Nr. 152. Berlin, Mittwoch den 26. September 1866. Zweiter Zahrgavg. LociaHieinlilu'lit. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabends Abend«. Organ der social-dcmokratischen Partei. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnements- Preis sür Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- ämlern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land ILVs Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., fl. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Zimmerstraße 48a, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: dir. Iklxler, 8. Linie New-Port-Street, Leieester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. Mit beut 1. Oktober beginnt ein neues' Erst wenn die Festung Königstein von der dort noch �Uürtnl für bas Abonnement auf bei! Social' spenden sächsischen Besatzung an Preußen über- �.iilltlai snr oas mi in meiil aus ven„�ntilu get,eil jein werden die definitiven VerHand- Demokrat. Wir bitten liniere Leser, lhre Abon- lungen über die künftigen Verhältnisse des Landes nements möglichst frühzeitig crnenern zu wollen, und seine Stellung im norddeutschen Staatenbunde °.mi.(Ich Sit Höh. i.e...forbcriw.«««* SS&SÄ bemessen läßt«nb im Betriebe keine Stockung züglich der säcksisch-preußischen Militair-Convention eintritt. Zugleich forbern wir alle Parteigenossen zu einem sehr günstigen Stadium vorgerückt seien, ernstlich mif für hie Rerhreitnnn heä Partei- j daß über die militairiichen Fragen crilstliai ans, slir Vit BervrcllUNg oeS P arltl'„Niger Zeit Verhandlungen begonnen und zn Organs mit Nachbruck thatlg zu sein. Bei bcn einer vorläufigen Verabredung geführt haben, wo- Opfern, bie wir fortwährcnb bringen müssen, durch ein Herantreten an die übrigen Fragen in glauben wir zu bcr Erwartung berechligt zu sein,'der p?euZch»I baß ble Partei bicser Anfsorbernng nachkam- 1 feit« als Vorbedingung, gestellten Forderung der militairischen Räumung des Königsteins zerschlagen, da Sachsen, wie es heiße, den Königstein nur bis zum Abschluß des Friedens einer preußischen Be- setzung räumen wolle. Demzufolge hat auch der bereits erwartete Abmarsch der sächsischen Truppen ans Oesterreich einen Aufschub auf unbestimmte Zeit erhalten, und es hat deshalb das Abschieds- essen, welches der König von Hannover den fach- fischen Stabsoffizieren in der„Neuen Welt" geben wollte, unterbleiben müssen.— Während zur Einholungsfeier der heimkehrenden siegreichen preußi- scheu Truppen in Berlin das Einverleibungspatent Hannovers, Hessens, Nassau's und Frankfurts durch den preußischen Staats-Anzeiger veröffent mcn werbe. politischer Theil. Rundschau. Berlin, 25. September. Eine nicht unerfreuliche Nachricht für die sich allmählig doch vollziehende Vereinigung des nörd- ltchen und südlichen Deutschlands bringt der „Nllrnb. Corresp.", welchem aus München berichtet wird, daß man in Kreisen, die unterrichtet sein können, versichert, daß außer dem Friedensvertrag in Berlin auch ein Allianzvertrag zwischen licht wurde, haben in Hannover arge Excesse Bayern und Preußen abgeschlossen worden sei, � stattgefunden. Am Abend des 21. September welcher die gemeinsame Garantie beider Staaten � durchzogen Haufen von Arbeitern, beurlaubten im Fall eines von außen kommenden oder drohen den Angriffs bestinimen soll.' Ob die Sacke formell wirklich schon so weit gediehen ist, mag dahin ge- stellt bleiben; so viel dürfte aber aus mancherlei Anzeichen mit Sicherheit hervorgehen, daß die bayerische Staatsregierung entschlossen ist, die durch den Kammerbeschluß voraezeichnete Linie des engen Anschlusses an Preußen für die Zukunft zur Rickt- scknur ihrer Politik zu machen.— Aus Dresden, 23. Sept., schreibt man: Heute giebt's in Dresden gar viele lange Gesichter, denn eine plötzlich ein- getroffene Nachricht meldet das Scheitern der für Sachsen so günstigen Friedensverhandlungen. Aus ministeriellen Kreisen hört man darüber Folgendes: Die vielfach erwähnte Militär-Convention harrte nur noch der Unterschrift deS Königs von Preußen. Ehe dieselbe erfolgte, legte König Wilhelm das Schriftstück de», Ministerpräsidenten vor, welcher durch seine Krankheit an der Theilnahme der Ver- Handlungen behindert gewesen war. Graf Bismarcks schon seit vorgestern die Pickelhauben aus dem soll die Bedingung«» als unannehmbar bezeichnet haben, weshalb der König denselben seine Unter- hannoverschen Soldaten in Civil oder in Uniform mit Achselklappen, so wie Sckaaren von Kindern singend und lärmend verschiedene Straßen der Stadt. Später kam es leider zu einigen bedauer- lichen Excessen der Menge gegen das Privateigen- thum. Der Kaufladen einer Buchbinderwittwe an der Marktstraße wurde demolirt und mehrere Fen- ster in den oberen Etagen des Hauses zertrümmert, angeblich weil die Wittwe am Morgen das Streuen von weißem und gelbem Sand vor ih- rem Hause inhibirt hatte. Biel bedeutender war die Ausschreitung der Menge vor dem an der Ecke der Schuh- und Knochenhauer-Straße lie- genden Hause des Hofkllrschner- Meisters Schra- der. Dieser Lieferant von Milirair- Effecten aller Art hatte auch einige preußische Pickelhauben in seinen Schaufenstern zur Ansicht aufgestellt. Schon seit mehreren Abenden war es dort zu un- ruhigen Auftritten gekommen und hatte Schräder Schaufenster entfernt. Gegen 9'/, Uhr zog nun ein lärmender Haufe vor das Schrader'scke Haus, schrift verweigerte. So erzählt man hier und � zertrümmerte die Läden der beiden Frontseiten des in Uebereinstimmung damit meldet die„Nordd.! Hauses, zerstörte viele Sachen in den Läden, warf Zlß-", daß die Nachrichten über einen nahe be-! sie auf die Straße und zertrümmerte auch Fenster- vorstehenden Abschluß der Verhandlungen zwischen. scheiden in der ersten Eiage des Hauses nach der i Preußen und Sachsen der Begründung entbehren.. Knochenhauerstraße zu. Die Zerstörung ging so � rasch vor sich, daß die Polizei erst erschien, als sie fast beendet war, weshalb sie ihre Thärig- keit darauf beschränkte, die Straße zu säubern und einige wenige Verhaftungen vorzunehmen. Bei dem dann noch erfolgenden Eingreifen deS preußischen Militairs verlief sich die Menge, ohne daß ein energisches Einschreiten nölhig wurde. Auch aus dem Lande werden ähnliche Auftritte gemeldet. — Ebenso hat in Luxemburg eme Demonstration zu Gunsten der bisherigen Verhältnisse des Groß- herzogthumS stattgefunden. Der Prinz-Statthalter pflegt nämlich vor Beginn der Kammersession Wohnsitz in Luxemburg zu nehmen und hatte sich auch diesmal, wie gewöhnlich, einen öffentlichen Empfang verbeten. Nichtsdestoweniger hatte sich vorgestern Abend ein zahlreiches Publikum im Bahn- Hofe eingefunden, um den Prinzen, der mit dem letzten Zuge aus Belgien eintreffen sollte, zu empfangen. Ei» Fackelzug, 25 weißgekleidete Jung- frauen und 3 Musikcorps waren am Bahnhofe zur Begrüßung des prinzlichen Paares. Im Uebrigen rücken die Unterhandlungen zwischen Preußen und den Niederlanden wegen Limburgs und Luxem- burgS nur langsam von der Stelle.— Die nieder- ländische Regierung will nach der„Jndep. daß über Luxemburg besonders unterhandelt werde, da dasselbe ein unabhängiges Land sei, und der König der Niederlande hat, um diese Erklärung zu ver- stärken, seinen Bruder, den Prinzen Heinrich, in das Großherzogthum gesandt, um dort seine Interessen Preußen gegenüber nachdrücklicher zu vertreten. Preußen dagegen will Limburg nur dann durch eine Spezialconvention von Deutschland abtrennen, wenn Luxemburg in den norddeutschen Bund ein- tritt, wodurch Preußen das Recht bliebe, in der Hauptstadt eine Garnison zu halten. Der König der Niederlande hat die„freundliche Dazwischen- kunft" de« Kaisers Napoleon angerufen, mit welchem er stets in den besten Beziehungen gestanden und der seinen Beistand nicht verweigert zu haben scheint. Die Angelegenheit ruft in den Nieverlanden eine sehr große Aufregung hervor und da man nicht mit der Art zufrieden ist, wie der Minister des Auswärtigen van Zeulen die Verhandlungen geführt hat, so könnte die- selbe recht wohl eine CabinetSkrisis im Haag zur Folge haben.— Die offiziöse„Nordd. Corr." bringt einen Artikel über die Aufgabe des nächsten mecklenbur- zischen Landtages, der darum von Interesse ist, weil er die Stellung des mecklenburgischen Ministe- riums zu dem von Preußen beabsichtigten Parla- ment kennzeichnet. Es wird darin u. A. den Stän- den gerathen, der preußischen Forderung bezüglich des Parlaments sich zu fügen, aber offen zu er- klären, daß der betretene Weg ein gefährlicher und falscher sei, wodurch Verfassung und angestammtes Fürstenhaus bedroht werben. Dieser Voltssouve- ränetät sei indessen durch die Beschlüsse deS preußi- schen Abgeordnetenhauses die Spitze abgebrochen. Das Parlament sei nur ein einmaliges, ad hoc berufenes, mit berathender Stimme, dessen Beschlüsse ber Zustimmung des mecklenburgischen wie des preu- ßischen Landtages bedürften. Dadurch werde eS möglich sein, den materiellen Standpunkt zu be- haupten, namentlich hinsichtlich des Zollvereins, und wenigstens übermäßige Opfer abzuwenden. Hieraus scheint denn hervorzugehen, daß die Regierung sich den Art. 2 und 5 des Bündniß- Vertrages mit Preußen, betreffend das Parlament, nicht glaubt entziehen zu können, möglicher Weise aber noch dem Zollverein.— Nach einer offiziösen Mittheilung der„N. A. Z." wird, sobald die Einverleibung Schleswig-Holsteins zu Preußen durch ein Gesetz ausgesprochen ist, den Distrikten Nordschleswigs Gelegenheit gegeben werden, sich über die Rückkehr zu Dänemark auszusprechen. Dieser Thalsache gegenüber sind, wie der„A. A. Z." geschrieben wird, die Gegensätze„augustenburgisch oder preu- ßisch" bei den Nordschleswigern verwischt; es hau- dele sich jetzt nur um die Frage: ob dänisch, ob deutsch.— Ueber den Stand der österreichischen Verfassungs- Angelegenheit meldet die offi- zielle.Prager- Ztg.": E« sind die widersprechendsten Gerüchte über den Stand der Verhandlungen mit Ungarn, speziell soweit dabei das ungarische Ministerium in Frage steht, im Um- lauf. Ich glaube, diesen Stand mit wenigen Worten genau zeichnen zu können. Von ungarischer Seite be- harrt man daraus, daß die Einsetzung des ungarischen Ministeriums jeder weiteren Verhandlung voraufzugehen habe; die Regierung dagegen ist entschlossen, diese« Mi- nisterium nicht eher zu instuuiren, als bis der ungarische Landtag das Kapitel von den gemeinsamen Angelegen- heilen in entsprechender Weise geregelt habe. Auf diese Weise dreht man sich dann im Kreise, ohne daß eine Entwirrung des Knäuels abzusehen wäre. Trotz der in den letzten Tagen vielfach umlaufen- den Gerückte über einen wiedereingetretenen ungünstigen Stand der Unterhandlungen zwischen Oesterreich und Italien versichert die neueste Wiener„Presse", daß dieselben nunmehr einen günstigen Fortgang nehmen. Die Entschädigungs- frage sei rn den wesentlichsten Punkten gelöst und auch die Fragen zweiten Ranges wurden nun' schleunigst erledigt werden.— Der Aufstand inj Palermo ist unterdrückt. Am Sonntag, den 16., kamen zehn italienische Schiffe mit italienischen Truppen in Palermo a». Diese Truppen bestan- den einen Kamdf mit den Insurgenten, welcher bis zum 21. dauerte und mit Einnahme der Stadt endete. Der Aufstand scheint von den altkatholischen Fanatikern, weniger von den Bourbonen, angezct- telt zu sein. Die sicilianischen Behörden sollen da- bei eine unverzeihliche Sorglosigkeit gezeigt haben. Die Hauplanklage wird jedoch gegen die schlechte� militärische Leitung gerichtet, die seil dem Tage von Cuslozza so viel Anstoß und Aerzerniß gegeben hat, doch blieb, wie sie war. Man glaubt nicht, daß das Kabinet Ricasoli, wenn dieses die! Schuld auch nur indirekt trifft, sich noch lange halten wird. In England ist von Neuem furchtbares Regen- weiter eingetreten. Man behauptet, daß jeder Regen- tag dem Lande jetzt einen Schaden von einer hal- bcn Million L. zufüge. Die Getreidepreise sind wieder gestiegen, haben jedoch ihren höchsten Preis schwerlich schon erreicht. Ueber den Ausstand in Candia sind die Nach- richten widersprechend. ES ist laut offiziellen De- pcschen gemeldet worden, daß die Insurgenten in zwei Schlachten bei Apocorona in Selino ziemlich bebeutende Siege erfochten und 10 Kanonen und 4 Fahnen erobert hätten. Die türkische Armee sei bis unter die Kanonen des Forts von Candia ver- folgt und ein illrliscker Pascha gefangen worden. Die neueste offizielle Depesche vom 23. September aus Constantinopel meldet jedoch wieber einen Sieg der türkischen Truppen nach zweitägiger blutiger Schlacht, in welcher die Aufständigen 650 Todtc und 1120 Verwundete verloren haben. Letztere hatten 7000 Gewehre und 300 Pulverfässer anS Syra erhalten. Es scheint also, als wenn sich das Glück zu Gunsten der Türken gewendet habe. — 43,000 türkische Bauern sind aus dem Innern Candia's nach der Hauptstadt geflüchtet. AuS Eon- stantinopel ist die zweite ägyptische Division nach Candia eingeschifft. Deutschland. Verlin, 25. Sept. sAbgeordnetenhaus.j 21. Sitzung am 24. September. Tagesordnung: Berathung des Gesetzentwurfes über den Verkauf der westphälischen StaatSbah». Die Commission beantragt Genehmigung des Ver- träges. Die Abgg. Hamm acher und Genosse» beantragen, daß die Regierung erst eine» Plan über die Veräußerung der Staats- Eisenbahnen überhaupt vorlege, ehe an die Berathung der einzelnen Verkäufe gegangen werde. Der Antrag wird zahlreich ilberstützt. Abg. Hammacher gegen den Commissions Antrag: Glücklicherweise können die notbwendigen Geldmittel auf ordentlichem Wege durch den unerschülternden Kredit des Staate« geschafft werden..Redner freut sich, daß die Regierung den Weg betreten habe, die Slaatsbahnen in Privathände übergehen zu lassen. Gleichwohl sei er gegen i den Commissions- Antrag, weil die Bedingungen diese« Verkanss dem Interesse de« Staales entgegen wären. Abg. Heise für den Commissions Antrag, weil man nicht von einem Geschäft zurUcklretcn dürfe, wenn sich! mittlerweile die Verhältnisse für den Berkänser günstiger gestaltet haben. Abg. Reicke»heim bringt ein Amendement ein. durch welches die Regiernng aufgefordert wird, recht bald die Staaisverwallnng der Privaldahiien aufhören zu lassen. Der HandelSmiiiister Graf Jtzenplitz. Man hat gesagt, die Staalsregieruug möge eitlen Plan zur Per- äußerung aller StaalSbahncn vorlegen. Unser jetzige« System scheint mir dein Publikum am nützlichsten, da es eine Konkurrenz jeder Art schaffe, nämlich Staats- bahn, Privatbähy, inil Staatsverwaltung und Privalbabn i mit Privalverwaltnng. Der Minister schildert darauf die! Vorlheile der Slaatsbahnen, besonders wo es sich um Tarifberabsetzungen handelt; ebenso sei die Staatsver- waltnng von Privalbahnen nicht unbedingt zu verwerfen; es komme immer darauf an, daß die rechten Männer zur Verwaltnng da seien. Er ist geneigt für Beförderung der Privatbabncn, und wünscht nur einen Fond wie bei den Chausseen, um den Bau zu unterslityen. Gegen da« Prinzip, alle Staalsbahnen abzuschaffen, spricht er sich entschieden aus. Er bittet auf die eingebrachten Amen- dement« keine Rücksicht z» nehmen. Abg. Michaeli« für de» Commissions-Antrag. Er findet eS auffallend, daß die Linke für Erhaltung einer Staatsbahn streitet. Ein solcher Staat im Staate, wie die Verwaltung der Staalsbahnen, müsse beschränkt wer- den. Das Hau« möge nicht bureaukralischer als der Hau- delsniinister, nicht fiskalischer als der Finanzminister sein. Abg. Elven gegen den Commissions-Antrag. Das Prinzip de« Verkaufes der Slaatsbahnen werde von der Linken anerkannt, aber sie wolle deshalb nicht alle Staats- bahnen k tour prix verkaufen. Man kann doch auch nicht billigen, daß der Staat au« einer großen Staat«- babn heraus eine Strecke verkanst, und zwar an diejenige Bahn, welche dem Reste, der in den Händen de« Staate« bleibt, Conkurrenz macht. Bei der Spezial-Diskussion bemerkt Abg. v. Vincke, daß er für den Vertrag stimmen würde, wenn die Re- giernng durch Nichtbewilligung in Verlegenheit käme, was nicht anzunehmen. Die Herren Minister vertheidigen natürlich als loyale Männer den Vertrag, aber er glaube, sie würden es dem Hause Dank wissen, wenn das Haus nein sage. Bei der Abstimmung stimmen für Z. 1 nur ein Theil der Conservaliven und-iiiige Altliberale, dagegen die gesammte Linke und das Cenlrum, sowie die äußerste Rechte, ß. 1 ist somit abgelehnt und der Handelsminister erklärt nun, daß die Regierung den Antrag zwar nicht zurückzieht, denselben aber als abgelehnt detrachte und kein Interesse an der Fortsetzung der Debatte habe. Der zweite Gegenstand der Tages- Ordnung ist die Anleibeforderung. Nachdem einige Redner dafür und dagegen gesprochen, wird Vertagung der Debatte be- schlösse». —[3 u der HerrenhauSsitzungj ani 24. September wurde das Gesetz, betreffend die Pen- sionS-Erhöhung für die im Kriege inva- j id e gewordenen, sowie für die überhaupt durch den activen Militairdienst verstümmelten oder erblindeten Offiziere der Linie nnd Landwehr und die oberen Militairbeamten, und die Unterstützung der Wittwen nnd Kinder der im Kriege gebliebe- nen Mililairpcrfonen desselben RaugeS, nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses angenommen. — jDer preußische Landiagj wird, wie es heißt am Donnerstag oder Freitag nicht ge- schlössen, sondern vertagt weeden. — sBetresfs der Amnestiej ist in der Presse das Bedenken erhoben worden, daß darin nicht ausdrücklich der in Folge von Preßvergehen eingetretenen Concessionsentziehungcn gedacht sei, wodurch eine ganze Kategorie von Venirtheilten von dem Gnadenakte ausgeschlossen würde, und zwar speziell diejenigen, welche„politisch ehrenhaft genug waren, zu verichnlähen, den Namen eines nominellen Redakteurs zwischen ihre Verlagscon- Feuilleton Gricchischrs Näuberwrsrn. Da die öffentliche Aufmerksamkeit sich dem Süd- Osten unsere« Melttheils, insbesondere den griechischen Unruhen, zugewendet hat, so dürfte es nicht ungeeig- net scheinen, daS deutsche Publikum mit einem merk- würdigen, wohl dem bestverlänmdeten Theil des griechischen Volks bekannt zu machen- mit den Klephten. Griechenland war von jeher ein Tummelplatz für die ehrsame Räuberzunst. Herkules nnd Thesen« haben freilich die Slraßenpolizei mit größerer Energie ausrecht erhalten, als die Regierungen König Otto'« und Georgs. Der Raub war schon in der Homerischen Zeit ein weitverbreiteter, respectirter Berus.„Bist Du Sausmann oder Räuber?" so lautete die stereotype Frage, die an den ankommende» Fremdling gerichtet ward. Diese Traditio» ist treu erhalten worden. Da« Unglück ist, daß jeder Grieche gelegentlich gern ein Bischen„räubert", sei eS auch nur als Dilettant. Wenn der Schäfer seine Heerde weidet und von fern einen„Milordi" wittert, dessen wohlhabende« Aeußere die klephtischen Gelüste weckt, so läßt er sein« Lämmer I im Stich, greift zu Flinte und schneidet dem Milordi auf-incin Seitenwege die Passage ab. Er ist nicht so blutdürstig, wie der italienische Brigante,' den Ueberfallencn zu tödlen; aber er plündert ihn voll-' ständig an« und bindet ihn an den nächsten Baum, wo der Gefesselte oft Tag und Nacht nach einem Befreier schmachtet. Während meiner griechischen Reisen bin ich den Klephten nur einmal begegnet. Es war an einer Bie- gnng des Wegs hinter dem Kloster Pendeli. Ans dem Dickicht zur Rechten sprangen ein Paar zerlumpt Gestalten mit langen Flinten, schrieen„Stssso"!(„Halt"!) und gaben durch Geberden zu erkennen, daß sie Pulver geliehen haben wollten. Ich gab mir»icdt die Mühe, zu fragen oder zu überlegen, was sie damit anzufangen gedächten. Mein Begleiter, der Correspondent der„In- deptiidance belgc", vergaß, daß er ans dein Hinweg über heftige Gliederschmerzen geklagt hatte, die ihm hinderten, schnell z» reite»; er gestand mir später, eS sei ihn vorgekommen, als sei der ganze Wald von Klephten belebt. Wir gaben den Pserden die Sporen, im gestreckten Galopp jagten wir den Pendelikon hinab und hielten nicht eher, als bis wir Kalcnteri, die Heimath de« Pe- rikle«, und damit die Ebene erreichten, wo wir uns sicher glaubten. Einer der berühmtesten Klepbten z» König Otto'S Zeit war Bibissi. Er war kein„gemeiner Sünder", er halte Etwa» von dem großartigen, edelmüthigen Zug, den Lord Byron seine» menschenfeindlicheu Helden zu leihen pflegt. Er war nicht, wie sonst üblich, ans Laune, Arbeitsmangel, politischer Opposition Klephte geworden; er halte ein kleine« Gut bei Acharnä und baute dort fried- ' lich seinen Kohl. Da trieb ihn ein„Unglück", wie man dort zu Lande sagt, nämlich der Mord eine« der Lieb- ! Haber seiner Frau,„in die Berge". Die Regiernng setzte einen Preis auf leinen Kops; da er aber Freunde unter den Gendarmen, i» der Kammer, selbst bei Hose hatte, so kümmerte ihn da« wenig. Er kam nach wie vor auf sein Gut, bezog seine Einkllnste, erschien bei den Wahlen, erfüllte alle Bürger- pflichteu, sicherte einem Minister 266 Stimmen, lud sich auf alle Landpartieen der Athener zu Gast, ging manch- mal im offenen Bazar spazieren. Seine Eppeditisnen erfolgten mit so affeuähnlicher Geschwindigkeit und so planvoller Energie, daß sein ganze« Wesen den Niinbns de» Unglaubliche», Mythischen erhielt, und Mancher sogar die Existenz de« großen Klephten ableugnete, bis er zu seinem Schaden sehr»n- saust von dessen Realität überzeugt ward. Die Kammer- opposition klagte über die Feigheit der Polizei; die Polizei erwiderte, daß die Opposition den Bibissi erfunden habe. Grenier versichert in der Tbat, daß nian Rendezvous Gsiit dem Räuber verabredete, sich freiwillig festnehmen ließ, um ans dem Vorfall ein Anftriffsihema gegen die Regiernng zu schmieden. Bibissi ward aber schließlich der Poesie de« Klephten- leben« selber satt; er bat um einen Posten i» der Armee, indem er seine Bitte mir dem schlechten Zustand seiner Geschäfte motivirte, die man ihn nicht mehr führen lasse. > Der Minister ging auch wirklich daraus«n; doch die