Rr. 149. Berlin, Sonntag den 16. September 1866. Zweiter ZahrgW. Socinl- Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social- dcmokratislhcn Partei. Redaktion und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. AbounemcntS-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., m°- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Ltönigl. preußischen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postamtern im nichtpreußischen Deutsch- land 12'/» Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(fl. 1. 10. südd., sl. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genommen. Jnseratc(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petü-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonicen und die überseeischen Länder: Hr. Boeder, 8. LUtle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. politischer Theil. Berlin, 15. September. In Sachen des Blattes L'-Associntion finden wir im„�FKare de la Loire" einen längeren Artikel, dessen erster Theil sich gegen das Blatt „Ltendart" richtet; den zweiten Theil des Artikels, aus welchem sich der Zusammenhang der ganzen Angelegenheit deutlich ergiebt, lassen wir nachstehend in Ueberseßung folgen. Der Verfasser schreibt: Zu einer Zeit, wo die Blätter Geschäfte sind, welche im Grunde eben so wenig Meinungen vertreten als Ge- schäfle anderer Art, haben die Actionäre der„Association" ein einzig dastehendes Beispiel gegeben, indem sie das Geschäft ihren Meinungen zum Opfer brachten. Wäh- read ihr Blatt noch die Mittel besaß, ein halbe« Jahr ohne neue Geldopfer zu erscheinen, und die Zahl der Abonnenten bereits 1500 betrug und monatlich wenigstens um 100 wuchs, haben sie alles aufgegeben, die Vergangenheit und die Zukunft ihre« Werkes, 30,000 Fr. Ca- pital sowie die Zinsen, welche der günstige Erfolg ge- währen mußte. Der Selbstmord der„Association," welche mit Be- scheidenheil eine so große Rolle in der Förderung des Eooperationswesens in Frankreich gespielt hat, wird eine der bezeichnendsten Episoden in der Geschichte der Preßfreiheil unsere« Landes bleiben. Daher ist es von Interesse, die Erinnerung daran zu bewahren, und wir glauben recht zu thun, wenn wir hier einen Auszug des officielleu Protocoll« der ordentlichen und außerordent- lichen General-Versammlung abdrucken, welche am 29. August, Abends 8 Uhr, zu Paris im Saale der Re- doute staltgesunden hat: „Die Sitzung wurde unter dem Vorsitze eines der Mitglieder des AufsichtSrathes mit Verlesung eines Brie- ses des Polizeipräfecten eröffnet, welcher die Versamm- lung unter der Bedingung gestattet hatte, daß darin von Politik keine Rede sei. „Der Geschäftsführer verlas seinen Bericht, in wel- chem er die finanzielle Lage der Gesellschaft folgender- maßen darstellte: Vom 1. October 1865 bis zum 1. Juli 1866 haben sich die Ausgaben belaufen auf.. 23,198 Fr. die Einnahmen aus......... 9,293- macht einen Ueberschuß in den Ausgaben bon 13,905- Ferner ergab der Ueberschuß der Ausgaben über die Einnahmen de« verflossenen Ver- j waltungsjahre«......... 6,462« Uder Ueberschuß der Ausgaben beträgt also. 20,368. KÄlleS in Allem ergiebt sich eine Totalsumme es in den Ausgaben von....... 21,054- Pa„„Die Zahl der Abonnenten war 1450; sie mehrte berib monatlich um 100; in Jahressrist würde das Jonr- triebt aus seine Kosten gekommen sein. erstit„„Da« sind die materiellen Resultate, sagte der Ge- und sstsführer. Wir erwarteten mehr; aber ich glaube, Orter. würden Unrecht habe», unzufrieden zu sein. Wir Seeleiten studiren und mit neuen Thatsachen Versuche Das ten. Nachdem wir unsere Ueberzeugung gewonnen Anfordl, mußten wir erklären und überzeugen— alles rühmen,, die langsam gehen und ohne viel Ausseben. Noch ment in Wir haben uns streng in den Grenzen unserer Ehrendieisenjchaft gehalten: Wir wußten wohl, daß die den Klassen, an welche wir uns vorzugsweise wandten, vornehmlich ein Leben voll Gemüths und Leidenschast führen, wir wußten, daß sie es lieben, die po- lilischen Fibern ihres Herzen« vibriren zu fühlen. Aber die Politik war uns streng verboten, sowohl nach unserem Programm, als au« Nothwendigkeit; wir habe» uns besdiieden, nur streng wirthschaslliche Gegenstände in wissenschaftlicher Sprache zu behandeln. „„Nichtsdestoweniger haben die moralischen Resultate unsere Hoffnungen fast iibenroffen. Ich glaube, ohne Ueberhebnng sagen zu können, daß die Männer, welche die„Association" gegründet und gefördert haben, daß diejenigen, welche sie zu dem gemawt haben, was sie ge- worden ist, dem össentlichen Wohl einen eminenten Dienst geleistet haben, daß ihre Ehrenhaftigkeit, ihre Ueberzeu- gnngSlreue und ihr Eifer großen Nutzen gestiftet haben. Es sind da« diejenigen, welche dem französischen Ge- nossenschastswese» Gestalt gegeben haben, welche e« entkleidet haben von dem philosophischen, öconcmlschen und juristischen Formelwesen, und ihm einen Anstoß gegeben haben, welcher, wie id) hoffe, dauernd wirken wird, bis es zu neuen Fortschritten treibt. Die„Association" hat uns viel gekostet, aber was wir erreicht haben, gilt noch mehr. „„Wir bereiteten uns zu unserer Geueral-Versamm- lung vor, als plötzlich eine administrative Beschlagnahme eine Nummer unseres Blatte« traf, welche wir für eine der harmlosesten unserer Sammlung gehalten hatten, und dann eine zweite Nummer, welche eine Wiederholung der ersten war, nur mit Weglaffung de« anstößigen Artikels. Vier Beschlagnahmen in einem halben Jahre und jede neue Beschlagnahme schließlich mit einem baaren Verlust von 750 Fr.! Doch daß war es nicht, was uns am meisten beunruhigte; es war da«, daß wir sahen, daß man uns in den Regierungskreisen beargwöhnte, Politik zu treiben, daß wir wußten, daß die Verfasser schuldiger angesehen wurden als ihre Schriften und daß das Schuldobject viel weniger in unseren Worten lag als in unserer Haltung, unserem Geiste, unseren Ansichten überhaupt, kurz in Dingen, die vollständig schwank und unbestimmbar sind. Wir haben geglaubt, vorsichtig bis zur Zaghaftigkeit zu sein, zurückhaltend bis zur Langweiligkeit, vorsichtig bis zur Kleinlichkeil, aber wie unrecht thaten wir, als wir uns das vorwarfen! „„Schließlich verzweifelte Ihr Geschäftsführer daran, in Zukunft gemäßigter oder glücklicher zu sein, da er jede Fühlung verloren hatte, um zu wissen, was Politik ist und was nicht, was zu sagen erlaubt oder verboten ist,»ud er hob zugleich für den Augenblick seine publi- cisiische Thätigkeit auf, da er in keiner Weise den Geist des Blattes ändern wollte. Meinerseits schien e« dann vornehmlichste Pflicht zu sein, alle unnöthigen Kosten abzuschneide» und auf eine GeschästSleitung zu verzichten, die in meine» Händen nicht mehr sicher war. „„Wir habe» jetzt nur die Wahl, entweder unsere pu- blicistische Thätigkeit aus mehr oder weniger veränderter Grundlage fortzusetzen, indem wir sofort einen neuen GeschäftSleiter ernennen, oder unsere Gesellschaft einfach auszulösen, indem wir sofort eine Liquidation«- Eom- Mission erwählen-- „Nach dieser Verlesung, die mehrfach von lebhasten Beifallsbezeugungen unterbrochen war, stattete ein Mit- glied des VerwaltungSratheS den Bericht der Eontrol- Commiision ab. Dieser Bericht bestätigt vollständig alle! Ausführungen des Geschästsleiter« und berichtig: nur diejenigen, welche sich auf die� unmittelbare Ziikunft der „Association" beziehen. Mehr als 1500 Abonnenten waren schon gesichert, und glücklicher als die meisten an-! deren Blätter, die unter gewöhnlichen Bedingungen ge- gründet werden, war es sichev, seine Kosten schon zu Ende de« zweiten Jahres zu decken. Schließlich schlug der Berichterstatter vor, in Anbetracht des Brieses des Polizei-Präsecten, die DiScussion zu schließen und zur Abstimmung über den Vorschlag de« Geschäftsleiters zu schreiten. „Dagegen opponirten mehrere Mitglieder der Ver« sammlung, welche hintereinander die Gründe ause.nan« der setzten, nach welchen die Actionäre sich für freiwillige Unterdrückung de« Journals mehr an» Achtung vor sich selbst als au« Interesse entscheiden mußten. Die gegen- theilige Ansicht trat nicht hervor und so sind folgende Beschlüsse mit Einstimmigkeit gefaßt worden: „„Die ordentliche und außerordentliche Generalver- sammlung der„Association" nimmt die Entlassung de« Geschäftsführers an, indem sie Herrn Elie Reelus ihr ausrichtiges Bedauern ausdrückt und vollständig seine VerwaltungS-Maßnahmen billigt, sowie auck ihm dankt für die Haltung, welche er zu bewahren gewußt hat als Vertreter der Gründer und der Redaction der„Asso- ciation. „„Der. Geschäftsführer Elie RecluS wird zum Voll- strecker der Rechnungsabschlüsse ernannt und c« wird ihm eine Commission von vier Mitgliedern zur Seite ge- geben, die beauftragt ist, mit ibm die Liquidation der Gesellschaft unter Wahrung ihrer Interessen, sowie ihrer moralischen Würde vorzunehmen."" Wir geben un« weiter keiner Betrachtungen über daS Protocoll hin, nur eins wollen wir diesem einfachen und würdigen Bericht beifügen. Indem die„Association" die Eooperativbewegung zur Klärung brachte und verbreitete, indem sie dieselbe aus den Weg der Freiheit verwies, den einzigen, auf wel- chem sie zur wahrhasten öconomischen und politischen Befreiung der Arbeit unb des Arbeiters gelangen kann, den einzigen, welcher da« Proletarial, indem es seine Kräfte und seine Nothgroschen vereinigt, au« dem ererb- ten Elend zu Capital und Eigenthum bringt, Hai die „Association" der Demokratie, der Gesellschaft und„der Ordnung" eine» erheblichen Dienst geleistet.--— Ehedem theilten sich die Feinde der socialen Ungleich- heit, welche man Socialislen nannte, die Anhänger st. Simons, Fourriers, Cabels, Proudhons u. s. w., in zwanzig Schulen, in zwanzig Kirchen; seit Gründung der„Association" haben sie sich vereinigt gefunden uud Dank ihr bilden sie nur noch eine einzige Phalanx, die eines freien Zusammenwirkens(cell« des libres cooporatcurs). In den Tagen ihre« Siege« und noch lange nach ihrer Niederlage, theille sich die radicale De« mokratie in politische und socialistische Demokraten, indem die einen die Revolution ausschließlich im Staat herbei- führen wollten, die anderen sse nur in der. Gesellschaft gut hießen, indem letztere die constitutionellen Formen opferten, erstere sich nur mit ihnen beschäftigten. Die „Association", deren Tendenzen Ledru-Rollin und Lonis Blanc sowohl wie Proudhon und Edgart Quiuel billig- ten, bat nicht wenig dazu beigetragen, die Einmüthigkeit in der Ueberliesernng und in dem Ziel der Umgestaltung der Gesellschaft herbeizuführen.— Seit dein 9. September ist nun ein neues Ar- beiterblatt �La Cooperation" erschienen, das, wie der LiquidallonSausschug der„Association� in der ersten Nummer des neuen Blattes bekannt macht, de» Abonnenten der„Association" an deren Siesie empfohlen wird. Die erste Nummer ist anziehenv und mannigfaltig und enthält interessante neue Bei- lräge zur socialen Bewegung in Frankreich. Wir werden dem weiteren Erscheinen des Blatteö unsere unausgesetzte Aufmerksamkeit zuwenden und unsere keser von Zeit zu Zeit von dem Stande der Coope- rativbewegung in Frankreich in Kenntniß setze», so- wie einzelne Auszüge aus dem Blatte geben. Der neugebildete Ausschuß besteht aus den Vertretern der verschiedenen Arbeitervereine und die eigentliche Leitung hat P. Blanc, der frühere Mitarbeiter deS I„Courier du Dimanche,''übernDnimen.$er.,Eten- dart," welcher sich durch die Denunciation der„Association" so traurig hervorgethan hat und deshalb von Ch.?. Chassion, welcher der„Association" obigen Nachruf gewidmet, zugleich mit jenem Nack- ruf eine derbe Abfertigung erfahren hat, ist, wie früher der„Ea�s", mit der officiösen Ueberwachung der Organe für das Cooperationswesen betraut worden.____ Runds ch a u. Berlin, 15. September. Als Oesterreich sich mit großer Bereitwilligkeit darin zu finden wußte, seinen Jahrhunderte alten Einfluß in Deutschland aufzugeben, hatte es ge- hofft, bei der Zweilheilung des neugestalteten Deutsch- lands durch eine Hinterlhür gelegentlich seine alte störende Einwirkung gegen Preußen mit Hilfe der Süddeutschen Staatengruppe wieder zu gewinnen. Um so eifersüchtiger bewacht es jetzt jede Annähe- rung irgend eines der süddeutschen Staaten an Preußen und fühlt sich sehr beunruhigt über das Gerücht geheimer Abmachungen zwischen Bayern und Preußen, das noch besonders dadurch Nahrung erhalten hat, daß Herr v. Bismarck, wie man sich zuflüstert, von Bayern den Hubertusordcn erhalten soll. Diese Gerüchte sind vielleicht nicht ohne Grund — denn Herr v. d. Pfordten wird sich lieber zu einem Anschluß an Preußen, als zu freiheitlichen Reformen verstehen, wie sie die süddeutsche Demo- kralie zur Herstellung einer süddeutschen Union ver- langt. Das sickerst- Band, welches die sllddeulscken Staaten zu dem Norden hinführen wird, sind, ab- gesehen von den materiellen, die conservativen In- teressen. Resolutionen wie die neuerdings in Hall (Würtemberg) gefaßten, wo u. A. Oesterlen, May und Struve als Redner auftraten, würden die süddeutschen Regierungen für jetzt noch gewähren lassen, bei lebendigerem und lebhafterem Umsich- greifen die freiheitliche Bewegung aber wieder zu Unterdrücken suchen. Eben darum hat eine freiheit- liche Bewegung im Süden keinerlei reale Bedeu- tuug, sondern ist dazu verdammt, bloßes Schein- werk zu bleiben.— Die liebevollste und sorglichste Aufmerksamkeit wendet die preußische Regierung, wie im bisherigen Preußen selbst, so auck in den einverleibten Ländern, der Presse zu. Außer den Herren v. Löbell und Dr. Moritz Busch, früherem Redacteur der„Grenzboten", ist nun auch der Di- rector der Berliner Preßstelle, Geh. Reg.-Rath Hahn, zur Beaufsichtigung der Presse nach Han- nover geschickt. Leider verralhen die hannoverschen Blätter für die Aufmerksamkeit kein rechtes Ver- ständniß. Sic finden den jetzigen Zustand im Ge- gentheil ziemlich drückend. Es sind nämlick der Behörde Tag für Tag Correcturabzllge einzuliefern, deren Durchsicht manchmal sehr erhebliche Censur- striche zur Folge hat. Tie Lücken bis zum Ersckei- neu des Blattes noch passend auszufüllen, ist öfters nicht ihunlich; mit Censurlücken in die Welt hin- auszugehen, ist hinwieder den Blättern streng unter- sagt.— Die Anwesenheil der sächsischen Truppen in Oesterreich fängt selbst den begeistertsten Ver- theidigern der Allianz mit Sachsen an lästig zu werden. Die„Presse" macht deßhalb den Vorscklag, sie nach Ungarn zu verlegen.— Baron v. Gablenz hat dem Siadtvorstande von Traulenau die Nach- richt zukommen lassen, daß von Berlin der Befehl zur sofortigen Freilassung des Bürgermeisters von Tiautenau und seiner Unglücksgefährten erlassen ist. Die Trautenauer bereiten den Heimkehrenden einen festlichen Empfang vor.— Die in Galizien be- vorstehende Reorganisation zu Gunsten der Polen bal die dortige deutsche, rutbenische und jüdische Bevölkerung in nicht geringe Aufregung versetzt. Bkan fürchtet eine große politische und sociale Um- wälzung. Die Ruihenen werfen deßhalb sehnsüch- tige Blicke nack Rußland, wo man für solche Lie- beSblicke nicht unempfänglich ist, und im Volke wird mit merkwürdiger Ausdauer von der Einverleibung Ostgaliziens in Rußland gesprochen, Gerüchte, die von Rußland eifrig genährt zu werden scheinen. In Italien bildet die Volksabstimmung Ve- netiens einen Gegenstand lebhafter Erörterung. Die französiscke Regierung wollte die Frage so ge- stellt wissen� Wollt Ihr ein unabhängiger Staat oder eine Provinz deS Königreicks Italien sein. Ricasoli brackle dagegen folgende Fassung in Vor- schlag: Wollt Ihr iheilnehmen am Königreich Italien unter Victor Emanuel und seinen Nackfol- gern? Der anfänglicke Zwiespalt darüber hat sich gelegt, so daß mau sich im Princip(ein jetzt sehr moderner, aber etwas geheimnißvoller Ausdruck) geeinigt hat, und eine Note des„Moniteur" zeigt an, daß die Abstimmung stattfinden wird, sobald der Friede unterzeichnet ist.—„Der Monde" hält die Insel Malta für einen reckt geeigneten Aufent- halt deS Papstes. Damit hat der Pabst die hei- lige Stadt zwar noch nicht verlassen, aber doch ver- dienen dergleichen Andeutungen eines Blattes des französischen Kaiserreiches Beachtung. Die Aufregung und Verwickelung im Orient ist im Wachsen. Oesterreick hat bereits die Auf- stellung eines Beobachtungscorps an der Ostgrenze angeordnet und Kriegsschiffe nach den griechischen Gewässern abgesendet. Auch bestätigt sich, daß das Kabinet in Washington die Absicht hat, sich einen befestigten Hafen im ägäischen Meere zu verschaffen. In EpiruS haben 3000 Insurgenten die otto- manischen Truppen angegriffen, von denen 11 Mann getödtet, 250 verwundet wurden, und die Bewe- gnng nimmt an Ausdehnung noch zu. Man ver- sichert, daß die Botschafter Frankreichs und Eng- lands in Konstantinopel die Pforte zu großer Vor- ficht aufgefordert haben, damit ein allgemeiner Auf- stand vermieden werde. Doch meint der„Monde," daß ein Krieg unvermeidlick sein werde, um alle diejenigen Fragen zu lösen, deren unentwirrbare Sckwierigkeiten die Diplomatie bisher vergebens zu überwinden gesucht hat. Deutschland. Berlin, 15. Sept. sAbgeordnetenhauS.s In der 18. Sitzung am 12. September wurde über einen Antrag des Abg. Heise betreffs anderwciter Zusammensetzung der Commissionen und ihrer Er- nennung durck den Präsidenten verhandelt, der je- doch abgelehnt wurde. — sParlamentarisckeS.j Die ostpreußischen Mit- glieder des Abgeordneienhauses haben in den letzten Tagen ans Anregung des Abg. Frentzel wiederholt über den Zustand und die strasrechllichen Verfolgungen, denen die liberale Presse in Königsberg und Gumbinnen ausgesetzt ist, eine Besprechung gehabt. Es soll eine daraus bezüg- liche Jnlerpellaiion demnächst an die Slaatsregierung ge- richtet werten. Ausland. * Schweiz. sUeber den„Jnternatio- nalen Arbeilercongreßj läuft folgende Nack- rickt durch die Blätter! Bern, 9. Sept. Der internationale Arbeitercongreß, der seil letzten Montag in Genf versammelt war und gestern seine letzte Sitzung gehalten hat, ist nicht ohne einen sehr bedauerlichen Vorfall auseinander gegangen. Die Weigerung des Präsidenten, nichtdelegirten Arbeitern da« Wort zu gestatten, hat folgende von französischen Ar- beitern unterzeichnete öffentliche Erklärung, erschienen im „Eonssdöre", einem Organ der republikanischen Partei in Frankreiib, Hervorgerufen!„Arbeiter! Mitglieder der internationalen Arbeiterassocialion, welche fllr den Genfer Congrest von Paris gekommen, haben an den öffentlichen Diskilsstonen in den Abendsitzungen nicht Theil nehme» können. Sie haben dagegen zu protestiren verlangt, sie haben aber nicht einmal das Wort für einen Protest er- halten, was selbst in den reaklioliärsten Versammlungen »ichl vorgekommen ist. Die sogenannten pariser Ab. geordneten, erwiesene offizielle Demokraten, haben sie be- leidigt und verleumdet; der provisorische Präsident Dupleix, Panegyrift des Kaiserreich«, hat sie mit einem shstemalt- scheu Haß verfolgt. Der definitive Präsident Aoung hat sich in den Dienst der französischen Monarchisten begeben — und trotz dem ihm dargelegten Beweise ver Unwllr- digkcil der sogenannten pariser Abgeordnete», der Herren Tolain, Fribourg, Perrachon u. Co., hat derselbe die nichtdelegirten pariser Arbeiter zu der Tribüne nicht zu- ; gelassen, weil man ihr revolutionäres Glaubensbekenntniß und ihre Eulhüllungen, betreffend die pariser Abgeord- - ueten, fürchtete. In diesen Akten der Willkür ist ein Ge« heimniß verborge», welches wir später entbilllen werden." Wir können Angesichts dieser auffallenden Er- klärung nichts anderes thun, als zu constatiren, wie recht diejenigen hatten, welche von Anfang an die Leiter der„Internationalen Arbeiter-Assocalion" mit Mißtrauen betrachteten. Unsere Leser werden sich erinner», daß man seinerzeit aus diesen Kreisen her unser Blatt nnd den Allg. deutsch. Arb.-Verein zu verdächtigen wagte. Man unterstand sich, in anmaßendem Ton uns reaktionäre Haltung vor- zuwerfen, uns. die wir, nicht geschützt in fernen Ländern lebend, sondern im Lager des Feindes kämpfend, unter vielerlei Bedrückung und Schädi- gung unsere Schuldigkeit lhaten. Die oben mit- gctheilte Erklärung französischer Arbeiter läßt nach- träglrch den Werth jener gegen uns gerichielen, allerdings längst verschollenen Anklagen in äußerst Hellem Licht erscheinen. Vereins-Lheil. o. Hamburg, 3. Sept.(Allg. deutsch. Arb.-Ver. ein. Gedächlnißfeier für Lassalle.�) Trotzdem in jüngstvergangener Zeit die Agitation fllr das allge« meine Wahlrecht, sür die Parlainentswahlen einerseits, und die Regelung der inneren Verhältnisse und manche lokale AngeiegenHeiten andererseits unsere ganze Thätig« keil in Anspruch genommen hatten, ist es uns, namcnt- lich durch die oußerordcutlichen Bemühungen unsere« überall thätigen, unermüdlichen I. Audors zun. gelungen, unserm großen Todten auch in diesem Jahre hier in imponirender Weise eine Gedächlnißfeier zu veranstalten. — Wenn wir in allen großen Volksversammlungen nur aus dem Wege der direkten Agitation verständige Ar- beiter unserer Sache gewinnen, wenn wir selbst bei dem Sriftungsseste nur durch Auseinandersetzen unser« Prin- cips unsere Reihen Proselyten einrangiren können, so bietet uns das Fest, das jetzt in allen Orten, wo Mit- glieder wohnen, begangen ist oder wird, vollkommen Ge- legenheit, außer der nackten Klarlegung unseres Streben« Appell an da« Gemütb der Tbeilnehmer zu richten und so in dieser Weise auch bei der nickt militairpflichligen Hälfte der Arbeirerbevölkerung unserer Sache Eingang zu verschaffen, wa« wenigsten« Denen, die in irgend einer Art unter solchem rnimilitairischen Einflüsse ihrer Mitgliedschaft wegen zu leiden haben, als ein enormer Voriheil in die Augen springen muß.— E« wird keinem Vereinsmitgliede einfalle» können, Tadel laut werden zu lassen gegen unsere Feier, daß sie in ganz entgegen- gesetzter Weise, wie z. B. in Berlin im social-demckra« tischen Vereine(wo sie dem Berichte zufolge gewiß als eine sehr würdige betrachtet werden kann) begangen wurde; ich glaube, etwas mehr Aeußerlichkeiten können der Würde keinen Abbruch thun**) und— unser Hamburger Publikum würde uns nun einmal nicht so zahl- reiche Betheiligung werden lassen, müßte es dersefben entbehren. In dem prachtvollen großen Saale de» Sage- biel'schen Etablissements(einem der größten Deutschland«) halte sich ein zahlreiches Publikum, mit starker Vertre« tung der Damenwelt, eingefunden, und fesselte vor allem Andern eiu prachtvolle« Transparent, nach der bekannten Lithographie:„Lassalle auf dem Todtenlager" in Colossal- größe, von unserm Mitgliede V ob sie» gemalt(der nach dem Urtheile eines Sachkenners verdiente, dieses seine« Werkes wegen, das in unglaublich kurzer Zeit vollendet wurde, weiter genannt zu werden) das sinnig in schwarzer, von deutschen Fahnen geschmückter Dekoration angebracht war(eine Unschönheit schien mir die scharf viereckige Um- rahmnng des Bildes), über welcher unser Banner sich erhob— die Blicke aller Eintretenden. Unter und neben dem Transparente waren schwarze Banner angebracht, welche den Rainen des Vereins, die Devisen:„Das all- gemeine Wahlrecht ist die Grundbedingung aller socialen Hülse" nnd„Die Arbeiter sind der Fels, auf welchen � die Kirche der Gegenwart aufgebam werden soll" K. als e Inschriften trugen. Um 9Vz Uhr wurde die Feier mit der melodiösen Arie aus Rossini'«„Siabat mater" ein- geleitet, welcher ein Vortrag der Vereins- Liedertafel,� „Egalitö":„Grablied" von Flemming als zweite 9!um-,tn' m er de« Programms folgte. Dann betrat Richter die Triä,,,' bllne und gab ein Lebensbild Lassalle's. Hierauf kamez,�' *) Wir bemerken, daß der eingesandte Bericht einig Redacliousabänderungen unterworfen wurde, in welch veränderter Gestalt er sich oben findet.(D. Red. ,r(Jr' **) Gewiß nicht! Auch erinnern wir uns nicht, rr.**0' man sich in Berlin irgendwie gegen eine Erhöhung?? Feierlichkeit durch äußere Formen ausgesprochen(. L?- Es wurde nur(im Prolog) hervorgehoben, daß ai Ermangelung der äußeren Ausstattung die Feier würdige sein könne.(D. R