Nr. 129. Berlin, Freitag den 3. August 186(5. Zweiter Mrgaux. Sitfe Zeiruntz erf(fieini drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag», Donnerstags und • Ionnatends Abends. Organ der social- demottauschen Partei. R-digiN von Z. v. v. Hoistette» und A. L. v. Tchweitzcr. Redacrion und Expedition: Berbin, Alle Jakobstraste Nr. 67. >iaunemc«t?- PrciS iür Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich IS Sgr.. mo- natlick S Sar., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- ämtern IS Zgr., bei den preußischen Postirmtern im nichtpreußiichen Deutsch- l-nd ILVe Sgt., im übrigen Deutichlawd 20 Sgr. ist. l. 10. sridd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Beftrstungrn werden auswärt» auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß�äompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von>edem„rorhen Dienftmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition ain,ugeben) werden pro dreigespalrene Petit-Zeile bei elrbeiler.Tnnoncen mir 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit iJ�Sgr. verechn«. Agentur für England, die Tolontee« und die überseeischen Länder!>Ir. Lcuäei,.8. Xev.?ort-8trsol, I.eiessrer-Sqi>urs\V. C. Londc Agentur für Franlreich: Q. A. Alexandre, Strasabourg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. politischer Theil. Berlin, 2 August. Kriegsrechtes ist der König von Preußen berechtigt, alle diese Länder bleibend zu beHallen, ohne darüber in. irgend welche Verhandlungen mit den früheren Besttzeru eintreten zu müssen. Die Wiedereinsetzung irgend eine« derselben würde ein Ast der Gnade von Seilen der Krone{ein; die Wiedereinsetzung iu einzelne Ueber die Friedensverhandlungen liegt Tbeils ihrer früheren Staaten nnd die damit verbun- insofern jetzt eine authentische Auskunft vor, als dene Zersplitlerungwerselben würde aber vermuthlich von die preußische„Prov.-Corr." in ihrer neuesten Num» �r Bcvöllerung sechst schmerzlich empfunden und politisch mer einen ausführlichen Artikel bringt, den wir b�-nklichen Fol�n sein. Es wird d-h«r al» wlla- um der Wichtigkeit der Tacke willen nachstehend' und wahr, che, nl.ch ange'ehen, fast unverkürzt wiebergeben. Die„Prov.-Corr." schreibt: Die Verhandlungen, welche im preußischen Haupt- quartiere während der am 22. Juli begonnenen fünf- tägigen Wassenruhe ßepflogen worden sind, haben am 26r Juli Abend» zum Abschluß von Friedens< Prälimi- narren, d. h. zur Unterzeichnung vorläufiger Frieden»- grundlagen geführt.— Am 28. Juli ist die Ratification (Bestätigung) dieser Präliminarien von Wien im Haupt- quartier eingetroffen.— Demzufolge soll vom 2. Aug. ab, bis wohin die einstweilige Wassenruhe verlängert worden ist, ein förmlicher Massenstillstand auf vier Wvchen eintreten, während welcher Frist die bestimmten Festsetzungen über den Frieden selbst auf jenen vorläu- figen Grundlagen erfolgen sollen.— Während de« Wassenstillstand« bleiben die Truppen Preußen« und besetzten Gebienm Unter Jnnehältung einer vereinbarten Grenzlinie.— Die Frieden«- Präliminarien, welche unter Vermittelung Frankreich« zwischen Preußen und Oesterreich zu Stande gekommen find, scheinen nach den darüber bisher bekannt gewordenen Mittheilnngen im Wesentlichen folgende Punkte zu enthalten:— Oester- reich erleidet, abgesehen von der Abtretung Benetien« an Italien, keine Einbuße an dem Bestände seiner Staaten, — tritt aber seinen Mitbesitz in Schleswig- Holstein an Preußen ab;— Sachsen(welche»'allein unter den deut WIDWWWMWM�WmNöVitW wähnten Länder dauernd mit Preußen vereinigt werden. — Ausdrückliche Bestimmungeu hierüber sind jedoch in den Friedens-Hräliminarien mir Oesterreich nicht enthal- ten, vielmehr nur die freie Verfügung darüber für Preußen gewahrt nnd Seiten» Oesterreichs anerkannt.— Oesterreich» bisherige Verbündete in Süd- deutschland sind in den vorläufigen Frieden«schlnß zwischen Preußen und Oesterreich nicht ohne Weiteres eingeschlossen worden. Der b-v«rische Minister von der Pfordien war schon vor dem Abschluß der Prälimi- narien im preußischen Hauprqvgrlier erschienen, um die Betheiligunz jener Bundesgenossen-an dem Waffenstill- stände zu erwirken; Preußen aber hatte die« zunächst ab- gelehnt und die Bewilligung eine« Waffenstillstands an die süddeutschen Staaten von besonderen Verhandlungen abhängig gemacht. Erst nach dem Abschluß der preußisch- österreichischen Präliminarien kam ein Waffenstillstand Oesterreich» in den von ihnen zur Zeit des Abschlüsse«' zwischen Preußen und Bayern, gleichfalls vom 2. Äug. ab, zu Stande. Vergeblich hatte der Minister von der Psordten beansprucht, gleichsam Namens des früheren deutschen Bundes auch für die übrigen süddeutschen Staaten zu verhandeln. Preußen erkennt seil dem 14. Juni den deutschen allen Bund nicht mehr an und verlangt daher, daß jeder der feindlichen Staaten in be- sonderen Verhandlungen den Frieden erbitte. Da durch den Friedensschluß Oesterreichs und Bayerns die bi«. herige Verbindung vollend« jeden Halt verloren harte und da Preußen inzwischen erfolgreich nach dem Süden scheu Staaten in den Friedensschluß zwischen Oesterreich vorgedrnngen war, so blieb jenen Staaten nicht« übrig, und Preußen einbegriffen ist) soll seinen Länderbiefitz! als jeder für sich um Frieden zu bitten.— Der Herzog gleichfalls behalten'(vorbehaltlich der weiteren Bestim münzen über feine Stellung im norddeutschen Bunde und zu Prenßen);— Oesterreich hat an Preußen 40 Millionen Tbalep KriegSkosten zu zahlen, worauf jedoch IS Millionen als der Anthril Oesterreich« an-den früheren SchieSwig-Hylsteinschm Kriegskosten und S Mil- lionen für anderweilige au» de« Occupqtion der Herzog- tbiimer entstandene Kosten in Abrechnung kommen. Bis die Zahlung der übrigen 20 Millionen als ge- sichcht zu betrachten ist, bleiben Böhmen und Mähren von Preußen besetztz— Oesterreich scheidet äu» dem Verband« mit den deutschen Staaten gänzlich aus;'— Oesterreich erkennt die Bildung eine« engen Bunde« der norddeutschen Staaten unter Preußen« Leitung an;— die Bexbiuduug.- der— süddeutschen Staaten unter sich behalten;— Oesterreich erkennt die in Norddeutschland vorzunehmenden Befitzvträuderungen'dn.—' Was diese Besitzveränderungen betrifft, so bandelt e« sich dq- bei um die Verfügungen,, welche Preußen über die militairisch in Besitz genommenen Länder treffen wird. Es sind die« in Norddeutschland bekanntlich(außer Sachsen) da« Königreich Hannover, da» Kurfürstenthum Hessen, der diesseits de« Mains gelegene Theil de» Groß- herzogthum« Hessen(Oberheffen), da« Herzogthum Nassau und die freie Reichsstadt Frankfurt a. M.— Kraft de» und die Regelung ihrer Beziehuugen zum norddeutschen•--------»... Bunde bleiben dem freien Einverständniß derselben- vori-.zweiselhatt dazu benutzt«erden, Beziehungen zwischen >>-......: JL__ t..... i AnVt S/»»*»»t nr K Vi AI» f f»V»«WumKi____ w c..-; t.,, von Meiningen hatte sich schon zuvor von dem preußenfeindlrchen Bunde losgesagt und seinen in Main; stehenden Truppen befohlen, diese Festung zu verlassen. Da die bayerschen Befehlshaber sie mit Waffen nicht entlassen wollten, so waren sie mit Zurücklafsung der Obergewehr« au« der Festung ausgezogen.— Auch der König von Württemberg, der Großherzog von Darm- stadt mußten sich bequemen, ihre Minister in« preußische Hauptquartier zu entsenden, um unfern König um Frie- den zu bitten. Der Großherzog von Baden, welcher nur mit Widerstreben dem Bunde gegen Preußen beiqe- trete» war. entließ nunmehr fein bisherige» preußenfeind- liche» Ministerium und berief Männer von besonnenerer Haltung m seinen Rath.— So ist denn der bisherige süddeutsche Bund gegen Preußen vollständig zerfprenqt Die nunmehr schwebenden Verhandlungen«erden um dem künstigen norddeutschen Bunde nnd den süddeutschen Staaten zur Geltung zu bringen, wie sie dem Interesse und der Größe de« deutschen Gesammtvaterlandes ent- sprechen.- Preußen« Errungenschaften au« den bisherigen Verhandlungen sind zo bedeutend, wie es noch vor Kurzem kaum Jemand zu ahnen vermocht hätte— Preußen erhält durch die Einverleibung Schleswiq-Hol- stein« und eine» großen Theil« der norddeutschen Länder welche bisher die östlichen und westlichen preußischen Provinzen trennen, durch die Länder von Schleswig bi» nach Frankfurt hin einen so erheblichen Zuwach«, wie er noch niemals von preußischen Fürsten mit einem Male'- gewonnen worden ist.— Aber wichtiger noch als diestj unmittelbare Machtvergrößerung ist die gesicherte Stellung. welche Preußen atr der Spitze des fest geeinigten Nord- deutschlands errungen hat. Endlich nach langem, ver- geblichem Ringen ist hier ein fester Kern eine« einigen und mächtigen Deutschland« geschaffen.— Mit Unrecht wird hier und da besorgt, daß damit zugleich eine Schei« dung zwischen Nord- und Süddemsckland vollzogen und hierdurch eine Schwächung Gesainmideutschland« für die Zukunft vorbereitet sei. Die naturgemäßen Beziehungen und gemeinsamen Interessen der süddeutschen Staaten mit dem neu erstehenden norddeutschen Bunde sind so mannichsach. so überwiegend, daß auch eine enge poli- tische Verbindung unter denselben unvermeidlich ist; der nationale Geist in ganz Deutschland wird sich darin zu bewähren haben, daß diese Verbindung sich immer kräf- tiger und segensreicher gestalte. Preußen wird e« sicher- lich nicht daran fehle» lassen, seinen nationalen Sinn und Beruf auch iu diejer Richtung zu beweisen. Hierauf folgt in der„Prov.-Corr." ein kleiner LodeSerguß auf die Uneigennützigkeil des Kaisers Napoleon, der für sich selbst nichts in Anspruch genommen habe, als Ruhm und Ehre. Was obige MltfheUungfn der„Prov.-Corr." -in Betreff der Friedensbedingunzen selbst betrifft, so ist klar, daß dieselben noch vielfach der Ergän- zung und genaueren Bestimmung bedürftig sind. So viel aber läßt sich auch jetzt schon mit aller Bestimmtheit aussagen, daß P.reußen fortan mit gesicherter Grundlage die entscheidende Macht in Deutschland, seist.chjrd.— - A.7V...»of R u n d s ck � Berlin, 2. �kugn Die noch immer obwalteptze Unbestimmtheit der künftigen Gestaltung Deutschlands nimmt unaus- gesetzt die Phantasie des gesamintcn Volkes in An- spruch. Täglich tauchen neue Projecte auf. Und. wie sollte das auch anders, sein? Je jveniger Kraft der Selbstbestimmung einem Vglke iuue wohnt, um so rühriger und geschäftiger ergeht sich, die Phan- tasie in den Vorstellungett über die Veränderung«», welche die Machthaber mit Land und Volk vorm- nehmen hätten. Dazu kommt, daß in Preußen Jeder für sich das Recht des Siegers mit in Au- spruch nimmt und sich um so mehr berufen glaubt, nach Kriegsrecht, das die Aufhebung des Selbstbe- stimmungsrechtö der Besiegten in sich schließt, über die Loose von Ländern und Menschen zu entscheiden. Von um so größerem Interesse sind die halbosfi-' ciellen Auslassungen der„Prov.-Corr.", welche einiges Licht, wenn auch ebenfalls nur in sehr all- gemeinen Umrissen, auf die Gesichtspunkte fallen läßt, nach denen man in dem norddeutschen Bun- desstaate zu verfahren gedenkt. Immer aber v«P( bleiben hier für die außerpreußischen Theile drei Gruppen, deren Behandlung verschieden sein wird: diejenigen Landesthcile, welche von Preußen annec- tirt werden sollen, diejenigen, die gegen Preußen gestanden haben, aber eine gewisse Selbstständigkeit behalten sollen, und diejenigen, welche sich mit Preußen im Bündniß befunden haben. Die Sckwie- rigkeit, welche fijr die Bildung des norddeutschen Bundesstaates aus dieser Verschiedenheit hervor- gehen könnte, ist aber nur scheinbar. Sie würde nur dann eintreten, wenn der Krieg zu dynastischen Zwecken geführt wäre. Dies läßt sich indeß um so weniger erwarten, als das Volk, trotzdem ihm die Ziele des Krieges unbekannt waren,'mit sellener und wohl kaum erwarteter Opferfrendigkeit' in den Kampf getreten ist. Das Volk hat willig Blut und Leben in die Schanze geschlagen. Ein solches Vertrauen erfordert wieder Vertrauen und es wäre in der That ein großes und sicher verhängnißvolleS Unrecht, wenn die preußische Regierung nunmehr nicht auch den Ansprüchen und Forderungen deS Volkes Rechnung tragen wollte. In gleichem Maße aber, als dies geschieht, verschwinden alle Scbwie- rigkeiten, welche die Rücksichten aus die übrigen Dynastieen uud Souveränetäten auferlegen. Die Lösung liegt in der Stellung und den Gerecht- samen, welche dem deutschen Parlament zugestanden werden. In dem deutschen constituirenden Parla- mente liegt die Garantie zugleich für die Einheit, wie für die Freiheit und die Macht Deutschlands. Auf dem süddeutschen Kriegsschauplätze herrscht seit dem 30. Juli ebenfalls Waffenruhe, doch liegen die Berichte über die letzten Kriegsoperation sowie über die Verhandlungen wegen der Waffenruhe und des Waffenstillstandes nicht recht klar. Schon am 27. Juli war der bayrische Gcnie-Haupimann Graf Drexel als Parlamentair zum Höchstcommandiren- den der Mainarmee, General v. Manteuffel, mit der Nachricht gegangen, daß Preußen und Bayern eine Waffenruhe bis zum 2. August abgeschloffen hätten, erhielt jedoch von Herrn v. Manteuffel die Antwort, daß ihm darüber noch keine Kunde zuge- (zangen sei. Von da ab scheint Bayern seine Feind- eligkeiten gegen Preußen eingestellt und durch diese einseitige Einstellung seine Bundesgenossen genöthigt zu haben, auch für sich auf das Schleunigste die Friedensverhandlungen anzuknüpfen, da Preußen daran festhält, daß seit dem 14. Juni ein deutscher Bund nicht mehr existirt, und es deshalb nur mit jedem der kriegführenden Bundesstaaten einzeln einen Separatvertrag abschließen wollte. Doch am 28. Juli, als sich wiederum der bayrische General v. d. Tann bezüglich der Waffenruhe nach Roß- brunn in das preußische Hauptquartier begab, ver- sicherte Herr v. Manteuffel, von dem Könige von Preußen keine desfallsige Nachricht erhalten zu ha- ben, so daß, um Würzburg der Schrecken und Ver- heerungen einer Erstürmung zu überheben, die Stadt als offener Ort erklärt werden mußte. Seitdem ist nun, wie bereits gemeldet, am 30. Juli zwischen den Oberbefehlshabern des 7. und 8. Bundes- armeecorpS und Herrn v. Manteuffel Waffenruhe auf Kündigung von 24 Stunden abgeschlossen. Tie gestörte Telegraphenverbindung soll die Schuld tra- gen, daß Herr v. Manteuffel nicht früher Jnstruc- tion erhalten hat. Die badische Division ist milt- lerweile schon auf dem Marsche nach Hause. Gleich- wohl und trotz der abgeschlossenen Waffenruhe mel- det die„Bayr. Ztg." noch von einem blutigen Ge- fecht bei Weiden in der Oberpfalz, in welchem die von den Preußen angegriffenen Bayern heftige Verluste erlitten hätten. Augenscheinlich muß hier ein Mißverständniß obwalten. Auffällig aber ist die Nachricht, daß die preußischen Truppen nach abgeschlossener Waffenruhe noch Nürnberg besetzt hätten, und nur so zu erklären, daß es den preußischen Vefehlshabern in Bayern, Großherzog v. Mecklen- -urg-Schwerin und General v. Manteuffel, gestat- tet worden, ihre Operationen bis zum factischen Eintritt des Waffenstillstandes auszudehnen. Wäh- tend sich so die Bundesgenossenschaft der deutschen Bundesstaaten in Wohlgefallen auflöst, tagt der Bundesrumpf in Augsburg noch immer munter fort. Der Präsidialgesandte, Freiherr von Kubeck, 'st auf Berufung am 28. Juli nach Wien abgereist und hat den bayrischen Gesandten im Präsidium und in der Führung der österreichen Stimme wäh- J*nd seiner Abwesenheit an seine Stelle gesetzt. Der Gesandte Badens wird voraussichtlich bald uusfcheiden, dann bilden Bayern und Würtemberg ullein noch den ganzen deutschen Bund und können stch gegenseitig etwas vorpräsidiren. Sie transit gloriu mundi(So ist Alles eitel in der Welt!)— Nachdem in Baden das Ministerium Erelsbeim bereits beseiligt ist, beginnt nun auch�in Würrem« berg und Baiern eine heftige Agitation auf Ab-. dankung der Ministerien v. d. Pfordten und Varn- büler.— In Frankfurt a. M. scheint die Conlri- butionSangelegcnheit, nachdem sie 14 Tage lang die Frankfurter in unausgesetzter und heftigster Auf- regung gehalten, eine befriedigende Wendung zu nehmen. Einstweilen wenigstens ist von den Maß. regeln wegen gewaltsamer Einziehung Abstand ge- nommen und man nimmt an, daß bei den weiteren Entschließungen der preußischen Regierung der Um- stand in Betracht kommen wird, daß Frankfurt ver- muthlich dem preußischen Staatsgebiete einverleibt werden dürfte, was ihnen im Vergleich mit den 25 Millionen gewiß zu gutem Tröste gereichen muß. Die neueste eingegangene Depesche bestätigt das oben von uns Gesagte. Danach hätte die mit den Bundesstaaten abgeschlossene Waffenruhe etwa den Sinn, daß die Bundesstaaten die Erklärung ab- gegeben haben, daß sie ihrerseits die Feindselig- reiten einstellen, es dagegen Preußen überlassen, bis zum 2. August Land zu besetzen, so viel eS will; eS mllPe denn sein, daß Betreffs der Land- besetzungen durch die preußische Armee bestimmte, aber noch unbekannte Abmachungen, gewisse De- markationslinien, festgestellt wären. Die beim Schluß der Redaction noch eingegangene Depesche lautet: Frankfurt a. M., 2. August: Preußische Truppen haben, mit Jubel von der Bevölkerung empfangen, im Laufe des gestrigen Nachmittags und Abends Heidelberg und Mannheim besetzt. Mit Italien dauern die Friedensverhandlun- gen fort. Auf Grund der mit Frankreich verab- redeten Präliminarien tritt es dem Waffenstillstand« bei; der Hauptpunkt dieser Präliminarien besteht darin, daß der Anschluß VenetienS durch allgemeine Abstimmung erfolgen soll. Die übrigen Fragen werden durch die eigentlichen Friedens-Unlerhand- lungen ihre Lösung finden. Italien giebt seine Ansprüche auf Südlyrol keineswegs auf, sondern es wird sie bei der Feststellung seiner Grenzen gegen Oesterreich wieder zur Geltung zu bringen suchen. Daß die Regierung sich dem Waffenstill- stände nicht länger widersetzt, ist, zum Theil wenig- stens, dem vom Prinzen Napoleon und Herrn von Malaret gegebenen Versprechen zu verdanken, daß Frankreich, so viel an ihm liege, die italienischen Wünsche bei Oesterreich vertreten werde, lieber die Rückkehr des Prinzen Napoleon ist noch nichts bekannt. Wahrscheinlich wird seine Mission erst mit dem förmlichen Abschlüsse des Waffenstillstandes beendigt sein.— Die Untersuchung, welche über das Verhallen Persano's von Seiten der ital. Regierung angestellt werden soll, bezieht sich, wie die„Opinion Nationale" meldet, auf folgende vier Punkte: 1) Wie konnte die Flotte nach den ungeheuren Ausgaben, die gemacht worden waren, von Mate- rial und der erforderlichen SchiffS-Artillerie ent- blößt sein? 2) Warum hat Persano Lissa und nicht Pola angegriffen, da das eigentliche KriegS- object Jstrien war? 3) Warum hat er sich vom Admiralschiffe an Bord des Affondatore begeben, und auf diese Weise alle Bewegungen der Flotte gelähmt? 4) Warum hat er, da er die Aggressiv- pläne der österreichische» Armee kannte, durch den Angriff auf das Fort Georgia die Flotte getheilt? — Aus Paris schreibt die„Köln.-Ztg.": Victor Emanuel hat sich unfähig erwiesen, eine große nationale Unternehmung zu leiten, und sieht sich schließ- lich genöthigt, Venetien als Nebenproduct der preußischen Siege in Böhmen entgegen nehmen zu müssen aus der Hand des Vermittlers, der allerdings den Anstand trefflich zu wahren wußte. Dieser Feldzug kann heil- sam für die Italiener wirken, indem er sie zur Erkennt- niß ihrer Schwächen und Schäden führt; vorläufig je- doch wirkt er mehr irritirend, und der König darf sich darauf gefaßt machen, daß er die ruhigsten Tage gehabt hat. Die einzig erfreuliche Seite der letzten Wochen bot Baron Ricasoli dar, der, wie immer, ernst, edel und fest dastand und sich weder abnutzen, noch verleiten ließ. Die französischen Blätter sind aber gerade aus den Baron übel zu sprechen, und wenn der Kaiser nicht klüger wäre, so würde auch dieser„spröde Charakter" längst beseitigt sein. In Frankreich enthält der„Moniteur" vom 1. August einen Brief des Kaisers an den Staats- minister, in welchem die Grundzüge eines Decrets, welches die Organisation einer Kasse für Arbeits- unfähige bezweckt, enthalten sind.' Aus den Dvnaufurstenthumern wird non Bukarest, 27. Juli, gemeldet: Der Cultusminister Rosetti hat seine Demission eingereicht. Polizei- Präfcct Ciocorlan wurde entlassen)' An feine Stelle wurde Konstantin Mann ernannt. Es geht das Gerücht, Prinz Hohenzollern beabsichtige, sich in den nächsten Tagen unabhängig von der Pforte zu erklären. Si Wie der„Provincia" aus Rom geschrieben wird, hat König Franz II. seine sämmtlichen Be- siythümer im Kirchenstaat verkauft. Der Palast Farnese, die Farnesina mit seinen Gärten und Wiesen, der Palast von Caprarola mit der Ville- giatur(ein berühmtes Meislerwerk der Baukunst) Alles soll um den Preis von 7 Millionen an den Kaiser der Franzosen verkauft worden sein. In Spanien fordert ein Rundschreiben deS Ministers des Innern die Präfecten auf, den Um- trieben der demokratischen Bereine entgegenzutreten. Ueber die amerikanische MinisierkrisiS berichtet die Post aus New-Uork vom 14. Juli: Die Tabiiielskrisis, welche lange gedroht, scheint end- lich zum Ausbruche gekommen zu sein. General-Post- meister Dennison ist zunickgetretell.unb.dem Rücktritte. des Kriegsministers, des Ministers des Innern und deS Attornep Generals sieht man täglich entgegen. Wie man allgemein erfährt, liegt die unmitteibarc Ursache der Rücktritte in der Stellung, die der Präsident zu der Nalional-Union-Convention eingenommen, welche am 14. August in Philadelphia stattfinben soll. Präsident Johnson hat, wie eS scheint, die Sache der Convention zu der seinigen gemacht und den ihr abgeneigten Mi- nistern zu verstehen gegeben, daß er eine von ihnen ge- gen dieselbe gerichtete Opposition als offene Feindselig- keit gegen seine Politik betrachten müsse und sie daher in diesem Falle nicht länger für nützliche Mitglieder seines Cabinets ansehen könne. Herr Seward und Herr Wel- les haben ihre entschiedene Uebereinstimmung mit den Zielen der Convention ausgesprochen und werden daher wahrscheinlich in ihren Stellungen verbleiben. Sobald es offenbar wurde, daß die Convention hinlängliche Un- terstützung finden würde, um ihr eine» mächtigen Ein- fluß ans die Volksstimmung und die herannahenden Wahlen zu geben, haben die radicalen Congreß-Milglie- der, welche zuerst von der ganzen Angelegenheit nur in gelegentlichen verächtlichen Anspielungen in den Debatten NoUz nahmen, sich aufgerafft und sich sofort in einem Conseil versammelt, dessen Beralhungen geheim geblieben sind. Die Angriffe im Congresse, gegen den Präsidenten gerichtet, wurden jetzt häufiger und heftiger, und die Feindseligkeit, welche bis dahin noch immer durch die Hoffnung auf Ztachgiebigkeit des Präsidenten gemildert worden war, nahm eine offenbare Gestalt an. Bon der anderen Seile begannen die Freunde des Präsidenten, ihm eine entschiedenere Unterstützung zuzuwenden, und die, welche früher einen Mittelweg versucht, fanden jetzt diese Stellung unhaltbar und sahen sich genöthigt, für die eine oder andere Seite offen Partei zu nehmen.... Der National-Union. Convention entgegen zu arbeiten, machten die Radicalen sich an'S Werk, auch ihrerseits eine gleichfalls in Philadelphia vierzehn Tage später ab- zuhaltende Convention zu organisiren. Den Ausrus ließen sie von hervorrageuden Radicalen des Südens ergehen, Männern wie Richter Underwood von Virginia, der provisorische Gouverneur Hamilton von Texas und Andere, die meisten von ihnen im Norden geboren oder in politischen Stellungen, die mit der vollständigen Restauration der Südstaaten unhaltbar würden. Aus New-Aork hat„Reuter's Office" Nach- richten durch das atlantische Kabel erhalten, vom 29. Juli, daß Tennessee in den Congreß wie- der zugelassen ist, und daß der Congreß sich ver- tagt hat; ferner vom 1. August: Der Staats-Se- tretair des Innern, Harlan, hat resignirt und wird durch Browning ersetzt. Grant ist zum General und Sherman zum General-Lieutenant ernannt worden. � Der Dampfer„Scotia" ist am 23. v. MtS. und der Dampfer„Palmyra" gestern aus Europa hier eingetroffen. Zur Agitation für das allgemeine, gleiche vnd direkte Wahlrecht. Aus Frankfurt a. M. schickt uns der dortige Bevollmächtigte deS Allg. deutsch. Arb.-VereinS, Herr F. Ellner, nachstehenden Bericht zu: Frankfurt a. M., 28. Juli. Die hiesigen Mitglieder hielten heute eine Versammlung ab in Betreff der vom