Nr. 146. Berlin, Sonntag den 9. September 18K6. zweiter I�rgaag. Social-DtMlikrnt. Diese Zeitung erscbeint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«, Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social- demokratischen Partei. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraste Nr. 67. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Köntgl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 12'/- Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(fl. 1. 10. südd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswLrt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, non jevem soliden Spediteur, von der Expreß-Tompagnie, Zimmerstraß« 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: blr. Heeder, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: ll. Ä. Alexandre, Strassbonrg, 5. Eue Brnlee; Paria, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-dea-Arts. Vortrag „Der Socialisnms und das privatrigrnthum am Grund und Loden." (Schluß.) M. H.! Ich kann diesen Vortrag nicht schlie- ßen, ohne noch mit einigen Worten auf einen Vor- wurf einzugehen, den man Lassalle in Betreff der ländlichen Arbeiter gemacht hat. Es ist ihm vorgeworfen worden: er wolle nur den industriellen, nicht auch den ländlichen Arbeitern helfen. M. H.! Für uns, die wir die Ideen Laffalle's kennen, ist klar, daß diese Behauptung, wie so viele andere, nichts weiter ist, als ein Erzeugniß des Bourgeoishaffes gegen die social- demokratische Bewegung: eine böswillige Verdächtigung gegen jsaffglle. Allein für Diejenigen, welche weniger in der Sache zu Hause sind, sei jener Borwurf mit einigen Worten widerlegt. Laffalle selbst hat in dieser Beziehung im„Ar- beiterlesebuch" Folgendes gesagt: „Hätte ick) verlangt, daß mit einem Male, mit einem Schlage, allen Menschen geholfen werden solle, so hätte man mir zugerufen: der Un- sinnige, der Rasende! er will durch StaatSdecrete Allen helfen auf einmal! Und da hätte man Recht gehabt. Jetzt, wo ich eine allmählige, eine für Alle bestimmte, aber allmählige Hülfe verlange, ruft man: die Landbevölkerung— er will der Landbevölkerung nicht helfen, und nur den in- dustriellen Arbeitern! Sie sehen, meine Herren, das ist nicht wahr; die Landbevölkerung wie die in- dustriellen Arbeiter, die ländlichen Arbeiter wie die Fabrik- oder Handwerks-Arbeiter, und ebenso die- jenigen, welche qualificirtere Arbeit aller Art ver- richten, also auch die kleine Bourgeoisie der großen gegenüber, alle sollen durch die Association und ihre Wirkungen in eine andere Lage versetzt wer- den. Aber wenn ein Heer sich in Marsch setzt, so geschieht dieß nicht auf einem Fleck und mit einem Mal, sondern die Vorhut marschirt voran, und aus zehntausend Gründen, die ich hier nicht weiter entwickeln kann, sind die industriellen Arbeiter die Vorhut der Menschheit!" Nach dem hier Gesagten reducirt sich jener Vor- wurf darauf, daß Lassalle aus Gründen, die größten- theils im Zusammenhange der productionellen Be- wegung liegen, den Anfang allerdings bei den industriellen Arbeitern gemacht wissen wollte; daß aber der Zielpunkt sich auf Alle erstreckt. Hierbei ist jedoch zu beachten, m. H., daß Lassalle den Fall im Auge hatte, daß die große so- ciale Umänderung ans friedlichem Wege ange- bahnt werden könne. Und nur diesen Fall kann man bei jeder Agitation ins Auge fassen, da eine auf gewaltsamen Umsturz gerichtete Agitation, auch wenn man eine solche an sich vorziehen sollte, ein- fach nicht geduldet werden würde. Doch läßt sich so viel sagen, daß wenn, was ja Niemand von vornherein wird für unmöglich erklären wollen, ein gewaltsamer Umsturz des Bestehenden durch eine sociale Revolution erfolgen sollte, kein Grund mehr vorliegen könnte, die reformatorische Arbeit bei einem einzelnen Theil der Arbeiterclasse, den industriellen Arbeitern, zu beginnen, sondern daß man dann die gesammte Produclion gleichzeitig auf allen Punkten auf neuen Grundlagen zu errichten vermöchte. Aber, wie gesagt, diesen Gang der Dinge kann man bei einer friedlichen und gesetz- lichen Agitation nicht ins Auge fassen; unter der nothwendigen Voraussetzung einer friedlichen An- bahnung der socialen Umänderung aber muß der An- fang auf einem bestimmten Punkte der Production gemacht werden und vieler.Punkt kann in Gemäß- heit der obwaltenden V�khäl�isie nur die industrielle Großproduction sein. M. H. Man hat gefragt: ob denn die Lage der ländlichen Arbeiter dieselbe sei, wie die der in- dustriellen; ob insbesondere auch sie von jenem „ehernen Lohngesetze" betroffen würden. Man muß sich in Beantwortung dieser Frage klar machen, daß der ländliche Bodcnbetrieb bei uns noch nicht überall von den modernen(bürger- lichen) Productionsverhältnissen erfaßt ist; allein überall, wo dies der Fall ist— und selbstverständlich geht der Zug der Zeit dahin, die bürgerliche Productionsweise allein herrschend zu machen— da ist der ländliche Arbeiter materiell in derselben Lage, wie der industrielle. Für den Lohnarbeiter als solchen ist es gleichgültig, was und in welcher technischen Weise producirt wird; er bekommt seine bestimmte Beschäftigung bei der Production vom Lohnherrn angewiesen und erhält dafür so viel Lohn, daß er gerade leben kann. In materieller Beziehung steht also der bürgerliche Arbeiter eben- so wie der industrielle. Aber er steht hinter diesem noch zurück, insofern den industriellen Arbeitern, als meist in Städten, sogar großen Städten le- bend, mehr Gelegenheit geboten ist, zum Bewußt- sein über ihre Klassenloge zu kommen. Daher ha- ben auch die industriellen Arbeiter den Berus und die Pflicht, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Brüder, die ländlichen Arbeiter, Bahn zu brechen. M. H. Ich bin zu Ende mit meinem Vortrag und hebe kurz das Hauptergebniß desselben hervor: Innerhalb der modernen Production findet statt eine allgemeine Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital. Innerhalb dieser Production findet weiter statt eine Ausbeutung der Gefammtheit durch den Grund- besitz(Bodenrente). Diese zweite Ausbeutung kann nur wegfallen zugleich mit der ersten: wenn nemlich die sociali- stische Productionsweise(wonach wie das Kapital so auch der Grund und Boden nur Mittel der Arbeit ist) herrschend geworden. Wenn man aber Lassalle vorzuwerfen gewagt, � er wolle nur den industriellen, nicht auch den länd-\ lichen Arbeitern helfen, so halte man dieser bös- willigen Verdächtigung entgegen: daß Lassalle zwar vorgeschlagen, im Gebiete der Großindustrie den Anfang zur Lösung der socialen Frage zu machen, daß aber im weiteren Boranschreiten der Entwickelung, und zwar möglichst bald, auch die ländliche Production in die Segnungen des neuen ZustandeS hineingezogen werden soll. Unsere Sache ist eine Sache für Alle und nur in diesem Sinne, nur im Geiste der Brüderlichkeit unter Allen, können wir beginnen und voranschreiten.— politischer Theil. Runds ch a u. Berlin, 8. September. Der Zauber, der für die gesammte Bevölkerung Deutschlands in dem Worte„Parlament" liegt und der selbst in dem Project eines Parlamentes des norddeutschen Bundes Nahrung finden konnte, fängt an, sich beträchtlich abzukühlen. Die Frage der Redefreiheit und der Diäten, welche man als unzertrennlich von der Parlamentsidee betrachtet, hat erkältend auf die daran geknüpften Hoffnungen selbst der vertrauensvollsten Sanguiniker eingewirkt. Vorläufig ist keine Aussicht vorhanden, daß daS norddeutsche Parlament vor dem Frühjahr einberufen wird.— In Württemberg soll der letzte Krieg die Nothwendigkeit einer gänzlichen Umgestaltung des Heerwesens dargethan haben. Die Reorgani- sation ist nach preußischem Muster, auf den drei Factoren: der Linie, Reserve und Landwehr, in Aussicht genommen.— In dem Gemeinderathe zu Klagenfurt ist, wie die„Wiener Presse" berichtet, die Abfassung einer Adresse an den Kaiser von Oesterreich wegen baldiger Wiederherstellung der Verfassung beschlossen worden. Von den dreizehn anwesenden Gemeinderäthen(sechs fehlten) wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Außer- dem soll der Adreß. Entwurf allen Vcrtretungs- körpern in Kärnthen zur Unterschrift vorgelegt werden. Es ist zu wünschen, daß diese Adresse gnädiger wird aufgenommen werden als diejenige des Wiener GemeinderathS nach der Schlacht bei Königgrätz, welcher ebenfalls um innere Reformen petitionirte.— In Prag herrscht in Folge der Roth und Arbeitslosigkeit große Erregung unter den Arbeitern, die nur mit Mühe niedergehalten wird und nur auf Gelegenheiten wartet, um sich Luft zu machen. Von preußischer Seite, wie von dem Bürgermeister sind Vorkehrungen getroffen, um Excessen sofort energisch entgegen zu treten. Die Friedensverhandlungen zwischen Italien und Oesterreich gestalten sich nicht so glatt, als man Anfangs hoffte, dock ist der Grund weniger in etwa hervortretenden Differenzen, als in der Mengedes zu bewältigenden Materials zu suchen.— Die letzte Volkszählung in Italien hat circa 23Mil- ion, wie bei Ders hen. da mer eine üb ſehr gen oorüthe ing, enen feit ора 138mach tän igen gen nter fere Ju ndi ber zug. Bolt icht den än ten Er hat gen bie che vils Efte hen Ein ngs ben uis men, an foll ras ner ber ben effe ons ver Daß irt, en, ifis fich Der ng. Deutschland. 0 Der Präsident eröffnet die General Discussion. beistimmen, aber ich halte es für wichtig, ausdrücklich lionen Einwohner ergeben. Mit Benetien erhält es einen Zuwachs von 2,493,475 Einwohnern. a Es sind verschiedene Amendements eingegangen. auszusprechen, daß damit das Recht der Eroberung nicht Aus Paris Aus Paris wird bestätigt, daß Drouyn de DrouynEs nimmt zunächst das Wort gegen den Gesetzent- anerkannt wird; die Verfassungen jener Länder bestehen s Lhuis fast ausschließlich wegen seiner deutschen Po- wurf der Abg. Harfort: Meine Herren! Was das fort, soweit sie nicht mit der preußischen in Widerspruch litik zu seiner Demission veranlaßt wurde. In Schwert erworben, muß das Schwert erhalten, und wir stehen. Nach denselben Grundsätzen verfährt die ComisConstantinopel will die französische Regierung, in- müffen nach wie vor gegen Oft und West gerüstet blei fion in§. 1 und§. 2, ich werde also eventuell für die sofern es sich um Candia handelt, sich vor der der Militairlast für lange Zeit nicht eintreten.( Hört! ben. Es werden also die gehofften Erleichterungen in Geſetzartikel stimmen. Abg. Dr. Waldeck: Es liegen uns zwei Amendements Hand darauf beschränken, versöhnliche Maßregeln hört!) Das Glüd hat für unsere Waffen entschieden vor; das eine( Michelis) will, daß die Stände der ananzurathen. Es scheint, daß man es gern sehen und wir müssen allerdings den Erfolg als im Intereffe neftirten Länder erst befragt werden. Die Folge davon würde, wenn das Jahr 1867 ohne weitere Störun- Preußens anerkennen. Aber was bieten wir denn nun würde sein, daß, wenn diese Nein sagen, auch die Gegen vorüberginge. Doch verabsäumt man einst- eigentlich den Neueintretenden? Ein einiges Deutschland? schichte der letzten Monate gestrichen werden müßte. Das weilen nichts, um die französische Armee so furcht- Nein, die Mainlinie und 81/2 Millionen stehen noch jen- andere verlangt ein Fortbestehen der alten Einrichtungen. seits, ohne die österreichischen Deutschen zu rechnen. Die Kleinstaaterei ist stets der Krebs Deutschlands gebar als möglich zu machen. Es sollen Maßregeln Wir bieten ein vergrößertes Preußen im Bunde mit wesen und stets war es ein Heil, wenn eins dieſer Häugetroffen sein, das Hinterladungsgewehr Chasseeinigen Kleinstaaten. Welches Recht bieten wir ihnen? fer, sei es auch durch Revolution( Heiterkeit rechts), fortports, mit dem in einer Minute sieben Mal ge- Vorläufig nur das Recht der Eroberung, ein Jahr gefchwemmt wurde. Alle Vorschläge zu einer Einigung schossen wird, in kurzer Zeit in der ganzen franzö- Rechtlosigkeit Dictatur. Und sehe ich auf die Deutschlands, von der Union bis zum letzten Reformsischen Armee einzuführen. Der größte Theil wird Verwaltung Schleswig- Holsteins, so ist das eben kein vorschlage, haben sie stets zurückgewiesen. Wie können in St. Etienne fabricirt; man wird jedoch andere beneidenswerther Zustand( Zustimmung links). Frank- fie sich also jetzt beklagen über ein Schicksal, das für die Fabriken anlegen, um die Anfertigung zu be- furt scheint mir ein Rostflecken auf den preußischen Einheit ein Segen ist? Hat der General v. Beyer nicht schleunigen.mat Ehrenschilde( Oh! Oh! rechts) nach der Behandlung dieser Recht, wenn er in seiner Proclamation erklärte, der KurStadt. Es soll nicht gesagt werden, daß in diesem fürst von Hessen habe durch die Art und Weise, wie er Hause fich keine Stimme für die vielgeschmähte Stadt mit seinem Lande umgegangen, das Recht zur Regierung erhoben habe( sehr gut! links). Kaiser Tiberius sagte vollständig verloren?( Bravo!)- Wir haben die Misschon: Ein guter Schäfer scheert die Schafe, aber er version, die Einheit Deutschlands herzustellen, es wird hier schlingt sie nicht. Wir sind auf dem umgekehrten Wege. wieder vereinigt, was von Karl dem Großen vereinigt wir hätten die Eintretenden wenigstens auf Grund des war.( Bravo!) Nun, meine Herren, diese Leute wollen Tit. 2 der preußischen Verfassung einverleiben, d. h. von ihren Verfaffungen und sonstigen Dingen sprechen! ihnen die Rechte der Preußen geben sollen, denn die( Heiterkeit.) Ich rathe Ibnen dringend, das Gesetz so Zeit ist vorüber, wo die Völker damit zufrieden sind, anzunehmen, wie es die Commission hergestellt hat, ich halte es für ein gutes Stück Arbeit.( Allseitiger Beifall.) mundtodt behandelt zu werden. Abg. v. Kirchmann: Nach der Ansicht der Kommis Abg. Dr. Löwe vertheidigt ein von ihm gestelltes sion ist die wirkliche Gefahr des Uebergangsstadiums Amendement, welches die Einrichtungen in den einzunicht so groß, da die privatrechtlichen Eigenthümlichkeiten verleibenden Ländern so viel als möglich geschont wissen jener Länder nach allen völkerrechtlichen Bestimmungen will. unberührt bleiben. Jene Länder fürchten sich, weil sie Schließlich wird§. 1 mit großer Majorität genehdas Beispiel einer Regierung vor sich haben, die vier migt. Dagegen einige Katholiken, Dr. Jacoby und Jahre lang gegen die Majorität der gewählten Landes- Duncker. Das Amendement Löwe zu§. 2 wird abgevertretung regiert, in der härtesten Weise die Gesetze lehnt,§. 2 selbst wie§. 1 angenommen. Ebenso wird ausgelegt hat und gegen Beamte und Korporationen in§. 3 angenommen, nur daß ,, unter Zustimmung" mit einer Weise vorgeschritten ist, welche in keiner Weise mit Zustimmung gesetzt wird. Bei der namentlichen Abstimden Wünschen des Landes übereinstimmt. Wenn aber die mung über den ganzen Entwurf stimmen dafür 273, da Regierung, wie wir nach deu Aeußerungen des Minister gegen 14 Abgeordnete und 16, die Polen, enthalten sich Präsidenten und des Ministers des Innern erwarten der Abstimmung. Dagegen waren Bresgen, Caspers, dürfen, den Wünschen des Landes nachkommt, welche die Claffen- Kappelman, Dunder, Elring, Dr. Fühling, Selbstständigkeit der Korporation, die Unabhängigkeit der Gockel, Groote, Dr. Jacoby, Dr. Krebs, Dr. Michelis, Beamten achten will, dann bin ich überzeugt, werden fene Rücker, Raffauf, Zurmühlen. Länder bereit sein, sich vollständig zu vereinigen. Berlin, 8. Septbr.[ Abgeordnetenhaus.] In der 14. Sizung am 6. September wurden die Abgeordneten v. Fordenbeck als erster Präsident, Stavenhagen als Vice- Präsident, v. Bonin als zweiter Vice- Präsident für die weitere Dauer der Session vom Hause bestätigt. Bei den folgenden Wahlprüfungen wurde die Wahl des Abgeordneten v. Eicke( Wahlbezirk Brieg- Ohlau) caffirt. In der 15. Sigung am 7. September stand der Gesetz- Entwurf, betreffend die Vereinigung des Königreichs Hannover, des Kurfürstenthums Hessen, des Herzogthums Nassau und der freien Stadt Frankfurt mit der preußischen Monarchie auf der Tagesordnung. Der Präsident zeigt an, daß in Bezug auf die heu tige Debatte ein Protest gegen die Einverleibung Hannovers in Preußen eingegangen ist, der nach der Sig nation von 52,988 Hannoveranern unterschrieben ist. Die einen Band füllenden Unterschriften liegen auf dem Bureau des Hauses aus. Darauf tritt das Haus in die Tages- Ordnung. Der Gesetz- Entwurf in der Fasfung der Commission, welcher die preußische Regierung ihre Zustimmung gegeben, lautet: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preu Ben 2c. verordnen unter Zustimmung beider Häuser des Landtages was folgt:§. 1. Das Königreich Hannover, das Kurfürstenthum Hessen, das Großherzogthum Nassau und die freie Stadt Frankfurt werden in Gemäßheit des Artikels 2 der Verfassungs- Urkunde für den Preußischen Staat mit der Preußischen Monarchie für immer vereinigt.§. 2. Die Preußische Verfassung tritt in diesen Landestheilen am 1. Oftober 1867 in Kraft. Die zu diesem Behuse nothwendigen Abänderungs-, Zusatz- und Ausführungs- Bestimmungen werden durch besondere Ge sezze festgestellt.§. 3. Das Staatsministerium wird mit der Ausführung des gegenwärtigen Gesetzes beauftragt. Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem fönigl. Infiegel. Gegeben 2c. Den kleinen Staaten, die mit uns an dem Kriege Theil nehmen wollten, haben wir viel zu voreilig ihren Territorialbestand zugesichert, deren Hülfe sehr unbedeutend war und meist erst nach gefallener Entscheidung eintraf. Im Interesse der Einheit Deutschlands ist das sehr zu beklagen und für Preußens Macht wäre es gewiß besser, wenn ganz Norddeutschland, einschließlich Sachsens, hätte zu einem preußischen Staate erhoben werden können. Der Norddeutsche Bundesstaat, mit dem man uns darüber tröstet, erscheint immer mehr als ein höchst bedenkliches Unternehmen. Er stellt sich mehr als die Karrikatur eines Bundesstaates dar, denn wenn in einem solchen der eine Staaf beinahe 24, der andere aber nur 5 Millionen hat, so ist die Majorität von vorn berein stets auf der einen Seite. Der Norddeutsche Bun desstaat ist also nur ein Schein, und nichts kann nach theiliger sein für parlamentarische Institutionen, als ein Barlament eines solchen Schein- Bundesstaates. Für unfere Freiheit und für unsere eigene Landesvertretung wird ein solches Norddeutsches Parlament mit den größten Nachtheilen verknüpft sein. Im Grunde genommen werden dieses Norddeutsche Parlament und unser Landtag nun zwei Preußische Landesvertretungen sein, die in Col lision mit einander gerathen müssen. Referent Abg. Kannegießer theilt mit, daß noch zwei Petitionen eingegangen sind; die eine aus Hannover, und zwar von der Ritterschaft, die sich gegen die Eina verleibung erklärt, sei durch Annahme des heutigen Gesetzes als erledigt zu betrachten; eine andere aus Frankfurt erklärt sich nicht gegen die Annexion, wünscht aber, daß vorher die Frankfurt auferlegte Contribution erlassen werde. Referent will letztere der Petitious Commission überwiesen wissen. Von anderer Seite wird der Antrag gestellt, über dieselbe zur Tagesordnung überzugeben. Ministerpräsident v. Bismarck: Zur Unterstützung des eben gestellten Antrages will ich nur anführen, daß ich schon vor Wochen, als ich das erste Mal Gelegenheit hatte, mit dem Vertreter Frankfurts in Unterhandlung zu treten, demselben bestimmt erklärt habe, daß von preußischen Unterthanen feine Contributionen erhoben werden.( Bravo!) Abg. Graf Bethusy- Huc nimmt hierbei Veranlaffung, gegen die Ausführungen des Abg. Wagener entschieden protest einzulegen.( Bravo.) Er werde noch Gelegenheit haben, seinen Standpunkt, der von dem des Abg. Wagener in dieser Angelegenheit ganz verschieden fei, darzulegen. Die Petition wird hierauf burch Tagesordnung erledigt. Vor dem Eintritt in die Discussion nimmt zunächst das Wort Berichterstatter Abg. Kanngießer: Es ist nicht statthaft, in Epochen großer politischer Verwickelun gen und Actionen romantisch- legitimistischen Neigungen nachzuhängen, oder particularistische Strömungen schwäch lich zu begünstigen. Wo daher das Völkerrecht und die politische Nothwendigkeit Preußen zur Seite stand, da hat Ihre Commission unbeirrt und auf die Gefahr der Abg. Gneist: Die hier beabsichtigten Maßregeln Ministerpräsident v. Bismard: Auf Grund einer Beschuldigung rücksichtsloser und rechtswidriger Verge haben wenig gemeinsam mit den Annexionsbestrebungen allerhöchsten Ermächtigung vom 6. d. M. bin ich beaufwaltigung jener Länder die gebotene staatsrechtliche im Westen Europa's. Die Einheit, welche wir erstreben, tragt, einen dem soeben angenommenen ähnlichen GesetzSatzung klar und unverhohlen ausgesprochen. Wo es ist von sehr altem Datum: eine deutsche Reichseinheit entwurf, betreffend die Einverleibung der Herzogthümer aber an jener politischen Nothwendigkeit fehlte, da ist sie, nach außen, neben der Selbstständigkeit der einzelnen Schleswig Holstein in die preußische Monarchie, dem ich möchte sagen, ängstlich besorgt gewesen, die Eigen Glieder nach innen. Aber das völkerrechtliche Eroberungs- hohem Hause vorzulegen. Ich erlaube mir zuerst die thümlichkeiten jener Länder, die wir mit uns vereinigen recht ist für die inneren Verhältnisse Deutschlands unan Ermächtigung zu verlesen.( Dies geschieht.) Das Gewollen, Eigenthümlichkeiten, wie sie in dem Rechtsbe- wendbar. Die deutschen Länder sind keine Domänen, setz selbst, über dessen Inhalt ich mir nachher einige wußtsein berselben leben, nicht mit kurzer Hand zu be welche man bedingungslos an sich reißt; ihre Verfas erläuternde Bemerkungen gestatten werde, lautet:( Redner seitigen, sondern die Erhaltung derselben zu wahren und sungen sind keine Dienstordnungen, die der Lehnsherr verliest das Gesetz.) Die königliche Staatsregierung war ihre provinzielle Selbstständigkeit und Selbstverwaltung giebt und der Nachbar ändert. Unser Krieg ist auch nicht in der Lage, dies Gesetz zugleich mit dem eben beihnen offen zu halten. Meine Herren! Ich befinde mich nicht gegen die Völker, sondern gegen die Dynastien gerathenen einzubringen, da sie zuvor die Ratification des in der angenehmen Lage, dem Bericht Ihrer Commission führt; die Völker können nicht schlechter behandelt wer- Friedens mit Oesterreich abwarten mußte. Sie darf sich noch eine Anerkennungserklärung der Commissionsvor den, als die Stämme, deren Herrscher ein lanes neutra- aber der Hoffnung hingeben, daß die Principien, nach lage hinzufügen zu dürfen, welche von den in Kassel an- les Verhältniß erhalten haben. Eine preußische Regie- denen auch dies Gesetz zu beurtheilen sein wird, durch wefenden Mitgliedern der Kurhessischen Ständeversamm rung, die sich gegen Hannover und Nassau auf den Stand lung ausgegangen ist und mir gestern von einem der punkt einer völkerrechtlichen Eroberung stellt, erklärt den hier anwesend gewesenen Mitglieder der Deputation der Rheinbund für die Vergangenheit und für die Zukunft Stadt Kaffel zur geeigneten Mittheilung an das hohe für rechtmäßig, legalisirt die Einmischung des Auslandes. Haus überfandt worden ist.( Redner verliest die Adresse.) Bei einem einfachen dynastischen Erwerb kann es darum Die Namen der Unterzeichneten lauten: Nebelthau, Preußen nicht bewenden lassen und es wird von der Dr. Harnier, Henkel, Braun, Hupfeld, Dr. Weigel, Dr. Personal zu der Realunion übergehen müssen; es wird K. Detter, Zuschlag, Dr. Denhardt, Dr. Wippermann, vor allem die preußische Verfassung sofort eingeführt Wiegard, v. Bischoffshausen, Dürr. werden müssen. Man kann den Commissionsvorschlägen die Verhandlungen über die so eben angenommene Vorlage sich hinlänglich festgestellt haben werden, um eine kürzere Behandlungsweise möglich zu machen. Was den Vorbehalt eines an Oldenburg abzutretenden Gebietstheils betrifft, so erlaube ich mir dazu zu bemerken, daß die königliche Regierung im Begriff ist, mit dem Großherzogthum Oldenburg einen Vertrag abzuschließen, der zunächst die unbedingte Anerkennung des Besitzstandes Sr. Majestät des Königs in den Herzogthümern Schles