Nr. 167. Berlin, Mittwoch den 31. Oktober 1866. Zweiter Zahrgung. -Dkmolirilt. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«. Donnerstag« und Sonnabend« Abend«. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hosstctten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnements-Preis iltr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., mo< uatlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Kömgl. preußischen Postämtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtprenßischen Deutsch- land IL'/s Sgr., im übrigen Deutschland LO Sgr.(fl. 1. 10. südd., fl. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Tompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auw unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Wer hätte das Jahr 1848 niitdnrchlebl) und erinnerte sich nicht deS „HeckerliedeS", jenes Liedes, in welchem sich die Hoffnung und das Vertrauen aussprachen, welche das Volk auf Friedrich Hecker setzte. Daß die Sache, die dieser Volksmann damals verlrat, die Sache des Volkes selbst, nicht zum Turchbruch und zum Siege gelangte— fürwahr, nickt die Schuld Heckers, nicht die Schuld des stolzen und thatkräsligen Republikaners war es, sondern die Schuld der Zeitgenossen, die ihn nicht begriffen, die Schuld seines Volkes, dem die Ver- ständniß und die Thaikrafl zum großen Werke fehlten, die Schuld vor Allem der elenden, die Geister verwirrenden, die Herzen lähmenden Mit- telparteien. Warum wir heute von Friedrich Hccker sprechen? Hecker hat an einen Freund in Mannheim Briefe geschrieben, welche sich über die politischen Vorgänge in Deutschland aussprechen und bei der Vergangen- heit Heckcrs für jeden Volksfreund, ja für jeden Politiker überhaupt von hohen; Interesse sein müssen. Die„Köln. Ztg." veröffentlicht sehr auefllhr- liche Auszüge aus diesen Briefen, zu welchen der Einsender bemerkt:„Meine Copie ist mangelhaft. Einiges habe ich weglassen müssen, weil ich es nicht entziffern konnte. Anderes erschien nicht mittheilbar so, wie es geschrieben war; und ich würde es für ein Unrecht gehalten haben, etwas zu verwaschen oder zu verwässern an diesem prachtvoll-naturwüch- sigen Kraftstyl des Deutseb-AmerikanerS."..... Der erste Brief datirt von den; 2. December 1865— man beachte die Zeit! Nach einem Ein- gange, der nur persönliche Angelegenheiten berührt, gehl Hecker mit folgenden, also vor etwa einem Jahre geschriebenen, Worten zur Besprechung der deutschen Politik über: „Jdi hatte mir seit Jahren vorgenommen, nacb Beendigung des Krieges gegen die Rebellion das Land wiederzusehen, dem ich durch Geburt, Gesin- nung und Erziehung angehöre, und an das ineine Ideen mit unzerreißbaren Ketten gebunden sind— das Land, wo so mancher liebe Freuno und Kampf- genösse weilt. Als ich nach dreijährigem Feldlager mein Schwert wieder zu den Penaten gestellt und endlich eingesehen hatte, daß hier keine Rosen blll- hen für die„ForeignerS", mögen sie auck»och so � aufopfernd gehandelt haben, war ich fest entschlossen, � einen Abstecher über den Ocean zu machen. Aber' abgesehen von der Kostspieligkeit der Reise, beson- derS bei dem hohen Geldcours— und wir Bauern haben nur auenadineweise etwas übrig— fragte ick mich: Was willst du dorten ihnn? Als bloßer Tenorist und GasthauS-Tafel-Probirer, wie John Bull oder wie ein in Amerika reich gewordener Hauökneckl? Zu reisen, um gereist zu sein? Das ist mein Geschmack nickt. AuS Eitelkeit im Lande herumzuziehen,»m gcpfingstockst zu werden, wie unser weiland Bürgerkronen- Fischer,— das habe ick von jeher gehaßt. Das leere, maulheldige Schwätzen mit Redensarten von Aequatorhitze, wäh- rend die Tbat weit oben am Nordpol eingefroren liegt, ist mir verächtlich. Wer so lange in dieser praktischen, nüchternen und doch so bewegten Re- publik gelebt und immer nur praktische Resultate in, Auge gehabt hat, dem ist thatenlcse Schwätzerei und unklare Phantasterei ein Gräuel. Mit auf- werksamem Auge verfolge ich den Gang der Dinge in der alten Welt und besonders in Deutschland. Aber ich sehe in letzterem noch nicht ein Jota ernst- gewillter Aufopferungsfähigkeit und Thatkraft. Das Höchste, der Ur-Typus, ist die Classen- Kappel-! mannerei. Wer nun, wie ich, weiß, wie eS an wenigen.Personen hing, daß nicht die ganze große Exaltation von 1848 im constilutionellen Vertrauens- Dusel verlief;— wer die fulminanten Sckwätzer, die immer die Revolution wie einen Pistolenlauf drohend aus ihrer Tasche gucken ließen, so lange der Sturm nickt ausgebrochen war;— wer diese Kraft-Hasen in ihrer ganzen Erbärmlichkeit gesehen hat, wie sie den mit Seife bestrichenen Kletterbaum nach Minister-, Gesandtschafls-, Staatsraths- und Verlranenemänner- Posten eifrig hinaufkletterten, um sckleunigst wieder herabzurutschen; wer mit die- sen Erinnerungen die gegenwärtige Lage der Dinge in Deutschland vergleicht und dabei die alte Liebe zun» Vaierlande und feiner Freiheit im Herzen trägt, tcni wird ganz schauerlich zu Muthe. „Die von Drouyn de Lduys ganz richtig ge- zeichnete VersahrungSart in SchleStSig-Holstei»,— der constitutionelle Kayensammer des preußischen Abgeordnetenhauses,— die Staalsprllgelei in Meck- lenburg,— die Kappe des Schweizers in Kassel,— die Processionen des schwarzen Landsturmes in Ba- den,— die demokratisch-liebäugelnde Angst-Mcierei des aufgeklärten Despotismus eines Beust, die Rathlosigkeit mediatisirungsfürchtiger und schein- liberaler Zaunköniglein,— die Hundspeitsche, welche zuweilen unter dem Rocke hervorgezogen und den Republikanern der Frankfurter Börse gezeigt wird, — der Erisapfel von Gastein,— die centrale De- centralisationSanarckie des Bundestages mit dem Bankerott im Hintergrunde,— das Alles auf der einen Seite;— auf der andern Seite nur die fünf schlimmen S, nämlich: Singen, Schießen, Sckwatzen, Springen und... Saufen, das Alles zusammen bildet einen wahren Hexenkessel, dessen Anblick mich mit Ekel und tiefer Trauer erfüllt. „Und in all dem Wirrwarr nur Ein Mensch, — ein Mensch, der weiß, was er will, der die Rücksichtslosigkeit, die Schlauheit, das energische „Durch!" mit einer richtigen Würdigung seiner inaulhcldigen Gegner verbindet,— das ist Der von Bismarck! „Während Bismarck weiß, was er will, und noch mehr weiß, nämlich, daß die französtscken Finanzen auf einem Puncte angelangt sind, wo die Krallen stumpf werden, weiß Oesterreich keine drei Tage im Voraus, was es will und soll. Nachdem es lange das Einheitswerk probirt hat, verfällt es plötzlich in taS diametrale Gegentheil. Die Ungarn, welche feine Hülfs- und Rathlosigkeit sehen, profi- tiren davon und dringen auf Decentrallsation. Vielleicht spukt auch Rußland im Hintergründe, welches Ocsterreick sein Verhalten während des Krimkrieges niemals vergißt. Passen Sie auf, wie dieses ungariscke Vorgehen auf die andern hetcro- genen Elemente Oesterreichs wirken wird,— auf die Czechcn, die Slaven, die Polen zc. Eine sich immer mehr und mehr entwickelnde, größere Rath- losigkeit, ein kraftloseres Zurücksinken nach erkünstelt muthigem Anlauf, als es Oesterreich gegenwärtig in Allem— nicht nur Preußen gegenüber— zur Schau trägt, ist kaum jemals dagewesen, obgleich die Zeit von 1793 bis 1809 denn doch auch ein Stllcklein davon liefert. Das sieht fast ein Blinder. Und Bismarck sieht es doppelt. „Lassen Sie uns nun das Volk in Deutschland betrachten. Da ist zuerst das Preußische. Jeder Preuße sieht die Welt durch eine preußische Brille. Die Großmächtigkeil ist ihm zu Kopfe gestiegen. Alle seine Expectorationen sind preußisch. Was nickt preußisch ist,„is nich"! Das steckt nicht nur in Twesten und Eonsorten, sondern auch in einem Löwe und Schutze-Delitzsch so fest, wie in jedem Schusterjungen. Oesterreich hat für Deutschlands freiheitliche Gestaltung keine unmittelbar wirkende Geltung. Was bleibt nach Abzug von Oesterreich und Preußen? Einige thüringische Duodezaus- gaben, deren strategische Bedeutung Preußen im Auge behält, wie der Bussard das Mauseloch, Sachsen(propra), Bayern, Württemberg, Baden und die deutsche Türkei in Hessen. Diese Be- völkerung ist großentheils antipreußisch. Aber wenn Ihr Prcußenfeinde für das Vaterland nicht mehr übrig habt, als bisher, dann haltet Euer Maul! Dann unterwerft Euch und singt: Ich bin ein Preuße! Kennt ihr meine Farben? „Wäre ich der Bismarck, mich würde kein Teufel abhalten, den ganzen Kram ganz ruhig einzusacken! Es würde weniger kosten, als er vielleicht selbst glaubt. Zum Schluß könnte man ruhig einen Denkstein aufrichten mit der Inschrift: Tu l'as voulu, George Dandiu! Du hast'S selber so ge- wollt, Michel!... So weit der erste Brief Hockers. Sein zweiler Brief, gerichtet an denselben Adressaten, ist datirt vom 2. September 1866, rührt also aus der jüngst verflossenen Zeit her. Wir theilen denselben in der nächsten Nummer mit.— Rundschau. Berlin, 30. October. Die Agitation für einen Anschluß Süddeutsch- lands an den in Aussicht gestellten Bund der Staa- ten im nördlichen Deutschland gewinnt an Leb- auch nicht die Regierungen, doch die Völker wür- den eintreten können. Auch hegen wir die Hoff- nung, daß mit dem erstarkenden Einheitsgefühl die ausgeschlossenen deutschen Völkerschaften mit Hülfe der im Bunde befindlichen die Pforten zu finden und sich zu öffnen verstehen werden.— Die Kreuz- zeituug tröstet sich mit dem Gedanken, daß bei der der Stadt Frankfurt gegebenen Verfassung die selbstständig-communale Verwaltung nicht in den Himmel wachsen wird. Die Bürgermeisterwahl unterliegt der Bestätigung der preußischen Regie MW-!!.®. ml.... U-teWrif. „Keine Mainlinie," ladet die Mitglieder und Freunde des Nationalvereins zu einer Versammlung nach Heidelberg ein. Das Blatt geht von dem Gedan- ken aus, die preußische Uebermacht der nationalen Sache dienstbar zu machen. Das Mittel zur Er- reichung des Zweckes fei die„Erweiterung der preußischen zur deutschen Macht." Ein besonderer süddeutscher Bund sei ein Hirngespinst, das niemals Fleisch und Blut gewinnen könne. Ferner hat das Wahlcomitee der Fortschrittspartei in Hessen- Darmstadt soeben einen Aufruf erlassen, in wel- chem aufgefordert wird, solche Männer in die Kam- mcr zu wählen, die einen freien Nord- und Süd- deulschland umfassenden Bundesstaat mit freiheit licher und volkswirthschaftlicher Besserung der Zu stände des eigenen Landes zu erstreben gesonnen, Mjbief« kaiserliche Aeußerung von dem sind, bleut aill es. beifit es dann, auch von unserer vfsiciellen Delegraphen-�.ureau unterdruckt und nur sicht in Kirchen- und Schulangelegenheiten und die höhere Polizei ausdrücklich vorbehalten hat.— Am 27. Abends ist in Prag ein eines Alten- tatsversuches auf den Kaiser von Oesterreich Verdächtiger verhaftet worden.— Der„Fr. Ztg." wird aus Paris geschrieben, daß der Kaiser von Oesterreich das Dekret unterzeichnet, welches Herrn v. Beust zum österreichischen Minister des Aeußern ernennt. Aufsehen hat erregt, daß der Kaiser in Prag gerade bei der Vorstellung des hohen Land- adels für die bevorstehenden Verfassungsarbeiten die Umgestaltung im Sinne der Reichseinheit betont hat. Man betrachtet dies als das künftige Pro- gramm des Kaiserstaates, das mit Hilfe des Herrn v. Beust durchgeführt werden soll. Auffallend ist kaiserliche sind. Jetzt gilt es, heißt es dann, auch von unserer Seite unverdrossen und unbeirrt für ein freies und �! 1 11 a elegramme n ach Wien gemeldet ist. einiges Deutschland weiter zu wirken, damit nicht � der c|temichi|chen Minister ist tele- die Mainlinie unser größeres Vaterland und gleich-! 3™�� �en gerufen und man erwartet zeilig unsere engere Heimath unnatürlich zerreiße,.�"��"3en Beschlüsse von großer daß vielmehr der beabsichtigte norddeutsche 5öunt> i?l!19n?eite- �e.r%?fe"cr»• Hnsner, ohne Verzug zu dem unsererseits stets erstrebten der„deutschen sinken, neben Beust in wirklichen deutschen Bundesstaate werde u. s. w.! � Mimstenutn berufen werden soll, tritt als Hofs- In gleicher Weise ist der Ausschuß des deutschen nungsvolles Gerücht auf und bleibt abzuwarten. Abgeordnelentages auf den 11. November nach Der� Kaiser von Frankreich, der für körper- Eisen ach einberufen worden, um sich über das sichln Schmerz sehr einpsiiidlich ist, hat abwechselnd Verhalten Süddcutschlands zum norddeutschen Bund Mle und böse Tage. Die A�rzte haben von Neuem auszusprechen. Die„Nordd. Allg. Ztg." sieht diese""en W.nteraufenthalt in Algerien empfohlen, wel- Agitation mit sehr sauersüßer Miene an und dieM. tioneller Rhetoren wieder verwischt werden? Wir möchten uns der Hoffnung hingeben dür- feu, daß die preußische Regierung Besseres mit dem norddeutschen Bunde vorhätte, als sich mit den erreichten, vorerst mehr specifisch preußischen Erfolgen zufrieden zu geben. Wenn die preußische Regierung wirklich eine deutsche Politik verfolgt, so wird sie auch mit Leichtigkeit die Thür finden kön- Nen. in welche die süddeutschen Staaten, und wenn schluß bis jetzt noch nicht gefaßt. Deutschland. ip Berlin, 30. Oct. sEin enger Anschluß Schweden-NorwegenS an Preußens ist in letzter Zeit in der Presse mehrfach Gegenstand der Besprechung gewesen und Hai auch Eingang in die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." gefunden. Und in der That macht die gegenwärtige politische Lage Europa's einen gegenseitigen Anschluß dieser Staa- ten wahrscheinlich. Die Verlobung der dänischen Prinzessin Dagmar mit dem russischen Thronfolger gab der russischen Presse Gelegenheit, mit der alt- überlieferten und im russischen Volke wurzelnden Politik Peters des Großen: Mitteleuropa mit eiser- nen Armen zu umspannen und zu erdrücken, wieder hervorzutreten. Das Haus Glücksburg, dem die dänische Prinzessin Dagmar angehört, ist nur auf wenig Augen gestellt, und man betrachtet in der russischen Presse als ihre Mitgift die Schlüssel zur Ostsee, welche mit der Verheirathung an den ruf- fischen Thronsolger der russischen Herrscherfamilie überliefert werden. Mit dieser Verlobung mußten zugleich die scandivischen Bestrebungen sowohl in Norwegen und Schweden, denen Rußland als Erb- seind gilt, wie in Dänemark einen heftigen Stoß erleiden, was sich auch sofort bei den letzten Wahlen zum Volksthing in Dänemark zeigte, die zu Un- gunsten der nationalen Partei ausfielen. Bringt man hiermit die Verstimmung in Verbindung, welche seit dem Schleswig-Holsteinischen Kriege zwischen dem Petersburger und Berliner Kabinet herrscht, die noch durch die energische Fürsprache für die russischen Verwandten auf deu deutschen Thronen nach dem letzten Kriege von Seilen Rußlands ge- steigert wurde, so findet der Anschluß zwischen Schweden- Norwegen in Preußen eine natürliche Begründung. Auch Napoleon würde dies Bündniß mit günstigem Auge betrachten; ihm ist das Testa- ment seines Oheims unvergessen, der in Rußland eine gefährliche Hyder sah, die zu unterdrücken ein gemeinsames Interesse europäischer Politik sei. Und wenn nun das Journal„de St. Petersburg" neuer- dings erklärt, daß die westlichen Provinzen wesent- lich russisch gemacht werden müßten und die russische Regierung im Königreich Polen entschlossen die Auf- gäbe verfolge, die polnische Gesellschaft von den anarchischen und fremden revolutionären Einflüssen zu befreien, welche die Verschmelzung der polnischen und russischen Interessen verhinderten, so wird dem kranken Mann an der Seine dadurch der Gedanke einer Wiederherstellung Polens um so näher gerückt. Die Aufrichtung Polens könnte die Dynastie Bo- napartc, welcher das Jahr 1866 so verderbliche Schlappen beigebracht hat, in den Herzen der Fran- zosen vielleicht wieder etwas befestigen. Jedenfalls kann ein Damm, welcher den Russisicirnngsgelüsten durch ein schwedisch-preußischeS Bündniß entgegen- geworfen wird, einer günstigen Aufnahme in den Tuilerieen sicher sein. — sDie Abscbafsung des Einzugsgeldes in Preußens wird den uächstens zusammentretenden preu- ßischen Kammern, wie es heißt, wieder vorgelegt werden. Die Vorlage war schon gemacht, theilweise genehmigt und nur durch den im Februar d. I. eingetretenen Plötz- lichen Schluß der Session nicht weiter gediehen. Ver- schiedene Städte haben sich jener Abgabe lange schon entäußert und es handelt sich nur darum, sie allgemein gesetzlich zu beseitigen. — sEonsiscationen.j Das erste Sonntagsblatt sowie das erste Dienstagsblatl der„Rhein. Ztg." sind schon wieder ohne Angabe der Gründe während des Druckes mit Beschlag belegt worden. Von einer Abwech- selung der Gedanken scheint die preußische Regierung kein Freund zu sein. Die preußische Presse macht jetzt gewiß einen gar frommen und sanften Eindruck und die preu- ßische Regierung findet meist nur eigene Gedanken, wenn auch zuweilen mit ein wenig liberaler Färbung über- tünchi, wieder. Warum ist also da einer dem Fahrwasser der Regierungsansichten zuwiderlausenden Anschauung nicht mehr Raum zu gönnen? Zu verwundern wäre eS nicht, wenn diese Confiscationen so sehr die Aufmerksamkeit auf sich zögen, daß gerade um deswillen nach dem „bösen Gifte" gehascht würde und schließlich doch mehr sitzen bliebe, als der Regierung wllnschenswerth ist. Für Jdeenverbreitungeu dienen Confiscationen leicht als be- schleunigtes Versahren. Ausland. Paris, 28. Oct. sDie Lyon er Arbeiter.� Folgende beiden Actenstllcke über den Nothstand der Lyoner Seidenweber sind dem„I�rogres de Lyon" zur Veröffentlichung zngegangeri. Das erste ist ein Schreiben des Ministers des Innern an den Rhone- Präfecten, Senator Henri Chebreau: Ich habe dem Kaiser die Berichte unterbreitet, welche Sie mir über die Lage der lyoner Seiden-Jndustrie zugesandt, ebenso wie die Petition, welche Ihnen die Ab- geordneten eines TheileS der dortigen Arbeiter-Bevölle- rnng überreicht haben, Se, Maj, hat mit lebhafter Theil- nahme die Mittel fiudirt, mit deren Hülfe die Leiden der dortigen Weber gemildert werden könnten, ohne daß deßhalb dem großen Principe der Gewerbefreiheit Ein- trag geschähe. In der Thal würde es höchst ungerecht sein, wollte man die Fabrikanten daran rerhindern, die Handarbeit da gerade anzuwenden, wo sie sich dieselbe wohlfeiler beschaffen können. Jedermann muß völlige Freiheit gelassen werden in der Ausübung seines Rechtes und der Ordnung seiner Interessen. Sobald aber eine zufällige Krisis in irgend einem Industriezweige zu Tage tritt, ist eS Pflicht der Regierung, mit Sorgfalt alle die Maßnahmen zu erwägen, welche im Stande seien, die Folgen solcher ökonomischen Störungen zu vermindern. Nach den Millheilungen zu schließen, welche Sie mir zukommen ließen, scheinen die Arbeiter davon überzeugt, daß, wenn sie sich ifl Corporaliv-Genvssenschasten zusammenfänden, sie sich bessere Bedingungen Betreffs der Preise sür ihre Arbeit zu sichern und den Ucbergang zu erleichtern vermöchten, den da« Aufgeben der fayonnirten Stoffe, den ganz gewebten Fabrikaten gegenüber, der Production auferlegt. Demnach wäre selbst schon eine derartige Genossenschaft in der Bildung begriffen. Diesen Thatsachen gegenüber schien es dem Kaiser am ange- messensten, die Bildung diese« Unternehmen« möglichst zu begünstigen und dessen schnelle Entwicklung sicherzu- stellen. Das Gesetz von 1856 über die Commandit-Ge- nossenschaften gestaltet allerdings nicht eine Gesellschaft mit Actien von je 106 Frs. zu gründen, deren Gesammt- Capital den Betrag von 206,000 FrS, übersteige. Diese gesetzliche Beschränkung hätte, Ihren Informationen zu- folge, eine bedeutende Anzahl von Theilnehmern sernge- halten. Da» Hinderniß könnte jedoch umgangen werden, wenn die vereinten Arbeiter sich entschlössen, zur Firma der anonymen Gesellschaften zu greisen. Setzen Sie ihnen diese Situation auseinander, und wenn sie es für passend erachten, sich der Basen der anonymen Gesell- schasten zu bedienen, so sollen die Statuten ihrer Gesell- schasr mit größter Beschleunigung geprüft werden. Mit meinem Collegen, dem Minister für Handel, Ackerbau und öffentliche Arbeiten habe ich bereits Vereinbarungen getroffen, um Ihr Ansuchen ohne Verzug erledigen zu lassen. Ein solches Unternehmen wird dann, so hoffe ich, in der Jnlelligenz und dein Geschick seiner Theil- Haber genug Garantieen de« Erfolges besitzen. Jeden- fall« aber, um die ersten Operationen zu erleichtern, ist der Kaiser mit der Kaiserin, die gleich ihm ergriffen ist von den Leiden, die Sie signalisirt, dahin llbercingetommen, daß die„Gesellschaft des kaiserlichen Prinzen" der neuen Genossenschaft einen Vorschuß von 300,000 Fr«, gewähre, Auch andere Cooperativ. Genossenschaften werden sich noch unter den Webern in« Leben rufen lassen. Der Kaiser hat mir mitzutheilen geruht, daß er aus seine Civiliste den Betrag von 300,000 Frs. hat anweisen lassen, um die Constilnirung und die ersten Operationen dieser ver- schiedenen Unternehmungen erleichtern zu können. Außer- dem hat seine Maj, mit Freuden Kenntniß davon ge- nommen, daß Sie den städtischen Bauten gerade jetzt einen neuen Impuls verliehen haben. Auch der Minister der öffentlichen Bauten hat den Wegebau- und Brücken- Ingenieuren Weisungen in gleichem Sinne zugehen lassen. Der Kaiser hat die Hoffnung, daß die Gesammt- heir dieser Maßnahmen den lyoner Arbeitern Gelegen- heil geben werde, durch Arbeit die Löhnungen wieder einzubringen, welche ihnen die Arbeitsstockung verloren gehen ließ. Um indeß den notbwendigsten Bedürfnissen zu genügen und während des Winter« der Mildthätig- keit eine weitere Ausdehnung geben zu können, beauf- tragte mich Se. Maj., diejenigen Summen zu Ihrer Verfügung zu stellen, welche, außer den von der Stadt Lyon bereit« votirten, zur Verlheilung an die verschiede- neu WohlthätigkeitS-Bureaux der Stadt nöthig erschienen. Genehmigen Sie w, Der Minister des Innern, Lavalette. Das zweite, sich an daö vorstehende eng an- schließende Schriftstück geht von der gewählten Com- Mission der Arbeiter aus und lautet: Die Abgeordneten der Weber der Stadt Lyon, beauf- tragt, eine Petition zu verfassen, welche von dem Gou- vernement ein Heilmittel für ihre gefährdete Lage zu erhalten bezweckt, beehren sich, ihren Mitbürgern anzu- zeigen, daß die unverweiltc Sorge der Regierung sicb in dem Briefe des Minister de« Innern in delaillirter Weise kundgegeben hat. Diese« Schreiben gewährt uns in der Thai Genngthuung, indem es uns Hoffnung sür die Zu- kunft einflößt, Ter Kaiser hofft, daß unser Unternehmen in der Intelligenz und dem Geschicke seiner Mitglieder hinlänglich Bürgschaft des Erfolges besitze. Deshalb ist es jetzt an uns, durch Gemeinsamkeit und Klugheit diese Hoffnungen nicht zu Schanden werden zu lassen. Seine Majestät zeigte sich nicht weniger von unserer Lage er- griffen, als sie auf ihre Privatchatoulle die nöthigen Summen anwies, um in großem Maßstabe den Leiden� Abhülfe zu schassen, unter denen unser Arbeiterstand zu � erliegen droht. WaS die Frage des Octrois betrifft, so wußten wir im Voraus, daß eS unmöglich sein würde, sie sofort zu bebandeln. Wir hoffen jedoch, daß die Stimme der Presse und das Stadium der Volkswirthe im billigsten Sinne entscheiden helfen werden. Wir ent- sprechen dem einstimmigen Gefühle unserer Kameraden, indem wir dem Herrn Senator sür seinen so thätigen und wohlwollenden Beistand danken und indem wir ihn bitten, dem Kaiser und der Kaiserin gegenüber Dolmet- scher unseres aufrichtigsten Dankgesühles zu sein. Die Redactions-Commission, Namens de« elf Abgeordneten der Weber: gez.: Gargnier, Chepie, Arnaud, Burlat, Condomin. Unser Parteistandpunkt. Wir geben nachstehend die Fortsetzung der Tölcke- scheu Arbeit, indem wir uns, wie bereits bemerkt, eigene Ausführungen vorbehalten. An die deutschen Arbeiter. Für einen aufmerksamen Beobachter kann es kein Geheimniß sein, daß die auswärtige Politik Napoleons III. vorzüglich darauf gerichtet ist, das durch die Wiener Verträge von 1814 und 1815 zerstörte Werk seines Onkels wieder herzustellen, die unter der Leitung Metternichs entstandenen verhaßten Verträge, soweit sie noch bestehen, zu vernichten und Revanche zu nehmen an den Feinden Napoleons l.— Weil diese Zwecke sämmtlich nicht auf einmal, direct und in unmittel- barer Reihenfolge zu erreichen waren, so ging Napoleon III. von Anfang an systematisch und auf Umwegen auf seine Ziele loS. Den„Kaiserthron" von Frankreich erreichte er über Straß- bürg, Boulogne, Ham und über den Präsi- dentcnstuhl der sranzösischen Republik. Seitdem sspielte Napoleon in Verfolgung seiner weitern Ziele den europäischen und außereuropäi- scheu General-„Feldscheerer." Zunächst empfing Rußland den gewaltsamen Revanche-Aderlaß in der Krim, Oesterreich den seinigen 1859 in Italien, und der dritte in der„heiligen Allianz," Preußen sollte ihn 1863 erhalten.— Schon wetzten und probirten damals in Polen die Sensenmänner die Lanzetten des Völker-Chirurgen und dieser lauerte in Paris nur aus eine schickliche Gelegenheit, um auch Preußen eine Schlappe zu versetzen für die der napoleonischen„Kaiser"-Gloire vor fünfzig Jahren angelhane Schmach und Schande; allein „Lord Feuerbrand" s Palmer st on) schien es über- drüssig geworden zu sein, noch länger und beson- ders bei der Operation an Preußen den Pflaster- kästen des pariser Wunderdocters zu tragen und dessen„westmächtlichen" Chirurgengehülfen zu spie- len, der bei Gelegenheit seiner Dienstleistungen stets selbst„Blut lassen" mußte zur heil- samen Schwächung und zuni Entgelt für die englische Grobheit von Waterloo.— Dennoch würde wahrscheinlich schon damals die französische Lanzette in der Pulsader Preußens ge- steckt haben, wenn nicht die vom hochweisen Ab- geordnetenhause mit fortschrittlichen Freiheitsfloskeln so lebhaft getadelte Convention mit Rußland be- standen und wenn die nicht minder verscbrieene Armee-Reorganisation Preußen nicht eine Armee verschafft hätte, vor welcher selbst Zuaven gezie- Menden Respect haben mußten. Daß Polen, daö unglückliche Polen, damals nur als„Sardelle" dienen sollte zur Reizung des fran- zösischen Appetits zum linken Rheinufer, und daß es nebenbei zu gleicbem Zweck der„europäischen Revolution", dieser Seeschlange im Fahrwasser der europäischen Reaction, nur als Lockspeise hin- gehalten wurde,— davon war damals die„Re- volution", welche längst wußte, was sie von dem eidesfesten„Gewählten" des 2. December zu er- warten hatte, eben so fest überzeugt, wie es jetzt jeder denkende Politiker ist,— Polen, das abermals verrathene Polen, bot einen plausibeln Vor- wand zur Sühnung der Sünden der heiligen Al- lianz gegen den napoleonischen Heiligenschein, und kein einsichtiger deutscher Patriot konnte es der preußischen Regierung verdenken, wenn sie in dem polnischen Aufstande ein untrügliches Zeichen napo- leonischer Gelüste, ein Fabrikat der napolconischen Politik der Völkerverhetzung erblickte und da- gegen bei Zeiten energische Maßregeln ergriff. „Völkerverhetzung!" Ja, dies ist die einziz richtige Bezeichnung derjenigen Branche der Politik an der Seine, welcve berhalten muß, wenn die an- dern nicht verscblagen wollen, während das von Napoleon als politisches Evangelium verkündigte „RationalitätS-Prinzip" nickts Anderes ist, als eine politische Seifenblase, eine unglücksschwangere Phrase, bestimmt, die„Nationen" in nationalen Dusel zu lullen und— gegenseitig auf einander zn Hetzen.— Darum aufgepaßt, deutsche Na- tion! Lägen alle diplomatischen Unterhandlungen klar da vor aller Welt Augen, dann würde Jedermann sich überzeugen, daß vor und während des Krieges Napoleon der Hetzer gewesen, um Preußen indi- rekt den Revanche-Aderlaß zu versetzen, zu dessen direkter Application die geschickte preußische Di' plomatie jeden Anlaß zu vermeiden wußte. Für die Richtigkeit dieser Behauptung sprechen unwiderlegliche Thatsachen. Die jedenfalls nicht erwarteten erstaunlichen, fast wunderbaren Erfolge der preußischen Waffen machten alle Vorausberech- nungen zu Schanden.— Da geschah eben das, was jedem unbefangenen Beobachter so- fort vollständige Klarheit verschaffen mußte: der Kaiser von Oesterreich legte dem Kai- ser der Franzosen das„kostbarste Juwel in der Krone HabsburgS"— Venctien— zu Füßen, und Napoleon nahm mit„affenmäßiger Geschwindigkeit" das„Geschenk" von Lalnd und Menschen entgegen, dictirie mit derselben Eile den Waffen« stillstand und die Friedens-Präliminarien und sandte den General Frossart mit dem Präjudiz der„be- waffneten Medialion" zum preußischen Hauptauar- tier, während gleichzeitig fast die gesammle fran- zösische Presse Zetermordio über Preußen schrie. Diese durchweg ekelhaste Episode hat der gerühmten napoleonischen Diplomatie einen derben Klapps ver- setzt. Die durch die Renitenz der deutschen Nation gebotene Bereitwilligkeit der preußischen Regierung, mit welcher sie auf die Congreß-, Waffenstillstands- und Friedensvorschläge Napoleons einging, Eng- lants und Rußlands Zurückhaltung und die thecl« weise Entnüchlerung der deutschen Nation scheinen auch den„Herrscher Frankreichs" zur Besinnung gebracht zu haben. Die Zurückberufung des Ge- nerals Frossart, die Verwarnung der Pariser Blät- ter durch die bekannte, anscheinend preußenfreund- liche Moniteur-Note und schließlich die Entlassung deS Ministers Drouyn de Lhuys waren die Folge». Napoleon hat seine Pläne gegen Preußen- und Deutschland keineswegs aufgegeben, vielmehr nur vertagt, wie seine nachträglichen, vor der Hand a» der Entschiedenheit der preußischen Regierung ge- scheiterten„Compensations"-Forderungen und ei» Rundschreiben des interimistischen Ministers des Auswärtigen, Lavaletle, an die diplomatischen Agen- ten Frankreichs im Auslande, beweisen. Darin heißt es: „Die Resultate des letzten Krieges enthalten je- doch eine ernste Lehre: sie weisen auf die Nothw endig keit hin, für die Vertheidigung des Gebietes die militärische Organisation ohne Aufschub zu vervollkommnen. Diese Pflicht, welche für Niemanden eine Drohung sein kann, wird die Nation zu erfüllen wissen." Da liegt der Hase im Pfeffer!— Möge die deutsche Nation auf ihrer Hut sein; möge auch sie „ihre Pflicht zu erfüllen wissen"!— Bevor wir ermessen, was die Nation zu diesem Zweck zu thun hat, wollen wir die bisherige» Erfolge der napoleonischen Restaurations- und Revanche-Politik kurz wiederholen: Frankreich avancirte vom Königthum durch die Republik zum„Kaiserreich". Rußland wurde in der Krim geschlagen mit Beihülfe von England, Sardinien und der Türkei. Oesterreich empfing seine Schlappe 1859 in Italien. Die italienischen Fürsten(Geschöpfe des Metternich'schen Congresses in Wien) verloren gleichzeitig ihre Throne. Italien wurde frei und— Vasall Frank' reichs. DerPabst war schon seit 1848 nicht vielmehr als ein„Gefangener Napoleons" in— Rom. Die„heilige Allianz" ist zerrissen. Der„deutscke Bund" existirt nicht mehr. Die Wiener Verträge, durch welche das Ge- land in etwa 24 Bezirke eintheilten, aus welchen sie sich durch Cooptation aus beiden socialen Haupt- richlungcn(Lassalleanern und Schulzeanern) bis auf fälotht der Napoleoniden auf ewige Zeiten von den etwa 48 Mitglieder zu einein„so cial-po litischen herrscherlhronen Europa's ausgesclilossen wurde.� Agitations- Com ite für Deutschland" er- I>nd jetzt nur noch werthloso Papierfetzen. gänzten. . Die Anfänge des„Rheinbundes" sind äugen- Das Gesammt-Comile mußte in den einzelnen >cheinlich vorhanden in der Jsolirung der süddeut- Bezirken, abwechselnd in den verschiedenen Orten, Ichen Staaten vom„Norden." Volksversammlungen berufen, welche die Mittel Um das Basallen-Königreich Italien vollends zu berathen hatten, durch welche die preußische herzustellen„bis zur Adria", hetzte man Victor Regierung unterstützt und vorwärts gedrängt �Manuel auf das FestuugS-Viereck. Die Unglück- wurde. bche Schlacht bei Custozza ist ohne Zweifel ge- Als solche Mittel hatten die Volksversammlungen lchlagen nach dem Plane Lamarmora-iliapoleonS. mit aller Entschiedenheit zu fordern: Die Sendung des Prinzen Napoleon an— I. in den von Preußen eroberten oder leinen Schwiegervater; das Zaudern der ita- besetzten Staaten: nenischen Armee seit der Schlacht bei Custozza; die 1) sofortige Einsetzung einer provisorischen hadnrch bewirkte Möglichkeit der Bereinigung Regierung, «r österreichischen Südarmee mit der Nordarmee, 2) sofortige Einberufung der Landesvertre- das Alles führt mit Rücksicht auf die oben erörter> len Thatumstände zu der Ueberzeugung; daß die Vernichtung Preußens ursprünglich und während des Krieges im Plane lag, der nur durch die preußische Tapferkeit und— Diplomatie einstweilen glücklich vereitelt ist. Auf wie lange? Der napoleonischen RestaurationS- und Re- danche-Politik bleibt also noch vorbehalten: die Demllthigung Englands; die Wiederherstellung der„natürlichen Grenzen" Frankreichs durch„Annexion" des linken Rhein- uferS; die Züchtigung Preußens, zu verschärfen we- gen zweimaliger vergeblicher Versuche in den Jahren 1863 und 1866! Möge, ich wiederhole es, die deutsche Na- Hon auf ihre r Hut sein! Das Damoklesschwert Napoleons schwebt fortwährend über ihrem Haupte. Untersuchen wir nun und stellen wir fest, was die Nation thun konnte und mußte, um den Ittzigen traurigen Zustand der Halbheit zu ver- � Berlin, 30. Octbr.(Berliner Arbeiter- 'den..«v,..• Verein. Oessentliche Versammlung.) In der Als Preuizen m Frankfurt am Main feinen gestern Abend abgehaltenen öffentlichen Versammlung� Austritt aus dem deutschen Bunde erklärte und hielt der Abg. Dr. Löwe-Calbe einen Vortrag über sodann die kriegerische Äction begann, da mußte die gegenwärtige politische Page, in welcher er sich dahin tung, 3) Annexion an Preußen; II. überall in ganz Deutschland: 1) ein von Preußen nach Berlin zu beru- fendes constituirendes Natienal-Par- lament, hervorgegangen aus allgemeinen, gleichen und direkten Wahlen mit gehei- merAbstimmungundunbeschränkterWähl- barkeit; die mit Preußen noch nicht ver- bundenen Staaten hatten Vertrauens- männer zu senden; 2) sofortige allgemeine Volksbewaffnung, da- mit die preußische Regierung sämmtliche Truppen zum Felddienst heranziehen konnte; 3) Proklamation deS Königs, von Preußen zum deutschen Kaiser. (Forlsetzung folgt.) Vermischtes. die deutsche Nation, insbesondere die gesammle Ar- beiterschaft Deutschlands, sich aus dem Friedens� dusel der Bourgeoisie, aus der doclrinären Ver aussprach, baß er immer noch der Ansicht sei, die Er- rungenschaften der Schlachten in Schleswig und Böhmen hätten sich aus dem Wege der liberalen Partei weniger tflffen. Die Arbeiter mußten die Ivcialen-r,UK- auf anderem Wege, wenn auch nur theilweise, renzen, welche sie in zwei �ager theilten, öffentlich ausgeführt werden, so müsse man das Resultat aner- einstweilen ruhen lassen und sie nur innerhalb der kennen und weitere Bestrebungen dieser Art unterstützen. Grenzen ihrer besondern Vereinigungen discutiren: gleichviel von welchem Ministerium sie ausgehen. Preu- aus der durch ihre Mitwirkung errungenen ßen an der Spitze Deutschlands mit einem deutschen Par- politischen Freiheit Deutschlands entspringt un- l-m-nt, und die Beseitigung der Mittel- und Äleinstaaien sehlbar auch die sociale!- Man mußte ferner!?«'«'mer das«»lange» der liberalen Parte, gewesen; **« f.fT-,**S BS Bf* SÄSÄÄWS „Einheil- Eins folgt mit zwingender Roth- noch lange nicht genug, so müsse man doch dies wendigkeit aus dem Andern.~' M � Die Nation mußte das Beispiel Italiens beher- zigen. Die Interessen des italienischen und des deutschen Volkes waren solidarisch. Dort wie hier war Oesterrrich bestrebt, die Viel staaterei, die- ses nationale Unglück beider Völker, in Italien wieder einzuführen und in Deutschland aufrecht zu erhalten. In Italien schaarten sich alle Parteien ohne Unterschied um das Banner Victor Ema- nuels zum Kampfe auf Leben und Tod für die Einheit und Unabhängigkeit des Vaterlandes, und in Deutschland ließ sich die Nation durch das heuch- lerische Fricdensgewinsel einer feigen Bourgeoisie, durch die Hetzereien verschmitzter Pfaffen und durch die jchwarz-roth. goldenen Armbinden landesverrä- therischer Landesväter und ihrer servilen, sclbstsüch- tigen Sippschaft abhalten, zur Fahne Wilhelms I. zu eilen, weil— einer der größten Staatsmänner des Jahrhunderts sie dem preußischen Volke, der deutschen Nation zum unfehlbaren Siege voran- trug!— In allen Gauen Deutschlands mußten die Ar- beiter sich erheben und, unbeschadet ihrer socialen Bestrebungen, sofort zu einem großen poli- tischen Ganzen sich organisiren. Zu diesem Zweck hatten die Arbeiter-Comitös in Berlin und Hamburg sich zunächst zu vereinigen und dann sofort die Initiative zu ergreifen, indem sie Deutsch- vorläufig unter Dach und Fach ziehen. Dahin könne jeder praktische Politiker streben, ohne sich den Vorwurf der Gesinnungsänderung zuzuziehen. Man behaupte, es sei eine große Veränderung in der liberalen Partei vor- gegangen; aber was habe sich denn geändert? Die Partei habe noch dieselben Forderungen zu stellen wie früher. Er, Redner, sei immer für da« allgemeine Wahlrecht gewesen, doch da« directe müsse er bei der beschränkten Preß- und Vereinsfreiheit noch für bedenklich hallen.' E« sei nun aber einmal gegeben und die Arbeiter mögen nun zusehen, wie sie es zu ihrem Nutze» verwenden, denn von dieser ersten Wahl würde es abhängen/) ob die direcie Wahl ferner brauchbar sei, oder nicht; denn, falsch gehandhabt, könnte es leicht zur französischen Po- lizeiwirthschast führen. Man sage nicht etwa, da« Wählen sei überflüssig, die Regierung habe doch Alles ohne, so- gar gegen da« Abgeordnetenhaus gethan, denn man vergesse dabei nicht, daß die Regierung zu diesen Thaten durch die Opposition gedrängt(l!) worden sei! Sie nun aus dem liberalen Wege weiter zu drängen, die noch fehlenden Forderungen der Arbeiter zu erfüllen, ein ganzes Deutschland zu schaffen, das werde Aufgabe des norddeutschen Parlaments sein, und dah-in habe man zu wirken. —(Französische Mißgeschicke des Jahrd» 1866.) Abgesehen von den politischen Ereignissen ist das französische Kaiserreich in diesem Jahre auch recht gründlich von natürlichen Fährnissen heimgesucht wor- den. Cholera, Rinderpest, Heuschrecken, Erdbeben, Heber- •) In den Augen wessen abhängen.(D. Red.) � schwemmiingen u. s. w. waren sehr unwillkommene Gäste. Und als wäre es mit allem diesem noch nicht genug, trifft jetzt noch die telegraphische Nachricht von einem entsetzlichen Orcane ein, welcher vorgestern die im Golfe des San Lorenzostromes belegene kleine französische Co« lonie St. Pierre und Miquelvn heimsuchte. Die zu er» wartenden genaueren Angaben werden wahrscheinlich die Drahtmittheilnngen noch übertreffen; einstweilen weiß man, daß fünfzehn Schiffe, worunter„Abvndance", ein Transportdampfer der StaaiSmanne, zu Grunde gingen und ungefähr hundert Matrosen dabei verunglückten, während auch der auf dem Lande angerichtete Sibaben ein sehr beträchtlicher ist. —(Ein Denkmal für Lord Byron) wird in England zu errichten beabsichtigt. Die Agitation dazu geht von Nottingham ans. Kürzlich hat unter dem Bor- sitze de« Mayors eine Versammlung daselbst staltgesun« den, auf welcher nian sich über den einen Punkt einigte, daß da« Denkmal in einer Bronde- Statue des unsterb- lichen Dichter« bestehen soll. Es wurde ein provisorischer Ausschuß ernannt und diesem der Auftrag erlheilt, die hervoragensten Männer de« Lande«, darunter Lord Lytton, Lord Broughton, Sir John Bowring, Lord Brougham und Mr. Charles Dicken« zur Betheiligung aufzufordern. Erst wenn die entsprechenden Antworten eingelaufen sind, soll ein öffentliches Meeting einberufen werden. —(Ueber ei» e Mo rtaragesch ich te), die sich vor etwa 8 Tagen in Frankfurt zugetragen haben soll, berichtet die„N. D. Ztg.": Der Sohn de« israelitischen Kaufmann« Sim. M----- ein vierzehnjähriger, geistig nicht besonder« vorgeschrittener Knabe, welcher in dem benachbarten FriedrichSdorf ein Jnstilul besucht, war während der Hcrhstferien bei seinen Eltern zum Besuch. Eines Tages kam der junge M. bis Abend« nicht zu Hause. Alle Nachfrage» bei Verwandten und Freunden waren vergeben«, der Knabe war nicht aufzufinben. Plötzlich hatte ein Mitglied der Familie den Gedanken, daß die ultra-katholische Familie W..... r-D..., welche lange Zeit mit den M....'« in einem Hause gewohnt hatte, um daS Schicksal de« Knaben wissen müsse. E» scheint hiernach, da« schon früher Bekehrutigsversnche an dem Jungen gemacht worden waren. Man begab sich in das Haus des Herrn W..... r-D.... Die Frau erklärte jedoch, daß sie den jungen M____ nicht gesehen habe. Aehuliche Antwort ertheilte der kranke, zu Bette liegende W-D. Auf wiederholte« Andringen der Be« theiligteu gestand der Kranke jedoch zu. daß der Knabe von seiner Familie drei Napoleonsd'or erhalten habt und in diesem Augenblicke auf dem Wege nach einem Kloster in der Nähe von Köln sich befinde, um daselbst zum Christenthum llberzutreten. Es wurde nun sofort nach Köln telegraphirt. Das Telegramm langte vor Eintreffen des Eisenbahnzuges an. Der junge M. wurdt von dortigen Verwandten in Empfang genommen, od ohne, oder mit Assistenz der Polizei, darüber verlautet nichts. Gegenwärtig verweilt der Knabe noch bei seinen Verwandten in Köln. —(Eine furchtbare Feu ers br u nst) hat im Quebec'in Nord-Amerika am 14. October 13 Stunden lang gewülhet. Dritthalb Tausend Häuser sind in Asche gelegt und haben einen Schaden von 3,060,006 Dollar? angerichtet; 18,000 Menschen sino obdachslvs. —(Die größten Städte Preußens) sind jetzt nach geschehener Annexion Berlin mit 609,733, Breslau mit 159,644, Köln 117.000, Königsberg 99,827, Magve- bnrg 91,028, Hannover 79,649, Frankfurt am Mal» 78, 177, Danzig 78,131, Stettin 65,053, Aachen 62,444, Elberfeld 61,995, Barme» 59,526, Crefeld 53,397, Altona 52,781, Halle 45,729, Posen 45,143, Düsseldorf 40,228, Frankfurt a. d. O. 36,638, Potsdam mit 35,031 Ein« wohnern. Wiesbaden zählt nur 26,573, —(Elephan tenjagd in Afrika.) Für die Neger des östlichen Afrika ist die Elephantenjagd eine sehr ernste Beschäftigung, zu welcher es einer langen Vorbereitung im Wurfspießwerfen und vieler geheimnißvoller religiöser Formeln bedarf. Die Woche der Jagd wird mit Singen, Tanzen und Trinken hingebracht. Während der Jagd sind die Frauen der in der Regel in Schaaren von 15 bis 20 Mann ausziehenden Jäger sehr strengen Gesetzen unterworfen, namentlich dürfen sie sich nicht putzen, nicht aus dem Hause gehen, ja sogar nicht ein- mal eine Pfeife rauchen, trotzdem sie den Taback leiven- schaftlich lieben. Wenn ihr Betragen zu irgend einem Tadel Veranlassung giebt, wird der Mißerfolg der Jagd ihnen zur Last gelegt und die härtesten Strafen erwarten dieselben. Die Lisi der Jäger geht darauf aus, einen Elephanten von der Heerde zu trennen. Ist die« glück- lich gelungen, so ist das Thier auch in der Regel ver- loren, und von zahllosen Lanzen durchbohrt stirbt es an Blutverlust. Man schneidet ihm zuerst die Elsenbein- zähne aus und verzehrt sodann das Mark der großen Knochen. In einem großem Festmahle wird das übrige Genießbare von dem Körper des Riesenthiere« gegessen, und beladen mit den Siegeötrophäen kehrt die Schaar'' an den häuslichen Heerd zurück. Verantwortlicher Redacteur und Verleger: I. B. v. Hofstetten in Berlin.— Druck von F. Hofsschläger in Berlin.