Nr. 139, Berlin, Freitag den 12. Oktober 1866. Zweiter Jahrgang. Social-DemoKrat. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabends Abends. Organ der social-dcmokratischen Partei. Redigirt von Z. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaktion und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnements-PlliS für Berlin incl. Bringerlohn:'vierteljährlich 15 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärts ans allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition» aatlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den jtönigl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 46», sowie ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genommen. land 12'/- Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr. sfl. I. 10. lüdd., st. 1. österr. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespalrcne Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: btr. Bender, 8. Linie New-Port-Street, Leicester-Sqnare W. C. London. Agentur für Frankreich: G. Ä. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Conr du Commerce Saint-Andre-des-Arts. politischer Theil. Verlin, 11. Oktober. Das französische Arbeiterblatt Cooperation" ist uns heute in Nr. 3 zugekommen. Die Ausdauer, niil welcher maii von Seiten der französischen Arbeiter die begonnene kooperativ- bewegu ng auch auf dem Wege der Presse fortsetzt, scheint nicht erfolglos zw sein. Kann doch die Re- dacliou zu ihrer Freude— und wir freuen uns mit ihr— an der Spitze des Blattes ankündigen, dag außer den Abonnenten der früheren„Association" i» der kurzen Zeit des Bestehens des neuen Blaues 189 weitere Abonnenten sich gemeldet haben. Die Nummer Drei des französischen Arbeiter- Haltes bietet wiederum einen sehr reichhaltigen und interessanten Inhalt. Nachstehend das Berzeichniß: „Unser Eklecticismus" von Erich Jsoard. „Ueber das Princip der freien Wahl in den Asso- ciaiionen" von Benjamin Rampal. Eoriespondenzen von Marseille und Trohes. „Ueber die Arbeit nach Taglohn und nach Stück- lohn"(Entgegnung) von Eug. Tartaret. Berichte über da« Cooperationswesen. „Ein erfolgreicher Pariser Eonsumverein" von Abel Davaud. „Ueber das HerbergSwesen" von Achille Mcrcier. „Association der Arbeiter und der Eigenthümer beim Weinbau" von JuleS Gugot. Literarisches. Mannichfaltigkeiten. Feuilleton. Die größeren Artikel sind theilweise von Arbei- tern(so ist z. B. Herr Tartaret Möbelschreiner) und gerade dieser Umstand hat etwas Erfreuliches. Nicht ohne Welimuth sehen wir den Unterschied, der in dieser Beziehung zwischen den> französischen und deutschen Arbeitern hervortritt. Auch die deut- scheu Arbeiter haben in unserm Blatte ein Organ, worin sie in geordneter und zusammenhängender Weise ihren Genossen und Brüdern ihre Ansichten über irgendwelche Frage, welche die Interessen der Ar- beiterklasse berühren, auseinandersetzen, ihnen inS- besondere auch ihre Beobachtungen miltheilen kön- neu. Aber wie oft sind wir denn in der Lage, unfern Lesern einen derartigen Aufsatz aus der Feder eines Arbeiters bringen zu können? Fast nie! Und nicht nur uns geht es so— dem Organ der Anhänger Schulze's, so lang es bestand, der Koburger„Arbeiterzeitung", ist es nicht besser er- gangen. Dieser Mangel an tieferem Interesse für die ökonomisch-socialen Fragen bei den deutschen Arbeitern hat etwas sehr Betrübendes. Wenn es in dieser Beziehung nicht bald besser wird, sind Hop- fen und Malz verloren. Dieser Punkt veranlaßt uns noch zu' einigen weiteren Bemerkungen. Nicht nur auf dem Gebiete der Presse, auch im Bereinswesen tritt eine solche Gleichgültigkeit her- vor. Wie würden die französischen, wie würden' insbesondere die Pariser Arbeiter glücklich sein, wenn sie in Vereinssachen auch nur so viel Freiheit genössen, als bei uns besteht. Und was sehen wir in Berlin, derjenigen Stadt, wo das öffentliche Leben Deutschlands sich concentrirt? Bon allen Seiten, ans dem Kreise der Anhänger Sckulze's sowohl wie derjenigen Lassalle's, ertönt die Klage wegen unzureichender Belheiligung der Arbeiterklasse an dem agitatorischen Vereinswesen. Es ist wahr, daß in verschiedenen Industrie- gegenden Deutschlands— so am Rhein, in Sckle- sien, in Sachsen, in Hamburg— der Allg. deutsch. Arb.- Verein einen regen Aufschwung genommen hatte. Aber wir haben es erlebt, daß die Arbeiter vielfach um einfältiger und alberner Vereinsspiele- reien, ja, so unglaublich eS klingt, um ehrgeiziger und verläumderifcher Weiberintrigue» willen die großen und ernsten Fragen, die-sie selbst, ihre Kinder und Kindeskinder so nahe berühren, aus dem Auge verloren. Wir mußten es eileben, daß Arbeiter, die dazu berufen waren, das edle und schöne Werk eines großen Agitators in ernstem und männlichem, des dahingegangenen Meisters würdi- gen, Sinne fortzuführen, vielfach zum Spielball bezahlter Sendlinge herabsanken. Wären solche Erscheinungen, wäre jene Gleich- gültigkeit und wären diese Unwürdigkeiten bei den französischen Arbeitern möglich gewesen? Wir glau- den kaum. Denn das sicherste Bollwerk gegen der- lei ist das ernste und nachhaltige Interesse an den tiefeingreifenden Fragen, welche die traurige Lage der Arbeiterklasse betreffen. Wir können, wenn wir den Unterschied in Geist und Haltung bei den französischen und deutschen Arbeitern betrachten, wenn wir sehen, wie dort unter eisernem Druck die Arbeiter mit unbeugsamer Zähigkeit, mit Muth und Ausdauer ihre großen Bestrebungen verfolgen, und wie hier, wo doch die Verhältnisse ungleich günstiger sind. Alles einen kleinlichen und schwächlichen Charakter Hai— wir können Angesichts dieser Umstände nur erklären, daß Hopfen und Malz verloren sind, wenn in die deut- schen Arbeiter nicht ein hellerer, kräftigerer und würdigerer Geist hineinkommt. Wir setzen auf die Wahlen zum norddeutschen Parlament die Hoffnung, daß bei dieser Gelegen- heit die Arbeiterbewegung erneute Kraft gewinnen werde. Es ist richtig, daß die Arbeiterbewegung sich Anfangs in sehr raschen und mächtigen Zügen entwickelte(man denke z. B. an die schnellen Er- folge Lassalle's, an die plötzlichen massenhaften Ar- beilSeinslellungen überall u. f. f.); es ist daher möglich und wir glauben es, daß die jetzige Ebbe nur eine erklärliche und naturgemäße augenblickliche Erlahmung nach vorher«- ger Anstrengung ist. Aber, wie gesagt, eS muß sich bald zeigen, ob die Arbeiterbewegung in Deutsch- land genügende Kraft in sich trägt, um nachhaltig vorwärts zu kommen, oder ob wir so weit hinter Frankreich und England zurück sind, daß solches erst später einmal möglich ist. Wir glauben und hoffen noch immer das Erstere— wir sind noch immer überzeugt, daß der Heuligen Ebbe eine bal- digc Fluth folgen werde.— Rundschau. Berlin, II. Oktober. Für die von Preußen einverleibten Länder des nördlichen Deutschlands wird in den nächsten Ta- gen die Veröffentlichung von Anordnungen über die Verwaltung der neu erworbenen Provinzen er- wartet. Ebenso soll»ach der„N. Pr. Z." ein fer- tig ausgearbeiteter Militair-Organisationsplan für Hessen, Hannover, Nassau und Frankfurt nach dem Muster der preußischen Wehrverfassung dem Könige von Preußen bereits vorliegen. Die erste AuS- Hebung auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht würde danach keine Schivierigkeit haben. Bezüglich der Landwehr soll für solche, die sich früher los- gekauft haben, eine vorgängige Ausbildung im stehenden Heere, wenn auch nur in einer möglichst kurzen Zeit, doch nicht unter sechs Wochen, angeord- nel werden.— Die Verhandlungen mit Sachsen drehen sich immerfort im Kreise und es wiederholt sich immer von Neuem dasselbe Spiel. Während die„Zeidl. Corr." schreibt, daß die Verhandlungen mit Sachsen mit erneutem Eifer aufgenommen worden sind, meldet die ,,B. B. Z.":„Die Ver- Handlungen zwischen dem Geheimenrath v. Savigny und dem Herrn v. Friesen über den Abschluß des Friedens mit dem Königreich Sachsen waren am Montage zu einem vorläufigen Abschluß gediehen, dock hat, wie wir vernehmen, unser König das so vorläufig festgestellte Resultat nicht ratifizirt und es werden daher die Verhandlungen nunmehr von Neuem zu beginnen haben.— Die w ü r t e m-- bergische Abgeordnetenkammer hat mit 87 gegen 1 Stimme bescklossen, der Regierung für den Voll- zug des Waffenstillstands- und Friedens-Vertrages Indemnität zu erlheilen.— Die Gesckwornen- Einrichtung für Preßoergehen, deren Würtemberg sich erfreut, hat neuerdings seine wohlthätige Wir- knng wieder darin erwiesen, daß der Redakteur der „Sckwäbiscken Volks-Zeitung", welcher am 8. Oc- tober in Eßlingen vor Gericht stand, weil er-die Staatsregierung beleidigt haben sollte, von den Geschwornen freigesprochen wurde.— Der baie« rische Minister v. Pfistermeister, ein Großdeutscher hat ivegen mannigfacher gegen ihn gesponnenen Jntriguen„aus Gesundheils-Rücksichlen" seine Ent- lassunz genommen. Sein Rücktritt wurde ihm da- durch erleichtert, daß er einer der entschietensten Feinde Richard Wagners ist, den der Könijj von Baiern nach seinem Rücktritt wieder an sich zu ziehen hofft. Sowie man indeß die Stimmung des baierschen Volkes, speciell Aiünchens, gegen Richard Wagner beurtheilt, dürfte man bei seiner Rückkehr nit Sicherheit auf Unruhen rechnen können. Dazu irägt man sich in München über das Befinden des Königs mit Gerückten der abenteuerlichsten Art, �ie, wenn sie auch nicht vollen Glauben verdienen, �och bezeichnend für die Herrichende Stimmung sind. Eo erzählt man sich, die Verletzungen, an denen Lieblingsadjulant des Königs, der mit ihm in gleichem Alter stehende Prinz Taxis, jüngst dar- uiedergelegen, hätten nicht von emem Sturze mit �em Pferde, sondern von Mißhandlungen hergerührt, denen er bei einem Ueberfall ausgesetzt gewesen, als er in Begleitung des Königs nächtlicher Weise spa- �eren geritten.— Der Erlaß des Kaisers von Oesterreich wegen Berufung des ungaris6>en Landtages wird unmittelbar nach der Veröffent- iichung des FriedenstractateS mit Italien erscheinen. Der Zusammentritt deS Landtages soll Mitte No- dember erfolgen. Gleichzeitig werden auch die Land- kaze der übrigen Kronländer sich versammeln.— Der Grazer„Tagespost" wird gemeldet, daß das Fünfer-Comitö der deutschen Abgeordneten, welche sich in Wien versammelt haben, daS Programm für eine große Versammlung der ganzen Partei, wel- her alle deutschen Reichsraths- und Landtags-Ab- geordneten beiwohnen sollen, zu entwerfen habe; Ort und Zeit dieser Versammlung würden nalür- lich niit Rücksicht auf die Einberufuug der Land- tage bestimmt werden.— In Prag haben in der Nacht zum 8. October wiederholte Excesse gegen bie Jesniten stattgefunden. Im Ordenshaus wur- ben Fenster eingeworfen. Ein die Presse der Schweiz betreffender Leit- «rtike! der„Nordd. Allg. Ztg." giebt dem„Bund" Veranlassung zu drei Leitartikeln unter dem Titel: «Die Verwarnung aus Berlin", und er bedauert da- bei, daß er in Preußen verboten isi. Mit größtem Nachdruck weisen er, wie die andern Blätter, die Beschuldigung zurück, als ob sie„Haß gegen Preu- Üen" säen. In der schweizerischen Presse könne Niemand etwas anderes finden, als„die freie Mei- »ung von Republikanern"; die Schweiz nähre keinen Haß gegen Preußen, aber jedenfalls verfange Ein- Ichüchterung bei ihr nicht. Aus dem Haag wird der Brüsseler„Jndä- hendance" bestätigt, daß die auf die luxemburgische Frage bezüglichen Unterhandlungen augenblicklich suspendirt seien. Der König-Großherzog scheine übrigens fortwährend zum Widerstände gegen die Forderungen Preußens entschlossen. Einen neuen Beweis dafür finde man in einer Rede, die sein Statthalter im Großherzogthum, Prinz Heinrich, Feuilleton. Irische Dtttlerfiguren. Eines Tages ging ich während meines Aiifenthalle« iUr Zeit der Weltanöstellnng, im Sommer 1865, in Dnb ün„irisches Elend" auszusuchen au«. In den Parks Und im Krystallpalaste begegnete ich doch bisher immer Und immer nur der gulen Gesellschasl, der Gesellschaft, die de» Wohlstand des Landes rcpräsentirl, Genljcmen Und Ladies, elegant und geschmackvoll gekleidet, die Ladies geschmackvoller, als ich es bei den Londvner Damen ge- miibcii. Die englischen Damen mögen mir den Aus- Ipruch verzeihen, sie haben einmal keinen Farbensinn und dieser Mangel kennzeichnet auch die Znsammenstellung ihrer Toilette. Sie verunglimpfen die Moden, die sie gleich der continentalen Damenwelt ans Paris beziehen, sie bringen, möchte ich sagen, Provinzialismen in die elegante Toilettensprache der Pariser„schönen Welt". Die Dubliner weibliche„Gentry"— und ich habe diese i» dem sreundlicheu Garte» des Krystallpalastes weil tindringlicher stndirt, als alle sonstigen Artikel der inter- Uationale» Ausstellung— ist frei von jenem Farbenvanda- lismiis der Londonerinnen. Also Eleganz und Noblesse hätte ich genug genossen; in dem seil jeher von Tonristen sllr so arm verschrienen Dublin kam ick vor Ueberraschung gar nicht zu mir. llch fand breite, schöne Straßen, von denen sich einige sehr vornehm zu geben verstehen, wie z. B. die Sack-. Hillestraße, wenn sie auch einigermaßen noch hinter der bvndoner Regentstreet zurücksteht. Zch stieß auch nicht sobald ans die renommirtcn irischen Bettlergestalteu. «BZo stecken„los miserables" von Dublin?" srug ich hiich und Andere. In London hat das Elend seine eigenen °»nklen, sagen wir Stätten, um die Maulwursslöcher, M an beiden Ufern der Themse sich gruppiren, nicht. neuerdings auf einem Banket bei Gelegenheit einer landwirthschaftlicben Ausstellung geHallen habe. Der Prinz sagte darin: „Wenn ich in das Großherzoglhnm gekommen bin, so ist dies eine Garantie, daß es bleiben wird, was es ist. Ihr seid das einzige Land in Deutschland, wo man den Mnth gehabt hat zu sagen: Wir sind glücklich; wir wollen bleiben, wa« wir sind. Ich habe die Ueberzeu- gung, daß, wenn man an Eure gesammte Bevölkerung die Frage richten könnte: Wollt Ihr eine Peräudernng, sie einstimmig in der Antwort wäre: Nein! Ich habe die feste Ueberzeugung, daß eng verbunden und bei einem fest betonten Willen, Eure Nationalität Euch nicht ge- raubt werden wird. Alle Bestrebungen de« Königs wie die meinigen habe» zum Zweck, Eure Stellung ausrecht zu erhallen. Ihr werdet es Euren Nachbarn sagen: Wir wünschen unsre freien Institutionen, nusre Autonomie rein und unversehrt zu bewahren." Diese Worte des Statthalters, fügt das bel- gische Blatt hinzu, wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Einem Berichte aus Paris zufolge hat die Rc- gierung VclgienS nach den, Lavalelte'fchen Cir- cnlar, welches die so durchsichtige Unabhängigkeit Belgiens bedroht, die Frage an das englische Ka- bikiet gerichtet, ob man eventuell auf dessen Unter- stützung zählen könne. Die Antwort soll sehr be- friedigend lauten; die englische Regierung lasse durchblicken, daß sie eintretenden Falls energisch für Belgiens Selbstständigkeit einstehen werde. Die Nachrichten über das Befinden des Kaisers von Frankreich lauten sehr widersprechend. Wäh- rend man offiziell die günstigsten Nachrichten überfein Befinden verbreitet, wird von anderer Seite sogar behauptet, daß man jederzeit auf das Ab- jeden des Kaisers gefaßt sein müsse. Das und nicht sei» günstigerer Znstand sei die Ursache seines Verbleibens in Biarriy.— Trotz der mit solcher Sicherheit aufgetretenen, jetzt aber von österreichi- scheu offiziösen Blättern wiederrufenen Nachricht, daß Herr v. Ben st für das Portefeuille des öfter- reichischen Ministeriums des Auswärtigen bestiinmt sei, halten französische Journale noch fest daran, und die„France" erfährt ans Berlin, das die Spannung zwischen Preußen und Oesterreich zu- »imnit, daß electrische Schläge unvermeidlich sind. — Die in Folge der Aufregungen und Beschwer- den eingetretene Geistesstörung der Kaiserin Ehar- lotle hat nach der„französischen Eorrespondenz" eine Besserung erfahren, so daß wieder Aussicht! auf Genesung vorhanden ist. Am 9. Oktober ist die Kaiserin in Begleitung des Grafen von Flau- der» von Rom nach Miramarc abgereist.— Die ' Onartiere nennen zu müssen. In der irischen Haupt- � stadt habe ich vergebens nach jenen Stätten gesragl; die Armuth, sagte mau mir, sitze mitten im Reichthum drin. Hier in diesem einen ansehnlichen Hanse esse man ans silberne» Tellern und in dem Häuschen nebenan esse man l sein Brod ans der Hand und„in Thränen". Es ist ein Zug von Berschänilheit in den Armen von Dublin vorherrschend, gerade wie in denen von London ein Zug von Unverschämtheit unleugbar vorherrscht. Ein seltener Grad von menschlicher Würde war e», der mir an irischen Bettlern, als ich endlich einige zu Gesichte bekam, auffiel. Diese armen Leute scheinen sich alle noch in ihrer Dllrjtigkeit zu sehr zu achten, um nach Art anderer Bettler ausbringlich werden zu können. Wenn es ein oder der andere Blick au« hohlem Auge Einem nicht sagte, wenn sie nicht so mitleiderregend Einen anbjickten, man wüßte fast nicht, daß man HilsS- bedürftigen gegenüberstehe, denn nur schwer, sehr schwer öffnet sich ihr Mund,»m Fürsprache sür eigenes Elend einzulegen. Es liegt etwa« entschieden Rührendes in diesen stummen Klagen des irischen Bettlers. Er geht an dir vorbei, sieht dich an, verstehst du ihn, so ist es gut, verstehst du ihn nicht, er hängt sich deshalb doch nicht an deine Sohlen und läusl dir nicht Gassen weit nach, gleich seinem Bruder im Elend zu London. Der irische Bettler hat etwas von dem Stolze eines verarm- teu Aristokraten, der die Schilderung seine« zeiligen Elend« nur schwer ltder die Lippen zu bringen vermag; er deutet seinen Znstand höchsten« an, wenn es nicht seine Erscheinung allein schon lbnt; ihn ausmalen in grellen Bildern, oder übertreibe», wie die« die Bettler der continentalen Großstädte so gut verstehen, da« kann er nicht. WaS Wunder, wenn unter sojchen Verhält- nissen in Irland Fälle vorkommen, die, wenn sie die Runde durch die Zeitungen der Welt macheu, allüberall Staunen erregen, Fälle, wie z. B. der, daß im Jahre 1865 an einigen irischen Orten und in Dublin selbst die Strafgerichte Siesta machen konnten, weil keinerlei Sub- pariser Journale besprechen ziemlich lebbaft einen Prozeß, welchen der königliche Botschafter Graf von der Goltz gegen das„Meniorial diplomatique" wegen Verleumdung des Königs von Preußen an- hängig gemacht hat. Sie erblicken darin einen Angriff auf die Unabhängigkeit der französischen Presse. Aus England wird wieder von einer großen Zieform- Demonstration berichtet, die in Leevs in Scene gefetzt ist. Sie wurde auf dem Woodhanse- Moor abgehalten, wo sich etwa achtzigtausend Men- schen versammellen, und in einer durch den Raum auf eine kleinere Theilnehmerschaft beschränkte Abend- gesellschaft in der Stadthalle. Allenthalben aber macht sich jetzt in diesen Versammlungen ein Wider- spiel der radicalen und liberalen Partei in ihren Forderungen für die Ausdehnung des Stimmrechts bemerkbar. Der langjährige Haß Italiens gegen Oester- reich hat �ich noch einmal in Krawallen zu Verona und Mantua Luft gemacht, bei welchen Todle und Verwundete am Platze geblieben sind. Ricasoli hat deshalb an die Bürgermeister dieser Städte ein Telegramm gerichtet, in welchem er es als un- würdig einer Nation bezeichnet, sich gegen die zu erheben, die in Folge eines eben geschlossenen Frie- densvertrages sich zur Abreise anschicken.— In Venedig hat die Nationalgarde die Ausübung des öffentlichen Sicherheitsdienstes übernommen. Es wird ihr nachgerühmt, daß sie ihren Dienst vor- trefflich versieht und namentlich eine bewunderungs- würdige Geschicklichkeit in Erlappnng von Dieben entfaltet. Eine große Menge von Taschendieben ist verhaftet worden, und jede solche Verhaftung wurde von der Volksmenge mit Beifallsgeschrei und Hände- klatschen begrüßt. Auch sind eine Menge garibal- dianische Freischärler, meist geborne Venelianer dort- hin zurückgekehrt, deren Benehmen als sehr ruhig und anständig bezeichnet wird. Ueber die Zustände in Svanien s. unten. Ein Brief aus Sevilla besagt, daß in Barcelona in der'Nacht vom 27. auf den 28. September eine Razzia angestellt worden, bei welcher 185 meist den besseren Klassen ungehörige Personen festge- nommen wurde», um alsbald nach Fernando- Po Iransportirl zu werden. Nach Privaimittheilungen aus Madrid ist die Regierung im Begriff, die Frage zu erörtern, ob es überhaupt noch Eortes geben solle oder nicht. Freilich fragt es sich, cd ein unverhüllter Depolismus nicht dem gegenwär- »igen parlamentarischen Scheine vorzuziehen ist. jecte und Objecie, die ihren strafenden Arm heraus- '{orderten, vorhanden waren, lind das in dem„elenden, armen Irland"! Der Mann und das Weib, die sich vom Hunger und der Roth nicht zwingen lassen, sich so weit zu erniedrigen, wie die« andere Bettler thnn, die stehlen, rauben und morden freilich auch nicht. Und ich glaube, dein Elend muß man es höher zugute hallen, wenn es noch auf Würde sieht, als den besitzenden Ständen, denen es doch so leicht wird, tugendhaft und würdig zu erscheinen, und die es doch nicht inimer sind. Die Londoner Stätten de« Elends werden Tag für Tag von Verbrechen erfüllt, die Thcil« gar nicht ans Licht der Sonne kommen, und ich glaube nicht, daß irgend eine englische Jury jemals in der Lage sein wird, feiern z» müssen, weil nichts für sie zu thu». Dieser ideale Zustand dürfte sür die Londoner Gerichtsbarkeit länger, al« den Philanthropen lieb sein wird, ausbleiben. Die noble Armuth der Dubliner Bettler, so erbarmungs- würdig sie in vollein Maße ist, sllhrt Einem aber nicht selten Bilder und Figuren vorS Auge, die etwas stark Komisches haben. Die Etiquetle der Dubliner Bettler und Bettlerinnen reizt ost zii entschiedenem Ergötzen. Man möchte oft hell auflachen über die eine oder andere Figur dieses Genres. Sehen Sie sich beispielsweise diesen Manu an, der da von der großen Brücke, die a» dem einen Ende die Sackville-Street begrenzt, in den trüben Fluß hinabsieht und nur zeitweise auf einen oder den anderen Genlleman, der an ihin vorübergeht, einen Blick wirst, welcher sagt:„Ich könnte einen Schilling sehr nothwendig brauchen." Der Mann wenn Sie ihn von oben zu besehen anfangen, erfüllt, und wenn auch nur nolbdürstig, noch alle Toilelte-Pflichteu eines Gentle- man. Sein hoher Cylinder hat die Glanzperiode enr- schiede» hinter sich, aber es ist immer noch ein Cylinder, „der« thrit", wie man zu sagen pflegt. Auch der schwarze Frack entspricht noch gewissermaßen seiner gesellschästichen Pflicht, freilich hat er, bis an den Hals zugeknöpft, trotz der herrschenden Junihitze gewiß etwa« dem össent« Die über Paris eingegangenen Nachritte» lauten für die Pforte sehr günstig, doch möchten dieselben mir einigem Vorbehalt aufjunehmen sein. In Tbes« salien icroch gährt es auch nach französischen Be- richte» fort. Auch in Montenegro regt es sich und man bezeichnet den russischen Consul als den- jenigen, der die türkenfeindliche Stimmung schürt. In den Vereinigten Staaten Älmerika's werden die Wahlbewerbungen von beiden Parteien encr- gisch fortgesetzt. Eine Deputation der Konvention von Cleveland hat dem Präsidenten die seiner Politik zustimmenden Resolutionen der Versammlungen »iberbracht. Der Präsident versicherte ihr, daß er auf seiner Bahn fortfahren werde; er betonte die Nothwendigkeit, der.Verfassung treu zu bleiben, wenn ein freies Staatswesen bestehen solle. Eine überraschende Nachricht übermittelt der Telegraph aus Mexico in Form einer Depesche des.Kaisers Maximilian an seineu Gesandten in Paris, mittelst welcher der Letzlere aufgefordert wird, allen mexikanischen Gesandtschaften in Europa mitzutheilen, daß die Verhältnisse im Kaiserreich die allergünstigsten seien, ein vortrefflicher Geist alle Klassen der Bevölkerung beseele u. s. f. Man weiß, wie eS in Wahrheit steht. Die neuesten eingelaufenen Depeschen lauten: Trieft, 10. October. Gutem Vernehmen nach alaubt man an eine Christencrhebung in Epirns und Tdessalien. Bncharest, 10. October. Es ist hier die Nachricht verbreitet, daß Fürst Karl selbst nach Cvnstantinopel gehen wird, um das letzte Hinderniß seiner Anerkennung aus dem Wege zu räumen. Petersburg, 10. October. Der„Invulido russe" bespricht in einem längeren Artikel die Enicunung des Grasen Golnchowski zum Stadthalter von Galizien und macht die Oesterreichische Regierung daraus anfmerksam, wie bedenklich die Wahl eines Mannes streng polnischer Nationalität, zu diesem Amte sowohl für die österreichische, als für die russische Regierung, hinsichtlich ihrer polnischen LandeStheile ift._ Deutschland. Sßien, 9. Dd.[lieber die Rückkehr der ungarischen Legion� berichten die Blätter: Gestern Abends sind 600 Mann des Klapka'schen KorvS mittelst Separatzug au« Oderberg hier einge- trösten. Eine große Anzahl der Genannten weigerte sich bereit« bei der Uebergabe in Oderberg, in die Heimath zurückzukehren, nnd eine nicht minder große Anzahl stieg bexeit« in Gänserndorf au«, um sich direkt nach Un- garn z» begeben, und so der Vorstellung in Wien sich zu entziehen. Von den zurückgekehrten Ex- Legionären trugen sämmtliche Offiziere Zivilkleider. Die Männlichen Auge zu verbergen, aber es ist ein schwarzer Frack. Anck eii.e hohe, weiße Halsbinde(das Weiß wieder will freilich nicht so streng verstanden sein) kann dem Geniel« man nicht abgestritten werden, eine, die ihm einen wenn auch nur geringen Grad irischer„Herrlichkeit" verleiht. Sogar das Beinkleid des Mannes scheint bisher eine gute Behandlung genossen zu haben, wenn es auch anderen Besitzern angehört gehabt haben mag. Wenn Sie Ihrem Auge, nun vier angelangt, ein„Halt" zurufen, so werden Sie den Eindruck eines Menschen haben, der sich als Stadlschreiber oder Gerichlsbote oder sonst dergleichen durch dieses irische Dasein hiiidurchhilst. Wersen Sie dann, um diesen achtungsvollen Eindruck nicht rasch ver> wischt zu sehen, keinen Blick aus die Füße des Mannes, aus denen er sein Erdenwallen vollbringt. Den» gemein gebräuchliches Leder werten Sie doch uur höchstens zur Hälfte auf seinen Füßen finden. Die„Zeigezehen" der Ärmllth drängen sich Ihren Blicken auf und der schwarze Frack, die weiße Binde und der Cylinder fallen Ihnen ein und erregen Ihre Heiterkeit. Für den Mann aber scheint sich dieser Anzug von selbst zu verstehen; er will eine»' Gentleman vorstellen von Kopf bis zum Fuß, aber nur bis zun: Fnß, dieses wichtige Glied nicht mit einbegristen. Solchen Figuren begegnete ich nicht selten auf öffentlichen Plätzen. Zog so ein armer Teufel den Hut vor mir, so wußte ich im ersten Auzenbiick nie, wie ich zu dieser Bekanntschaft in Dublin kam, bis mich sein Haldbarsüßlel-Zustand aus den rechten Gedanken brachte. Auch weibliche Figuren dieses komischen Genres sind in Dublin nicht selten. Ich vergesse sie nie, die hagere irische Lady, die mir eines Abends in den schöne», schatten- reichen Alleen des schönen Phönixparkes begegnete, und die eine fast phantastische Figur des irischen Elends vor- stellen konnte. Sie schritt so aufrecht und den Kops stolz gehoben einher, hatte einen breiten Strohnt, niedlich aufgeputzt mit Maßliebchen, Immergrün und wer weiß -va« noch alles für Pstänzchen, die ihr von der Krämpe herab in« Gesicht hineinhingen, so daß sie mir wie eine schasr ist ebenso wie die Offiziere reichlich mit Geld ver- sehen.(Die Leute hatten vor der Entlassung in Preu- ßen ein Handgeld empfangen, und zwar die Gemeinen bis aufwärts zum Feldwebel 20 bis 30 Thlr.! die Offiziere erhielten je nach ihrer Charge 200 bis 500 Thlr.) Am Bahnhose angekommen, wurden sie von einem Major und einer kleinen Abtheilung Jäger in Empfang genommen, und nach dem Transport> Sammelhause ge> bracht, von wo ans weiter über sie verfügt wird. Heute Nachmittags traf ein zweiter Zug n>it mehreren hundert Mann desselben Korps hier ein. Das Militär- Trans- porihau« war im Laufe des heutigen Tages fortwährend von einer großen Menschenmenge umlagert, welche die „ungarischen Preußen" nicht genug betrachten konnte. Sämmtliche hier eingetroffene Mannschast soll morgen nach Pest weitergehen. Die„V. Z." schließt hieran die Notiz, daß es den Ungarn freigestellt war, entweder in Preußen eine anderweitige Beschäftigung zu suchen oder nach Ungarn zurückzukehren. Eine kleine Anzahl der- selben, namentlich die früher ein Handwerk gelernt hatten, fanv ein Unterkommen und blieb zurück, der größte Theil aber entschloß sich zur Heimkehr. Auswärtige Blätter bringen serner die Nachricht, Klapka habe den rothen Avler-Orden 2. Klasse mit dem Stern uud eine Domäne in Schlesien als Alod- Eigenthum erhalten.— Stuttgart, 9. October.[Der Adreßent- wurfder fünf zehn er Commission der zwei- ten Kammerj lautet in seinen 13 ersten Para- graphen wie folgt: 1) Ew. königl. Majestät haben die Stände des Lan« des zu berufen geruht, nachdem seit ihrer letzten Ver- sammlung die schwersten Ereignisse über Deutschland her« eingebrochen sind. 2) Ein kurzer, aber blutiger Krieg hat zur Lösung des Deutschen Bundes, zum Ausschluß Oesterreichs au« dem übrigen Deutschland, zur Vergröße- rung Preußen« geführt,»nd mit der Gründung eines norddeutschen Bundes sollen die südwestlichen Staaten Deutschlands sich selbst überlassen werden. 3) Wenn auch die Rede, mit welcher im Namen Ew. königl. Majestät die Sitzungen der Stände eröffnet wurde, keine Ansicht über die allgemeine Lage kund giebt, in welche wir durch die Vorgänge der letzten Monate versetzt sind, so hält sich doch die Kammer der Abgeordneten für ver- pflichtet, hierüber sich auszusprechen. Ew. königl. Ma- jestäl Regierung selbst wird der Ansicht der LandeSver- trelung nicht entbehren wollen, das Volk aber kann von der Kammer erwarten, daß diese die Grundsätze offen darlege, welche sie in solchen Zeiten der Umwälzung des Bestehenden leiten werden. 4) So wöge denn vor Allem rückhaltSlo« von uns ausgesprochen sein, daß der Wechsel ver Ereignisse die Ueberzeugnng von Recht und Unrecht, wie wir sie vor Beginn des Krieges gehegt, nicht än< der» kann. Und wenn die kriegerischen Erfolge die Er- reichung des von uns bisher erstrebten Ziele« selbst als unmöglich darstellen sollten, so muß uns doch unver- wehrt sein, daran zu erinnern, daß die Einigung des . ganzen Deutschlands seit einem halben Jahrhundert der ' gealterte Ophelia erschien; die fast verschwindend dünnen Glieder umfloß ein Kleid von Seide, da« auf den beide» � Brustseiten nicht wegzuleugnende Löcher halte, in denen wieder zierliche Blumensträuße staken. Die Frau sütterte die Löcher ihrer verschossenen Seidenrobe mit Blumen- sträußen; ist dies nicht ein wahrer poetischer Kunstgriff der Armuth? Gehl, hohe heimische Frauen und lernt, welchen Liebesdienst Blumen wol erweisen können! Diese irische Lady besserte die Schäden der Kunst, der Kleidermacherkunst, mit den Blüthen der Natur aus. So viel Löcher ihr Kleid hatte, so viel kleine Slräußche» hatte cS auch, und es halte viele Stränßchen jenes Seidenkleid! Es war auch ziemlich lang jenes Seiden- kleid, und da« machte, daß ma» nur hie und da be- merkte, die Lady geht in Pantoffeln einher, welche auch wieder so wie die Strümpfe, die sie bargen, kleine Stränßchen hätten brauchen können. Aber das Alles hinderte Lady„Barfllßele" nicht, einen Sonnenschirm und ein Spitzentuch, dessen Löcher, an die ich fast zu glauben wage, sie wohlweislich zu verdecken wußte, zier- sich in der Hand zu halten nnd mich auch mit jener Miene anzusehen, die da statt ihrer selbst da« Wort führen sollte und nichts anderes zu sagen hatte als:„Ich würde, Sir, einen Schilling durchaus nicht zurückweisen, wenn Sie sich erkühnen wollten, mir ihn zu verabreichen!" Ich war diesem mimischen Bittgesuche willfährig nachge- kommen, und die blumenreiche Lady that, als sie meinen Schilling hatte, einen so freundlichen Knix, daß ich, beim heiligen Patrik, schon glaubte, sie breche oben ab, die lange, hagere Figur. Ich halte aber trotz dieser Freund- lichkeit eine ziemlich böse Nacht auf dieses Abentener. In meinem Traume öffneten sich all die klaffenden Wunden jenes wunderliw phantastischen Seidenkleides, und darinnen tanzten anstatt niedlicher Blumengeister allerlei Walpurgisnacht- Hexen herum. Das war der Lohn für meine gute That! Aber ich warte trotzdem den irischen Bettlern sehr gern mit ein paar Schillingen auf, es ist ein wenig von der Carricalur der Noblesse Wahlspruch deutscher Patrioten war, und daß die hoch' sten Ideen einer Nation darum noch nicht untergehen, weil ihnen in einem bestimmten Moment die Verwirk lichung versagt zu sein scheint. 5) Aber wir stehen als die Besiegten unter der Macht der Thatsachen, und die Pflicht fordert von uns, auf dem gegebenen Boden für das Beste des Volkes zu sorgen. 6) Wir müssen es hin' nehmen, daß mit der gegenwärtigen Gestaltung Deutsch' lands der Schutz des einzelnen Staates gegen außen eine unverkennbare Einbuße erlitten hat; hoffen wir dennoch, daß jeder Angriff aus deutsches Gebiet die Nation zur einmüthigen Abwehr bereit finden werde. 7) Dem nord- deutschen Bund uns anzuschließen, wären wir nicht im Stande, selbst wenn wir es wollten, weil Preußen sich nicht in der Lage befindet, es zu gestatten, ö) Für uns fällt mit demselben Gewicht, wie die Verbindung Deutsch- lands zur mächtigen Einheit gegen außen, die Freiheil des Volkes in die Wagschale; wir sind ihm schuldig, nach Kräften die Rechte zu sichern, die schon bisher des Schutzes der Verfassung genießen und ungehemm' ihrer weiteren Ausbildung cntgegengeführt werden können. 9) Darum kann nur auf einer Grundlage, welche die berechtigte Selbstbestimmung des Cinzelstaates mit der nothwendigen Einheit de« Gesammlstaate« versöhnt und die freie Entwicklung des konstitutionellen Leben« ge- währleistet, eine Verbindung von Nord- und Süddeutsch- land in befriedigenver Weise hergestellt werden. 10) Wir suchen vergeblich auf der Seile jenes Bundes nach den Garantien, welche unser Recht zu schützen und den Fort- schritt auf der Babn der Freiheit zu sichern geeignet wären. 11) Wir können es daher auch für jetzt nicht als unsere Aufgabe betrachten, den Anschluß an den nord- deutschen Bund zu erstreben. 12) Fern von jeder Feind- seligkeit gegen Preußen, und obwohl wir die Trennung des deutschen Südens und Nordens sür die Dauer durch- aus verwerfen, könnten wir es bei den nach jeder Rich- tung unfertigen Verhällnissen nur als einen Fehler der süddeutschen Staaten erkennen, wenn sie in hastiger Flucht vor der drohenden Jsolirung eine Stellung zu dem Norden schon jetzt nehmen wollten, deren Beben- tung fich unter den gegebenen Umständen gar nicht be- stimmen läßt. 13) Die augenblickliche Lage der südlichen Staaten, welche wir allerdings als eine haltbare nicht anzusehen vermögen, ließe sich durch ihre engere Berbin- dung unter einander mit gemeinsamer parlamentarischer Vertretung günstiger gestalten. Sollte dieser Bund zur Zeit auf unüberwindliche Hindernisse stoßen, so ist doch die Einigung jener Staaten über die wichtigste Ange- legenheit des Schutzes nach außen und daher insbesondere über die Kriegsverfassung so sehr durch die Natur der Sache geboten, dag kaum einer derselben sich dagegen zu sträuben gemeint sein dürfte. Ausland. Spunien.[Grausamkeit gegen die po- li tischen Beschuldigten.� Ein Corresponbenz- artikel des„TempS"- aus Sevilla schildert in sehr in ihrem Wesen, diese Carricalur mir aber immer noch lieber als die gemeine, nackie Unverschämtheit und Zu- dringlichkeil Londoner Bettler. Aber um was man alles manchmal in Dublin von Bettlern angegangen wird! Ich machte eines Nachmittags einen Spaziergang über die Sackvill-Sireet hinaus. Ich kam in Gegenden, wo schöne, wohlerhaltene Gebäude, nette, zierliche Woh» nungen nur noch sporadisch auftraten. Düstere, alte, kleine Häuschen, in denen Zimmer vcn etwas mehr als der Größe einer Nußschale sein inochten, blickten mich melancholisch an. Die ganze irische Jnwohnerschast saß und lag draußen vor den Häusern herum und machte Spectakel über Spectakel. Die Kleinen, ziemlich frag- mentarisch bekleidet, schrieen, die Großen sangen, aber in einer Weise, die mir das Wesen des irischen Volksliedes gerade sür deu Moment nicht sehr liebenswürdig erscheinen ließ. Heiliger Patrik, hätte ich ausrufen möge», deine Kinder bestreben sich nicht sehr, die Weisen ihres Landes den vorbeiziehenden Fremden zu empfehlen. Ais ich so an einer Gruppe alter, häßlicher Weiber, die sich ihre Kehlen ausschrieen, vorbeischritt, sprang die Eine von den Alten von der Hausschwelle auf und rgnnte auf mich zu. Gott weiß e«, sie hat was zu mir gesagt, die Hexe, aber was, das hätte ich in jenem Augenblicke, ab- geschreckt durch so viel Häßlichkeit, nicht gewußt und wäre ich ein Meister im„Irischen" gewesen. Sie sah mir auch gleich mein Unvermögen an, die Alte, nnd half sich mimisch durch, indem sie auf meine Cigarre deutete und ihr Verlangen nach dieser ganz deutlich Ausdruck gab. Ich war auf solche« Anliegen wirklich nicht gefaßt, zog aber schleunigst mein Etui und gab der Alten eine Cigarre, die sie sich sogleich an der mcinigeu gemächlich anbrannte. Aus dem Rückwege sab ich die Hexe ganz gemllthlich rauchen. Aber zu singen verhinderte sie da» nicht. Und daß sie sang, das war entschieden undankbar von ilfr! M. K.(Wiener„Presse".) �fierer Weise die immer mehr zunehmende Grau« �wkdt, mit der man gegen die politischen Ange- huldigten zu Werke geht. Im Winkel deS Golfs Guinea unterm Aequator besitzt Spanien die !"Nseln Fernando-Po, deren für den Europäer fast unbedingt tödtlichcs Klima selbst für die Eingebor- nur auf den Hochplateaus erträglich ist. An i �r Meeresküste bis auf eine Wegstunde von den f Gebirgen herrschen mitl unerbittlicher �Grausamkeit � Dyssenterien. tropische Fieber u. s.>v., während ' giftigen Insekten der afrikanischen Sümpfe die- i Innigen verderben, welche Geburt oder ein Unglück- licher Zufall an diese mörderischen Gestade gewor- � len hat. Einige Horden dickbäuchiger, verwachsener und wilder Neger bevölkern die Häfen und steigen i Uur dann an die Küste herunter, wenn ihnen der Sturm einen Schifsbruch verspricht. Nach dieser GistkÜste nun schickt jetzt Spanien seine politischen Ängeichuldigten hin. Ehedem transportirte man derartige Leute nach der Havanna oder nach den I Philippinen, dort konnte man bei einigermaßen j Menschlicher Pflege und mit einer gewissen Lorsicht doch wenigstens dem gelben Fieber entgehen, und einmal eingewöhnt, fand man leicht seinen Unter- halt und bisweilen sogar ein schönes Auskommen. Aber jetzt werden die Unglücklichen nicht allein nicht Mehr nach Havanna gebracht, sondern auch die ver- dächtigen Havanncsen werden nach Fernando-Po geschleppt. Ehrenmänner, Militärs aller Grade, Handeltreibende, Künstler, Handwerker werden, mit der Brandmarke des Bagno versehen, mit gemeinen | Verbrechern gemischt in diese schrecklichen Gegenden I transportirt. Vereins-Theil. Bekanntmachung. Ln Gemiißheit des Geschästs-ReglementS sind für die ! Folge Briefe in VerwallungS- Angelegenheiten des Allg. c deutsch. Arb.» Vereins an den Secrelair des Vereins, t Herrn Je h. Levien in Hamburg, Bleichergang 22, s I Treppe, franco zu richten. Für Briese an mich bleibt die Adresie in Hamburg l Schlachterstraße 10 unverändert. fc. Zu Bevollmächtigten sind ernannt worden: für Hamburg Herr C. A. Hetzet, „ Glauchau„ Herm. Beierlein, „ Lübeck„ F. Tranzer. Hamburg, den 10. October 1866. DaS Präsidium des Allg. deutsch Arb.-VereinS. A. Perl. * Berlin, 10. Oct.(Erster Vortrag in Ar- nim'S Hotel.) Gestern fand der erste der unter dem Namen„Kapital und Arbeit" angekündigten Vorträge statt. Der glänzende und geräumige Saal de« Hotels Arnim war fast gänzlich gefüllt; etwa die Hälste der Anwesenden bestand ans Arbeitern, während die andere Hälste aus den verschiedensten Ständen und Beruf«- klaffen zusammengesetzt war: Gelehrte, Osfiziere, Beamte, Kaufleute und Fabrikanten in großer Zahl, auch einzelne Damen waren anwesend. Redner begann damit, den Sinn und die Bedeutung erst der socialen Frage, dann der Arbeiterfrage und hier- nach das Verhältniß dieser Beiden zu einander festzustel- len.. Hiernach prüfte Redner, was sich vom Stnndpunkte der praktischen Politik für und gegen die socialen Be> strebnngen sagen laffe, woraus er, zu einer philosophischen Einleitung übergehend, zunächst die Stellung der Philo- svphie im System der Wissenschaften beleuchtete. Speziell aus die Geschichtsphilosophie übergebend, zeigte Redner, wie hierin, je nach dem optimistischen oder jessimistischen Standpunkte de« Philosophen zwei Grundanschauungen möglich seien; wie aber innerbalb beider die socialen Bestrebungen als berechtigt erschienen. Nachdem Redner also gezeigt, wie von jedem tiefer gegriffenen philo- sophislben Gesichtspunkte aus die sociale» Bestrebungen ihre Berechtigung fänden, ging er zur Erörterung des chrifllich-theologifchen Standpunktes über, wobei er eine längere Stelle aus dem Buche de« Bischofs von Mainz, Freiherrn v. Ketteler, Verla«. Nach Beendigung dieser Erörterung ging Redner zu einer geschichtlich> politischen Einleitung über. Er zeigte, wie im Mittelalter der Grundbesitz da« herrschende Element gewesen und wie später auch da« bewegliche Kapital habe zur Geltung kommen müssen. Redner schilderte hierauf den Character der französischen Revolution von 1789 sowie der weltgeschichtlichen Bourgeoisieepoche überhaupt und zeigte, worin die Arbeiterklasse mit der liberalen Bourgeoisie gleiches Interesse habe und woriu Beider Interessen auseinanderliefen. Auch der bisherige„innere Conflict" in Preußen fand bei dieser Gelegenheit eine kurze Besprechung. Nachdem Redner noch den Unterschied zwischen der Anschauung der liberalen Bourgeoisie und der den Ar- beiterinteressen entsprechenden(socialistischen) Anschauung klargestellt, schloß er den heutigen Vortrag mit der Ver- sicherung, daß er wie bisher so auw im weiteren Ver- laus seiner Vorträge zwar immer auf dem Boden der ganzen und vollen Wahrheit stehen, dabei aber derjenigen Ruhe und Mäßigung sich befleißen werde, welche in streng wissenschaftlichen Dinge» immer geboten seien. Nächster Vortrag Freitag, dem 12. d. Ml«. Abends 8 Uhr.— Vermischtes. —(Von den Schlachtfeldern bei Skalitz) bringt ein böhmisches Blatt folgendes Bild: Ein großer, stiller Friedhof ist aus den Feldern und Wäldern ge- worden, die sich von Nachod bis Königinhos hinziehen. Am Saume der Waldungen, die den Höhenzug von Wysokow und den Wenzelsberg bedecken, taucht ein Grabbügel nach rem andern auf in endloser Reihe. Au« frischem Wiesengrün ragen diese rothen Erdschollen auf, ost viele Klafter im Gevierte haltend; hier Freund und Feind neben einander und dort wieder ein Schacht, in den man die Pferde geworsen. Eine zwei Fuß hohe Erdschicht deckt die Leiber der Todlen, die ost in der Zahl von Bier- bis Fünfhundert in einem und dem- selben Grabe Platz gefunden. Auf dem Kleefelde des Gastwirth« Steidler, ganz nahe beim Dorfe, bezeichnen zwei weite Schollcnhilgel zwei Schachte. In dem einen liegen über 400 Soldatenlcichen, in dem andern 10 Pferde, die eine Granatkugel zusammengerissen. Einige Schritte gegen die Sladt zu hebt sich aus einem einfachen Hügel ein einlaches schwarze« Hvlzkrenz empor, das auf einer Blechlasel die Inschrift trägt:„k. k. General v. Fragnern, f 28. Juni 1866." —(Eine unentzifferbare Sprache) ist oft das Ergebiüß jener kühnen Wörter- Verbindungen, wie sie von eifrigen Telegraphisten in den wunderbarsten Combi- Nationen zu Tage gefördert werden. Hier ein amüsantes Beispiel. Der AngSb. Allg. Ztg. wollte ihr Correipon- dent offenbar über die Grenzverletzung berichten, welche dieser Tage durch einige preußische Soldaten in Böhmen stattgesunden. Er sendete nun folgendes Telegramm ab, dessen Enträthselung das Blatt eben seinen Lesern über- lassen muß:„Aussiger Telegramme Grenzüberschreitnngen preußischer Sachsentruppen Grenzorle vermmhender Patrouillen." —(Ein drittes transatlantisches Kabel) soll wie der„Meffager sranco-americain" berichtet, die alte mit der neuen Welt verbinden. Bereits habe sich zu diesem Zwecke eine Acliengesellschaft mit einem Capital von 600,000 Pf. St. gebildet und glaube weder die Concurrenz der setzt bereit« bestehenden Kabelgesellswast, noch jene der in der Bildung begriffenen, russisch-nord- amerikanischen Telegraphenlinie fürchten zn müssen. Von der letzteren meint der„Messager franco-amöricain", daß die Telegraphendrähte zn Lande durch die strenge sibirische Kälte und zur See in der Bebringsstraße durch die Reibung an dem Felsboden sehr gefährdet sein würden. Die neue Linie soll von der Chesapeake-Bai bis zu den Bermude», von dort z» den Azoren und dann nach Portugal gezogen werden. —(Der jetzt verstorbene Komiker Beckmann) lies sich eines Tages, als er noch in Berlin wirkte, von Freunden verleiten, einen Recensenlen, eine stadtbekannte Figur, wen» wir nicht irren, Namen« Fränkel, auf der Bühne zu persifliren, und er stellte ihn in Maske und Gesten so getreu dar, daß das Publikum am Schlüsse „Fränkel heraus" rief. Der Journalist klagte und Beck- mann wurde veruriheilt, den Beleidigten in dessen Wohnung vor geladenen Zeugen um Verzeihung zu bitten. Zur bestimmten Stunde harrte Fränkel im Kreise seiner Familie und einer Unzahl von hierzu invi- tirten Verwandten und Bekannten des ankommenden Büßers, aber Viertelstunde um Viertelstunde schlich mit bleiernem Schritt durch den Salon und Beckmann kam nicht. Endlich ging die Thür auf, Beckmann steckte den Kopf herein und fragte:„Wohnt hier Herr Maier?" „O nein", antwortete Frankel,„der wohnt daneben." „Ah, dann bitt' ich um Verzeihung!" sagte Beckmann, sich rasch wieder entfernend, nachdem er sich zum großen Aerger de» Herrn Fränkel und zur schallenden Erheile- ruug der Anderen der ihm auferlegten Buße pünktlich entledigt hatte. —(EineschwerwiegendeBczahlung.) Einen Güterzug stall eine« Portemonnaie muß der Cassirer einer concertirenden Gesellschaft führen, die jetzt auf Polynesien umherzieht, wir wüßten sonst nicht, wo er die Entree-Einnahmeu unterbringen wollte. Diese wan- dernde amerikanische Künstlergesellschaft, welche unter dem � Namen„Alleghanier" bekannt ist, gab kürzlich ei» große« Concert ans der Insel Saway, einer der schönsten Inseln in Covk'S-Archipel. Der König de« Laude« Makea wohnte dieser musikalischen Produclion bei. Die Einnahme war lehr beträchtlich, sie bestand au« 78 Schweinen, 38 Brut- Hühnern, 116 gewöhnlichen Hühnern, 16,000 Kokosnüssen, 5700 Ananas, 418 Scheffeln Bananen, 600 Kürbissen und 2700 Orangen. Bekanntlich besteht das Talent der Alleghanier darin, Musikstücke auf Glocken verschiedener Größe und Tonhöhe anszusübren. Die Insulaner von Haway waren von dieser Musik entzückt, und es schien ihnen weder um ihre Schweine, noch um ihre Hübner leid zu sein. Der König Makea unter Anderem that sich durch seinen Enthusiasmus ganz besonders hervor. Bei den letzten Noten des„Norma"-Marsches bezeigte er den Künstlern seine Zufriedenheit und schwor ihnen, die Hand auf dem Herzen, daß er sie nie vergessen werde. —(Unsicherheit in Paris.) Unter diesem Titel wird geschrieben: Bei der gänzlichen Stockung der Ge- schäfte, der wachsenden Roth und Theuerung sieht man nicht ohne Besorgniß dem Winter entgegen. Bereit» steigt die Unsicherheit; in den letzten Tagen wurde um W/i Uhr Nacht« in der Rivoli- Straße ein Herr über- fallen; ein Mann wurde am„Place du Havre" vor dem Westbahnhofe ermordet; auf dem„Boulevard des In- valides" wurde ein Anfall auf einen Droschkenkutscher gemacht u. s. w. Da« Projecl berittener„Sregents de ville" für die entlegneren Stadttheile soll nun sofort ausgeführt werden; aus allen Punkten der Stadt beginnt man Arbeilen, um das Proletarial möglichst zu be- schästigen. —(Der größte Meteorstein) unter allen bisher in Sammlungen vorhandenen befindet sich gegenwärtig im Hof-Mineralieniabinet in Wien, wohin er vor Kurzem gebracht wurde. Dieses Meteor fiel am 9. Juni d. I. kurz vor 5 Uhr Nachmittag« bei heiterem, wolkenlosem Himmel bei Knyahinya, einem kleinem Dorfe im Ungh- varer Comitat, in Ungarn, mit einer heftigen Detonation zn Boden, in welchen es sich ein 9 Fuß tiefes Loch bohrte. Der Stein wiegt 560 Pfund und gehört zn den eisen- reicheren, deren specifischc« Gewicht mit dem von unserer Erde übereinstimmt. Die Form dieses Meteorsteins ist nicht, wie die fast aller bisher beobachteten, rund, sondern nahezu dreieckig. Es sind mit dem Massensteine gleich- zeitig gegen 100 kleinere Stücke bis zu>/» Loth gefallen, welche alle überrindet sind, woraus hervorgeht, daß das Meteor beim Eintritt in die Atmosphäre wahrscheinlich zersprang und sich in so viele kleine Partikelchen zertheilte. —(Ein Curiosnm.) Die Berliner„Gerichts- Zeitung" erzählt das folgende Curiosnm: Ein zehnjäh- riger Knabe war angeklagt und ward behuss Perhand- lnng seine« Prozesses aufgernfe». Er war nicht erschie- nen, und es wurde in Folge dessen erörtert, ob in con- tumacinm gegen ihn zu verfahren sei. Dieses Versabrez ist bekanntlich gesetzlich nur dann berechtigt, wenn nach- gewiesen wird, daß die zum Audienztermin erlassene Vor- ladung dem Angeklagten auch ordnungsmäßig behändigl worden ist. Der Präsident sah den JnsinnationS-Bericht in den Akten nach, und fand nun folgenden wörtlichen Be richt des betreffenden Briefträgers:„Die Vorladung ist in Abwesenheit des Adressaten an dessen Ehefrau über- geben worden." Da dem Gerichte nun noch nicht vor- gekommen ist, daß bei unS zn Lande ein zehnjähriger Knabe verdeirathet wäre, so wurde beschlossen, da« Eon» tumacial- Verfahren auszusetzen und den Prozeß zu ver- lagen, um den Briefträger zuvörderst darüber zu ver- nehmen, wen er denn eigentlich unter der Ehefrau de» Zehnjährigen gemeint habe. —(Betrug in Amerika.) Fast unglaublich plninp sind die Betrügereien, die in Amerika mit Lotterie-Loosen verübt werden. Die Methode ist immer dieselbe. Man setzt Loose einer Lotterie, die gar nicht existirt, in Um- lauf und fordert den Einsatz. Zahlt der Adressat nicht, so erhält er nach einiger Zeit die Anzeige, daß er „200 Dollar«" gewonnen hat, aber erst den Einsatz decken muß, ehe der Collectenr den Gewinn für ihn erheben kann. Jetzt zahlt er gewiß und ist— betrogen. —(Cholera in Berlin.) Bi« zum 1. October Mittag« waren in Berlin als an der Cholera erkrankt gemeldet 7594 Personen. Zugang an neuen Meldungen bis 2. October Mittags 56(darunter 27 Todesfälle), Im Ganzen sind danach erkrankt 7650. Davon sind genesen 1908, gestorben 4840, in Behandlung geblie» ben 902. Annoncen. Kapital und Arbeit. Zweiter Vortrag in Arnim'« Hütet, Unter den Linden 44, Freitag, den 12. October, Abends 8 Uhr. Verantwortlicher Redacteur und Verleger: I. B. v. Hofstetten in Berlin.— Druck von F. Hofsschläger in Berlin.