Nr. 178. Berlin, Mittwoch den l4. November 1866. Zweiter Jahrgang. Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstag«, Donnerstag« und Sonnabend« Abend«. Organ der social- demokratischen Partei. Redigirt von Z. S. ti. Hosstettcn und I B. v. Schweitzer. Tkcdaction und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraste Nr. 67. Abonnement«-Preit' für Berlin incl. Bringerlobn: vieneljäbrlich]5 Sgr., morallich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. vrcustiicher. Post- rmrern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutschland IL'/» Sgr., im übrigen Deutschland'20 Sgr. i- Elementarbegriffe der ökonomischen Wissenschast ab- Unklaren sind Der Begnss�von..product.ver Tonsum- Elementarbegriffe der ökonomischen Wissenschaft . eben. Die« kann an einem einzigen Fall nachgewiesen werden; ein einziger Fall ist hier entscheidend. Ihr Herr Referent weiß nicht, wa« mau in der Oekonomie unter„producliver Eonsumtion" ver« steht. Setzen wir die Begriffsbestimmiing einer ancr- kannten deutschen Fachantorität hierher. Professor Roscher(Grundzüge§.211) sagt-.„Ist die Eonsumtion Bedingung(Auslage) einer Productiou, so wird sie pro- encliv oder reproductiv genannt. Hier wird die Form res consumirten Gute« zwar vernichtet, sein Werth aber lebt in dem neuen Producte fort." Ich halte nun u. A. tion" ist i» der Oekoncmie ein Elementarbegriff und ich habe auf's Deutlichste nachgewiesen, daß Ihr Herr Refe« rent diesen Begriff nicht kannte. Dieser Herr hat gehofft, durch einige Witzeleien seine Blöße verdecken zu können: allein nach meiner ruhigen, sachlichen Darstellung wird Niemand mehr zweifeln, daß es sich hier nicht»m be» rechtigte MeinlingSverschiedeiiheiten handelt, sondern ein- fach darum, daß der betreffende Herr noch etwa« lernen muß, bevor er in der Wistenschast mitsprechen kann. Man sollte glauben, in dieser Äussllhrung, welche der Redaction der„Volks-Ztg.," wenn sie dieselbe geäußert: Da« Holz im Ofen de« Wohnzimmer« werde nlick nickt zum Abdruck brackle, doch bekannt war, unproductiv,�oltS- Ztg. jckickl dem Abdruck des von ihr live Eonsunition vor. Statt aus meine erste Entlarvung aufgenommenen(politlscken) g,helles des Briefes seiner Unwissenheit bescheiden zu schweigen, legt er diese folgende erstaunliche Einleitung voraus: Unwissenheit noch craffer zu Tage, indem er in seiner Wir haben von Herrn I. B. v. Sch w eitzer eine Er- Zuschrift bemerkt: Da« Hol; in der Küche werde aller- widerung aus die neulich- Auslassung unseres Referenten ding« unproductiv consumirt, indem es„zu den Besrie- über seine Vorlesungen erhalten, in welcher derselbe seine digungSmilteln augenblicklicher Bedürfnisse de« Eigner« Ansichten über produktive und unproduktive Konsumtion tiene." Was beißt„augenblicklich." E« kann hier nicht durch Citate aus Roscher und Rau zu stützen sucht. Wir wörtlich genommen sein; denn augenblicklich im eigent- halten einen Streit über diese Frage, wenn jeder der lichen Sinne(sofort) tritt ja eine Bedürfnisbefriedigung beiden Gegner an seiner Ansicht festhält, für zu uner- durch das Kochen der Speisen nicht ein; diese erfolgt guicklich, um ihn in unserem Blatte weiter forlzuspiunen. vielmehr erst, wenn die Speisen genoffen werden. Der Wir bemerken übrigens, daß wir vollständig mit den Herr Referent kaun also nur meinen: es bandelt sich hier Ansichten unseres Re'erenten einverstanden sind, und nicht um die Productiou von Gegenständen, die auf den wollen nur auf etwas aufmerksam mache», was zu unserem Markt gebracht werden sollen, sondern solcher, welche vom Erstaunen Herr v. Schweitzer übersehen zu haben scheint. Hervorbringenden selbst,(als„BefriedigungSmittel Wenn unler Referent in seiner letzte» Mittheilung davon augenblicklicher Bedürsniffe de« Eigner«") consumirt wer- spricht, da« wenn Holz im Ofen und auf dem Heerde den sollen. Allein e« ist für den Begriff der producti- verbraucht wird, eS in beiden Fälle»„unproduktiv' ven Eonsumtio» ganz gleichgültig, ob der zu pro-! konsumirt wird, so muß jeder, der seinen früheren Aus- . sstbrungen gefolgt ist, erkennen, daß er sagen will-, wenn (wir mit Herrn v. Schw. annehmen, daß das Hol; im Ofen unproduktiv verbraucht wird, so müssen wir auch die Konsumtion auf dem Heerde als unproduktiv bezeih- nen. Er selbst und wir mit ihm sind der Ansicht, laß in beiden Fällen das Hol;„produktiv" konsumirt wird.")— Au« der Erwiderung, welche uns Herr von Schweitzer zusendet, lassen wir daher hier nur'das folgen, wa« sich aus den politischen Theil bezieht. Die Lorbeeren ihres Referenten haben..(0 die „Volks-Ztg." nickt scklafen lassen; sie hat seine Sacke zu der ihrigen gemacht. Wir könu.n also nicht umhin, den Vorwurf der Unwissenheit, den wir gegen de» Referenten gerichtet, gegen die Re» daktion zu wieberholen. Denn noch einmal: eS handelt sich in dieser Frage nicht um berechtigte MeinungSrerschiedcn- heilen, sondern um Wissen oder Nichtwissen. Man beachte zunächst die Logik in folgender Versicherung der Redaction: „Wenn unler Referent in seiner letzten Mitihei- hing davon spricht, daß, wenn Holz im Ofen und auf rem Heerte verbraucht wird, es in beiden Fäl- len„unproductiv" consumirt wird, so muß Jeder, der seinen früheren Ausführungen gefolgt ist, er- kenneu, daß er sagen will: wenn wir mit Herrn v. Schweitzer annehmen, daß das Holz im Ofen uu- productiv verbraucht wird, so müssen wir auch die Eonsumtion auf dem Heerde als unproductiv de- zeichnen. Er selbst und wir mit ihm sind der An- ficht, daß in beiden Fällen ras Hol;„productiv" consuniirl wirr." Auf kurze Worte reducirt heißt dies: Was hat der Herr Referent gesagt? Er hat gesagt: Jn beiden Fällen liegt unproduktive Consum- tion vor. Was aber bat der Herr Referent sagen wol- len? Er Hai sagen wollen: Jn besten Fällen liegt produktive Consumtien vor. Also das Gegentheil von dem, was er gesagt hat. Vortrefflich! Dock halten wir uns damit nicht auf. Geben wir vielmehr, zum endgültigen Abschlüsse der Streit- frage, in knrzen Sätzen die Lehre von der prodiic- tiven Eonsumtion. Wenn wir von einer Streitfrage sprechen, so ist dies freilich ungenau; zu streiten in dieser Sache ist nicht; alles, was man thun kann, ist dieS: daß man diejenigen, welche die fraglichen Wissenschaft- lichen Unterscheidungen nicht kennen, über dieselben belehrt. Dies soll denn auch kurz geschehen. Vorhandene Wer.hgegenftände können, wenn •) Aber der Herr Referent hat ja ausdrücklich begrün- der, warum er die Eonsumtion in beiden Fällen für un- productiv hält; weil es sich nemlich um die Befriedigung augenblicklicher Bedürfnisse bandle. Und doch bat er da» Gegentheil sagen wollen? MÜN von einigen Irregularitäten(z. B. unbeabsich- tigter Zerstörung) absieht, in zweierlei Weise con- sumirt(votkswirthschaftlich„verzehrt", ausgebraucht) werten; nämlick 1) zum Zwecke einer unmittelbaren Bedürfnißbefriedigung, als Bcdürfnißgegenstände: unproduktive Consumtion; 2) zum Zwecke der Ermvglicbung oder Förderung der Production, als Producticnsmittel: productiveConsunition. Da jede Production nur um einer künftigen Consumtion willen vorhanden ist, so liegt in dem Ausdruck unproductive Consumtion durchaus nicht, wie der Laie der LolkSwirtbschaft häufig meint, ein Tadel. Während die sogenannte productive Con- sumtion in Wahrheil eine Prodnction ist(„mit be- sonderer Rücksicht auf die bei ihr zerstört werdenden Güter gedacht", Rau), ist die unproductive Con- sumtion die wahre und ächte Consumtion, und um ibretwillen ist alle Production vorhanden. Die Laien der VolkSwirthschaft wähnen, daß Alle«, was nützlich consumirt ist, als produc- tiv consumirt bezeichnet werden müsse; auS dlesem Jrrthum ist denn auch die Aufstellung der„Bolls- Zig." und ihres Referenten hervorgegangen. Sie haben nicht die richtige Erkenntniß von der wissen- schaftlichen Distinction, um die es sich in der Un- terscheidung von productiver und unproductiver Consumtion handelt, sondern meinen, unproductive Consumtion sei nur da, wo etwas zur Befriedigung unberechtigter Bedürfnisse verbraucht wird, während die ökonomische Wissenschaft von unproductiver Con- sumtion bei Befriedigung von Bedürfnissen über- Haupt spricht und die Fälle, wo unberechtigte Bedürfnisse befriedigt werden, in der Lehre vom Luxus behandelt. Die ganze Frage in Betreff des Holzes ist also die: Wo wird es consumirt um unmittelbarer Be- dürfnißbefriedigung, um deS Bedürfnisse« derWärme- empfindung willen? Antwort: Im Ofen des Wohnzimmers. Wo wird es consumirt als Mittel zur Pro- duciion? Antwort: Zum Beispiel im Heerde der Küche. Eine« hätten die„Bolks-Ztg." und ihr Referent bemerken können; aber dies habe» sie nicht be- merkt. Man rechnet nemlich in der heutigen Oekonomic zuai Capital auch dasjenige, was die Arbeitenden, insbesondere die Lohnarbeiter, zum Lebensunterhalt bedürfen. Ob dies an sich richtig, ja ob es auch nur Angesichts der heutigen Prvduclionsverhällnisse völlig richtig ist, kann hier nicht behandelt werden. Acer so viel steht allerdings fest: daß wenn man jene nothwendigen Lebensmittel(im weitesten Sinne) als Capital betrachtet, man consequent auch von productiver Consumtion der betressenden Be- dlirfnißgegenstänte sprechen inuß. Aber es ist klar, daß man auf Grund dieser Erwägung nur behaupten könnte, das Holz im Ofen des WohnzimnierS könne in gewisseu Fällen producliv consumirt werden; nicht aber wäre man, auf jene Grundlage bin, berechtigt, schlechthin zu sagen: Auch das Holz im Ofen wird producta' consumirt. Hier, in dem von uns, nicht von der„Bolls- Ztg." und ihrem Referenten, angeregten Punkte stehe» wir wirklich vor einer Frage, über die sich streiten läßt, vor einer Frage, welche der Socialis- mus anders entscheiden wird als die Bourgeoisie. ökononne. Denn jener behält immer vor Augen, daß die Production nur Mittel zum Zweck ist, während die Bourgeoisökonomie sehr oft den Zweck über die Mittel vergißt. Aber selbst für einen Augenblick zugegeben, daß die oben bezeichnete Anschauung richtig sei und da- her Fälle möglich wären, wo Holz im Ofen des Wohnzimmers pkoductiv consuniirt würde, immer wäre nian berechtigt, im Allgemeinen und der Regel nach zu sagen: Wenn Holz im Ofen des Wohnzimmers verbrannt wird, so geschieht dies zu unmittelbarer Bedürfnißbefriedigung, nicht in Hin- ficht auf irgend welche Production, nicht um des Producirens willen, also unproductiv. lind hiermit gedenken wir diese Frage endgültig erledigt zu haben.— Rundschau. Berlin, 13. November. In der Politik ist augenblicklich wie fast über- all so auch in Deutschland eine gewisse Stille eingetreten. Die Aciion hat der ruhigen, nur lang- sam in die Oesfcntlichkeit dringenden Arbeit Platz geiuacht und nur die Parteien lassen ihre Stimmen erschallen für und wider. Jndeß die preußische Regierung mit den Erörterungen über die einzelnen Punkte des preußischerseits noch nicht festgestellten Berfassungs- Entwurfes für den„Norddeutschen Bund" beschäftigt sein soll, bringt der Telegraph auö Stuttgart die Nachricht, daß die am 11. d. dort versammelten Großdeulschen folgendes Pro- gram m angenommen hätten: Bildung eines„Süd- deutschen Staatenbundes" mit engster staatsrecht- licher militairischer Berbindung, gemeinsames Wehr- shstem mit allgemeiner Wehrpflicht und inöglichst kurzer Dienstzeit. Ein permanenter Ausschuß soll für dieses Programm in Heidelberg, unter Leitung Wclckers, wirken. Die durch die Blätter ge- gangene Nachricht, daß die Mitglieder des„Nord- deutschen Bundes" durch eine Circular- Depesche bereits zur Beschickung einer Conserenz in Berlin für die Berathung des Entwurfs eingeladen wären, ist unbegründet. So weit sind die Vorbereitungen noch nicht.— Aus Oesterreich ist zu melden, daß, nach einem Telegramm der„Bk.- u. Hdls.-Z.", das ErössnungS-Rescript für den Ungarischen Landtag die Staatsschuld, die directen Steuern und das gesammte Heerwesen als unabweisbar ge- meinsanie Angelegenheiteu sämmtlicher Kronländer bezeichnen wird. � Ein Artikel des„Wiener Journals" spricht sich über die Stellung der öfter- reichischen Regierung z» den orienlaliscben Angelegenheiten aus. Der Artikel rälh der Pforte Nachgiebigkeit gegenüber den serbischen Forderun- gen an. Für heule müssen wir wegen Mangels an Raum ein näheres Eingehen auf diesen Gegen- stand bis zu unserer nächsten Rundschau ver- schieben.— In Frankreich soll den Kammern, welche im Januar zusammentreten werden, unverzüglich ein Project behufs Reorganisation der Armee vorgc- legt werden, und da diese Ncngcstaltung bedeuicndc Summen kostet, soll eine Anleihe von 3—500 Mil- lionen aufgenommen werte», die nicht sowohl für sUkililair-AuSgaben, als auch dazu verwendet wer- den soll, um vollständig gerüstet dazustehen, wenn 1868 der Krieg wieder ausbrechen sollte. Man scheint diese letzte Eventualität also für, sehr wahr- scheinlich zu hallen.— Der Kaiser soll eine durch den Dr. Goyon vollzogene Blasengries-Operation schmerzlos und glücklich überstanden haben. Die„Gazelle de France" veröffentlicht unter Berwahrung Briefe aus Bayonne, in welchen mit- gciheili wird, caß in Spanien, in Barcelona, ein Aufstand ausgebrochen, der, vom General Prini in- spirirt, gegen den General Narvaez gerichtet sein soll, jedoch keine aniidynaslischen Zwecke verfolge. Eine Depesche aus Petersburg vom 11. No- vember, Abends, meldet: Ein kaiserliches Dekret befiehlt die Abschaffung der Servituten, Auflagen und Monopole, welche auf den 450 Städten des Königreichs Polen gelastet und welche theils dem Staate, theils den Cigenthümern der Städte auf Grund alter feudaler Rechte zustanden. Der Staat verzichtet ohne Entgelt, die Privateigenthümer wer- den entschädigt. Mehr als 400,000 Bürger und Ackerbauer, welche auf jenen städtischen Territorien wohnen, werden durch diese Maßregel mittelst Ab- lösung Eigenthum erwerben können. Aus NewNvrk bringt Reuter'S Bureau eine Depesche vom 10. d., wonach General Sherman nach Mexiko abgereist sei. Die Wahlen sind in Newyork für die Republikaner entschieden gün- stig ausgefallen. Deutschland. Berlin, 13. Nov. jAbgeordnetenhaus.) Gestern wurde die jüngst vertagte Kammer wieder eröffnet: Nack Erledigung der Formalitäten brachte der Fi- nanz- Minister den Staatshaushalts- Etat illr 1867 ein. Es geht daraus hervor, daß von dem 60 Millionen-Kre« dit noch kein Gebrauch gemacht ist, obwohl dem Staats- schätz 27>/e Millionen Thaler zugeführt wurden. Auch hat der Verkauf von Effekten, die zur Deckung der Krieg«- kosten bestimmt waren, im September sistirl werden kön- neu.— Der neue Etat wirst für Staatsschulden keine Mehrausgaben au«, verlangt keine neue Summe, bringt den ÄerichtSkoste»-Zuschlag in Wegfall und enthält die Ermäßigung de« Briefporto'« aus zwei Silbcrgroschen, welche ledoch erst vom I. Juli ab eintreten soll. Der Sold für die Mannschaften der Armee wird um 6 Pf. pro Mann und Tag erhöht, auch sollen die Gehälter der Beamten vermehrt werden. Hierzu sind 2,700,000 Thlr. bestimmt, welche dem Ueberschuß der Einnahmen entnommen werden sollen.— Die gesammle, für Aus- gabenrechnungen disponible Summe beträgt 7 Mill.— Da da« Abgeordnelenhaus gestern noch nicht vollzählig war, konnte kein Beschluß in Bezug aus die Ernennung einer Budget-Commission gesaßt werden. —(Im Personalbestände de« preußischen Abgeordnetenhauses sind während der Vertagung vom 27. Sept. bis 12. Nov. folgende Veränderung eingetreten: das Mandat haben niedergelegt die Abgeordneten John (Sluhm-Marienwerder), Dr. Siemens(Lennep-Svlin- gen). Kühl wein,(Frankfurl-Lebus), T addel und Hehl (1. Berliner Wahlbezirk); wiedergewählt wurden die Ad- geordneten Degen und Schulz(Memel-Heydekrug), r. Zander(Tilsit-Niedernng),und v. Eicke(Bricg-Ohlau), deren Wahlen im Hause kassirt worden waren; an Stelle deS verstorbenen Abgeordneten von Gaudecker wurde(im Wablbezirk Fllrstenlhum) Abgeordneter v. Hagen, an Stelle de« verstorbenen Abgeordneten Zupitza(im Wahl- bezirk Neustadt-Falkenberg) Gras v. Oppersdorfs ge- wählt, an Stelle der Abgeordneten Taddel und Hehl wurden(im 1. Berliner Wablbezirk) die Abgeordneten Jung und Richter und an Stelle des Abgeordneten Siemen«(Wahlkreis Lennep-Solingen) nach einer der „tireuzzeilung" gestern zugegangenen Depesche Herr E. Hasen clever(nicht der Social-Demokrat!) in Ehrings- hausen gewählt. Erledigt sind noch drei Mandate: Kob- lcnz-St. Goar, Stuhm-Marienwerder und Franlsurt-Lebus. Ausland. Paris, 11. Novbr. jUebe.r Berhaftun- genj schreibt man der„Köln. Ztg." v. 10. d.: Die Zahl der in der Nacht von Mittwoch aus l.n Donnerstag verhafteten Personen beträgt im Ganzen 41, nämlich zwei Advokaten, ein Arzt, zwölf Stiidenien, zwei etablirte Leute, acht Commis und sechszehn Arbeiter. Ehe sich die Polizei einstellte, waren 47 Personen vcr- sammelt gewesen; sechs halleu sich aber in Folge eine» heftigen Streite« bereits hinwegbegeben. Die stkach- suchungen in de» Wohnungen der Verhafteten sithilen zur Beschlagnahme einer großen Anzahl von Büchern, Broschüre» und Schriften. Die Bekannten und Ver- wandleu der Verhafteten stellten sich vielfach auf der Po- lizei-Präsecwr ein, um Ausschluß über da« Schicksal der letzteren zu erhallen. Sie wurden aber alle abgewiesen, da sich die Verhatleten in geheimer Hast befinden. Die Anklage lautet aus„Theilnahnic an einer geheime» Ge- sellschasl." Haupt derselben sollen zwei junge Leute sein, die aus dem Arbeiter-Eongreffe in Genf und dem Slu- denlen-Eongresse in Lütlich eine gewisse Rolle gespielt haben. Bom heuligen schreibt die„Köln. Ztg." nock: E« heißt,»achträglich seien noch 150 meist dem Ar- beiterstande augehörige junge Leute aus dem Quartier Latin und deni Faubourg St. Anloine verhaftet worden. Es soll sich wirklich dabei um eine Filial-Gesellschaf: des pariser socialiftischen Arbeiter- Cougresses gehandelt haben, obwohl die Regierung jetzt Sorge trägt, verbreiten zu lassen, nm das Aussehen nicht noch zu steigern, die Ver- hasteten hätten nur über die Thunlichkeit einiger lärm- vollen Demonstrationen verhandelt, durch die sie ihrer Mißstimmung über die neulichen Pensionirungen delieb- ler Prosessoren hätte» zum Ausdrucke verHelsen wollen. Die Denuiicialion jener„geheimeii Gesellschaft" soll der hoben Polizei übrigens aus Brüssel zugegangen sein, woselbst zahlreiche französische Mouchards mit der lieber- wachung der Verbindungen betraut sind, welche die Re- daklenre der dort erscheinenden„Rive gauche" und deren Freunde in Frankreich und Pari« unierhallen. Vereins-Lheil. -ll- Berlin, 13. Novbr.(Social-dem vlralischer Ardei ler- Verein. Oesfentlichc Versammlung.) Die gestern Abend ftaiigehable Sitzung wi.rde in Ab- Wesenheit de» Präsidenten Herrn Schilling und de« Vicepräsidenlen Herrn Schumann von den« Schristsllhrer Herrn Roller eröffuel, und von diesem der Versammluilg zunächst Mitgelheilt, daß Herr Schilling aus einige Wochen verreist sei, Herr Schumann dagegen sich genöthigl gesehen habe, sein Amt als Vicepräsident niederzulegen, da ihm die aus ihn gesallene Wahl zum Vorsitzenden eines Specialcomitee« der Schuhmachcrmeister- Innung, wel-