Nr. 183. Berlin, Mittwoch den i2. December 1866. Zweiter Jahrgang. -Demokrat. Diese Zeitung erscheint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags, Donnerstags und Sonnabend« Abends. Organ der socml-dcmokratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Alte Jalobstraste Nr. 67. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich l5 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post» ämtern 15 Sgr., bei den preußische» Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land lLVe Sgr., im übrigen Deutschland 20 Sgr.(st. 1. 10. slldd., st. 1. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Zimmerstraße 48», sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Nichtsdestoweniger aber— weil nemlich die Dinge kritisch standen und gerade in Zeiten der Verlegenheit die Machthaber sich bequemen müssen, dem Volkswillen Concessionen zu machen — nichtsdestoweniger also hat die deutsche Einheitssache eine Förderung dadurch erhalten, daß man preußischer Seits so entscheidend vor- ging. Denn man durfte von dieser Seite her die Wahrheit nicht sagen: man durfte nicht er- klären, daß man um des specifischen Preußen- thums willen einen deutschen Krieg veranlasse, man war genöthigt, zu versichern: daß man um Deutschlands, um der deutschen Einheit willen in den Krieg ziehe. Solche Versicherungen aber sind in der Politik verhängnißvoll; denn einige Thaten wenigstens müssen doch den Worten zur Beglaubigung hin- zugefügt werden und diese Thaten haben dann ihre Folgen. Mußte man auf alle Fälle(denn es konnte ja auch schlecht gehen!) versichern, daß man um Deutschlands Einheit willen in den Krieg ziehe, so mußte man auch zur politischen Verwirk- lichung dieser Einheit Einiges ins Werk setzen. Dies hatte man gethan: ein deutsches Par- lament nach dem allgemeinen Stimmrecht ward berufen. Allerdings sind auch hiervon durch den Gang der Ereignisse nur Trümmer übrig geblieben— aber selbst diese Trümmer, das „Norddeutsche Parlament", können den re- actionären Elementen in Preußen unbequem werden. Ein schwaches Mittel allerdings gegenüber der so mächtig gewordenen preußischen Regierung! Aber dennoch der Möglichkeit nach ein Mittel im Dienste der nationalen Sache, weil auch das richtige und kräftige Wort, von Einer Stelle! in die Herzen von Millionen hinauStönend, unter Umständen zu einer Macht werden kann! Die preußische Regierung ist in die deutsche � Einheitsbewegung hiueingerathen— es ist Sache| der Nation auf dieser Bahn sie vorwärts zu stoßen. Die preußische Regierung will, was sie thut, um des specifischen Preußenthums willen thuu — es ist Sache der Nation, die ihr von der preußischen Regierung selbst gebotenen Hand- haben dazu zu benutzen, das Deutschthum an die Stelle des einseitigen Preußenthums treten zu lassen. Tie nationale Aufgabe kann also, wie die Dinge thatsächlich jetzt liegen, nicht darin be- stehen, daß man die Ereignisse dieses Jahres rückgängig zu machen suche, bloß darum, um zuletzt statt einer Hohenzollern'schen Herrschaft in Deutschland eine Habsburg'sche Uebermacht in demselben erwachsen zu sehen. Denn wohin anders könnte es führen, wenn man jetzt die österreichischen Machinationen gegen Preußen unterstützen wollte— wohin anders könnte es führen, als daß man schließlich den alten Dualis- mus herstellte oder an die Stelle der reactionären preußischen Kreise die doch sicherlich noch weit reactionäreren österreichischen Kreise setzte? Nicht dies also kann die nationale Aufgabe sein, sich an den Agitationen österreichischer Agenten, süddeutscher Particularisten und der Ultramontanen zu betheiligen. Die Aufgabe kann vielmehr nur diese sein: Das Macht- centrum Deutschlands in Berlin als! gegeben angenommen, aufdiesesNkacht- centrum selbst einwirken zu wollen. In welcher Richtung aber hätte dies zu ge- schehen? Politischer Theil. Rundschau. Berlin, 11. Dezember. Zur deutschen Verfassungs-Angelegenheit läßt sich die„Weser-Ztg." von hier schreiben, daß nun- mehr der Entwurf der preußischerseits auf den Minister-Konferenzen zu niachenden Vorschläge aus- gearbeitet ist und daß Graf Bismarck selbst die Verhandlungen leiten werde. Uebcr den Ab- stimmungsmodus in dem künftigen Norddeutschen Parlament wird so viel als sicher angesehen, daß das Erforderniß der Einstimmigkeit ein- für allemal beseitigt bleibt. Für Verfassungs-Ver- änderungen dürste eine Zweidrittel-Majorität als erforderlich bezeichnet werden.— Bezüglich der Errichtung eines Süddeutschen Bundes scheint in der That das Zustandekommen eines solchen in den Wünschen der preußischen Regierung zu liegen, wie man wohl nach einer Auslassung der„Nordd. Allg. Ztg.' annehmen darf, wornach„die Ver- Handlungen mit einem Staatenbunde sich einfacher gestallen, als mit den einzelnen Staaten". Im preußischen Abgeordnetenhause ist gestern die Militairfrage durch einen Compromiß er- ledigt, worden.(Siehe d. gestrige Kammerver- Handlung.)— Im Großherzogthum Hessen geht die ministerielle und ultramontane Partei Hand in Hand mit einem kleinen Häuflein preußenseiudlicher Radicalen, um bei den Wahlen zum Landtag eine möglichst Preußensresserische Majorität zu Stande zu bringen. Die„preußischcu Annexionsgelüste," das„Säbelregiment" und die politische Unfreiheit Preußens werden den Bewohaern des Landes Hessen als Schreckbilder von Ferne gezeigt, und in abscheuerregenden Farben ihnen das Schicksal vorgemalt, welches die„willfährigen Schleppträger des Grafen Bismarck" schon in diesem Leben zu erwarten hätten. Im Gegensatze hierzu wird dann das Loos derer gepriesen, welche sich der geretteten „hessischen Freiheit und Selbstständigkeit", geschirmt von deni„Banner des alten deutschen Reichs", würden zu erfreuen haben. BeherzigenSwerlhe Worte dagegen richtet in seiner Ansprache„An die Wähler Rheinhessens" der als entschiedener und ehrlicher Demokrat bekannte Ludwig Bamberger in Paris, indem derselbe u. A. sagt: So klein da« hessische Völkchen ist, so hat es vielleicht jetzt die Geschicke Deutschlands in seiner Hand. Darum bedenke Jeder, was er thut. Hessen steht auf der Grenze zwischen Nord und Süd wie ein geborener Vermittler, Versöhner, Friedens- und Einheilsstifler. Mit einem Fuß nördlich vom Main, mit dem andern südlich, mit seiner Konfession, seiner Industrie, seiner Sinnesweise ebensosehr nach der einen Seite gehörig wie nach der anderen, hat es als Eentrnm jetzt den Ausschlag zu geben. Schon ist Baden bereit einzutreten. Bekennt sich Hessen zur selben Wahl, so folgt Baiern nach, und dann muß sich Schwaben, der talentvolle Trotzkopf, in das Unvermeidliche finden, Vernunft anzunehmen. So stehen die Sachen. Hebt Ihr die Hand auf und stimmt für Männer, welche einen süddeutschen Sonderbund wollen, so habt Ihr die Verantwortlichkeit auf Euch genommen, in der entscheidenden Stunde das Werk de« Friedens, der Eintracht und der Gestaltung der Nation für lange, vielleicht für immer zu vernichten. Kommen schwere Verhängnisse über Europa und finden Deutschland un- fertig, zerklüftet, den Süden kopflos wie eben noch und im Hader mit den, Norden, so könnt Ihr an Eure Brust klopfe» und Euch sagen: wir haben es so gewollt, wir haben e« so verdient. Wir haben darauf bestanden, den Fluch des Wiener Kongresses aufrecht und den Segen der Einheit von Deutschland fern zu halten. Vergeben« sind die Zwingherren von Hannover, von Cassel, von Nassau dem Geist der Zeit und dem besseren Loos ver Nation gewichen. Wir klammern uns an jeden Per- rückenstock, den man un« läßt. Das Blnt, da« ge- fiossen, ist nicht siir uns geflossen. Die Lehren der Ge- schichte, die ergangen, sind nicht für uns ergangen. Alle Opfer waren vergebens, wir bleiben stehen, wo wir ge- standen; denn wir wollen nichts wissen von Preußen und seinem Regiment, und wenn wieder einmal das Schicksal über niis hereinbricht, so werden wir wieder an die Benedeck's, Alexander und Karl glauben und toii-b;'. an di- hlllsloseu Programme, die wir drucken lassen. Die hessische Iicgierung ihrerscilS hat, wie die Blätter melden, gegen Ludwig Bamberger wegen dieser Änsprache und gegen den Verbreiter derselben bereit einen Presiprozesi eingeleitet. Vergebliche Mühe:„Und sie bewegt sich doch!"— Nach einer ofsiaösen Notiz der„Nvrdd. Allg. Ztg." hat der Exkönig von Hannover die hannoverschen Ossi» ziere iioch immer nicht ihres Eides entbunden. Eine Slarrkopfigkeit, welche ein großes Unrecht an Vielen dieser Osfiziere begehl, welche dem Vater- lande und nicht einem bestimmten Monarchen die- nen wollen.— Der„Köln. Ztg." schreibt man, daß der König von Sachsen den Versuch machen werde, eine gewisse Selbstständigkeit der sächsischen Armee zu erhalten. Dagegen wird die bereits in Aussicht gestellte Einverleibung der sächsischen Trup- Pen als 12. ArmeecorpS(excl. der Garde) in das Norddeutsche Bundesheer nunmehr in militai- rischen Kreisen Preußens als bestimmt bezeichnet.— 3 ii Oesterreich ist, Wiener Blättern zufolgt, die altgemeine Wehrpflicht nach eingehenden kommissio- nellcn Bcralhungen im Prinzip angenonimen. Die Armee soll auf den Friedensstand von 850,000 Mann, mit dem zum Ausmarsch bestimmten Land- wehraufgebot auf 1,100,000 Mann gebracht wer- den und 200,000 Mann zweites Aufgebot sollen zur Landesbesetzung bleiben. Die Zahlen sind höchst imposant. Im Militairischen pflegen aber nur solche Zahlen zu beweisen, die nicht blos aus dem Papiere stehen.— Der Adrcßentwurf deS falzbnrger Laudtags drückt gleichfalls Schmerz über die Verdrängung auS Deutschland aus. Er for- dert Einberufung der Reichsvertretung.— Als der Moment, in welchem die Ernennung eines verantwortlichen ungarischen Ministeriums erfolgen soll, wird einer„bestunierrichteten" Wiener Korrespondenz des„P. L." zufolge derjenige ange- Feuilleton. Ärbeiter-Schule. Von Gustav K. Tic Galvanoplastik und die clertro> magnetischen Telegraphen. (Fortsetzung.) Im vorigen Artikel habe ick dem Leser mitgetheilt, dag trotz der verschiedenen ErregungSarten immer eine und dieselbe Nalurkrast erzeugt würde; nachzuholen ist hierbei jedoch, daß der Galvanismns, d. h. diejenige Electricität, die durch Berührung erzeugt wird, sich nicht wie die ReibungS- Electriciiät plötzlich mächtig anhaust und entladet, sondern vielmehr den genäherten Leiter durchströmt. Der electrische Strom geht dabei von dem— Pol (der äußersten Platte einer Säule oder Batterie) zum -s- Pol, in anderen Worten vom Äupser zum Zink und gleicht sich dann durch den feuchten Leiter vom Zink zum Kupfer gehend wieder auS. Hierbei hat denn der electrische Strom die Eigen- schaft, daß er flüssige Körper zersetzt und werden nun die Z- Theilchen von der— Platte und die— Theil- che« von der-j- Platte angezogen. Aus diesem Satze haben wir nun die ganze Lehre von der Galvanoplastik zu entwickeln. Nehmen wir nämlich eine Säure an, in welche Metall aufgelöst ist, so wird das Metall von der Kupferplatte angezogen, die Säure dagegen von der Zinkplatte. Selbst- verständlich folgt hieraus, daß sich der Niederschlag in der Form genau der Kupferplatle anschließt. Der Strom, der hierzu erforderlich ist, braucht durch- aus nicht von besonders großer Stärke zu sein, im Gegen- theil mißlingt jeder hierher gehörige Versuch, wenn die« der Fall ist. � Bedenken wir nun, wie schwierig es ist, besonders edle Metalle auf die bisherige Weife in andere Formen zu rsseßen, und wie leicht dies durch den galvanischen Strom geschehen kann, lo wird dem Leser hier zuerst der Nutzen der Galvanoplastik einleuchteu. Anfangs wandte man sie besonders zur Nachbildung von Münzen, Medaillen ic. an. ES ist hierzu nichts weiter uölhig, als daß man die Form dazu zunächst durch den Niederschlag deS Metall« bilde» läßt. sehen, in welchem die Siebennnds.chsziger-Kommis- , sion ihre Verathung über den Umfang und die Be- Handlungsweise der gemeinsamen Angelegenheiten geschlossen haben wird. Da nun diese, allem An- schein nach, noch vor dem Eintritt der Weihnachls- ferien zu Ende gelangen dürften, so erscheint es nicht unwahrscheinlich, daß das neue Jahr ein ungarisches Ministerium zu begrüßen hat. AuS Holland wird der„K. Ztg." geschrieben, daß die Regierung bestrebt sei, sreuiidschaftliche Be- ziehungen mit Preußen zu unierhalten. In Paris dauern, wie gemeldet, die neuen Militair-Zweigcommissions-Sitzungen noch fort. Als Grundlage des neuen Systems glaubt die„Patrie" zu wissen, daß die bewaffnete Macht künftig auS drei Theilen bestehe» werde: 1) der activen Armee, 2) der Reserve, 3) der iiiobilen Nationalgarde. Die active Armee würde 400,000 Mann Esfecliv- bestand zählen mit einem Jahrescontingenk von 50—100,000 Mann. Zu der Reserve würden alle jungen Ptänner des militairpflichtigen Alters ge- hören, welche nicht für die active Armee eingezogen woiden. In der mobile» Nationalgarde würden alle ausgedienten Soldaten und freigewordenen Re- serviste» auf die Dauer von drei Jahren verbleiben. Mit Hilfe dieser Organisation könnte Frankreich über 1,200,000 Mann verfügen. Der Pariser„Jnlernalional" meldet, die russische Regierung habe die Großmächte eingeladen, die Verträge von 1856 und 1858 zu revidiren.„La Presse" sagt, daß, falls diese Nachricht sich bestätige, dies nichts anderes sei, als die Wiedereröffnung der orientalischen Frage durch Rußland. Solche Angaben seien schon deswegen, weil sie ge- wisse Tendenzen anzeigen, nicht zu vernachlässigen. In der Tbat sehen die Dinge im Orient höchst kritisch aus. Candia scheint, trotz der das Gegentheil neuerdings versichernden türkischen De- peschen nichts weniger als pacificirt zu sein. Zu diesem Zweck hängt man die Münze, welche nach- zubilden ist, in eine Austösung desjenigen Metalls, von welchem die neue Münze gebildet werden soll. Hierauf verbindet man da« Modell metallisch mit einer Zink- platte. Der Leser sieht, daß hier eine Berührung zweier Metalle vorliegt, a»S welcher selbstverstäublich ein gakva- nischer Strom entsteht. Dieser Strom geht, wie oben bemerkt, zunächst von der— Platte, hier also von der Münze zur-j- oder Zinkplale und gleicht sich dann durch die Säure gehend wieder au«. Hierbei wird zunächst dieselbe zersetzt, da« Metall schlägt sich au der Münze und die Säure am Zink nieder. Vorher muß man aber die Münze mit zerlassenen Pech dünn überstreichen, damit man den Nieverschlag von derselben lösen kann. Derselbe hat sich mit solcher Genauigkeit auf die Münze abgedruckt, wie man e« sich besser gar nicht wün- scheu kann. Auf diese Form wird nun das Kupfer von Neuem nietergeschlagen und man gewinnt auf diese Weise zuerst die obere Hälsie und daim die untere Hälfte der Münze. Beide Hälsie» werden daiin von den Formen gelöst, zu- sammengelöthet und man erhält dadurch eine Copie, die von dem Original gar nicht z» unterscheiden ist. Aber nicht bloß zum Nachbilden von Münzen eignet sich die Galvanoplastik, auch die Kupserstiche, die der Leser in unseren Zeilschristen gewiß oft genug bewundert bat, verdanken ihr ihren Ursprung, indem man die be- treffenden Formen einfach durch den Niederschlag de« Metalls ganz auf obige Weise gewann. Aeltere Leser werden sich gewiß einer Zeit erinnern, in welcher unsere Landkarten Plötzlich ganz fabelhaft billig wurden. Tie« geschah aber in jener Zeit, in welcher man die Galvanoplastik zur Bildnng der Platten benutzte. Vorher waren letztere nur für außerordentlich hohe Preise herzustellen und da von ihnen höchstens 2000 Abzüge ge- Wonnen werben konnten, so war ihr Prei« auf de» Prei« der Karlen selbst natürlich von wesentlichem Einfluß. Jetzt, wo dieser Uebclstand wegfällt, indem die Bildung der Platten dem galvanischen Strom überlassen wird, haben wir natürlich kaum den zehnten Theil des früheren Preise« zu zahlen. Eine ebenso vielfältige Anwendung, wie die Galva- noplaslik im Praktische» Leben findet, findet auch die gal- vanische Vergoldung, Versilberung oder Verkupferung. Ost will man nämlich einen Körper nicht nachbilden, sondern ihm einfach mit einem schützenden oder zierenden Metallüberzug versehen. Zu diesem Zweck geht man natürlich fast ebenso zu Werke, wie oben beschrieben. In Kunstuiitlnopel hat sich ein Coniitee ans tülktschen Slaveu und Griechen zusaniinengesetzt, welches bestrebt ist, ein volles Einverständniß zwi- scheu Slaven und Griechen der Balkanhalbinsei bezüglich des Vorgehens im BefreiungSwerke gegen die Pforte zu Stande zu bringen. Aus Athen wurde gemeldet, daß drei grie- ehische Arineecorps nach den Grenzprovinzen abgegangen sind, und die Schaaken ankommender Garibaldianer, welche nach Candia gehe», um do rt zu kämpfen, sich täglich mehren, und in Wien will nian wissen, baß russische Agenten für die can- diotischrn Insurgenten werben. In Italien fangen die Jesuiten an, Rom schaarenweise zu verlassen; sie gehen»ach Malta, Frankreich, Spanien und Deutschland. Viele kost- bare Sachen, sowie sämmtliche Acten dieser geheimen Wellregierung sind nach Marseille gebracht worden.— In Rom, heißt es, wird in der ge- Heimen Druckerei des Batican eifrig gearbeitet; man erwartet liberale Eoncessione», ein ans Laien be- stehendes Ministerium und versöhnliche Acte mit der italienischen Regierung(?).— lieber die von den Venelianern geforderte Anerkennung der Schuld von 1848 sind bereits mehrere juristische Denk- schriften veröffentlicht worden. Die Regierung nimmt jedoch begreiflicherweise Anstand, sich aber- mals mit 8—10 Millionen zu belasten. In Spanien dauern die Deportationeil miß- liebiger Persönlichkeiten fort; wie der„Jndependance belge" geschrieben wird, sind in den letzten Tagen des'November zu Barcelona allein 179 Individuen an Bord einer Kriegs-Korvette geschleppt worden, um in den Strafkolonien auf den Kanarien oder auf gernantv-Po untergebracht zu werbe». Ueberall in den Städten und auf dem Lande bilden sich unter der Leitung eines Centralcomile's geheime Verbindungen für de» einen Zweck: Die Verjagung der bestehenden Dynastie. Die Proklamation des Man löst einfach das Metall, von welchem man den lleberzua wünscht, in der Säure auf und bringt dann ven Körper an Stelle der— Platte. Sobald nun derselbe mit der-j- Platte verbunden wird, wird sich auch sofort das Metall auf elfteren nie- derschlagen. Der betreffende Körper niuß immer ein Leiter sein, indeß genügt schon ein metallischer Ueberzug. Die« letztere ist von außerordentlicher Wichtigkeit, denn nunmehr kann man auch solche Körper in dem Be- reich des Stromes ziehen, auf die er sonst nicht den geringsten Einfluß ausübt. Vor allen Dingen hat man die galvanische Vergol- düng bei Schmucksachen angewandt. Und zwar hat man darin solche Fortschritte gemacht, daß Gegenstände, die sonst wohl 100 oder 10 Thlr. kosteten, jetzt für 10 resp. I Thlr. herzustellen sind. Recht niedlich nehmen sich namentlich kleine Thierchen au«, z. B. Käfer, Fliegen, die zuerst mit einem leitenden Ueberzug versehen und auf denen dann Gold ic. nieder- geschlagen wurde. Auch ans Toilettengegenstande erfährt die galvanische Vergoldung die vielfältigste Anwendung. Der unkundige Leser wird sich nicht wenig wundern, ivenn er z. B. bei großen Bällen da« feinste Gewebe in Goldglanz schimmern sieht. Er wird sich fragen, wie e« möglich sei, mit so seinen Goldsädchen so kunstvolle Dinge zu fertigen— bis sich aus näherer Betrachtung ergiebt, daß all' diese Pracht und Kunst— dem galvanischen Strom ihren Ursprung verdankt. Eine Anwendung der galvanischen Verkupfernng geht besonders in« Großartige, nämlich bei dem Knpferüberzug von Seeschiffen. Um dies zu bewerkstelligen, wurde da« ganze Schiff in eine Auflösung von Kupfervitriol gebracht. Der gal- vanische Strom wurde nun dadurch hervorgerufen, daß man die untere Seite de« Schiffes, nachdem sie vorher durch Graphiipulver leitend gemacht worden war, mit Zinktaseln leitend verband. Nach 3 Tagen hatte sich eine feste Kupferbedeckung gebildet, Heren Hauptvortbeile darin bestanden, daß sie weder Rath noch Nagel besaß, dem Schiffe also die größtmöglichste Sicherheit verlieh. In Vorstehendem ist durchaus die Anwendung der Galvanoplastik aufs praktische Leben noch nicht erschöpft, doch genügt es, um den Leser alle übrigen Erscheinunzen aus diesem Gebiete begreiflich zu machen und damit ist unser eigentlicher Zweck erreicht. Wir werden daher jetzt zur Betrachtung der electro- magnetischen Telegraphen übergehen. (Fortsetzung folgt.)