ungesicherten, traurigen Lose des Arbeiters. Die Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital muß aufhören— dem Arbeiter muß ein menschenwürdiges Dasein gesichert werden. Aber niemals darf die Arbeiterklasse erwarten, daß ihre Sache von den Regierungen- oder von' der besitzenden Klasse aus eigenem Antriebe gefördert werde— nur die eigene Thatkraft, nur ein kräf- tiges und entschiedenes Auftreten der Arbeiterklasse im Bewußtsein ihres guten Rechtes kann eine Ber- besserung ihrer Lage herbeiführen. Die Voraussetzung aber für eine geregelte und nachhaltige Agitation in diesem Sinne ist das all- gemeine Stimmrecht; nur durch dieses kann die Arbeiterklasse entscheidendes Gewicht im Staate ge- Winnen. Darum, Arbeiter, rafft Euch auf; fordert, un- bekümmert um das Geschrei Eurer Gegner in den Regierungskreisen und in der besitzenden Klasse, Euer gutes Reckt— wer will Euch widerstehen, wenn Ihr einstimmig aller Orten durchs ganze Vaterland, wenn Ihr mit Kraft und männlichem Ernste Eure Forderung stellt. Auf Euch am schwersten lasten die Bürden des Staats und der Gesellschaft— duldet nicht länger, daß man Euch wie unmündige Kinder behandle— verlangt Euren Aniheil am öffentlichen Leben der Nation, verlanget vor Allem das Mittel, durch welches Ihr Eure eigenen Interessen vertreten könnt. Haltet allerwärts Versammlungen ab, wo Ihr vor aller Welt erklärt, was Ihr wollt und � was man Euch gewähren muß. Arbeiterl Erhebet Euch einmüthig, mit voller Kraft, für Eure eigene Sache! Keine Macht der Erde wagt Euch zu widerstehen, wenn Ihr Ernst zeigt!- Politischer Theil. Rundschau. Berlin, 12 Juli. Der Waffenstillstand zwischen den kriegführenden Mächten in Deutschland und Italien ist, dies steht fest, bis zu diesem Augenblicke noch nicht ab- geschlossen. Wie es scheint, dürfte eine Berständi- i gung über Friedenspräliminarien auch in der näch- � sten Zeit nicht zu erwarten sein. Alle von öfter- reichlschen und österreichisch gesinnten Blättern ver-> breiteten Nachrichten von einer bereits erfolgten Verständigung sind daher als falsch zu betrachten. Außer dem Könige von Preußen, dem Kaiser Na- polcon und dem Grafen Bismarck kann Niemand über den derzeitigen Stand der Verhandlungen et- was Genaues wissen. Nach allen vorliegenden Thalsachen zu urtheilen, ist die Napoleonischc Ver- Mittlerrolle bis jetzt nichts weniger als von Erfol- ge» begleitet gewesen. Oesterreich selbst scheinr den Frieden mit Preußen nicht zu wollen. Sein Kaiser hat»ach der Niederlage in Böhmen folgendes Ma- nifest an die österreichischen Völker erlassen: DaS Unglück, welches die Nordarmee betroffen, hat mein Herz lief erschüttert; aber mein Vertrauen aus die Hingebung meines Volkes, auf den Muth der Armee, aus Gott und mein gutes Recht hat nicht gewankt. Ick habe mich an den Kaiser der Franzose» geweu« det,»in einen Waffenstillstand in Ilalien herbeizuführen. Der Kaiser ist dem nicht nur auf da« eifrigste entgegen- gekommen, sondern hat sogar noch aus eignem Antriebe seine Lermittelung angeboten, um einen Waffenstillstand mit Preußen und Unterhandlungen über FriedenSpräli- minarien herbeizuführen. Ich habe dies Anerbieten an- genommen und bin bereit, einen ehrenhaften Frieden ab- zuschließen. Aber ehe ich einem Frieden meine Zustim- mung gebe, der die Grundlagen der Macht meine« Rei- che« erschüttern könnte, bin ich zu einem Kriege auf Leben und Tod entschlossen. Alle disponiblen TruP- Pen sollen concentrirt werden, Rekrutirung und Frei- willige werden die Lücken ausfüllen. Die öfter- reichische Armee ist hart geprüft, aber nicht enlmnthigt und gebeugt. Niemals haben die Völker Oesterreich« sich großer gezeigt, als im Unglück. Also: Krieg mit Preußen auf Leben und Tod! Darauf antwortet die ministerielle„Nordd. Allg. Ztg.": Mag Franz Joseph diesen Entschluß vor Gott und seinem Gewissen und vor seinen Völkern verant- Worten. Preußen nimmt diesen Kamps an, ohne mit den Wimpern zu zucken. Wir können die« um so ruhiger, um so vertrauender in die allwaltcnde Vorsehung, al« wir wissen, waö Preußen gethan hat, um diesen Krieg zu vermeiden. Und mit einer Appellation an daS deutsche Volk sagt sie: Trotz aller Lügen, welche die österreichische Presse in die Welt ausstreute, bricht endlich allgemein die ein- zig richtige Ansicht durch, daß da« innerlich geschwächte, durch Frankreich und Italien äußerlich tief gedemlllhigle Oesterreich für die verlorene Hegemonie in Italien nnd die Lombardei seine Kompensation in Deutschland gesucht hat, auf Kosten Preußens und noch mehr— auf Kosten Deutschlands. Jahrelang wenigstens hat uns ja gerade die österrei- chilche Politik gesagt, die Minciolinie sei eine strategisch� Nothwendigkeit für Deulschland« Verlhcidignng. Jtht tritt dasselbe Oesterreich diese nach seinen eigenen Aenjj� rangen für die Bertheidigung Deutschland« nothwendigi Linie an Frankreich ad;— und weshalb? Um den Krieg gegen eine deutsche Macht„aus"e' ben und Tod" führen zu können. Kann hiernach in Deutschland ein Zweilel darilbs* obwalten, auf welche Seite sich da« deutsche Volk>» diesem Kampfe aus„Leben und Tod" zu stellen hat? Wir glauben, daß Niemand mehr im UnNaren darübt sei» wird, daß der Sieg Oesterreich« der Tod Deutschlands sein würde. Gleichzeitig schreibt der officielle preußische „StaaISanzeiger"i Europa weiß, daß nilbt niedrige Eroberungssucht die Triebfeder Preußens in dem großen Kampfe ist, zu wcl- chem eS durch Oesterreich und feine Bundesgenossen ge- zwungen wurde. Was Preuße» erobern will, dient den höchsten nationalen Zielen, betrifft die edelsten nationalen Güter, Wir verlangen für uns nur Garantieen für die territoriale Sicherheit unserer Zukunft. Für Deutsch- land aber die Herstellung einer staatlichen Einheit, wenigstens unter der Mehrzahl deul- scher Stämme und Staaten,»in den unwllr- digen Zuständen innerhalb seiner Grenzen ein Ende zn machen, welche das Ansehen und die Machtstellung der Nation so lange herab- gedrückt und erniedrigt haben. Ein Aufruf des preußischen Oberkommandos in Böhmen enthält folgende höchst beachlenswerthe Stelle: Das klebrige überlassen wir mit voller Zuversicht dem Gott der Heerschaaren! Sollte unsere gerechte Sache obsiegen, dann dürfte sich vielleicht auch den Böhmen undMähren der Augenblick darbieten, in dem sie ihre nationalen Wünsche gleich den Ungarn verwirkliche» können. Möge dann ein günstiger Stern ihr Glück aus immerdar begründen. Aus dieser de» NationalilälSbestrebungen der mit der Wiener Regierung seit undenklichen Zeiten um ihre Selbstständigkeit ringenden nichtdeulschen Völkerschaften Oesterreichs eröffneten Perspektive schließt man bereits aus Absichten der preußischen Regierung, die noch im Laufe des Krieges, ja schon in der nächsten Zeit zur Förderung seiner Zwecke in Ausführung gebracht werden sollen. Zunächst soll mit der Bildung einer ungarischen Legion vor- gegangen werden. Wie der„Bank- und Handels- Ztg." mitgelheilt wird, ist bereits der Befehl er- gangen, unter den Kriegsgefangenen, die nach Preu- ßen befördert worden und noch zn erwarten sind, alle der ungarischen Nation angehörenden anszu- sondern und dieselben in den dem böhmische» Kriegsschauplatz näher gelegenen östlichen Thcilen Per Monarchie zusammenzuhalten. Schon am 10. Juli hat eine solche Aussonderung der über Dresden hierher beförderten Kriegsgefangenen statt- gefunden. Die Gefangenen ungarischer Nationa- lität sind sämmtlicki nach Breslau weiter befördert worden, während ihre deutschen, slavischen und ita- lienischcn Kampf- und Lcidensgenossen den andern AufbewahrungSplätzen zugeführt sind. Die Anwe- fenheit des ungarischen Generals Klapka in Berlin, der von höheren Militairs und Beamten der un- gariscken Revolution begleitet ist, unterstützt die an diese Anordnung geknüpften Vermuthungen. Briefe aus der Armee, die hierher gelangt sind, und Mittheilungen von Offizieren, welche die Gefangenen> Transporte hierher geleitet haben, stehen denselben gleichfalls zur Seite, Ande- rerseits sagt ein officiöser Weener Correspon- denl der„KarlSr. Ztg.", dessen Miltheilungen sich bisher immer als bewährt gezeigt haben, eS sei die Absicht Oesterreichs,„neben der be- reitS angebahnten Ergänzung der Armee, in der ganzen Monarchie und zunächst in Böhmen(soweit eS noch nicht im Besitz des Feindes) und in Mähren den Landsturm aufzubieten, und dann in der That würde der Krieg ein Krieg bis aufs Messer sein." Auch daS neueste Manifest des�österreichischcn Kaisers spricht bekanntlich von„Freiwilligen," worun- ter wohl die Organisirung von Freicorps verstan- dön werden kann. Unterdessen hat die österreichische Presse, haben besonders die Wiener Blätter ihr Gleichgewicht wieder gefunden und beurtheilen die Niederlage in Böhmen weniger trostlos. So schreibt die„N. fr. Presse": Graf MenSdorff soll bereits einen Bericht über den Stand der Nordarmee eingesendet haben; nach demselben würden, wie es heißt, die Dinge besser stehen, als man geglaubt. Drei Armee- Eorps sollen noch ziemlich intact sein und bereits in einer Stärke von 100,000 Mann bei Olmütz Stellung genommen haben. Bon den übri- gen Eorps sammeln sich die versprengten Trümmer wie- der, ordnen sich und verstärken jenen Kern zu einer ganz stattlichen Streitmacht. Bom Geschütz soll der bedeuten- dere Theil gerettet sein; 500 Stück seien, heißt e«, wie- der in unseren Schlachtreihen. E« gelang, nach der ersten wilden Unordnung wieder ein gewisse« System in den Rückzug zu bringen und den retirirenden Truppen jenen Halt zu geben, der sie auch dem verfolgenden Feinde die Spitze zu bieten befähigt hätte. Den Ge- sammtverlnst unseres Heere? beziffert man heute auf 40,000 an Tobten, Verwundeten, Vermißten und Ge- sangenen, Nach allen bisher eingegangenen Nachrichten vom Kriegsschauplätze stehen wohl auch neue Kämpfe in naher Aussicht; denn das preußische Hauptquar- lier ist bereits nach Zwittau verlegt worden. Der letztere Ort, ungefähr am Knotenpunkt der Straßen von Olmütz und von Wien nach Prag gelegen, wird wohl derjenige Punkt sein, von welckeni aus die späteren Operationen nach dem Süden und nach dem Westen, aus Olmütz hin, werden erfolgen müssen, da verlautet, die Reste der Benedek'schen Armee würden im verschanzten Lager um Olmütz Stellung zn nehmen suchen.„W. T. B." meldet jedoch aus Zwittau, dem preußischen Hauptquartier, vom 10. d. MtS.: Ununterbrochener Bormarsch und und sehr ungllnsti« ge« Wetter dürften demnächst einen Ruhetag für die Truppen beider Armeen eintreten lassen. Ueberläuser und Landleute erzählen, daß die österreichische Nordarmee ihren Rückzug in südlicher Richtung fortgesetzt. Ander- weitige Nachrichten lassen fall vermuthen, daß auch die Linien Olmütz, Brünn für eine Ausstellung der Nord- armee nicht festgehalten, sondern beide Plätze der eigenen BertheidigungSkrast überlassen werden sollen, wogegen die ganze österreichische Armee dann eine Slellung an der Donau nehmen würde, Für den Augenblick wäre also die Fühlung mit den geflohenen Oesterreichern verloren gegangen und schwerlich dürfte dieselbe vor Olmütz oder Brünn wieder erzielt werden. Bei letzterem Orte dürfte es aber kaum zu einem größeren Gefecht kommen, da erstlich das Terrain nordwärts Brün» den Oesterreich«» günstige Positionen nicht gestattet und hauptsächlich darum, weil daS Gros der Oester- reicher sich auf Olmütz gezogen hat, die Brünner Straße demnach nur schwach von denselben besetzt sein kann. Auf das verschanzte Lager bei Olmütz setzen die Wiener Blätter große Hoffnungen, da sie von demselben die Reorganisirung der Benedek'schen Trünimer und die Möglichkeit zu einem längern Widerstande erwarten. Diese Hoffnungen dürften sich jedoch binnen Kurzem als ebenso sanguinisch herausstellen, wie es alle Erwartungen der Wiener Publizistik von vornherein gewesen find. Olmütz wird den Siegesmarsch der preußischen Armee so wenig aufzuhalten vermögen, wie dies Josephstadt und Königezräy zu thun im Stande waren, Olmütz ist gegenwärtig schon durch die preußische Okknpi- rung Troppan'S, durch die kühnen Streifzüge des Stolberg'schen EorpS nach Oesterrcichisch-Schle- sicn und Galizien von seinen östlichen und nörd- lichen, durch die Stellung der preußischen Haupt- armee senkrecht auf die Wien-Prager Eisenbahn von seinen westlichen Verbindungen abgeschnitten, und eine Aufstellung der österreichischen Armee in und um Olmütz kann höchstens zu dem Resultate führen, die Summe der von Preußen zu Gesänge- nen gemachten Oesterreich« um eine sehr erhebliche Zahl zu vermehren.— In Oesterreich hat die Re- gierung eine neue Emission von Staats- banknoten verfügt. Die Börse hat selbstverständ- lich diese Nachricht ungünstig aufgenommen.— Vom Kriegsschauplatze im westlichen Deutsch- land werden seit dem Gefechte bei Dermbach auch keine besonderen Ereignisse gemeldet. Die söge- nannte BundeSarmee unter Prinz Alexander ist noch nirgend zum Vorschein gekommen, obgleich die Truppen der Generale Vogel v. Falkenstein und Manteuffel unaufhaltsam gegen Frankfurt vordringen. Vom Corps des General von Man- teusiel geht übrigens heute auf telegraphischem Wege als„amtl. Nachricht" die Meldung ein, daß gestern, den 11., von seiner Avautgarbe der Saale-Ueber- gang bei Hausen und Waldaschach, nördlich Kissin- gen, gegen die Bayern forcirt worden ist. Der preußische Verlust wäre darnach unbedeutend, der bayersche stark gewesen.— In München scheint man allen Ernstes ans eine nicht mehr zu verhindernde preu- ßische Invasion zu rechnen; denn eS ist bereits eine Königl. Verordnung für das Verhalten der Be- amten und Bediensteten in solchem Falle erlassen j worden und die Stimmung im Volke ist nicht die erfreulichste für die bayrische Regierung. So gei- ßelte man in einer am 7. zu München stattgehab- len Volksversammlung mit scharfen Worten daS bayerische Oberkommando, wegen seines an die weiland Neichsarmee erinnernden zwecklosen und langsamen Hin- und Hermarschirens und consta- lirte die Gefahr, die»U» für Deutschland dadurch ' heranwächst, baß Napoleon zum Friedensstifter in unserem Valerlanve aufgerufen wurde. Ein anderer Redner griff die„Bayerische Zeitung" an, weil ' dieses officielle Blatt, das dem Lande jährlich viele Tausend Gulden kostet, die Ereignisse am Kriegs. schauplatze in einer Weise mitgelheilt habe, die sich durch Widersprüche, Verspätung und Unwahrheit charakterisire. AuS den Mittheilungcn in der Wehr- frage ergab sich, daß die bayerische Staatregierung keineswegs gewillt fei, eine�Volkswehr durchzuführen. — Daß man in Oesterreich die Schuld des Miß- lingens der österreichischen Kriegs-Operationen fast durchweg auf die verbündeten„Bundes"- Armeen schiebt, geht aus dem österreichischen Organ in Paris, aus dem„Mem. diplom.", hervor, welches interessante Enthüllungen über den Feldzugs- plan des Marschalls Benedek giebt, wie er ursprünglich entworfen war, aber durch die Lang- sanikeit der Mobilisation der mit Oesterreich ver- bündeten BundeSlruppc» nicht zur Ausführung ge« langen konnte. Dieser Plan bestand darin, durch eine gleichzeitige Offensivbcwegung die Operationen auf ter ganzen Linie zu eröffnen. Die vom Rhein- ufer bis an die Böhmische und Schlesische Grenze aufgestellten preußischen Truppen hätten dem ver- einten Stoß der drei Armeen unter Prinz Alexander von Hessen, Prinz Carl von Bayern und Benedek selbst nicht widerstehen können. Sie wären bald abgeschnitten und zum Rückzug gezwungen gewesen, während die BundeScontingente, mit In- begriff des hannoverscheu Corps, den Vormarsch der Oesterreicher nach Berlin unterstützt hätten. DaS kam nun alles anders. Die Hannoveraner mußten sich bei Langensalza ergeben und dadurch, daß die Bayern den ihnen angewiesenen strategischen Punkt immer noch nicht einnehmen konnten, wurde Benedek zur Unthätigkeit verdammt. Ferner ent- schuldigt das„Mem. dipl." daS Zaudern Bcnedek's noch aus dem Grunde, baß Oesterreich, aus über- großer Achtung vor der Bundesakte und aus Rück- ficht auf seine Bundesgenossen, nicht allein vorgehen, sondern selbst auf die Gefahr hin, seinen Waffen- rühm und die Sicherheit seines Reiches auf's Spiel zu setzen, gemeinschaftlich mit seinen Bundesgenossen handeln wollte. Nach demselben Blatt hat Mar- schall Benedek selber verlangt, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, um sich über die Art, wie er sich seiner schwierigen Aufgabe entledigt, zu recht- fertigen. Das„Mem." bemerkt ferner, daß Oester- reich seiner Zeit bereit war, die Einladung zum Congreß anzunehmen; allein die Militärpartei zu Wien drang zu fehr in den Kaiser, kein Zugestand- uiß zu machen, das die Armee, welche bereit sei, ihr Blut für die Erhaltung Venetiens zu vergießen, nur enlmuthigen könnte. Man versicherte dem jun- gen Souverän, daß alle Vorkehrungen zur soforti- gen Eröffnung der Feindseligkeiten so wohl und vollständig getroffen seien, daß der Erfolg auch keinen Augenblick zweifelhaft sein könne. Heute, fügt das„Mem." bei, steht eS nun fest, daß we- nigstens zwei bis drei Monate erforderlich waren, um gleichzeitig einen Krieg in Deutschland und in Italien zu bestehen.— Die„Augsb. Allg. Ztg.", der man wohl nicht leicht den Vorwurf wird ma- chen können, das bairischc und österreichische In- teresse aus den Augen gesetzt zu haben, die im Gegentheil dieses Interesse mit einer ungeheueren Energie vertreten hat, fagt jetzt in Betreff der Lasten, die der Krieg dem bayerischen Volke auf- erlegt: An der bewährten Opferwilligkeit de« bayerischen Volke» ist gewiß nicht zu zweifeln, so wenig, al« an der Tapferkeit der wackern bayerischen Soldaten. Aber— es drängt sich leider manche« Aber auf. Kann, nach der österreichischen Katastrophe, die verzettelte Armee der klei- neren Bundesstaaten den Krieg mit irgend einer Au«- ficht auf Erfolg allein fortführen? Wllrden dadurch nicht ebenso unnütze al« beklagenswerthe Hekatomben auf die Schlachtbank geliefert— vielleicht, um nur noch einem militairischen Ehrenpunkt zu genügen, und sich doch in Bälde mit dem Feinde zu vertragen, nachdem Bayern» gesegnete Fluren verwüstet wären?... In diesem Sinne