Nr. 132. Berlin, Freitag den 10. August 1866. Zweiter Jahrgang. Diese Zeitung erscbeint drei Mal wöchentlich und'zwar: Dienstag«� Donnerstags und Sonnabends Abends. Demokrat. Organ kr social-demokratlschen Partei. Redigirt von Z. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Alte Jakobstraße Nr. 67. «donnementZ- Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljäbrlich 15 Sgr., wo- natlich S Sgr.. einzelne Nummern 1 Sgr.t bei den Königl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- laud I2V* Sgr., im übrigen Deutschland'20 Sgr.(fl. 1. 10. slldd., st. 1. österr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Erpedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie.Zimmerstraße 4L», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmanii" entgegen genommen. Inseratei»d der Russischen Regierung besteben, iiiochien es angemessen und wiinschenswerlh erscheinen lasten, der letzteren in Betreff der uothwendigen Gesichtspunkte und Schritte Preußens in jener Beziehung nähere vertrauliche Mitlheilungen zu machen Die wegen der vermeintlichen Stelliing Rußland zu de» in Rede sie- h enden Fragen hier und da verbreiteten Besorgnisse i dürsten sich bald als inibegründet erweisen. i Die Grundlosigkeit dieser Besorguiste dürs-en aber eben neck abzuwarten sei». Besonders eifrig sollen die Beinühnngen zu Gunsten der Hannöver- schen Königsfamilie sein, ja man will sogar wiffen, daß der Kronprinz von Hannover in Berlin sei, um nvlhigenfaUs rechtzeitig zu den Verhandlungen hinzugezogen werden zu können. Ueber die Siel- ln»g Luxemburgs nach Auflösung deS deutschen Bundes war bisher noch nichts bekanni geworden. Die„Jndexendance belge" vermerkt jetzt, daß die mit dem König- Großherzog darüber gepflogenen Verhandlungen zu keinem Ziele geführt Härte», da der König- Großherzog für das Großherzoglhum eine unabhängige Stellung vorziehe. Die„Karlsruher Ztg." veröffenllicht den zwischen Preußen und Bade» abgeschlossenen Waffenstillstand. Für die Dauer des bis zum 22. August laufenden Waffenstillstandes dürfen die badischen Truppen keine nördlich von Karlsruhe gelegene Stellung einnehmen. Die preußischen Truppen dagegen können das badische, auf dem rechten Neckarufer gelegene Gebiet nebst den Städten Heidelberg und Mannheii» militärisch besetzen und zu den Eanton- »ementS benutzen. Von den siebenzehn norddeutschen Regierungen, welche in wiederholten Zuschriften Seilens Preußens zu den Vorbereitungen für die Parlameniowahlen eingeladen wurden, sollen sieben bis zehn diese Borbereitungen beendigt haben, andere nock im Rückstände fein, einige wenige noch gar nicht ge- antwortet haben. Der deutsche Bund kann noch immer nicht sterben. Es wird seiner schiildbeladeuen Seele schwer, seine irdische Hülle zu verlassen, die sich zuweilen»och in krampfhaften Zuckungen regt. Am 4. August hat noch eine Sitzung stattgefunden. Was dort verbandelt, kann aber füglich der Ver- gessenheit anheimgegeben werden.— In Hannover ist die dort erscheinende„LanbeSzeilnng" von dem preußischen Civilkommissar unterdrückt worden. Wir wissen nicht, die wieviel le unterdrückte Zeitung in den von Preußen eroberten und besetzten deutschen Landen das ist. Jedenfalls ist die Zahl schon be- irächtlich, doch glauben wir kaum, daß ein zu scharfes Vorgehen gegen die Presse ein geeignetes Mittel ist, um sich die Sympathieen deü deutschen Volkes zu erwerben, wen» wir auch zugeben, daß der Kriegszustand in manchen Beziehungen einen Ausnahmezustand rechtfertigt.— Aus München wird berichtet, daß das Gerücht von dem Rücktritt v d. Pfordtens unbegründet sei. Man nimmt als zuveilässig an, daß Hr. v. Bismarck, unter dem jetzt in Preußen, wie der Leitartikelsck'reiber der„Ber- liner Reform" versichert, eine„Neue Aera" ange- brocke» sei, in Eonsequeuz dieser neuen Aera, den Rücktritt des reaetionären Ministeriums Pfordten als Friedensbedingung stellen werde.— Wie die Wiener„Debatte" behauptet, hat Kaiser Napoleon einen Brief an de» Kaiser vo» Oesterreich gerichtet, in welchem darauf hingewiesen wird, daß eine italienische Invasion in Venetien, welches von Oesterreich an Frankreich abgetreten sei, keineswegs ein Präjudiz für die bevorstehenden Friedensver- Handlungen abgeben könne; die Eession habe für Frankreich ein Recht begründet, welches von der Florentiner Regierung weder in Abrede gestellt, noch ignorirt werde» dürfe. I» Paris erregt es allgemeines Aufsehen, daß der Kaiser plötzlich von Vicky, wohin er eines UnterleibSübels wegen, das ihm große Schmerzen verursacht, gegangen war, nach St. Clouv zurück- gekehrt ist, wo er am 7. Abends eingetroffen. Die Schwierigkeiten zwischen Oesterreich und Italien haben eine Höhe erreicht, welche nichts Gutes ver»