Nr. 168. Berlin, Freitag den 2. November 1866. Zweiter Zahrgang. Jocial-Dtmolimt. s Tiele Zeilung erschein! drei Mal wilchemlich und zwar: Tienstags, Donnerstags und Sonnabende Abends. Organ dcr social-dmokrcltischcn Partei. Redigirt von I. B. v. Hosstettcn und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abonnement?-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierleljäbrlich 1.5 Sgr., mo- narlich 5 �rgr., einzelne Nummern I Sgr.: bei den Zibnigl. preußischen Post- ämlern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im mchlpreußiichen Deutschland IS'/s Sgr.. im übrigen Deutschland 20 Sgr.(ff. 1. 10. iiidd., sl. 1. österr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spedirenr, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Dieser große Mann hat mit einer Geschicklichkeit und Ausdauer, die über jedes Lob erhaben ist, in Deutschland den Volks- Credit begründet und uns somit ei» herrliches Beispiel gegeben. Schulze-Delitzsch ist in Preußen geboren, aber man kann von ihm dasselbe wie von Cobden sagen, daß er keinem Lande ausschließlich, sondern der ganje» Mensch- heil angehört. Wie wir selbst, will er sei» hohe« Ziel auf friedlichem Wege erreichen; wie wir, ist er überzeugt, daß kein dauernder Fortschritt ans andere Weise möglich sei; wie wir, verabscheut er den Krieg, dcr Ströme Blu- teö vergießt, der Menschen, welche sich nicht kennen und daher keine» Grund haben, sid> zu morden, gegen ein- ander treibt, der die Handwerksstätten und Schulen ent- völkert, um die Schlachtfelder zu näbren, dcr die In- dustrie in ihrem Aufschwung lähmt, Dörfer nnd Städte zerstört, Trauer in die Familien bringt, die Völker in das Elend stürzt nnd die bösesten Leidenschaften, ewigen Hast hervorruft. Ol Gewiß so versteht Schulze-Delitzsch nicht die Idee des Fortschritts; er ruft nicht die Ent- scheidung des Schwertes an; er fordert zur Arbeit, zur Ersparniß aus, und Sie, meine Freunde, folgen seinen Spuren. Mulh, Ausdauerl Sie werden mit Erfolg ge- krönt werden, ich verbürge mich dafür. Sie verlangen keine Hülse, weder von Ihren Freunden, noch vom Staat. Sie haben Recht, tausendfach Recht. Es giebl kein löstlicheres Gut, als das man selbst erwirbt, einzig uiid allein durch sich. Ich kenne keinen glücklicheren Menschen, als den Arbeiter, der sich ein mäßiges Ans- kommen durch seine Händearbeit nnd durch seine Erspar- niste geschaffen hat und der am Abend nach den An- firengungen des Tage« sagen kann:„Ich bin es, der diese zahlreiche Familie ernährt und noch dazu meinen alten Vater, meine Mutler." Ein Solcher hat das Recht stolz zu sein. Er ist glücklicher, wie ich veificheru kann. als der reiche Erbe in seiner Trägheit. Vielleicht haben Sie zuweilen den reichen Müßiggänger beneidet, wenn er in seiner prächtigen Equipage an Ihnen vorüberrollt. O! Sie wisien nicht, welche Langeweile, Traurigkeit und welches Leid sich unter dieser gänzenden Außenseite ver- birgt. Sie wissen nicht, welch' ein grausame« Gefühl die Ueverlättigung begleitet, welch' eine Last dem blasirten rRienschen sein ganzes Dasein ist. Noch immer, ich er- öthe es zu sagen, giebt es Menschen, die vor Elend sterben. Aber noch größer ist die Zahl derjenigen, die sich selbst aus Ekel am Leben tödten. Doch kehren wir zu Schulze-Delitzsch zurück! Wir wollen wünschen, daß sich seine Lehre» inimer mehr in Deutschland verbreiten, denn an dem Tage, wo da« ganze deutsche Volk in sei- ner Gesammtheit sich dazu bekennen wird, haben wir nicht mehr nöthig, un« mit jenem Reiche serner zu be- schästigen, das sich, wie man sagt, an unseren Grenzen bildet, weil seine Bevölkerung unsere Freunde, unsere Brüder sein werden. Und dann, meine Herren, sehen Sie nicht am Horizont, wenn auch in der Ferne, noch in weiter Ferne ein anderes noch weit größeres Reich, das unermeßliche Reich der Gegenseitigkeit, gebildet von allen durch die Bande der Brüderlichkeit vereinten«» und verbundenen Völkern, das Reich, welches man Men'chheit, Humanität nennt! Was die Arbeiter zunächst aus dieser Rede er- sehen können, ist dies: wie die Kapitalistenkreise zu- fammenhängen unk in ihren öffentlichen Bestrebungen sich gegenseitig unterstützen. Mögen die Arbeiter ein Beispiel daran nehmen und ebenso Handel»! Die Rede selbst aber— nein cS ist ungeheuer, der Verstand steht einem still über diesen Unsinn und diese Unverschämtheil. Erst thut der Herr Präsident so, als ob die uralte Erkenntniß, daß Frieden bester ist als Krieg und daß vorzugsweise im Frieden die Culturent- Wickelung sich vollzieht, eine Erfindung oder ein besondere? Verdienst des Herrn Sckulze sei. Dann fährt er fort:„Herr Sckulze ruft nicht die Ent- scheidung res Schwertes an, er fordert zur Arbeit, zur Ersparniß auf." Welch haarsträubender Un- sinn! Wenn man überhaupt die„Entscheidung des Schwertes" anrufen kann, muß ein Conflict vor- liegen und das Gegeniheil der„Anrufung des Schwerte?" wäre hier eine friedliche Beilegung des EonflictS; aber nicht von einer solchen spricht der H rr Präsident; er versichert, daß Herr Schulze „zur Arbeit, zur Ersparniß," auffordert. Welcher Gegensatz! Hat nian je eine solche Logik gehört! Und so gebt es fort. Aber über deu Unsinn könnten wir uns noch trösten— wer kann sich über jeden Unsinn auf- halten? Was aber unerhört ist, daß ist die neben dem Unsinn herlaufende Unverschämtheit— der namenlose Hohn, den sich der Herr Präsident gegen die Enterbten und Unglücklichen der Erde erlaubt. Dieses Individuum wagt zu sagen: „Ick kenne keinen glücklichcren Menschen, als den Arbeiter, der sich ein mäßiges Auskommen (wie geniütblich!) durch seine Händearbeit und durch seine Ersparnisse(wohl durch den Zins derselben?) geschaffen hat und der am Abend nach den Anstren- gungen des TageS(wie gemüthlich wieder!) sagen kann:„Ich bin es, der diese zahlreiche Familie er- nährt und noch dazu meinen alten Vater, meine Mutier( warum nichts auch die Großmutter, den Urgroßvater, die Schwiegermutter und zwei Tanten?)" Ist es erhört, ist es glaublich, vor Arbeitern die Lage des Arbeiter? so zu schildern, als ob er eine„große" Familie(es heißt ausdrücklich eine „zahlreiche") zusammt Vater uud Mutter von seiner Hände Arbeit bequem und behäbig ernähren könnte uud dabei Abends noch einige gemllthliche Stun- den für sein Familienleben übrig hätte? Wollen Sie wissen, Herr Präsident, wie eS in � Wahrheit steht, so gehen Sie in die Fabrikdistrikte Frankreichs, dann werden Sie erfahren, daß der Arbeiter, weit entfernt, soviel zu verdienen, um eine große Faniilie zu ernähren, sogar seine Kinder in die Fabriken schicken muß, wo sie ihm dann selbst Eoncurrenz machen. Ihr habt dem Arbeiter die. Familie genommen und Ihr wagt es, in öffentlicher Rede ihn als glücklichen Familienvater hinzustellen? Aber es kommt nock besser. Mehrerwähntes Individuum wagt fortzn'ahren, wie folgt: „Vielleicht haben Sie zuweilen den reichen Mll- ßiggänger beneidet, wenn er in seiner prächtigen Equipage an Ihnen vorüberrollt. O! Sie wissen nicht, welche Langeweile, Traurigkeit und welches Leid sich unter dieser glänzenden Außenseite ver- i birgt. Sie wißen nicht, welch ein grausames Ge- fühl die Uebersäitignng begleitet, welch' eine Last dem blasirten Menschen sein ganzes Dasein ist. Roch immer, ich erröthe es zu sagen, giebt es Mcn- schen, die vor Elend sterben. Aber noch größer ist die Zahl derjenigen, die sich selbst aus Ekel am j Leben tödten." Soll man seinen Augen trauen! Wie, Herr Präsident, all' das sagen Sie ganz ruhig? Mer- ken Sie denn nicht, Sie naiver Lobredner des Herrn Schulze und der modernen Kapltalistenwirthschaft, daß Sie die furchtbarste Vcrurtheilung gegen die moderne Gesellschaft schleudern? Was sind denn das für gesellschaftliche Einrichtungen, wo die Gü- lervertheilung so ungleich ist, daß die Einen auS Elend, und die Anderen, wie Sie selbst behaupten, wegen des Uebermaßes an Ge- nüssen, durch Blasirtheit umkommen? Was find denn das für elende, fluchwürdige gesellschaft- liche Einrichtungen? Aber Sie haben Recht! Ja, so ist eS— beben- loses Elend auf der einen Seite, auf Seilen der Arbeitenden— ungemessener, sich immer steigernder Reichthum auf der andern Seite, auf Seiten der großen Kapitalbesitzer, deren Kapital in fortzengen- der Kraft sich weiter und weiter vermehrt, weil ihm die Früchte der Arbeit von Hunderttausenden auS- gedeuteter Menschen in den Schooß fallen. Auf der einen Seite Hunger und Roth— auf der an- dern alle Genüsse der Erde zusammengehäuft! Ihre Rede ist vortrefflich, Herr Präsident, Sie charakterisirt mit anerkennenswerther Offenheit die moderne Gesellschaft und deren Lobredner, Ihren Liebling, den großen Schulze aus Delitzsch.— ept. Berlin, 1. November. Hecker's zweiter Brief, datirt vom 2 l. I., lautet: ,,... �ie erinnern sich, daß ich lange vor dem Hervortreten Preußens mit den Waffen in der Hand Ihnen klar andeutete, was kommen werde, weil es kommen müsse, und Ihnen entwickelte, wie ein entschlossener und kühner Mann(Bismarck) das Maulheldcnlhum verlacht. Ich weiß, mein Brief chat weder Ihnen noch anderen von meinen Frcun- den gefallen. Aber es ist so gekommen, wie ich gesagt. Wir hier, täglich im Kampfe und im Ge- > triebe der Parteien eines gewaltigen Volkes, gehen Y mit der Politik und mit der kritischen Beurtheilung der Dinge oder Vorgänge deS öffentlichen Lebens zu Bette und stehen mit ihr auf. Dadurch werden wir schärfere Beobachter. Indem wir genöthigt sind, die Pläne der Gegner zu durchschauen, zu er- rathen, zu durchkreuzen, gewinnen wir jene Umsicht der Diplomatie, die bei Euch nur Wenigen eigen ist, und da wir als seefahrendes Volk mit allen Nationen der Erde verkehre» und genöthigt sind, deren Politik uns gegenüber mit allen Eventualitä- ten zu erwäge», so gewinnen wir oft eine schärfere Einsicht in den Gang des öffentlichen Lebens an- derer Nationen, weil die Details uns nicht erdrücken und uns das Urtheil verwirren. Lassen Sie mich nun auf Eure Verhältnisse einen Blick werfen. Halten Sie dabei fest, daß ich, von meinem amerikanischen Standpunkte aus sprechend, wie ein Historiker urlheilen und mich meiner Wünsche und Bestrebungen, mit Einem Worte: meiner Per- sönlichkeit entäußere, um mich lediglich auf den Standpunkt der lo�ie of events(Logik der That- sachen) zu stellen. Oesterreichs Macht ist nun gebrochen, und nicht bloß gegenüber Preußen. Es steigt von dem Ze- uith seiner Macht, wie England von seinem Throne als alleinige Beherrscherin der Meere; nur ist die Lage Oesterreichs weit schlimmer in Folge des in seinem Innern wühlenden Zersetzungsprozesses durch das Nationalitätsprinzip. Letzteres ist keine Ersin- dung Napoleons III. Dieser gab nur den Gefühlen und Bestrebungen der Völker(seit 1776) die Pa- role. Er sprach aus, waS Alle längst dachten und strebten. Daß Oesterreichs Einfluß auf Deutsch- land dahin ist, halte ich für eins der glücklichsten Ereignisse. Diese mehr slavische Macht benutzte ihren Einfluß seit fast drei Menschenaltern nur f legen die Kraft- und Bkachtentwickelung der deut- chen Nation. Sehen Sie nur die Regenten dieses Staates seit dem Tode Josephs des Zweiten"... Nun folgt eine sehr drastische Eharakieristik, Welche der Einsender„um ihrer unparlamenta- rischen Wortsassung" willen weglassen zu müssen erklärt. Dann heißt es weiter: „... Schon nach der Leipziger Schlacht, gleich bei Eröffnung deS Wiener Congresses) trat die Tendenz der Berknechtung und Verfinsterung Deutsch- lands bei Oesterreich offen hervor;— 1815 völlig ungeschminkt. Der edle Freiherr voni Stein und seine Freunde wurden durch Oesterreich aus ihre» Wirkungskreisen vertrieben. Die Leitung jener gan- zen Politik, welche in Laibach, Verona, Karlsbad, auf den Wiener Cvnferenzen biö herab in die neueste Zeit getrieben wurde, ging von dem Hause Oesterreich aus. Es nahm überall ungescheut und Lbermüthig die Initiative in dieser verderblichen Richtung. Die Anderen secundirten ihm von Sou- verainet'ätswegen. Die Nemesis hat Ocstreich ereilt und zugleich jener Macht, genannt das„Haus Rothschild", den Machtstab aus den Händen geschlagen. Das Wort b'opulnr Loan hat Israel gestürzt, wie wir hier in Amerika den König Colton gestürzt haben. Vorüber ist nun jene Zeit, da man fragen konnte:„Nun, gnädige Frau v. R., werden wir Krieg bekommen?" rknd die Antwort lautete: „Was? Wie haißt Krieg? Mai Sohn laid'ts nit!" Wenn Bismarck der leibhaftige Gottseibeiuns wäre, man müßte ihm dafür dankbar sein, daß er in Sachen der Politik und der Völker die Allgewalt dieses Hauses gebrochen hat, das stets für den österreichischen Absolutismus der„Jud Süß" war. Betrachten wir nun die Lage Deutschlands eben so, wie die Oesterreichs. In Parenthesen will ich nur erst noch sagen, daß die Zeit nicht fern ist, daß sie jedenfalls kommen wird, weil sie kommen muß, daß die bis jetzt unter der haböbnrgischen Dynastie befindlichen deutschen Stämme von dem S lavenreiche gelrennt und mit dem großen deutschen Volks- körper werden vereinigt werden. Das„Wie" und „Warum" hier zu erörtern, würde zu weit führen. Betrachten wir also die Lage des Deutschland von heute, d. h. des Deutschland ohne Oesterreich. „Die kleineren Fürsten Deutschlands waren von jeher, auch wenn sie gewollt hätten, zu schwach, zu machtlos, um im Sinne freier Volksentwickelnng vorzugehen, wohl aber stark genug, um ihren Unter- thanen gegenüber alles Böse zu vollführen. Für das Erstcre fanden sie mächtige Widersacher in den Vormächten, für das Letztere nicht nur Alliirte, sondern sogar Befehlende. Verzweifelnd rang der badische Minister Winter die Hände, als man ihm dir Beschlüsse der Wiener Eonferenzen zur Aus- führung in Baden vorlegte.„Ich kann's nicht thun, ich kann'S unmöglich thun!" rief er grollend und jammernd. Was ich hier schreibe, ist notorisch. Bei verschiedenen Gelegenheiten sagte sogar Nebe- nius:„Der Großherzog würde es gern thun,— aber seine Mitfürsten,— seine Mitfürsten!!— oh!!!" Sehen Sie, so mußte der ganze kleinstaat- liche Constiliitionalismus dem Eingeweihten als elendes Gaukelspiel und eitel Heuchelei verhaßt werden. Er war die Vorschule der Verachtung, welche die„uueovapromising Rizpublicans" schufen. Ich begreife vom Standpunkte eineS Republikaners nicht, wie nur ein Mann von gesundem Menschen- verstände der Kleinstaaterei das Wort reden mag. Je schneller die Zaunkönige abgelhan werden, desto schneller niarschirt die Entwickelung der Nation zu- nächst zur Einheit und endlich auch zur Freiheit.... Begreift man denn nicht, daß die Kleinstaaten un- bedingt dem Wasser nachschwimmen müssen, in welchem das preußische Scepter zu schwimmen für gut findet?... Wozu also ein so kostspieliger Umweg?... WaS wollen den einige„Kleine" jeuseit der Mainlinie? Was können sie wollen?— Experi- mentiren mit chronischen Schwächen auf Unkosten der Gesammtnation?— Wozu?— Kann nicht der norddeutsche Bund oder auch kurzweg Preußen durch Zollschranken und Hunderttausende anderer Verkehrshemmnisse ihnen alle Adern, alle Canäle der Ernährung der Art unterbinden, daß sie um ihrer eigenen materiellen Wohlfahrt willen gezwungen sind, sich wieder mit dem überwiegenden Theile der Nation zu vereinigen, wenn sie nicht etwa nach parabolischem Jrrlaufe gleich einem schwachen Eome- ten in den Hauptkörper stürzen wollen?"... Nun folgt eine lange Auseinandersetzung, daß wahrscheinlich in der nächsten Zukunft in Preußen und Deutschland der aufgeklärte Absolutismus herrschen werde. Dann heißt es weiter: „Düstere Aussichten für ein treues republikanisches Herz! werden Sie sagen. Nein und abermals nein, sage ich. Eines hat die Nation bereits heute ge- wonnen. Sie fühlt, glaubt und sagt es, daß sie am Punkte steht, eine Machtstellung einzunehmen, — eine gewaltige Stellung innerhalb der Gränzen von Europa! Der Partikularismns versinkt. Die getrennten Glieder des Körpers formiren sich zum gewaltigen Leibe, Die Verachtung des Deutschen im Auslande hat aufgehört; er wird stark und ge- füchlet. Der Nalioiialstolz, das Selbstgefühl erwacht. Die Intelligenz ist Gemeingut geworden. Sie ist nicht mehr Patrimonium einzelner Stände. Handel und Industrie, Kunst und Wissenschaft, sie mache» jeden Absolutismus auf die Dauer unmög- lich. Die Kosten der Erhaltung der Staatsmaschine, die Staatsschulden, sie sind es, welche den Absolutis- mus zwingen, der freien Entwickelung zu weiche». Jedes Altentat auf die freie wirthschaftliche Entwicke- lung Seitens der Staatsgewalt ist für letztere ein Wühlen in den eigenen Eingeweide»— ein Selbstmord. Vergeblich wird der Absolutismus sich dem freien Menschengeiste entgegenstemmen. Die Räder der geistigen Vorwärtsbewegung werden ihn erreichen, erfassen, zermalmen...." Rundschau. Berlin, 30. October. I» nächster Zeit werden sich die Bevollmäch- tigten derjenige� Regierungen, welche dem Bunde der nördlichen Staaten Deutschlands beigetreten sind, in Berlin versammeln, um den dem nord- deutschen Parlament vorzulegenden Verfassungs- Entwurf zu berathen.—„Jeder Versuch," sagt die „Prov.-Corr." betreffs Sachsens,„die im Frie- densvertrage vorgezeichnete Bahn deutscher Politik zu verlassen, könnte für Sachsen selbst nur ver- hängnißvoll werden; denn Preisßen hat auch ! ausgezeichnete thatsächliche Bürgschaften für � die Erfüllung des Vertrages in Händen behalten. — Unsere Regierung hat sich(für die Verwirk- lichung der preußischen Pläne) an dem früher eifrigsten Gegner jetzt eine sichere Stütze für ihre Verhandlungen geschaffen." Wer weiß?— Die officiöse„Nordd. Allg. Ztg." hält die Mainlinie! energisch fest. Sie erklärt die Nachricht, daß! zwischen Bayern und Würtemberg Verhandlungen � über die Besatzung der Festung Ulni schwedte», für!! unbegründet. Preußen hat ein großes Interesse; daran, fährt sie fort, daß die süddeutschen Staaten ij■ sich aus eigenen Kräften befestigen und zu diesem i Zweck selbstständig diejenigen militairischen Opera-> tionen vornehmen, auf deren Durchführung es, so lange der alte Bund bestand, fortwährend, aber j leider stetö vergeblich gedrungen.— Die Hoffnungen eines durchgreifenden Systemwechsels in der wiener � Hofburg mit der Ministerernennung des Hrn. von Beust sind schon wieder im Schwinde». Daraus,, daß Graf Belcredi mit letzterem wegen Uebernahme des Ministeriums des Auswärtigen in Prag ver- handelte, schließt man auf das Verbleiben des Grafen Belcredi im Amte, und wenn Herr von Beust auch Bedingungen wegen herbeizuführender Aenderungcn in der Haltung der Regierung gestellt hat, so hält man diese von untergeordneter Art. Trotz der Einwirkungen der officiellen Organe auf die Wahlen im Haag, nimmt man eine � Niederlage des Ministeriums für sicher an, da jede amtliche Einwirkung durch die geheime Abstimmung � größtentheils zerstört werde. Der Ueberschwemmungsbericht des Ackerbauministers von Frankreich an den Kaiser bezeichnet den für den Ackerbau entstandenen Schaden als „unermeßlich." Der Minister wird einen außer- ordentlichen Kredit für die Reparaturen verlangen. Uni die Wiederkehr solcher Unfälle zu verhüten, greift der Minister aus die Vorschläge zutück, welche der Kaiser vor zehn Jahren gemacht hat. Die> damals vorgeschlagenen Verbesserungen würden blos für die Loire 100 Millionen Frcs. kosten.— Sechs Minister sind in eine Art militairischen Wohl-' fahrts-AuSschnsses ernannt,„weil," nach Auslassung• i des Kriegsministers,„die großen Ereignisse, die in Deutschland erfolgt sind, mehrere Mächte Europa'?''■ bewogen haben, wesentliche Veränderungen mit ihrer Militair-Organisation vorzunehmen." Man mißt mit Recht diesem Ausschuß auch politische Beden- lang bei. Die Beschleunigung der Räumung von ?Nexiko und Rom deutet man als eine Bestrebung, alle Streitkräfte im Frühjahr zur Hand zu haben. — Es ist jetzt die Rede davon, einen direkten Tele- graphen von Frankreich nach Amerika zu legen, weil man glaubt, daß früher oder später der Krieg zwischen England und Amerika ausbricht, und man dann keine telegraphische Verbindung mehr mit Amerika haben würde.— DaS Räuberwesen in den südlichen Theilen Italiens grassirt stärker als je. In den Abruzzen n- und in Calabrien sind ganze Städte blokirt. Ge>;;j| neral Pallavicini ist zum Befehlshaber in Cala- brien ernannt worden. Doch glaubt man, daß alle Energie vergeblich sein wird, so lange Franz II. i in Rom sitzt und die Reaction auch in den röini-> t scheu Einrichtungen noch Schutz und Aussicht findet. Aus Konstantinvpel eingetroffene Nachrichten' vom 30. d. melden, daß die Türken nach einem. heftigen Kampfe Apokoronos besetzt haben. Mu- stapha Pascha ist auf dem Marsche»ach Sphakia,; dem letzten Zufluchtsorte der Kandiotischen Jnsur-> genten. Eine Depesche eben daher vom 31. berich-! let, daß die Insurgenten auf Kandia»ach einer blutigen Schlacht bei Krissa die Waffen niedergelegt 0:1 und kapitulirt haben. 3 höhere und 135 subalterne griechische Offiziere sind als Kriegsgefangene nach r', i verschiedenen Festungen abgeführt worden. Die kaiserliche Dacht„Sultaniu" habe den offiziellen Siegesbericht Kiritli Paschas überbracht.— Kossuth>, hat ein Schreiben a» die ungarische Legion gerich- tet, worin er derselben den Rath giebt, sich nach Griechenland zu begeben und dort anwerben zu lassen. Nach dem Schreiben eines höheren Stabsofsi- ziers aus der Umgebung deS Kaisers von sUkerico (vom 20. September) entwickelt derselbe die größte