Nr. 164. Berlin, Mittwoch den 24. October i8K6. Zweiter Zahrgaag. orialGemokrat. Dies« Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags, Donnerstag« und Sonnabends Abends. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hosstetten und I B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Atzoonement?-Preis sfir Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich b Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.? bei den stönigl. preußischen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nicktpreußischen Deutschland Istt/z Sgr., im übrigen Deutschland 2V Sgr.(st. 1. 10. slldd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Ärbeiter-Ailnoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annonce» mit 3 sgr. berechnet. Agentur für England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: lAr. Lonäer, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Sqnare W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rne Brnlee; Paris, 2. Conr du Commerce Saint-AndnS-des-Arts. politischer Theil. Rundschau. Berlin, 23. October. iliach eiiiem Ministerial-Rescript an die betref- senden Behörden von Breslau sollen die Borde- reiilinge» zu den Parlamentöwahlen für die Staa- len des nördlichen Deutschlands möglichst schnell getroffen werden. Der Beginn der Parlaments- Verhandlungen wird für den Marz oder nicht vor dem März nächsten Jahres erwartet. Der Ort der ParlamentSverhandlungen wird Berlin fein und für die Beralhungen ist der Sitzungssaal des Ab- geordneten- oder Herrenhauses in Aussicht genom- nie».— Der Friede mit Sachsen ist nach dem „DreSd. Journ." am 21. Oktober i» Dresden unterzeichnet worden. Die Berhandlungen sind in so tiefes Geheimniß gehüllt geblieben, daß»och am 18. Oktober die sächsische Landeskommission die Ber- sicherung nach Leipzig gelangen ließ, daß der König � von Sachsen noch nicht einmal die preußischen Friedensbedingungen genauer kenne. Bemerkens- wertste Andeutungen giebt die ,,Zeidl. Corr.": „Bei den militärischen Bestimmungen des FriedenSver-! träges mit Sachsen handelt es sich nicht um eine perma- � m e n i e Besetzung einzelner Positionen de« Königreiches mit preußischen Truppen, sondern um provisorische Anordnungen dieser Art, deren Dauer von dem Zeit räume abhängt, welcher für die Reorganisation der könig- lidi sächsischen Armee erforderlich sein wird. E« versteh! sich von selbst, daß während des in letzterer Hinsichl eintretenden Uebergangs-Stadiums preußische Truppen- theile im Königreiche anwesend bleiben müssen; es ist aber auch einleuchtend, daß diese Okkupation nach Be- j seitignng des KriegS-Zustandes den sächsischen Gemeinden keine finanzielle Last bereiten wird. Die preußische Re- gierung hat in den Verhandlungen mit dem Könige Johann alles vermieden, was al« ein Bestreben, dem be- siegten deutschen Fürsten eine Demüthignng ziiznsügen, hätte ausgelegt werden können. Sobald sich daher der König von Sachsen überzeugte, daß die Bedingungen, die man ihm antrug, rein und allein im Interesse deut scher Gesammt- Sicherheit svrmulirt waren, daß man nicht so sehr an sein Gefühl der Niederlage, als an seinen deutschen Patriotismus und an seine Verpflichtung sür da« Wohl de« sächsischen Volke« appellirte, so mußten seine Bedenken schwinden und das Friedenswerk rasche Fortschritte machen. Es ist alle Aussicht vorhanden, daß inmitten der Theilnahme Sachsen« an den Schnisalen und Arbeiten des regenerirten Norddeutschlands alle miß- licken Erinnerungen, die sich noch bei einzelnen Klaffen der sächsischen Bevölkerung an den Krieg knüpfe» möch- len, verschwinden werden. Je mehr diese Hoffnung sidi verwirklicht, desto mehr wird man dem Königreiche alle diesenigen Bestimmungen, die wie eine mißtrauische! Fessel aussehen würden, erlassen können. Es ist nicht die Sache Preußen«, in dem von ihm geschaffenen Ztaateu-Komplexe durch Erregung bitterer Empfindungen und sstebenbuhlerschasten die heilsame Wirksamkeit dxr gemeinsamen Institutionen zu beeinträchtigen. Das frei- sinnige, arbeitsame, einsichtige sächsische Volk wird volle � Gelegenbeil behalten, seine Eigenschaften znni Vortheile des Ganzen zu entwickeln, und die Zeit ist nicht mehr fern, wo e« einseben wird, daß die schwere Krisis, welche es nunmehr bestanden hat, zu seinem Besten au«ge- schlagen." Diese milde Sprache läßt wenigstens auf eine gewisse Nachgiebigkeit und erhebliche Zugeständnisse an die Selbstständigkeit des Königs von Sachsen schließen.— In einer Volks- Versammlung in Dresden ist der Beschluß gefaßt, bei der Landes- kommission Protest gegen de» Zusammentritt des ständischen Landtages zu erheben, da die wieder- hergestellten Stände weder rechtlich»och sachlich Vertreter des Volkes seien, und im Anschluß daran soll eine Petition zu einer verfassungsmäßigen Volks- Vertretung eingereicht werden.— Der Großherzog von Oldenburg soll süx seinen Verzicht auf die Erbansprüche in SchleSwig-Holstein außer einem Gebietszuwachse zur Abrundung des oldcnburgischen Gebietes noch eine Baarsumme von einer Million Thalern erhalten.— In der b a d i s ch e n Abgeord- netenkammer ist neben der Zustimmung zum Waffen- stillstands- und Friedensverträge beantragt wor- den, die Kammer wolle zu Protokoll erklären, die Regierung möge: 1) den Eintritt der süddeutschen Staaten, insbesondere Baden«, in die Verbindung der norddeutschen Staaten zur möglichen Wiederherstellung eines G e s a m m l d c u I s ch- land« mit aller Entschiedenheit erstreben; 2) bei diesen Bestrebungen danach trachten, daß bei der Gestaltung des buudesstaatlichen Verbältniffes nicht nur die hiermit ver- trägliche Selbstständigkeit der Einzelstaaten in ihren inneren verfassungsmäßigen Zuständen erhalten, sondern da- sür auch eine gewisse Gewähr durch die Bundesverfassung erlangt werde; 3) bis zur Erreichung des bezeichneten Zieles jede irgend mögliche Annäherung Baden« an Preußen und den norddeutschen Bund sowohl aus voll«- wirthschaftlichen Gebieten, al« durch vertragsmäßige Sicherung des Zusammengehens für den Fall eine« Krieges un� Verabredung dem entsprechender militärischer Einrichtungen zu erreichen suchen. Der Nürnberger Arbeiter- Berein hat eine Eingabe an die Kammer der Abgeordneten zu rich- ten beschlossen, des Inhaltes, daß bei den Wahlen zum Landtage, sowie in den Gemeinden daS allgc- meine Wahlrecht mit geheimer Abstimniung einge- führt werde. In einer gleichzeitig beschlossenen Eingabe an den Svzialgesetzgebungs-Ausschuß wird die Bitte gestellt, darauf zu ballen, daß neben voller Gewerbefreiheit, freiem AnsässigmachungS- und Nie- derlassungSrecht, vollständiger Freizügigkeit auch die volle Freiheit zur Association der Arbeiter unter sich zur Besprechung ihrer Angelegenheiten und ihre Tbeilnahme am Staats- und Gemeindeliben, sowie das communale allgemeine Stimmrecht den Kern und Inhalt der künftigen socialen Gesetze bilden. Dieselbe Eingabe stellt endlich die Bitte, der cilirte Ausschuß möge königl. StaatSregierung veranlassen, die eingebrachten Gesetzentwürfe sofort durch den Druck zu vervielfältigen, um dem Lande, nament- lich de» zunächst Betheiligten Gelegenheit zu geben, ihre Ansichten noch zur rechten Zeit und am rechten Orte zur Vorlage bringen zu können.— Der Re- dakteur des„Volksboten", welcher des Vergehens der AmtSehrenbeleidigung gegen den Generalstabs- dies der bayrischen Armee, Freiherrn v. d. Tann, den er der Unfähigkeit bezichtigt hatte, angeklagt war, ist von den Geschworenen in München frei- gesprochen worden, da die Verhandlung so viele Punkte, die zu Gunsten des Angeklagten sprechen, ergaben, daß die Geschworenen keinen Augenblick an ihrem Wahrsprucke zweifeln konnte. Da die Spitze de« angeschuldigten Artikels hauptsächlich gegen den OberbefehlSbaber Prinz Karl gerichtet war, so bringt man die Nachricht, daß Prinz Karl nicht nur seine Chargen in der bayerischen Armee niederlegen, sondern auch von seinen Stellungen als Ehrenchef der ihm verliehenen österreichischen, preußischen und russischen Regimenter zurücktreten wird, mit jenem Urtheilsspruche in Verbindung.— Der Kaiser von Oesterreich soll in Brünn ver- sichert haben,„er werde mit aller Energie das Werk des Verfassungsausgleiches in die Hand neh- nien." Die Kunde hört man gern, allein— es fehlt der Glaube. Die ungarischen Blätter lassen sich unterdeß sehr mißvergnügt über die Verzögerung der Einberufung des ungarischen Landtages ans. Die Cholera, welche als Grund der Verzögerung angegeben wird, ist in Ofen und Pest fast erloschen. Sodann wird aus Wien berichtet, daß die Ver- Handlungen Preußens mit deni Erbprinzen von Augustenburg wegen Verzichts auf seine Ansprüche gegen Entschädigung im vollen Zuge seien. Aus Frankreich meldet der Lyoner„Progres", daß die elf Abgesandten der Lyoner Seidenarbeiier bei ihrer Zusammenkunft mit dem Rhone- Präfecten folgende Forderungen gestellt haben: 1) Die Eröffnung von Werkstätten, welche dazu be- stimmt wären, die ohne Arbeit und Unterhalt sich be- findenden Weber zu beschästigen. 2) Eine Untersuchung anstellen zu lasten über die Ursachen de« allgemeinen Miß« geschicks, welches die Weberei in Lyon heimsucht. 3) Zu untersuchen, welche Ausdehnung der Schaden hat, welchen die Weberei auf dem Lande verursacht. 4) Aushebung des Octrois, dessen beständige Zunahme dem Arbeiter von Lyon Lasten anferlegt, die über seine Kräfte gehen und ihm nicht gestatten, gegen die Landarbeiter auszu- kommen. 5) Annahme de« neuen Gesetzes über die Ge« sellschasten, sobald die legislative Session eröffnet wird. Der Lyoner„ProgreS" giebt zu verstehen, daß die Ullramontanen bei der dortigen Arbeiterbewegung die Hand im Spiele haben. Siehe darüber unseren P->vis-r Special-Correspondentcn. Die Volksabstimmung in Venetien über die Einverleibung in das Königreich in Italien ist am 21. October unter der größten Begeisterung voll- zogen worden. Fast die gesammle wahlfähige Be- völkerung in den Städten und ans dem Lande hat mit„Ja" gestimmt.— Das künftige Schicksal des Pabstes nach dem Abzüge der französischen Trup- pen beschäftigt die Journale aller Länder auf da« Lebhafteste. Die Nachrichten über sein Verbleiben, wie sein Verlassen Roms nach dem Abzüge halten l sich mit gleicher Sicherheit die Wage. Wir können sie uns deshalb vorläufig ersparen. In Spanien geht ein finsterer Geist»ni. Alles sühlt sich wie befangen von der Schwüle vor einem Gewitter. Die öffentliche Presse ist todt, eine Reihe liberaler Blätter ist unterdrückt, das Erziehungs- Wesen durch königliches Decrct in die Hand von Reactionären und Günstlingen gegeben. Nach direkten �Nachrichten der„Presse" aus Kandia wäre der dortige Aufstand so gut wie unterdrückt und alle Nachrichten von griechischen Siegen Schwindel. Wir zweifeln daran. Nach Depeschen aus Amerika haben die Ra- dikalen bei den Congrestwahlen auch in Nowa, Ohio und Indiana gesiegt. Johnson, heißt eS, wird jetzt versuchen, seine Stellung durch eine Unter- nehniung nach außen zu retten. Die Vorbilder, welche ihm vom alten Wclttheile hierfür geboten werden, sind verlockend genug.— Der österreichische Kciegsdampfer„Elisabeth" ist nach Mexiko abge- gangen, wahrscheinlich, um den Kaiser Maximilian nach Europa zu bringe». Ausland. II. Paris, 21. Octbr.[letzte Zuckungen der dahinscheidenden römischen Hierarchie. Die Lyoner Arbeiter-! Beim Herannahen der Verfallzeit der zeitlichen Macht des Papstes bietet die in den letzten Zügen liegende römische Hierarchie noch ein Mal die heilige Miliz, das ganze Corps der Jesuiten auf, um der Welt ihren Untergang zu prophezeihen, wenn sie sich nicht in der letzten Stunde nock zum Bessern bekehrt. Während der bekannte Erzbischof von Orleans Bourgeoisie und Regierung durch mehr oder weniger falsche und übertriebene Berichte über den Studentencongreß in Lüttich und Arbeitercongreß in Genf, deren an» gebliche Doctrin er in seinem Hirtenbrief citirt, abzuschrecken sucht, zettelt die klerikale Partei in Lyon eine Arbeiteremeute an, verschießt sie in Si- cilien ihr letztes Pulver, bemächtigt sie sich der Gewalt in Spanien, und hofft sie noch immer, durch eine andere spanische Betschwester auch in Frankreich ihren Einfluß wieder zu gewinnen. Aber wie schwer es auch sonst noch sein mag, de» Schleier der Zukunft zu lüften, welchen wir in Folge der jüngsten großen Ereignisse entgegen gehen. Ei» Resultat wenigstens hat sicher die Scklacht von Königgrätz erzielt: Italien wird nicht mehr vor der imaginären Citadelle des Papstthunts stehen bleiben. nachdem seine Fahnen auf dem FestungSviercck wehen, und Frankreich bedarf heute viel zu sehr Iber italienischen Allianz, um sich wegen der römi- schen Frage mit Italien zn überwerfen. War für ' Deutschland die große Niederlage Oesterreichs der erste Grundstein, so war sie für Italien der letzte Schlußstein in dem Gebäude der nationalen Ein- beit und Freiheit. Diesem vollendeten Bau gegen- über zerplatzen wie Seifenblasen alle Geschosse, die noch Seitens der klerikale» und sonstigen reaktiv- nären Parteien auf daS moderne Italien gerichtet werden können. In der That ist der Hirtenbrief Dupanloups an dem Spotte der Liberalen und an dem Hohne der Radikalen abgeprallt. Die wirk- liche Vojkspartei aber, ich meine die der Arbeiter, ignorirt vollständig den Streit um des Papste?, wie den um des Kaisers willen, da sie mit dem Aufbau einer neuen Gesellschaft beschäftigt ist, in welcher für diese mittelalterlicken Mächte kein Raum mehr vorhanden ist. Welche Fortschritte in dieser unserer eigenen Partei geniackt worden sind, geht an deutlichsten aus dem Umstände hervor, daß sie ihre Ziele, die früher mehr oder weniger versteckt verfolgt wurden, jetzt am hellen Lickte vor aller Welt Augen zur Schau stellt, und sich auch selbst ihrer viel klarer bewußt ist. Was sind die Re- formbewegung in England, die Agitation des All- gemeinen deutsche» Arbeiter- Vereins und die in Frankreich von Tag zu Tag sich mehr ausbreiten- ! den und vereinigenden Productiv- Associationen, was sind sie anders, als die zn neuem, höherem Leben und praktischem Wirken wieder erwachten ehemaligen vereinzelten Bewegungen der Chartisten, Socialtsten und Communisten?— Woher kommt es, daß die vorurtheilsfreieu Männer aus der Bourgeoisie selbst, die sonst eine so große Angst vor die Partei hatten, heute sich denselben anzu- schließen beginnen?— Daher, weil auf allen Seiten die Einsicht in die reale Lage der Dinge zugenom- men, weil das, was früher als Gespenst erschien, schon Fleisch und Blut angenommen hat und man, statt Furcht vor dem Unbekannten zu hegen, schon mitten auf dem Wege sich befindet, der zur voll- ständigen Umgestaltung der Feudal- und Ltapital- Herrschaft in die Herrschaft der Arbeit führt. Ich habe oben des Versuches der klerikalen Partei er- wähnt, in Lyon eine Hungereineute anzuzetteln. Die Arbeiter sind aber nickt in die Falle gegangen; sie haben vielmehr der Behörde eine Denkschrift eingereicht, in welcher sie, zur momentanen Abhülfe ihres gräßlichen Elends, die Errichtung von Werkstätten durch den Staat verlangen. Dann wün- schen sie, daß eine Untersuchung über die Ursachen I der jetzigen Brodlosigkeit angestellt werde. Sie weisen mit Recht darauf hin, daß die städtischen Arbeiter bei dem hohen Octroi, weiche die Lebensmittel in der Stadt verthcuert, nickt mit dem land- liche» Seibenweber konkurriren können. Diese Stadt- zölle treffen sie erst seitdem die Arbeiterquartiere Croix-Reusse, Vatse und Guillctiere mit der Stadt verbunden wurden, was bekanntlich unter dem Em- pire geschehen ist. Vereins-Theil. -U- Berlin, 23. Oct.(Social-demokratischer Arb.-Berein. Oesseutliche Bersammlnng.) Die • gestrige Bersimnilung, in welcher auch viele Gäste gegnerischer Richtung anwesend waren, bot ein sehr bewegtes Bild, wenigsten« im zweiten Tbeilc ihres Verlans«. Bor der Pause verlas der Vorsitzende den größten Theil einer Broschilre, welche der Feder eines bewährten und in den Kreisen der social-demokratischen Partei hochverehrten Borkämpfers des Sociatismns entstammt: uemlich den Vertrag„Rechte der Arbeit" von M. Heß, derzeit in Paris. Die Versammlung folgte dem Inhalt der Broschilre mit großer Ausmertamkeit und nahm dieselbe mit dem ihr gebührenden Beifall ans.— Nach Beendi- gttng der Vorlesung Pause.— sttach der Pause fragt der Vorsitzende, ob Inter- pellationeu in-Betreff der Vorträge in Arnim« Hotel beabsichtigt würden. In Folge dieser An- frage wird folgende Interpellation an den Vortragenden gestellt: Derselbe habe gesagt, der ZittS müsse abgeschafft werden; wa« nun ein Arbeiter machen solle, der seine Ersparnisse zurückgelegt habe, um im Alter vom ZinS derselben zu leben? t Heiterkeit.) Der Vortragende beantwortet dies etwa so: Zunächst sei ihm ein Arbeiter, der in seinem Alter von den Zinsen seiner Ersparnisse als kleiner Rentier lebe, eine Erscheinung, an deren Existenz er zweifeln müsse.(Rufe: Jawohl!) Wenn in den Vorträgen von Abschaffung des Zinses die Rede gewesen sei, so möge man nicht vergessen, daß dieß für einen zukünftigen Ge- sellschaftszustand, nicht für die heutige Gesellschaft,>a ! nicht einmal für da« UebergangSstadium gemeint fei. Wenn man sich aber einen Augenblick in die zukünftige Gesellschaft, wie sie die socialistische Richtung sich denke, hineinversetzen wolle, so gestalte sich die Sache so: ein Jeder erhält voll die Früchte seiner Arbeit und kann be- tiebig dieselben ausgeben oder sparen; im letzteren Falle behält er diese Werihe jederzeit zur Verfügung. Ich möchte doch wisse»— fährt Redner fort— ob nicht heut schon die Arbeiter ihre Ersparnisse nur darum machen, weil sie sllr etwaige Unglücksfälle. Krankheit, Arbeitslosigkeit ' 11. f. w. einen Rückhalt haben wollen, nicht aber ttm der Zinsen willen. Aber die Hauptiache liegt in Folgendem: die Altersschwachen müssen wie die Arbeitsunfähigen Über- banpt vom Staate ernährt werben; nicht auf dem Wege ! des Almosen», sondern weil sie ein Recht darauf haben. Wer sein Leben hindurch fortwährend durch Arbeit seine Schuldigkeit gegen die Gesellschaft gethan hat, der hat, Feuilleton. T. Populäre Beleuchtung der jetzigen Groß-Jndustrie und der künftigen Produrtiv-Assoeiationen. (Fortsetzung.) Da« Schleifen der Nadeln geschieht auf Sandsteiiien. Die atomleichten Theilchen de« Schlcisstaube«(Sandstein- und Eisen- Thcile) verbinden sich zn einer penetranten, sei-ipulverisirten Substanz, welche, sobald sie mit Nässe in Berührung lommt, einen uuanslöslichen Kitt bildet, der Alle« anfrißt und zerstört, worauf er sich festsetzt, selbst CrystallglaS und hartpolirten Stahl nicht ausgenommen. Von diesen äußerst feinen, chemisch vereinig- ten Staubtheilchen, mit welchen die Lust der Schleife- reien geschwängert ist, genügt die geringste tägliche Dosi« zur Erzeugung der sogenannten Schleiserkrankheit, zur Zerstörung von Gesundheit und Leben des Arbeiters, der sich im Bewußtsein eines unabwendbaren frühzeitigen Tode» und in dem Wahne, dadurch die Wirkung des Giftes vermindern zu können, in der Regel dem Laster der Trunksucht ergiebt. Die Staat«-Regierungen, namentlich die preußische und bayerische, haben zur Abwendung der mit der Nadel- schleiserei verbundeneu Gefahren verschiedene Palliativ- mittel vorgeschrieben, z. B. nasse Schwämme, welche die Schleifer vor Mund und Nase hingen, künstliche Schleifsteine an Stelle der Sandsteine, da« Pen- gcrt'sche VeniilationSsystem in Verbinduug mit den Pastor'schen Schutzkappen, welche auch in England (Redditch) Anwenduitg finden; allein sämmtlichc Mitlel erwiesen sich als ungenügend, weshalb der in Berlin domicilirte„Verein zur Beförderung de« GewcrdefleißeS in Preußen" sich veranlaßt fand, eine Prämie von llXX) Thlr. auf die Erfindung einer neuen Schleisart auszusetzen, welche alle Gefahren beseitige, gleichwohl aber in Qualität und Quantität hinter den Leistungen der bisherigen Schleismethode nicht zurückbleibe. Dem Mechaniker und Nadelfabrikanteu Herrn Franz Joseph Gras in Haaren bei Aachen, einem um die Nadelfabrikation hochverdienten Manne, war es nach langjährigen Versuchen unter Ansopferung eines nicht unbedentenden Vermögen« gelungen, eine Nadelspitz Maschine herzustellen, bei welcher statt der Sandsteine geschärfte« Gnßstahlblech daS Spitzen(Schleifen) der Nadeln besorgt, so daß durch den Wegfall der Sandsteine alle Gefahr, mit der Ursache deren Wirkung beseitigt wurde. Die von der preußischen Regierung pateutirte Maschine entsprach allen Anforderuiigeit voll- ständig, indem sie die Nadelspitzen zu einem erheblich niedrigeren Preise in sv ansgezeichneter Qualität und in so großer Quantität herstellte, wie e» bei dem srühern System ntüit möglich war.— Herr Gras trat mit dem preußischen Handels-Mitiisterinm wegen Ankanss seiner Erfindung in Unterhandlung und das Ministerium mit den Radelsabrikanteu Preußen« wegen Uebernahtne der Hälfte de« von Herrn Gras geforderte» Kaufpreises. Die Herren Fabrikanten lehnten das m> n i st c- rielle Ansinnen einfach ad, worauf da« preußische HaudelS-Ministerinm den, Herrn Gras eröffnete, daß e« auf einen Ankauf der Erfindung nicht eingehen könne und Herrn Graf überlassen müsse, sich mit den Fabri- kanten wegen Einsührung seiner Maschine zu verständigen.— Jawohl! Der Ankauf der Maschine erforderte Geld, wogegen die unglücklichen Schleifer sich massenhaft ohne Kaufpreis finden lassen.— Inzwischen hatte der Eommerzienratb Herr Schlei- cher in Schönthal bei Aachen ein Patent ans einen Schleisapparal empfangen, welcher in Beziehung auf die Quantität die Graf'sche Spitzmaschine stbertrisst, dagegen int Vergleich mit der altern Schleifmethode die Sterb- lichketi der Arbeiter bedeutend vermehrt, weil auch bei > dem Schleicker'schen Apparat Sandsteine das Schleife» verrichten und neben der größern Menge Spitzen eine im gleichen Vcrhällniß größere Masse lödtlichen Schleis- staube« erzeugen. Die Gesetzgebung aller civilisirten Völker schützt Ge- ■ sundbeit und Leben der Staalsaitgehörigeit durch strenge Bestrafung absichtlicher oder fahrlässiger Körperverletzung, durch Belohnung sllr Reitling ans Gefahr und durch unzählige Vorschriften und Sicherheit«- und Sanität«- Polizei; im Fabrikwesen durch Anstellung besonderer In- ipeclvren, durch Verbot resp. Regelung der Beschäftigung ! jugendlicher Arbeiter, durch Einführung von Kranken- itnd Jtivaliden-UnterstützungS-Kassen mit zwangSmäßizer i BeitragSpflicht der Arbeiter und Arbeitgeber u. f. w.;— . sobald es sich aber— daS beweist nnler vielen andern Fällen der Grasssche unwiderleglich— darum bandelt, die Massensabrtkatio» zum Nachiheile der Groß- Industrie unbedeutend zu beschränken, um amt- ltch constatirte Gefahren sllr Gesundheil und Leben einer zahlreichen Arbeiierklasse radikal zu beseitigen, dann ist die„Gesetzgebung" ohnmächtig, weil---— Nun, ich erinnere daran, daß Lassalle der denlschen 1 Arbeiterschast das allgemeine gleiche und dtrecte Wahlrecht nicht ohne Grund al« das nächste politische Ziel bezeichnet Hai.— Zur zwangsweisen Einsührung der Gras'schen Nadelspitz Maschine fanden sich die betressenden denlschen l Regiernngen denn auch eben so wenig„veranlaßt," wie > der Berliner„Verein zur Beförderimg des Gewerbfleißes ! sllr Preußen" zur Ptämiirnng derselbe». Seitdem fabri- zirlen die Nadelfabrikanlen und starben die Schleifer im hvchcultivirteii Denischland— ruhig weiter. Und der palentirte geniale Erfinder?— Der damalige Minister-Prästdent, Fürst von Hohen- sobald et durch AlletSschwäche arbeilsunsäbig geworden ist,'in Recht daraus, von ver Gesellschaft unterhalten zu werde». Es ist also im Staat der Zukunft, wie er er> strebt wird, durchaus nicht nöthig, daß ein Arbeiter „Zinsen" von Ersparnisse» beziehe. In Anknllpsnng hieran entspinnt sich in der Ver- sammlung ein sehr lebhafte Debatte, in welcher von Seiten der Arbeiter mehrfach hervorgehoben wird, daß, wenn ei» Arbeiter spare, die« aeschehe, um einen Roth- Pfennig zu habe», nicht aber um de« Zinse« willen, der bei den Sumnien, die ein Arbeiter ersparen könne, immer sehr unbedeutend seine müsse. Herr Richter(Mitglied de« Schulze'schen Berliner Arbeiter-Vereins): Herr v. Schweitzer hat uns in seinen Vortragen klar gemacht, was Kapital ist. Nach meiner Meinung ist aber meine Kleidung und Wirthschasl auch Kapital. Ich bin, außer wenn ich ganz nackt und bloß dastehe, immer Kapitalist; insoweit stehe ich niit den Millionären auf gleicher Stufe.(Große Heiterkeit.) Von anderer Seile wird hervorgehoben, die Frage sei nur: Spart der Arbeiter hauptsächlich, um von den, Ersparten Zinsen zu beziehen, oder spart er hauptsächlich darum, um in Fällen der Arbeitslosigkeit. Krankheit ic. einen Rückhalt zu haben? Herr Kaper: Von Sparen kann seht bei dem Ar- beiter überhaup! gar nicht die Rede sein; selbst vor drei- ßig Jahren, wo es noch eher möglich gewesen wäre, hatte der Professionist eben mir soviel zurückgelegt, um in plötzlichen Uuglückssälle» einen Nothpfennig zu haben. Dieser Handwerkerstand ist aber jetzt ganz verschwunden, es exislirt nur»och ein A r bei! er stand, der so belohnt wird, daß er nicht spare» kann. Rur einige wenige in den Fabriken bekommen mehr, da» sind nämlich Dieje- nigen. die die Pfeife haben, nach welcher die Ande- ren tanzen müssen. Wurden dieselben aber gewahr wer- den, daß einer ihrer Arbeiter eiu Wort redet, wobl gar hier im Verein, so würde er wahrscheinlich aus der Fabrik hinausgeworfen. � Früher schätzte man noch die Kennt- nisse des Handwerksmeisters, heule ist er lediglich zu einem Arbeiter herabgesunken. Herr Metz» er: Wenn der Arbeiter sich jetzt genö- thigt sieht zu sparen, etwa»m einen eigenen Herd zu gründen, oder, nachdem ihm dies gelungen, Illr allerlei bereits bezeichnete Unglllckösälle einen Hinterhalt zu haben, so kann er dies nur bewerkstellige» dadurch, daß er sich da« Ersparte von seinem Lebensunterhalte abdarbt. Wegen der Zinse» spart kein Arbeiter. Herr Richter: Zwischen jetzt und vor dreißig Iah- reu ist ein gewaltiger Uuterschted. Der heutige Arbeiter ist dem von vor dreißig Jahren um hundert Jahre vor- ans. Damals ging mau in der schlechtesteu Kleidung, heute hat Jeder einen guten Rock. Heute sind wir mcht zufrieden, dies ist auch ein Vortheil, und haben, wenn auch nur beschränkte, Preßsretheil und VersammlungS- recht, was man damals nicht kannte. Herr Preuße- Wenn Herr Richter gewußt hätte, was Kapital ist, so würde er seinen Rock und seine Wirihsibaslssacheu nicht zum Kapital gerechnet haben, denn diese sind Vedllrfnißgegenstände, nicht Kapital. Herr v. Schweitzer bat uns auseinander gesetzt, wie die heuiigeit Kapitalbesitzer im» Kapital gekommen sind. Unter Kapital versteht mau Herne da« arbeitende, erwerbende Vermögen, nicht den Rock und die Kaffeekanne. Heute heißt es-„Arbeiter, komm her und arbeite für mich, soviel wie ich denke, werde ich Dir von dem Ertrage Deiner Arbeit geben, da» Uebrige ist mein." Das ist Kapital!— Freilich war es früher anders; die Arbeiter trugen keinen guten Rock und keine goldene llhrkette, aber sie lebten besser. Der Gesell aß beim Meister, so daß er, selbst wenn er de« Sonntags seine» ganzen Lohn ausgab, doch in der Woche nicht zu darben brauchte, und vor einem guten Gesellen hatte man da- mals Achtung.— Die Arbeit hat noch niemals Kapital gebracht, aber die Speculation und eine gewisse Por- tion Gewissenlosigkeit! Und wenn der Arbeiter heute auch zehn Thaler per Woche verdient, so seien auch die Preise derart gestiegen, daß er die zehn Thaler vollständig gebrauche, denn er wolle dann nicht nur leben, sondern auch das Leben genießen. Wa« heißt leben? Im Arrest lebt man von Wasser und Brot und stirbt nicht dabei; aber was der Arbeiter heute außen an sei- nem Leibe thui, das muß er innerlich entbehren. Von anderer Seite wird hervorgehoben, es sei aller- dings als ein Vo. theil zu betrachten, daß sich die Ar- beiter heute um Politik kümmern und daß man jetzt Vereinsrecht habe, was vor 30 Jahren nicht der Fall i gewesen sei; aber darum handele es sich hier nicht. Es frage sich, ob der Arbeiter vor 30 Jahren materiell besser gestanden habe. Herr Schilling. Vor zwei Jahren bewiesen die Buchdrnckergehülsen in einer von ihnen herausgegebenen Brochüre, daß die allernöthigsten Ausgaben einer Familie von Mann, Frau und drei Kindern sich durchschnittlich aus Thaler pro Woche belaufen; da der Arbeiter aber nur 5 Thaler verdient, kann sich wohl ein Jeder sagen, daß von Sparen keine Rede sein kann. Im Gegeniheil- die Wohnung wird voll Scklafleute gelegt die Familie muß in der Küche wohnen, und so wird der Familienfiiede» und das Familieulebe» gestört, und wenn die Miethzeit da ist, trägt der Mann sein wenige« in'« Psandha»«, wenn er überhaupr noch etwa« zu versetzen hat. Sobald wir nicht eine bessere Gesetzgebung für den Arbeiter haben, heißen auch Geweibesreiheil und Freizügigkeit nur soviel al«: Gehe hin und verhungere, wo Du Lust hast.—(Bravo.) Herr Metzner. Der Arbeiter vor dreißig Jahren leble vor Allein gut, der heulige lebt schlecht und sagt: In den Magen sieht mir Niemand! um sich nur einen ordentlichen Rock anschaffen zu können. Heute denkt er mehr an sein politische« Recht und dariitn detbeiligt er sich an Politik. Der Arbeiter hat heute nur mehr er- lannt, wa« ihm fehlt, besser aber geht'S ihni gar nicht, und ein Verbrechen ist es, wenn mau die Roth der Ar- beiter wegleugnet oder beschönigt und ein doppeltes Ver- brechen ist es, wenn dies von einem Arbeiter geschieht. (Beifall. Lärm.) Herr Richter. Vor dreißig Jahren war der Ar- beiler nur ein Selave, ein Thier, das ma» an die Krippe stellte.(Lebhafter Widerspruch— Rufe: Nicht mehr al« heute!)--- Wir pelitioniren jetzt, Sie aber nicht, wir wollen nicht auf den„Staat der Zukunft" warten. Man muß die kleine tactfeste Majorität in der Kammer unterstützen, das haben wir uns zur Ausgabe gemacht und da« wäre auch die Ihrige. Herr Schilling. Mchtfrllher, heute ist der Arbeiter ein Selave unter der Herrschaft des Kapital» mit seinen Maschinen.— Auffallend ist es, daß der Berliner Arbeiter- . Verein sich mit seiner Diätenpetilivn diesmal an Johann Jaeoby itnd nicht an seinen Vater Schulze aus Delitzsch wandte. E« scheint, als ob er Ihnen selbst nicht mehr s genügt! Herr Richter. Die Petition wurde außer Johann Jacobh auch �Schulze- Delitzsch und Dr. Waldeck zugt' stellt. Unser Schulze bleibt immer unser Schulze(Heiter- keil) e« ist ja nicht nöthig, daß er auch Ihr Schulze sei- (Große Heiterkeit.) g Herr M e tz n e r. Was da«„unser Schulze" betrifft, so sollten die Arbeiter doch nicht eine Puppe verehren, wer es auch sei, sondern sich mit ihre» Interesse» be- schäftigen und ihre Lage zu bessern suchen. Petitioniren heißt ans Deutsch einfach„betteln".(Sehr richtig!) Und haben wir uns gegenseitig verstanden, so brauchen wir nicht zu betteln. Der Vorsitzende: E« handelt sich zunächst darum, jestzustellen, ob der Arbeiter vor dreißig Jahren besser gelebt hat. als heute. Herr Schumann. Selbst der Magistrat giebt jetzt für ein Pflegekind monatlich 3 Tblr., während er früher nur 2 Thlr. gab, denn er hat erkannt, daß es beute nicht mehr möglich ist. ein Kind so billig z» ernähren, wie früher. Wir müssen es aber doch ernähren znm alten Preis, da wir nicht mehr Lohn bekomine». Herr Roller. Vor dreißig Jahren war der Arbeits- lohn fast eben so hoch, wie heute, aber die Lebensmittel waren nur halb so theuer, folglich stand der Arbeiter besser da als heut. Früher war bei den Gesellen der „blaue Montag" an der Tagesordnung, ja oft arbeiteten sie die halbe Woche nicht und hatten doch keine Roth, — heule wird es Niemand einfallen, auch nur einen halben Tag von der Arbeit wegzuhleiben. Früher hatten die einzelnen Gewerke große Feste unter sich, wie z. B- die Tuchmacher da« Moiteiifest, die Raschmacher das pompöse Fliegenfest:c., alle« da« ist untergegangen, weil heut Keiner mehr Geld hat, dergleichen mitzumachen.— Herr Richter. Damals eptstirte» gar keine verhei- rathelen Gesellen, die verheiralhet waren, nannte man „Sackreißer". Der Lohn war nicht so glänzend; in meinem Geschäft war nicht mehr zu verdienen, als 1 Thlr. pro Woche und freie Beköstigung und frei Schlafen. Herr Schilling: Die Sterblichkeit war früher unter den Arbeitern nicht so groß wie heute. In der Klasse der Buchdrucker sterbe» jetzt von 160 Perjonen 120 an der Schwindsuchtl Es liegt dies an der Ausnutzung des Arbeiter« durch das Kapital; es ist die« da« das weiße Sklaven Ihum!— Es ist unsre(Aufgabe, Zustände herbeizuführen, in denen der Mensch wieder al« Mensch leben kann, und darum haben wir uns auch wohl Hin Politik zu kümmern, damit wir möglichst bald ordent- lich bei der Gesetzgebung mit vertreten sind. Herr Schumann: Hr. Richter erwähnte vorhin, daß früher de« Morgens der Meister kam und die Ge- seilen weckte; nun, heute weckt ihn Keiner, aber man macht ihm die Thür der Fabrik vor der Nase z», wenn er fünf Minuten zu spät eintreffe, und er bekommt Geld für>/4 Tag abgezogen, während früher etwas der« � artige« nicht vorkommen konnte. zoll er» hatte nach sorgfältiger Prüfung der Erfindung gegen ihn geäußert: „Ich bade mich überzeugt, daß Ihr Werl eine anßerordenttiche Erfindnug ist, und ich mache Ihnen da« Evmpliment, daß Sie sich um de» Staat und die 'Menschheit verdient gemacht haben, wofür Ihnen An- erkennung.gebührt." Und jetzt? Wenn Gram, Kummer und Roth den alten Mann noch rnchi dahingerafft haben, dann möge er aus dem harten Lager seiner„industiieUen Lorbeer»" sich trösten lim dem Schicksale mancher Ungtücksgefährten. Unsere Damenwelt aber wird beim Gebrauch einer Nadel auch ferner dem unheimlichen Gedanken Raum gebe» müssen, daß an deren Spitze ein Theil eines Menschenlebens Hebt. 4. Die Rücksicht auf den mir zu Gebote stehenden Raum gestattet es nicht, aus der Menge, Gesundheit und Leben der Arb-jtei getäbidenoer industrieller Unternehmungen, welche in Folge unbeschränkier Cvncurrenz des Kapitals fortwährend wie giftige Pilze aus der Erde wachsen, noch mehrere bervorziiheben. Andernfalls müßte auch meine schlichte Abhandlung zu einem Riesenwerke anwachsen, in welchem aus jedem Blatte ein dein Main- mon geopfertes Menschenleben verzeichnet wäre. — Die Bemerkung sei mir noch erlaubt, daß die Her- stelliiiig einer einzigen Farbe— Earmoisin— jährlich einer nicht liubedeuiende» Anzahl von Arbeitern das Leben kostet. Uebrige»« genügt zu nieinem Zwecke die obige Aus- Wahl. �6) Die»»würdige Behandlung der Arbeiter durch Arbeitgeber und Meister ist iin„Soeial-Demokrat" mehrfach Gegenstand der Besprechung gewesen. Prin- cipiell ist dieselbe insofern von Bedeulriug, weil sie de- weist, daß man die Arbeiter nur als Sache, lebendige Maschinen oder Waare betrachtet; weil serner die un- würdige Behandlung ein Ausfluß der„strengen Subordination" ist, welche der National-Oekonom W. Roscher als eine unerläßliche Bedingung für das Ausblühen der Fabriken bezeichnet. Selbst größere Aciien- Gesellschaften befolgen in dieser Beziehung keineswegs„liberale" Grundsätze, wie die vielen Slrasbestinimnngen deS Märkisch■ Westphälischen Bergwerks- Vereins ergeben, von welchen ich nur einzelne mittheilen will: Wenn zur Anbringung von Beschwerden sich mehr als zwei Personen bei ihrem Vorgesetzten einfinden, dann können die Arbeiter sosort entlassen werde». Wegbleiben vom Verlesen wird niit 1—10 Sgr. und Verlust des Tagelohnes bestraft. Ein beurlaubter Arbeiter hat sich die Dauer seine« Ausenthaltes am UrlanbSorie durch die Polizeibehörde daselbst bescheinigen zu lasse» und den Urlaubsschein beim Wiedereintritt zur Arbeit seinen Vorgesetzten ein z»h ä»d'ig en. Strafen von 5 Sgr. bis zu 5 Thlr. sind angedroht gegen Trunkenheit im Dienst, Tabakrauchen, Verunreini- guiig der Abtritte»nd Arbeitsstellen, Schlafen während l der Arbeitsschicht; gegen daS Zutragen von Essen in Körben, das Betrele» einer anderen Werkstätte, Verlieren von Arbeitsgeräthe» u. s. w. Allen Meistern und Arbeitern ist es zur Pflicht ge- macht, Veruntreuunge», welehe sie entdecken oder ihnen von Andern mitgetheilt werden, sosort dem technischen Director anzuzeigen. Den Meistern und Arbeitern ist es untersagt, j gerichtliche Klage gegen einander zu führen.— Glaubt der Arbeiter sich bei der Enlscheibting de« Directors nicht beruhigen zu können, so steht ihm der Reeurs a» de» Verwaltungsrath offen, dessen Entscheidung er sich bei Vermeidung von 1 bis 5 Thlr. Strafe oder so- sortiger D ien steu tl ass» n g nubedingt zu u n l e r- wersen hat.— Bei Vergehe», welche in den Bestimmungen nicht vorgesehen sind, erkennt der Director die Strafe in Geld oder Diensientlassung.— Recurs an den Verwaltungsrath, dessen Entscheidung endgültig ist.— Genug! Unter Artikel 04 und 55 sind die berüchtigten Coali- tions- Paragraphen 182 und 181 der preußischen Ge- werbe-Ordnung aufgenommen, und zwar wörtlich(Ge- säug»iß bis zu einem Jahre ic.) als iuiegrirende Theile ver Bestimmungen einer— Privat- Gesellschaft, eine« Staates im Staate!— Wie sich im Laufe der Zeiten beim sabrizirenben Geld- bürgerthum die Auffassung des Arbeiters als Mate- rial festgesetzt hat, darüber giebt ein Attest des„übe- ralen" Fabrikarzles des gedachten Vereins offenherzig Zeugniß. Das Attest lautet- „Dem B. bescheinige ich hiermit, daß derselbe wegen Quetschung de« Fuße« Arbeiten nicht verrichten kauii. wobei er auf dem kranken Fuße stehen muß. Dahingegen wäre dieser Arbeiter bei sitzender Ar- beit wohl zu verwerthen. Dr. V." „Ver wert Heu!" Einzig richtige Bezeichnung der Bedeutung des Arbeiter« in den Augen der Schlotjnnker und ihrer Aerztel (Fortsetzung folgt.) . Nachdem die Debatte über diese Punkte noch einige Zeit fortgedauert, giebt der Vorsitzende ein kurze« Resümee �e» Abend« und fordert, da namentlich sebr viele Gäste «»wesend waren, zum Beitritt zu dem Vereine aus, wonach er die Sitzung kurz vor 12 Uhr schließt. * Berlin, 23. Oct.(Social- demokratischer Arbeiter- Verein. Der Angerstein'Iche Vor- trag.) Der in der vorletzten Sitzung dc« Verein« von Herrn W. Angerstei» gehaltene Vortrag hat ob seiner tveitgehenden Tendenz in reactionären Kreisen ein ge- lindes Entsetzen verbreitet Nicht nur die Krenzzeitnng und der Pnblicist haben sich darüber scandalisirt. auch der irllhere„Kleine Reactionär", jetzt„Berliner Punsch", ist über Herr» Angerstei» hergefallen. Ueberbaupt scheint ber Vortrag anregend gewirkt zu haben. An« Jserlobn ilsbl un« eine Corresponden; über diesen Gegenstand zu, die wir nachstehend veröffentlichen: T. Iserlohn, 20. Oktober.(Direkte Volks- Gesetzgebung oder Volksvertretung?) Bei der Bedeutung dieser Frage, welche in der letzten öffentlichen Versammlung des„social-demokraiischen Arbeiter-Vereins" tu Berlin verhandelt worden ist, darf ich mir wohl er- iauben, hier mit einigen Worten ans dieselbe zuriickzn- ioinmen. Vom demokratischen Standpunkte au« betrachtet, er- icheint die direkte Volksabstimmung über Gesetze»nzwei- lelhast als das richligc Prinzip; ebenso unzweifelhaft aber wäre die praktische Anwendung desselben jetzt, wenn nicht unausführbar, dann doch eher schädlich, wie niitz- i'ch. Die Gesetzgebung hat sich in Deutschland in Folge desien langjähriger Zerriffenheit in mehr als dreißig Einzelstaalen zu einer so cvmplicirten, fast in jedem Staate und auf jedem Gebiete verschiedenen gestaltet, daß t« bei der allerding« dringend nöthig en Vermin- bernng und Umgestaltung derselben für die Gesetzgeber, wenn nicht die wesentlichsten Jutereffen der Nation ge- iährdct werden sollen, unerläßlich ist, wenigstens die Trnndpriiizipien der deutschen Particular-Gesetzgebung Und der Gesetzgebung überhaupt zu kennen. Solche Kenntniß fehlt der großen Maffe de« Volke« trotz Unsere« gerühmten Schulunterrichis, oder vielmehr wegen desien Mangelhaftigkeit und Einseitigkeit, sowie in Folge ihrer bisherige» ängstlichen Fernhaltung von jeder Theil- nähme an öffentlichen Angelegenheiten, vollkommen. Je- benfall« au« diesem Grunde hat Laffalle der im Allge- tueinen deutschen Arbeiter-Verein concentrirten social-de Nlclratischcn Partei das allgemeine, gleiche und direkle Wahlrecht als nächstes politische« Ziel bezeichnet. Die Ausübung des Wahlrecht«, an desien Hand die Nation tinst auch nnsehlbar zur direkten Gesetzgebung gelangen n>ird, führt die große Masse derselben in die öffentlichen Angelegenheilen gewisiermaßen ein und erweckt ihr leben- digcs Jntcreffe an denselben. Hätte Lasialle die direkle Bvlks-Gesetzgebuttg sosvrt gefordert, dann würde er selbst bon denen al» Phantast verlacht worden sein, die ihm letzt einen Vorwurf daran» machen, daß er in seinen boliiischen Vorschlägen nicht ohne Weitere« an die äußerste Grenze gegangen ist. Wa« die Unverantwortlichkeit der Volksvertreter dem �°lke gegenüber und den Umstand anbetrifft, daß sie bicht die Meinung des Volkes, sondern ihre eigene, nicht °tn Kreis, der sie wählt, sondern das ganze Volk ver- tieten, so ließe sich den daraus etwa entspringenden Un- iuträglichkeiten durch die gesetzliche Bestimmung leicht ttorbeugen, daß die Wähler, fall« der betreffende Ver- treter ihr Vertrauen nicht rechtfertigt, berechtigt »Ud. ihm das Mandat zu jeder Zeit zu entziehen, unter gleichzeitiger Wahl und Entsendung eines andern Ver- trerers. [. In anderer Beziehung hat da« allgemeine Wahlrecht, trie es nach dem deutschen„Reichswahlgesetz" nun bald tu Anwendung kominen wird, insofern einen erheblichen Langel, als die Wahl der einzelnen Volksvertreter "uf bestimmte Wahlkreise beschränkt ist, wodurch tt» großer Theil, möglicher Weise fast die Hälfte °(s Volte», nämlich die gesammle Minorität aller Wahlkreise, unvertreten bleibt. Dieser Mangel ist seit 1848 mehrfach gerügt worden und der Vorschlag gemacht, t>e Wohl der Vertreter nicht an die einzelnen Wahlkreise iu binden, vielmehr Jeden, der im ganzen Lande t>ne bestimmte Stimmenzahl, z. B. KJO.OOO, erhallen 'H, als gewählten Volksvertreter zu betrachten. Nach ?'elem schon vor sechszebn Jahren in der deutschen und ttanzijsischen Presie(Berliner„Abendpost",„Westphälische Zeitung", Girardin'S„Presse" ic.) empsohlenen Vor- tchlagc, welchem zufolge kein Interesse gegen ei» anderes Nachtheile bleibt und alle Parteien ihre erwählte» �ertreter erhallen, alle Wünsche ihren natürlichen Aus- 'ruck finden.— ist es, wie Girardin behauptete, ebenso Alfach, den Volkswillen zu erkennen, al» es leicht ist, 'tr Uhr ans der Tasche zn ziehe» und zu wissen, wa« ' an der Zeil ist. � Wohlan l Möge da« künftige„ReichS-Parlament nck trotzdem e« zum Gaudiuni der mecklenburgischen A'tterschast von dem fortschrittlichen preußischen Ab- geordnetenhause zu einer„beralhenden" Eommissivn degradirt ist, den der Gerechtigkeit entsprechenden Vor« schlag nicht unberücksichtigt lasien! Vermischtes. *(Eine gehässige Notiz gegen die eng- tischen Arbeiter) läuft durch die Blätter. Dieselben schreiben nämlich aus London� „Die Londoner Bäckergesellen verlangen eine Er- höhung der Arbeitslöhnung und eine Herabsetzung der Arbeitszeit, widrigenfalls sie mit Arbeitseinstellung drohen. Das fehlte noch. Seit Jabr und Tag kommt es nicht selten vor, daß von Gewerks-Genosienschaflen der schlimmste Terrorismu« ausgeübt wird und einzelne Handwerker, die den Vereinigungen zu Arbeiter-Eoalitione» nicht bei- treten wollen, an Leib und Leben geschädigt werden. Die Metbode ist meist die, daß den Verfolgten nacht- licher Weise Gefäße mit Pulver ins Haus geschlendert werden. Am häufigsten sind solche Scheußlichkeiten in Birmingham und Sheffield; so wurde unlängst in letzterer Stadt ein Sägenschleiser in seiner Wohnung beinahe in die Lust gesprengt. E» wurde zwar eine Belohnung von 500 L. aus die Entdeckung der Thäter gesetzt, doch ohne Erfolg. Seitdem ist die ausgesetzte Summe auf das Doppelte erhöht worden. Die neueste derartige Schand- that wird aus Nottingham gemeldet, wo ein Bauarbeiter, der dem Strike seines Gewerbes beizutreten sich weigerte, von Kerlen mit geschwärzten Gesichtern auf« ärgste miß- handelt worden ist, so daß er jetzt auf den Tod ver- mundet im Apitale liegt." Wir wissen nicht, wie viel hiervon erlogen ist; höchst wahrscheinlich ein gut Theil! Aber selbst angenommen, es wäre Alles reine Wahrheit, warum gleich so gehässig sei» und ein so strenges Urtheil fällen? Excesse der ge- dachte» Art sind sicherlich nie zu billigen; aber ein milde« Urlheil ist denen gegenüber wohl am Platz, die Jabr aus Jahr ei» arbeiten müssen, um Andern Reichthllmer zu verschaffen. Wenn denn einmal im Be- wußtsein eine« guten Rechts und in allzugroßem Eiser die Schranken de« Gehörigen überschritten werden, wer könnte berechtigt sein, die« allzuhoch aufzunehmen? Ist nicht selbst die Rohheit, wo sie in der englischen Arbeiter- bevölkerung vorhanden ist, nur eine Folge der gesell- schastlicken Einrichtnnge», der Zurücksetzung und der Be- drückung der arbeitenden Klasse, vor Allem der mangeln- den Erziehung und Ausbildung? Weiter läuft folgende Notiz durch die Blätter: Die Bäckerb nrschen Londons hielten kürzlich ein Meeting.rb, um Mittel u»d Wege zu beralhen, wie sie von der Nachtarbeit fretkommen könnten. Ein Mr. Wright schlug einen Strike vor.„Denkt euch," motivirtc er seinen Antrag,„London zwei Tage lang ohne Brod!" Wie die Sache weiter ablief, wird nicht ge- meldet; der Strike ist übrigens nicht zu Stande gekommen. —(Confiscationen.) Da» erste Blatt der neuesten Nummer der„Rbeinischeu Zitnng" ist ohne Angabe de« Grundes niit Beschlag belegt worden. Ebenso eine zweite Auflage derselben Nummer, nachdem einige Artikel weg- gelassen waren, welche nach Ansicht der Redaction die Eonfiscation vielleicht herbeigeführt hatten. Auch diese Auflage wurde confiScirt. Erst die dritte sehr lückenhaft- bunte Auflag- fand Gnade.— Ferner ist am 21. d. M. Nr. 42 der„Verfassung" ohne Angabe der Gründe con- fiscirl worden. —(Die deutsche Reichsfahne) eine nach der „Rhein. Ztg." conservativerseits in Aussicht genommene »eiie Zeitung, hat sich nach der„Krenz-Ztg.", in eine respecrable Ente verwandelt. —(Drei neue transatlantische Kabel) zwischen Amerika und Europa sind»ach dem„Monitcur" im Plane. Zur Anssührung haben sich bereits drei Ge> scllschaften eine amerikanische und zwei englische gebildet. -ll-(Ein merkwürdiger Vorgang.) In den letzten Wochen hatten die Berliner Wasserrohrleger mehrfache Versammlungen Behufs einer in Aussicht genommenen Arbeirseinstellnng. Mebrere Lokalblätter berichten darüber, daß die« die Arbeiter der englischen Firma I. Aird ge- wesen seien, denen von dem Verwaltungspersonal Lohn- abzöge gemacht worden waren, und warum? Man höre und staune: Um ein durch die Unterschlagungen der Verwaltungsbeamten entstandene« Manco in der Kasse (es heißt 60,000 Thaler) wieder auszugleichen! Dem eigentlichen Geschäftsinhaber war von allen dem nichts bekannt, aber die Arbeiter telegraphirten an ihn nach Englaud, in Folge dessen er sich sofort hierher begab, die Sache nntersuchtk, die Arbeiter sofort zn dem früheren Lohne wieder einstellte und ihnen obendrein noch ein kleine« Festmahl gab. —(Die Kartoffeln) in der Provinz Westfalen sind so mißralhen, daß in mehreren Kreisen schon jetzt unmittelbar nach der Ernte der Preis aus I Thlr. 20 Sgr. pro Scheffel gestiegen ist. Da dieser Theuerung nur durch Ermöglichung reicher Zufuhren au« denjenigen Landesiheilen, namentlich au« der Provinz Sachsen und au« Thüringen begegnet werden kann, in denen die Kartoffel-Ernte günstiger ausgefallen ist, so hat, wie hiesige Blätter melden, der Handelsminister Veranlassung genommen, auf den betreffenden StaatS-Eisenbahnen die Fraebt für Kartoffeln in Wagenladungen, welche nach Stationen der Provinz Westfalen adressirt sind, einst- weilen bis zum l. Mai k. I. auf blos 1 Pfennig pro Eentner und Meile nebst einem festen Zuschlag von 1 Thlr. pro 100 Centner zu ermäßigen und außerdem den Verwaltungen der bctheiligten Privat-Eiscndahnen durch die Eisenbabn-Kommissariate ir. anempfohlen, im öffentlichen Interesse auch für ihre Bahnen eine gleiche Frachtermäßignng für Kartoffeln eintreten zu lassen. —(Eine Nachricht, welche der Thatsache vorauseilt.) Was einst der geniale, unglückliche Grabbe in seinem tollen Lustspiel gesagt: Die Verbindungsmittel sind so gefördert, daß man die Nachricht einer Thatsache erhält, noch ehe sie geschehen, wird jetzt scheinbar zur Wahrheit. Ei» französisches Blatt bespricht den Fall, daß ein ans Paris nach New-Aork an einem Tage de- sördertes Telegramm daselbst leicht am Tage vorher an- langen könne. Da nämlich die Entfernung zwischen New>9)ort und Paris sich auf 76 Längengrade berechne, so sei es in New-Iork erst 7 Uhr Abends, wenn in Pari« schon 12 Uhr Nachts. Gesetzt nun, es wäre am I. September Abend« das große Opernhan« in Paris abgebrannt und davon am 2. September I2Vg Uhr nach Mitternacht die Kunde nach New Jork telegraphirt worden, so hätte daselbst(einige Stunden auf das Telegraphiren gerechnet) noch am 1. September, etwa zwischen 0 und 10 Uhr, der schreckliche Vorfall, der nach amerikanischer Zeit in Paris sich erst ereignen werde, bekannt sei» können. Es ist nicht unwichtig, dielen scheinbaren Zeitunterschied von beiläufig fünf Stiiliden iii's Auge zu fassen. —(Preise für historische Raritäten.) Cin französisches Journal stellt die Preise einzelner historischer Reliquien und Raritäten zusammen> wie dieselben seiner Zeit verkaust wurden. Wir heben davon die folgenden heraus: Der elsenbeinerne Arntstuhl, welchen Gustav Wala von der.Stadt Lübeck erhielt, wurde 1823 um 58,000 fl. einem Kammerherrn des Königs von Schweden, Herrn Schinkel verkauft. Das Gebetbuch KarlS I., da« er noch benlltzte, als er ans da» Schaffot stieg, wurde 1823 in London für 100 Psd. Sterling verkauft. Den Rock, welchen Karl XII. bei Pnltama trug, und welchen Oberst Roson aufbewahrte, wurde in Edinburg 1826 um 22,006 Pfd. Sterling losgeschlagen(Oberst Roson war mit Karl XII. nach Bender gegangen.) Für ein Paar Ballschnhe Ludwigs XIV. zahlte Abbö Jerson eine ganz nnverhältnißinäßige Summe. Ein Zahn Newton« kam 1816 auf 16,595 Franken und kam an einen englischen Lord, der ihn in einen Ring fassen ließ. Der Zahn ist noch im Besitze der Familie des Lord«. Für einen angcb- lichen Zahn der Heisre bot ein Engländer 100,000 Franke». Den Hut Napoleons, welchen er bei Eylan trug, kaufte Doctor dc la Eroix für 1320 Franken. Sir Bnrnlett, Schwiegersohn Walter Scotts, zahlte 1325 für die zwei Federn, womit der Friede von Amien« unterzeichnet wurde, 12,000 Franken. Dagegen wurde der Schädel de« Descartes 1Ü20 für nur 100 Franken; eine Perrücke Kants für 200 Franken; ein Stock Voltaire« für 500 Franken; eine Weste Ronsseaus für 950 Franken verkauft. (Ein eigenthümlicher Ehescheid nngS- grnnv) kam dieser Tage beim Berliner Stadtgericht zur Sprache. Ein Geschäflstreibender beantragte die Scheidung von seiner Ehefrau, weil diese so übermäßig schnarche, daß er dadurch in seiner natürlichen Ruhe ge> stört werde. Da das Schnarchen bis jetzt ein gesetzlicher Ehescheidungsgrund nicht ist, wurde der unglückliche Ehe- mann mit seiner Klag- zurückgewiesen und wird ibm nichts übrig bleiben, als aus ein andere« Mittel zu sin- neu, seine Nachtruhe nicht gestört zu sehen. Briefkasten. A. in Asch. Wir bitten»m Entschuldigung. Die Schuld ist allerdings lediglich aus unserer Seite. 11. in Hamburg. Vom 26. d. an können Sie das Ge- wünschte ans der dortigen Post reclamiren. A n n o n c e n. Für Hamburg. Allfl. deutsch'Arbeiter-Verein Officielle Versammlung der Hamburger Mitglieder am Mittwoch, den 24. Oclober, Abends 9 Uhr, in „Stadl Bremen," Nieternstraße 20. Tagesordnung: Abrechnung. Die Mitgliedskarte:: sind vorzuzeigen. S. A. Ketzel, Bevollmächtigter. Verantwortlicher Redacteur und Verleger: I. B. v. Hofstetten in Berlin.— Druck von F. Hofsschläger in Berlin.