Nr. 138. Berlin, Mittwoch den 22. August 1866. Zweiter Zahrgang. SorialGtmokrat. Diese Zeilung erscheint drei Mal wischenilich und zwar- Dienstags� Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social-kmolraUschcn Partei. Redigirt von I. B. d. Hofstetten und Z. P. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Alte Jakobstrage Nr. 67. Abonnements- Preis sitr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr.. mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land ILt/z Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Exvedition, von jedem soliden Svediteur, von der Expreß-Compagnie, Zimmerstraße 46», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Jnscratc(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbciter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: 6. A. Alexandre, Strasabonrg, 5. Eue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Ärts. politischer Theil. Rundschau. Berlin, 21. August. Wenn damit Friede in Dcnt�cliland ist, so sind die Friedensadschlüsse zwischen Preußen und seinen Gegnern theils abgeschlossen, theils können sich seinem Abschlüsse kanni noch Hindernisse oder Verwickelungen entgegcnslcllcn. Wenigstens ver- sichert die„Kreuzzeilung", wenn auch noch keine officielle Meldung vorliege, dock alö zuverlässig, daß der Friedensabschluß mit Oesterreich erfolgt sei. Von dem Inhalte des Fricdenslractatcs ver- lautet bis jetzt nur, daß der österreichisch-prcußische Zollverlrag in Kraft bleiben soll. Einzelne Modi- ficationen sind späteren Verhandlungen vorbehalten. Bis dahin bleibt der bisherige Zollvertrag provi- sorisch in Kraft. Ebenso behauptet die„Krenzztg." daß mit Bayern der Friede hergestellt sei. Nack dem„Nürnberger Correspondent" hat Preußen auf die Abtretung von Kissingen in Unter-Franken sammt den dazu gehörigen Bezirken bestanden, ist dagegen von weiter gehenden Forderungen, Baireuth, Nürnberg und Anspach, zurückgetreten. Die Höhe der Kriegskosten wird zu 12, von ande- ren Zeitungen auf 35 Millionen Gulden angegeben. Auch wird ein Landstrich nach Hof zu niil einer Bevölkerung von 300,000 Einwohnern unter den feststehenden Forderungen Preußens bezeichnet. Der König von Bayern hat persönlich für die Förde- rnng der Verhandlungen, sowie für die Herbei- führung günstigerer Friedensbedingnngen mitge- wirkt und lebhaften Antheil daran genommen. Mit Baden ist nach einer in Karlsruhe aus Berlin ein- getroffenen Depesche der Friedensvertrag am 17. August unterzeichnet worden. Nach der„Karlsr. Ztg." enthält der Vertrag sehr wichtige Bestim- muirgen in Betreff der Handels- und Verkehrsver- Hältnisse. Es ist die Fortdauer deS Zollvereins festgesetzt und bestimmt worden, daß in Kurzem! Verhandlungen wegen definitiver Regelung der Zoll- vereins-Berhältnisse zu beginnen haben. Dann ist der Zusamuientritr einer Conferenz in Aussicht ge- nonimen, um für das deutsche Eisenbahnwesen längst schwer vermißte Normen festzusetzen. Es soll sick dabei insbesondere um die Mittel für die Förde- rnng des Personen- und Güterverkehres, ferner um eine Regelung der Ccncurrenz-Berhältnisse ohne Benachtheiligung der allgemeinen Verkehrs-Jnteres- sen, dann um die Aufstellung gemeinsamer Grundsätze für die Cvncessionirung neuer Eiseubahnlinien zc. handeln. Endlich ist die Einstellung der Erhebung i der SchifffahrtS-Abgaben auf dem Rheine vom 1. Ja- nuar 1867 in diesen StaatSvertrag aufgenommen. Es ist zu erwarten, daß die beiden anderen deutschen Uferstaatcn gleichzeitig dieselbe Maßregel treffen wer- den. Ein Extrablatt des„Dr. Journ." meldet, daß zufolge einer an die Landeskommission am Heuligen! i Tage gelangten Entschließung des Königs Johann Z Wiener„Presse" bricht hierbei in die bezeichnenden dem Herrn Staatsminister Frhrn. v. Benst die von Worte aus:„Wir nehmen von diesem Bekenntnisse demselben erbetene Entlassung allergnätigst bewil- niit dem Beifügen Act, daß hoffentlich für immer ligt worden ist. Die übrigen StaatSminister haben die Zeit vorüber ist, in welcher Oesterreich sich für sich dem Entlassungs-Gesuck des Frhrn. v. Beust freinde Interessen opferte."— angeschlossen, es hat jedoch der König diese Gesuche! Der Kaiser von Frankreick hat als Zeichen nicht angenonimen, indem von ihm die für das besseren Befindens wieder eine Spazierfahrt im erstere angeführten Beweggründe für die übrigen Boulogner Gehölz gemacht, worüber die P.wiser Mitglieder des Gesammr-Ministeriums nicht als sich sehr gefreut haben, und auch die durch die maßgebend befunden worden sind.— In Leipzig Unterhandlungen mit Berlin hervorgerufene Tlufre- ist eine Bersanimlung prenßeufrcundlichcr Richtung gung macht einer ruhigeren Anschauung Platz, was aufgelöst worden, weil die polizeiliche Anmeldung indeß einen Theil der Journale nicht abhält, nock derselben versäumt worden war. Ein Theil der! immer bcrzhaft über Preußen herzufahren. Die preußischen Blätter geräth über diesen„Hohn gegen„France" spricht sich ziemlich scharf gegen das Ver- die preußische Verwaltung" in große Entrüstung, fahren Preußens ans, das sie eine Rückkehr zu den Dasselbe würde aber auch jeder politischen Versamm- Methoden deS alten Europas nennt.— Trotz aller lung in Preußen, wenn sie nicht angemeldet wor- ihrer Energie, wie bestimmt verlautet, hat die den, geschehen sein. Man tbäte gut, mehr vor der Kaiserin von Mexiko in ihren seitherigen Bespre- eigenen Thür zu kehren. Anlaß dazu ist da.— chungen mit Napoleon noch nichts durchsetzen kön- England und Rußland haben sich für das Verblei- neu, und die öffentliche Meinung wird für den Gc- ben der Provinz Oberhessen bei Darmstadt aus danken neuer Opfer zu Gunsten Mexiko's von Tag verwandtschaftlichen Grüuden�bemüht. So wird in zu Tag unzugänglicher. Nachdem es ein öffent- allen unterrichteten Kreisen versichert. DaS Ver- lichcS Geheim n iß geworden ist, welche Stimmung bleiben, das heißt, der Verlust der Provinz für die Kaiserin Charlotte gezeigt hat, als ihr Saint- Preußen, wird denn auch als wahrscheinlich be- Nazaire die Nachricht von der Niederlage Oester- trachtet. Der Großherzog hatte eine» Austausch reichs gegeben wurde, glaubt inan hier bezweifeln bekanntlich abgelehnt. Wie man jetzt einen Tdeil zu dürfen, daß sich dieselbe noch nach Wien begeben von Hessen-Darmstadt in den norddeutschen Bund wird. hineinziehen, dem anderen Süddeutschland überlassen In Italien ist ein königliches Amnestiede- will, ist ein Problem. Die Integrität des Groß- irret erschienen— und Preußen? herzogihnms in dessen gegenwärtigem Bestände scheint Auf CTandia ist ein Aufstand ausgebrochen, übrigens nichts weniger, als gesichert. Eine Arron-! der einen sehr ernsten Charakter zu haben scheint dirung zu Gunsten Preußens dürfte jedensall statt finden, beispielweise Hessen-Homburg an Preußen fallen. Auck glaubt man, daß Preußen das Be- satzungsrecht, und hoffentlich das ausschließliche, in Mainz haben werde. Aus dem allem geht hervor, daß die Angelegenheit noch nicht endgültig geregelt ist.— Wie es in politischen Kreisen heißt, aller- dings nicht in vollkommen verbürgter Weise, sollen Baden und Hessen-Darmslavt den Eintritt in den norddeutschen Bund beantragt haben. Preußen habe dies aber als für jetzt unmöglich abgelehnt.— Die Wiener„Presse" erhält aus Frankfurt a. M. eine Zuschrift, die folgendermaßen schließt: Der verfluchte Bllrgerstolz! sagen die Preußen. Nun, der dleibt uns. Und wenn wir einverleibt werde», so werden wir es gewiß nicht als Anbänger de« herrschen- den Systems, sondern als geborene Mitglieder der Oppv- und sich nicht nichr auf die Insel selbst beschränkt, sondern sich auch den übrigen Punkten Griechen- lands mitgetheilt hat. Die griechischen Journale erklären, daß die Nation im Jahre 1821 nur zu den Waffen gegriffen habe, um die LoSreißung aller christlichen Provinzen von der Türkei zu bewirke». Die Emancipation Griechenlands sei nur die erste Etappe auf dem Wege zur Befreiung aller griechisch- slavifchen Stämme von der türkischen Herrschaft und zu einer Union aller christlichen Völker des Orients gewesen. Ausland.. Spanien. sS p a n i s che W i r l h s ch a f t.s Seit der Ernennung des Marschalls Narvaez zum spanischen Minister-Präsidenten verlautet nur wenig ...•,....„ e,- o! über den wirklichen Stand der Dinge in Spanien. »**- D.- S«,.-,.,«-.,«ach--.....ich O Donnell s eingesuhrt wurde, ist der Art, daß fast Niemand mehr den Muth besitzt, sich, selbst Frage frei haben— an die Zukunft. Der„l'Univers" veröffentlichte vor einigen Tagen einen Brief Papst Pius IX. an den Kaiser Ferdi- nand von Oesterreich vom Jahre 1848, in welchem die Abtretung Lombardo-BenetienS anempfohlen wurde. Der„Volksfreund" leugnet diesen Brief ab und fügt hinzu, daß er zu wissen glaube, daß der heilige Vater der Letzte gewesen wäre, Oester- reich zur Abtretung VenelienS zu raihen und daß eher das Gegentheil geschehen sei. Die in Privatbriefcn, offen auszusprechen. Dem„Avenir National" sind aber doch einige Nachrichten zuge- gangen und er entwirft von dem Stande der Dinge in diesem unglücklichen Lande folgendes Gemälde: Man kann sich nur schwer eine Vorstellung von der Lage machen, in welcher sich Spanien gegenwärtig be- findet. Seit den Zeiten der Inquisition und Fer- dinand's VII., des rey neto, herrschte lein solcher Schrecken, keine solche Todesstille. Der liberale Despo- tiSmus O'Donnell's hal den absoluten Despotismus Närvaez' herbeigeführt, dem die Königin daß Wohl der letzten Krone des letzten Bourbonen anvertraut hat. Alle liberalen Journale sind unterdrückt. Die wenigen Blätter, welche am Leben geblieben sind, beschränken sich daraus, der Correspondeucia, einem kleinen osficiösen Blatte, nicht etwa die politischen Nachrichten, sondern die bedeutendsten Dinge nachzudrucken. Es giebr keine Journale und Vereine mehr. Die öffentlichen Locale werden um 10 Uhr Abends geschloffen. Es ist der Tod eines Volles von 17 Millionen. Der Marschall Narvae;, der Europa mit den ernstesten Fragen beschäftigt sieht, glaubt, daß die öffentliche Aufmerksamkeit sich wegen seines Austretens nicht beunruhigen wird. Jeden Tag werden in Madrid und aus der ganzen Halbinsel, nameni- lich in Barcelona und Sevilla, Verhaftungen und Er- schießungen vorgenommen. Bei Einbruch der Nacht durchziehen Geusd'armerie-Patrouillen mit geladenen Ge- wehren die Straßen. Alle diejenigen, welche Spanien entfliehen können, lhun es. Wenn wir nicht befürchteten, die Aufmerksamkeit der spanischen Polizei wachzurufen, so würden wir Beispiele von Aufopferung anführen, welche zugleich den inquisitorischen Despotismus de» Marschalls Narvaez und die Mittel varthun würden, Zu denen mau seine Zuflucht nehmen muß, um ihm zu entgehen. Ein Privatschreiben, es ist die einzige Hlllss- quelle, die uns bleibt, um zu erfahren, was jenseit der Pyrenäen vorgeht, sagt:„Seit der Cholera vom letzten Jahre hat man Madrid nicht so verlassen gesehen. Man flüchtet sich, um nicht geächtet, verhaftet, erschossen zu werden." Die spanischen Flüchtlinge mehren sich im Süden Frankreichs. Narvaez bat die Ueberwackung der Erziehung des Prinzen von Austurien dem Erzbischof von Burgos, einem der Chefs der nltramontanen Partei, zurückgegeben. Man will die religiösen Orden, die seit lL4l> gänzlich verschwunden waren, wieder herstellen; die neue Regierung kann sich nur auf Bayonnette und Kulte stützen. Die Gewaltthäligleit verleiht aber leine Kraft und es giebt viele Leute, die glauben, daß die Königin Jsabella, welche sich in das Land der Basken begeben hat, nicht mehr nach Madrid zurückkehren wird. Narvaez ist unter einem Regime, da« nur dem Namen Nach constitutiounel ist, der absolute Herr. Aber was kann er ausrichten? Die spanischen Finanzen existiren nicht mehr; alle Geschäfte stehen auf dem Puncte, zu Grunde zu gehen, und die Unzufriedenheit ist eine furcht- bare. Diese Lage kann nicht lange andauern. Es sind, Man muß es hoffen, die letzten Zuckungen einer ganzen Bergangenheit politischer und religiöser Berdummung. Frankreich kann viel für Spanien tbun, aber nicht durch eine osficielle oder osficiöse Intervention, sondern durch den Druck der öffentlichen Meinung. Was sich in Spanien zuträgt, kann nur mit dem vergliche» werden, was in Neapel unter anderen Bourbons geschah. Zur Änitation für das allacmcine, gleiche und direkte Wahlrecht. Bekanntmachung. Der Rheinisch- Wesiphälische Arbeltertag wird »us lokalen Gründen nicht Sonntag, den 26. Äugust, sondern Feuilleton. T Populäre Beleuchtung der jetzigen Groß-Jndustrie und der künftigen Produetiv-Associationen. (Fortsetzung.) 3) Schaden undNachtheilederGroß-Jnduslrie im Allgemeinen. Unter denselben steht obenan: «) die Vernichtung der Kleiu-Jndustrie, de« Mittelstandes. Bevor der Besitz refp. die Verbindung großer Kapi- kalien, die erstauulichen Fortschritte der Technik(Maschi- üen, Dampfkraft, Eisenbahnen». s. w.) und ein Massen- baftes Proletariat die Industrie in den Stand setzten, fast lede productive menschliche Thätigkeit in ihren Bereich zu ziehen, wozu sie jetzt gewissermaßen gezwungen wird, �eil eine grenzenlose Concurrenz außer dem Aufsuchen weiterer Absatzwege(Handelsverträge mit fremden Na- kionen) auch die Schaffung immer neuer Fabri kationSzweige zur absoluten Nolhwendigkcit macht, � bevor, mit einem Worte, die Groß-Industrie ihre gegenwärtige unermeßliche Ausdehnung erlangt hatte, wurden die Producte, welche jetzt durch Anwendung von Dampf utid Maschinen und bei möglichster Arbeits- cheiluug in großen Massen sabricirt werden, Hand- werksniäßig hergestellt. Da« war die„gute, alte Sonntag, den 2. September, in Barmen stattfinden. Diejenigen Orte in Rheinland und Westphalen, wo noch keine öffentliche Versammlungen statlfan- den, werden hiermit aufgefordert, solche bis zum 2. September jedenfalls anzuberaumen. Berlin, den 21. August 1866. Der Präsident des Allg. deutsch. Arb.-Vemns A. Perl. Aus R o n S v o r f berichtet man uns: RonSdorf, 15. August. Am Sonntag den 12. d. wurde hier eine von dem Bevollmächtigten des Allg. deusch. Arb.-Vereins Herrn Ern st W ilke anberamnle Volksversammlung abgehalten, in welcher Herr V o r- steher ans Barmen sich in einer kräftigen Rede über das allgemeine, gleiche und directe Wahlrecht und das gegenwärtige Dreiklassen-Wahlgesetz verbreitete. Er hob besonders hervor, doß das allgemeine gleiche und directe Wahlrecht schon von Friedrich Wilhelm IV. acceptirt worden sei, dem preußischen Volke aber später das Dreiklassen-Wahlgesetz octroyirl sei, was durch die Kam- merbeschlüsse genehmigt wurde, und daß bei dem gegen- wältigen Klassen-Wahlspstem es keinem Arbeiter mög« lich sei, an den Wahlen Theil zu nehmen, weil derjenige Bürger, resp. Arbeiter, der nicht vier Thaler directe Steuern zahle, auch nicht wählen dürfe, und daß er da» als das größte Unrecht und den Hauptgrund unserer tiefen Versumpfung ansehe; er fordere daher einen jeden deutschen Arbeiter aus, unerschüiterlich an der Forderung des allgemeinen gleichen und directen Wahlrecht« fest zu hallen, da er die gegenwärtige Zeil zu dieser Forderung für sehr zwekmäßig halte. Sodann schilderte er, wie das Hau« Habsbnrg seit mehr als 200 Jahren an der Einigkeit Deutschlands gewirthschaftet und nichts zu Stande gebracht habe, daß dagegen wir gesonnen seien, ernergisch mit und durch Preußen in jüngster Zeit ein einiges Deutschland herzustellen. Demnächst ergriff Herr Hennig aus Ronsdorf da« Wort und verbreitete sich über die Revolulions« Zeit von 1789.— Er wies daraus hin, daß auch da schon die Idee des Volkes auf dem allgemeinen Stimm- recht gefußt hätte; man hätte aber auch in jener Zeil den Arbeiter mit einer seinen Politik zu hintergehen ge- wüßt und die Gesetze im Interesse der Ausbeutung or- ganisirt. Daß eS nun nothwendig an der Zeit sei, diesen Uebelständen abzuhelfen, zeige uus der heutige Arbeiterstand, der Wohl einem jeden klar sein müßte. Ferner verbreitete er sich Über die jüngste deutsche Ver- Wickelung, in welcher Preußens Siege so glänzend aus- gefallen seien. Dieselben seien uns durch das mit dem vollen Bewußtsein einer weltgeschichtlichen Fortentwicklung der deutschen Nation begable preußische Volk erkämpft nicht aber durch ein blindes Dreinschlagen. Die Ehre, die uns zu Theil wurde, Leben und Blut auf dem Schlachrfelde einzusetzen für Deutschlands Größe,— solle uns nicht die auch in der Gesetzgebung zu gute kommen; solle wieder dieses Blut für nicht«, als den Muthwillen der Fürsten geflossen sein? Es wäre zu schmachvoll, denken zu müssen, daß solchem verheerenden Beginnen der Fürsten nicht einst ein Etzde gemacht würde. „Lassen Sie uns daher— führt Herr Hennig fort— einmüthig, wie ein Mann, unsere Stimme erheben, um Zeit," in welcher das Handwerk noch einen goldenen Boden halte.— Der Handwerker(Meister) stellte mit feinen Geblllsen (Gesellen und Lehrlingen), welche von ihm Wohnung und Beköstigung empfingen(patriarchalisches Familien- leben), die betreffende Waare— z. B. der Büchsen- macher Gewehre— vollständig her uud verkaufte seine Producte ohne Zwischenhändler direct an die Consu- menten(Kunden). Die verschiedenen Handwerke bildeten je eine Zunft, eine organisirte Verbindung, deren Ge- setze die Erlangung der Meisterschaft erschwerten und da- durch das Handwerk vor lleberfüllung(maßloser Eon- currenz) schützten. Das Geschäft ging in der Regel auf den ältesten Sohn des Meisters über. Hatte dasselbe unter einigen Generationen geblüht und die Meister- familie Reichthümer erworben, dann zog sich dieselbe vom Geschäft zurück ins behagliche Bürgerieben; die an- gesammelten Kapitalien wurde» gegen landesübliche Zinsen verlieben uud der ehrsame Meister avancirte zum behäbigen Rentner. Der im Vergleich zu dem späteren Fabrikbetriebe äußerst beschränkte Gewerbebetrieb der Handwerker erfor- derte keine bedeutende Geldmittel, und so war es mög- lich, daß selbst ein unbemittelter Geselle, wenn er die sonstigen erschwerenden Bedingungen der Meisterschaft erfüllte, sich durch Geschicklichkeit, Fleiß»nd Sparsam- keit aus dem Proletariat zum Mittelstände emporarbeiten konnte. Als in später» Zeiten durch die in Folge der Eni- deckung fremder Länder und Welttheile z» großem Auf- durch die Gewinnung der öffentlichen Ueberzeugnng und in dem vollen Bewußtsein, daß die gesammte Arbeiter- schast die erste Macht der Erde ist, auf Erreichung des allgemeinen gleichen und directen Wahlrechts hinzuwirken. Es ist dieses das erste»ud sicherste Mittel, welches den Arbeiterstand z» etwas führen muß; e« gilt wie auch Lassalle sagt, kein anderes mehr für uns." Ferner be- leuchtete Herr Hennig noch die nutzlosen Kämpfe der FortschrittS-Partei; daß auch diese ihrem Ende nahe sei und endlich unterliegen müsse; daß wir dagegen die Bahn, die uns Lassalle vorgezeichnet, als selbstständige Arbeiterpartei energisch bis an'« Ziel verfolgen wollten und müßten. Es wurde hierauf nachstehende von Herrn Ernst Wilke vorgeschlagenen Resolution von der Versammlung einstimmig angenommen: In Erwägung: 1) daß der Arbeiterstand, wie Jedem einleuchten muß, in jeder Beziehung zurückgesetzt, und daß es daher die größte Pflicht eines jeden Arbeiter« ist, sich mit aller Energie dieser Zustände zu entledigen; 2) daß zur Abhülfe dieser Uebelstäude das allgemeine, gleiche und directe Wahlrecht als der Kernpunkt aller dem Volke bisher vorhandenen Rechte nothwendig erscheint, beschließt die heutige Volksversammlung, Alles aufbieten zu wollen, damit das allgemeine, gleiche und directe Wahlrecht in Staat und Gemeinde eingeführt und demnächst durch eine wahre Volksvertretung ein eini- ges Deutschland geschassen wird. Hierauf Schluß der Versammlung. Johann Gerhardt, Schriftführer. Aus Solingen schreibt man unS: Solingen, 20. August 1866. Gestern fand hier in Folge der Verfügung des Präsidiums des Allg. deutsch. Arb.-Vereins, durch die Mitglieder dieses Vereins ver- anlaßt, eine allgemeine Volksversammlung statt, in wel- cher folgende Resolution mit großer Mehrheit angenom- men wurde: In Anbetracht, daß der Arbeitslohn nicht mehr gleichen Schritt hält mit den uothwendigsten Lebensbedürfnissen des Arbeiters; In Anbetracht, daß die bisherige Landesvertreiung zur Beseitigung dieses Uebelstandes noch nichts gethan; In Anbetracht, daß eine gründliche Verbesserung der Lage der arbeitenden Klaffe nur durch eine gerechte Volksvertretung möglich ifi, und solche nur durch das allgemeine, gleiche und directe Wahlrecht mit geheimer Abstimmung erzielt werden kann; In Anbetracht alles dessen, wolle die heute in Solingen tagende allgemeine Volksversammlung beschließen, die- ses dem Volke so lange entzogene, ihm natürlich ge- hörende Recht mit allen ihm zu Gebote stehenden ge- setzlichen Mitteln von einer hohen Staatsregierung zu fordern, in Kammer und Parlament, und als Garan- tie für dieses Wahlrecht eine allgemeine Volksbewaff- nung; ebenso prolestiren gegen jede Trennung Deutsch- lands und erklären, daß sie ein einiges, einheitliches Vaterland will. Die Minorität betrachtete die Resolution als nicht mehr zeitgemäß und schlug eine Resolution für Ver- sammlungs- Recht und freie Presse al« zeitgemäß vor, was jedoch die Versammlung ablehnte, um nicht durch Häufung der Forderungen die Einheit und Kraft derAgi- tation zu schädigen, eingedenk der Worte Lassalle's: schwunge gelangte Schifffahrt neue Absatzmärkte in nie geahnter Ausdehnung ermittelt worden, gewann in der alten Welt die Gewerbthäligkeit eine Bedeutung und einen Umfang, mir welchen die alten beengende» Formen und fesseln des Zuuftwesens unverträglich waren. Da« apital bemächtigte sich zunächst des Handel«. Kapi« talisten kauften die Waaren auf und versandten sie aus selbst ausgerüsteten Handelsschiffen in ferne Länder. So entstand die Sippschaft der Zwischenhändler(Comissio- näre), welche im Lause der Zeit eine Herrschast über die gesammte Industrie erlaugt hat, die e« ihr möglich machte, in Deutschland fabricirle Waaren in Amerika mit 300Procenr Nutzen, allerdings einschließlich der VerzollungS-, Bersicherungs- und Transport-Kosten, zu verkaufen.— Glänzende Erfolge ermunterten andere Kapitalisten zur Nachahmung; allein„ein Keil treibt den andern." Die Concurrenz im Handel veranlaßte habsüchtige Be- sitzer von Kapitalien, die aus dem Handelsgebiete nicht reusstren zu können glaubteu, sich der Fabrikation (Industrie) zu bemeistern. Mit den riesigen Dimensionen, welche der Welthandel annahm, mußte sich natürlich auch die Fabrikation stei- gern. Um der Nachfrage nach Waaren genügen zu kvn- nen, erfand man rasfinirle, unmenschliche Systeme, welche die Industrie zur Massenfabrikation besähigte. Das so- genannte Hanssystem, welches den liebergang zur Cen- tralisation der Fabrikation bildete und zur Arbeitsthei- lung, sowie endlich zur jetzigen Groß-Jnbnstrie führte, bewirkte einestheils die größere Leistnngssähigkeit der