Nr. 131. Berlin, Mittwoch den 8. August 18K6. Zweiter Zahrgaug. flnuUlfimrluat Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabend« Abend«. Organ der social-dcmokrailslhcn Partei. Redigirt von I. V. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, Alte Jakobstraße Nr. S7. UbounementS- Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich IS Sgr., mo> natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 12'/, Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswart« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem foliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. Rechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: dir. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. Ä. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour dn Commerce Saint-Andrä-des-Ärts. i- politischer Theil. Berlin, 7. August. � Einer preußischen Thronrede sah man, seitdem Preußen ein constitutioneller Staat gewor- den, im gesanttntcn deutschen Baterlande schwerlich jemals mit solcher Spannung entgegen, als bei der diesmaligen Eröffnung des Landtages. Gar viele Fragen hat das deutsche Volk jetzt an seine Zu- kunfl zu stellen und wenigstens auf einige erwartete est Antwort. Seine Erwartung wurde getäuscht. Die Thron- rede sucht einen Schleier über die Vergangenheit zu decken und hüllt die Zukunft, einer Sphinx gleich, in Räthsel. Wenigstens forscht das Volk vergebens nach einer Andeutung, die seinen Hoff- nungen und Erwartungen,„der nationalen Ent- Wickelung Deutschlands die Bahn zu ebnen," Rech- nung trägt. Die Thronrede verheißt, daß von der prenßi- schen Regierung für die ohne StaatShauShallSetat geführte Verwaltung der letzten Jahre Indemnität nachgesucht werden soll. Indemnität setzt aber das Zvgcständniß begangenen Unrechts voraus und giebt damit zugleich die Erklärung ab, daß eine gleiche Rechtsverletzung, wie die begangene, in Zu- kunft nicht zulässig sei. In diesem Sinne jedoch ist die in der Thron- rede in Arisstcht gestellte JndemnitätSnachsuchung nicht zu verstehen. Die Thronrede betont und de- kräftigt im Gegenlheil ausdrücklich die bisherige Regierungsaufsassnng des Artikels 99 der preußische» Verfassung. Nach dieser Auffassung soll zwar all- jährlich eine Vereinbarung der Regierung mit der Landesvertretung über den StaatShauShallSetat zu Stande kommen; verweigert indeß die Regie- rnNg den Beschlüssen einer oder beider Kammer» die Zustimmung, so ist sie nach ihrer Ansicht dann befugt, nach Vertagung der Kammern, die von ihrem Belieben abhängt, auch ohne die gesetzliche Grundlage eines scftgestelllen StaaiehauShaltsetats die Verwaltung des Staates nach den von ihr vorgelegten, von einer ober von beideit Kammern aber verworfenen Positionen fortzuführen. <-! Diese Befugniß der Regierung wurde jedoch von den preußischen Abgeordneten bisher gerade be- stritten, und die Regierung sucht nun formell eine Entlastung für ihre bisherige budgetlese Verwaltung nach, bebaut jedoch factü'ch bei ihrer bisherigen Auslegung des Art. 99, Die auszusprechende In- demnität wendet sich somit nach zwei Richtungen. Einmal spricht sie daS Abgeordnetenhaus stillfchwei- gend für sich selbst aus, weil sie Beschlösse gefaßt, die für die Regierung im GlaatSintipege absolut unausführbar waren, und dann spricht sie offen die Entlastung für die Regierung ans, weil letztere in Folge jener unuizssührbaren Beschlüsse gezwun- gen war, den Art. 99 der Verfassung zu verletzen. Was uns betrisit, so haben wir uns niemals ' für den langjährigen Streit über den Art. 99 der preußischen Verfassung erwärmen können. Wäre er ehrlich gemeint gewesen, so würde von vorn herein, statt jahrelang ausgesponnener Sophismen, von conservativer und fortschrittlicher Seite zuge- standen sein, daß mit diesem Artikel 99 im Streit- falle überhaupt nichts anzufangen ist. Die Verfassung schreibt keinem der drei gesetzlichen Factoren Nachgiebigkeit vor. Ein jeder hat das Recht, bei denjenigen Positionen, welche er für noihwendig und gerechtfertigt hält, zu verharren, und ein jeder ist sentit für das NichtzustandekvMmen des jähr- lichen Budgets in gleicher Weise verantwortlich. Der einzige Weg, aus diesem Labyrinth heraus- ! zukommen, hätte in einer Revision der Verfassung gelegen, auf Grund deren eine Indemnität für die ! Vergangenheit gerechtfertigt und eine Verständigung über die zukünftige Festellung des jährlichen Staats- ' Haushaltsetats hätte erzielt werden müssen. Jetzt freilich haben die politischen Verhältnisse eine wesentlich andere Gestalt angenommen. Jetzt soll„der nationalen Entwickelung Deutschlands die ■ Bahn geebnet werden" und damit gewinnt der preußische Budgetstreit zugleich eine nationale Be- i deutung. Beharrt die Regierung bei ihrer Aus- legung des Art. 99 und hegt gleichwohl die Er- Wartung, daß durch eine Indemnität„der bisherige I Constict für alle Zeit zum Abschluß gebracht � werde", so wird eine solche Erwartung nur dann erklärlich, wenn vorausgesetzt wird, daß auch die Budgetfrage in den festzustellenden deutschen Grund- rechten, nach welchen die Specialverfassungen zu modificire» sind, ihre Erledigung finden soll. j Doch von einer derartigen Um- und Neugestal- Alling Deutschland« sagt die Throstjedc nichts. Im | Gegenlheil, sie scheint die innere Einheit, jene Ein- � heit, welche allein die Bürgschaft einer freien Ent- ! Wickelung Deutschlands gilbt und um deswillen seit j einem halben Jahrhundert vom Volke so heiß er- strebt ist, ausdrücklich abzulehnen. Die Thronrede spncht von der Erweiterung der preußischen Grenzen uUd von der Einrichtung eines einheitlichen Bundesheeres unter Preußens Füh- rung, dessen Lasten von allen Genossen des Bun- des gleichmäßig getragen werden.„Ist diösev Beziehung" sollen dendtzr�ußfschey Abgeordneten- Hause behufs Einberufung einlr Pclksvertrltiing der Bundesstaaten die erforderlichen Vorlagen un- � rerzüglich gemacht werden. Daß außer der Ein- heit in den militärischen Lasten dem deutschen Volke auch eine Einheit seiner politischen Rechte, eine ' Einheit in den Gruudgesetzen, zugeständen werden soll, daran scheint wenigstens bei Abfassung der ! Thronrede Nicht gedacht zu sein. Das aber hatte das deutsstie Volk, besonders in Preußen erwartet. Es will keine Einheit, die i dem mecklenburgischen Und hannoverschen Volke , seine provinziellen Verfassungen und Eigenlhüm- > lichkeiten, d. h. sein Iunkerregiment und feine bü- ! rcaukralische Bedrückung beläßt. DaS Volk in Preußen hat sich schnell für die Wassenerfolge der preußischen Regierung begeistert, das Volk in Preußen hat wiederum gezeigt, daß es hochherzig zu sein vermag. Möge die preußische Regierung sorgen, daß die Begeisterung nicht ebenso schnell wieder erkalte!— Rundschau. Berlin, 7. August. Die Friedensverhandlungen zwischen den Mäch- ten Deutschlandsi scheinen im schnellen Borschrei- ten begriffen zu sein. Die Friedenspräliminarien, welche auf dem Schlosse von Nicolsburg ach 26. Jult 1866 unterzeichnet wurden, bestehen aus neun Ar- tikeln. Als Bevollmächtigte Oesterreichs unter- handeln in Prag Graf Karolyi und Baron v. Brenner, als Bevollmächtigter Preußens Graf Bismarck. Die Ratification des FriedenSinstru- mentes wird schon in nächster Zeit erwartet, und soll bis dahin auch die an Preußen zu zahlende Kriegsentschädigung in klingender MüNze entrichtet werden, damit die preußischen Truppen iNvgstchst schnell das Land verlassest. Bis auf den ver- gleichSweise geringen Betrag von i'f2 bis 2 Millionen Gulden ist der Acceptationscredit bereits auf die an Preußen zu entrichtende baare Kriegs- entschädigung gezeichnet. Die DelstäxkationSlinie, welche die preußischen Truppen während deS Waf- fenstillstandes in den österreichischen Landen besetzt hallest, zieht sich westlich von Eger über Pilsen, Tabor, ReuhauS, Zlabings»ach Znaini. Südlich macht die Thaia bis zu ihrem Einssusse in die Mar», östlich der letztgenannte Fluß aufwärts bis Nayajedl und von dort eine gerade-jListie bis nach Oderberg die Grenze.— Die von Rußland in Anregung gebrachte Congreßidee zu Gunsten der depossidirten deutschen Fürsten ist als im Sande verlaufen zu betrachten. England selbst, westn eS die Einladung zu einem Congresse annimsttl, will sich in keiner Weise den Anträgen fgr oder gegen die Ausführung des CvstzreßprojecteS anschließen. Frankreich kann den durch seine BeriNittelung her- beigeführten Territorialverästderstygen nstr günstig sein und Preußen wird die Congreßidee voraus- sichtlich überhaupt bekämpfen. Mit der Cvngreß- Idee im Zusammenhange bringt der„Ejäs" wohl die Viittheilung aus Volhynieu, daß Rnßl'andTrUP- pen bei Luck concentriren will. Zwei Corps, das eine unter dem Befehl deS Grafen Mzewinski, das andere unter dem des Generals Kvtzebue, hatten be- reitS Ordre bekommen, sich marschbereit zu halten. Was an dieser Mittheilung ist, die wohl blo« drc- hende Fühler ausstrecken soll, bleibt abzuwarten. Nur nicht ängstlich, sprach der Hahn zum Regen- wurm! Die preußische Maistarmee Und das IX Reserve« Corps sind in die durch ten Waffenstillstand mit den deutschen Bundesstaaten ihnen eingeräumte Demarkationslinie eingezogen. Mainz muß von den Bundestruppen geräumt werden, was größten- theils schon gestehen ist. Die bayerische Demar- katienSlinie ist jetzt genauer veröffentlicht. Der preußische Rayon wird von der Regnitz und der Linie Schwabach, Amberg bis zur böhmischen Grenze einschließlich der beireffenden Eisenbahn- linien gezogen. Die ganze Demarkationslinie ver- läuft demnach von Brunn, Prag, Amberg, Feucht- wanger, KrailSheim nach Heidelberg, um bis zur Ausführung der Friedensbedingungen noch einen ausreichenden süddeutschen Pfandbesitz in Preußens Händen zu lassen. In den Friedenspräliminarien soll festgestellt fein, daß Bayern 10 Millionen Thlr. Kriegskosten zu zahlen hat. Ebenso viel wird von Sachsen verlangt. Ueberhaupt sollen die sogenann- ten„bundestreuen" Staaten J!0 Millionen Thkr. aufbringen, ausschließlich der Summen, die Frank- furt zu bezahlen hat.— Wie der englische, so haben nunmehr auch der französische, der fpanische und der belgische Vertreter beim deutschen Bunde die Stadl Augsburg verlassen. Nur der russische Ge- sandte blieb skraukheitshalber?) noch dorr. Bei dem rabiaten Eifer der„Nordd. Allg. Ztg.", dem Winke ihrer Herren und Meister nachzukom- men, wird es den deutschen Südstaaten schwer ge- lingen, eS dem officiösen Organ reckt zu thun. Jedermann weiß, daß die süddeutschen Staaten aus Widerwillen gegen ein Großpreußen die Waffen Segen Preußen ergriffen haben. Wenn die Süd- aalen nun aber die Einheit Deutschlands höher stellen als ihren Widerwillen gegen Preußen, so fckeint diese Selbstverleugnung nur achtbar, und wenn dabei der Gedanke vorwaltet, dadurch das Aufkommen eines bloßen Großpreußens zu hin- terlreiben, so ist das ein Zeichen politischer Klug- heit, welcher auch im Norden die Unterstützung sicher nicht fehlen wird. Für die„Nordd. Allg. Ztg." verbirgt sich indeß hinter dieser Agitation nur der Pferdefuß des selbstsüchtigen Particularis- mus.— Wir theilten in der vorigen Äiummer unseres Blattes eine Depesche des Grafen Bismarck an den in Frankfurt a. M. kommaudirenden Grafen Röder mit, mit der Weisung, zur Eintreibung der KriegScontributionen zunächst allen Post-, Eisen- bahn- und Telegraphenverkehr der Stadt zn sus- Pendiren!C. Diese Depesche wird jetzt officiell als erfunden bezeichnet.— Am Abend des 1. August hat eine außerordentliche, vertrauliche Sitzung der beiden städtischen Collegien in Hannover staltge- funben, in welcher einstimmig beschlossen ift,� den König in einer an ihn zu richtenden Adresse zu bitten, schleunigst zu Gunsten des Kronprinzen ab- zudanken. Man betrachtet dies als den einzigen noch vorhandenen Ausweg, die Jncorporation des Landes an Preußen zu verhindern und auf Grund- läge des deutschen Resormprojecles Preußens die Dynastie und die Selbstständigkeit des Landes zu erhalten. Ein Mitglied der städtischen Collegien ist, wie es heißt, mit der betreffenden Adresse schon auf dem Wege zum Könige von Hannover nach Wien. Ferner ist eine Adresse an den König von Preußen in Umlauf gesetzt, worin ausgesprochen wird, daß das Heil Hannovers in der Bewahrung feiner Selbständigkeit liege, so weit Beschränkungen nickt zum Wohle Deutschlands geboten sind. Der preußische Civil-Commissar hat jedoch die Absen- dung an den König von Preußen verboten und den Sladl-Direclvr von Hannover für die Befolgung dieses Verbotes verantwortlich gemacht. Wie ver- »iuihet wird, ist dies in Folge eines Winkes aus Berlin geschehen. Jedenfalls eine schlechte Vorbe- deutung für die Bittsteller.— In der am 4. August in Braunschweig stattgehabten Sitzung des Volks- wirihschaftlichen CongresseS kamen folgende Anträge zur Beralhung, die lämmtlich angenommen wurden. I) Antrag des Herrn Faucher: Von den Eintllnsten des VundesstaatS, welche ibells sest, ibeilS beweglich sind, wüsten erslere durch ein Gesetz sestgestellt,.letzierc all- jährlich vom Parlament bewilligt werden. 2) An trag des Herr» Michaelis: Das Budget deS Bundesstaats enilastet die Budgets der Einzelstaaien um Militär- und Marineansgaben; es nillffeu also die Einnadmequellen der Einzelstaaten in da« Budget de« Bundesstaates ein- dreien, itie Grenzen zwischen den Steuern deS Bundes klaais und denen der Eiiizelflaaten stnd so z» ziehen, hast das Einnabmebudgei des Bundesstaat« eine hinreichende Maiiiiigfalligkeil von Einnabmeqnellen besitzt, um durch- kreisende Sleuerresormcn zu ermöglichen. 3) Aulrag de« Herrn Braun: Die baldige Aufhebung aller Mono- pole,»amentlich auch de« SalzmvitopolS, sorpje die Her- stellung der Freizligigkeit ist im Bu-nd-«staate nothwendig, ohne Unterschied zwischen Inländern und Ausländern. Der Antrag fordert ferner, daß die Postllberschllsse in die Reichskasse abgeführt werden, außerdem eiue ein- stufige Briejtaxe und einheitliche Frankomarten. 4) An- trag de« Herrn Michaeli«: DaS Eisenbahnwesen ist dnrch ein allgemeines ditilsches Eiscnbahngesctz zu ordnen; daß EonzesstoiiSwesen der Eisenbahnen, sowie da« Oberaus- sichlSrecht ist der Centralgewalt zu übertragen. In Wien wendet man sich bereits mit Eifer von den äußeren zu den inneren Angelegenheiten des Reiches in der Hoffnung, daß sich das reac- tionaire Ministerium zu freisinnigen Maßregeln enlsckließen werde. Im Staatsministerium beschäf- tigt man sick auch in der That mit der Ausarbei- tung eines Wahlgesetzes für die Reiä>sverlretuiig, welches, entgegen dem Schmerling'schen, auf dem Grundsatze der directen Wahlen beruhe» soll, so daß die Reicksvertreter nickt aus den verschiedenen Landtagen, sondern unmittelbar von den Wäbler» gewählt werden. Diese Reichsvcrtretung soll zu- gleich mit dem ungarischen Landtage im Laufe des Herbstes zusammentreten. Allenthalben immer wie- der dieselbe gulmüihige Leichtgläubigkeit! Belcredi und Consoricn sind in der Theorie sehr frelgebig mit der Anerkennung der Selbstständigkeil der „Königreiche und Lander", in der Praxis aber ge- rade so hartgesottene Bureaukraten, wie jeder andere böhmische Federfuchser, der seine zwanzig Jahre Aclenstaub geschluckt hat.— Für den Fall, daß die Italiener darauf bestehen, Venetien ohne die Verpflichtung ihrerseits eine Entschädigung dafür zu leisten, avgeircten zu erhalten, haben am 2. August wieder Rücklransporte österreichischer Truppen nach Venetien begonnen. Der Kaiser von Frankreich ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis;, welches die Reise des Prinzen nach Italien gehabt hat. Man schließt daraus aus eine glückliche Lösung der österrelchisch-italienischeu Verhandlungen.— Der Pariser Börfe Hai sich eine gewaltige Panik bemächtigt, da die Differenzen, welche nicht bezahlt werden, sich auf die ungeheure Summe von 20 Millionen Francs belaufen.— Der„Courrier du Dirnanche" ist wegen eines Briefes von Prerost-Paradel unterdrückt worden. Diese Maßregel erregt allgemeines Mißsallen und die meisten Journale schicken dem Blatte ihre Theil- nahnie nach. Nicht so befriedigend, wie es nach unserer Pa- riser Nachricht erscheinen könnte, lauten die Berichte über die Friedensverhandlungen aus Jtulten, worauf schon die wieder aufgenommenen Transpor.e östereichischer Truppen nach Venedig deuten; jeden- falls beeilt sich das Wiener Kabinet nicht, mit Italien ins Klare zu kommen und andererseits er- schwert die Aufregung des italienischen Volkes sei- ner Regierung die Verhandlungen.— Nach einer bei Scklüß der Redaclion ans Florenz eingegan- geuen Depesche sind gestern die griedensverhand- lungen in der That durch einen Zwischenfall unter- brechen. Worin dieser Zwischenfall besteht, ist nicht gesagt.— Die Untersuchung gegen Persans wird mit großem Eifer fortgeführt. In England verlangte das neue Ministerium von dem Uuterhause die Ermächtigung, die Aushe- bung der HabeaS-Corpus-Akte für Irland zu ver- länger».— Auch die zweite Lesung der(sranzö- fischen) Auslieferungsbill ist jetzt, wenn auch nach langer und stellenweise heftiger Debatte, angenommen. Der Auslieferungsvertrag mit Frankreich soll sich ausschließlich auf vier Arten von Verbrechen be- schränken, nämlich Mord, Mordversuch, Fälschung und betrügerischen Bankerott. Aus Petersburg wird berichtet, daß das ruf- sische Kabmet von einigen deutschen Miltelstaaten um Intervention angegangen worden, der Kaiser sich aber durch keine Zusage irgendwie gebunden habe. In Amerika ist durch den Congreßbeschluß der nordamerikanischen Staaten der Rebellenstaat Tenessee wieder in die Union aufgenommen.— Präsident Johnson hat dem Zulassungsbeschlusse seine Unterschrift erlheilt, sich aber in einer be- sonderen, an den Congreß gerichteten Botschaft dagegen verwahrt, als erkenne er damit ein Recht des Congresses zur Gesetzgebung an, bevor die Südstaaten wieder aufgenommen feien. Die Bot- , schalt wurde im RepräseniantenHaufe mit spöttischem �Gelächter empfangen. Deutschland. Berlin, 7. Augun. sThronreve.) Ayrb. d. um 12 Uhr hatten sich die' Mitglieder der beiden Häuser des Landtages Hm weißen Saale des Kö- niglichen Schlosses in ungewöhnlich großer Zahl versammelt. Der vsrändcrte Eharacter der Bec- sammlung gab sich"darin kund, daß die Uniform überwiegend vertreten war. Die Thronrede, welche der König zur Eröffnung des Landtages hielt, lautet: Erlauchte, edte nnd liebe Herren von beiden Häusern de« Landtage«. Indem Ich die Vertretung des Landes um Mich versammelt sehe, drängt Mich Mein Gefühl, vor Allem auch von dieser Stelle Meinen und Meines Volkes Dank sür Gölte« Gnade auszusprechen, welche Preußen gehol- sen hat, unter schweren, aber erfolgreichen Opfern nicht nur die Gefahren feindlicher Angriffe von unseren Gren- zen abzuwenden, sondern in raschem Siegeslauf de« vaterländischen Heere« dem ererbten Rahme neue Lor- beeren hinzuzufügen und der nationalen Entwickelung Deutschlands die Bahn z» ebnen. Unter dem sichtbaren Segen Gottes folgte die Waffen- sähige Ration mir Begeisterung dem Rufe~ in den heiligen Kampf für die Unabhängigkeit de« Vaterlandes und schritt unser heldenmüthige« Heer, unterstützt von wenigen aber treuen BundeSqetioffen, von Erfolg zu Erfolg, von Sieg zu Sieg, im Osten wie im Westen. Viel tbeures Blut ist geflossen, viele Tapfdre betrauert das Vaterland, die siegessroh de» Heldentod starben, bi» unsere Fahnen sich in einer Linie von den Kärpathen zum Rheine ent- falteten. In einirächtigein Znsainmenwirken werden Regierung und Volksvertretung die Früchte zur Reise zu bringen haben, die ans der blutigen Saat, soll sie nicht umsonst gestreut sein, erwachsen müssen. Liebe Herren von beiden Häusern de« Landtage»! Ans die Finanzlage de« Staates kann Meine Regie- rung den Bl:ck mit Befriedignng wenden. Sorgliche Vorsicht und gewissenhafte Sparsamkeit haben sie in den Stand gesetzt, die große» finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden, welche die gegenwärtigen Zeitverhältniff« in naturgemäßem Gefolge haben. Obwobl schon in den letzten Jahren, durch den Krieg mit Dänemark, der Staatskasse beträchtliche Opfer aiiser- legt worden sind, ist es doch gelungen, die bisher erwach- senen Kosten des gegenwärtigen Kriege« an« den Staats- Einnahmen und vorhandenen Beständen, ohne andere Belastung des Lande«, als die dnrch die gesetzlichen sliatiiral-Leistungen für Kriegszwecke erwachsende, bereit zu stellen. Um so zuversichtlicher hoffe ich, daß die Mit- tel, welche zur erfolgreichen Beendigung de« Krieges und zur Bezahlung der Natnral-Leistungen, bei Aufrechterhal- tung der Ordnung und Sicherheit in den Finanzen, er- forderlich find, von Ihnen bereitwillig gewährt werden. Ueber die Feststellung des StaaishauShaltS-Etat« hat eine Vereinbarung mit der Landesvertretung in den letzte» Jahren nicht herbeigeführt werden können. Die Staat» Ausgaben, welche in dieser Zeit geleistet sind, entbehren daher der gesetzlichen Grundlage, welche der Staatshanshali, wie Ich wiederHoll anerkeline, nur durch das nach Artikel 99 der Verfaffungs-Urknnde alljährlich zwischen Meiner Regierung und den beiden Häusern de« Landtages zu vereinbarende Gesetz erhält. Wenn Meine Regierung gleichwohl den StaatShau«- hall ohne diese gesetzliche Grundlage mehrere Jahre ge- jüdrt hat, so ist die«»ach gewissenhajter Prüfung in der pflichtmäßigen Ueberzcugung geschehen, daß die Fort- sührung einer geregelten Verwaltung, die Erfüllung der gesetzlichen Verpflichtungen gegen die Gläubiger und die Beamten de« Staate«, die Erhaltung des Heeres und der Staals-Jnstitute, Existenzfragen de« Staates waren, und daß daher jene« Versahren eine der unabweisbaren Rothwendigkeiten wurde, denen sich eine Regierung im Interesse des Lande« nicht entziehen lann und darf. Ich hege da« Vertrauen, daß die jüngste» Ereigniffe dazu beitrage» werden, die unerläßliche Verständigung in so weit zu erzielen, daß Meiner Regierung in Bezug auf die ohne SraalShanSdaltS- Gesetz geführte Verwaltung die Indemnität, in» welche die LandeSverlrelung ange- gangen werden soll, bereitwillig erlheilt, und damit der bisherige Konflikt für alle Zeil um so sicherer zum Ab- schluß gebracht werden wird, al« erwartet werden darf, daß die politische Lage de« Vaterlandes eine Erweiterung der Grenzen de« Staate« und die Einrichiuug eine« ein« beillichen Bilndeshecre« uiiter Preußen« Führung gestat- ten werde, dessen Lasten von alle» Genossen de« Bunde« gleichmäßig werden getragen werden. vic Vorlagen, welche in dieser Beziehung Behuf« Einberufung einer Volksvertretung der Bundesstaaten erforderlich sind, werden dem Landtage unverzüglich zu- gehen.