Nr. Berlin, Freitag den 26. October 1866. Zweiter Zahrgavg. -Dniifllimt. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabends Abend«. Organ der social-demolratischen Partei. Redigirt von I. B. V. Hossietten und J B. V. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnements- Preis sür Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., monatlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den jiönigl. preußischen Post- ämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im oichtpreußischen Deutsch- land 12>/2 Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. südd., fl. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expeditio», von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 46», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" eutgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zcile bei Ärbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur sür England, die Tolonieen und die überseeischen Länder: dir. Looüer, 8. lüttl« New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: Q. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Kue Brulee; Paris, 2. Cour da Commerce Saint-AndnS-des-Arts. Politischer Theil. Rundschau. Berlin, 25. October. Der preußische„Slaals-Anzeiger" veröffentlicht das mit Zustimmung beider Kammern zu Stande gekommene Wahlgesetz sür den Reichstag der Nord- staalen Deutschlands(f. unten). Ferner bringt der Staatsanzeiger die königliche Verordnung be- treffs Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in den in den prenstiichen Staaten einverleibten Landes- theilen, sowie in den Herzogthllmern Schleswig-Hol- stein. Die Einverleibung der letzteren wird hiermit vor dem formell gesetzlichen Vollzuge zur vollen- beten Thatsacke.— Einen verwunderlichen Eindruck macht eine erlassene Erklärung der preußischen Ab- gcvrdnelen Michaelis, v. Hennig, Laster, Lette, Zwesten, v. Unruh, Roepell u. s. w., derselben, welche schon während der letzten Session eine Art wilder öfficiöser Fraction bildeten, die, wie gewisse officiöse Blätter, neben einer„maßvollen Opposition", sich in den Hauptfragen der Politik zur Aufgabe gestellt hatte, die Regierung zu stützen. Sonst kam es wohl vor, daß ein einzelner Abgeordneter seine von der Majorität abweichende Abstimmung öffentlich be- gründete, hier aber begründet eine Anzahl von Ab- geordneten ihre Majoritätsabstimmung für Indem- nität und Anleihe, ohne irgend Neues beizubringen, mit denselben Wendungen, mit denen sie während der letzten Session zum Ueberdruß gehört worden sind. Offenbar läßt ihnen ihr Gewissen keine Ruhe. — Auch der Magistrat der Stadt Berlin ist voui Ministerium des Innern jetzt angewiesen worden, mit Aufstellung der Wählerlisten für das einzube- rufende norddeutsche Parlament vorzugehen. Ber- lin hat 6 Abgeordnete zum Parlament zu wählen. — Ueber den Artikel des sächsischen Friedcnsver- träges, welcher den Eintritt Sachsens in den nord- deutschen Bund regeln soll, scheint man sich noch i sehr wenig im Klaren zu sein. Man begreift nicht, wie die VerfassungS-Angelegenheiten des norddeut- schen Bundes und die in der Schwebe gebliebenen sächsischen Regelungen zu einem befriedigenden Re- fultat geführt werden können, wenn jeder deutsche Souverain und jeder Landtag mitzusprechen haben. Wir begreifen's auch nicht.— Die„Köln. Ztg." macht, anknüpfend an die jüngsten Beschlagnahmen der„Rh. Zig." folgende treffenden Bemerkungen: Wir baöe» schon oft bemerkt, daß der Schutz, wcl- chen die Verfasser des Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 der Tagespresse durch'gerichtliches Urlheil zu gewähren glaubte», vollkommen illusorisch sei. Jede polizeiliche Beschlagnahme ist sür die Tagespresse gleichbedeutend mit einem bereit« vollstreckten und nicht wieder rückgängig z.'i machenden Strasurtheil. Preßfreiheit und unbeding lcs Recht der Beschlagnahme durch die Verwaltung sind Dinge, die in durchaus unlösbarem Widerspruche mit einander stehen. Eine ganze Zahl europäischer Staaten, darunter die reichsten und civilisirtesten, wird regiert, sebr wohl regiert, ohne alle Beschlagnahmen. Sollten wir in Preußen soweit in der Kultur zurück sein, nicht ohne jene polizeiliche Vorsorge leben zu können? Die Frankfurter wollen sich schwer in ihre neue Lage fügen. Herr von Patow soll sich deshalb ziemlich unbehaglich in seiner dortigen Stellung fühlen. Besonders unangenehoi berührt die Oppo- sition gegen das neu vorgeschriebene Kirchengebet. — Die Ernennung deö Herrn v. Beust zum Mi- nister des Auswärtigen des österreichischen Kaiserstaates findet jetzt auch schon Eingang in die osficiösen Blätter. Man läßt das Gerücht auf- tauchen, man widerruft eS, läßt die öffentliche Meinung sich daran satt sprechen, bis eines schönen Morgens die Ernennung vollzogen sein wird.— Die Unlersuchung des KricgSgirichts gegen die öfter- reichischen Führer des letzten Krieges hat damit geendet, daß Benedck, v. Henikstein und Krismanik schlechtweg in den Ruhestand versetzt sind. Bon einer Pensionirung ist nicht die Rede. Unfähig- keil ist der Hauptvorwurf, der ihnen zur Last ge- legt wird.— Die häufigen und oft blutigen Reibe- reien der preußischen und österreichischen Grenzbe- völkerung lasse», wenn man auch nach einem eben geführten Kriege ein z» großes Gewicht darauf nicht legen darf, doch eine erhebliche gegenseitige Span- nung erkennen.— Der Kaiser von Oesterreich hat in Brünn den unverzüglichen Ausbau des mäh- rischen Eisenbahnnetzes mit Subvention aus Staats- Mitteln angeordnet, wodurch Mähren drei neue Bahnlinien erhält und ferner die Errichtung meh- rerer neuer Schulen.— Der Wiener Gemeinde- rath hat unter lautem Beifall der Gallerten eine Resolution angenommen, des Inhaltes, daß man die Ansiedelung der Jesuiten in oder bei Wien aus politischen Motiven nicht wünsche, und er beabsich- tigt, dagegen Schritte zu thun. Die„Nordd.?lllg. Ztg." ereifert sich dagegen überaus heftig und sieht darin eine Verletzung der Person und des Gedan- kenS. Der Beschluß deS Genieinderaths ist aber gewiß von jedem zu billigen, der jenen finster» Mächten grade nicht besonders Freund ist und un- befangen erwägt, daß Glaubensfreiheit in Oester- reich nicht herrscht und der Kaiserstaat schon ohne- hin genug unter der katholischen Priesterherrschaft zu leiden hat. Der Kaiser von Frankreicli ist aus Biarriy in St. Cloud eingetroffen. � Die Lyoner Seidenwirker-Angelegenheit beschäftigt nach wie vor Re- gierung und Journale.— Herr Fould, der Finanz- minister, trägt hart an der Schwere seines Amtes, Eine Anleihe muß beschafft werden. Sie ist noth- wendig zur Organisation des Heeres und für öf- sentliche gemeinnützige Anlage». Von einer An- leihe will der Finanzminister jedoch nichts wissen. Sein Sin» steht auf Veräußerung der Staats- wälder. Davon will aber das Land wieder nichts wissen. Um Geld zu Maßnahmen gegen die Ueber- schwemnuingen zu erhalten, sollen die Wälder, deren Ausrottung die Hauptursache der Ueberschwemmungen war, noch mehr ausgerottet werden. Der feierliche Einzug des Königs von Italien in Venedig soll am 4. November stattfinden. Die Feierlichkeit der Volksabstimmung in Venelien ist überall mit größter Begeisterung und lebhafter Be- theiligung vollzogen worden. In Venedig haben von 30,000 eingezeichneten Wählern 26,180 Ja gestimmt. In der Stadt Padua wurden 8uOO Stimmen abgegeben. Im Distrikt von Dolo haben von 7700 zum Wählen Berechtigten 7170 gestimmt. In Udine begann der Arbeiterverein die Feierlich- kcit mit der Einsegnung seiner Fahne, sodann ging die ganze Bevölkerung der Stadt, der sich viele Priester anschlössen, nach de» auf den Plätzen auf- gestellten Wahlurnen.— Auf die Nachricht des General Revel an Victor Emannel, daß die ila- lieniscke Tricolore auf San Marco wehe, erwiderte der König telegraphisch: An General Revel in Venedig. Tausend Dank, General; ich habe das Glück, heute die Sehnsucht so vie- ler Jahrhunderte erfüllt zu schen. Italien ist vereinigt und frei. Lernen nun auch die Italiener, es z» verihei- digen und so zu erhalten. Victor Emanuel. Der Staatskanzler Englands, Disraeli, beab- sichtigt, wie es heißt, die Einbringung einer Par- jamentsreform-Bill, die unter Anderm den Wäh- lercensus in den Grafschaften auf 20 Pfd.(von 50 Pfd.) herabzusetzen vorschlägt. Aus dem Orient nichts Neues von Bedeutung. Die neuesten Depeschen lauten: Wien, Donnerstag, 25. October, Vormittags. Nach einem hier eingetroffenen Telegramm au« Konstantinopel von gestern Abend, sollen die Nachrichten au« Kandia insoweit ungünstig laute», al» der Guerillakrieg hart- näckig sortgesetzt wird. Der Sultan beabsichtigt an Omer Pascha da« Kommando in Kandia zu übertragen. — Im schwarzen Meere haben zahlreiche Schiffbrüche stattgefunden. T Herapia(bei Konstantinopel), Donnerstag, 25. Oct., Morgens. Fürst Karl von Rumänien ist gestern hier eingetroffen und sofort nach seiner Ankunft vom Sultan empsange» worden. Dem Fürsten werden mit besonde- rer Ausmerksamkeit die höchsten Ehren erwiesen und ist für die Dauer seine« Besuche» der Palast KUtschüksn in Bereitschaft gesetzt worden. Dresden, 25. Oct. Der Friedensvertrag zwischen Preußen und Sachsen ist im„DreSdn. Journ." publicirt worden. Die Bedingungen des Vertrage« sind im Wesent- lichen die IheilS schon lautbar gewordenen: Sachsen tritt dein norddeutschen Bund bei, die Reorgauisalio» der sächsischen Armee erfolgt erst durch Bundesbeschlnß. Dresden erhält eine gemischte Besatzung, die überflüssigen sächsischen Truppen werden in die Heimath entlassen, die stehenbleibenden werben unter preußischen Oberbefehl ge- stellt, die sonst nöthigen Truppen in Sachsen stellt Preußen; der Königstein wird von Preußen»nd Sachien besetzt; Sachsen zahlt 10 Millionen und tritt da« ganze Telegrapbenwesen an Preuße» ab, da« Salzmonopol wird in Sachsen»nd Preußen zugleich aufgehoben, da« preußische Militair-Gouvernemeiit und Civil-Eommissa- rial für Sachse» tritt mit Austausch der Ratificationen außer Wirksamkeit, ber Zollverein bleibt mit sechSmvnal- licher Kündigungsfrist in Kraft, Sachsen verpflichtet sich dm Bau einer Eisenbahn aus der Strecke Leipzig-Pegan- Rcitz zu fördern', die während de« legten Kriege« poli- tisch Komprvmiitirten solle» unbestraft bleiben. Die sächsische Regierung erklärt sich bereit, ihre diplomatische Beriretung nach denjenigen Grundsätzen zu regeln, welche fllr den norddeutschen Bund im Allgemeinen maßgebend sein werden, Deutschland. Berlin, 24, Oct. sDas Wahlgesetz� für den Reichstag des norddeutschen Bundes ist vom Preußischen„Staatsanzeiger" publicirt worden, Dasselbe lautet wie folgt i Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preu- 6tn sc., verordnen mit Zustimmung der beiden Häuser des Landlage« der Monarchie, was solgt: Z.' 1. Zur Beratbung der Verfassung und der Ein- richtungen de« norddeutschen Bundes soll ein Reichstag gewählt werden. §, 2. Wähler ist jeder unbescholtene Staatsbürger eines der zum Bunde znsammeiilretenden deuischen Staa- ten, welcher das 25. Lebensjahr zurückgelegt hat. §, 3. Von der Berechtigung zum Wahlen sind au«- geschlossen- I) Personen, welche unter Vormundschaft oder Kuratel stehen; 2) Personen, über deren Vermögen Konkurs- oder Fallitzustand gerichtlich erössnet worden ist, und zwar während der Dauer diese« Konkurs- oder Fallilverfahren«; 3> Personen, welche eine Armennnter« stützung aus öffentlichen oder Gemeinde-Mitteln beziehen oder im letzten der Wahl vorhergegangenen Jahre be- zogen haben, H, 4. Als beschälten, also von der Berechtigung zum Wählen ausgeschlossen, sollen angesehen werden; Pcrso- neu, denen durch rcchtSkräflige« Erkenntniß der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte entzogen ist, sofern sie in diese Rechte nicht wieder eingesetzt worden sind, §, 5. Wählbar zum Abgeordnelen ist jeder Wahl- berechtigte, der einem zum Bunde gehörigen Staate seil mindestens drei Jahren angehört hat. Verbüßte oder durch Begnadigung erlassene Strafen wegen politischer Verbrechen schließen von der Wahl nicht aus, §, 6. Personen, die ein öffentliches Amt bekleide», bedürfen zum Eintritt in den Reichstag keine« Urlaub«, §. 7, Aus durchschnittlich 100,000 Seelen der nach der letzten Volkszählung vorhandenen Bevölkerung ist Ein Abgeordneter zu wählen, Ei» Ueberschuß von wenigstens 50,000 Seelen der Gesammtbcvölkerung des Staates wird vollen 100,000 Seelen gleichgerechnet, Jeder Abgeordnete ist in einem besonderen Wahlkreise zu wählen. §. 8. Die Wahlkreise werden zum Zwecke des Stimm- abgeben« in kleinere Bezirke eingelheilt. K, 9. Wer da« Wahlrecht in einem Wahlbezirke ausüben will, muß in demselben zur Zeit der Wahl seinen Wohnsitz haben, Jeder darf nur an Einem Orte wählen. 8. 10. In jedem Bezirke sind zum Zwecke der Wahlen Listen anzulegen, in welche die zum Wählen Berechtigten nach Zu« und Vornamen, Alter, Gewerbe und Wohnort eingetragen werden. Diese Listen sind spätestens vier Wochen vor dem zur ordentlichen Wahl bestimmten Tage zu Jedermanns Einsicht auszulegen, und ist die« össent- lich bekannt zu machen. Einsprachen gegen die Listen sind binnen acht Tage» nach öffentlicher Bekanntmachung - bei der Behörde, welche die Bekanntmachung erlassen hat, anzubringen, und innerhalb der nächsten vierzehn Tage zu erledigen, worauf die Llsten geschlossen werden, Nur diejenigen sind zur Theilnabme an der Wahl be« rechtigt, welche in die Listen ausgenommen sind, Z, 11. Die Wahlhandlung ist öffentlich; bei dersel- beu sind Gemeindemitglicdcr zuzuziehen, welche kein un- Mittelbares SlaalSamt bekleiden. Das Wahlrecht wird in Person durch verdeckte, in « eine Wahlurne niederzulegende Stimmzettel ohne Unter- «- schrisl ausgeübt, Z. 12, Die Wahl ist direkt. Sie erfolgt durch abso- lnte Stimmenmehrheit aller in einem Wahlkreise abge- gebenen Stinimen, Stellt bei einer Wahl eine absolute Stimmenmehrheit sich nicht heraus, so ist nur unter den zwei Kandidaten zu wählen, welche die meisten Stimmen erhalten haben, Bei Stimmengleichheit entscheidet da« Loos, §, 13. Stellvertreter der Abgeordneten sind nicht zu wählen, §. 14. Die Wahlen sind im ganzen Unisang de« Staates zu derselben Zeit vorzunehmen. s. 15. Die Wahlkreise und Wahlbezirke, die Wahl« direktoren und das Wahlverfahren, insowei! diese« nicht durch das gegenwärtige Gesetz festgestellt worden ist, wer- den von der Staatsregierung bestimmt.' ß. IL. Der Reichstag prüsl die Bollmachleu seiner Mitglieder und entscheidet über deren Zulassung. Er regelt seine GeschästSordnung und Disziplin. K. 17. Kein Mitglied de« Reichstage« darf zu irgend einer Zeit wegen seiner Abstimmung oder wegen der in Ausübung seine« Beruf« gethanen Aeußerungen gericht lich oder disziplinarisch verfolgt oder sonst außerhalb der Versammlung zur Verantwortung gezogen werden. Urkundlich unter Unserer Höchsteigendändigen Unter- schrist und beigedrucktem Königlichen Jnsiegel. Gegeben Schloß Babelsberg, den 15. Oct. 1866. (I«. S.) Wilhelm. Gras von BiSmarck-Schönhauicn. Frhr. von der Heydt. von Roon. Graf von Jtzenplitz. von Mllhler. Graf zur Lippe, von Selchow. Gras zu Eulcnburg. Verein»-Lheil. Der Cassirer de« Allg. deutsch. Arb.-Bereins an die Bevollmächtigten und Mitglieder dieses Verein«. Nach einer Mittheilung vom Präsidenten Herrn A. Perl soll von der Veröffentlichung derjenigen Orte, welche ihren Verpflichtungen an die VereinSkaffe nicht nachgekommeu sind, diesen Monat noch Abstand ge- nommen werden und den Säumigen nochmals eine Frist bis zum 10. November bewilligt werden. Diejenigen Orte, welche bis zum 15. November mir ihre Abrechnung(Oclober mit inbegriffen), nicht einge- schickt haben, werde ich dann unwioerruslich in der nächsten Nummer, nach dem 15. November, veröffentlichen, da nach den Statuten solche, die ihren Beitrag an die Vereinskasse nicht zahlen, nicht mehr als Mitglieder de« Vereins angesehen werden können, mithin z. B. auf der nächsten General-Versammlung auch keine Stimme haben. Ei» großes Ganzes kann nur dann bestehen, wenn jeder Einzelne seinen kleinen Beilrag dazu regelmäßig bezahlt, und ich glaube ein jeder ächter Lassalleaner kann dies jetzt mit Freuden thu», nachdem eine geregelte Kassenorganisation im Verein eingeführt ist und jedes Mitglied Vertrauen zur jetzigen Verwaltung und dem Präsidenten haben kann. In der Kassen-Verwaltung war seit der letzten General-Versammlung große Unordnung eingerissen; eines Theils zahlten die meiste» Gemeinde» keine Beiträge zur großen VereinSkaffe, anderen Theils finden sich über die eingesandten Gelder und Ausgaben keine Bücher und Belege vor, und dadurch entstand Mißtrauen unter den Mitgliedern gegenüber der Kassenvcrwaltung; jetzt ist aber Alles geregelt, die eingegangenen Beiträge werden sofort in das Kassenbuch eingeschrieben und die betreffenden Orte dafür erkannt; Ausgaben, fllr die mir keine specisirle Rechnung eingesandt wird und welche ich dann nicht für richtig befinde, werden nicht bezahlt; über jede Ausgabe, und wenn dieselbe 3 Pf. beträgt, werde ich bei Abrechnung die Belege vorlegen, eines Theils, den Mitgliedern gegenüber, damit nie wieder Mißtrauen gegen die BereinSkasse entstehen kann, anderen Theils weil der Kassirer durch solche Maßregeln, den Mitgliedern de« Vereins gegenüber, vor Angriffen geschützt ist und wünschte ich nur, daff dies jeder Ortskassirer ebenfalls gewissenhakt einführen möge. Bei Abrechnungen, die mir bis jetzt eingesandt sind, vermisse ich die eigentliche Steuer zahlende Mitgliederzahl; es ist von sehr großer Wichtigkeit-, daß aus jeder Ab- rechnnng die wirklichen Steuer zahlenden Mitglieder an« gegeben werden; ebenso muß ich bemerken, baß mir die Gelder franco zugesandt werden müssen, da ich sonst jedesmal doppelte Arbeit habe, indem ich die betreffenden Orte, die mir die Gelder unfrankirt einsenden, kür das ausgelegte Porto belasten muß. Möge ein Jeder seinen kleinen Beitrag mit beruhigtem Vertrauen jetzt zahlen, damit nicht der Verein wegen mangelnder Beitragszahlung zu Grunde gerichtet wird. Mit social-demokralischem Gruß und Händedruck Erfurt, 23. October 1866, I. M. Hirsch, Kupferhammermlihle 2147. * In Anknüpfung an Obiges möchten wir die Mit- glieder des Allgemeinen deutschen Arbeiter-VereinS und insbesondere da« Präsidium desselben darauf aufmerksam machen, ob es in Betreff der von uns angeregten Gamm lungen von Geldern fllr die zukünftige PailamentSwahl- agitation nicht zweckmäßig wäre, diese Gelder auf dem VereinSweg zu sammeln, so daß sie zunächst vom Ort«- casstrer eingenommen und dann an die Centralcasse ge< schickt würden; selbstverständlich mit der ausdrücklichen Angabe, daß die fraglichen Gelder nicht regelmäßige Bei- träge, sondern Steuern zum Zweck der Agitation seien, wofür, wenn der Herr VcreinScassirer sich dieser weiteren großen Mühe unterziehen will, besondere Verwaltung einzurichten wäre. Wir sind nämlich der Ansicht, daß der Verein bei den Wahlen al« Ganzes austreten muß und daß daher, wenn in einem bestimmten Districte Aussicht ist, einen Caudidale» durchzubringen, auch an dere, nicht zu dem fraglichen Districte gehörige Orte die etwa erfocdeilicheu Kvsie» nach Kräften beizusteuern hätten. Was obige Bestimmung betrifft, daß die Namen der Orte, wo die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Ar- beiter-BereinS in der Zahlung der regelmäßigen Beiträge lässig sind, vorerst noch nicht veröffentlicht werden soll, sondern eine neue Frist bis 10. November eintritt, so , hoffen wir, daß die hierin liegende Milde und Nachsicht der Vereinsleitung für alle Mitglieder ein doppelter Sporn sein werde, nnnmehi die etwa versäumte Schul- digkcit gegen die gemeinsame Sache thalkraftig nachzu- � holen.— Unser Parteistandpunkt. Die großen Ereignisse in Deutschland, welche sich im Lause dieses Jahre« zugetragen und den öffentlichen Zustand unseres Vaterlandes von Grund aus geändert haben, machen es nothwendig, daß jede Partei sich klar mache, wie sie sich mit ihren Bestrebun- gen dem Neuen gegenüber zu stellen haben. In dieser Beziehung geht uns eine in'« Einzelne gebende, sehr interessante Arbeit von einem Mitglied? de« Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins, Herrn E. W. Tölcke in Iserlohn, zu, welche wir unfern Lesern unverkürzt mit- theile» wollen. Wir können jedoch dem Herrn Verfasser nicht in allen Punkten zustimmen und behalten uns da« her vor, nachdem der Abdruck erwähnter Arbeit deendigt ist, in einigen Leitartikeln unsere Ansicht auszusprechen, insbesondere klarzustellen, wie sich unseres Erach- ten« in Gemaßheit ihrerPrincipien die deutsche Arbeiterpartei zu der preußischen Regierung zu stellen Hai. Vorerst lasscu wir ohne alle Zwischenbemerkungen unser Parteimitglied sprechen: A» die social-demokratische Partei. I» großen Epochen, welche die Weltgeschichte bilden und die Geschicke der Menschheit auf lange Zeit hinaus entscheiden, ist es die Pflicht aller Pa- trioten, ihre Ansicht darüber auszusprechen, was die Nation, deren Interessen zunächst in Frage stehen, ihrerseits zu thun hat, um Alles möglichst zum Besten zu wenden. Fllr Deutschland war niemals einZeitabschnitt bedeutender, als der gegenwärtige. Wenn nun auch ich ineine Meinung hierdurch freimülhig ausspreche, dann geschieht es, um jener Pflicht zu genügen und gleich- zeitig mehrere, von verschiedenen Seiten an mich gerichtete Anfragen zu beantworten. In dem Maße, in welchem ich mich bestreben werde, die kostbare Zeit der Arbeiter durch mog- lichste Kürze zu schonen, muß ich deren verdoppelte Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen. Der vorläufige Abschluß, welchen der vor un- sercn Augen erfolgte, z» mindestens neunzig Pro» zent von allen Theilnehmern durch deutsche Arbeiter ausgeführte gewaltige Zufanimenstoß sämmilicher deutscher Regierungen gefunden hat, bildet ein Provisorium, ein Uebergangsstadium, welches Niemand gefällt und Niemand zu» triedenstellt, kein einziges von alle» Elementen, welche bei der Affairc mehr oder weniger engagirt waren, zu denen, mit Ausschluß der social-vemo- kralischen Arbeitcr-Partei, alle Factoreu des öffent- lichen Lebens in Deutschland gehören. Die social- demokratische Arbeiler-Parlei verhielt sich den Er- eignissen gegenüber mit Reckt durchaus passiv und beobachtend, weil sie grundsätzlich an denselben nur insofern ein Interesse nehmen konnte, als sich die ganze politische Situation durch die Ereignisse klä- ren mußte und als das Resultat jedenfalls ein bedeutender Schritt vorwärts war auf der Bahn, an deren Ende die Partei ihr hauptsächlich socia- leS Ziel sinvet. Die Partei halte dieses Resultat umsomehr ruhig abzuwarten, als ihre Stimme in dem allgemeinen Parteigewirre eben so nutzlos ver- hallt sein würde, wie viele andere. Zudem war ihre Zurückhaltung geboten, um den anderen Par- leien, welche sich als die allein Berechtigten geber- den, freien Spielraum zu lassen und sie in ihrem Wirken nicht zu stören, dessen Erfolg voraussichtlich der Nation, namentlich der Arbeiterschaft, endlich die Augen össnen mußte, was selbst der gro- ßen Misere des Kölner AbgeordneteufesteS nicht gelungen war. Die Situation hat sich denn auch geklärt und der an unerhörter Energie, erstaunlichen Opfern und Erfolgen beispielloie deutsche Bruderkrieg inso- fern ein bedeutsames Resultat, als durck den- selben unzweifelhaft zwei Thatumstände zu Tage getreten sind, welche auf die Gestaltung der Zukunft Deutschlands in hohem Grade von Einfluß sein werden, nämlich: 1) die völlige Zerfahrenheit, Unfähigkeit und Ohn- macht der Mittel- Parteien und, in Folge davon, der Nation; ! Kraft concentriten wollt. Die Wahl kann Euch unmöglich schwer fallen. Zu solchem Aufraffen in letzter Stunde Anlaß zu geben und die Gesichtspunkie kurz anzudeuten, von welchen auszugehen sein wird, das ist der Zweck dieses Aufrufs, den ich durch die unbefangene und vorurtheilSfreie Beantwortung zweier Fragen zu erreichen gedenke. Erste Frage: Wodurch hat die Nation den jetzigen, allseitig beklagten abnormen Zustand der Halbheit selbst verschuldet? Wer bei kaltem Blute alle die Urlheile, Wünsche, Entschlüsse und Bestrebungen geprüft hat, welche vor und während des Krieges in Betreff der Haupt- fragen der Gegenwart sich in Deutschland kund gaben, der mußte erstaunen über die politische Fin- sterniß, in welcher die große Nation der„Denker" nach Rettungsmilteln umhcrtappte. Alle Parteien, mit Ausnahme der conservativen, waren in der Hauptsache— Einheit Deutschlands, poli- tische und gewerbliche Freiheit— einig; in der Wahl der Mittel zur Erringung dieser Ziele gingen sie auseinander. Jede Partei verfolgte ihren eigenen Weg und durchkreuzte dadurch die Wege der andern; ja, fast alle Parteien, mit Ausnahme der focial-demokratischen Arbeiter-Partei, waren in sich selbst nicht einig über die Mittel zum Zweck. Bei solchem Wirrwarr mußte nothwendigerweise die Nation ohnmächtig bleiben und die Regierungen hatten Ursache, auf die plan- und machtlosen Be- strebungen, welche die Volkskraft zersplitterten, Hohn- lächelnd herabzublicken; gelang es ihnen doch sogar, selbst einen radikalen Theil der Nation in den Kampf zu Hetzen für den krassesten, ab- scheulichsten Pariikularismus, verbunden mit der ärgsten kirchlichen und politischen Reaction. Aus den traurigen Erfahrungen der Jahre 1848 und 1849 hat die Nation offenbar nichts gelernt. Schon damals scheiterte die Bewegung an dem Mangel einer jeden Organisation. Die Nation war schon damals in Parteien gespalten, von welchen jede besondere„Congresse" abhielt, die sich höchstens zu Resolutionen verstiegen, welche nicht beachtet wurden. Das„Volt", besonders das denk- sche Spießbürgerthum, vergeudete und verpaßte die rechte Zeil durch politische Kannegießereien in Bierkneipen und Clubs und durch Krähwintler Landsturm-Manöver in der unschuldigen Bürger� wehr. Als die deutsche Nationalversammlung nach fast einjährigem Rede» und Berathen endlich die Reichsverfassung fertig hatte, da— war es zu spät. Ueberall war die Reaction inzwischen erstarii und überall wurden die einzelnen, zu Gunsten rer Reichsverfassuug und des Parlaments ohne Plau und Gesammtorganisation unternommenen Aufstände mit„Blut und Eisen" unterdrückt. Ueberall trat die schroffste Reaction ein, bis zur Zeit der„neuen Aera" in Preußen(1858) neue, verschiedene Par> teien, abermals ohne feste Gefamml-Or- ganifation und inneren Zusammenhang, sich bildeten, so die Fortschrittspartei, der Abgeord' netentag, der National-Verein u. s. w.— Neben- bei wußte Herr Schulze aus Delitzsch es möglich zu machen, einen großen Theil der deutschen Ar- bester durch Empfehlung trügerischer Hülfsmsttel zur Verbesserung ihrer socialen Lage an das„libe- rale" Bürgerlhum zu fesseln und den Zwecken die- ses natürlichen Erzfeindes der Arbeiter- Wohlfahrt sogar dienstbar zu machen. Wo und was sind jetzt jene politischen Parteien und Vereine, jener sociale Charlatan überhaupt; wo und was sind ihre Erfolge? Gebt Antwort, Ihr Herren, die Ihr nichts Anderes vermocht habt, als die Nation durch Zersplitterung ihrer Kraft allemal im entscheidenden Augenblicke ohnmächtig zu machen, so 1848— 49, so 1858, s o jetzt! Im October 1860 schrieb ich an ein Vorstands- Mitglied des National-Vereins, der bekanntlich stets die„preußische Spitze" gepredigt hat, Folgendes: „Das Ziel des Nationalvereins— die politische Einigung Deutschlands— wird auf dem von dew Vereine eingeschlagenen Wege nicht erreicht werden, oder doch erst in fernen Zeiten, weil die Bestrebungen des Vereins zu langsam wirken und weil Deutschlands Fürsten sich durch die„Macht der öffentlichen Mei- nung" nimmermehr bestimmen lassen werden, auch n»r ein Titelchen von ihrer Herrlichkeit zu opfern. Es ist deshalb zu befürchten, daß jetzt, wie sonst, die rechteZeit z'umHandeln erfolglos verstreicht. Deutschland bedarf gerade jetzt vor Allem der Männer der That, kühner und rascher Thal. Hätte Deutschland einen Fürsten wie Victor Ema- 2) die vollständige Ueberlegenheit Preußens. Auö beiden Thatumständcn folgt unwiderleglich einerseits, daß fortan nur eine der extremen Par- teien, entweder die conservative mit Ein- schluß der reactionärcn, oder die focial-de- mokratische Arbeiter-Partei eine ent- scheidende Bedeutung haben kann, daß dagegen die Mittel-Parteien verschwinden; andererseits, daß bis zum definitiveu Abschluß der Neu- gestaltung Deutschlands in politischer und so- cialer Beziehung Preußen ausschließlich die Suprematie ausüben wird. Hieraus und aus der gesammten Sachlage über- Haupt läßt sich mit völliger Sicherheil weiter fol- gern, daß in Deutschland künftig, wenigstens auf lange Zeit hinaus, eine rein politische Revo- lution, etwa zum Zweck der„bürgerlichen" Republik, unmöglich sein wird; daß hingegen die so- cial-politischeRevolution unausbleiblich ist, wenn die preußische Regierung nicht den Willen hat oder es nicht vermag, den berechtigten For- derungen der social demokratischen Arbeiter-Partei zu genügen. Zwischen beiden Parteien, der conservativen und der social-demokratischen, steht also die preußische Regierung. Zu welcher Partei sie sich hinneigen wird, das hängt lediglich von der deutschen Nation, insbesondere v o n derArbeiter- schaft Deutschlands, ab. Wohin dies« ihre Schritte lenkt, dahin wird die preußische Regierung ihr folgen. Soll nicht abermals ein günstiger Zeitpunkt, wie er im Völkerleben selten sich darbietet, unbenutzt verpaßt werden; sollen nicht die großen Ereignisse, das Unglück Deutschlands im Gefolge, da- hin eilen; sollen nicht die vollendeten Thatsachen, die Geschichte, über alle Parteien vernichtend bin- wegschreite»,— dann ist es die höchste Zeit, daß alle nationalen, volksfreundlichen Elemente zu raschem, planmäßigem und gemeinschaftlich e in H a n d e l n unverzüglich sich aufraffen; dann müßt namentlich Ihr, Arbeiter Deutschlands, Euck rasch entschließen, wo— bei welcher der be- zeichneten Parteien— Ihr Euere gewaltige Feuilleton. Zor Cormption in den Gcldkrcisen Englands. Ueber die lliuersudmng in Sachen der Gesellschast der London-Chatam-Dover Eisenbahn bringl die„Norbd. Allg. Ztg." folgenbc» beachtenSwerthen Bericht: Die in Rede stehende Gesellschast tonstimirte sich vor einigen Jahren nnter den günstigste» AnSspicien. Wenige Unternehmungen versprachen einen so guten Ersolg, wie der Bai, der Londoii-Cbalam-Dover Eisen- bahn. Von einer Stadt von 3 Millionen Einwohnern ausgehend, überschritt die projektirte Bahn ein dichtbe« völkertes Gebiet und mündete in einem Hasenorle, den fast alle Reisenden berühren, welche zwischen England und dem Kontinent hin- und hergehen. Die Administration bestand ans den angesehensten Männern der Hauptstadt, und der Ehef eines der größten Handelshäuser der Welt, Sir Samuel Morton Peto, welcher überall Geschäfts- Verbindungen unterhält und eine Arbeilsarmee von 39,(XX) Mann beschäftigt, wurde zum Unternehme» des Bans erwählt. Sir Peto hatte dem Staate während des KrimkriegeS wichtige Dienste geleistet und daher den AdclStitel erhalten; er war ein einflußreiches Mitglied des Parlaments, halle Amerika bereist und seine Reise- beobachtungen in einem Buche niedergelegt, welche« die Vereinigten Staaten und ihre materiellen Hlllssqnellen über alles Lob erhob. Er war so allgemein geachtet, daß, als er während der letzten Krisis seine Zahlungen einstellen mußte, sowohl Presse wie Publikum Rücksicht auf ihn nahm und selbst der„Economist" einen Artikel brachte, um zu zeigen, daß es kein eigentlicher Bankerot, sondern nur eine momentane Verlegenheit sei, welche Sir Peto, den reichsten Mann der Welt, augenblicklich verhindere, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen. Der Fall des Hause« Peto führte indessen das Ein- gang« erwähnte Fallissement herbei, welcher aus die Ge- schäste so verderblich wirkte und in allen Kreisen ein solches Gefühl von Unsicherheit erzeugte, daß alle Eisen- bahnaktien plötzlich bedeuten im Course fielen. Dieser Bankerot gab aber auch über die Angelegenheiten des Hauses Peto Licht. Die Gesellschaft der London Chalhani- Dover-Eisenbahn erklärte sich nämlich außer Stande, die dringendsten eingegangenen Verbindlichkeiten zu erfüllen. Die Angelegenheit kam vor den StaatSkanzleihof und die Aktionäre und Besitzer von Obligationen setzten ein IlntersuchungSkomils ein. dessen Berichte jetzt überall in England das größte Erstannen hervorrusen. ES geht nämlich daraus heraus, daß die erwähnte Eisenbahnlinie in der That ohne jede« Kapital gebaut worden ist. Die« hängt so zusammen: Es waren keine, oder wenigsten« doch nur eine so geringe Zahl von Aktiensubskribenieu vorbanden, daß sie nicht in Anschlag kommen konnte; die Gesellschaft verschaffte sich indessen Geld vermittelst des Uniernehmers, indem sie diesen mit Aktien bezahlte, welche er an der Börse verwerthete. Auch gab die Gesell- schast den, Unternehmer sogenaunle Lloydbons. d. h. Anweisungen aus Ordre, welche dieser bei den Banken diSkontirte. Die Gesellschast war somit ganz in den Händen des Unternehmer«, da sie finanziell von diesem abhing; auck halte sie nach und nach alle Kontrolle bei Seite gelassen und weder die Arbeiten noch die Rech- nnnzen verifizirt. Sir Peto versichert, daß er diese Nach- lässigkeiten nicht zum Nachtheil der Gesellschaft benutzt habe, und wir wollen ihm bis aus Weiteres, d. h. bt« mau ihn vom Gegentheil überführt, glauben, obgleich jetzt schon ein kleiner Differenzpunkt zwischen Hrn. Peto und der Gesellschast existirt: Letztere reklamirt nämlich eine beträchtliche Summe von Ersterem, wogegen dieser sein Guthaben bei der Gesellschaft ans 4(X1.lXX) Pfund Sterling angegeben hat!! Bis nach ausgemachter Sache muß man nothwendiger Weise über diesen Punkt schweigen, doch giebt es andere Dinge, welche so klar ans der Hand liegen, daß sie sich schon jetzt einer allgemeinen Beurthei- lung nicht entziehen können. In demselben Maße nämlich, als die finanziellen Schwierigkeiten der Gesellschaft sich häuften, nahm diese ihre Zuflucht zu Mitteln, welche zwar in der finanziellen Welt halb und halb erlaubt, jedoch vor dem Tribunal der Oeffentlichkeit nicht zu Verlheidigen sind. Anderer nicht zn erwähnen, so verletzte eines dieser Mittel offen- bar die bestehenden Gesetze in dem Grade, daß die Gesell- schaft eigentlich vor das Tribunal kommen müßte. Unser Gesetz besagt, daß keine industrielle Gesellschast mehr Schulden machen darf, als der dritte Theil des Aktien- Kapital« beträgt, wovon wenigstens die Hälfte aller Aktien coursirt. Es ist daher eigentlich schon das Aus- geben der Lloydbons meisten« eine offenbare Verletzung de« Gesetze«, da diese BonS dieselben Rechte wie Obli- gationen und vor letzteren noch den Vorzug des kurzen Ziels haben. Die hier in Rede stehende Gesellschaft aber, als sie sich in Geldverlegenheil befand und ihre Aktien nur noch mit 73 Prozent Verlust verwerthen konnte, fand ein Mittel, das Gesetz zu umgehen, indem sie auf Obligation ohne Rückhalt eines Aktienkapitals lieh. Sie gab dem Sir Peto Quittungen, denen zusolge sie aus eine große ljbhl Aktien Zahlungen erhalten hatte, während Sir Peto für die gleiche Summe Quittung über ge- lieferte Arbeiten ertheilte. Es waren aber weder Zah- lungen gemacht, noch Arbeiten ausgeführt, und die Ge- sellschast erhielt ans diese fingirte Operation hin, welche vor dem Richter eidlich als faktisch dargestellt wurde, die Erlaubniß zu einer Anleihe. Dieses Beispiel mag als Probe der Verwaltung der Gesellschaft dienen. Daß solche Manipulationen dem Verwaltungsrathe entgangen fein sollten, ist fast unmöglich zn glauben. Sollte es ebenso auch nicht bemerkt worden sein, daß für Netto 10 Millionen Pfund Sterling 6 Millionen Evurlage ge« zahlt wurden, so daß ein Nominalbetrag von 16 Millio» neu herauskam? Es wird Sie daher nicht Wunder nehmen, daß das Vertrauen zu Eisenbahnaktien im Allgemeinen hier fast verschwunden ist, und das Publikum und Presse ein- stimmig den obersten Chef für diese Skandalgejchichten verantwortlich machen. Doch wen trifft im Grunde die Verantwortlichkeit? Die englischen Zeitungen nennen namentlich vier Personen. Es steht indessen fest, daß die Einen die wahren Triebfedern, die Andern nur die Gliederpuppen wären, welche mit ihrem guten Namen den Betrug der Elfteren deckten. Ob die in den eng- lischcn Zeitungen genannten vier Namen zur ersten oder zweiten Kategorie gehören, muß das Endresultat der Untersuchung lehren. Alle aber, welche bei der Sache betbeiligt sind, büßen schwer für ihre Fehltritte, die sie wissentlich oder ohne Wissen gethan, da unsere Zeitungen keinen Anstand nehmen, die kleinsten aus die Sache oder die Personen bezüglichen Details zu publiziren. So weit die„Nordd. Allg. Ztg." Wird— so fügen wir hinzu— schließlich die Kriminalstrase, denn hierauf vor Allem kommt es an, der Größe dieser Fehltritte entsprechend sein? "ael, und tintn„UincinnatuS" wie Garibaldi,— ilber- �bme namentlich Preußen die Rolle Sardiniens, der Htrzog von Koburg-Gotha etwa die Garibaldi'«,— kann würde Deutschlands Einheit gar bald keine Chi- wäre mehr sein, denn k) kennt die deutsche Nation da« Bedllrsniß ihrer Einheit und ihre gerechten Ansprüche darauf voll- kommen. Der Deutsche ist serner nicht wenrger Patriot, kühn und tapfer, wie der Italiener, und das„preußische" und sonstige deutsche Boll würde seine Schuldigkeil thun. 2) Die Nichtintervention in die Ordnung der An- gelegenheiten Anderer ist Italien gegenüber zum Prinzip erhoben. Auf wie lange?— Sollten die Deutschen weniger gelten oder mehr wie die Italiener?— Wenn auch! 3) Wer wollte jetzt intcrveniren? Schwerlich Je- mand anders als vielleicht Oesterreich, und dann: o weh, Habsburg!— Später wird es viel- leicht ander« sein. 4) Es würde das Beispiel Italiens Wunder ver- richten,— dasselbe unbenutzt gelassen zu haben, dagegen künftig sehr beklagt werden. Wie steht die preußische Regierung mit ihrer Achtung der„Rechte Anderer" zu diesen Gedanken, wie ber Prinz-Regent und wie der Prinz Friedrich Wil- beim? Sollte die Regierung da« Recht der Selbst- bestimmung anderen Nationen zugestehen, der deutschen ober versagen, zumal dann, wenn es sich darum handelt, Preußen, da« Hans Hohenzollern, an die Spitze Deutschland« zu stellen?— Vielleicht läßt Preußen sich Annexionen gefallen. Wäre ein kleiner Versuch de- Huf« Sondirung der Ansichten schädlich?—" Ja wohll Nur ein ganz kleines„Annexions"- wevolutiönchen zum Zweck der„Sondirung der Ansichten der preußischen Regierung", und— wie Wögen dennoch den„Nationalen" die Haare zu Berge gestiegen sein wegen solcher Verwegenheit!— --Revolution." Gott sei bei uns! Und doch spricht, Ichreit, dichtet, singt und turnt AlleS in Deutschland don und nach der„Einheit und Freiheit des Baterlandes." Schleswig- Holstein trug mehrfach seine --Irauerumflorte" Fahne in Deutschland umher nach Dürnberg und Leipzig. Weißgekleidete Jungfrauen kwpsingen überall die Brüder vom„verlorenen Brudcrstamm" wie Fürsten mit„patriotischem" Eni- sticken.— Die Sänger— bin selbst ein solcher patriotisch-sentimentaler Esel gewesen— ließen überall mit heißer, überschwenglicher Freiheitsliebc lüre„schönsten Lieder klingen vom lieben deutsche» Baierland".— Die Turner— war mit dabei, als 1847 all' die deutschen Herzen eng aneinander- wllugen in Frankfurt am Main im Wolfseck, am Taunus, im Kaffee Holland, auf der Mainlust—; jwn all' den„edlen deutschen Jünglingsschaaren" üaben nur die Hanauer und Kieler ihre Schuldig- �eit gcthan.—„Gut und Blut",„stehen und fallen", � ach ja, das waren die stereotypen Heldenrufe im Großmaul des achtundvierziger Spießbürgerthums. � Habe mich auch durch Hunderttausend Adresten an die Nationalversammlungen in Frankfurt und Berlin, durch die famosen Beschlüsse des Kölner -.Städletageö" begeistern lasten zur Theilnahme an der Iserlohner Revolution.—„Revolution." wohl! Das Wort ist in Deutschland fast zum ninderspott geworden.— Sobald es sich ini Ernst Parum handelt, die Einheit und Freiheil des Baierlandes zu erringen, dann fällt den größ- len Schreiern, Rednern, Dichtern und Büngern zuerst das„große patriotische Herz" in— die Hose. „All' das Pack mit dem—„Helden"-Wamms— Gott verdainm'S!" Machen wir nnS weiter klar, wie durch das darieiwese» und durch die fortgesetzte Dul- �Nng von Seiten der Nation der jetzige trau- stge Zustand herbeigeführt worden ist. Niemand hat die ganze Erbärmlichkeit der Mit- stl-Partcien, aus welchen das deutsche Bllrgerthum Mteht, mit so klarem Blicke als das Haupt hin- �r»iß der nationalen und politischen Fortent- Wickelung der Nation erkannt und das Wesen der- stlben mir solcher Schärfe und unerbittlicher Strenge gebührend gekennzeichnet, wie Ferdinand Las- lle. Er war es denn auch, der die deutsche De- �vkralie neuerdings zur Thätigkeit aufrief, indem � die social- demokratische Partei gründete, und �rselben im Allgemeiunn deutschen Arbciter-Ber- 1 ' eine ein scharf begrenztes Feld für ihre praktische Wirksamkeit anwies. Er ging dabei von der Ueber- zeugung aus, daß die in Folge der herrschenden Verhältniste total versumpfte große Masse des Vol- aj.......« /•*"'-----* Ä"nJ.Ä"Ä«SÄ.'rÄ'! tWtdf, wenn die politische Agitation lediglich als pucenten das gleiche Ziel, möglichst hohe Preise zn er- nicht ein einzige« Getreidekorn für jede« Erntejahr neu producirt werden. Es treten also nicht Concnrrenz- sondern Monopolpreise ein. Während in der Industrie das große Kapital da« Bestreben hat, durch vermehrten Mittel zum Zweck der völligen Umgestaltung !der socialen Verhältnisse und dadurch zur gründlichen Verbesserung der materiellen Lage des Arbcilerstandcs bezeichnet und benutzt werde. Las- salle hat in seinen hierauf bezüglichen Schriften ein vollständiges System geschaffen, dessen Durch halten. Der groß- Grundbesitzer hat hier da» natürliche Bestreben, die möglichst hohen Preise de« kleinere» Grund- besitzerS ausrecht zu erhalten, und ist dieser, weil er weniger Kapital hat, genöthigr, seine Bodenerzeugnisse bald nach der Ernte für dilligere Preise loszuschlagen, so behält der große Grundbesitzer seine Ernleerzeugnisse ipeziell die Lrnchtung allgemeiner Prc6uctm-.?l|io- ejne sjjeigung � steigende» Preisen vorhanden, während ciaiionen der Arbeiter mit StaatS-Kredlt, auf fried- ße, industriellen Erzeugnissen die umgekehrte Neigung licheni und legalem Wege ermöglicht, wozu aller- vorherrscht. Wiederholte gute Ernten können die Preise dings erforderlich ist, daß die Arbeiter Deutschlands zeitweilig allerdings in etwas herunterdrücken, die Nei- in den gesetzgebenden Körpern hinreichend gung zum Steigen waltet aber jederzeit vor. Nun kann vertreten sind, zu welchem Zweck er dem Allge- man freilich bei eintretendem Mangel an einzelnen Orten ■~-..- durch vergrößerte Zufuhr und Concurrenz einige Abhilfe schaffen. Diese Concurrenz bleibt aber immer eine be- schränkte. Denn man kann von der bestimmt Vorhände- „,.,, � nen Masse des Getreide« immer nur so viel von einem ist allgemein bekannt, in wie hohem Grade l. assalle ab und dem anderen zuführen, als jener entbehren dadurch den maßlosen Zorn sämmtlicher Bourgeois- 1 kann oder als die Spekulation freiwillig hergiebt. Parteien auf sich geladen hat, worin der untrüg-—(Das Standard-Theater.) eines der weni- lichste Beweis liegt, daß er das Richtige,„den gen Theater im Osten London«, ist am Morgen de» Nagel auf den Kops" getroffen hatte. 21. Oclober bi« auf den Grund niedergebrannt! den Zu den Voraussetzungen Lassalle's gehört na-! Ad-nd vorher war bei überfülltem Hause- dasselbe meinen deutschen Arbeiler-Bereine als nächstes politisches Ziel die Erlangung des allgemeinen, gleichen und directen Wahlrechts vorzeichnete. Es tllrlich in erster Reihe die Freiheit und Ein- heil Deuischlands. Die Fürsten werden der Nation aus freiem Antriebe nichnals Eins von Beiden bewilligen; sie sind also nur zu er- ringen durch Revolution.— Lassalle hat der Nation auch in dieser Beziehung den richtigen Weg gezeigt. Er' wollte nicht die Revolution von Unten, sondern eine solche von Oben; er wollte also nicht nur in socialer, sondern auch in politischer Beziehung die„Staats hülse".— Er hatte Recht! Eben so unzureichend, wie in so- cialer Hinsicht die Armen-, Kranken-, Straf- und Besserungs-Häuser, die Leih-Anstalten, die Vorschuß-, Consum-, Rohmaterial- und Spar-Vereine, sind in politischer Beziehung die„Selbsthülse" forlschritt- licher Abgeordneten-Häuser durch jäninierliche Kammer-Debatten und Bubgetverweigerungen, Schützen-, Turn-, Gesang- und ÄAusik-Feste, sowie andere hanswurstliche Spieleren zur„Kräftigung des Na- tional-Gefühls" im Volke,— thörichler„liberaler" saßt gegen 4000 Mensche»— eine Travestie des„Frei- schütz" zum ersten Male gegeben worden. —(Die Unsicherheit der englischen Justiz- pflege) wird durch ein seltsames Versehen recht veran- schaulicht, da« während der letzten Session de« Central- Criminal-Court von der Großjury begangen worden ist. Dieselbe stellte eine Anklage irrthümlicher Weise, nachdem sie eigentlich zu dem entgegengesetzten Schlüsse gelangt war, al« begründet dar, in Folge dessen der Angeklagte, John Creek mit Namen, vor die Assisen gestellt und wirk- lich zu zehn Jahren Zuchtbaus verurtheilt wurde. Al« die Großjury ihren Jrrthum erfuhr, verwendete sie sich beim Minister des Innern für den unschuldig Verurtbeil- ten, der nun die vorige Woche von der Königin begnadigt worden ist, oder wie e« technisch heißt, free partlon erhalten hat. Da es in England bekanntlich an einem Cassationsgerichte fehlt, so ist die» die einzige Möglich- keit, ein ungerechtes Urtheil rückgängig zu machen. —(Feuer im Schlosse von Brüssel.) Am 14. d. M., Morgens 7 Uhr, brach im königlichen Schlosse in Brüssel in den Zimmern des König« Feuer aus. Flißbödeu und Gebälk standen in hellen Flammen und mehrere Kunstsachen von hohem Werth?, unter Anderen Firlefanz, mit dem man keinen Hund vom Ofen ein Christus von Rubens und mehrere egyptische Alter lockt. Ober glaubt etwa die„deutsche Volks- lhümer, welche der König Leopold II. angekauft hatte, Partei" oder die in der Bildung begriffene„na- sind verbrannt. Das Feuer, welches durch die Unvor- tionale Partei", ohne sociale Grundlage I s'-bllgkeit eine« Arbeiters en�� sein soll, wurde zwar eine Revolution„von Unten" beginnen und durch» j �?.„ n* 1[ � �' ,.«?.d..«J � halb der nächsten Jahrzehnte, nachdem dle aus irackenen Witterung ein für die Schissfahrt ganz trostloser. allen kampssählgen Männern der Nation'Die Schleppschiffe und Dampfer haben auf der Stelle bestehenden„deutschen Krieger" aller Potentaten auf � zwischen Hitzacker und Wittenberge Tage lang liegen den Schlachtfeldern Deutschlands einen Borralh bleiben müssen, weil die Fabrbahn zu schlecht und mit von„Lorbeer»" und„Ruhm" erstritten haben, an zu tief beladenen Segelschiffen fast ganz besetzt war. dem sie eben so volle fünfzig Jahre, eh- Mitglieder der Direktion und de» Verwaltuugsrathe« der ren werden, wie die„alten Veteranen" von Norddeutschen Dampfschleppschifffahrts-Gesellschaft hatten 18l