Rr. 1417. Berlin, Mittwoch den 12. September 1866. Zweiter Lahrgaag. SodlUGtmolinit. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar- Dienstag«. Donnerstag« und Sonnabends Abends. Organ der social-dcmokratischcn Partei. Redaction und Expedition- Berlin. Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichlpreußischen Deutsch- land I2>/2 Sgr., im übrigen Deutschland 26 Sgr.(fl. 1. 10. südd., fl. 1. öfter r. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition» von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Tompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Die Ratification der- jenigen Verträge, mit welchen die Regierungen von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Etrelitz diesem Bündnisse beigetreten sind, ist am 10. Sept. erfolgt. Die Verhandlungen mit Sachsen neh- inen dagegen einen sehr langsamen Fortgang und beziehen sich, nach der„Nordd. Allg. Ztg.", über- Haupt noch nicht auf die zukünftige Stellung Sach- sens im norddeutschen Bunde. Preußen stellt als Vorbedingung für die Friedensverhandlungen die militärische Räumung der Festung Königstcin, eine Forderung, die jedoch bis jetzt noch nicht zugestan- den ist. Die durch die„Debatte" verbreitete Nach- richt, daß der König von Sachsen zu Gunsten sei- nes Sohnes abdanken wolle, entbehrt ebenfalls der Bestätigung. Die„France" will sogar wissen, daß die Hoffnung nicht ungerechtfertigt sei, daß ein zwischen den Souveränen von Preußen und Sach- sen bestehender Briefwechsel, zu dem König Johann die Initiative ergriffen habe, nicht ohne Einfluß auf die Entschließungen des Berliner Cabinets sein werde. Die Bestätigung dieser Mittheilung wird jedoch sehr abzuwarten sein. Die sogenannte de- mokratische Partei in Sachsen hat ein Programm veröffentlicht, in welchem sie von ihren Kandidaten zum Parlament des norddeutschen Bundes verlangt: daß sie bei ihrem Eintritt in den norddeutschen Reichs- tag gegen die Dreitheilung, wie gegen jedwede Theilunz und Verkleinerung Deutschland« prolestiren, und die nord- deutschen Staaten, wenn auch zeitweilig von Süddeutsch- land getrennt, nur als einen Theil Deutschlands be< trachten; daß sie die Zusammenstellung eines Parlament« fordern, da« von allen deutschen Staaten, selbstverständ- lich mit Einschluß Deutsch-Oesterreichs, beschickt wird, und mindestens mit derjenigen Machtvollkommenheit auö- gestattet ist, welche die deutsche Reichsverfassung von 1849 vorschreibt, und endlich ein dann folgendes Programm zur Richtschnur annehmen und zu verfechten entschlossen ist, das so viel Forderungen enthält, daß, wenn sie überhaupt alle zur Ausführung kommen können und sollen, die demokratische Partei in Sachsen die Vorbereitungen auf einen Kampf von mindestens einem paar hundert Jahren wird treffen müssen. UnS beschäftigen vorläufig besonders einige Fra- gen, die für die Bildung des Parlaments für den norddeutschen Bundesstaat von Wichtigkeit sind. Tie Ccmmission des preußischen Abgeordnetenhauses hat alle Zusatzbestimmungen zun, Wahlgesetz für das Parlament über Diäten, Reisekosten, Stell- vertrelungSkosten, Verhaftung der Mitglieder des Parlaments, und straflose Berichterstattung über seine Verhandlungen in der Presse abgelehnt, weil es nicht zuträglich erscheine, für weitere Bestimmun- gen, die nicht in das Wahlgesetz gehörten, die Jni- tiative zu ergreifen und weitläufige Detailfragen zu ordnen, die zwar von höchster Bedeutung für die Constituirung und Wirksamkeit eines Parla- mentes, aber doch nickt absolut nothwendig für seine Thätigkeit sind, namentlich so lange es sich um eine einmalige, sck Koo berufene Versammlung handelt. Wenn es nun auch richtig ist, daß diese Bestimmun- gen nicht unmittelbar in den KreiS des Wahlgesetzes gehören, so ist eS doch auch richtig, daß diese Be- stimmungen von der größten Wichtigkeit für den Charakter des norddeutschen Parlaments, ja sogar für die Annahme desselben von Seiten des deutschen Volkes sind. Die Commission hätte deshalb unseres Erachtens die Pflicht, sich über diese Bedingungen, wenn sie auch nicht in das Wahlgesetz aufgenommen werden sollen, zu vergewissern. Die Fortschrittspartei hat zwar immer das allgemeine gleiche Wahl- recht im Princip anerkannt, nur war es ihr be- quem, dasselbe nicht auf ihr Programm zu stellen, weil es ihr noch nicht zeitgemäß erschiene. Vielleicht wäre ihr auch jetzt eine Hinterthür für das allge- meine gleiche Wahlrecht bequem, die dasselbe zwar anerkannte, aber doch nur Rentner wählbar machte. Der officiöse Wiener Correspcndent der„Karls- ruher Zeitung" bemerkt zu dem Text des öfter- reichisch-preußischen Friedensvertrags: Ich weiß nicht, ob es schon irgendwo hervorgehoben ist, da der Text des österreichisch-preußischen Friedens- verirags in seinem politisch- inlernalionalen Theil fast wörtlich den französischen Entwurf wiedergiebt, wie er durch den Herzog von Gramont im Auftrag seiner Re- gierung redigirt und zur Annahme empfohlen war. Daß Artikel 4 des Vertrages eine wesentliche Abweichung von der betreffenden Festsetzung der Präliminarien enthält, insofern erst im Vertrage der Bildung eines süddeutschen Staatenbunde« mit der den Präliminarien nicht einver- leibten ausdrücklichen Maßgabe gedacht wird, daß der- selbe eine„internatiouale, unabhängige Existenz" haben soll, ist, soviel ich mich erinnere, bereits anderweitig be- merkt. Auch dieser auf nachträgliche Reklamation aus- genommene und sicher nicht bedeutungslose Zusatz cnt- spricht vollständig dem französischen Original, welche» jenem Bund„une existence internationale et indepen- dante" vindizirt. Die„Nordd. Allg. Ztg." sprach sich kürzlich nach- drücklich, fast drohend, gegen die preußenfeindliche Haltung der belgischen Presse aus, so daß man versucht ist, in diesen Drohungen einen Borboten zu Verbot belgischer Blätter, wenn nicht zu weiter- gehenden Vorgängen, zusehen. Die„France"' sagt: Das balboffizielle Journal des Berliner Cabinets führt gegen Belgien ungefähr dieselbe Sprache, wie gegen die annectirlen deutschen Staaten. Es bedroht diese« Land mit dem Zorn Preußen«, wenn die belgische Presse fortfahre, von der Politik des Grafen Bismarck anders als„Siäcle" und„Opinion nationale" zu sprechen. Will denn Preußen in Europa die Polizei führen? Die„Nordd. Allg. Ztg." läßt sich indeß da- durch nicht abhalten, in ihrer neuesten Nummer wegen der Haltung der österreichischen Presse eine noch drohendere Sprache gegen Oesterreich zu füh- ren. Sie sagt unter Anderm: Die österreichische Regierung trifft hier eiue sehr schwere Verantwortung, sie läßt dasselbe Treiben gegen Nachbarstaat und früheren Verbündeten wieder hervor- brechen, welches vor dem Kriege so herrlich in Bliithe stand. Will man sich in Wien durch diese Bedrohung, Verhöhnung und Verachtung des kaum abgeschlossenen Friedens den Schein vollster politischer Unabhängigkeit geben? Das dürfte doch vergeblich fein.— In Europa ist kein Zweifel darüber daß Oesterreich nur al» franzS- sischer Protectionsstaal existirt. Oesterreich hätte sich nach den Niederlagen in Böhmen leicht mit Preußen verstän- digen und günstigere Bedingungen, als die gegenwärligeN erhalten könne», aber e« verschmähte die Verhandlungen mit seinem früheren Bundesgenossen, e« begab sich unter sremdem Schutz und rief die Intervention des Kaiser» Napoleon an. Oesterreich wollte den Frieden, seine In- tegrität lieber der französischen Hülfe, als der Versländi- gung mit dem deutschen Preußen verdanken, es gab der Stellung al« französischer Protektionsstaat den Vorzug- Alle Schmähungen der Presse auf das preußische Volt und seine Regierung vermögen dieses Verhältniß nicht zu verhüllen. Die bereits mehrfach behinderte Adresse an den König von Preußen auf Erhaltung der Selbststäm keit Hannovers, welche mit 72,400 Unterschristea versehen und noch mit etwas mehr als 400 Er- gänzungserklärungen an ihr Ziel gelangt ist. hat diesen Weg zum großen Erstaunen der dortigen Behörden gefunden, trotzdem sie durch die verschie- denen Behinderungen und ConfiScationen die Sacke längst erledigt glaubten. Vom preußischen Civil- commissar ist deshalb an das hannoversche Ministe- rium die Anweisung ergangen,„diesem agitorischeN Treiben durch geeignete nachhaltige Maßregeln Ein- halt zu thun, um sich nickt der persönlichen streng- sten Verantwortung durch Unterlassung derselben auszusetzen."— In einer stattgefundenen Bersamm- lung liberaler Mitglieder des vormalig nassaui- scheu Landtages ist einstimmig beschlossen worden, eine Adresse an den König von Preußen und an den Grafen Bismarck zu richten. Die Adresse soll cie Anerkennung der Annexion Seitens der libera- len Landtagsmitglieder aussprechen und wegen einer dem Landesinteresse entsprechenden Verfügung übel die Domainen Vorstellung machen. Eine aus siebe» Mitgliedern bestehende Deputation wird die Adresse überreichen. Das„Franks. Journ." versichert, daß der Krön- prinz von Preußen zum Vicekönig von Hannover bestimmt ist und bezeichnet als wahrscheinlich, daß Prinz Friedrich Carl in Zukunft in Frankfurt, vielleicht abwechselnd mit Kassel und Wiesbaden, residiren werde.— Die Gerüchte einer Ministerkrisis' im österreichischen Kaiserstaate erhalten sich trotz aller Dementis, welche von den Organen vor Regierung oder journalistischen Volontärs ausgehen, und die ungarische Frage bildet den Angelpunkt derselben. Es scheint jedoch nicht, daß die Ver- Handlungen so bald zum Abschluß gelangen werden. Was darüber verlautet, giebt dem Gedanken Raum, daß sie wieder eine trübe Wendung genommen. Wie einem Prager Blatte gemeldet wird, handelte e? sich darum,„von den ungarischen Staatsmän- nern das Zugeständniß für eine Central-Delcgation mit bescheidenen, aber bestimmten Befugnissen zu erhalten; aber auch das war nicht mögllch." Das Ministerium ist vor das Dilemma gestellt, entweder die Forderungen Ungarns vom ersten bis zum leß- ten Punkte zu gewähren und desselben Selbstständig- keit aufzurichten, ohne irgendwelche vorgängige Ga- rantie, daß es sich dem Reichsganzen als Glied einfll- gen werde— oder auf den Ausgleich überhaupt zu verzichten. In dieser schwierigen Lage soll es sich entschlossen haben, die Frage überhaupt auf einige Zeit zu vertagen.— Es ist i» Wien bei C. Diit- Ntarsch eine Broschüre erschienen mit dem wuchtigen Titel„Actenmäßige Enthüllungen über den badi- schen Berrath an den deutschen Bundestruppen in dem so eben beendigten preußisch-deutschen Kriege". Der„badiscke Verralh" wird dem Prinzen Wilhelm von Baden, Commandanlen der badiscben Division des achten BundeS-Armce-Corps, und der mit ihm einverstandenen Kreise in Karlsruhe, beigemeffen. Dieser wird darin beschuldigt, um sich den Anschein zu geben, etwas zu thun, die Preußen da, wo sie nicht waren, gesucht zu haben, und ihnen geg.n Befehl da aus dem Wege gegangen zu sein, wo er ihnen entgegentreten sollte. Der Corps-Comman- tant ließ zwar dem badischen Prinzen durch dessen Adjutanten mit Absetzung drohen, aber dieser, der Bruder des Großherzogs, machte sich nichts daraus und that nach wie vor, was er wollte. Es ist alles Ernstes die Rede davon in �srank- reich eine Art Preußischen LandwehrsystemS einzu- führen. Louis Napoleon empfahl dieses bereits in seinen Schriften, und die„Patrie" bringt heute die Stelle, wo davon die Rede ist. Der damalige Prinz schlägt vor, daß die permanente Armee aus 316,000 Mann bestehen solle; die Reserve und das erste Ausgebot der Nationalgarde schätzt derselbe auf 521,198 Mann, was im Ganzen 1,515,198 Sol- baten ausmacht.— In aller Munde ist gegenwärtig ein Rundschreiben, welches Licht für die nächsten Ziele der auswärtigen Politik Frankreichs zu geben bestimmt wäre; die Ansichten über dieses Schreiben lauten jedoch sehr verschiede» und eigentlich gerade- zu widersprechend. Während einerseits behauptet wird, Herr von Lavalctte, als interimistischer Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, werde dieser Tage ein Cirkular an die französischen Agenten im Aus- lande richten, in welchem die durchaus friedlichen Tendenzen der kaiserlichen Regierung noch einmal sehr präzis zum Ausdruck gelangen sollen, wird von anderer Seile her versichert, daß Herr von Lavalette an die Vertretungen Frankreichs einfach die offizielle Mittheilung von dem stattgehabten Wechsel im Kabinet des Kaisers ergchen lasten werde; von dritten Personen endlich wird als ge- wiß ausgegeben, daß der provisorische Ehef deS Auswärtigen ein Rundschreiben bereits versendet habe, dessen Inhalt zum größten Theile einem an Hrn. von Lavalette gerichteten Briefe des Kaisers entnommen sei. In diesem Schreiben soll sich der Kaiser auch ganz entschieden für eine Politik des Friedens und der Mäßigung ausgesprochen haben. — Pariser Correspondenlen schweizerischer Blätter berichten übereinstimmend, der Rücktritt Dr ouyn's bedeute die Wendung zu einer Politik, die sich in folgende drei Puncle resümircn lasse: 1) vollstän- dige Toleranz gegenüber Preuße» und Fallenlassen der deutschen Frage, wenigstens für den Augen- blick; 2) Erhaltung des Friedens bis nach der Aus- stellung des nächsten Jahres, womit für Frankreich die'nölhige Zeit für feine militairifche Organisation und neue Bewaffnung gewonnen wäre; 3) Wieder- eintritt Frankreichs in die europäischen Angelegen- heilen uiittelst der orientalischen Frage, wenn mög- licki erst nach, nölhigcnfalls aber auch noch vor der Ausstellung. Die Ansicht, daß vor Ablauf der großen Weltausstellung eine Störung des Welt« friedens von Seiten Frankreichs nicht zu erwarten sei, wird allgemein geiheilt.(Vergl. die Pariser il.-Correspondenz.) Das Interesse, welches der in neuester Zeit aufgeworfenen Frage der Einführung einer allge- meinen Volksbewaffnung in der Schweiz zu Theil wird, hat in einer kürzlich zu Brugg zu diesem Zweck abgehaltenen Versammlung auf's neue Be- stätigung gefunden. Es wurde beschlossen: 1) Das gegenwärtige schweizerische Wehrsystem wird als den Anforderungen unserer Zeit nicht genügend er- klärt. 2) Es sind zu seiner Umgestaltnng hinsichtlich Wehrpflicht, Bewaffnung, Bekleidung, Eintheilung und Führung, Uebung, Verpflegung, Besoldung»nd Ver- gütung von Kriegsschaden, Sorge für Verlassene und Hinterlasiene neue Grundsätze als leitend und mustcr- gültig auszustellen. 3) Es ist die Gründung eines„Eid- genLssischen Vereins für Volksbewaffnung"»nd die Wahl eine« Ausschusses sofort vorzunehmen, letzterer mit dem Auftrage: a) die Anwendung der leitenden Grundsätze für das zunächst und dringendst Nöthige und Mögliche zu bestimmen; b) diese Grundsätze bei Behörden und Vereinen zur Geltung zu bringen, und c) eine Vereins- Verfassung zu entwerfen, welche einer demnächst abzu- haltenden Hauptversammlung zur Annahme vorgelegt werden soll. In den Ausschnst wurden gewählt: Oberst- lieutenaul Franz v. Erlach in Bern, Segesser in Luzern, Karl Bürkli in Zürich, I. I. Ammann in Bern, M. Vogel und Ed. Baumer in Rheinselden, Giesch in Thusis, Beerstecher in Biel»nd Commandant Treyer in Baden. Aus Italien wird gemeldet, daß Ricasoli sehr erbittert ist über die Zumuthung, daß die italienr- schen Truppe» und Eommissarc vor der VolkSab- stimmung in Benetien diese Provinz vollständig räumen sollen. Einen offiziösen Unterhändler, den man zu ihm geschickt, um ihn zu beschwichtigen, soll der Minister-Prästdent gar nicht empfangen haben; durch seine Preßorgane aber läßt Ricasoll zur Rechtfertigung seines Standpunktes nicht nur aus die Präcedenzfällc der Abstimmungen in der Ro- magna, im Umbrien und den Marken hinweisen, sondern dem Kaiser Napoleon auch noch ein weit pikanteres.Argumentum ad hominem vorführen. „In Frankreich selbst", sagt die Nazione,„hat man nie die Aufrichtigkeit und Legitiniität des Votums bezweifelt, das Napoleon III. zum Kaiser ausrief, obwohl derselbe thatsächlich schon seit dem 2. De- cember 1851 die Regierung führte." Trotzdem wird keine andere Wahl bleiben, als sich zu fügen. Die neuesten Depeschen lauten: Wien, 10. Sept., Abends. Die„Wiener Zeitung" enthält im amtlichen Theile kaiserliche Handschreiben, durch welche FML. Henikstcin seiner Stelle als Gene- ralstabschek der Armte enthoben und FML. John zu diesem Posten ernannt, sowie gleichzeitig mit der Leitung deS Kriegsministeriums betraut wird. New S)or k, 1. Sept. In Auburn, bei Gelegenheit eine» zu Ehren de« Präsidenten veranstalteten Banquers, stellte StaaiSsecretair Seward den mexikanischen Ge« sandten Römer» vor und erklärte, er hoffe, mit kom- mendem ersten November werde die mexikanische Repu- dlik von den letzten Spuren der feindlichen Invasion befreit sein. General Grant brachte einen Toast auf Romero und aus den Erfolg der liberale» Sache und der alliirten Republiken ans. Im Orient scheint die Situation immer schwie- riger zu werden. Die griechische Regierung hat zwei Noten der türkischen Gesandtschaft dahin be- antwortet, daß ihr die Constitution verbiete, sowohl gegen die Presse, als gegen die Nationalgarden kaiidiolischer Nationalität, die ihren Landsleuren zu Hülfe eilten, irgend welche Zwangsmaßregeln zu ergreifen. Man befürchtet deshalb den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit der türkischen Regierung. Auch Serbien soll eine drohende Stel- lung angenommen habe» und nichts unversucht lassen, um eine Alliance mit Rumänien und Mon- tenegro gegen die Pforte abzuschließen. Derselbe Geist der Unzufriedenheit hat sich auf den Inseln Chios und Eypern gezeigt, jedoch hat der pariser „Patrie" zufolge die türkische Regierung dahin die gewünschten Eoncessionen zu machen. Aus Amerika geht die Nachricht ein, daß in New-Uork das Volk dem Präsidenten einen enthu- siastiswe» Empfang bereitet hat. Der Präsident hat. eine Rede gehalten, worin er seinen festen Eni- schluß aussprach, seine Politik durchzuführen, deren Zweck die Herstellung per Union sei. Herr Seward hat gesagt, daß die Presse den Krieg gegen Mexico, Spanien und England predige und daß er selbst den Kriegen, welche das Bedürfniß des Landes nöthig machen könnte, nicht entgegen sei, aber daß er im Hinblick aus die Weigerung des CongresseS, die Repräsentation des Südens zuzulassen, nicht geneigt sei, einen Krieg auf Einem Beine auszu- fechten; er wünsche deshalb dringend, das andere lahme Bein erst ganz wieder geheilt zu sehen.— Eine Depesche aus Neufundland, datirt Sonnabend 2 Uhr 22 Minuten Nachmittags, meldet die An- kunft des„Great Estern" im Hafen von Neu- fundland. Deutschland. Berlin, 11. September. sHerrenhaus.j In der 9. Sitzung vom 10. September wurde über die Annexionsvorlage verhandelt. Wir entnehmen der Verhandlung Folgendes: Die Commission Halle unveränderte Genehmigung der Regierungsvorlage beantragt. Dagegen war von de» Herren R. v. Maltzahn und v. Plötz ein Ver- bessermigsaiitrag eingegangeu, der unveränderte Annahme des Gesetzentwurfs über die Einverleibung in der Fas- sung des Abgeordnetenhauses empfiehlt. Vor dem Eingang in die Berathung erhält das Wort Freiherr v vn dem Busche- S Ireith o r st, königl. hau- noverscher Kammerherr: Ich kann ein sogenannte» Er- obernngsrecht nicht anerkennen, ich kann da« Recht, deutsche Fürsten von Land und Leuten zu vertreiben und ihnen die Selbstständigkeit zu nehmen, nicht anerkennen. Ich kann daher dem preußischen Landtage, wie diesem hohen Hause das Recht mchl einräumen, über die im vorliegenden Gesetzentwurfe aufgeführte» Länder zu be- schließen. Ich bin in Folge meines Grundbesitzes gleich- mäßig Preuße und Hannoveraner. Ich habe gleichmäßig dem König von Preußen und dem König von Hannover den Huldigungseid geleistet. Ich prolestire daher vor Gott und diesem hohen Hause gegen die projectirle Ein- verleibung. Ich weiß, daß wenn Hannover jetzt der Ge- walt weichen muß. es nie aushören wird, seinem ange- stammten Herrscherhaus- treu zu bleiben und aus Gott zu vertrauen, der Hilfe zu rechter Zeit gewähren wird. Der Berichterstatter, Herr v. Daniels legt in einer sehr langen geschichtlichen Entwickelung dar, daß Preu- ßen eine Berechtigung zu der vorzunehmenden Einver- leibung habe, und führt aus, daß eine gänzliche Einver. leibunz jener Länder in Preußen für die Länder selbst jedenfalls vortheilhafter sei, als eine Zerreißung dersel- ben, die doch im Interesse der Sicherung Preußen« unvermeidlich wäre. Ueber da» neu eingebrachte Amende- ment behält er sich seine Aeußerung vor. Herr v. Brünneck- Jacobau lobt zunächst die „kühne kraftvolle Politik" des großen Staatsmannes Grasen Bismarck und spricht sich schließlich für den vom Abgeordnetenhause angenommenen Gesetzentwurs an«, wünscht jedoch, daß der König nicht zu sehr beschränkt darin werde, die nothwendigen Absatz- und Zusatzbestim- münzen, die für jene Länder nöthig sind, noch vor Ein sllhrung der Verfassung zu treffen. Herr v. Klützow schließt sich dem Vorredner an und erklärt sich gleichfalls mit dem vom Abgeordnetenhause angenommenen Entwürfe einverstanden; er spricht dabei den Wunsch aus, daß die Einrichtungen jener Länder so viel wie möglich geschont werden. Er hofft, daß durch die Einverleibung jener Länder das conservative Element in Preußen erheblich gestärkt werde. Referent Dr. v. Daniels erklärt daraus, daß die Kommission mit dem VerbefferungSantrage einverstandeu sei. Schließlich wird der Gesetzentwurs, nachdem noch tuehrere Redner, theils dafür,«Heils gegen den Commis- sionsentwurf gesprochen, in der Fassung des Abgeord- netenhause« angenommen. Nur wenige Mitglieder stim- men dagegen. Einige Petitionen aus Hannover werden durch den gefaßten Beschluß für erledigt erklärt. — sUeber die Commissionen des Abge- ordnetenhausesj resp. deren Verhandlungen be- richten wir wegen Mtmgels an Raum in nächster Nummer. — sDer Schluß des preußischen Landtage«! wird nach der„N. Pr. Z." am 20. d. stattfinden. Ausland. II. Paris, 9. Seplbr. sBevcutung des jüngste» Ministerwechsels. Cooperativ- bewegunz. Die„LooperiUion.� Arbeiter- Congress in Genf.j Mit dem Ministerwechsel in, auswärtigen Amte ist vorläufig ein Abschluß der Pertubaiionen gegeben, welche der deutsche Krieg in der kaiserlichen Politik hervorgerufen hat. Die Bedeutung dieses Ministerwechsels liegt nicht, i wie man sagte, in besseren Beziehungen zu dem Ber- � liner Kabineie; höchstens bestätigt dieser Schritt