Rr. 188. Berlin, Mittwoch den 19. Tecember 1866. Zweiler Jahrgang. Social- Diese Zeitung ersckeint drei Mal wöchentlich und zwar: Dienstags. Donnerstag« und Sonnabends Abend«. Organ der social-demokratischen Partei. Redigirt von I. B. v. Hosstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaetion und Expedition: Berlin, Alte Jakobstraße Nr. 67. Abouaemenr?-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 15 Sgr., mo- natlich 5 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- amtern 15 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutich- and I2Vz Sgr., im übrigen Teut'chland LO Sgr. ist. I. l<1. iüdd., st. 1. österr. Wädr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expeditioo, sowie von jedem soliden Spediteur entgegen genommen. Inserate sin der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter Annoncen mir 1 Sgr., bei sonstigen Annonce» mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bunder, 8. Little Xew-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: kl. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Kue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. Politischer Cheil. Rundschau. Berlin, 18. Dezember. In der deutschen Berfassuugs-Angelegenheit, speciell der des Norddeutschen Bundes ist nun ein weiterer Schritt geschehen. Die Conserenzen der Bundesbevollmächtigten sind gestern Abends im hiesigen Staatsminislerium durch den Minister- Präsidenten Grafen Bismarck formell eröffnet worden. Nachdem die preußischen Borschläge vorgelegt worden, wurde diese erste Sitzung nach kurzer Dauer geschlossen. Die preußische Regierung legt, wie die „Zeidl. Corresp." erklärt, aus diese Beralbungen einen großen Werth. Die Regierung hoffe auf den freiesten Meinungs-AuStausch, sie beirachle ihren Entwurf nur als die Basis der Verhandlungen und es werde ihr erwünscht sein, wenn eine allseilig gründliche Erörterung Äenderunge» hervorruft, durch welche die Sympathieen noch enger an die Bundes- Verfassung geknüpft werden. Die„Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die über den Inhalt der nord- deutschen Bundesverfassung coursirenden Zeitungs- nachrichlen als auf bloßen Vermuihnngcn beruhend, da der Entwurf die Genehmigung des Königs noch nicht erhallen hatte. Wir unterlassen es daher auch, unsere Leser niit den weiteren zahlreichen Conjecturen zu unierhallen, die in dieser Beziehung noch fort- während durch die Presse gehen, um so mehr, als nunmehr der fragliche Entwurf demnächst eine offizielle Veröffentlichung erfahren muß.— Der König Johann und der Kronprinz von Sachsen sind am Sonntag Abend 8� Uhr hier eingetroffen. Der Empfang ist ein durchaus seier- licher gewesen, soll aber auch zugleich einen„herz- lichen" Eharaktcr gehabt haben.— Die Handels- politischen Unterhandlungen zwischen Preußen und Oesterreich werden, wie man glaubt, im Wescnt- lichen diejenigen Begünstigungen vertragsmäßig fest- stellen, welche Oesterreich, nachdem es dieselben Frankreich eingeräumt, kraft Artikel 2 des Vertrages vom H. April 1865 auch dem Zollverein einräumen müsse. Einige Verkehrserleichternngen würden wahr- scheinlich hinzukommen. Inzwischen hat die preußisch? Regierung die Zollvereins-Regierungen eingeladen, Vorschläge mitzutheilen, welche dieselben bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Revision deö österreichischen Handelsvertrages geltend gemacht wünschen.— Die Verhandlungen Preußens mit dem Fürsten von Thurn und Taxis sind soweit ge- diehen, daß mit Anfang März das Postwesen im TaxiS'schen Postgebiet auf Preußen übergeht. Den Betrieb übernimmt Preußen schon von Neu- jähr ab, doch bleibt Fürst Taxis in den ersten beiden Monaten noch in, Besitz der Revenuen.— Die Verhandlungen des preußischen Abgeordneten-! Hauses dürsten, die Elbherzogthümer-Annexions- � angelegenheit einbegriffen, bis 22. andauern, die � Festtage eine Vertagung bis 4. Januar zur Folge haben, bis 20. Januar aber der Schluß der Session staltfinden.— DaS genannte Abgeordnelenhaus zerfällt jzur Zeit in acht Fractionen: 1) die Fraction der eigentlichen Conservativen am stärksten vertrete» mit 117 Stimme»; 2) die sogenannte„freie con- servative Vereinigung," 17 Stimmen; 3) die sog. „Altliberalen"(25); 4) als eine Art von rechtem Eenlrum die neue Fraction der sog.„Nationalen" (23); 5) das eigentliche von den Katholiken gebil- dete Centrum(15); 6) das linke Centrum(vor- mals die Fraction Bockum-Dolffs) mit 56; 7) der Torso der durch die letzten Wahlen»nd den Abfall der„Nationalen" decimirten Fortschrittspartei(63); endlich 8) die Polen mit 21 Stimmen. Hinzu kommen vier Mitglieder des Staatsministerillins, die wenigstens formell keiner Fraction angehören, außerdem noch fünf sog.„Wilde". Bei dieser Sta- tistik ist zu berücksichtigen, daß sechs Mandate noch erledigt sind. Mit Einschluß der letzteren beträgt die Zahl der Abgeordnetensitze 352.— Ueber die Verhandlungen des Ausschusses des Abgeordneten- lages wird der„Augsb. Abendztg." von dort ge- schrieben: Bei der Berathnilg wurde allgemein anerkannt, baß der Abgeordnelentag in keinem Falle ausznlösen sei, ja daß er jetzt erst recht gebildet werden müßte, wenn er nicht schon bestünde, da e« ja seine Ausgabe sei, aus die Herstellung eine« ganzen in einem krästigen Staate frei- beitlich geeinigten Deutschland hinzuwirken. Die Bereini- gung von Bolksvertreiern sei nun gerade als da« Band anzusehen, welche« die Verbindung de« Norden« mit dem Süden, der Deutschen Lande diesseits»nd jenseits de« Main«, vermittle. Ausdrücklich wurde anerkannt, daß die Oesterreichischen Mitglieder von Landtagen k. nach wie vor Mitglieder de« Abgeordnetentage« bleiben, und e« bleiben denselben ihre Stellen im Ausschüsse vorbe- halten. Nach eingehender Besprechung über die Lage de« Baterlandes einigte man sich dahin, daß die Vorstand- schast beauslragt wurde, den Ausschuß da« nächste Mal nach Berlin zu berufen,»nd zwar in der Art, daß der- selbe bei Eröffnung de« Norddeutschen Parlaments in Berlin anwesend sei. Ueber die gleichzeitig in Leipzig gepflogene Be- rathung im Sechsunddreißiger-Ausschuß berichtet dasselbe Blatt: Es wurde zwar anerkannt, e» sei eine wirksame Thä- tigkeit in Beziehung aus die Herstellung der Selbststän- digkeit der Herzogthümer den eingetretenen Ereignissen gegenüber nicht angezeigt, daß aber dennoch die Thätig- keil der Vereinigung der Mitglieder Deutscher Volksver- treiungen nicht zu schließen sei. Der Zweck dieser Ber- eiiiigung sei die fosniachung der Herzogthümer von Dänemark gewesen. Diese sei nun zwar erwirkb, aber durch den Frieden von Prag sei die Gefahr gegeben, daß ein Theil der Herzogthümer wieder von Deutsch- land abgetrennt und den Dänen überantwortet werde»nd damit werthvolle deutsche Distrikte an da« Ausland kommen. Dieser Gefahr entgegen zu wirken, bleibe nach wie vor Ausgabe der Deutschen Abgeordneten-Versamm- lung und des AusschuffeS derselben. Im ungarischen Unterhause ist der Deaksche Abreßentwurs nach kurzer DiScussion angenomnien worden. Die offiziöse„Abendpost" widmete am 15. diesem Beschlüsse der ungarischen Volksvertre- tung einen längeren Artikel, in welchem der Passus bemerkenSwerth ist, daß die Regierung„nicht ohne Garantien von Seile Ungarns vor die übrigen Königreiche und Länder treten kann." In Pest wird man den Sinn dieser officiösen Auslassung wohl verstehen. Doch berechtigt die seitherige kon- sequente Haltung der Vertreter Ungarns zu der Erwartung, daß weder Bitten noch Drohungen sie vermögen werden, von den hundertjährigen Rech- ten Ungarns etwas zu vergeben. In Italien ist am 15. d. MiS. in Florenz das Parlament durch den König in Person eröffnet worden. Wir tbeilen in Nachsteheudem den In- halt der Thronrede im Wesenilichsten mit, da es uns zur wörtlichen Wiedergabe an Raum fehlt. Ueber die Geschichte deö vergangenen Sommers geht die Thronrede ziemlich flüchtig hinweg, indem sie einfach konstatirt, daß Italien von der Frenid- Herrschaft befreit sei, ohne jedoch der Umstände näher zu gedenken, unier welche» sich diese Befrei- ung vollzogen hat. Sehr auffällig muß es in der That erscheinen, daß die Thronrede der preußischen Allianz mit keinem Worte Erwähnung lhut und eö scheint, daß dies mit Rücksicht auf Oesterreich einer- und Frankreich andererseits geschehen ist. EtwaS angelegentlicher beschäftigt sich die Rede mit der römischen Frage. König Victor Emauuel macht aus seinen Wünschen für die Erhaltung der Inte- grität deS Papstthums kein Hehl, aber er berührt mit keinen, Worte die mit Rom bereits ange- knüpften Verhandlungen, und giebt auch keine An- deutungen, daß das Parlament noch im Laufe dieser Session bezüglich dieser wichtigen Frage irgend einen Beschluß zu fassen haben werde. Es ist wahrscheinlich, daß diese Reserve durch daS Ausbleiben von Nachrichten vom Herrn Tonello auferlegt worden ist. Der italienische Bevollmächtigte ist erst am Tage ber Parla- ments- Eröffnung vom Papste empfangen worden, und da ein Aufschub der letzteren nicht gut Ihunlich war. konnte eine Andeutung auf die im Vatikan maßgebenden Intentionen keine Aufnahme mehr finden. Der zweite Theil der Thronrede bespricht die innere Situation des Landes, lind dürften die in Aussicht gest.llten Finanz-Reformen, wie die Nachricht von der für 1867 bereits getroffenen Vor- sorge auf die Besitzer der italienischen Rente» be- friedigend einwirken. DaS Parlament hat die Ver- lesung der Thronrede mit großem Beifall beant- wortel, und sich der Auffassung derselben somit in allen Beziehungen angeschlossen. Die Königin von Spanien ist am 15. in ihre Hauptstadt zurückgekehrt, nachdem sie eim 13. Lissa- bon verlassen halte. Die Thätigkcil der KriegSge- richte ist während ihrer Abwesenheit nicht einen Augenblick unterbrochen worden.— Die Nachricht, daß man im Faubourg St. Denis eine geheime Presse, welche Prim'sche Proclamationen gedruckt, mit Beschlag belegt habe, ist unbegründet. AuS dem Orient wird über Marseille gemel- dct, dag die Pforte neuerdings 7000 Mann Verstärkungen nach Kandia abgeschickt habe, und dag beabsichtigt werde, den Kapudan- Pascha(Groß- admiral) an die Spitze der vor Kandia kreuzenden Flotte zu stellen, damit endlich der Einfuhr von Waffen und Proviant für die Insurgenten Einhalt gethan werde. Von dem Erlöschen der Insurrek- tion kann demnach vernünftigerweise keine Rede sein. Aus Amerika, auS New-Aork, wird gemeldet, dag die Aufregung wegen der mexikanischen Frage dort bedeutend nachgelassen hat, seitdem es sich ausgewiesen, dag die Nachricht von der Abdankung Maximilians und der Besetzung von Ma- tamoras durch amerikanische Truppen eine Ente war. Es ging das Gerücht, die klerikale Partei habe sich erboten, 600,000 Doll. für Maximilian aufzubringen, wenn er sich herbeilassen wolle, im Lande zu verbleiben.— Die neuesten Meldungen auS Mexiko bringen die überraschende Neuigkeit, daß im Lande selbst eine Partei täglich größeren Anhang finde, welche das Kaiserreich kräftig zu unterstützen bereit ist, wenn Kaiser Maximilian, ihr vertrauend, auch nach dem Rückzüge der Franzosen in Mexiko verbleiben wolle. Man nennt mehrere Generale und Prälaten, welche dem Kaiser Auer- bietungen in diesem Sinne gemacht haben. Deutschland. Berlin, 17. Dezbr.(Das Abgeordneten- hauS� hielt heute seine 45. Sitzung. Tagesordnung: VorberaiKung des StaatShauShaltsgesetzes und des Genossenschaftsgesetzes. Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung 10>/s Uhr. Am Ministerlisch: Graf Bismarck, Graf Jtzen- plitz und einige Reg..EonimiffLre. Abg. Eberip bat einen Antrag gestellt, den mit dem Fürsten Tburn und Taxi« geschloffeuen Vertrag(von dem bei der Berathnng des Budget« der Hohenzollern- schen Lande die Rede war) für ungültig zu erklären. Der Antrag geht an die Justizkommission. Der von Michaelis und Genossen gestellte Antrag auf Aendermig dcö Elatsjahres wird, nachdem die bean- Iragte Schlußberaihung verworfen war, in die Budget- kommission verwiesen. Der Ministerpräsident erklärt sich bereit, die ! Loewe'sche Interpellation*) zu beantworten, woraus der ! Abg. Loewe dieselbe begründet. Der Ministerpräsident antwortet: Die Regie- rung hätte selbst volle Uebereinstimmung in die Wahlgesetze zu bringe» gesucht. Ob sie vertragsmäßig berech- tigl war, die« zu verlangen, ist streitig. Aber welche« auch die Berechtigung der Regierung hätte sein mögen, so ist die Lage dadurch eine andere geworden, daß Preu- ßen selbst auf Aulrag dieses Hause« Aenderungen vor- genommen hat. Ich habe selbst vor solchen Aenderungen gewarnt. Seitdem halte ich mich nicht berechtigt, von der mecklenburgischen Regierung zu fordern, daß sie stch der Veränderungeu enthalten soll. Aber auch bei zwei- sellosem Recht würde ich es für einen politischen Fehler halten, jetzt davon Gebrauch zu machen. Unser Bedürf- »iß gehl auf ein baldiges Zusammentreten des Parla- ments, dem ich große« Gewicht beilege, und eine Ber- zvgerung wäre gegen unser Interesse. Den niecklenburgi- scheu Abgeordneten werden wir ihre Legitimation nicht an- zweifeln können. Die Diskussion des Geuoffenschasisgesetzentwurs« leitet der Abg. Laster durch einen Vortrag ein, in welchem ] er die große Bedeutung de« Genossenschaftswesens nach- � : wie« und die Gesichtspunkte der Kommission in Beireff der unbeschränklen Haftbarkeit und der Ausschließung ' der staatlichen Genehmigung darlegte. Die Regierung ist in der Adoption verschiedener Prinzipien der Kom- Mission, die Kommission ebenso der Regierung entgegen- gekommen, eine Einigung ist nicht erzielt in Betreff der I *) Ob und welche Schritte da« StaatSministerium gethan hat, um die Abweichungen von den prinzipiellen Bestimmungen des Reichswaylgesetzes von 1849 zu beseitigen, welche die mecklenburgischen Regierungen in dem von ihnen publicirten Wahlgesetz für das Parlament vorgenommen haben, obgleich sie in dem Art. 5 de« mit i Preußen geschlossenen Vertrage« vom 21. August 1866 sich verpflichtet haben, die Wahlen ans Grund des Reichs- ' Wahlgesetze« vom 12. April 1849 vornehmen zu lassen. (Der Abgeordnete stellt folgende einzelne Abweichungen zusammen:) I) die Beschränkung zu wählen und gewählt zu werde» aus Mecklenburger; 2) der Ausschluß der aktiven Militärpersonen vom Wahlrecht; 3) die Aus- schließung der wegen politischer Verbrechen Bestraften vom aktiven und passiven Wahlrecht; 4) die Beschrän- knng des Wahlrechts aus diejenigen, welche da«„Nieder- lassungsrecht" erworben haben; 5) die Eintheilung der Wahlkreise, indem nicht geographische Bezirke, sondern Bezirke nach der Eintheilung de« Landes in Dominium, Ritterschaft und Landschaft(Städte) gebildet sind— worin der Interpellant die schwerste Verletzung der Prin- i zipien des Reichswahlgesetzes erkennt. von der Regierung geforderten staatlichen„Anerkennung"; diese würde einen schlimmeren Zustand herbeiführen, als der jetzt bestehende. Diese Frage werde den Mittelpunkt der Generaldiskussion bilden. Redner begründet anssühr- lich de» Standpunkt der Kommission. Der Abg. Glaser hat mehrere Amendements gestellt, welche einige gesetzliche Beschränkungen in der Ansdeh- nnug der Geschäfte ,c. einsllhren wollen. In der allgemeinen Debatte' sprach zunächst der Abg. S troßer, der sich der zeitgemäß zu reformirenden In- nungen annahm, aber auch das Genoffen schafiswesen acceptirte, mit welchem jedoch n>ehr sittliche Momente zu verbinden seien. Er will in erster Linie der Regierung«- Vorlage zustimmen, eventuell auch der Kommissionsvor- läge beitreten. Abg. Lesse(für die Kommissionsvorlage) beleuchtet die privatrechtliche Stellung und Bedeutung der Genoffen- schatten. Abg. Eon Yen sprach namentlich gegen die Solidar- hast; die Kreditaufnahme im Betrage de« Bierfachen des eigenen Vermögens, wie die Statistik der Genoffenschaf- ten sie aufweise, sei nicht solide und deshalb die Solidar- hast gefährlich. Vom kaufmännischen Standpunkte habe er Bedenken gegen das ganze Gesetz. Abg. Laßwitz: wie er an« siebenjähriger Erfahrung als Verircter der an Mitgliedern zahlreichsten Darlebns- genossenschaften aussprechen könne, habe da« Genossen- schaftswesen sich bewährt, der Breslauer Verein wäre nicht entstanden, wenn damal« die Bestätigung der Re- gierung nöthig gewesen wäre; gegen die von der Kom- Mission gemachte Concession der Zufügung der Straf- Paragraphen werde er stimmen. Abg. Glaser motivirie seine Amendements. Der Handelsminister erklärt, die Staatsregierung wünsche da« Zustandekommen des Gesetze« und habe daher das Entgegenkommen der Kommission mit Genug- thuung bemerkt. Es gebe aber auch Gegner; deshalb sei es wünschenSwerlh, daS Gesetz in der Fassung der Regierung angenommen zu sehen. Die Regierung lege Werth darauf, daß auch Z. 4 angenommen werde, um da« Durchgehen des Gesetzes zu erleichtern, sie werde den Enlwurs aber nicht zurückziehen, wenn§. 4 falle. Abg. v. Vincke(Hagen) feiert die Verdienste Schulze'« und tritt namentlich für die solidarische Haftbarkeit ein. Am Schluß der GeneraldiSkussion über das Genossen- schastSgesetz sprach der Abg. Schulze als Antragsteller. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wurde dann in die Specialdebatte über die§§. 1 bis 4 des Gesetzenl« wurs« eingetreten, zu welcher der Abg. Becker da? Wort nahm. Aus Antrag des Abg. v. Bonin wurde die Debatte aus eine morgen(Dienstag) um 7 Uhr abzuhaltende Feuilleton. Arbeiter- Schute. Von Gustav K. Tic Galvanoplastik und die clcclro-magnetischrn Telegraphen. (Schluß.) Die electro-magnetischen Telegraphen. Der Wunsch, sich ungeachtei weiter Entsernungen chnell zu verständigen, gehört den ältesten Zeiten an. Selbstverständlich waren die ersten Mittel, deren man sich bierz» bediente, höchst unvollkommen, fanden aber trotzdem noch in der neuesten Zeit Anwendung und erst vor einigen Dezennien war man im Stande, sie allge- mein durch die electro-magnetischen Telegraphen zu er- setzen. Schon im vorigen Jahrhundert glanbie man nämlich aus der geheimnißrolle» Wechselwirkung, die Electricität und Magnetismus aus einander ausüben, nicht nur auf eine höchst innige Verwandtschaft, sondern sogar auf eine Identität dieser Naturkräsie schließen z» dürfen; doch erst dem dänische» Professor Oerstedt gelang es,(1826) in dieser Beziehung etwas Positives ausziisielleii. Dieser oder vielmehr seine Schüler mackren nämlich die Beobachtung, daß durch den galvanischen Strom die Magnetnadel von der ihr eigenthllmlichen durch den Erdmagnetismus bedingten Richtung obgelenki wurde, und diese Beobachtung— ist da? Embryo, aus dem sich die Lehre von unserer heutigen Telegraphie entwickeln sollte. Oerstedt wußte seine Entdeckung durchaus nicht ge- nügend zu benutzen, erst nachdem dieselbe von deutschen Gelehrten in die Hand genommen wurde, nachdem von diesen eine Reihe gründlicher Untersiichungen über da« obige Phänomen angestellt wurde, und dann in rascher Reihenfolge nicht minder wichtige Enideckungen gemacht worden waren, erst dann war man im Stande, die ge- sammelten Erfahrungen im praktischen Leben zu ver- wert he». Diejenige» Entdeckungen, die nachmals zur Construi- rung unserer Telegraphen führten, sind folgende: 1. Der galvanische Strom lenkt je nach sei- ner Oualität, d. h. je nachdem er-s- oder— ist, die Magnetnadel nach verschiedenen Rich- tu ngen. Aus diese Beobachtung beruht die Construction der ersten und zwar in England zuerst ins Lebe» gerusene» Telegraphen. Man sieh!, daß, um sich auf weite Ent- sernungen zu verständigen, nichts weiter nöthig ist, al« die verschiedenen Abweichungen der Nadel je nach ihrer Zahl und Richtung mil den verschiedenen Buchstaben zu denennen und selbstverständlich kann dann da« Telcgra- pbiren mit der Schnelligkeit des Buchstabirens vor sich gehen. Aus die Entfernuiig kommt es bei der unge- bellten Schnelligkeit, mit der der electrische Strom seinen Weg zurücklegt, dabei gar nicht an. Man Hai in neuester Zeit aiii dem Continent diele Methode zu lelegraphiren verworfen und es werden bei uns ausschließlich diejenigen Apparate angewendet, die von ihren Entdeckern, dem Preußen Siemen« und den Amerikaner Morse die Namen tragen. Ihr« Construction gründet sich auf die Beobachtung, daß durch den galvanischen Strom Eisen vor- übergehend, d. t während der Dauer de« Stroms inagnelisch wird. Ich setze voraus, daß meine Leser den Magnet.und seine merkwürdige Eigenschaft, Eisen k. aus geringer Entfernung anzuziehen, kennen. Alle Eigenschaften de« Magneten werden nun durch de» galvanischen Strom dem Eisen verliehen. DieS zu bewerkstelligen wird das Eisen gleich eineni Hufeisen ge« förmi, dann werden seine Schenkel spiralförmig mit Draih umwunden und die Enden de« letzteren mit den Polen einer beliebig weit entfernten Batterie ver- bunden. Der Leser behalte diese Worte genau im Gedächtniß und betrachte nun bei erster bester Gelegenheit genau den Morse'schen Telegraphen. Terielbe befindet sich meist in einem Glasgehäuse und ist dem Blicke fast in allen seinen Theilen dadurch zugänglich. Man suche zuvörderst, um sich schnell zu orientiren, das hufeisenförmig gebogene mit dem Drath umwundene Eisen aus. Die Dralhenden desselben sind, wie bereits erwähnt, mit den Polen einer Batterie verbunden und der galvi« nische Strom würde nun unausgesetzt da« Hnseisen um- kreisen und dasselbe sofort in den sogenannten Electro- Magneten verwandeln, wenn nicht der Zuleitungsdrath an gewisse Stellen unterbrochen wäre. In der Hand des Telegrapbirenden liegt es nun, mittelst eines leicht beweglichen Leiters, des sogenannten ; Hebels, diese unterbrochene Verbindung wieder herzu- i stellen. Geschieht die«, so entsteht der electrische Strom, die- ser verwandelt sofort das Hufeisen in einen Electromag- neten und dieser beihäligt seine neue Funkiion dadurch, daß er ein Uber ihm schwebendes Metallstäbchen, den Anker, anzieht. Der Leser wird c« nun begreiflich sin- den, daß, wenn sich das eine Ende des Ankers senkt, sich da« andere Ende dafür hebt. A» diesem letzteren befindet sich nun ein kleiner stäh- lerner Stift, der in einem Papierstreisen, welcher sich über ihm durch eine sinnreiche Vorrichtung in fortwährender Bewegung befindet, Eindrücke zurückläßt. Durch die ver- schieden« Dauer dieser Eindrücke ist man nur im Stande, Linien und Punkte—.— z» bilden. Alle« andere erklärt sich nun eigentlich von selbst. Die verschiedenen Striche und Punkte erhalten durch ihre Zahl und Reihenfolge bedingte Buchstabennamen,— heißt z. B. a,- b,-. c u. s. w. Da mau es in der Gewalt hat, die Daner de« eleclrischen Strom« zu bestimmen, ist man auch im Stande, die verschiedenen Buchstaben de« Alphabels zu formen und so scheint e« denn, al« ob unser Arm eine riesige Ausdehnung gewinne und wir in Stande sind, uns meilenweit enisernten Personen in einem Augenblicke ans einige Schritte zu nähern und ihnen unsere Wünsche und Befehle in klaren Schriflzllgen mitzutheilen. Wenn auch nicht in der Eonstruction, so ist doch im Princip(und die« ist ja dem Leser im Vorstehenden hin- länglich erklärt) der Siemens'sche Telegraph dem Morse- schen sehr ähnlich und der Leser wird seine specielle Be- schreibung»m so weniger«ermissen, als die verschiede- nen Eonstructionen der Telegraphen doch nur eine Frage der Zeil sind und wir mit Bestimmiheit darauf rechnen können, daß sie binnen einigen Jahrzehnten von weit besseren und billigere» Apparaten verdrängt sein werden. Dagegen wollen wir noch zum Schluß einen Blick aus