Nr. 1442. Berlin, Freitag den 3t. August 1866. Zweiter Zahrgllig. Social- Diese Zeilung erlckeint drei Mal wöchenilich und zwar: Dienstag?, Donnerstag« und Sonnabend« Abend«. Organ dcr social-dcmolratischcn Partei. Redaction und Expedition: Berlin. Alte Jakobstraste Rr. 67. Atonnemrnl«-Drei« für Berlin incl. Bringerlobn: vicrteljlihrlich IS Sgr., mo» Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Erpeditio», und vech leide zwei Mill an ii natlick b Sgr., einzelne Jiummern 1 Sgr.; bei den stünigl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußiichen Deutschland 12'/!! Sgr., im übrigen Deutschland 2V Sgr. ist. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 48a, sowie auch unenizelilich von jedem„rothen Dienstmanu" entgegen genomineu. Inserate sin dcr Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. de�echnti. such sich. Ulti kein« so h kunx küni und Ste lotti war Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: Mr, Kinder, 8. LiUle New-Port-Street, Leicester- Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Straesbourg, 5. Rue Ernlee; Pari», 2. Cour du Commerce Samt-Andre-des-Arts. Bell biet) denk Wu> Hanl Jtai geht man Aus! wo Dies wer! au«; die lung Die Armen und Elenden. (Zum Todestage Lassalle's.) Und laß Dir ralhen, habe Die Sonne nicht zu lieb und nicht die Sieene, Komm, folge mir in» dunkle Reich binad! Göibe(Jxhigenie II.) Ans dem Wiegenalter der Geschichte, ans ferner, längst dahingegangener Zeit klingt uns die Kunde großer, mächtiger Reiche herüber. Wo der Euphrat und dcr Tigris ihre Wo- gen nach dem Meere tragen— da sind jetzt öde Steppen, verfallende Hütten— da standen einstens ragende Paläste, volkreiche Königs- stävte. Jahrtausende sind dahingegangen und noch, Ihr mächtigen, weit herrschenden Könige, wer- den Cure Prachtpaläste, werden die ragenden Tempel und schwebenden Gärten Eurer Riesen- städte gepriesen; noch spricht der Kenner stau- nend von der Macht Eurer Reiche und von der Blüthe jener Städte, in die der Handel den Reichthum aller Länder zusanimeiitrug. Aber grell und furchtbar durch das rau- fchende Getümmel Eurer glänzenden Königs- sitze hören wir den Wehcrnf der Armen und Elenden, mit deren LebenSglück Eure glänzende Pracht erkauft war. Auf daß am Hofe des großen Königs sich blendender Glan; entfalten konnte, warv erbarmungslos dem Laiivmann die letzte Frucht seines Fleißes geraubt; auf daß Wenige glücklich sein konnten, mußten Millione» unglücklich sein. Wir wissen, daß keuchenden Laslenthieren gleich zusammengetrie- benr, zusammeugepeitschte Menschen die Riesen- Paläste bauten, in denen Ihr thatenlos schwel- gen konntet. Wir wenden entsetzt uns ab von dem trüge- rischen Bilde Eures Glanzes— Eure Tempel und Paläste lassen unS kalt— allzulaut durch die Jahrtausende hindurch an unser Ohr tönt der Weheruf der Armen und Elenden. ES war eine schöne, eine märchenbast heitere Zeit, als noch die Götter Homers auf Griechen- lanvS hohem Gebirge und in den Herzen fro- her Menschen wohnten. Wen erfaßte nicht die Sehnsucht nach den Säulenhallen Athens und nach den Olivenhainen von Attika? Aber wir wissen. Du freies und stolzes Griechenland, daß verachtete Sclaven, unglückliche Menschenkinder, freudlos arbeiten mußten, damit Deine Staatsmänner und Feldherrn, Deine Redner und Dichter die Muße gewannen zu höherem j Schwung. Lauter als die Donnerworte des DemostheneS uud die SiegeShymnen des Pin- dar spricht die stumme Sprache jener, für deren Sache kein Wort gefunden ward im vielreden- den Griechenland. Und Ihr, ruhmreiche Lenker jener einzige» Weltmacht, Consnln und Dictatoren der stolzen Römerrepnblik, die Ihr wcltgebietenv einher- schrittet im Glänze dcr Majestät— soll das rauschende Gepränge, das»m den Wagen des TiumphatorS tanzt, die verzweifelnde Stimme ans der Tiefe Eurer Republik übertönen? Ber- gebens, vergebens! Denn für ewig hat Plutarch in die ehernen Tafeln der Geschichte die entsetzlichen Worte deS Tribunen eingegraben: „Die wilden Thiere Italiens haben ihre Gruben und jedes von ihnen findet seine Lager- stätte und seinen Schlupfwinkel; diejenigen aber, die für das Baterland bluten und kämpfen, haben Antheil nur an Luft und Licht; sonst aber haben sie nicht« und irren obdach- und hei- mathlos mit Weib und Kind umher. Die Kriegs- obersten lügen, wenn sie die Soldaten in der Schlacht ermahnen für Gräber und Heiligthü- mer wider den Feind zu kämpfen, denn keiner von allen hat einen Altar, um den Göttern seines Hauses zu opfern, keiner einen Krabhü- gel, in dem seine Vorfahren ruhen. Nur für fremden LuxuS und fremden Reichthum kämpfen und bluten sie und Gebieter des Erdkreise« werden diejenigen geuannt, die nicht eine einzige Erdscholle im Besitz haben." Auch die weltbeherrschende Roma fiel— andereZeiten, andere Bölker, andereSitten kamen. Kühne Burgen, hohe Dome stiegen gen! Himmel, als des Mittelalters eiserne Zeit über den Völkern lag. Herzöge und Fürsten, Herren und Ritter, umstrahlt von kriegerischem Ruhme, l standen trotzig um glänzende Throne und im Reiche des Geistes herrschte unbestritten die Kirche dessen, der auf dem Berge von Galiläa gesagt:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst." Aber uns blendet nicht die prunkende Rüstung des Ritters, uns beihöret nicht da« heuchle- rische Wort des Priesters. Wenn der arme Bauer getreten ward vom übermüthigen Herrn, � wenn sei» ganzes Leben hindurch der willenlose Leibeigene dienen und frohnen mußte um Herr-' schaftlicher und priesterlicher Geuüfse willen, er selbst besitz- und genußlos— wenn ihm die Erve ei» Jammerthal war uuv als Freude ihm nur die Vertröstung auf eine andere Welt blieb— wo war da die Liebe vom Berge zu Galiläa? Aber auch des RitterthlimS trotzige Burgen wurden gebrochen und längst nicht mehr bleu- det der Glanz der dreifachen Krone. Rauchende Schlote sind emporgestiegen um die Dome des Mittelalters, rauchende Schlote über vielgetheil« ten Bauten, in denen rauschende Räder, sum- mende Spindeln, schlagende Hammerwerke des Tages schwere Arbeit verkünden. Man spricht nickt mehr von christlicher Liebe und ckristlicher Demulh, aber man preist die Hohe Cultur, man preist die Ausklärung, die Humanität dieses Jahrhunderts. Doch trügerisch, wie das Wort des christ« lichen Priesters, ist die gleißnerische Rede der Apostel von heute. Tretet hinein in jene großen, vieltheiligen Gebäude mit ten rauchenden Schloten— dort stehen sie, die Arme» und Elenden des 19. Jadr« Hunderts, in dumpfe» Gemächern ihr arbeitS- volles, freudeleeres Leben verbringend— tretet hinein in die matterhellten Dachkammern, wo in der Stille der Nacht die verzweifelnde Mut- ter das Brod für die hungernden Kinder zu crar- beiten strebt— tretet hinein in alle die Spitäler und Krankenhäuser, wo mit gebrochener Kraft der gealterte Arbeitsmann, verstoßen, verlassen, er- kennen lernt, daß er, dem Hammer und der Maschine gleich, nur das Werkzeug für den Gelderwerb Anderer war. Euch, Männer des Geldes, gehörte die Kraft seine« Armes, als er noch stark und jugendfrisch war; Euch gehören seine Söhne, die er zu gleichem Lose gezeugt; Euch, Ihr Männer des Geldes, gehört die Blüthe seiner Tochter, der Ihr nur die Wahl zwischen Hunger und Schande laßt. O! Sie sind noch immer da, die Armen und Elenden! Sclaven hießen sie, als man Sonnentempel und Pyramideu baute; Leibeigene wurden sie genannt, als res Mittelalters Burgen und ra- gende Dome gen Himmel strebte»; Lohnarbeiter heißen sie heute, wo der rauchende Schlot reziert. Großes, mächtiges Problem, das ewig wech- selnd und doch ewig gleich durch die Jahrtau- sende gehl— wirst du niemals deine Lösung finden? Lastet für immer dieser Fluch aus uns und will kein Hoffnungsstrahl uns scheine»? Werden immer, wo Menschen weilen, die We- »igen nur glücklich sein durch das Unglück der Vielen, wirv niemals Gerechtigkeit, wird niemals Glück für Alle auf dieser Erde wohnen? Ferdinand Lassallc! Deinem Grabe schlagen beun gestc eini; Die lutai auS; nah, vom Schi der Syn i Mä fang sein, | bekei Mit wan ftöii Ber: Ma gref sard bell: Biii ist. als in, Sin dein die erst: jem der I deil j Phii I der, p°l in »ei« dul j ber «en Wie °>n heutigen Jeauevtagc Hunderttausende treuer Heize» zu— Deiner gedenken heute in feurigem Danke die Armen und Elenden, in deren Seele Dein mächtig Weit die ersten Strahlen leuch- tender Erkenntnis gesandt. Du degeisterter Mann mit dem ehernen Millen, mit dem hellen, milecn Geiste, wir Haien Dich gekannt, wir wissen, wie der Jammer der Menschheit sich in Deine Seele gesenkt, wie >'ur jener Einen, gewaltigen Idee Dein großes, stainmendes Herz geschlagen. Das mühevolle Schaffen Deines Geistes ist nicht verloren— ob wir auch trauernd heute an Deinem Grabe stehen, Dn gehest uns immer Nora» im geistigen Kampfe. Du hast den schlafenden Riesen gerüttelt, auf daß er erwache, ans daß er sehe und zer- ireche die Ketten, die ihn belasten. Schon regt der Riese seine ungeheuren Glieder wehe Denen, die seine Kelten geschmiedet, lvenn sie nicht eilen, ihn zu befreien! Heller und heller wird der Mann der Arbeit sein ewiges Recht erkennen— klarer und klarer werde» Ziel und Mittel sich in seinem Geiste gestalten— fester und fester, unwiderstehlich wird sein Wille werden. Wer ist unter uns, der nicht gerne den milden, freundlichen Weg des Friedens und der Liebe betreten sähe zur d'ösung jener ungeheueren Frage? Aber möge die Welt es hören, heute am Todestage eines Mannes, de» die Armen und Elenden lieben und ehren— möge die Welt unsere Ueberzeugung hören, daß wenn die Glück lichen der Erve nicht in freier Liebe sich zu den Armen und Elenden niederbeugen, ein furcht- barer Tag der Abrechnung und der Vergeltung kommen wird. Wählet die Liebe, wählet die Liebe, damit nicht der Haß über Euch koinnze! Wählet die Pjxbe bei guter Zeit, auf daß nicht am entscheidenden Tage die Armen und Elenden sick erinnern, wie der Wehe- und Rachernf ihrer Brüder durch die Jahrtausende tönt; wählet! bei guter Zeit die Liebe, auf daß nicht die rothe! Fahne, die Fahne des Bluts, unser Zeichen wem! Politischer Cheil. Rundschau. Berlin, 30, August. Zwar erkennt man aus der Hast, mit welcher der Graf von Bismarck die Einverleibung Hanno- vcrs, Hessens, Nassaus und Frankfurts vollzogen zu sehen wünscht und aus seinen unverhohlenen Eeklä- ruugen, daß es sehr wohl sei» könne, daß Pren- ßen auch noch nach den Einverleibungen genöthigt werde, seinen neuen Besitz gegen fremde Mächte zu vertheidigen, wie dies ja auch im vorigen Jahr- Kundert mit Schlesien der Fall war,— zwar erkennt man aus diesen und anderen Anzeichen, wie wenig Herr v. Bismarck selbst dem Frieden für Deut'chland traut, doch wendet sich vorläufig die allgemeine Aufmerksamkeit vornehmlich der inneren Gestaltung unseres deutschen Baterlandes zu. Pren- ßen, das seither eine Ausdehnung von 5100 Qua- draimeilen mit einer Bevölkerung von etwa 19,300 000 Seelen besaß, hat eine» Zuwachs von nahezu 1300 Quadratnieile» mit etwa 4,500,000 Einwohnern erhalten. Die wesentlichen Bestimmungen, auf welche es sich mit seinen norddeutschen Bundesgenossen geeinigt hat, sind nach der„Prov. Eorresp." folgende: Die betreffenden Regierungen schließen ein Schutz- und Trutzbündniß z»r Erhaltung der Unabhängigleil und Unverletzlheit, sowie der inneren und äußeren Sicherheit ihrer Staaten und treten sofort für gemeinschafiliche Ver- iheidiguug ibres Besitzstandes ein, welchen sie sich gegen- seitig durch dieses Bündiuß gewährleiste».— Die Zwecke des Bilndn ss s solle» endgültig durch eine Bundesver- saffung ans der Grundlage der preußischen Grnndzüge vom 10. Juni 1866 sichergestellt werden, unter Mitwir- kung eines gemeinschasitich zu beruseiide» Parlameuls.— Die Truppen der Verbündeten stehen unter dem Ober- beseht Sr. Majestät des Königs von Preußen. Die Leistungen während des Kriege« werden durch besondere Verabredungen geregelt. � Die verbllndele» Regierungen iverden gleichzeiiig mit Preußen die a»f Grund deS Reichswahlgesetze« vom 12. April 1849 vorziniehnieiiden Wahlen der Abgeordneten zum Partamenl anordnen und letzteres gemeinschastlich mit Preußen cinberuse». Zu- gleich werden sie Bevollmächtigte nach Berlin senden, um»ach Maßgabe der Griiadzllge vom 10. Juni d. 3. den B Ii iidesveisaffungs Entwurf festzustellen, welcher dem Parlament zur Berathung und Vereinbarung vorgelegt werde» soll.— Die Dauer des Bitudnisse« ist bis zum Abschluß de« neiien BiindeSverhällniffe« und, wenn der neue Bund nicht vor Ablaus eines Jahre« geschlossen sein sollte, vorläufig auf ein Jahr festgesetzt. Für die dagegen in Preußen einzuverleibenden Länder finde» jetzt Berathmigen der verschiedenen preußischen Miuisterieli statt, um die Ait der Ber- waltung für die Zeit des Provisoriums in Erwä- gung zu ziehen. Es handelt sich dabei darum, ob eine provisorische Eentralbehörde für die erworbenen Länder insgesammt und, von ihr abhängig, Spc- cial-Verwaltuiigsbehördcn in jedem einzelnen Lande zu errichten seien, oder ob von der Eiusctzung einer Gesammtbehörde Abstand z» nehmen und bloS jedem Lande eine preußische Oberdehörde zu geben. Das Großher zogth um Hessen wird, nach der Hess.„Landes-Ztg.". ganz dem norddeutschen Bunde beitreten. Doch wird gleichzeitig auch gemeldet, daß in den Verhandlungen mit Hessen- Darmstadt dadurch Schwierigkeiten entstanden sind, daß Darmstadt sogar für die geringen Abtretungen (der Herrschaft Itter, dem Schwalmgrunb und Breidenbach), auf welche Preußen wegen des Zusammenhanges seines Gebietes dringt, eine Ge- bielscntschädigung tu. A. das Soolbad Ngnhcim) verlangt. Zwischen Preußen und Oesterreich sind, nach einem Telegramme der„Presse", die Ralisicationen des Friedensvertrages ani 28. August ausgetauscht. Mit Sachsen dagegen rücken die FriedenSverhand- luiigen in Folge des hartnäckigen Widerstandes des Königs Johann gegen die preußische» Forderungen nicht aus der Stelle.— In Mainz, in Wies- baden, in Aschaffenburg ist es zu blutigen Conflicien zwischen preußischem'Militär einerseits und theils hessischen, iheils bayerischen(Soldaten, theils Eivilisten andererseits, gekommen. Aus Prag wird berichtet, daß für Rechnung Frankreichs dort wegen ungewöhnlicher Pferde-Ankäufe unterhandelt wird, die dem Abschluß nahe sind. General Meuabrea, der die einleitenden Unter- Handlungen in Paris glücklich zu Ende geführt, ist nun aus dem Wege nach Wien. Er hat den Aus- trag erhalten, möglichst dahin zu wirken, daß der Feuilleton. Zum Todrstagc Lassallk's. O tretet alle heul im Geist, ihr Brüder, Mit Würde an de« großen Meisters Grabt Legt eine» Kranz von Jniiiiortellen nieder, Schaut ibn im Geiste, groß, erhabeii, wieder, Und trocknet still die Manneslhräiie ab. Beweint ihn, alle, die ihr ihn gesehen, In die er se.bst gepflanzt der Znkiinsl Saat, Euch wird er ewig, groß, vor Augeii stehe», Ei.ch wird sein Geist die Herze» stet« umwehen, Denn nur der Held stirbt, nie die Heldenthat! Und ist er auch zu früh hinabgesunken, Ward auch im Siegeslaui sein Herz zerschellt— Zagt nimmer! Seines Geistes Feuersunke», Die jetzt im stillern Kreise leuchtend prunke», Erfüllen bald die ganze MenschenweUl Und einstmals werden sie in Flammen lodern, Wenn eist der Slurinwind durch die Lande streichll Dann wird sein Geist euch neu zur Heerschau sodern, Dann steig! aus den Gebeine», die jetzt modern, Ein Rachegeist—— Weh dem, der dann erbleicht!! Heinrich Noller T Populäre Beleuchtung der jetzigen lSroß-Jndustrie und der künsligen Produktiv Asiociationen. (Fortsetzung.) Wie die jetzige rücksichtslose Betriebsweise der Groß- Industrie serner b) die Beschädigung de« Geni ei n wesen« zur Folge hat, davon Iieserl der Mäikisch- Westphälischc Bergwerks- Verein i» Lelmalhe(Iserlohn) den nntrüg lichst.n Beweis und ein klares Bild. Der Verein, eine Aclien-Gesellschaft, befaß! sich Haupt- sächlich mit der Herstellung von Zink au« Galmei, z» welchen! Zwecke er ausgedehnten Bergbau betreibt»nd bedeutende Werke zur Reinigung(Wäsche) und zum � Schmelzen des Galmei'«(Zinkbüllen) unterhält. Ä» Reingewinn(Dividende) werden, beiläufig bemerkt, jähr- lich 15 bis 20 Prozent a» die Actiouärc ausgezahlt. Der Bergbau, durch dessen Betrieb die Rohmaterialien lMineralien, Erze) gewonnen werden, ist selbstredend ein' Haupifaclor der Gesamnit-Jndustrie, an« welchem Grunde er dann auch in mancher Beziehung gesetzlichen Schutz genießt. Dahin gehört das Recht, daS derjenige, welcher irgend ein Erz u. s. w. entdeckt hat, dasselbe»nter i gesetzlich sestgeslelllen Bedingungen au« dem Innern der l Eide hervorholen mid verwenden kann, ohne daß der Eigeulhünier der Obei fläche berechtigt ist, dies zu ver- hiudern oder Enlschädigung zu deanspruchen; der von � den Bergbehörde» mit der Gewinnung des betreffenden; i Mineral« jc. beliehene Finder hat vielmehr iinr Ersatz zu leisten für Beschädigungen, welche durch den Betried des Bergbaues an der Obeifläche entstehen. In dieser' I Beziehung einhält die preußische Bergbau- Gesetzgebung »nter andern auch die Bestimmniig, daß der Erbauer f eines Haule« nur dann Ersatz sllr eine demnächst durch de» Bergbau eintretende Beschädigung desselben fordern kann, wen» er»ach veriillnsligem Ermessen voranssetzcn konnte, daß der in der Nähe detriebene Bergbau sich nicht bis zu der Sielle auSdehiien wild, aus welcher da« Hans erbaut werden soll, und im entgegengesetzten Falle, wenn er sich von der Bergbehörde die Stelle I hat anweisen lasse», aus welcher er da« Hau« ohne Ge- fahr ansbauen kann. Die Stadt Jsertoh» ist mit ihrer nächsten Unigebuiig ein ergiebiges Feld sllr den Berg- l bau ans Galmai. Derselbe wurde von der frühern ..Messing- Gewerkschaft," Vvrbesitzerin de« Märkisch- Westphälischeii Bergwerk«- Verein« mit schwachen Mit- ieln und in geringem Umfange beineben; als aber zur ! Zeit de« großartigen Industrie- Schwindel«(1850 u»d 5l) der Besitz der Werke jener Gesellschaft aus den Bergwerks-Berein überging, da nahm der Bergbau auf Galmei einen gewaltigen Ausschwung Alte Schachte, welche vielleicht vor hundert Jahren angelegt worden und sich theilweise niillen in dem östlichen Theile der Stadl besanten, wurden wieder in Angriff genominen und neue Werke(„Tiefbau") angelegt. Alsbald traten in dem bezeichneien Stadtlheile Erdsenknngen ein, söge- nannte Tagesbrüche; ganze Strecken(Gärten, Ehaiissecn, Straßen) senkten sich»nd Häuser drohlen einzustürzen, so, daß die Polizeibehörde sich veranlaßt fand, die Be- wohner au« denselben gewaltsam zu entfernen und ganze Straßen zu sperre». Die Eigenthümcr der erweislich vor Beginn des Bergbaues erbauten Häuser waren ge- nöihigt, gegen den Bergwerks-Verein auf Zahlung einer angemessenen Euischädignug gerichlliche Klage zu erheben. Erstaunlich waren die jnrlstischen Spitzfindigkeiten und Einreden, welche der Verein den gerechten An- sprttche» der Beschädigten entgegengestellte», z. B. die Behauptung, daß die Beschädigungen nicht durch den Bergbau enlstanden seien, was selbst für den Laien eine unzweifelhast feststehende Thalsache war. Eine weilläu- fige, kostspielige Beweisanfnahme durch Bernehmiing von Ztngen»nd Sachverständigen niußte ersolgen. Die Kostenvorschüsse waren bei der Höhe des Werlhe« des Sireitodject« für die meist u»be»iiitellen Kläger fast unerschwinglich. Hatten diese den Prozeß in erster In- stanz gewonnen, dann betrat der Verein den Weg der Appellation, um— wenn nicht etwa ans irgend einem formelle» Grunde in den höheren Instanzen für den Verein ein odsiegliche« Erkenntniß zu erwarten war— den Prozeß weiiigsten« jahrelang hinzuziehen iliid da- diirw die, in der Regel auch von ihre» Hhpothekengläu- bigern, zumal wenn diese gleichzeitig Aclionäre waren, hart bedrängten, polizeilich von Hau« und Hof ver- wiesencn Eigeiilhllmer zur Nachgiebigkeit und Vergleich zu zwingen, der dann nalllrlich nur zu Gunsten de» Vereins abgeschlossen winde, woraus der Verein die Häuser niederriß. Die unausbleibliche Folge war, daß ei» großer Mangel an Wohmingen eintrat. Viele Familien wlirdeii obdachlos und gezwungen, entweder in den umliegenden Dörfern ei» Unterkommen zu suchen oder die OrtSbehörde um Aufnahme im städtischen Armenhanse zu bitten. Eine weuere Folge war die nner- hörte Steigerung der Wohiiniigsmiethen, welche beson- der« die Arbeiter nur dan» zu bestreiten vermochten, wenn sie sich und ihre Familien weitereii Entbehrun- gen nolhwendiger Lebensbedürfnisse nilterwarseu. (Fortsetzung folgt.)